Beiträge von Svanvithe

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    Auch das kann ich nur unterstreichen! Diese bildgewaltige, atmosphärische Sprache, die du erwähnst, ist mir schon bei Bernhards Norwegen-Krimis aufgefallen.
    Hier finde ich sie noch eindringlicher. Und sie hilft mir, mich mit meinem neuesten, noch nicht sehr geläufigen Metier, den Fantasyromanen also, direkt anzufreunden.


    Ich denke, dass gerade in diesem Fall die Sprache wichtig ist, damit wir uns überhaupt ein Bild von Dilmun und dem ganzen Geschehen machen können. Und eine Vorstellung davon bekommen, wie das mit dem Einsteigen in eine Fotografie funktioniert. Das gelingt hier außerordentlich gut.


    Aber nun - erste Eindrücke: Schon zu Beginn fiel mir wieder auf, wie eindringlich es der Autor versteht, Landschaften zu schildern und Stimmungen einzufangen.


    Hier kann ich dir nur zustimmen. Dadurch entstehen lebendige Bilder, die die Lektüre begleiten.



    Und gegen die kämpfen diejenigen, zu denen Manjusri und Atapa gehören ( die Namen bereiten mir im Moment ob ihrer Fremdartigkeit einige Schwierigkeiten ).


    Für mich passt das aber zu ihrem Aussehen. Bei Atapa denke ich an Afrika, und dazu passen die dunkle Haut, die minimalistische Kleidung (Lendenschurz), der Speer. Manjus(h)ri wiederum ist eine Figur aus dem Buddhismus und hilft, die Unwissenheit zu überwinden und Weisheit zu erlangen. Also eine abwechslungsreiche Mischung...


    Mit Annika hatte ich mehr meine Probleme, da sie so hart und abweisend sein kann und auch vor Gewalt nicht zurückschreckt. Andererseits hat sie mir gut gefallen, wie sie Dinge hinterfragt und nicht einfach als gegeben akzeptiert. Sie hat in jedem Fall Potenzial und ich bin auf ihre weitere Entwicklung gespannt. Und es ist gut, dass sie Colin an ihrer Seite hat, denn Artemjew hat recht: sie ist mutig, aber auch waghalsig.


    Genau dieses Hinterfragen schätze ich an Annika.



    Den Galeristen Artemjew mochte ich auch auf Anhieb, umso mehr hat es mich bestürzt, dass er schlussendlich doch noch sterben musste, nachdem er den Wohnungsbrand einigermaßen unbeschadet überstanden hatte. Ich muss schon sagen, wenn diese Ashuras Engel sein sollen, na, dann weiß ich auch nicht. O.k., Colins Erklärungen der eigentlichen Engel zeichnet ein ganz anderes Bild von ihnen als das, was unsereiner heutzutage von ihnen im Kopf hat, aber dass sie so skrupellos über Leichen gehen, spricht dann nicht gerade für einen gütigen Gott - da hat Annika schon recht. So einem Gott traut man auch direkt Lügen zu.


    Dass Herr Artemjew doch noch zu Tode kommt, stimmt mich traurig. Es zeigt aber auch, dass Colin und Annika es hier mit gefährlichen Gegnern zu tun haben. Insgesamt ist die Darstellung der Engel äußerst erhellend. Viel zu sehr ist in den Köpfen das liebliche Bild vorhanden, dass so gar nicht der wirklichen Bestimmung entspricht.



    Sahra ist ein ziemlich mutiges Kind, dass sie sich nicht mehr über ihre Besucher erschrickt. Nur gut, dass ihre Mutter nicht zuhause war, denn dann wäre das Zusammentreffen sicherlich anders verlaufen. Allerdings tut mir Sahra leid, dass sie die hässlichen Szenen vor ihrem Haus mitansehen musste, hoffentlich bekommt sie das irgendwie verarbeitet.


    Ich denke, dass Sahra die Unbeschwertheit eines Kindes zugute kommt. Sie hat jedenfalls einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.



    Die Anshura und die Wächter des Gartens sind sich also spinnefeind, was mich zu folgenden Fragen führt: wenn es sich bei dem Garten tatsächlich um das Paradies handelt, dann wird es doch lt. der Mythen von den Cherubim bewacht. Ich habe eben in Wikipedia nachgeschaut: im alten Testament wurden die Cherubim noch nicht den Engeln zugeschrieben, sind aber Diener bzw. Begleiter von Gott. Andererseits sind sie in der Bibel Engel von hohem Rang, die für bestimmte Aufgaben herangezogen werden.


    Also können die Anshura nicht solche Engel sein. Entweder haben sie gelogen oder es handelt sich bei ihnen um die gefallenen Engel, also um die Anhänger des Teufels. Dazu würde das Verhalten der beiden Anshura auch deutlich besser passen.


    Ich finde den Gedanken der "gefallenen Engel" durchaus für nachdenkenswert. Denn wenn einst die Menschen aus dem Paradies vertrieben wurden, können doch auch andere Wesen aus einer Gemeinschaft ausgeschlossen werden.

    Im Verlauf der Geschichte wurde es für mich recht schnell klar, dass wir es im Prolog mit einem Hüter des Gartens zu tun haben. Ein langes Leben führt er, Jahrhunderte hat er gesehen, aber einen hohen Preis gezahlt. Denn wenn ich davon ausgehe, dass er ein Mensch, der einst mit einer Aufgabe betraut wurde, immer alles zurücklassen muss, was ihm auch nur irgendetwas bedeutet, stelle ich mir das auf Dauer sehr traurig vor. Von der Einsamkeit einmal abgesehen.


    Gefallen hat mir allerdings, dass er bereits hier den Eindruck vermittelt, sich mit seinem Schicksal abgefunden, seinen Frieden gemacht zu haben. Eben weil er bislang den Garten erfolgreich beschützt hat. Und damit wird klar, dass der Garten etwas sein muss, dass eines Schutzes bedarf. Und dieser Schutz scheint in Gefahr zu sein. Das klingt sehr beunruhigend.


    Ansonsten konnte ich mich in Berlin gut orientieren und musste schmunzeln bei den „Hundetretminen“. Da ich ja lange in Berlin gelebt habe und bis zum heutigen Tage dort arbeite (wenn auch inzwischen in einem Stadtbezirk mit gemäßigten „Minenfeld“), habe ich direkt Bilder vor Augen.


    In dem Zusammenhang mochte ich die Formulierung, dass „die Hitze des vergangenen Tages noch immer wie eine eindrückliche Erinnerung zwischen den Häuserfronten hing.“ (Position 121)


    Für Geschichte kann ich mich richtig begeistern. Literarisch gesehen animieren mich verwendete geschichtliche Aspekte immer zum Nachlesen. Und wenn es dann noch einen Dozenten wie Colin Rendall gibt, kann ich mir vorstellen, dass das Studium viel intensiver und progressiver ist als mit einem Professor, der jährlich seine Vorlesungen gleichmäßig abspult. Da punktet Colin nicht nur mit Sympathie, sondern auch mit der Herausforderung, seine Studenten zum Nachdenken anzuregen.


    Ich meine, dass Annika sich hingegen nicht gleich auf einen Typ festlegen lässt. Sie ist sperrig, aber klug, hinterfragt vermutlich Unerklärliches und glaubt an das, was sie mit ihrem Verstand erfasst. Sie hat ein klares Ziel vor Augen, das sie durchaus mit Mitteln verfolgt, die auf den ersten Blick eher von Gewalt und Unbeugsamkeit zeugen. Auf den zweiten Blick habe ich den Eindruck, dass ihre Entwicklung und eine Vergangenheit, die mir persönlich fremd ist, sie sehr prägten. Annikas Charakter in der Geschichte bietet auf jeden Fall Potential für Reibungspunkte, und ich kann mir bei ihr vorstellen, dass sie nicht schnell beigibt, wenn Probleme auftauchen, ja nicht davor zurückschreckt, diese anzugehen und zu lösen. Da steckt viel in ihr, wie Herr Artemjew feststellt:


    "Ich meine damit, dass Sie andere Menschen erreichen können", erklärte Herr Artemjew. "Sie sind jemand, der etwas verändern kann. Aber lassen Sie mich Ihnen einen Rat geben: Richten Sie Ihre Kraft nicht gänzlich auf die Politik aus. Einer der berühmtesten Dichter Ihres Landes schrieb einmal, was das für Zeiten seien, in der ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen sei, weil es ein Schweigen über so viele Untaten mit einschließe. Er war ein großer Mann, aber da hatte er unrecht. Schämen Sie sich nicht, auch über Bäume zu sprechen. Ziehen Sie Ihre Kraft aus allem, was Sie anspricht: Kunst, Dichtung, die Natur, von mir aus auch Religion, wenn Sie ein religiöser Mensch sind. Und dann gehen Sie und verändern Sie die Welt, denn jede Veränderung ist besser als gar nichts zu tun." (Position 482)


    Ich hoffe nur, dass sie sich auch Bedenken öffnen kann.


    Außerdem sagt mir zu, dass wir es nicht mit einer Liebesgeschichte (zwischen Annika und Colin) zu tun bekommen. Von Anfang an sind die Fronten geklärt. Es ist klar, dass unsere Protagonisten ein gemeinsames, ja womöglich gefährliches, sie veränderndes Abenteuer erleben werden, doch nicht begleitet von „Liebesgesäusel“.


    Das Bild des Gartens, das für jeden, der es betrachtet, einen, ihm aus der Vergangenheit bekannten annimmt, finde ich faszinierend. Ob Dilmun hier tatsächlich mit dem Paradies gleichzusetzen ist? Hier bin ich noch am Zweifeln. Jedoch mir gefällt die Verwendung der sumerischen Mytholgie (Ich habe da einen informativen Artikel entdeckt). Dilmun soll es tatsächlich gegeben haben, bereits erwähnt im Gilgamesch-Epos, und zwar auf der Insel Bahrein Dort erscheint sie als "paradiesischer Ort", der ewiges Leben verheißt.


    Offensichtlich ist es das Zuhause von Manjusri und ihrer Gefährten, die dieses vor den Ashuras zu schützen versuchen. Die Frage ist, warum sie dies tun angesichts der Tatsache, dass auch die Ashuras nicht menschlich erscheinen und darauf aus sind, eine Dilmun inne wohnende Macht zu erlangen, um diese nach Manjusris Aussage zu missbrauchen...


    Svanvithe, auch wenn du das Buch bereits hast, möchte ich dir gerne ebenso wie den anderen den Download-Code zukommen lassen, als Dankeschön, dass du die Runde vervollständigt hast. Vielleicht kennst du ja eine interessierte Buchbloggerin, der du den Code zukommen lassen möchtest. Hast du denn "Dilmun" schon in der Vergangenheit gelesen, oder bist du bisher noch nicht dazu gekommen?


    Ich bedanke mich, Bernhard, obwohl es wirklich nicht nötig gewesen wäre...


    Das Buch habe ich lediglich angelesen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob es etwas für mich ist. Allerdings gebe ich zu, dass ich mich schon bremsen musste, dass es beim Anlesen bleibt ;). Sinn der Leserunde ist es ja, Abschnitte nacheinander gemeinsam zu lesen und sich dann darüber auszutauschen und gegebenenfalls zu spekulieren. Das möchte ich mir nicht nehmen lassen, weil mir dies hier immer besonders gut gefallen hat.

    Hallo Alex,


    herzlich willkommen hier im Forum.


    Ich wünsche dir viel Freude beim gedanklichen Austausch und natürlich auch beim Verwirklichen neuer Ideen...

    Ich hatte meine Beteiligung an der Leserunde fest eingeplant und lese mit Begeisterung das Buch. Aber eingeschränkte Internetzugangszeiten und die Sorge um meine Schwiegermutter, der es nicht so gut ging, haben mir doch ein wenig die Schreiblust vergällt...


    Aber ich hoffe, dass ich jetzt wieder in die Spur komme.

    Ich kann durchaus nachvollziehen, dass er für Aelswith eine Versuchung ist, Hlothere zu erklären, sie hätte sich selbst befreit und würde mit ihm zurückkehren. Denn die Erlebnisse, dass Pfeile an ihrem Kopf vorbeischießen und vor ihren Augen ein Mann stirbt, einmal abgesehen davon, dass sie hungernd und frierend durch nasskalte Wälder ziehen musste und auf dem Fluss die Befürchtung hatte, hineinzufallen und zu ertrinken, muss für sie ein schlimmes Erlebnis darstellen, die sie eigentlich nicht wiederholen will. Von daher wäre es so viel leichter, ihr altes Leben, das ja kein schlechtes gewesen ist, wiederzubekommen, ohne weiter über Drostans Worte nachzudenken und Gedanken an Taraín zu verschwenden.


    Es ist gut, dass sie sich anders entscheidet.


    Sonst hätte sie womöglich Bruder Nynias nicht näher kennengelernt. Was für eine Erscheinung, Ich mag ihn und finde, dass er das Herz am rechten Fleck hat. Er ist einer der wenigen, die einen durch ihre Art und Weise für sich einnehmen.


    Leider erlebt Aelswith in dem Dorf, in dem ihre Amme Gytha zu finden glaubt, eine weitere Enttäuschung. Denn Gytha ist tot, das Dorf. Verständlich, dass Aelswith nun glaubt, dass Gytha ihretwegen gestorben ist.
    Kein schöner Gedanke, und die Frage drängt sich auf, wer dafür tatsächlich verantwortlich ist. Waren es Hlothere und seine Männer? Wenn ja, was bezwecken sie damit, und sucht Hlothere Aelswith, um sie zurückzubringen, oder will er sie töten?


    Es gibt einen Überlebenden: Nathair. Ich finde es in Ordnung, dass sie ihn nicht zurücklassen und Nynias ihn trägt, nachdem er nicht mehr laufen kann.


    Gefallen hat mir, dass zur Sprache kommt, dass Macbeth nicht so böse gewesen sein kann, wie ihm nachgesagt wurde. Schließlich hat er nicht nur eine Pilgerreise nach Rom gemacht und zuvor ein Kloster reich beschenkt, damit dort für ihn im Falle seines Todes gebetet wird. Es spricht auch eher für ihn, wenn er an die Armen Silbermünzen verteilte. Und vor allem zeugt die Tatsache, dass er sein in Land in Frieden und Wohlstand vorfand, als er heimkehrte, davon, dass die Menschen zufrieden unter seiner Herrschaft gelebt haben. “Es gab keine Aufstände und keine Kriege... auch keine Gewitter, keine Fluten, keine Feuersbrünste." (Seite 228)


    Auch Magdalene sehnt sich nach der Sicherheit, die ihr Leben in der Vergangenheit ausmachte. Sie kommt sich verloren vor, taumelt wie ein schöner Schmetterling ohne Halt im rauen Wind.


    Sie ist ziemlich frustriert, und verleiht diesem Frust auch Ausdruck: "... Das Haus darf ich nicht verlassen, den Mund soll ich halten, warum hast du nicht gleich ein Schaf geheiratet, zumal in der Schafzucht ja vermeintlich die Zukunft der Highlands liegt? Oh, nein, es könnte dir schließlich ins Schlafgemach scheißen." (Seite 198)


    Gleichzeitig scheint sie aber auch sehr entschlossen zu sein. Da sie vor dem Unrecht, das vor ihrer Nase geschieht, nicht die Augen verschließt, will sie “für und mit dem roten König kämpfen”. (Seite 210)


    Dass dies durchaus gefährlich sein kann, zumal wenn man allein unterwegs ist, bekommt Magdalene am eigenen Leib zu spüren, als sich die junge Frau zwei ehemaligen Soldaten gegenübersieht. Ich war erleichtert, als sie im entscheidenden Moment durch das Auftauchen des "roten Königs" gerettet wird. Magdalene vermutet, dass Seòras der "rote König" ist. Ich muss aber zugeben, dass ich daran nicht wirklich glaube. Es passt nicht zu dem, was der “rote König” bisher getan hat. Auch stellt sich für mich die Frage, ob der "rote König" Humor hat oder tatsächlich bloß ein Unruhestifter ist?


    Seòras scheint ein sehr netter Kerl zu sein - im Gegensatz zu seiner Schwester.


    Ich weiß nicht wieso, aber mit Seòras werde ich nicht so recht warm. Bei allem Verständnis für die Lage der Menschen, trägt er durch seine Reden nicht dazu bei, die Lage zu entspannen, geschweige denn nach einer annehmbaren Lösung für alle zu suchen. Er scheint eine feste Meinung zu haben, von der er sich auch mit nachvollziehbaren Argumenten nicht abbringen lässt.

    Zunächst einmal hat mir gefallen, dass Magdalene sich entwickelt. Zunächst reagiert sie auf den Vorschlag von Abigail, mit David auszureiten, um sich näherzukommen, noch spöttisch: "Ich soll freiwillig das Herrenhaus verlassen und einen Fuß auf dieses barbarische Land setzen?" (Seite 84) - Dann aber erkennt sie, was für ein wunderschönes Land sie tatsächlich umgibt, und sie schämt sich, dass sie sich so lange geweigert hat, das Haus zu verlassen. Mich hat die gelungene Beschreibung begeistert, ich mag das immer sehr, so dass ich wie Magdalene unter anderem "den Ausblick auf das ferne, machtvoll rauschende Meer, auf dem unzählige silberne Kronen tanzten" genossen habe.


    "Es ist schön hier", platzte es aus Magdalene heraus.
    So viel schöner, als ich dachte. (Seite 88/89)


    Ich kann das verstehen...


    Auf den ersten Blick ist Caelan, Davids Bruder, der aus Indien zurückgekehrt ist, etwas freier im Denken, zumindest hat es den Anschein. Doch David ist nicht dumm, wie ich schon vermutete, als eher nüchterner Mensch verklärt er die Highlands nicht. Vielmehr scheint es sein Ziel zu sein, zu erreichen, dass sich die Highlander den Reformen der Landwirtschaft öffnen, weil er der Meinung ist, dass ihr Überleben davon abhängt, "wenn sie endlich einsehen, dass sie in Zukunft nicht auf Rinder setzen sollten, sondern auf Schaffe und... Kelp." (Seite 101) - Denn von Träumen wird man nicht satt, vor allen Dingen wenn man einzig der glorreiche Vergangenheit träumt und darüber vergisst, für die Zukunft zu sorgen.


    Das große Problem, die Vertreibung bzw. Umsiedlung an die Küste rückt in den Fokus. Dabei finde ich es erschüttert, dass die Pächter in den Highlands kaum Rechte haben, auch wenn ihre Familien seit Jahrhunderten das Land bewirtschaften. Stattdessen darf der Landbesitzer die Pächter jederzeit entlassen.


    Ich habe den Eindruck, dass dies David aber nicht tut. Für ihn stellt sich die Lage so dar, dass seine Pächter in einem Dorf leben, in dem langsam verhungern, weil seit Jahrzehnten der Ackerbau vernachlässigt wird und die Felder brachliegen. Zusätzlich zu der Tatsache, dass die vorhandenen Rinder viel Land brauchen, aber nicht rentabel sind, genügen ein, zwei Seuchen, und die Herde ist vernichtet. Und die Schafe, die die Highlandr halten, die Caoraich Bheagan, geben kaum Wolle. Aus seiner Sicht liegt die Zukunft unter anderem im Schafbau, aber mit widerstandsfähigen Rassen, weil diese den Winter in den Highlands überstehen und eine Zuckt wirtschaftlichen Erfolg verspricht. "Ich bin keiner der Landbesitzer, die nur an sich denken und aus Pächtern so viele Abgaben wie möglich erpressen wollen. Ich will, dass wir alle eine Zukunft haben. Und dafür gibt es eine berechtigte Hoffnung, nun, da der Wollpreis nahezu explodiert." (Seite 137)


    Demgegenüber ist Seòras der Meinung, dass die neuen Schafe Krankheiten einschleppen (können), wodurch die eigenen Tiere sterben (können). Zwar ließe sich mehr Geld machen als mit Rindern, aber die Schafe bräuchten große Ställe und diese notwendigerweise Platz. Dann würden Wälder für die Weiden abgeholzt werden. Die Schafe müssten von einer Weide auf die nächste getrieben werden, damit sich der Boden erholen und wieder frisches grünes Gras wachsen kann.


    Die Argumentation beider Seiten ist nachvollziehbar, und ich denke, dass es ein genaues Richtig oder Falsch nicht gibt.



    Aelswith soll also ein "Schlüssel" sein. Da sie nun wichtig ist, riskiert sie sie schon mal mutig eine "kesse Lippe"...


    Die Vermutung, dass Aelswith etwas mit Macbeth zu tun hat, erhärtet sich. Schließlich war Drostan einer der Kampfgefährten von Macbeth und an der letzten großen Schlacht von Lumphanan beteiligt. Und seine letzten Worte: "Du... bist das Kind von Macbeth. Du musst das Rabenbanner suchen. (Seite 121) weisen ebenfalls in diese Richtung. Doch nagt an mir ein leiser Zweifel, dass es auch eine andere Lösung geben könnte. Schließlich ist nicht nur Aelswith in der Nähe des alten Mannes gewesen...


    Hlothere verfolgt Aelswith und will sie um jeden Preis zurückholen. Er ist diesbezüglich ziemlich energisch, vermutlich weil er - wie den Aussagen der Königin zu entnehmen ist - in der Vergangenheit Schuld auf sich geladen hat. Es könnte doch sein, dass diese Schuld mit einer Frau in Aelswith' Alter zu tun hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass Hlothere Aelswith schützen möchte, er sieht sie in Gefahr. Deshalb lässt er auf ihre Entführer schießen. Dass wiederum Aelswith dadurch Unbehagen und Verachtung entwickelt und nun Taraín begleitet, obwohl sie es bei der Königin gut hatte, ist eine logische Schlussfolgerung.


    Genauso wie ihre Verwirrung, weil sie ja nun glaubt, dass sie ein Kind von Macbeth sein könnte.


    Meine Vermutung, dass das Rabenbanner eher aus der Richtung Wikinger stammt, ist gar nicht verkehrt. Denn in diesem Abschnitt erhalten wir eine diesbezügliche Erklärung. Einst gab es einen König Sigurd, der das Rabenbanner in einer Schlacht auf Irland "verloren" hat. Eine historische Figur(https://de.wikipedia.org/wiki/Sigurður_Hlöðvisson), die es wirklich existierte. Ich bin neugierig, wie sich die Geschichte auflöst.


    David MacBrennan gehört ganz offensichtlich zu den Gutsbesitzern, die auf dem Leid und der Vertreibung des einfachen Volkes Reichtum erwirtschaften möchte. Das macht in schon ein mal per se unsympathisch. Hinzu kommt, dass es ihm ganz offensichtlich nur um Magdalenes Mitgift ging...


    Ich bin diesbezüglich nicht der Meinung, dass es David in erster Linie darum geht, Reichtum (für sich) zu erwirtschaften. Den Eindruck macht er für mich einfach nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass mehr dahinter steckt, er womöglich sogar auf die Mitgift von Magdalene angewiesen war und ist.


    Ihre Zofe Abigail finde ich übrigens furchtbar, sie ist so hinter Magdalene her, dass man den Eindruck bekommen könnte, sie wolle ihre Herrin einsperren und sie keinen Schritt allein tun lassen. ::)


    Na ja, sie ist schon ein wenig anstrengend. Ich denke aber, dass sie es nur gut meint und wahrhaftig um Magdalene besorgt ist. Wie eine Mutter, die können manchmal auch sehr übertreiben...


    Der Kerngedanke des vorliegenden Buchs war darum auch "Macbeths wahre Geschichte" zu erzählen.


    Das finde ich großartig.



    Der Verlag war davon zunächst nicht so begeistert, hatte Angst, dass das zu martialisch sein würde, man wünschte sich ein wenig mehr Schottland wie wir es kennen - also Highlander im Kilt sozusagen :) Zunächst habe ich mich mit der Geschichte im 18./19. Jahrhundert eher widerwillig, weil fremdbestimmt beschäftigt. Doch als ich mehr Hintergründen zu den Clearances, der gewaltsamen Räumung der Highlands, erfuhr, fiel mir wie Schuppen von den Augen, dass dieser Freiheitskampf unglaublich viel mit dem Kampf des mittelalterlichen "Albas" um Unabhängigkeit gemein hat. Auf diese Weise sind zwei Geschichten, die von so vielen Jahrhunderten getrennt werden, plötzlich zu einer verschmolzen.


    Gut, dass sich der Verlag doch auf die Geschichte eingelassen hat, von den Highlander-Kilt-Schotten gibt es genug Romane... Allerdings gefällt mir auch, dass du dich letzten Endes mit deiner zweiten Zeitebene anfreunden konntest. Denn etwas über die "Highland-Räumung" zu erfahren, ist gleichwohl wichtig.


    Hihi, ich musste auch gleich grinsen, als Magdalene's Liebe zu Büchern erwähnt wird und dass sie sich in einer Bibliothek einfach am Wohlsten fühlt. Gerade in so einer Leserunde mit lauter Lesebegeisterten, hat so eine Hauptfigur natürlich gleich gewonnen. Interessant wieder zu lesen, dass es auch schon im 18. Jahrhundert Romane gab, aber die Lektüre von diesen natürlich verpönnt bzw. nicht wirklich hoch angesehen war. Ja, Magdalene wirkt zum Teil echt naiv, aber ich kann sie auch gut verstehen, dass sie dieser lieblosen Ehe mit Hilfe von Büchern entkommen möchte.


    Mir gefällt es, dass Magdalene eine Büchernärrin ist, wobei sie der Wirklichkeit mit ihrer Hilfe nicht erst seit der Eheschließung entflieht. Ihrer Fantasie hat sie ja schon im Hause des Vaters viel Raum gegeben. Umso bedauerlicher ist, dass sie in ihrem neuen Heim in der Bibliothek so gar nicht fündig wird. Lediglich die Pergamentrolle bietet einen aufregenden Lesestoff.



    Die Beschreibungen von den verschiedenen Zusammentreffen von David und ihr jagten mir ja jedesmal eine Gänsehaut über den Rücken. Da ist man sich gegenseitig überhaupt nicht sympathisch, muss irgendwie das Bett miteinander teilen und hat sich einfach gar nichts zu sagen. Wie schrecklich!


    Das ist erschreckend, aber wir wissen, war es üblich, dass im Grunde Unbekannte miteinander verheiratet wurden. Glück hatten die Paare, zwischen denen sich Sympathie, im Idealfall sogar Liebe entwickelte. Aber bei Magdalene und David sehe ich da wenig Chance, da sie auch hinsichtlich ihrer Ansichten völlig unterschiedlich sind. Keiner bemüht sich wirklich um den anderen noch darum, eine doch erträgliche Beziehung zu gestalten.

    Zunächst war ich sehr erfreut, dass es eine "Anweisung" für das Lesen der gälischen Namen gibt, ich habe da sonst regelmäßig Schwierigkeiten.


    Außerdem finde ich verschiedene Zeitebenen immer interessant, hier ist es umso aufregender, weil beide in der Vergangenheit liegen. Doch bis jetzt bin ich der Meinung, dass Geschehen beider Zeiten in sich stimmig und nachvollziehbar ist.


    Insgesamt gefallen mir der Schreibstil und die Ausdrucksweise, ich habe beim Lesen Bilder im Kopf... Dazu tragen auch die gelungenen Beschreibungen der örtlichen Gegebenheiten bei, die grünen fruchtbaren Täler, die Grampian Mountains und vor allem die tiefroten Heidekrautflächen.


    Magdalene sehe ich bislang so: Sie ist behütet aufgewachsen und tief in ihrem Inneren eine Träumerin. Sie liebt Bücher, Romane, und sie möchte selbst einen Roman schreiben, der die Menschen zum Träumen, zum Lachen, Weinen, Hoffen und Sehnen bringt, sie in eine andere Welt versetzt und ihnen das Dasein schöner macht.


    David, Magdalenes Ehemann, kann ich noch nicht richtig einschätzen. Aber da geht es der jungen Frau wohl ähnlich. Im Grunde ist er ein nüchterner Mann, scheint ziemlich beherrscht zu sein und handelt durchdacht. Er ist gebildet, sein geschliffenes Benehmen lässt keinen Grund zum Tadeln, allerdings auch eine gewisse Gefühlskälte erkennen. Wobei das natürlich auch daran liegen wird, dass weder er noch seine junge Frau Zeit hatten, sich kennenzulernen und gar Gefühle - selbst Sympathie - zu entwickeln. Das unterscheidet sie aber wohl leider kaum bis gar nicht von den Ehepaaren ihren Stellung.


    Ich halte David zugute, dass er anfangs zumindest versucht, mit seiner Frau ins Gespräch zu kommen und zu ergründen, womit sich ihr Tag ausfüllen lässt. Doch eigentlich hält er des Leben einer Frau für ein Schauspiel, und selbst das Lesen von Romane empfindet er als "eine reichlich oberflächliche Lektüre?"


    Die Reaktion von Magdalene hat mir gefallen: "Mein Hauslehrer hat einmal gemeint, wenn man den Geist einer Frau mit dem eines Mannes vergleiche, sei seiner ein Fass und ihrer eine winzige Mokkatasse. Letztere könne nun mal nicht so viel in sich aufnehmen." (Seite 46 f.) - Als David sie daraufhin fragt, ob sie das auch glaubt, hatte ich die Hoffnung, dass er mehr darüber diskutieren will. Fehlanzeige. Vielmehr geht er. Statt sie zu ermuntern, sich auch solchen Dingen wie der Haushaltsführung zu widmen, soll sie sich stattdessen "einleben".


    Gemeinsame Interesse offenbaren sich nicht. Sie sind wohl beide enttäuscht, was bedauerlich ist. Magdalene lässt alles über sich ergehen, bemüht sich aber selbst auch in keinster Weise. Erwartet Zärtlichkeiten wie einen Kuss, gibt aber selbst nichts.


    Es ist trotzdem gut zu verstehen, dass Magdalene erstmalig in ihrem Leben verloren fühlt. Verheiratet mit einem Fremden, soll sie ihr Leben nun in den ihr fremden Highlands verbringen. Aber zumindest Abigail ist an ihrer Seite, ihre Dienerin, vielleicht eher eine Art von Ersatzmutter, die zwar oft nervig, doch gleichwohl ein Stück Heimat ist. Und etwas bleibt ebenfalls: "Auch wenn sich ihre Beine gelähmt fühlten wie die eines verletzten Hirsches - sie hatte ja noch immer ihre Flügel, um ins Reich der Fantasie zu fliegen, wo alle Nöte und Ängste nicht die eigenen waren, während Freundschaft und Liebe, die die Heldinnen fanden, das Herz wärmten." (Seite 49)


    Die Zeitschiene, in der wir uns mit Aelswith bewegen, finde ich sehr fesselnd. Wilhelm der Eroberer ist seit 1066 König von England, und bei seinem Einfall ins Land verlor Aelswith ihre Eltern in Northumbrien. Sie ist ein Flüchtling wie Königin Margaret.


    Es gab nämlich eine Zeit, da habe ich mich sehr für Wilhelm I. interessiert, und in diesem Zusammenhang bin ich beim Lesen auch auf Malcom III. und infolgedessen Macbeth gestoßen und habe erfahren, dass Letzterer als tatsächlich existierende Persönlichkeit nach seinem Tod in Verruf gebracht wurde, so dass letzten Ende das von Shakespeare gezeichnete Bild in den Köpfen der Menschen Bestand hat, der Wirklichkeit aber nicht gerecht wird. Von daher freue ich mich, wenn wir hier den wahren König Macbeth "kennenlernen".


    Ich finde es spannend, im Verlauf der Geschichte zu ergründen, warum Drostan und Taraín, von denen ich trotz allem einen guten Eindruck habe, Aelswith entführt haben, warum an ihrem Schicksal hängt. "Sie ist der Schlüssel, mit dem sich ein Tor öffnen lässt, das vermeintlich für immer zugefallen ist, und dahinter wartet ein Königreich, in dem zu leben sich jeder erträumt. Der Weizen wächst golden, die Rinder sind fett, auf den Wiesen blühen duftende Blumen, und die Schwerter werden rot, weil sie rosten, nicht weil Blut sie befleckt. Oh, ein reiches, ein friedliches Land könnte Alba wieder sein - so wie einst, als Mac Beathad sein König war." (Seite 77 f.)

    Mit großer Verspätung gibt es nun mein endgültiges Fazit:


    Im Sommer 1310 wartet Antonia sehnsüchtig auf die Rückkehr ihres Vaters, eines erfolgreichen Stralsunder Kaufmanns. Die junge Frau führt nach dem Tod der Mutter den Haushalt, der Verlust verbindet beide, so dass seitens des Vaters kein eiliges Interesse besteht, Antonia zu verheiraten. Etwas getrübter ist das Verhältnis zum älteren Bruder Severin, weil dieser sich dem Deutschorden angeschlossen hat.


    Doch das Schicksal hat einen anderen Plan für Antonia vorgesehen. Ihr Vater verunglückt tödlich, und Severin und Antonia reisen auf die Insel Rügen, um ihn zu begraben. Hier lernt Antonia den Bernsteinfischer Jaramir kennen, der tatsächlich zur Rügenschen Fürstenfamilie gehört. Die beiden entdecken Gefühle füreinander, werden hingegen getrennt, weil Severin schnellstens die Last der Verantwortung für seine Schwester abgeben will. Es kommt ihm gelegen, als er auf Rügen Conrad von Drachenfels begegnet. Antonia trifft das Los ihrer Zeit, sie kann zwischen dem Leben im Kloster oder als Ehefrau wählen, aber sie muss sich ihrem Bruder fügen, der sie Conrad als Ehefrau anträgt. Und so befindet Antonia sich unmittelbar darauf auf dem Weg zur Burg Drachenfels, wo sie nicht nur in Konfrontation mit ihrer zukünftigen Schwägerin Metza gerät, sondern zudem feststellen muss, was für ein Scheusal ihr mit Conrad aufgezwungen wurde. Denn dieser ist äußerst gewaltsam im Umgang mit seinen Untergebenen und auf seinen eigenen Vorteil bedacht, betreibt einen Bernsteinschmuggel und "hält" sich zu allem Übel Sklaven für die Arbeit in seinem Steinbruch. Einer dieser Unglücklichen ist Jaramir, der zusammen mit seinem Freund Dragan von der Insel Rügen entführt wurde. Und Antonia setzt alles daran, dem geliebten Mann zu helfen...


    Gabriele Breuer erzählt mit leichter Hand eine unterhaltsame Geschichte, die an den Leser keine großen Ansprüche stellt. Dabei bindet sie das fiktive Geschehen überwiegend gut in den historischen Kontext ein und lässt ihre Fantasie spielen, wenn die Rujanenburg auf dem Rugard, von nur noch die Fragmente des Burgwalls existieren, und die Ruine der Burg Drachenfels im Siebengebirge wieder erstehen, thematisiert unter anderem (fehlenden) Rechte der Frauen und die Allmacht der Männer, den Bernstein- und Sklavenhandel. Es ist die Zeit des letzten slawischen Fürsten Wizlaw III. von Rügen, die Menschen der Insel sind christianisiert, doch noch immer gibt es Ranen, die die alten Götter verehren.


    Die Autorin schildert das damalige Leben - nicht nur auf der Insel Rügen, sondern ebenso auf Burg Drachenfels und in der Umgebung - vorstellbar, wenngleich Ersteres angesichts des Titels "Die Bernsteinbraut" durchaus umfangreicher hätte sein können. Außerdem überzeugen einige Handlungsweisen nicht. So ist es eher unwahrscheinlich, dass eine Magd auf ihren gesamten Wochenlohn verzichtet, ihn einer Fremden übergibt und darauf hofft, das Geld zurückgezahlt zu bekommen.


    Lobend sei hervorgehoben, dass das Cover überaus gelungen ist und einen Bezug zum Inhalt hat.


    Die Schar der handelnden Personen ist überschaubar, und ihre Rollen sind im Großen und Ganzen klar aufgeteilt.


    Antonia und Jaramir erledigen ihren zugewiesenen Part derart, dass sich der Leser von Anfang vorstellen kann, wie das Ganze für die beiden endet. Während Antonia als Mädchen, das wohlbehütet aufwuchs, mit viel Empathie für das Leid der Mitmenschen ausgestattet ist, zum Teil leichtgläubig und ein wenig weltfremd daherkommt, aber auf jeden Fall unerschrocken und energisch handelt, wenn es um das Wohl derer geht, denen sie zugetan ist, punktet Jaramir damit, niemanden wegen seiner Herkunft gering zu schätzen und sich um Gerechtigkeit zu bemühen.


    Davon kann bei Conrad keine Rede sein. Er lenkt die Geschicke der Burg, dessen eigentlicher Herr - sein Bruder Rutger - wegen seiner Krankheiten dazu nicht in der Lage ist, und wertet seine geringe Körpergröße mit Brutalität auf, schlägt zu, ohne Rücksicht auf sein Gegenüber und entpuppt sich schon früh als zum Wahnsinn neigender Mann. Lediglich für seinen melancholischen, ja depressiven Bruder, den er nicht verlieren möchte, scheint er Zuneigung zu spüren, obwohl dessen ständiges Gejammer ihm auf die Nerven geht. Allerdings bleibt das Beziehungsgeflecht von Conrad und Rutger an der Oberfläche und hätte zum besseren Verständnis mehr Hintergrund vertragen.


    Etwas vielschichtiger ist Antonias Bruder Severin, obwohl dessen Auftritte im Roman eher gering sind. Auf den ersten Blick erscheint er als gefühlskalter Mensch, dem das Schicksal seiner Schwester gleichgültig ist. Tatsächlich aber ist er ein verschlossener Mensch, der einfach nicht in der Lage ist, seine Empfindungen zu offenbaren.


    Auch Metza, Rutgers Ehefrau, kann nicht eindeutig in die Kategorie Gut oder Böse eingeordnet werden. Bei ihr ist eine Entwicklung zu erkennen, die plötzlich ist und deshalb umso mehr überrascht.


    Auf jeden Fall sei noch Jenne erwähnt, die Magd mit dem mutigen Herzen, die im Verlauf der Handlung von einem schüchternen, ängstlichen Mädchen zur selbstbewussten Frau wird, die mit Klugheit und Verstand agiert und einen großen Beitrag dazu leistet, dass die Geschichte in einem malerischen Happy End mündet.