Beiträge von pm

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    Dass man mit Jahre übergreifenden Handlungsbögen und Geschichten über die ganz Großen, Könige, Feldherren (das Big Picture sozusagen) mit Leichtigkeit dicke Historienschinken schreiben kann, ist offensichtlich. Ulf Schiewe ist ein Meister, der auch aus kleinen Anekdoten und Randnotizen der Geschichte ganze Romane zaubert. Auch in seinem neuesten Werk erwartet uns eine spannende Episode aus einer Ära, die sich sonst kaum in historischen Romanen wiederfindet. Es geht im Rahmen der normannischen Eroberung Süditaliens im 11. Jahrhundert darum, wie Robert Guiscard es geschafft hat (bzw. haben könnte), die Grafschaft Apulien zu übernehmen, beschrieben aus der Ich-Perspektive seines Adlatus Gilbert.


    Dies ist der vierte und voraussichtlich letzte Band der Reihe um den Normannen Gilbert, der mit Robert de Hauteville genannt "Guiscard" ins Mezzogiorno kommt und dort allerlei Abenteuer erlebt. Leider ist es auch (für mich) der schwächste Band der Reihe, handlungsseitig eher kurz und überschaubar, verglichen zum Beispiel mit dem ersten oder auch dritten Band der Geschichte. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte unterhaltsam geschrieben, der Schreibstil wie gewohnt sehr angenehm. Die Vorgeschichte wird - soweit nötig - unaufdringlich in die Handlung eingestreut, so dass man das Buch auch ohne die anderen Teile lesen kann. Die Figuren sind sympathisch und ihre Entwicklung im wesentlichen nachvollziehbar. Beschreibungen der Landschaft, der Küche und anderen eher kleinen Vorkommnissen am Rande lassen das Italien des 11. Jahrhunderts plastisch vor Augen entstehen und ergeben ein rundes Gesamtbild. Auch die Umsetzung als Lesung mit Reinhard Kuhnert als Sprecher ist nur zu empfehlen.


    Ich würde die Reihe gerne weitergeführt sehen. Ebenso würde ich gerne mal wieder etwas vom Kaliber des "Bastards von Tolosa" vom Autor lesen :-)


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    Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich auch nochmal explizit bei Ulf zu bedanken. Für mich war das eine tolle Erfahrung, mit dem Autor und den anderen den Inhalt zu diskutieren :) Vielen Dank für diese Gelegenheit!

    Das der Hund und das Pferd nicht sterben, finde ich nicht unrealistisch. Wenn man sieht, welche Verletzungen Wildtiere so überleben.


    Ich weiß nicht. Loki springt in Pierrons offene Klinge heißt es im Text. Sorry, wenn ich da so was wie Hundeschaschlik vor Augen habe, ganz sicher jedoch keinen kleinen Kratzer einer Streifwunde.

    Hast du eigentlich jemals bereut, in der Ich-Form geschrieben zu haben? Die Immersion ist natürlich eine andere, aber man vergibt auch viele Chancen auf parallele Handlungsstränge, weil man ja nur aus Gilberts Sicht schreiben kann.

    Soweit ich weiß ist die Vergiftung nur erfunden? Ich habe mich allerdings immer schon beim Schmökern in der Wikipedia gefragt, wie Robert ausgerechnet auf Sichelgaita gekommen ist, naheliegender wäre doch tatsächlich ihre Tante gewesen. Die geschilderte Handlung ist jedenfalls eine gute Erklärung und Möglichkeit, hat mir gut gefallen


    Allerdings stellt sich mir die Frage, inwieweit das (von Ulf und Gaitelgrima) von Anfang an so geplant war :-) Die Schwärmerei ist ja nicht historisch belegt, taucht aber schon in Band 1 auf. Wenn das da schon geplant war, puh, die Dame hat einen langen Atem. Wirft natürlich auch ein etwas anderes Licht auf Drogos Tod....


    Auch hier sieht man mal wieder, wie wichtig die 1. Regel bei Attentaten ist: Töte den Attentäter...



    Bei der Geschichte mit Loki meine ich wieder Frau Schiewe gehört zu haben ;-) "Bitte, nicht den Hund!" Meine medizinischen und hygienischen Vorstellungen der Zeit passen da nicht zum Ausgang der Geschichte, aber gut, macht nix.

    Ich hätte bitte noch eine Frage zur Vorbereitung eines solchen Romans: Wieviel Reiseaufwand steckt denn da drin? Die Landschaft, das Klima, das ganze Setting wird so schön beschrieben, da reichen doch sicher nicht 4 Wochen Urlaub in Bella Italia? Und wie schaffst du es, dir die damaligen baulichen Zustände vorzustellen? Ich bin immer ganz enttäuscht, mir bei Streetview Argentano anzusehen :)

    Jeder klar denkende Mensch sollte eigentlich (auch damals) zu dem Schluß kommen, dass die Grafschaft nicht von einer Frau, gar Lombardin, für ihren unmündigen Sohn geführt werden kann. Es kommen ja in der Geschichte noch zig Beispiele, Henry III oder Richard II z.B. (gut, die kannte Gilbert noch nicht :)) Aus heutiger Sicht mag es eigenartig sein, so auf die Erbfolge zu insistieren. Das ist ja immer ein bisschen die Gefahr, dass man die Vergangenheit an heutigen Maßstäben misst, sowohl als Autor (und da denke ich ganz ausdrücklich nicht an Ulf :)) als auch als Leser. Aber natürlich kannte Gilbert es nicht anders, die Frage stellt sich ihm gar nicht, ob es anders sein könnte. Anders als Pierron und Ascletain; eigentlich wäre deren Ansatz der bessere und modernere gewesen, wieder durch Wahl einen neuen Grafen zu bestimmen. Natürlich wäre durch ihren eventuell geglückten Aufstand eine Wahl alles andere als frei und unbestimmt gewesen :)
    950 Jahre weiter fragt man sich zuweilen dann wiederum schon, wie denn aktuell die Nachfolger der Herrschenden gefunden werden und wie denn Spitzenposten in der Politik besetzt werden und ob das denn wirklich soviel anders ist als damals.

    "Gaitelllgrrrrrima" hat er früher besser gesprochen - oder Gaitelgrima hat ihren Akzent etwas verloren nach der langen Zeit mit den Normannen ;-) Ohne Witz, Reinhard macht das hervorragend, eine super Darbietung wieder. Kompliment

    Es gibt Hörbücher zu der Reihe?
    Nur zum Download? Oder auch als CD?


    Mindestens als Download (audible). CD weiß ich nicht, zumindest findet google keine auf Anhieb. Ist wohl auch etwas aus der Mode gekommen. Ich meine aber, dass man von audible einmal brennen dürfte. Kann aber sein, dass sich das in den letzten Jahren geändert hat

    Ich hab ja noch das Hörbuch, da fehlt die Karte naturgemäß auch. Zum Glück haben wir ja Google Maps, die Orte gibts ja immer noch. Insofern keine wirkliche Einschränkung, zumal es in Italien ja auch Streetview gibt.


    Was mir (bei allen) Hörbüchern aber generell fehlt ist das Nachwort des Autors. Vielleicht magst du das mal anregen? Eventuell selbst eingesprochen ;)?


    Gerlaine hat eine Vision und alles trifft genauso ein. :(


    Wenn der Abschnitt gefehlt hätte, wäre es für mich auch nicht schlimm gewesen.


    Mich wundert es ohnehin, dass es doch noch so viele mit dem alten Glauben gegeben hat, dass es doch so prominent im Buch vorkommt - wenn es nicht nur für die Atmosphäre ist :). Man bedenke, dass zu gleicher Zeit William von der Normandie sich anschickt, England zu erobern. Und der ist für seinen strammen Glauben bekannt.


    Zitat


    War es eigentlich wirklich üblich damals, dass so viel und schnell geheiratet wurde; vor allem unter den einfachen normannischen Kriegern?


    Ich würde sagen, das war zu allen Zeiten ein geeignetes Mittel, um sich in die Bevölkerung einzugliedern. Die Normannen haben sich sozusagen "festgefressen" (passt ja auch zu Ulfs Beschreibungen der lombardischen Küche :)) und sind keine Besatzungsmacht, die nach 4 Jahren wieder abzieht.


    Rotes Hemd?


    Dieses hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Redshirt


    Bei diesen Zeiten denke ich immer, wie katastrophal schlecht das medizinische Know-how war. Und eben die Gewalt und fehlende Rechtssicherheit, bzw. was gilt ist halt das Recht des Stärkeren. Jeder kann dich wann auch immer massakrieren ohne irgendwas befürchten zu müssen, wenn er sich nicht gar zu blöd anstellt. Und in so einem Kriegsgebiet allemal.

    Über die Orks bin ich auch gestolpert :), irgendwie ist der Begriff - auch wenn er älter sein mag - derartig mit HdR verbunden... aber gut, es kommt ja nur einmal vor, da kann man das schon verschmerzen.


    Die Entwicklung von Gerlaine hat mir nicht so gefallen, auch wenn man die Ereignisse aus Band 3 berücksichtigt und dass sie Mutter und älter geworden ist. Die Figur paßt nicht so ganz zu der im ersten Band eingeführten Gerlaine, die wagemutig Zielobjekte ausspioniert und an der Durchführung beteiligt ist. Sie kommt mir ein bißchen zu bürgerlich vor, mit Reihenhaus am Rand von Argentano und Babysitter. Wäre vielleicht doch besser gewesen im letzten Band einen Schlußstrich zu ziehen.


    Irgendwie erwarte ich immer, die Leute sind damals alle an Tetanus gestorben. Erst durch die Kloake, dann Schnittverletzungen => Das wars :)


    Das Schicksal des Bauerns fand ich auch traurig (was aber als Nebenfigur zu erwarten war. Fehlte eigentlich nur noch, dass er ein rotes Hemd anhatte :). Das ist mit der schlechten medizinischen Versorgung wohl das, was mich am meisten an den alten Zeiten stört, die fehlende zentrale Autorität bzw. Sicherheit, die wir heute (hier) haben. Es ist einfach nicht zu erwarten, dass heute mittag irgendwelche Gewalttäter um die Ecke kommen und dir den Garaus machen.

    Erschienen sind die in der Reihenfolge Rätsel, Rückkehr, Geheimnis und Schicksal, zeitlich spielt das Geheimnis vor Rätsel, Rückkehr und Schicksal. Das Geheimnis des Templers erscheint mir eher als Goodie für die Fans ("wie alles begann") und ist zwar auch interessant zu lesen, aber bei weitem nicht so episch wie die anderen Bände.
    Soweit ich mich erinnere hatte Martina mal erwähnt, dass dieser Band ein Experiment in Richtung Fortsetzungsroman war, damals wurde der auch in sechs Teilen veröffentlich. Ich meine Teil 1 wäre schon zu kaufen gewesen, da war Teil 6 noch nicht geschrieben.


    Beim Schicksal sieht das zwar ähnlich aus, aber ich habe den Eindruck, dass das Buch schon fertig ist und nur als Test wieder zunächst sechsteilig auf den ebook Markt kommt.


    Gelesen habe ich sie in der Erscheinungsreihenfolge und würde nicht sagen, dass man dadurch etwas verpasst.