Beiträge von Bettina

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    Ich stimme mit NEIN ab aus zwei Gründen:
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    Ich glaube, ich verpasse hier eine schöne Leserunde. Zeitlich kann ich leider nicht mehr quereinsteigen - ich wünsche Euch viel Spaß und macht mich, bitte, bitte, schön neugierig auf das Buch ;D

    Ich stelle fest, dass ich meine Rezension noch nicht hier eingestellt habe. Das hole ich heute besser nach!


    Vielen Dank an Volker für die Begleitung der Leserunde :winken:
    Ich werde das kommende Jahr bis Fall 4 stühlescharrend verbringen, weil mich das Buch wieder sehr gefesselt hat. Ich mag die lebendige Atmosphäre und die Rekonstruktion der Geschichte. In diesem Fall besonders, weil alles nicht lange her ist und weil das Ende eben auch ein sehr trauriges ist. Die Frage, wie sich die Menschen auf diesen Punkt hinbewegt haben, beschäftigt.


    Meine Eindrücke zum Buch:


    Gereon Raths neuer Auftrag könnte langweiliger nicht sein: Der US-amerikanische Gangster Abraham Goldstein besucht Berlin und als reine Vorsichtsmaßnahme soll er von Rath überwacht werden. Herausforderungen sehen anders aus. Viel lieber würde Rath bei den Ermittlungen mitmischen, als zum Beispiel Mitglieder der beiden Ringvereine Berolina und Nordpiraten spurlos verschwinden. Tragisch geht zugleich auch ein Einbruch im KaDeWe aus, bei dem einer der Einbrecher ums Leben kommt und die Einsatztruppe der Polizei hinterher in Bedrängnis kommt. Denn am Tod des Einbrecher ist möglicherweise ein Polizist Schuld. Die Partnerin des Einbrechers, Alex, kann zwar flüchten, spürt aber, dass ihr eben jener Polizist auf den Fersen ist und keine Zeugen gebrauchen kann.


    Im dritten Band um Gereon Rath muss ausgerechnet die Hauptperson zumindest zeitweilig in der zweiten Reihe stehen; die spanndenden Sachen finden ohne ihn statt, weil er mit einem Kollegen abwechselnd in Goldsteins Hotel die Stühle platt sitzt. Ein unerwarteter Einstieg, der aber zumindest für den Leser einen gewissen Humor mit sich bringt: Goldstein ist von der Beschattung zwar nicht begeistert, macht sich (und mir) aber einen Spaß daraus, Rath mit seinem Job zu foppen. Auch die Arbeit seiner Freundin Charly bekommt Gereon Rath nur mit halbem Ohr mit, seit die beiden von einem Urlaub gereizt statt erholt zurückgekehrt sind. Eher halbherzig hilft er Charly, als ihr eine Straßengöre während des Verhörs abhaut und Charly sie auf Biegen und Brechen finden will.


    Für meine Begriffe hält die Serie weiter ihr hohes Niveau - sie entführt sehr atmosphärisch in das Berlin der 1930er und liefert zugleich spannenden Krimistoff. Diese Kombination möchte ich schon nicht mehr missen und unbewusst werde ich das eine oder andere Buch aus dieser Zeit sicher an den Rath'schen Fällen messen.
    Gut eingebunden ist die historische Entwicklung. Die latente Ausländer- und speziell Judenfeindlichkeit nimmt zu, doch die meisten Bürger glauben nach wie vor, dass das Phänomen vorübergehend ist. Sie sind mit Arbeit oder der Suche danach beschäftigt, vergnügen sich nachts, wenn das Geld dazu da ist und leben ein Berliner Leben, das vom heutigen gar nicht so weit entfernt scheint. Mit dem Wissen, wie es in den kommenden Jahren weitergeht, liest sich diese historische Krimiserie besonders spannend. Unwillkürlich fragt man sich schon hin und wieder, bei welchen Strömungen heute besonders Augenmerk angebracht wäre.


    Volker Kutscher fügt sein komplexes Puzzle Stück für Stück zusammen und lässt trotz jeder kleinen Lösung für die Endzusammensetzung noch genügend Möglichkeiten offen. Ob Einzelfälle überhaupt zusammenhängen und wenn ja, wie, bleibt lange Zeit vage und spannend. Ich hoffe, dass die eine oder andere Person aus diesem Buch in späteren Bänden noch einmal zum Zuge kommt; sowohl auf der guten als auch der schlechten Seite gibt es Personen, deren Werdegang interessante Möglichkeiten böte. Leider müssen wir zum jetzigen Zeitpunkt nach Kutschers Angaben fast noch ein Jahr warten, bis Band 4 erscheint, der 1932 spielen wird. Für Gereon Rath lohnt sich das Warten auf alle Fälle.


    :buchtipp:

    Heimfinderin : Ich habe auch gerätselt, warum sie bei Charly nicht die ganz grosse Kanone gezogen haben. Aber ich denke, dass sie nur auf diese Weise Gereon zum mitmachen zwingen konnten; Charly war ihr Druckmittel und damit Gereon nicht versucht, sie hinterher auffliegen zu lassen, mussten sie Charly am Leben lassen. Ich vermute, dass die Einschaetzung schon ganz richtig war: Niemand haette die Geschichte geglaubt. Und wenn die einzigen Zeugen unglaubwürdig sind, kann man eine ganze Weile weitermachen. So wie bei Tornows Schwester.


    Sebastian Tornow! Nee, das hätte ich wirklich nicht gedacht, er war für mich die ganze Zeit einfach ein netter Kollege.


    Und endlich mal wieder ein kluger und gewitzter noch dazu, der prima Arbeit hätte leisten können. Hat Volker geschickt eingefädelt, dass wir den sympathischen Tornow mit der armen, armen Schwester selber gar nicht auf der Rechnung hatten. Den Zusammenhang mit der Uniform hatte ich nicht wirklich gefunden; ich hatte den Schupo zwar für einen echten Polizisten gehalten, aber eher gedacht, dass für den Mord ein kleines Rädchen im Getriebe abgestellt worden ist. Ein Handlanger eben, nicht gleich einer der Führungsriege selbst.


    Genauso sehe ich es auch. Zwar wäre es sehr praktisch gewesen, wenn er sofort auf den Zug aufgesprungen und Charly ohne Umschweife geglaubt hätte, aber seine Reaktion ist nachvollziehbar.


    Eigentlich habt Ihr Recht. Wäre mir vermutlich auch nicht anders gegangen, wenn ich es mir recht überlege.


    Charly und Gereon sind so eine Art "Und täglich grüßt das Murmeltier". Die beiden bekommen ihre Chancen solange, bis sie entweder begriffen haben, wie es funktioniert oder klar ist, dass sie es eben nicht hinkriegen.


    "365 days and nights, 365 times to make it right" kam gerade heute morgen im Radio.

    Ich habe gestern bis 23:30 gelesen, ausgerechnet an einem Tag, an dem ich es besser hätte bleiben lassen (ich bin erstens keine Nachteule und anstrengend war der Tag noch dazu). Aber ich konnte einfach nicht anders, immer, wenn ich das Buch zugeschlagen hatte und das Lesezeichen so kurz vor dem Ende sah, schlug ich wieder auf.


    Alex mag ich irgendwie: Klaut sie sich Geld zusammen, um das bei Charly geklaute Geld zurückgeben zu können. Es hat einen Hauch dieser "Ganovenehre", dass man nicht jeden beklaut. Ihr Auftritt Gereon gegenüber war atemberaubend. Frech, aufmüpfig und völlig schnuppe, dass der Mann Polizist ist und eine Knarre hat. Sie hat schnell geschaltet: Charly ist nett, folglich muss ihr Freund auch nett sein und dann kann man gut tricksen, weil auch er erst einmal halbwegs weich mit ihr umgehen wird. Bis der kapiert, dass sie auch ihm nichts aus der Hand frisst, ist sie schon über alle Berge. Wie es mit ihr weitergeht, bleibt offen. Passt. Schön wäre es zwar gewesen, wenn sie in Sachen Benny hätte aussagen können, dann wäre sie aber auch dran gewesen. Da wünsche ich ihr lieber eine Chance auf einen Neustart woanders, zumal die Polizei den kriminellen Kollegen anders beikommt.


    Was mit Charly passiert? Da hatte ich übelste Befüchtungen. Dass es allerdings so perfide abgewickelt wird, damit hatte ich nicht gerechnet: Schlafentzug. Nicht nachweisbar und da offensichtlich genug Polizisten mit drin hängen, dürfte es nicht schwer fallen, das liebe Fräulein Ritter am Ende als Verstörte hinzustellen, die sich alles eingebildet hat.
    Und Rath, der nun endlich durchblickt, dass Tornow tatsächlich mit dem Kuschke-Mord dran war, kann nichts machen.


    Da hätten wir dann unsere dritte Partei: Polizisten, die ihre Aufgabe missverstehen und "gründlich aufräumen" wollen. Ein paar Verbrecher eliminieren, das Ganze Goldstein anhängen. Vielleicht hätten sie auch Glück gehabt mit dem Anzetteln eines Bandenkrieges unter den Ringvereinen, wenn Marlow sich nicht von Rath hätte beschwatzen lassen.


    Zum wievielten Mal übrigens bereitet Rath mit Gennat alleine bei einem Teller Kuchen dem ganzen Tohuwabohu ein Ende? ;D Wenn nichts mehr hilft, hilft Gennat. Das fand ich zu köstlich, dass Rath wieder diesen konspirativen Weg geht, um die Verbrechensserie zu klären, die ihm auf üblichem Weg erstens keiner geglaubt hätte und die zweitens wahrscheinlich auch schief gelaufen wäre, weil früher oder später die korrupten Polizisten beteiligt gewesen wären und die Sache zunichte gemacht hätten.


    Also fährt er zweigleisig: So tun, als erfülle er Tornows Forderungen und gleichzeitig Gennat anspitzen, damit die "Weiße Hand" zerschlagen werden kann.
    Gab es so eine Organisation übrigens wirklich? Oder gehört das zum Krimi-Inventar?


    Die Verhaftung Goldsteins war sehr schön geschrieben: Man erwartete eine Schießerei wie in Gangsterfilmen und der Mann kommt einfach locker aus der Hütte und meint, man solle ihm endlich die Handschellen anlegen, weil ihm die Arme sonst lahm werden. Und er hat die Chuzpe darum zu bitten, man solle doch seinen Namen richtig aussprechen. Gould-ßtiehn bitteschön. Die Zeitung sieht das zwar etwas anders, aber das war wohl auch kaum zu erwarten, dass sie die Gangsterfilm-Schiene bei ihren Lesern mal nicht bedient.


    Das Ende von Tornow wird übel. Eine sehr schlimme Verletzung - taktisch gemacht, Volker? Denn nur so landet er ja im Krankenhaus und kann von dort verschwinden. Wobei ich mich frage, ob es Helfershelfer seiner Organisation waren oder ob Marlow versucht, einen Drahtzieher auf ganz persönliche Art zur Rechenschaft zu ziehen? In diesem Buch kommt es nun nicht mehr raus, aber vielleicht bieten Band 4 oder 5 irgendwann eine Auflösung.


    Zur Coda habe ich gegoogelt. Ich fand es bereits auffällig, dass es ein einzelnes, konkretes Datum war und als dann die Krawalle aufkamen, dachte ich mir schon, dass es einen Zusammenhang mit einem historischen Anlass gab: Siehe hier. Mit folgendem Kommentar am Ende: Cornelia Hecht bezeichnet den Krawall als „eine von langer Hand geplante judenfeindliche Aktion“, die der Öffentlichkeit erstmals das Gewaltpotential des nationalsozialistischen Antisemitismus in vollem Umfang offenbarte: „Er war ein Präludium – sozusagen die Generalprobe – kommender Ereignisse, die allerdings niemand vorhersehen konnte.“


    Übrigens Volker, finde ich es gut, dass Du uns so oft in die Irre führst. Immer wenn man denkt, man hat einen -Anhaltspunkt, dann kommt etwas unvorhergesehenes. Das macht die Geschichte sehr spannend, denn man hat das Gefühl, dass sich auch bis zum Schluss noch alles wenden kann und noch alles möglich ist.


    Das unterschreibe ich gleich mal.
    So eine Szene war zum Beispiel, als Gereon Goldsteins Hotel auftreiben kann. Nur um gleich zu erfahren, dass der Vogel schon wieder ausgeflogen ist. Und um dann doch noch herauszubekommen, dass jemand ganz Unerwartetes nachträglich das Gepäck abgeholt hat. Ich dachte, Goldstein sei weg und fertig und hatte im Kopf den Besuch schon als unergiebig abgehakt. Doch dann die Information, die Rath gleich einzuordnen weiß und die Flegenheimers mit voller Absicht erneut aufscheucht.



    Die Keilerei mit Goldstein in der Kirche fand ich übrigens sehr nett, zumal der Fahrer sich denn auch aktiv mit seinem Weihrauchschwenker beteiligte. Anscheinend finden nicht nur wir Goldstein sympathisch, sondern auch Gereon spürt einen sympathischen Anflug für diesen geheimnisvollen Mann. Dass er um Kirchenasyl bittet, darauf wäre ich ja nie gekommen.


    Die Keilerei war wirklich klasse! Klingt vielleicht komisch, aber die hat Spaß gemacht, weil ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, die Zwei werden sich hinterher endlich mal unterhalten können. Dass sich der Pfarrer mit seinem Weihrauch einmischt, hatte was!


    Kuschkes Tod wird interessanter: Jemand war in der Wohnung und hat dort rumgesucht. Da stimmt einiges nicht und Kuschke hat wohl nicht nur Benny in den Tod getreten, sondern auch noch etwas anderes am Stecken ... sonst wäre die Durchsuchung durch den Schupo witzlos gewesen.


    Diese ominöse dritte Partei wird ja auch wieder spruchreif, als sich Rath mit Marlow unterhält und Christine auf den Zahn fühlt. Gereon Rath fürchtet, dass Marlows Racheaktion an den Nordpiraten genau das ist, was provoziert werden soll. Marlow kann natürlich nicht ruhen, wenn er seine Position halten will, aber glauben mag er Rath nicht - und wenn Marlow es könnte, könnte er diese Argumentation in seiner Organisation vermutlich nicht vermitteln.



    Ausgerechnet Sebastian Tornow. :o Ich hatte ihn, wie Gereon, ins Herz geschlossen. … Aber ich ahnte schon, dass die Geschichte, warum Tornow Polizist geworden ist, eine tragende Bedeutung haben müsse…


    Auf die "Auflösung" hatte ich förmlich gewartet. Eine grausige Geschichte! Sie führt mal wieder vor Augen, mit was für Leuten Rath zusammenarbeitet. Mitgliedern der Ringvereine geht man besser aus dem Weg und Rath hat das "Glück", dass er mit der "untadeligen" oberen Charge zu tun hat, die teuer speist, sich kultiviert gibt und sich nie selbst die Finger dreckig macht. Da vergisst man schnell, was die unteren Chargen für Verbrechen begehen.


    Das gibt nix Gutes: Charly hat Tornow erkannt - schön - aber umgekehrt leider auch :(



    Warum glaubt Gereon Charly nicht?


    Das ist wohl typisch Gereon Rath. Die Fähigkeiten seiner Freundin sollten ihm eigentlich bekannt sein. Wenn Charly sich sicher ist, zählt das was; das sollte er eigentlich geschnallt haben, wie fähig sie als Ermittlerin ist.



    Zuerst einmal taucht endlich der Zeuge von KDW auf, welcher den Krankenwagen geholt hatte, so ist zumindest endlich bestätigt worden, dass Kuschke Benny ermordet hat.


    Ein sehr schönes Verhör, mit Kuchen und direkt bei Gennat im Büro. Die Szene gefiel mir irgendwie. Sie zeigt mir, wie sehr Gennat tatsächlich daran interessiert ist, die Infos zum Mord am KaDeWe zu erhalten, auch wenn Kuschke selbst nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann. Riecht Gennat, dass da mehr dahintersteckt?

    Off-topic in diesem Abschnitt:
    Was mir schon länger im Kopf herumspukt ist, dass sich bei der Polizei der Mann als Zeuge gemeldet hat, der Goldstein die Waffe verkauft hat. Ist das nicht bekloppt? Da handelt einer illegal und liefert sich selbst ans Messer, um einen Ami in den Mist zu reiten. Ich kann es noch nicht zuordnen, außer damit, dass jemand auf Biegen und Brechen Goldstein was anhängen will. Aber diese Info spukte eine Weile in meinem Hinterkopf und vorgestern poppte sie beim Kuchenbacken hoch.

    Ich sehe das wie SheRaven. Erich tut zunächst doch einiges, um eine Eskalation zu vermeiden. Er fordert die Vergewaltiger mehrmals auf, zu gehen und erst dann zückt er sein Messer...


    Das stimmt. Ich schätze auch, dass Erich gewusst hat, dass er handeln muss und dass die fünf sich durch gutes Zureden niemals hätten umstimmen lassen.
    Dennoch hat mich die Aktion sprachlos gemacht. Lag vielleicht einfach auch daran, dass es nun mal ein Beil war und die Verletzung so grausam aussieht. Pistolen & Revolver bin ich als Krimileser viel gewohnter ;)


    Die Vergewaltigung selber ist für mich auch nicht schön zu lesen gewesen, aber das dürfte Frauen naturgemäß so gehen. Ich fand, dass Volker die Kurve gekriegt hat und genau soviel geschrieben hat, wie es für die Geschichte insgesamt nötig war. An der Stelle erscheint es mir rückblickend auch nicht plausibel, etwas anderes passieren zu lassen - außer einer Flucht. Einen Kampf hätte Alex nicht gegen fünf gewinnen können, da hätte sie bewaffnet und insgesamt eine Kampferfahrung haben müssen, die mir einfach nicht realistisch erscheint.


    Was mir im Kopf blieb, war im Besonderen die Haltung von Alex selbst. Niemals in Opferhaltung versinken, immer kämpfen. Und nachdem sie sich körperlich nicht mehr wehren konnte, wehrte sie sich im Kopf. Das ist für mich gleichzeitig eine ganz entscheidende Stelle gewesen über Alex' Charakter: Beinhart, Aufstehmännchen.


    Mist ist natürlich, dass sich Lange vom "armen Beilattackenopfer" einwickeln lässt und nicht einmal dann nachdenkt, als er von der Vergewaltigung erfährt. Guckt man sich die Wunde von Kralle an, dürfte doch eigentlich klar sein, dass man die nicht mit einem kleinen Messer hinkriegt, oder?


    Spannend wird es, was Goldstein angeht: Joseph Flegenheimer erkennt ihn. Nun, in diesem Fall weiß er ja, dass Goldstein in der Stadt ist, die Polizei hat ihm das ja nun oft genug unter die Nase gerieben. Damals, als sich die Blicke von Flegenheimer und Goldstein auf der Straße trafen, wusste Flegenheimer vielleicht noch nicht, wer der andere konkret war. Aber irgendwo wurde darauf hingewiesen, wie ähnlich Goldstein seinem Vorfahren sei und ich frage mich, ob Flegenheimer nicht so eine Art Déjà-vu hatte. Er hatte das Gefühl, jemand Bekanntes zu sehen, jemand, der ihn an einen anderen erinnerte. Und als sich die beiden nun auf dem Friedhof wiederbegegnen, zählt er Eins und Eins zusammen.


    Zum Grinsen fand ich übrigens, wie Rath den lieben Lanke in die Zange nimmt. Erwischt ihn mit den Fotos und setzt ihm dermaßen zu, dass der Arme hoffentlich hofft, er hätte lieber bei der Verkehrspolizei Dienst geschoben. Der hat mächtig Schiss, das merkt man ihm an.

    Kuschke ist tot. Das war eine überraschende Wendung. Wobei ... Wenn Ihr mich fragt, dann ist der Schupo echt. Ich vermute, dass Kuschke zu irgendeiner Gruppierung gehört, denen er zu gefährlich wird. entweder Polizisten, die eine komische Auffassung von Selbstjustiz haben oder solche, die krumme Dinger drehen. Oder beides. Die wissen ueber Kuschkes Aktion am KaDeWe Bescheid und als er nun beurlaubt wird, die Schrift an seinem Wohnhaus auftaucht, ist klar, dass er und damit auch die ganze Gruppierung auffliegen koennen. Spaetestens nach der Schmiererei an den Haeusern ist klar, dass jemand zuviel an diesem betreffenden Abend gesehen hat und eine Verbindung herstellen kann. Und bevor die Kripo Kuschke schnappt und womöglich alles rauskommt, beseitigt ihn man lieber.


    dazu passt auch die Vermutung, dass das Messer nicht irgendeines ist, sondern eines aus der Asservatenkammer, das von Alex. Waere eine super Beweiskette, da ja bekannt ist, dass Alex Kusche schon einmal angegriffen und verletzt hat.


    Der Witz an der Uniform ist nun, dass erstens niemand einem Polizist diesen Mord zutraut, sollte jemand zufällig auf der Strasse sein. In Uniform sehen Polizisten fuer viele vielleicht auch alle gleich aus. Mit dem Ergebnis, dass der Schupo ziemlich ungefaehrdet ist.

    Es stand aber nirgendwo, dass Marion auf Goldstein :capone: angesetzt wurde, oder habe ich da was überlesen?
    Klar ist, Marion war Informantin der Sitte, sonst nichts.
    Wenn sie ihrem Job als Zimmermädchen auch im Auftrag der Sitte nachgeht, muss das nichts mit Goldstein zu tun haben. Möglicherweise ist sie auf etwas anderes angesetzt worden und die Begegnung mit Goldstein war zufällig und erfolgte ganz normal im Rahmen ihrer Zimmermädchentätigkeit.


    Das stimmt absolut. Marion muss nicht zwangsläufig auf Goldstein angesetzt worden sein.
    Ich stelle allerdings nur zu gerne eine Verbindung her, weil irgendeine dritte Partei derzeit versucht, Berolina und Nordpiraten gegeneinander auszuspielen. Ich glaube mich zu erinnern, dass entweder Lenz oder Rudi kurz vor ihrem Tod über einen neuen Partner nachgedacht haben und dabei erwähnten, dass es jemand aus Polizeikreisen sei. Dass sie einen mächtigen Verbündeten hätten. Möglich wäre es daher, dass die Sitte da eine Rolle spielt. Derzeit aber purer Spekulatius.


    Der erste Leser meiner Romane bin immer ich selbst, erst nach ein bis fünf Bearbeitungsschritten lasse ich meine Testleserinnen ran an den Text ... Den Mist, den ich in meinen Erstfassungen produziere (nicht immer ist es Mist, aber perfekt ist es nie), lasse ich niemanden lesen außer mich selbst. Erst wenn ich es selbst halbwegs vorzeigbar finde, dürfen die anderen ran.


    Da geht es Dir in Sachen Testleser wie mir. Ich schreibe Artikel und bevor die entweder rausgehen oder gegengelesen werden, muss ich das Gefühl haben, sie passen. Auch mein Mann, der manchmal gegenliest, bekäme von mir niemals einen Artikel, von dem ich nicht selbst eine vernünftige Meinung habe. Und trotzdem zerrupft er einige davon immer noch - und eine halbgare Sache mag ich ihm da gar nicht vorlegen ;)


    Obwohl ich mir auch vornehme, Artikel X bis dahin zu schaffen, stelle ich es mir schwieriger bei einem Roman vor, Seitenzahlen zu halten oder Termine zu fixieren. Ich schaffe meinen Output (nehme ich jedenfalls an), weil ich einen ziemlich begrenzten Inhalt habe (im Vergleich zu einem Roman jedenfalls). Wie bekommst Du das hin, wenn Du parallel zum Schreiben noch die Handlung entwicklen musst? Du wirst ja nicht nur feststellen, dass Du Szenen umstellen oder anders texten musst, sondern dass Du vielleicht eine komplette Szene streichen oder das Pferd völlig anders aufzäunen musst, damit die Handlung nicht in eine Sackgasse gerät. Und wenn eine Szene erst einmal fort ist oder irgendwo etwas nicht funktioniert, hängt ja schon ein Rattenschwanz an geplanter oder geschriebener Handlung dran.

    Ich sehe gerade, dass Tina hier schon etwas geschrieben hat und weiter zu sein scheint. Mir fehlen noch ein paar Kapitel, aber ich mag zu den Kapiteln zuvor schon ein bisschen was sagen.


    Die Begegnung mit Goldsteins Berliner Familie war geradezu frustrierend für einen Ermittler. Aus zweierlei Hinsicht. Sie vermuten ihren Abe alle weit weg in den USA und können natürlich nur das glauben, was sie all die Jahre gedacht haben: Die ausgewanderten Goldsteins haben ihren Weg gemacht. Kann ich ihnen gar nicht verübeln. Ein hohes Maß an Sturheit aber zeigen sie schon, als Rath ihnen klarzumachen versucht, dass die Mordidee nichts Spinnertes von ihm ist, sondern mit Akten und Fakten der amerikanischen Behörden untermauert werden kann.


    Das zweite Problem für Rath und noch vielmehr für die Kripo überhaupt ist, finde ich, dass der Glaube keine Obduktion zulässt. Eine Blutprobe ist vertretbar und in diesem Fall ist es Glück, dass ein Mittel eingesetzt wurde, dass sich über eine Blutprobe nachweisen ließ. Sonst stünde Rath ganz ohne Info da. Wobei sie ihm wenig nützen wird, wenn der Schuldige hübsch brav bei einem Nein bleibt. Dann hat man halt eine komisch erhöhte Dosis und sonst nichts.


    Interessant finde ich die Schlinge, die Rath um den Hals von Journalist Fink zieht. Der kriegt ihn mit Spielschulden dran und bekommt den Hinweis, wie Fink an die Polizeiunterlagen gekommen ist. Das wird interessant: Wer hat Fink da versorgt? Die Sitte, die wir ohnehin so herrlich unsympathisch finden? Und wenn ja, warum?


    Auwei Alex, als hätte sie nicht genug Ärger am Hals! Jetzt kriegt Kralle sie am Wickel und dieses fiese Damoklesschwert, das die ganze Zeit über ihr schwebte, fällt runter. Ich hatte Schlimmeres schon bei der Begegnung mit Charly befürchtet; da zeigte Kralle ziemlich deutlich, was er für ein >:( ist und wie er mit Frauen umgeht.
    Erichs Arbeit im Schlachthof macht offensichtlich ziemlich gleichgültig und abgestumpft. Die Art und Weise dieses Auftritts hat mich wirklich sprachlos gemacht.
    Und Alex hat dank Charlys hartnäckiger Verfolgungsjagd eine bessere Hilfe, als sie es sonst gehabt hätte. Vor Kralle und seiner Bande sicher, vor Kuschke sicher.


    Bei mir geht es bald mit Kapitel 77 weiter. Ein gefährliches Buch! Ich möchte viel schneller und mehr lesen, als ich es derzeit kann. Die Handlung geht zügig voran, es ist immer spannend, weil man nie weiß, welches Puzzlestück man als nächstes bekommt. Kein Aspekt, der im Buch bisher zur Sprache kam, ist so richtig aufgeklärt und mich jedenfalls treibt die geschickte Konstruktion richtig durch das Buch.

    Der Einstieg für Rath in diesen Abschnitt hätte schlimmer nicht sein können: Sein Auftrag ist ihm entschwunden. Was mich in der Folge völlig überrascht hat, ist die Reaktion von Weiß. Der sagt ganz locker, er mache Rath keinen Vorwurf, weil er selber einen Fehler beim Aufbau der Aufgabe gemacht hat.
    Was für ein Kontrast gegenüber Charly, die den Ärger um ihren Fall von Ausbüxe ganz alleine abkriegen soll.


    Ebenfalls überraschend die neue Verknüpfung bei Zimmermädchen Marion: Bei Marlow arbeitet sie gar nicht mehr, da scheint vielmehr die Kollegenschaft von Gereon Rath beteiligt zu sein. Ja, das riecht seltsam. Was hat ausgerechnet die Sitte mit Goldstein vor? Dass Marion grundsätzlich als Informantin arbeitet, ist für mich gar nicht das Thema, sondern wirklich die Frage, warum ausgerechnet die Sitte eine Informantin auf einen Killer ansetzt, der mit Sittenfragen gar nichts zu tun hat.



    So richtig Übel ist allerdings dieser Artikel in dem Schmierblatt, mit dem Hinweis auf Goldstein in Bezug auf den Mord an Kubicki. Natürlich gibt es auch bei der Polizei genügen antisemitische Mitarbeiter und für die Presse ist das ein gefundenes Fressen. Leider verstärken solche Artikel noch mehr den Rassenhass und sehr wahrscheinlich ist das auch gewollt.


    Tendenziöse Berichterstattung findet sich leider bis heute. Bei vielen Verbrechen oder Berichten über einen Verdacht werden bei manchen Zeitungen die ausländischen Nationalitäten oder Religionszugehörigkeiten ziemlich schnell und in Fettdruck hervorgehoben. Obwohl die mit den Dingen beileibe nicht immer zu tun haben.


    Gut aber, wie Ihr auch sagt, dass der betroffene Jude bei Rath aufkreuzt und die Sachlage erklärt. Verwertbar sit diese Aussagen nun ganz und gar nicht. Aber für die Arbeit von Rath ist es wichtig zu wissen, was an dem Abend passiert ist. Vielleicht hilft es ihm noch, Bescheid zu wissen und deshalb mit einem alternativen Weg an den wahren Täter heranzukommen. Dass er bei Goldstein nicht deswegen anklopfen muss, ist nun klar.


    Ich könnte mir auch vorstellen, dass Gereon und Goldstein noch in irgendeiner Form ein Team bilden.



    So, Alex war also doch bei ihrem Bruder Helmut. .... Und wieder gibt es ein Puzzlestück zu dem Fall Beckmann. Ich finde das spannend, wie man so nach und nach immer mehr erfährt.


    Bezüglich Goldstein löst sich auch ein weiteres Rätsel. Der Patient im Krankenhaus war also sein Großvater. Der Grund seines Besuches ist aber nun ein völlig anderer, als überhaupt vermutet. Obwohl: der erste Gedanke, nämlich ein Mord, stimmt eigentlich schon. Nur, dass er eine völlig andere Bedeutung hat und nichts mit Goldsteins "Beruf" zu tun hat, sondern mit einem persönlichen Gefallen, einer Erlösung im positiven Sinne für das "Opfer". Das war unerwartet und überraschend, aber in gewisser Weise auch erleichternd, denn es passt dazu, dass mir Goldstein immer noch sympathisch ist. Dieses Gefühl hat also noch seine Berechtigung. ;)


    Bei Alex' Aufenthaltsort bin ich auch aufgelaufen. Ich hatte zwar überlegt, ob er als Zufluch in Frage kommt, fand aber seinen ablehnenden Auftritt dann ziemlich überzeugend ;-)
    Ich muss sagen, dass Charly sich ziemlich gewitzt bei ihrer Suche zeigt. Sie lässt keine Spur unversucht und versucht hartnäckig, sämtliche Stationen von Alex früherem und aktuellem Leben aufzusuchen.


    Godsteins Auftrag hat mich auch sehr überrascht. Mancher Familienkontakt ist für eine Überraschung gut. Sehr gut fand ich, wie Gereon ihm auf die Schliche gekommen ist. Regionale Auffälligkeiten wahrnehmen und dann instinktiv diese Sicherheit, als der Blick auf das Krankenhausschild fällt.


    Mit der Charly-Sache ist es gerade mal wieder soweit: Gereon könnte einen kräftigen Tritt in seinen Allerwertesten gut vertragen. Ein "Held" im üblichen Sinne ist er wirklich nicht und zwischendurch trägt er durchaus das eine oder andere Brett vor der Stirn mit sich herum. Nicht nur wegen Charly und dem Grinsemann (ok, Eifersucht kann man nicht steuern), ...


    Ich helfe Dir und Heimfinderin beim Treten. Ich finde auch, dass alle beide ein bisschen mehr den Mund aufmachen könnten. Charly halte ich da ohnehin für mutiger. Vielleicht ist es aber auch das Schlimme, dass beide wissen, wie sehr sie ohne den anderen nicht können. Manche machen da eher die Jalousien zu, wenn es richtig ernst wird und werden angesichts bierernster Gefühle klitzeklein mit Hut.


    Ich bin ja froh, dass wir nach über einem Drittel des Buchs nun wissen, warum zu Beginn so grausig der Wurm drin war. Der Köln-Besuch ging unter. Das lag nicht nur daran, dass Gereon und Charly sich nicht gegenseitig darüber informieren, was sie eigentlich voneinander wollen. Es liegt ja nun auch daran, dass Gereon mit seiner Familie genauso wenig reden kann. Nicht einmal halbherzig hat er der Mutter widersprochen - und er hat an der Stelle gar nicht gemerkt, dass er Charly damit einen richtigen Schlag versetzt hat.



    Gereon könnte einen kräftigen Tritt in seinen Allerwertesten gut vertragen ... sondern auch, was Goldstein betrifft. Er wundert sich zwar, das Goldstein sein Zimmer nicht verlässt, kommt aber nicht auf die Idee, einfach mal anzuklopfen um einen Blick ins Zimmer zu werfen. ::)


    Ja, ja, ja!! Ich hätte Gereon am liebsten das Buch um die Ohren gepfeffert ;D Gereon liest sich die Beobachtungsdaten durch und traut Goldstein zu, dass der tatsächlich stundenlang auf dem Zimmer hockt und Berlin durch's Fenster betrachtet. Vermutlich ist das ein Ausdruck der Abneigung gegen diesen Auftrag. Kandidat ruhig, nix zu tun ist allemal besser als ein ungeliebter Auftrag, der dann auch noch richtig Arbeit macht.


    Es scheint sich zu bewahrheiten: Goldstein ist auf eigene Faust in Berlin, weil er Moes irrem Verfolgungswahn aus dem Weg gehen will. So, wie Moe sich aufführt, ist es ein kluger Schachzug gewesen. Man denke nur an das Abschiedskommando am Ableger... Die Frage ist jetzt nur noch, wer den Brief gechickt hat.



    Ich musste grinsen, als ich las, wie schnell auf einmal das Auto repariert war. Marlow hat wirklich Macht, ich hoffe er haut Gereon nicht in die Pfanne.
    Nun wird auch bekannt, dass das Zimmermädchen vom Excelsior einmal zu Marlows Etablissement gehörte, wobei ich fast vermute, dass dies immer noch der Fall ist.


    Oh ja, das war eine eindrucksvolle Darstellung davon, wie mächtig Marlows Netzwerk ist. Ein Telefonat mit Gereon und am Morgen drauf hat das Vergackeiern des Kunden ein Ende. Und dass die Dame auf dem Foto von Lenz das Zimmermädchen ist, ist eine interessante Verknüpfung!

Anstehende Termine

  1. Freitag, 19. Juli 2019, 21:00 - Freitag, 2. August 2019, 22:00

    odenwaldcollies