Beiträge von tomorgel

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    Übrigens:


    Ich denke, ich spreche für alle Autoren, wenn ich darum bitte, eure Stimmen beim Deutschen Phantastik Preis abzugeben.
    Wichtig ist vor allem, dass ihr abstimmt - dass so viele wie möglich abstimmen.


    Beziehungsweise im Moment gerade ihre Vorschläge abgeben, aus denen dann die Shortlist erstellt wird.


    Und wenn euch wirklich niemand für "bester Roman" einfällt, würden wir die Last eurer Stimmen auch auf uns nehmen. ;)
    Hauptsache, es gibt bis Ende März so viele Stimmen wie möglich, damit der DPP der größte und damit aussagekräftigste Publikumspreis des deutschsprachigen Raumes bleibt.


    Also: wer hat noch nicht, wer will noch mal?


    http://dontapir.de/dpp/Wettbewerb_Vorrunde/

    Zitat

    Deshalb mag ich Joe Abercrombie (allerdings ist sein Fazit am Ende meistens, dass ja doch wieder nur die Arschlöcher gewinnen).


    Das Interessante bei ihm ist in diesem Zusammenhang ja aber auch, dass jeder von uns ein Arschloch ist. Manche mehr, manche weniger, aber keiner ist gefeit.
    "Best served cold" fand ich in diesem Zusammenhang halt besonders eindringlich. Der am Ende sympathischste Charakter ist der, der sich nicht geändert hat. Cosca war am Anfang nichts sympathisch, bleibt aber auf diesem Stand und sammelt einfach keine Minuspunkte. Spannendes Experiment, dieser Roman.
    Mit einer spannenden Moral: Es gibt keine allgemeingültigen Regeln. Jeder ist für sich und das, was aus ihm wird, selbst verantwortlich (und für die Taten, die aus seinen Entscheidungen entstehen).


    Man merkt ihm (Abercrombie) halt durchaus an, dass er ausgebildeter Psychologe ist.


    Zitat

    Interessanter Gedanke: Moralische Aspekte im Fantasyroman. Die sehe ich eher selten bis gar nicht.


    Kann aber auch daran liegen, dass es a) gut gemacht ist, oder
    b) auf dem traditionellen Level von Märchen läuft - und damit eine Moral transportiert, die wir alle schon seit der Kindheit kennen und deshalb gar nicht mehr bewusst (!) bemerken. Die Klassiker eben. "Böses lohnt sich nicht", "Das Gute hat eine Chance, zu gewinnen", Verteidigung der klassischen Werte wie Mut, Tapferkeit, Ehrlichkeit, Aufopferung, Pflichtgefühl, Ehre ...
    Das ist, realistisch betrachtet, so vermutlich nicht ganz richtig (siehe Abercrombie), aber für Fantasy, die eher Jugendliche/Heranwachsende ansprechen soll, trotzdem wichtig. Deswegen sind ja Abercrombie und Konsorten doch eher was für Erwachsene. Nicht, weil sie blutig, schmutzig und eventuell mit Sex gespickt sind, sondern weil man ab einem bestimmten Alter weiß, dass "das Gute" nicht immer gewinnt - und dass es oft genug nur eine geschönte Sichtweise auf eine andere Art von Arschloch ist.


    Okay, es gibt sicher auch eine Menge Vertreter von Punkt c) Gar nicht darüber nachgedacht.


    Aber wie ich einige der Kollegen inzwischen kennengelernt habe, sind A) und B) auch gar nicht so selten.


    Zu den positiven Beispielen fällt mir Adam "A.R.R.R." Roberts' "Star Warped" ein. Oberflächlich betrachtet eine platte Parodie auf Star Wars ergibt es am Ende mehr Sinn, als Star Wars selbst. Und stellt die Moral, die in Star Wars ja knüppeldick aufgetragen wird, komplett in Frage. Sehr cooles Buch (aber Roberts ist ja nicht ganz umsonst Literatur-Professor).


    Und wer ja immer eine Menge moralische Themen behandelt, ist Pratchett. Je neuer das Buch, desto mehr davon.

    Zimmer-Bradley hat einen der coolsten SciFi/Fantasy-Crossovers geschrieben, den ich kenne.


    Die "Jäger des roten Mondes" und die "Gejagten des Roten Mondes".


    Verfilmt 2010 als schlecht übermaltes Neuscript namens "Predators". Wobei ihre Version cooler war.

    Zitat

    Und die Messlatte für den dritten Band selbst sehr hoch angelegt :)


    Das erleichtert es ungemein. Also den Umstand, dass ich gerade wieder beim (bei mir wohl üblichen)Punkt bin: Boah, ist das diesmal alles Scheiße, was ich schreibe. ;)
    Neil Gaiman hat mal beschrieben, dass das bei ihm regelmäßig nach 3/4 eines Manuskriptes auftritt, aber zu der Zeit bin ich dann schon so im Vorabgabestress, dass es mir eigentlich egal ist. Ich hab diesen Punkt generell nach dem ersten Viertel. *g*


    Zitat

    Tja, was sind sie nun, eine außerirdische Rasse? gehen wir hier in ein crossover zur SF? Oder sind es ehemalige Bewohner, eine körperlich ausgestorbene Rasse, deren Seelen (oder etwas in der Art) jetzt agieren? Dann wären es aber in gewisser Weise auch Ahnen, oder?


    Du verzeihst mir hoffentlich, dass ich diese Frage im Rahmen dieser Leserunde nicht abschließend beantworten werde. ;D


    Wobei ich davon unabhängig mal sagen möchte, dass es meiner Ansicht nach zumindest noch lange kein Zeichen für SF zu sein braucht, wenn etwas "nicht von dieser Welt" ist.
    Es mag allerdings an meinem Alter liegen (mein Gott, ich muss wirklich alt werden, wenn ich jetzt schon diese Formulierung benutze), aber ich erinnere mich noch sehr gut an die Fantasy der 80er und frühen 90er, in denen es fast schon Standard war, dass irgendetwas "auf eine andere Welt" oder wahlweise "aus einer anderen Welt" kam. Ob das jetzt eine Elfen-Anderswelt wie in der Artussage (z.B. in der damals so populären Schwarte "Die Nebel von Avalon" von MZB), ein Sprung in eine Art lebendig gewordene Rollenspielwelt (z.B. "Die Hüter der Flamme"-Serie von Rosenberg oder die Shannara-Serie von Terry Brooks) oder dimensionsspringende Eindringlinge aus anderen Welten (wie in zahlreichen TSR-Welten-Romanen) waren - es hatte nie auch nur einen Hauch von SciFi. Auch die "Raben"-Serien von James Barclay z.B. sind High Fantasy ohne SciFi-ansatz - und haben gleich mehrere sehr unterschiedliche Parallelwelten.
    Quasi alle Geschichten vor Jules Verne und die meisten Lokalsagen spielen also mit "außerirdischen Wesen" (Feen, elfen, Zwerge, Wichtel, Geister, wasauchimmer - sie alle sind außer-irdisch, also nicht von dieser Erde. Nur ist keiner von ihnen aus dem Weltraum.


    Es scheint aber tatsächlich so zu sein, dass das gerade etwas aus der Mode gekommen ist. Wäre eigentlich ja mal wieder ganz nett ...

    Ob er der letzte seiner Rasse ist, weiß ich noch nicht. Aber der letzte seines Stammes, das dürfte hinkommen.
    Wobei man ja nie weiß, wer sonst noch so irgendwo herumläuft und auch glaubt, der letzte dieses Stammes zu sein (das wiederum ist ein Gedanke, den ich gerade amüsant finde. Zehn letzte Mohikaner und so ... *g*)

    Ihr spannt uns aber auch gerade auf die Folter mit euren abschließenden Meinungen und Rezensionen! *g*


    Aber soviel kann ich auch noch verraten: Ihr bekommt ein wiedersehen mit Sekesh. Genauso wie Glond und Krendar und noch der einen oder anderen Figur. ;)

    Zitat

    Das ist ein Punkt, der mir erst im Nachhinein bewußt geworden ist. Das sie hier gemeinsam einen Sieg errungen haben, für den es keinen Ruhm geben wird und keine Anerkennung.


    Für uns ein wichtiger Punkt zum Thema "Heldentum". Leute, die den Job machen, auch wenn sie wissen, dass es dafür keine Hand der Prinzessin und kein halbes (oder ganzes) Königreich und die unsterbliche Liebe der geretteten Völker geben wird. Wir mögen die kleinen Happy-endings, die durchaus im Rahmen des möglichen sind, nicht die unrealistischen wie "Weltfrieden" oder "real existierender Kommunismus".


    Zitat

    Noch schlimmer finde ich, das diese großartige Zusammenarbeit von Dalkar, Aerc und Menschen wohl keinen Vorbildcharakter für den großen Krieg zwischen Orks und Zwergen haben wird.


    Du findest es schlimm? In wiefern? Hoffentlich nicht in Bezug auf das buch und die Qualität seines Endes an sich. *g*


    Zitat

    Ich hatte es so verstanden, das es sich bei diesen 'Ahnen' um ein eigenes Volk oder gar einen 'außerirdische' Rasse von intelligenten 'Überwesen' handelte (haben die nicht sogar einen eigenen Namen?), die die Ahnen der Aerc mit Wissen versorgt haben, so das sie zu dieser Hochkultur werden konnten, die diese Stadt gebaut hat, von der jetzt nur noch Ruinen stehen.


    Wow. Ich bin ein wenig gerührt, dass so viel aus den unvollständigen Andeutungen dieses Bandes herauszulesen war. *g*


    Zitat

    (haben die nicht sogar einen eigenen Namen?)


    Jup. Nol Ru (oder auch Nol'Ru).

    Moin allerseits.
    Da werf' ich doch auch noch ein wenig was in die Diskussion ein. Insgesamt bin ich erstaunt, wie nahe ihr alle gelegentlich den Hintergrundgedanken kommt, deren Lösung eigentlich zum Teil erst für Band 3 geplant ist. *g*


    Zitat

    Zwischenzeitlich liest ein Sohn das Buch. Für ihn ist es ein Manko, dass die Orks zu sehr vermenschlicht werden. Mir gefällt gerade das.


    Das ist ein sehr interessanter Gedanke, darfst du deinem Sohn ausrichten. Gerade weil es mich (und auch Stephan) an Stan Nicholls Orks gestört hat, dass seine Orks nur wie grün angemalte Menschen agieren.
    Der Punkt ist allerdings, dass das reine "orkisch sein" Tolkiens nur dann funktioniert, wenn man von einer psychisch vollkommen kaputten Rasse mit einem Rassenschöpfer ausgeht (sei es Sauron, Melkor, Saruman oder irgendeinem anderen die Rasse produzierenden Schöpfer, vorzugsweise irgendeinem bösen Magier) ausgeht. Wenn man, wie wir, mit der Prämisse arbeitet, dass Orks eine humanoide Rasse ist (wie bsp. Homo Steinheimensis oder der Neandertaler), die sich natürlich entwickelt hat, dann greifen gewisse Grundzüge der sozialen Evolution, die sie beinahe zwangsweise menschlicher als Tolkiens "künstlich" geschaffene Orks machen. Auf das gleiche Problem sind auch die Schöpfer der Predatoren schon gestoßen, wie es in den Filmen schon angedeutet wird und in den nicht verfilmten Beiwerken (wie den comics) zu sehen ist.
    Eine Kultur NUR aus Arschlöchern (pardon) funktioniert nicht. Mal davon abgesehen, dass auch die Menschen alles Potential haben, mehr Arschloch zu sein als es selbst Orklegenden wie Azok (der Albino-Ok im Hobbit) es schaffen. Insofern hat selbst Peter Jackson die Erfahrung gemacht, dass er bei mehr menschlichen Zügen landet, wenn er den tolkienschen Orks mehr Charakter geben will. Eine für mich erstaunliche Erkenntnis, die sich aber genauso auf die Elben Tolkiens wie auf die Frostriesen der germanischen Mythologie ausweiten lässt: Die Wesenszüge, durch die wir diese fremden Rassen auch nur halbwegs verstehen und als nicht als hirnlose Monstren begreifen können sind solche, die wir als menschlich betrachten.
    Uns bleibt damit nur, sie aus Sicht der anderen Völker als genau das darstellen (hirnlose Monstren) - doch sobald wir ein Verständnis zwischen den Figuren hervorrufen wollen, müssen wir sie als uns ähnlich anerkennen. Sehr knifflige Sache, an der wir auch im Band 3 wieder feilen.

    Geht mir ähnlich.
    In diesem Band waren auch Modrath und Sekesh zwischenzeitlich ganz kurz davor, aus logischen Gründen den Löffel abzugeben (und der Hauptprotagonisten-Tod in Band 1 stand bis etwa 2 Kapitel vor seinem tatsächlichen Abtritt nicht fest (und zwischenzeitlich starb er früher). Ich bin nicht dafür, Charaktere zwangsläufig überleben zu lassen, nur weil sie die Protagonisten sind, allerdings habe ich auch nicht das GRR-Martin-Syndrom des "wem schenken die meisten Leser ihr Mitgefühl, wen muss ich also als nächstes umlegen, damit es richtig weh tut". Die Frage ist immer: Finden wir eine Lösung, die nicht erzwungen wirkt, um die Figuren überleben zu lassen - oder ist der Tod der Figur die logischste Lösung ihrer Situation.
    Genau genommen hat nur Krendar diesen Band aus Planungsgründen überlebt. Und bei ihm war ich kurz versucht, seine Hauptrolle für Band 3 an Sekesh übergehen zu lassen. ;)

    Zitat

    Und die Bilder sehen super aus. Habt ihr die vorher gefunden bevor ihr die Szene geschrieben habt oder war das dann eher ein Zufallstreffer?


    Ein gesundes halbes Zweidrittelwissen hilft da meist weiter. *g*
    Irgendwann irgendwo schon mal etwas in dieser Art gesehen oder zumindest gelesen (vermutlich irgendwann in der Jugend in einem GEO oder so.) - und dann die Suchmaschine benutzt, um die Erinnerungsreste aufzufrischen, als sich abgezeichnet hat, dass ich für die Beschreibung so etwas in der Art brauchen kann. Ich kann mir derartige Informationsfragmente weit besser merken als meine eigene Festnetznummer. ;)

    "Spoilers!", wie River Song sagen würde ... ;)


    Letztendlich läuft es aber auf das alte Problem mit dem ausgebrochenen Tiger hinaus: Betäubungsmunition oder scharfe? Soll der Tiger weiterhin Kunststückchen vorführen oder wird er aus dem Programm gestrichen?

    Aber damit kein falscher Eindruck entsteht:


    Vollkommen planlos schreiben wir nicht. ;) Wir haben eben den großen Vorteil, das ganze zu zweit zu erarbeiten und uns damit immer wieder ziemlich schnell einbremsen zu können. wir müssen es nicht schon im Vorfeld tun wie Einzelschreiber, wir haben den Luxus, jemanden zu haben, der ganz schnell auf Schwachstellen hinweisen kann. Und wenn etwas klemmt, gibt's keine Schreibblockade, sondern einen zweiten, der verfahrene Ideen rigoros rausschmeißen und mit neuen aufwarten kann. Außerdem inspiriert das Lesen dessen, was der andere geschrieben hat, immer wieder und bringt quasi von selbst passende Ansätze zur Lösung von kniffligen Punkten und neuen Ansätzen im eigenen geschriebenen. Und zwei Hirne vergessen außerdem weniger als eines.
    Dazu kommen eben die wirklich guten Alpha-Leser, die schon während des Schreibens auf knifflige oder noch holprige Stellen auch im Plot und der Charakterentwicklung hinweisen. Das ist extrem viel wert.

    Was den Verhüllten angeht, kann ich es ja jetzt sagen:
    In der anderen Leserunde kamen die meisten zur Überzeugung, dass es Kettwych gewesen sein müsste, der irgendwie von den Toten zurückgekommen ist (der Verhüllte hatte ja auch gesagt, dass er tot gewesen sei).
    Einfach, weil er einem Heilsbringer (Navorra) gefolgt sei, weil er eine Zeitlang von den Göttern abgekehrt war (was auf Kettwych eben auch zutrifft), bevor er sie wiedergefunden hat, weil er nur flüstert (Veyd, weil er durch seine Entstellung heiser ist) - das wurde auf seinen durchschnittenen Hals geschoben - und natürlich die Verhüllung (Kettwych ist ja entstellt, was eben gut gepasst hatte, während Veyd die Verhüllung wegen seiner Haut trägt). Außerdem habe ich Kettwych immer als "Kapuzenmann" bezeichnet, was natürlich auch gut zum Verhüllten gepasst hat. Und schließlich hatte Kettwych ja schon bewiesen, dass er mit Menschen, Zwergen und Orks gleichermaßen reden konnte. - eine falsche Spur also, die ich absichtlich gelegt hatte und auf die die andere Leserunde voll angesprungen ist. Ihr dagegen keine Sekunde.
    Das fand ich eben besonders faszinierend.


    Auch das Geheimnis der Stammesmütter war ja in Band 1 schon komplett angelegt (ihr Geheimnis ist einer der ältesten Bestandteile der Handlungswelt - mit diesen Wesenheiten hatten es meine spielrunden schon vor rund 20 Jahren zu tun).


    Was Corsha, Ronkh und Razar angeht: Jep, das siehst du vollkommen richtig. Sie wurden nur nicht von ihr aufgezogen, da sie als Leibwächterin einer Schamanin mit anderem beschäftigt war (und in Aercstämmen den Job des Welpen-Aufziehens ohnehin das ganze "Haus" der Familie übernimmt).


    Band 3:
    Nein, viel verraten wir dazu nicht. Nur soviel: Nach dem Schwerpunkt Aerckultur wird im nächsten Band der Schwerpunkt ein wenig mehr in Richtung der Zwergenkultur verschoben.
    Band 3 wird knapp ein halbes Jahr nach dem Ende von Band 2 beginnen, also mit etwas mehr Abstand diesmal. Wir gönnen unseren Jungs und Mädels ein klein wenig Verschnaufpause. ;)


    Freut mich, wenn dir der Schluss gefallen hat. Das war unsere Hoffnung.
    Hoffentlich wurden am Ende auch die meisten deiner Fragen vom Rest der Geschichte beantwortet. *g*