Beiträge von StephanOrgel

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    Meine Rezi kommt spät, aber ich hoffe, der Dank von mir kommt auch noch an.


    Ja, kommt er ;)


    Besten Dank nochmal für Euer Mitmachen und Diskutieren. Es hat - wie bereits erwähnt - richtig Spaß gemacht und es waren eine Menge wirklich guter Hinweise dabei, die uns helfen, unsere "Schreibe" (eigentlich hasse ich dieses Wort ja) zu verbessern. Ich hoffe, wir können auch im nächsten Jahr mit Teil 3 hier wieder in eine Leserunde einsteigen.

    Manchmal finde ich die (vermutlich) ungewollte Moral schon ziemlich gruselig: Ich denke da gerade an das romantische Prinzessinnenbild aus Twilight wo eigentlich auch nur das vereinfachte Weltbild vom Aschenputtel aufgegriffen wird, das immer einen tapferen Prinzen benötigt, um gerettet/glücklich zu werden. Oder die all zu geradlinige Action-Fantasy in der unser Held nach dem Niedermetzeln eines kompletten Volkes, das zufällig gerade unter dem falschen König zu leiden hat, den Thron besteigt.


    Dabei wird es doch erst so richtig spannend, wenn sich Bella und Edward irgendwann bei IKEA auf die passende Couchgarnitur einigen müssen, der heldenhafte, neu gekrönte König vor die Aufgabe gestellt wird, das Steuersystem auf Bierdeckelgröße zu vereinfachen oder sich mit einem brutalen Meuchelmörder herumschlagen muss, der scharf auf seinen Thron ist - und der im Fortsetzungsroman der neue strahlende Held und Retter des von Held Nummer 1 geknechteten Volkes wird.

    Na klar, kulturelle Unterschiede gibt es, sonst wäre es ja auch langweilig auf der Welt (und Urlaube nur halb so spannend). Aber je mehr man reist, um so mehr merkt man auch, dass die Mehrheit der Menschen einfach nur ein nettes Leben haben will und gar nicht so übel ist, wie man manchmal denken mag. Die, die den schlechten Ruf eines Landes ausmachen sind die leider oftmals besonders laute und/oder mächtige Minderheit (Kapitalisten, Putschisten, Kommunisten, Militaristen, Dschihadisten ... und wie diese Isten alle heißen mögen sowie die ganz normalen Verbrecher, die in ihrem Gefolge auftreten). Um den Bogen wieder zurück zum Buch zu kriegen: All die orkischen Kriegsherren und größenwahnsinnigen Zwerg-Adeligen, die glauben, dass nur sie allein im Recht sind - und immer nur die anderen aus Urschlamm gekrochen sind. Und das beweist wieder mal, dass auch die eskapistische Fantasy einen moralischen Aspekt haben kann ;)

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    Doch ihr Äußeres bleibt mir unwichtig. Ihre Charaktereigenschaften und ihr Handeln zeichnen sie aus, und lassen sie näher zueinanderrücken, als es ihre Völker wahrscheinlich tun würden.


    Das erinnert mich wieder an letztes Jahr, als wir in Saigon abends im Stadtpark herumliefen und uns immer wieder Studenten ansprachen die an Touristen ihre Englischkenntnisse aufbessern wollten. Die meisten von denen hatten eine unglaublich weltoffene Art und man merkte irgendwann, dass die Unterschiede zwischen uns gar nicht so groß waren, wie man denken konnte. Nur ein deutlich älterer Student betonte immer wieder penetrant, wie unterschiedlich die Kulturen und Denkweisen doch seien. Irgendwann kam ich dann zu der Überzeugung, dass der Kerl von der Regierung dazu abgestellt war, diese Studentengespräche im Stadtpark zu überwachen und nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Trotz allem ist Vietnam ja immer noch irgendwie kommunistisch und es kann doch nicht sein, dass aufrechte Arbeiter und Bauern dem kapitalistischen Klassenfeind zu ähnlich sind ... Jedenfalls trifft das ganz gut Eure Beobachtung bei Glond und Krendar: Es kommt eben mehr auf ihre Handlungen und Taten an als aufs Aussehen.

    Es gibt ja glücklicherweise immer noch die guten alten Dämonen: Wenn es aus dem Weltall anfliegt ist es langweilige, angestaubte SF, kommt es dagegen aus der Erde gekrochen, ist es ein cooler Dämon ;)


    Was es nun wirklich ist, erfahren wir vielleicht im dritten Band - vielleicht aber auch nicht. Manchmal finde ich es selbst viel spannender, wenn etwas im Dunkeln bleibt und ich mir meine eigenen Gedanken machen kann.

    Apropos: Ich habe dieses Wochenende seit Langem mal wieder den letzten Mohikaner gesehen (die Version von 1992). Ok, ich fand ihn nicht mehr ganz so beeindruckend wie damals, aber die Schlusssequenz ist immer noch unglaublich gut. Und wie ich feststellen musste, würden die Bösewichter - allen voran Magua - erstklassige und sehr coole Orks abgeben (wenn auch nicht so groß und weniger massig).

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    Stephan und Tom, war eigentlich von Anfang klar, das die ganze Truppe überleben würde?


    Ich denke, das kann man mit einem Nein beantworten. Wir haben natürlich gewisse Vorgaben im Kopf die unter anderem auch die Geschehnisse im dritten Teil betreffen (bis dahin muss der eine oder andere ja zwangsläufig überleben), aber wenn uns während des Schreibens ein logischer Grund einfällt, warum ein Charakter zwangsläufig sterben muss, dann werfen wir auch schon mal Teile der Pläne über den Haufen. Wenn dadurch die Geschichte in unseren Augen - und am Ende in denen der Leser - besser wird, warum nicht? Davor sind selbst die Hauptcharaktere nicht gefeit ... auch wenn ich zugeben muss, dass sie mir so sehr ans Herz gewachsen sind, dass es weh täte.

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    Ich finde es immer wieder erstaunlich zu sehen wie Autoren arbeiten 8)
    Diese Einblicke machen diese Leserunden für mich zu etwas ganz Besonderem.


    Weil man plötzlich feststellt, dass die Autoren keine Ahnung haben von dem was sie schreiben? ;)
    Aber ganz im Ernst: ich glaube, es war in den Writing Excuses wo sie mal darüber berichteten, dass man sich für logische Fehler nicht immer rechtfertigen sollte. Irgendwo gibt es im Verlauf einer Diskussion immer einen Fan, der den Kritikern erklären kann, dass die bemängelte Sache unter dieser oder jener Voraussetzung tatsächlich funktioniert. In dem Fall muss man als Autor dann nur noch wissend nicken und dem schlauen Fan im Stillen auf Knien danken.

    Wie philosophisch. ;)
    Aber es scheint wohl tatsächlich so, dass die Feuermethode die rabiate Methode ist. Der Nachteil daran ist, dass die Zerstörung des Steins die Stimmen vollständig zum Verstummen bringt.
    Aber wenn der Tiger, um es mit Tom's Worten auszudrücken, aus seinem Käfig ausgebrochen ist und anfängt, Menschen zu verspeisen, dann muss man eben etwas anders vorgehen.

    So grundsätzlich haben wir natürlich von unseren Hauptfiguren eine gewisse Vorstellung. Die brauchen wir ja auch damit unsere Geschichte funktioniert (so stand von vorneherein fest, dass Glond nicht der typische trinkfreudige Zwerg sein würde und Krendar nicht der typische brutale Ork von nebenan). Aber vom Aussehen und Verhalten her entwickeln sie sich erst während des Schreibens, so dass sich bis zur Fertigstellung des Buches doch noch so einiges ändern kann. Natürlich hatten wir dann im zweiten Buch deutlich weniger Spielraum da gewisse Attribute bereits feststanden.


    Bei den Nebenfiguren sind wir noch einmal ein Stück freier. Manchmal hat so ein Charakter anfangs gerade mal eine einzige Eigenschaft die er auf sein Stichwort hin ausspielt. Beispiel Dvergat, der im ersten Buch ursprünglich noch nicht einmal eine Eigenschaft hatte, sondern nur ein Fass Bier das er beim besten Willen nicht aufbekam. Sein einziger Zweck bestand darin, die Helden am Tor zum Hafenviertel aufzuhalten. Dafür brauchte er noch nicht mal einen Namen. Der war im Prinzip so ein richtig klassisches Rothemd (http://de.wikipedia.org/wiki/Redshirt). Aber was will man machen, wenn der Kerl sich einfach nicht an seine Rolle halten will und am Ende des ersten Buches noch nicht einmal stirbt? Das macht aber auch einen Teil vom Spaß am Schreiben aus, dass man selbst als Autor noch eine Überraschung erleben kann.

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    Mir wurde in den Buchhandlungen gesagt, dass die Verlage das ganz bewußt machen, damit die Käufer nicht abgeschreckt werden, wenn sie einen Fortsetzungsband in den Händen halten.


    Interessante Theorie. Könnte was dran sein.
    Und wenn ich jetzt so drüber nachdenke: Ich hatte damals zufällig Band 2 meiner Lieblingsfantasy-Reihe (die Klingen-Trilogie von Abercrombie) als Erstes in den Händen. Hätte ich zuerst nach Band 1 gegriffen, weiß ich nicht, ob ich weitergelesen hätte. Den fand ich mit Abstand noch am schlechtesten von allen seinen Büchern. Und beim Richard Schwartz muss ich mich auch erst noch überwinden, die zweite Serie anzufangen obwohl ich die erste sehr gemocht habe. Die Einzelromane dagegen habe ich mir ohne zu zucken direkt besorgt.

    Die Äußere Ähnlichkeit mit den Inka-Pyramiden und den zugehörigen untergegangenen Kulturen ist natürlich kein Zufall, wie der Tom schon sagt. Aber Inka und Maya standen ja nicht so auf Innenarchitektur (kaum Fenster und daher im Inneren von Häusern meistens ziemlich dunkel) und meines Wissens gibt es in deren Pyramiden so gut wie gar keine Gänge oder Ähnliches. Das Wichtigste spielte sich auf den Spitzen der Pyramiden ab. Aus dem Grund sind diese Gänge also tatsächlich nicht von den Inka inspiriert. Gut bemerkt, Rhea.


    Beim Inneren habe ich mich ganz stark aus einer anderen Kultur inspirieren lassen: Und zwar von den Tempelanlagen der Khmer von Angkor (und einigen kleineren im Norden). Da bin ich zwar nicht der Erste (siehe Tomb Raider: http://de.wikipedia.org/wiki/Ta_Prohm) aber sobald man mal inmitten dieser gigantischen Gebäude gestanden hat, versteht man die Faszination die davon ausgeht. Diese Tempel haben sehr viele Räume, Gänge und Innenhöfe. Wenn man sich vorstellt, dass früher mal über einigen dieser Höfe auch noch Dachkonstruktionen aus Holz drüber gebaut waren, hat man mit einem Mal riesige Höhlen in denen schon der ein oder andere blutige Konflikt zwischen Orks und Zwergen Platz finden könnte ...


    Die Holzdächer sind natürlich reine Spekulation. Es gab in Wirklichkeit etliche weitere Holzgebäude in und um die Tempelanlagen, aber die Innenhöfe blieben wohl frei. Rein technisch wäre es aber möglich gewesen, so ein Dach sogar auch aus Stein zu bauen - die Maya immerhin hatten schon den Beton erfunden.


    So und ehe ihr jetzt denkt, ich hätte den Urlaub als "Recherche" komplett von der Steuer abgesetzt, verrate ich euch, dass zumindest ich normalerweise erstmal wild drauflos schreibe und mir danach erst Gedanken über Realismus und Umsetzbarkeit mache. Ist ja schließlich ein Fantasy- und kein Historienroman ;)

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    Die Tatsache, daß normalerweise immer 2 Ork-Babys geboren werden, läßt die Gorotaks Aussage am Ende des ersten Bandes, daß er seinen Bruder schon im Mutterleib hätte töten sollen, in einem anderen Licht erscheinen.


    Hm, ist das eigentlich schon mal jemandem aufgefallen bzw. hatte das jemand erwähnt? Ich glaube nicht. Den Tom wird das freuen.