Beiträge von Anne H.

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    So gesehen richtete sich der Pietismus gegen die Aufklärer. Man wollte an Altem, Bewährten festhalten.

    Tanzen, Singen, Fasching feiern - alles war verboten. Die Menschen sollten ihre ganze Kraft ihrer Arbeit und dem Gebet widmen und bloß nicht auf dumme Gedanken kommen. Erstaunlicherweise haben viele sehr erfolgreiche alteingesessene Mittelstandsunternehmen einen pietistischen Ursprung. Anstatt sich von den ersten Geschäftsgewinnen einen Porsche zu kaufen oder eine Weltreise zu machen, wurde immer alles brav wieder ins Unternehmen investiert - das zahlte sich am Ende aus.
    Ein Dorf weiter herrschte vielleicht der katholische Glauben. Und die Jugend in den pietistisch geprägten Orten lugte neidisch auf deren Fastnets-Feste ...

    So gesehen war es verboten, sich zu vergnügen, sich zu erfreuen. Weil Vergnügen von der Arbeit, von dem Gebet, ablenken und verführen kann.

    Die Konfirmation findet statt. Aber warum muß der Pfarrer eine drohende Predigt halten? Die Konfirmation sollte ein Fest der Freude sein, ein Schritt zum Erwachsenwerden. Es wird auf Tradition gesetzt. Traditionen sind schön und gut, aber sie dürfen nicht Veränderungen ausschließen. Ohne Veränderungen droht der Stillstand. Wie sollen junge Leute mit Freude in die Zukunft blicken, wenn keine Veränderungen zugelassen werden?

    Das ist eine ganz normale Pietisten-Predigt. Erinnere dich an das berühmte Andachtsbild "Der breite und der schmale Weg", das ich mehrmals im Roman erwähne. Für den Pfarrer und die Kirchgänger war das ganz normal.

    So gesehen richtete sich der Pietismus gegen die Aufklärer. Man wollte an Altem, Bewährten festhalten.

    Wenn man tief in einer Depression steckt, kämpft man mit dem Leben, mit jedem Tag. Leider tritt die Sorge um Frau und Kinder in den Hintergrund.

    Ich weiß sehr gut wie es ist wenn jemand ganz tief in einer Depression steckt und man mit dem Leben kämpft. Mein Mann hatte vor 12 Jahren einen Arbeitsunfall ( hatte ich mal in einer anderen LR erwähnt wo es um Morphium ging, welches mein Mann heute noch hochdosiert nehmen muss).

    Jedenfalls wurde er mit vierzig Jahren mitten aus dem Leben gerissen. Er konnte nichts machen, an Arbeiten gehen nicht mehr zu denken, nur noch Schmerzen. Das ging eineinhalb Jahre ohne große Veränderungen. Eines Morgens hatte ich einen Brief von ihm auf dem Tisch, wo er mir sehr deutlich klar gemacht hat, dass ich ohne ihn besser dran wäre. Ich bin den morgen nicht zur Arbeit gefahren, sondern zu seinem behandelnden Arzt. Als der mich so aufgelöst gesehen hat, holte er mich sofort in sein Behandlungszimmer. Ich zeigte ihm dem Brief und sagte ihm, dass ich große Angst um meinen Mann habe. Daraufhin wurde mein Mann sofort, noch am nächsten Tag, nach Rüdersdorf bei Berlin in einer Klinik aufgenommen wo er zwölf Wochen war. Ich bin jedes Wochenende zu ihm gefahren, damit er wusste ich bin für ihn da und brauche ihn. Dafür, das ich diesen Schritt gegangen bin, ist er mir heute noch unendlich dankbar. Denn das Leben ist lebenswert.

    Nur damals gab es diese Möglichkeit für Menschen mit Depressionen nicht und das ist traurig. Das war also nicht böse gemeint. Und er zeigt ja noch die Sorge um seine Frau, indem er ständig wiederholt, dass er an ihrem Elend schuld ist. Sie müssten einen Weg finden fort zu gehen um neu anzufangen.

    Vielen Dank für Deine Offenheit!

    Ich denke immer, es ist dem Autor überlassen, wie er seine Geschichten schreibt, wie er bei einer Fortsetzung den ersten Teil beendet. Als Autor muß man seine Freiheiten haben. Wenn jemand eine Geschichte anders haben möchte, dann soll er sich selbst hinsetzen.


    Darf ich eine kleine Frage stellen? Wie wir ja von der deutschen Geschichte wissen, steht 1914 der Erste Weltkrieg an. Wird die Fortsetzung diese Zeit berücksichtigen oder überspringen?

    Mimi und die andern bekommen den ersten Weltkrieg voll ab, leider! Aber ich werde nicht über die tapfere Krankenschwester, die sich in einen Soldaten verliebt schreiben und auch nicht über die Schlachten um Verdun. Ich habe schon eine ganz eigene Idee, die mir wichtig ist ...

    Vielen Dank für die Information!

    Nein, aber nachdem erklärt wurde, warum er so ist, wie er ist, war ich schon wieder versöhnt. Er ist wohl sensibler als man am Anfang denkt. Er hat den Tod seines ersten Kindes einfach nicht gut weggesteckt. Das ist wirklich blöd, aber ich kann ihn verstehen, zumal er sich ja schlecht professionelle Hilfe holen konnte, um den Verlust zu überwinden.

    Ja, aber seine Frau trägt das gleiche Schicksal - und sie musste die Kinder unter dem Herzen tragen und mit Schmerzen zur Welt bringen. Wer bietet ihr denn professionelle Hilfe?

    Ja, die Frau hat auch das Kind verloren. Aber im Gegensatz zu ihrem Mann leidet sie nicht unter Depressionen.

    Also bei uns Zuhause gab es durchaus mal Kartoffeln, aber nicht annähernd so als Grundnahrungsmittel wie anderswo. Ja, mal zu Spargel oder halt als "Äbiera Schnitz on Spatza" - aber da war bei uns auch mehr von letzterem drin.8)

    Als ich Herrn dubh kennengelernt habe, war das ein kleiner Schock, wie viele Kartoffeln der so vertilgt hat. Mecklenburger Gepflogenheiten...:totlach:

    Ich komme aus dem schönen Westfalen. Bei uns gab es fast immer Kartoffeln, und abends Bratkartoffeln. Nudeln oder Reis gab es nur selten.


    Auf der schwäbischen Alb war der "Schwarze Brei" Hauptnahrungsmittel der Landbevölkerung. Er war nahrhaft und sättigend.


    Ich glaube, wenn man nichts anderes kannte, war man damit zufrieden. Hauptsache, der Hunger wurde gestillt.

    Ich denke immer, es ist dem Autor überlassen, wie er seine Geschichten schreibt, wie er bei einer Fortsetzung den ersten Teil beendet. Als Autor muß man seine Freiheiten haben. Wenn jemand eine Geschichte anders haben möchte, dann soll er sich selbst hinsetzen.


    Darf ich eine kleine Frage stellen? Wie wir ja von der deutschen Geschichte wissen, steht 1914 der Erste Weltkrieg an. Wird die Fortsetzung diese Zeit berücksichtigen oder überspringen?

    ie modernen Fotografien der Konfirmanden kommen nicht überall gut an. Vor allem nicht beim Gehringer.

    Na klar. Gehringer will mit allen Mittel verhindern, dass Mimi in Laichingen fuß fasst. Und das klappt am besten bei seinen Arbeitern, bei denen er gegen die Fotografin hetzt. Denn wer stellt sich schon gegen seinen Arbeitgeber.

    Mit der Ausnahme, daß Gehringer ja nicht Mimis Arbeitgeber ist. Da kann man sich schon was trauen.

    Die feinen Leinensachen nur im Schrank liegen zu lassen finde ich so schade. Ich habe früher bei uns zuhause nie verstanden, dass es "Sonntagszeug" gab. Kleidung, die nur an Sonn-, Fest- oder Feiertagen getragen werden durfte. Oder die "gute Stube", die nur an diesen Tagen geöffnet wurde und ich mich fast nicht getraut habe, mich auf die wunderschöne rote Samtcouch zu setzen. Ich bin immer wieder dankbar, dass ich in der heutigen Zeit leben darf. Aber wer weiß, was Generationen nach uns über uns und unsere Art zu leben denken werden.

    Bei meinen Eltern Zuhause gibt es zwei Wohnzimmer, eines für den Alltag, und die "beste Stube" für Besuch oder für Familienfeiern. Na ja, bei uns gab es ja auch sehr viel Platz. So viel Platz wäre heutzutage schon Luxus.

    Was ich auch sehr mag: das Schwäbische, das unweigerlich in der Lektüre durchkommt. Die Tatsache, dass Mimi den weich-melodischen Dialekt vermisst oder dass sie mit den Eltern den sonntäglichen Braten mit Spätzle und viel Soße genießt...:) Letzteres kenne ich natürlich auch noch von Zuhause: ein Eimer voll Spätzle und "a Bad'wann' voll Soß'.8) Auch nach über 15 Jahren Exil im Norden noch immer praktiziert, denn Soße kann es nie genug geben.

    Ich habe 13 Jahre im Schwäbischen gelebt und gearbeitet. Es hat mir dort sehr gut gefallen. Spätzle zu essen, erinnert mich immer noch daran. Leider wollte mein Ehemann wieder zurück in seinen Ruhrpott.

    Für Anton war der Besuch in Ulm mit Mimi etwas ganz besonderes So viele schöne Eindrücke! Er ist auch beeindruckt von Mimi. Ja, sie ist eine starke Frau, die weiß, was sie will.


    Die Männer in der Fabrik mußten mehr arbeiten, weil es Großaufträge gab. Dann mußten die Frauen ohne die Männer auskommen bzw. auch noch ihre Arbeit mit übernehmen.


    Jetzt erfahren wir auch, warum Eveline nie zurück nach Hause gegangen ist. Ihr Vater wollte nichts mehr von ihr wissen. Das ist schon sehr traurig!


    Eveline versucht ihr Bestes zu geben. Das Fett scheint nicht gut zu sein, ebenso die Eier. Aber die Not zwingt dazu, das Essen trotzdem anzubieten. Das mit dem Schimmel auf der Marmelade, der einfach großzügig abgenommen wird, kenne ich noch von meiner Oma. Danke, daß ich es heute besser weiß!


    Jetzt empfinde ich Mimis Mutter aber allmählich als unmöglich. Josef geht es sehr schlecht und ihr fällt nichts Besseres ein, als sich noch intensiver in ihre Wohltätigkeit und Frauenbewegung zu stürzen!


    Ein klitzekleiner Pluspunkt: Sie hat sich wegen der Kunstschule und Alexander eingesetzt.

    Eveline erklärt Mimi, daß ihr Mann Klaus niemals erlauben würde, daß Alexander zur Kunstschule geht.


    Alexander will sich die Chance von seinem Vater nicht kaputtmachen lassen.

    Daß Klaus sagt, daß Eveline sich wie eine Hure bei der Fotografin anbiedert, ist wirklich unmöglich. Leider ist sein aggressives Auftreten, seine Distanziertheit, ein deutliches Zeichen seiner Depression.


    Gehringer gefällt es nicht, daß es in der Fabrik nicht 100%-ig so läuft, wie er es gerne hätte. Er will sich nicht mehr an das Generationenversprechen, das besagt, daß - wenn ein Vater in der Fabrik arbeitet - auch sein Sohn dort arbeiten kann, halten. Das nennt man Unternehmermacht!


    Der Pfingstmarkt ist eine große Attraktion. Auch Mimi ist in ihrem Element. Ihre Postkarten laufen sehr gut.


    Und dann kommt Hannes/Johann nach Laichingen zurück! Ich mag gar nicht daran denken, daß das allergrößtes Konflikt mit sich bringen wird. Eveline weiß ja nicht, daß Mimi Hannes/Johann schon kennt.


    Was Anton und Alexander wohl wegen Stuttgart aushecken werden? Hoffentlich tun sie nichts Unüberlegtes!


    Es ist schade, daß die Geschichte für den Augenblick schon zuende ist. Ich hätte so gerne weitergelesen!

    Ich finde aber, die Mutter ( Josefs Schwester) hatte lange genug Zeit sich um ihren Bruder zu kümmern. Ich hab da kein Verständnis. Wenn es um ihre anderen Schäfchen gegangen wäre, hätte sie alles mögliche unternommen.

    Ja, das stimmt. Die Töchter ist ein schlechter Ersatz

    Warum ist die Tochter ein schlechter Ersatz? Sie kümmert sich liebevoll um Onkel Josef.

    Das bringt Mimi auf die Idee, ihre Mutter auf seine Talente hinzuweisen und ihre Kontakte zur Stuttgarter Kunstschule zu nutzen. Sie war sich aber nicht sicher, ob das wirklich eine gute Idee war.

    Ich weiß nicht, ob es so klug ist, sich hier einzumischen, ohne dass die Eltern etwas davon wissen. Alexanders Mutter scheint ja allem etwas aufgeschlossener entgegenzusehen. Aber Klaus. Der ist doch in seinen dörflichen Wurzeln so gefangen, dass er ein Studium nie erlauben würde.

    Ich glaube, daß das Problem mit Klaus ist, daß er auch so schon genug Probleme wegen seiner Schwermut hat, was ja die ganze Familie zu spüren bekommt. Ich glaube, daß er überhaupt keine Veränderungen akzeptieren kann. Es sind nicht nur die dörflichen Wurzeln. Wahrscheinlich wäre er zugänglicher, wenn es ihm auch seelisch besser gehen würde.

    Ich finde es schon krass, dass der Arzz ohne Vertretung einfach so eine lange Zeit nicht da ist. Was machten da die Menschen, die es sich nicht leisten konnten in Ulm, Blaubeuren oder Stuttgart einen Arzt zu konsultieren

    die hatten Pech oder verließen sich auf Hausmittel. Angesichts des Winters hat eh jeder eine gewisse hausapotheke

    Man mußte sich, wenn man krank war, und wenn kein Arzt da war, eben selbst helfen.

    Eines Frage ich mich. Klaus macht sich immer wieder Vorwürfe Eveline in dieses Elend geholt zu haben, aber er unternimmt auch nichts dagegen. Da vermute ich ganz stark, dass er an einer schweren Depressionen leidet, aus der er alleine nicht mehr raus kommt. Hauptsache er nimmt sich nicht das Leben und lässt Eveline alleine mit den Kindern.

    Ja, so sehe ich das auch. Er zieht sich zurück, vertrinkt das Geld, und wird nicht mehr fertig mit dem Leben.