Beiträge von Caren

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    Liebe Mechthild , liebe Mitleserinnen, auch ich möchte mich bei euch für diese tolle Leserunde bedanken. Das Buch hat mich rundum begeistert, ich freue mich darauf, auch die anderen Bücher von Mechthhild zu lesen. Aber erst mal ein bisschen sacken lassen...

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    Erschütternd


    Inhalt:

    Henni gerät im jugendlichen Alter in eine sehr schwierige Situation. Ihre Mutter ist gestorben, ihr Vater ist schwer traumatisiert vom Krieg und nicht in der Lage, sich um seine vier Kinder zu kümmern. Henni sieht keine andere Möglichkeit, als sich den Kaffeeschmugglern anzuschließen. Nur mit dem dadurch verdienten Geld gelingt es ihr, sich und ihre Geschwister zu versorgen und zu verhindern, dass sie in ein Heim gegeben werden. Leider passiert bei einer Tour ein fürchterliches Unglück, das zur Folge hat, dass Henni in einer Besserungsanstalt untergebracht wird und die Geschwister in einem Kinderheim landen. Das ist der Anfang eines schrecklichen Leidensweges, denn die Kinder werden menschenunwürdig behandelt und für ihr Leben gezeichnet.


    Meine Meinung:

    „Grenzgänger“ war für mich das erste Buch von Mechthild Borrmann, aber gewiss nicht das letzte. Die klare und einfache Sprache hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Von Anfang an ist man mitten drin in der Geschichte und leidet mit den Protagonisten. Glücklicherweise gibt es auch einige Situationen, in denen man sich mit freuen kann. Trotz aller Tragik lockern humorvolle Szenen das Geschehen auf, was das Lesen erträglicher macht. Die Handlung wird in verschiedenen Zeitebenen und aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, sodass sich die Geschichte stückweise zu einem erschütternden Gesamtbild zusammenfügt. Die Anhörung und die Verhandlung um die Geschehnisse in den Heimen findet in den 70er Jahren statt. Es wird deutlich, dass die Kinder von damals, die mittlerweile erwachsen sind, immer noch an dem leiden, was sie damals erlebt haben. Die Zustände in dem katholischen Kinderheim haben mir die Tränen in die Augen getrieben. Es ist wirklich erschütternd, was den armen Kinderseelen angetan wurde - von „gottesfürchtigen“ Erzieherinnen. Die Personen sind fiktiv, die Geschehnisse allerdings sind wirklich passiert und lassen den Leser fassungslos und entsetzt zurück. Die Autorin hat Zeitzeugen interviewt und ihnen durch die Aufarbeitung dieses Tabuthemas Gehör verschafft.

    Die Charaktere sind authentisch und liebevoll gezeichnet. Henni ist ein tolles Mädchen, das genau weiß, was es will. Die Sorge um ihre Geschwister treibt sie an und lässt sie über sich hinauswachsen. Als erwachsene Frau vor Gericht ist sie noch immer um das Wohl ihrer Geschwister besorgt, was ihr zum letztendlich Verhängnis wird.

    Auch alle anderen Haupt- und Neben-Protagonisten haben mich überzeugt.

    So sehr man sich ein Happy End wünscht, man weiß doch, dass es keines geben kann.


    Fazit:

    Ein erschütternder, sehr emotionaler Roman, der noch lange nach dem Lesen nachwirkt.

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    Streuliste:

    Amazon

    Literaturschock-Forum

    buecher.de

    Leserkanone

    Hugendubel (wartet auf Freischaltung)

    Thalia

    Weltbild


    Auf der Literaturschock-Hauptseite stelle ich die Rezension ein, sobald das Buch dort gelistet ist.

    Toll, dass wenigstens die von ihr und Georg gegründete Familie zusammenbleibt! Ich hatte kurz Sorge, als ihr ihr Ehemann die Leviten liest... auch wenn er durchaus (aus seiner Perspektive) recht hat!

    Dass Georg und die Kinder zu ihr gehalten haben, lässt das Ende besser ertragen. Wenigstens hat Henni noch ein paar schöne, glückliche Jahre gehabt.

    Meine Eltern (beide noch zu Kriegszeiten geboren) wollten mir damit zeigen, dass man sich immer nur so viel nimmt, wie man auch wirklich schafft. Selbst wenn es das absolute Lieblingsessen ist (wie in den beiden Fällen), kann man immer noch was nachholen... Einen deutlichen Unterschied gab es: ich wurde letzten Endes nicht gezwungen, das Essen wirklich noch hineinzustopfen. Es war eher wie Nachsitzen.

    Das ist ja noch eine sinnvolle erzieherische Maßnahme. Du hast sicher daraus gelernt, oder? Etwas aufessen zu müssen, was einem nicht schmeckt, ist einfach nur grausam. Meine Kinder mussten alles probieren, aber wenn es nicht geschmeckt hat, mussten sie es nicht essen. Mein Sohn hat mich mal gefragt, ob man von zuviel Brokkoli sterben kann.... :totlach:

    Meine Rezension kommt im Lauf der Woche. Wir sind am Donnerstag spontan an die Ostsee gefahren, wir haben uns da auf einen Job beworben (ohne uns irgendwelche Hoffnungen zu machen) und sind für heute zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Es ist ganz gut gelaufen, wobei wir keine Ahnung haben, welche Chancen wir haben.

    So ist meine Planung „Rezension am Wochenende“ leider über den Haufen geworfen. rotwerd

    Der Tod des Vaters war meiner Meinung nach ein Unfall. Er ist mit einer brennenden Zigarette eingeschlafen. Ich glaube nicht, dass er die "Todsünde" Selbstmord begangen hätte.

    So fest, wie der Vater mit der Kirche verwurzelt war, hat er bestimmt keinen Selbstmord begangen.

    Zitat von Mechthild

    Wenn es so ein Flüchtlingskind wie Regine war, wo es keine Verwandten gab, dann war da niemanden der dem nachging, oder der es zumindest fragwürdig fand, dass dieser kleine Mensch nirgendwo mehr auftauchte:(.

    Einfach nur furchtbar. Und bestimmt keine Einzelfall. :(

    Ein Problem, welches ja auch heutzutage immer wieder auftaucht ist zu beweisen, dass jemand nicht auf das Kindeswohl geachtet hat. Also z.B. der Arzt, der ja gemerkt hat, dass da nicht alles mit rechten Dingen zu geht in dem Heim. Aber seine Beschwerden verlaufen im Sande. Jugendamt gab es ja noch nicht und selbst dann muss man es ja auch erst mal beweisen. Ob man die Kinder heutzutage bei solchen Vorwürfen wenigstens aus der Gefahrenzone bringen würde? Oder die Erzieher suspendieren? Auch heute passiert es ja immer wieder, dass Kinder misshandelt werden – nicht unbedingt in Heimen aber generell – und dass die Behörden nur langsam oder auch zu spät handeln. Aber die Kindesmisshandlung über so einen langen Zeitraum in so großem Stil ist natürlich nochmal eine andere Hausnummer. Erinnert mich sehr an die Fälle von Missbrauch in Internaten und bei der Kirche in den letzten 10, 15 Jahren. Das kann man auch nicht fassen, das da niemand früher etwas gemerkt hat und Alarm geschlagen hat.

    Es hat sich niemand getraut, gegen ein kirchliches Heim Vorwürfe zu erheben!

    Zitat

    Und auch wenn es natürlich traurig ist, dass Henni wegen Thomas im Gefängnis sitzt, so denke ich, hat sie die sieben Jahre besser verkraftet als Thomas. Der wäre im Gefängnis wahrscheinlich vollständig untergegangen. Ich fragte mich nur, hat er gar nicht mitbekommen, dass Henni ja wegen seiner Tat verurteilt wurde? Ja, er hat die Tat verdrängt. Aber es kam mir so vor, als wüsste er gar nicht, wie das Urteil ausfiel, nachdem er Deutschland verlassen hatte.

    Thomas wäre im Gefängnis kaputt gegangen und hätte danach kein annähernd normales Leben mehr führen können. Ich habe auch den Eindruck, dass er den Ausgang des Verfahrens gar nicht mitbekommen hat.

    Wäre

    Wer

    E

    Noch so ein Gedanke von Elsa, allerdings schon im dritten Abschnitt. Sie geht in die Kirche, der neue Pfarrer verteilt die Erntedankgaben an die Besucher der Messe.

    Lenkes hatte immer von einer ‚Gabe an den Herrn‘ gesprochen und damit wohl sich gemeint.“

    Das ist auch so ein typischer trockener Elsa-Ausspruch. :)

    Das war auch mein Highlight! Elsa ist einfach nur klasse. Sie macht nicht viele Worte, aber was sie sagt, das sitzt!

    Also kein Happy end, wie wir es uns gewünscht haben. Henni muss für 7 Jahre hinter Gitter. Gut, dass wenigstens die Jahre danach noch glücklich waren.


    Wie furchtbar, dass Henni und Fried sich gegenseitig verdächtigen! Henni nimmt die Schuld auf sich, um Fried, den vermeintlichen Täter, zu schützen. Welch ein Dilemma! Wenn sie sich doch nur früher ausgesprochen hätten.... :(


    Elsa gefällt mir richtig gut! Egal, was die Leute reden, sie hält zu Henni. Die Sache mit dem Benzinkanister - das war schon allererste Sahne. Leider hat es aber nichts genützt.


    Schwester Angelika hat ihre gerechte Strafe bekommen. Ich finde es interessant, wie unterschiedlich wir Thomas‘ Berteiligung an dem „Sturz“ empfinden. Ich habe es so verstanden, dass er NICHT aktiv an dem Unfall beteiligt war. Er hat es nur beobachtet. Vielleicht hat er sich gewünscht, dass er es getan hat.

    Auch für ihn hat das Leben noch ein paar gute Dinge bereit, durch seine Malerei wird er berühmt.


    Der Vater ist für mich der Hauptschuldige an dem Dilemma. Hätte er sich helfen lassen und sich um seine Kinder gekümmert, wäre das alles nicht passiert. Aber wie Henni passend gesagt hat: „Aber nichts mehr in die eigene Hand zu nehmen ist auch eine Entscheidung.“ Das ist genau der Punkt. Er hatte keine Kraft mehr, sein Leben in die Hand zu nehmen.


    Mechthild, dir ist wirklich ein berührendes und erschütterndes Buch gelungen. Selten hat mich eine Geschichte so sehr mitgenommen und beschäftigt.

    Bei Herbert habe ich lange versucht sein Handeln zu rechtfertigen. Aber es ist mir in diesem Abschnitt nicht mehr gelungen. Schon im zweiten bröckelte es mächtig. Aber nun bin ich mit ihm fertig.

    Ich habe auch versucht, mit ihm Mitleid zu haben. Es fällt aber immer schwerer. Er hätte sich Hilfe holen können, um wieder ins Leben zurückzufinden. Er hat immerhin Verantwortung für vier Kinder.   

    Das mit dem Erbrochenem musste ich am eigenen Leib erfahren. Ich war in einem evangelischen Kindergarten und ein sehr schlechter Esser. Wenn ich das Essen hochgewürgt habe, weil ich das Essen nicht mochte, wurde es mir eingeflößt. In Rückenlage mit Nase zuhalten. Es hieß dann, Essen sei wertvoll und ich solle froh sein Essen zu bekommen.

    Das ist ja kaum zu glauben!! Wie kann man ein Kind so quälen? Unfassbar! Und das in den 70er Jahren? Krass. Du ärmste! Gut, dass deine Mutter die Konsequenzen gezogen hat.

    Zu dem Richter: Für ihn ist von Anfang an klar, dass Schwester Angelika die glaubwürdige Zeugin ist. Die Macht der Kirche spielte überall hinein und auch ein Richter hätte sich damals - aufgrund der Aussagen von ehemaligen Heimkindern - nicht mit der Kirche angelegt.

    Das ist so ungerecht!! Thomas hat überhaupt keine Chance, richtig zu Wort zu kommen. Er wird als Lügner abgestempelt, obwohl ja wohl andere gelogen haben. X( Ich könnt grad k.... <X Die Macht der Kirche ist erschreckend.

    Dann mache ich mal den Anfang!

    Ich bedanke mich bei Tabea und meinen Mitleserinnen für diese schöne Wohlfühl-Leserunde! Es hat Spaß gemacht mit euch zu diskutieren.


    Hier meine Rezi:

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    Die Frauen der Kamelieninsel


    Zuhause auf der Kamelieninsel


    Inhalt:

    Sylvia und Maël sind verheiratet - alles könnte perfekt sein. Doch plötzlich taucht Chloé auf, die behauptet, Maël sei der Vater ihres Sohnes. Leider ist das nicht der einzige Wermutstropfen in Sylvias Leben, es geschehen noch andere Dinge, die sie aus der Bahn zu werfen drohen. Gibt es ein Happy End für Sylvia und Maël?


    Meine Meinung:

    Schon im ersten Band „Die Kamelieninsel“ war ich gefesselt und begeistert von Sylvia und dem, was ihr widerfährt. Sie hat ihren Maël geheiratet und wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind. Dass sie mit dem einer anderen Frau „beglückt“ wird, stand gewiss nicht auf ihrer Wunschliste. Sie kommt mit Noah jedoch besser zurecht als seine eigene Mutter.

    Die Charaktere sind wie gewohnt authentisch und liebevoll gezeichnet. Sylvia ist eine tolle Frau mit Herz und Verstand, allerdings ist sie hier teilweise sehr naiv und blauäugig. Ihr Mann Maël lebt für seine Kamelienzucht, das Feingefühl für seine Frau fehlt ihm dann und wann, man möchte ihn des öfteren in den Allerwertesten treten.

    Chloé ist einfach nur unsympathisch und völlig ohne Empathie. Sir James Ashton-Davonport, den wir schon im ersten Band kennengelernt haben, ist wieder in seinem Element.

    Auch die „Nebenprotagonisten“ sind gut getroffen. Solenn ist einfach nur liebenswert und Aaltje ebenso. Auch die Anwältin, die viel Unheil abwendet, hat mich überzeugt.

    Neben der Handlung, die spannend, unterhaltsam und glaubwürdig ist, haben mir die Schilderungen von bretonischen Sitten und Gebräuchen und landestypischen kulinarischen Spezialitäten sehr gut gefallen.

    Das Buch lässt sich leicht und flüssig lesen, es ist schwer aus der Hand zu legen.


    Fazit:

    Ein lesenswerter Wohlfühlroman.

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    Streuliste:

    Amazon

    Literaturschock-Forum

    buecher.de

    Leserkanone

    Hugendubel

    Thalia

    Weltbild


    Sobald das Buch auf der Literaturschock-Hauptseite gelistet ist, stelle ich meine Rezension dort auch noch ein.

Anstehende Termine

  1. Freitag, 19. Juli 2019, 21:00 - Freitag, 2. August 2019, 22:00

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