Beiträge von Papyrus

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    Ich habe das Buch heute in einer Buchhandlung übrigens noch an die Frau gebracht ;D Im Herzen bin ich wohl Buchhändlerin


    Man darf den Klappentext allzu ernst nehmen, geht es zwar wie darin beschrieben auch um die Liebe, aber sie ist meines Erachtens nicht der Schwerpunkt der Geschichte.
    „Leonore und ihre Töchter“, ein Familienroman. Anhand von 4 Generationen Frauen einer bürgerlichen Familie führt die Autorin die Leser-innen durch knapp einhundert Jahre Geschichte. Ein Roman aus Sicht von Frauen, ohne den Stempel „Frauenroman“ zu verdienen. Dafür schreibt Gina Mayer zu bodenständig und realitätsnah, fernab jeglicher Klischees.


    Mit einem Blick auf die Weltausstellung in Paris im Jahr 1900 (wo es den Eifelturm schon gab und dieser orange gestrichen wurde), geht es weiter zurück bis in das Jahr 1813. In die Welt der Tuche und Stoffe, in die furchtbare Welt der Kinderarbeit. Aber gerade Kinder kennen keine Grenzen, keine Vorurteile. Sie knüpfen Freundschaften aus Zuneigung und Sympathie. Nichts, was den gesellschaftlichen Regeln standhält. Im Gegenteil, eine Kinderfreundschaft legt den Grundstein für die teilweise Entwicklungen in den Lebensläufen der Figuren dieser Geschichte.
    Gut recherchiert, und atmosphärisch dicht erzählt, werden die Frauen auf ihrem Weg, den das Schicksal für sie bereit hält, begleitet.


    Führen einige Teile der Geschichte den Leser bis nach Paris, ist Düsseldorf, wie in den anderen Erwachsenenbüchern der Autorin, der gewohnte Handlungsort des Geschehens. Man kann die Geschichte auch lesen ohne die Stadt zu kennen, ist aber der Handlungsort eine schöne Nebensächlichkeit für Leser aus dieser Umgebung.


    Wohl eher unbeabsichtigt nimmt die Geschichte viel Bezug auf aktuelle Ereignisse. Kinderarbeit ist in weiten Teilen der Welt immer noch an der Tagesordnung. Die Emanzipation, befeuert durch die im Buch vorgestellten Suffragetten, hat in vielen Ländern bisher keinen Einzug erhalten. Ein historischer Roman, aktueller denn je.



    Wie immer war es eine tolle gemeinsame Leserunde. Besten Dank an die anderen Leserinnen und an dich, liebe Gina. Ich freu mich schon auf weitere Runden, wenn ich sie denn nicht wieder übersehe :)


    Meine Meinung steht auch auf
    meinem Blog und im Forum auf
    Literaturschock

    @Reha
    Die Wurzeln sind mehr als ein paar Gene. Ich bin kein Genetiker, habe aber am eigenen Leib erfahren, dass die Wurzeln in uns sind und sich nicht verleugnen lassen.
    Es laufen im Unterbewussten Vorgänge ab, die wir nicht beschreiben können. Dora wird irgendwie gespürt haben, dass ihre Mutter (Mathilde) nicht ihre Mutter ist. Egal, was ihre leibliche Mutter ist, Hure oder Heilige, im Inneren konnte etwas gerade gerückt werden. Darauf kommt es an. Es ist nicht wichtig, ob sie jetzt Zeit mit ihr verbringen wird, aber das Unaussprechliche wurde ausgesprochen. Selbstzweifel werden sich auflösen. Man sieht doch schon wieviel selbstbewusster sie nun ihrer Zukunft, auch ohne Gustave, entgegen sieht.


    Avila
    Jetzt wird es aber philosophisch. Ich glaube aber die Liebe wird hier überbewertet. Liebesheiraten wie wir sie kennen, wird es damals eher nicht gegeben haben. Von daher sei es Mathilde gegönnt immer noch an Julius zu denken, solange er ihr nicht im Wege steht.

    Da würde ich dann auch drum bitten. Denn von einem Spoiler in diesem Fall zu reden, finde ich falsch. Denn die Information konnte man ja durchaus vorher schon lesen. Auch wenn die Information später nochmal aufgegriffen und erklärt wird. Da war sie in diesem Abschnitt auf jeden Fall.


    Ich fand das Personenregister auch sehr hilfreich. Es hat m.E. nötige Informationen gegeben, ohne zuviel zu verraten.

    Ein würdiges stimmiges und doch offenes Ende welches sehr gut zu der Geschichte passt.
    Es zeigt sich hier ganz deutlich, was einen Menschen ausmacht: die Wurzeln. Es ist gut, dass Dora gelauscht hat und nun ihre eigene Geschichte kennt.
    Auch wenn sie mit Liebe und Hingabe wie die eigene Tochter erzogen wurde, sie hat gespürt, dass etwas anders ist. Das Buch spielt in einer Zeit in welcher (weibliche) Selbstverwirklichung keine Rolle spielt. Aber Dora scheint eine Last von den Schultern zu fallen nachdem sie ihre leibliche Mutter gesprochen hat. Gustave? Den braucht sie nicht mehr! Und Nanette wird von ihr nun die nötige Unterstützung erhalten wenn sie malen möchte. So kann wirklich ein Wimpernschlag ein Leben ändern.


    Mathilde ist zwar eine starke Frau geworden, mir aber fremd geblieben. Sie liebt Julius immer noch, würde sich aber wieder gegen ihn entscheiden sollte es eine zweite Chance geben.



    Yves Charpentier ist eine Enttäuschung und ein Feigling: einerseits lockt ihn das einfache Leben und er will sich von seiner Familie befreien, andererseits ist er bereits einer reichen Tochter versprochen – und spielt Nanette die ganze Zeit ein Theater vor. Dora erkennt das richtig, daß sie froh sein soll, daß sie den Kerl los ist, irgendwann wird sie auch darüber wegkommen.


    Er hat einmal angedeutet, dass er niemand ist. Nanette hat ihm ihre Liebe gestanden, er hat nicht erwiedert (Seite 419).
    Ganz sinnlos war diese Freundschaft jedoch nicht. Yves hat ihr eine Welt zu Füßen gelegt, die sie sonst wohl nicht entdeckt hätte. Die Kunst und die Künstler, Montmartre.
    Sie hat von ihm ein größeres Geschenk bekommen, als es eine Ehe mit ihm je gewesen wär.


    Ich bin mit der Geschichte und dem Ende sehr zufrieden. Die Erlkönigin ist nicht böse und der Kreis schließt sich. Wir haben als Leser die Welt aus Sicht des Bürgerlichen erlebt. Das Leben aus Sicht von Luise wäre wohl auch sehr interessant (wenn auch sehr grausam) gewesen.

    Ich denke, dass Luise da ganz schön eigennützig handelt. Sie will dem Enkelkind das Bordellumfeld ersparen. Aber sie hätte ja auch irgendwie die Zelte abbrechen können und irgendwo anders neu anfangen. Am Geld wird es bei ihr ja inzwischen auch nicht mehr gefehlt haben.


    Wäre das so einfach gewesen, hätte sie es wohl gemacht. Außerdem ist man irgendwann auch einfach mal zu müde um immer nur zu kämpfen. Da versucht man den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Das scheint mir so eine Situation zu sein. Das Verhältnis zu ihrer Tochter wird nach der Entscheidung wohl nicht einfacher. Vielleicht ist die Tochter ja die Beobachterin aus dem Prolog. Oder Luise.

    Puh, in diesem Abschnitt ist ja so einiges passiert. Ist die kleine Theodora die Dora? Dann erklärt sich doch so einiges.
    Am schönsten fand ich die Einsicht von Anton, dass er seinen Sohn verbiegen wollte. Sie kam zu spät, aber immerhin,.
    Und er hat Leonore geheiratet weil sie schwach ist. Nun, das mag stimmen. Aber sein Verhalten war nicht fair. Vielleicht stürzte er sich von daher noch mehr in die Arbeit und die Disziplin. Es lenkt vom Denken ab.


    Eigentlich mag ich gar nichts mehr schreiben sondern einfach weiter lesen um zu erfahren wie es ausgeht. Aber jetzt lese ich doch erst einmal eure Kommentare.

    Ich kann mir vorstellen, dass die Briefe sofort unterschlagen wurden, von Tante Sophie zum Beispiel.


    Das denke ich auch. Therese hat die Briefe gar nicht erhalten. Tante Sophie hat sie geöffnet und vernichtet. Briefgeheimnis? Quatsch. Außerdem, wer hätte Therese denn schreiben sollen? Da schaut die Herrschaft doch lieber selber nach.

    Was für ein tragisches Dreieck. Was für grausige Zeiten. Leonore, Luise und Anton waren noch Kinder, sollten zumindest Kinder sein. Und doch waren sie es nicht. Luise und Anton mussten bereits arbeiten und Leonore wurde unter der Käseglocke der besseren Gesellschaft erzogen. Man lebt zusammen und doch auf anderen Planeten.
    Wer hat nun Schuld an den tragischen Geschehnissen? Leonore? Nein, nicht mehr und nicht weniger als die anderen beiden. Aber so ist es zumindest für Luise wohl einfacher zu ertragen. Wie soll man auch fair bleiben in einer Welt ohne Chancen, zumindest wenn man arm ist.


    Leonore mache ich erst für ihr Schicksal verantwortlich, als sie sich als junge Frau mit Anton einlässt. Es muss eine unheimliche Faszination für sie gewesen sein sich mit ihm einzulassen. Dabei hat sie geahnt, dass es nicht gut für sie ist.


    Besonders bezeichnend fand ich in diesem Zusammenhang die Darstellung der beiden Eheschließungen. Das sagt schon alles.


    Und Anton? Er hat sie begehrt als sie noch ein Mädchen war, ein für ihn eigentlich unerreichbares Geschöpf.
    Warum tut er ihr das an? Er liebt Leonore nicht, ist es seine Art mit ihr abzurechnen?
    Tja, was wissen wir schon wie das Überleben und Leben damals funktionierte. Auf jeden Fall nicht mit klärenden Gesprächen wie wir es heute kennen.
    Immerhin scheint die Zukunft für Anton, durch sein Handeln Leonore gegenüber, eine positive Wendung zu nehmen. Ob es ihn glücklich macht?
    Und Leonore? Ich glaube an ihrer Stelle würde ich auch an den Erlkönig glauben. Die Arme. Wie dumm muss man sein um sein Leben so wegzuwerfen. Mit Justus hätte sie wohl so ein gutes Leben führen können.


    und Leonore finde ich keineswegs traurig sondern vor allem sehr gelangweilt und und gedankenlos.
    Sie ist sicherlich auch einsam aber sie hat kein wirkliches Gespür für andere Menschen. Das Luise und Anton um sie buhlen, hätte sie merken müssen.


    Das sehe ich anders. Sie ist auch noch ein Kind und sie ist einsam. Sie kennt das harte Leben von Luise und Anton nicht. Im Gegenteil finde ich gerade, dass diese Beziehung andeutet wie vorurteilsfrei Kinder aufeinander zu gehen. Erst das Standesdünkel der Erwachsenen teilt die Menschen in reich und arm ein. Oder wie heißt es hier so schön "von Gottes Gnaden"
    Sie hat auch ihre Geschenke ernst gemeint. Was das anrichten kann war ihr nicht bewußt. Woher auch. Gute Mädchen aus gutem Hause werden doch von solch banalen, wenn auch realen Dingen, fern gehalten .


    Mit Leonores Töchtern könnten aber auch Ekel und Urenkeltöchter gemeint sein, oder?


    Hi hi. Der Verschreiber ist süß ;D


    Zurück zu den Depressionen. Gab es das damals schon, so wie wir diese definieren? Ist man depressiv wenn es keinen Ausweg gibt? Und für Arthur gab es keinen. Punkt.

    Nun lernen wir also Leonore, Luise und Anton kennen. Leonore aus gutem Hause und Luise und Anton, die einfachen Arbeiterkinder.
    Anton hat sehr viel Ehrgeiz und clever ist er auch. Sonst hätte er das zusätzlich verdiente Geld wohl nicht heimlich gespart.
    Die Geschichte um den Erlkönig hat also hier ihren Ursprung,. Das Geheimnis diesbezüglich ist aber immer noch nicht gelüftet.
    Anton schien ja ein ganz netter Junge zu sein. Ich bin gespannt, was ihn so hart hat werden lassen.


    Theres lernt man nun auch kennen. Wo aber bleibt Luise, was ist mir ihr geschehen?

    Noch eine kleine Anmerkung von mir:


    Einige lassen hier durchscheinen, dass Mathilde eine starke Persönlichkeit ist. Ich sehe das nicht so. Immer wieder hört man nur "Vater sagt, Vater denkt, macht und tut". Ich glaube eher sie treibt die Angst vor ihrem Vater an.
    Ja, sie erkennt das künstlerische Talent ihres Bruders an, aber das ist auch schon alles. Arthur erscheint mir mutiger. Er verlässt das elterliche Haus und zieht zu seinem Geliebten. Wohl nicht einfach vor 166 !!!!! Jahren.
    Dann verrät ihn seine Schwester und Edgar geht alleine nach Amerika. Beide Personen denen er vertraut hat lassen ihn auf einmal im Stich. Sein Freitod erscheint mir da wirklich konsequent.


    Mag sein, dass dieser Selbstmord Mathilde wachgerüttelt hat und sie zu der starken Frau werden lässt, die man in Teil 1 erahnen kann. Aber hier? Nein.


    Sein Selbstmord war wirklich traurig. Er war einfach zu schwach.


    Er war nicht zu schwach, er hätte nie er selber sein können. Ein fremdbestimmtes Leben hätte er führen müssen, ein leere Vase gefüllt mit dem Leben seines Vaters und der gesellschaftlichen Regeln.



    Zuerst war er mir irgendwie unsymphatisch. Aber nachdem ich gemerkt habe, dass er sich zu Mathilde hingezogen fühlt (und umgekehrt) habe ich ihn in einem besseren Licht gesehen. Allerdings nie als den, den Mathilde heiraten sollte. Das war glaub ich auch nicht ihr innerer Wunsch. Dass sie ihn die ganze Zeit vor den Eltern verborgen hat, fand ich schon sehr aussagekräftig. Und dann sagt sie doch "ja" zu seinem Antrag. Aber da wird doch nichts draus? ???


    Julius war ein (brotloser) Künstler. Mathilde wird wissen, dass ihr Vater ihn nie als Schwiegersohn akzeptieren würde. Von daher hat sie ihn verborgen, in meinen Augen nur natürlich.