Beiträge von apassionata

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    Hallo zusammen,


    stecke momentan leider in einer kleinen Rezi-Blockade, was allerdings überhaupt nicht an diesem Buch liegt. Dennoch versuche ich nun kurz meine Eindrücke und ihre Wirkung zu beschreiben…


    Zum Buch:
    „Stadt der Schuld“ von Eva-Ruth Landys bestach für mich vor allem durch das so eindringlich beschriebene Bild dieser düsteren Zeit der Missstände und Ausweglosigkeit, um die angelaufene Industrialisierung, im England um 1840. Hoch und Tiefs, sowie arm und reich wurde hierbei dermaßen authentisch aufgezeigt, dass ich beinahe schon den grauenhaften Zuständen ja selbst geruchstechnisch ganz nahe war. Schicksale über Schicksal, egal ob unter der malträtierten Arbeiterschaft oder in den vornehmen Häusern der Aufstrebenden, verschlangen sich hierbei in einem komplexen Gespinst aus Zusammenhängen ineinander. Hierbei wurde sehr gefühlvoll und menschlich auf die jeweiligen, so unterschiedlichen Belange der verschiedenen Menschen eingegangen. Hier gab es so manche Figur, die nicht nur wandelbar beschrieben wurde, sondern sogar auch überraschen konnte. So manches Mal wäre ich am liebsten zwischen die Zeilen geschlüpft und hätte die und da geholfen oder auch getreten. Aber auch die damalige Entwicklung der Politik und der Industrialisierung an sich konnte mir die Autorin näher bringen. Geschickt eingearbeitet und durch kurze Fußnoten unterstrichen, komplettierte sich so zu einem gesamten Bildnis dieser Zeit. Trotzdem blieb die Spannung keineswegs auf der Strecke. Nein, ganz im Gegenteil. Bereits von der ersten Zeile an, bis hin zur letzten Seite, konnte ich herrlich mitfiebern, hoffen und staunen. Schließlich gab es reichlich liebenswerte wie verabscheuungswürdige Figuren in diesem Roman. Da es sich um den 2. Band einer Trilogie handelt, fand ich es sehr gelungen, dass ganz zu Beginn eine kurze, in Erinnerung bringende Zusammenfassung des ersten Bandes zu finden war. So konnten auch jene die Geschichte sehr gut verstehen, die den ersten Band noch nicht gelesen hatten. Aber ehrlich… es lohnt sich wirklich beide, in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Auch ist das Ende so gestaltet, dass man diesen Roman sehr gut einzeln lesen kann. Wer jedoch von Cathy, Aaron und all den anderen gelesen hat, wird es sich sowieso nicht verkneifen können, nicht auch den folgenden, abschließenden Teil lesen zu wollen.


    Wer sich gerne ausgereifte, sich entwickelnde Charaktere inmitten einer fesselnden und mitreißenden Geschichte aus historischen Tagen einverleibt, für den ist dieses Buch, wie auch sein Vorgänger, sehr zu empfehlen. Emotionen, Dramaturgie und Historie pur… wunderbar recherchiert und sehr authentisch präsentiert.


    Für mich: :buchtipp:


    Zur Leserunde:
    Nunja, es war diesmal etwas "auseinandergerissen". Wobei ich manchmal das Gefühl hatte als Einzige, zwischen zwei Gruppen zu lesen. Von den Vorangepreschten und den leichten Nachzüglern hin und hergerissen. ;D Zum Glück gab es da noch Eva, die ja allzeit und stets zur Stelle war um sich in der kleinen Lücke nicht ganz verloren zu fühlen. Liebe Eva, ein ganz großes Dankeschön für all deine ausführlichen sowie lehrreichen Ausführungen und deine Begleitung hier in dieser Leserunde. :-* Auf den folgenden Band bin ich schon sehr gespannt. Ich wünsche dir allzeit viel Erfolg mit deinen zukünftigen Werken.


    Viele Grüssle
    Marion :winken:

    Oh, was für ein interessanter und wahrer Gedanke. Isobel habe ich mir noch gar nicht in "unserer" Zeit vorgestellt, aber du hast Recht, sie würde wahrscheinlich sehr gut zurecht kommen und irgendwo einen Posten weit oben für sich beanspruchen und diesen verteidigen wie die Löwin ihre Jungen. Mir drängt sich da ganz massiv das Bild meiner Professorin in den Kopf... :o


    ... sie würde wohl auch heutzutage wahrlich "über Leichen gehen".
    Also Isobel, nicht deine Professorin. ;) ;D

    Stimmt, die Bordellwirtin hatte doch auch einige Zahnlücken, oder?!
    Bin ich froh, dass wir heutzutage Zahnbürste, Zahncreme und gute Zahnärzte haben! ;D


    Beim Lesen eurer Zeilen jetzt, musste ich mir doch gleich mit der Zunge ordentlich über die Zähne fahren, um mich zu vergewissern, dass alles noch ok ist. ;D Schon lustig, wie das beeinflusst... Wie war dass mit den Läusen ud dem Kratzen? ;D :P

    Das befürchte ich auch.
    Ich hatte auch den Eindruck, dass er erst auf dieses Angebot der "Reservierung" von der Wirtin aufmerksam gemacht wurde. Es kam mir so vor, als habe er selbst vorher gar nicht daran gedacht.


    Ja, das kam mir auch so vor.


    Ja, mir tut Mary auch leid. Bei ihr ist es wirklich so, dass sie jetzt sehr hart für ihre Fehler und ihre Sturheit büßen muss. Da hat sie sich in keine schöne Situation begeben. Obwohl ich mir schon die Frage gestellt habe, ob sie überhaupt wirklich eine Chance gehabt hätte.


    Ich glaube nicht, dass Mary letztendlich tatsächlich eine Wahl gehabt hätte. :( Leider. In dieser verarmten, aussichtslosen Lage der Arbeiterschaft zu dieser Zeit gab es wohl generell kaum eine Chance geschweigeden eine Wahl für die Menschen, wenn sie auch nur annähernd etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf haben wollten. Boah, bin ich da glücklich im Heute geboren zu sein. Ich finde es sehr wichtig, dass solche Bücher immer wieder aufrütteln und zum Nachdenken anregen. Manche Dinge sollte man nie vergessen...


    Wichtig ist mir jedenfalls immer, keine eindimensionalen Abziehbildchen entstehen zu lassen, sondern Menschen mit all ihren Brüchen, Fehlern, Fehlentscheidungen, aber auch ihrem Mut und ihrer Hoffnung. Wenn mir das wenigstens ein bisschen gelingt, bin ich zufrieden.


    Ich finde das ist dir sehr gut gelungen. Schließlich sprudelt das Leben auch vor Menschen mit den unterschiedlichsten, nicht immer nachvollziehbaren oder auch berechnenden, manchmal unvorstellbaren oder gar unsinnigen Entscheidungen. Und dies ist auch gut so. Würden wir alle gleich ticken... boah, wäre das Leben öde.


    So, aber nun noch mal zu Aaron. He, Leute, der Mann ist zu dem Zeitpunkt todkrank...


    Schon klar, liebe Eva. ;)
    Aber so ein bissl Ansprüche darf man als Leserin an so einen feschen Burschen aus dem Buch ja dann schon auch haben, gell. ;D
    Letztendlich ist es ja auch so... Wenn man sich an den Charakteren in einem Buch nicht "reiben" kann, sprich es werden beim Lesen keine Figurbezogenen Emotionen erweckt, ist dass doch nur der halbe Spaß. :P Ich persönlich liebe Protagonisten, die ich hier und da beim Lesen eben mag schütteln möchte. :popcorn:

    Hallo zusammen…


    Ein gelungener Schluss, wie er im Buche steht. ;D


    Nein, im Ernst. Ich hatte gestern eigentlich nicht vor noch bis spät in die Nacht zu Ende zu lesen, doch die Zeilen hielten mich gestern Abend dann doch bis zu Schluss. Zu spannend und gelungen war das Ganze.


    Cathy vertraut sich Mary-Ann. Das war für mich überraschend aber auch wunderbar zu gleich. Die beiden Frauen sind jeweils Menschen, die sich gerne auf ihre Instinkte verlassen und von ehrlicher Gutmütigkeit beseelt sind. Sie finden für mich hier sozusagen zusammen und es fühlt sich für mich einfach nur richtig an.


    Gruber möchte ich am liebsten knutschen. Auch er ein Mensch, der zuerst beobachtet, denkt und dann handelt. Seine Weitsicht und Menschenkenntnis rissen letztendlich alles noch einmal heraus. Ich habe ihn da, im Gefängnis bei Horace, richtig sitzen sehen… Großes Kino in kleinen Szenen, fällt mir hier spontan dazu ein. Auch Liam, ein Freund mit Han, Fuß und Herz. Ich denke solch dramatische Geschichten brauchen einfach solche Menschen (und sei es nur in den kleinen Nebenrollen) die einen als Leswer nicht gänzlich resignieren lassen wenn es hart auf hart geht.


    Als Armindale dann doch noch plötzlich mitten während der Gerichtsverhandlung auftaucht, sackte mir zunächst das Herz in die Hose. Nein… dachte ich. Doch es war nur ein weiterer, gelungener Schwungbogen im Auf und Ab der schicksalhaften Geschichte. Zum Glück ging noch einmal alles gut. Hach, hat das gut getan, als Isobel da mitten im Gerichtssaal feststellen musste, dass sie verloren hat. Das verwöhnte „Gör“ hat sich wohl in seiner eigenen Selbstüberschätzung fest gebissen. Geschieht ihr recht.


    Auch eine ganz tolle Szene, die Szene, als Cathy Isobel von Angesicht zu Angesicht Paroli bietet. Ich musste es glatt zweimal lesen, so gut hat es getan, dass Cathy sich hier nicht einschüchtern lies.


    Auch eine große Szene, als Aaron Cathy die ganze, unbeschönigte Wahrheit über seine Vergangenheit gesteht/erzählt. All dieses Leid, der Missbrauch mit all seinen Dämonen… fließen hier aus ihm heraus. So zumindest meine Hoffnung. Und Hoffnung und Vertrauen schenkt ihm ja auch Cathy, gemeinsam mit all ihrer Liebe. Es war so schön… Da schlichen sich dann auch glatt ein paar Tränchen mit hinein.


    Ein Schluss zum mitfiebern… Fesselnd, aufregend und abgeschlossen mit einem hoffnungsvollen Schimmer am Horizont. Wer hätte das im letzten Abschnitt noch gedacht? Doch Eva hat hier wirklich noch die „Kurve“ gekriegt. Ohne zu hektisch zu werden und ohne unglaubwürdig zu erscheinen. Für mich ein toller Schluss mit Protagonisten, die ich gerne wiedersehen möchte. :jakka:


    Sorry, aber wenn ich jemanden liebe, glaube ich nicht direkt alles, was andere über ihn erzählen sondern höre erst einmal, was er/sie dazu zu sagen hat.


    Stimmt. Zumindest sind wir "modernen" Menschen in unserem Sozialverhalten und den ganzen Vorabend-Soaps mittlerweile dermaßen sensibilisiert auf dieses Thema, dass wir da garantiert nicht mehr drauf hereinfallen. Oder gerade eben doch?


    Nunja, bei Aaron hatte es mich hier auch richtig geschockt, dass er so leichtgläubig war. Vor allem aber die Szene, als man Cathy hinausschmiss und er da so angetrunken und mundtot auf seiner Liege lag... DAS hat beim Lesen richtig weh getan.


    Anders hingegen der Fall zwischen Havisham und Meridith. Hier brillierte Isobel mit ihrem Geflecht aus Lügen und Halbwahrheiten und Beweisen dermaßen auf, dass Meredith ja fast gar nichts anderes übrig blieb, als ihr zu glauben. Aber ich stimme dir zu: Ich möchte stets auch die "andere Seite" zu einem Konflikt hören.

    Eva, Eva, Eva… :kommmalherfreundchen:


    Rupert ist für mich hier wohl die tragischste Person. Gleich gefolgt natürlich von Aaron…. Der als Liebesspielzeug von Mrs. Ashworths degradiert wird, kaum dass er dem Tode von der Schippe springen konnte. Aaron kann einem ja schon echt leidtun. Andererseits ist er aber auch das Opfer seiner eigenen Dämonen, die er sich mitunter selbst einbrockt. Wie kann er nur dieser Mrs Ashworths einfach so Glauben schenken? Wieso fädelt er seine Flucht nicht geschickter ein? Wieso kann er nicht ein wenig schauspielern um dann in einem geschickten Augenblick seine eigentliche Zukunft verwirklichen… auch wenn es nur wiederum eine neue Flucht hieße?


    Ich verstehe Cathy ganz gut. Ich hätte auch ALLES getan um meinen totkranken Mann aus diesem dreckigen Loch und vor der bevorstehenden Strafe zu erretten. Hatte mich sogar gefreut, als Cathy sich überwunden hatte und bei Mrs Ashworths vorsprach. Nun aber sieht alles gänzlich anders aus. :( Zu schade aber auch, dass diese düsteren Wolken der Bedrohung und der Aussichtslosigkeit über allem liegen. Cathy als Lehrerin für Mädchen an Mary-Anns Schule, wäre eigentlich eine tolle Option gewesen, …, aber so? Hier taten mir auch Debby und William unglaublich Leid. Die beiden hätten diese bessere Umfeld einfach verdient. Aber es soll ja nicht so sein…


    Auch Rupert hat sein grauenhaftes Schicksal keinesfalls verdient. Ganz erschreckend, wie leicht er da so einfach „abrutschen“ konnte. Erinnerte mich beinahe schon an die Hexenverbrennungs-Epoche. Wenn einem jemand nicht passte, dann ab damit… :o Isobel ist aber auch einfach nur menschenverachtend, mörderisch und unglaublich narzisstisch veranlagt. Wie sehr würde ich mir wünschen, sie möge gemeinsam mit ihrem Armindale untergehen. Obwohl… Armindale… Er war immerhin überrascht und selbst schockiert, als er erfuhr, dass Isobel die Mittetäterin war, die Rupert an den Pranger gestellt hat. Eigentlich war ich selbst ein wenig überrascht, dass Isobel bei der Polizei belustigt zurückwies, dass ihr Gatte Horance Havisham homosexuelle Neigungen haben könnte. DAS wäre doch auch ganz sicher eine Option gewesen ihn loszuwerden und sich gleichsam nicht die Hände schmutzig zu machen. Aber da stand der Madame wohl der eigene Stolz im Wege. :P


    Meredith, ach Meredith. Sie fällt auf ganz ähnlich ausgesprochen Lügengebilde herein wie Aaron. Allerdings muss ich sie hier auch ein wenig in Schutz nehmen. Denn Isobels Lügen waren nicht nur geschickt angebracht, sondern gleichsam auch mit Halbwahrheiten und angeblichen Beweisen bestückt. Dagegen hatte der nichtsahnende Havisham ja erstmal gar keine Chance. Überhaupt Havisham… seine Entwicklung schreitet ständig fort. Er mutiert zum gewissenhaften Gutmenschen und setzt sich sehr positiv, wenn auch aussichtslos für Rupert ein. Selbst auf die Gefahr hin, dass er selbst in den Kreis der Sodomie-Verdächtigen hineingeraten könnte. Dieser Tom ist mir auch in diesem Abschnitt wieder sehr positiv als Nebenfigur aufgefallen. Es passiert so unglaublich viel und Eva malt so ein düsteres, ja fast aussichtsloses Gebilde der Schiksale, dass ich die positiven „Geister“ einfach nicht unerwähnt lassen möchte. Übrigens hat mir auch die Szene mit Mary nach der Plünderung des Holzkarrens sehr gut gefallen. Sie fühlt sich verantwortlich und ist peinlich berührt. Cathy hingegen zeigt Verständnis und beschwichtigt die Sorgen des Mädchens.


    Tja, und nun ist fast alles wieder offen… Aaron muss fliehen und Cathy will es letztendlich auch. Ein Neuanfang für den 3. Band? Immer mit der tödlichen Gefahr einer Isobel im Nacken? Mit der Kinderschaar ganz sicher nicht so einfach… Apropo Isobel. Ich ahne Böses. Denn sie wird wohl am nächsten Tag gemeinsam mit den anderen Damen die neue Schule besichtigen… :wegrenn:


    Und dann beschwert Mary sich auch noch über Aaron, was dazu führt, dass er den besseren Job nicht bekommt! Als Mary die Bemerkung fallen ließ, habe ich so was schon befürchtet. Wie gemein! Dabei haben Cathy und Aaron die Kinder aufgenommen; warum ist Mary so verbittert ihnen gegenüber? Aber wenigstens tut es ihr selbst leid, dass Aaron wegen ihrer Bemerkung den Job nicht bekommen hat. Ich hatte ja auch schon den Gedanken, dass sie schadenfroh sein könnte, aber da habe ich mich zum Glück geirrt.


    Ich glaube in dem Augenblick als sie es sagte, hatte sie in keinster Weise den Weitblick, dass es solch fatale Folgen haben könnte. Dass es sie dann hinterher reute, hat mich auch wieder aufatmen lassen. Warum sie sich so gegen Cathy und Aaron sträubt? Hm... Ich denke, sie verarbeitet den Tod ihres Vaters und das Verlassenwerden seitens ihrer Mutter, sowie das ganze Elend drumherum gänzlich anders als ihre Geschwister. Trotzdem nicht minder logisch, wie ich für mich meine. Sie schottet ab und verstößt, vielleicht in dem Bestreben dadurch nicht schon wieder von liebenswerten Menschen verletzt werden zu können.



    Also, Mary hat sich tatsächlich auf ihren Arbeitgeber eingelassen. Dass es so weit kommen wird, war irgendwie vorhersehbar, allerdings gefällt es Mary tatsächlich! Das hat mich überrascht. Ich sehe immer die 14-jährigen Mädels von heute vor mir, die ja eigentlich noch Kinder sind. Damals war es wohl anders; Kinder mussten früh erwachsen werden. Aber dass Mary tatsächlich Freude am Sex mit ihrem Arbeitgeber hat ::)
    Oh weh.


    Hier war ich auch überrascht. Aber für Mary war es vielleicht eine Möglichkeit auszubrechen aus diesem ganzen schmerzbringenden Sumpf. Eine Möglichkeit, getrieben von Neugier und Unmut, ihr eigenes Abenteuer ohne Rücksicht auf Verluste zu machen. Verlassen von Vater und Mutter es allen zu zeigen... sich selbst wohl am aller meisten. Und dann entdeckt sie ja bereits beim ersten Mal, die Macht dahinter, die sie in diesen Momenten über den Mann vor ihr hat.


    Und Armindale ist in Portsmouth unterwegs und hat Eastman aufgespürt, der aber gewarnt ist. Ich bin echt gespannt, ob Armindale hinter Horaces Geheimnis kommt.


    Mittlerweile stellt sich mir hier die Frage, ob ich mir das überhaupt noch wünsche. Schon interessant, wie man während einer Geschichte die eigene Meinung und Gefühle zu den jeweiligen Personen ändern kann. Natürlich hat Horaces eine Straftat begangen. Bei genauerer Betrachtung aber aus einem von auswärts absichtlich herbeigeführtem Rausch. Horaces bereut es auch bereits aus tiefstem Herzen. Rückgängig kann er es nun auch nicht mehr machen. Ich mag diesen Armindale einfach nicht. Gönne ihm nicht seine Bereicherung an dieser Art der Vorkommnisse. Denn er handelt aus Kalkül und Habgier, nicht weil er etwas aufdecken will. Nicht aus Gerechtigkeit. Kann es nicht richtig beschreiben, aber ich spreche hier nun einfach für Havisham. Denn er hat etwas gelernt und möchte sich auch ändern... Ich würde ihm diese Chance gerne zusprechen.

    Mensch seid ihr schnell.


    Wieder ein Abschnitt mit vielen Facetten. 8)
    Es war natürlich spannend zu lesen, wie Aaron versucht die junge Mary aus dem Bordell zu „holen“. Fesselnder aber dennoch fand ich die Zerrissenheit des jungen Mädchens, ob sie die Möglichkeit zur Flucht auch nutzen will oder nicht. Ich konnte ihre nackte Angst vor der „Herbergsmutter“ schon gut verstehen. Diese hatte ja die Aussicht auf Chancenlosigkeit sehr deutlich unterstrichen. Ganz menschlich dann auch, dass Mary bald darauf dann doch an ihrer spontanen Entscheidung zweifelt. Und dann ist es ja beinahe auch schon zu spät… Wie gut hat es getan, als sie sich ihres Aufpassers dann erwehren konnte. Und wie gut hat es getan, dass sie Cathy und ihre Familie nicht verraten hat. Hier konnte Mary ganz viele Pluspunkte sammeln. Getrieben von Neugier und Möglichkeiten hat sie letztendlich doch noch begriffen, wer wirklich zu ihr steht.


    Aaron hingegen sieht keinen Ausweg mehr. Viel hat er auch nicht mehr zu verlieren. Zumindest aus seiner eigenen Situation heraus… denkt er. Und dann werden die Charitisten tatsächlich verraten und Aaron steht mitten drin. :o Oh je, hier habe ich jetzt nur noch eine einzige Hoffnung, und diese heißt Eva. Mir persönlich fällt nämlich gerade nichts mehr ein, was ihm hier noch heraushelfen könnte.
    Rupert ist entlarvt. Havisham reist sofort ab um seine Meredith zu unterstützen und Isobel nutzt die Gunst der Stunde um sich Liebkind bei ihren hohen Verwandten zu machen. Inmitten all dieser Geschehnisse habe ich mich für die Arbeiterschaft auf Gut Withefell gefreut. Dieser Havisham ist wirklich auf dem besten Wege ein Gutmensch zu werden. In diesem Zusammenhang muss ich unbedingt erwähnen, dass mir das Wiederauftreten des aufmerksamen Grubers sehr gut gefallen hat. 8) Ich fand den Mann ja bereits im ersten Band brillant und kristallklar bei Verstand. Ehrlich gesagt schätze ich ihn beinahe noch cleverer ein als dieser Armindale. Dieser stellt sich bei seinen Nachforschungen in Portsmouth ja nicht gerade sehr geschickt an. Oder anders formuliert. Er ist sich nicht bewusst, dass er nicht der einzige Menschenkenner im Empire ist.


    Auch in diesem Abschnitt touchieren wir wieder die sehr zögerlichen Fortschritte der industiellen Zeitspanne, denen wir heute so einiges verdanken. Die Idee Mary-Anns eine Schule für Arbeiterkinder zu gründen. Wenn ich mich nicht irre, hat da die gute Mary-Ann an Cathy als eventuelle Lehrerin gedacht?


    Zum momentanen Zeitpunkt sieht es nun sehr schlecht aus. Gerade da man an den Aufständischen ein Exempel statuieren will. :o Und Cathy weiß noch nicht einmal wo sie Aaron finden kann… Nun wenigstens hat er Cathy einen Brief zukommen lassen, der ihr wenigstens etwas Klarheit bringt.


    Eva… das haut ganz schön rein… Ich gebe die Hoffnung auf eine positive Wendung nicht auf.

    Also ich denke, Mr. Ashworth ist keineswegs naiv oder ein wenig blauäugig, denn sonst hätte Mary nicht genau da geparkt. Sicherlich hat er das schon mit X-Mädchen vorher gemacht. Aaron als normaler Arbeiter hatte doch auch keine Ahnung von diesem Bordell, dass zu dem auch noch in einen ganz anderen Stadtteil lag.


    Interessant... Ich denke sogar, dass es Mr Ashworth letztendlich sogar egal ist, wenn Mary hier oder da mal "ausgeliehen" wird. Momentan gibt er sich selbst den Schein der Exklusivität. Aber was er nicht weiß macht ihn sicher nicht heiß, würde ich jetzt doch einfach mal behaupten. Letztendlich ist Mary in diesem Bordell doch nur eine rein praktische Sache. Leider.


    Rupert wird mir langsam aber auch unheimlich. Das er so nett zu Havisham ist und ihm gar nichts übel nimmt... ?!


    Ich sehe sein Verhalten auch viel eher als das eines verständnisvollen Bruders. Zumal er schon seit Jahren von der Güte Merediths profitiert. Da gibt er ihr jetzt eben einfach etwas davon zurück. Und er weiß ja sicherlich wie liebesbedürftig sie ist. Allein wie sie sich um seinen Vater gekümmert hat, zeigt ja auch auf, wie sehr sie sich nach Zumeigung, Nähe und Familie sehnt. Eine Zuneigung die Rupert ihr nicht geben kann. Zumindest nicht in vollem Umfang. Deshalb öffnet er für sie dieses "Türchen".


    Ist Haivsham wirklich ein Monster?
    Für Meredith muss es nun so aussehen.


    Havisham ist für mich kein Monster. Zumal er sich gerade mächtig wandelt. Er ist zielgerichtet, ja. Und er braucht wohl hier und da ein Ablassventil, welches ihm anscheinend gerade bei seinem wunden Punkt (seine sexuelle Auslebung) dann schlagartig trifft. Aber generell böse finde ich ihn nicht mehr... Aber stimmt, im ersten Band fand ich ihn noch sehr negativ. Nunaber spürt man doch viel von seiner Reue und seinem Streben nach echter Liebe. Ich finde jeder Mensch darf über seine Fehler nachdenken und daraus für sich etwas lernen. Vielleicht ist Havisham ja auf dem besten Weg dorthin.


    Künstlerisch anspruchsvoll? Was mag da nur meine "innere Göttin" zu meinen? ;)


    Autsch... "innere Göttinen" rufen bei mir nur noch Kopfschmerzen und Übelkeit herbei. :angst:
    Da lobe ich mir doch eine gute Mischung aus spannender Geschichte, kulturell-politischen Hintergrund und Erotik. ;)