Beiträge von TippendeTastatur

    Das Trauma einer ganzen Generation zum Greifen nah.

    Eine außergewöhnliche Geschichte über Menschen in ihren dunkelsten Stunden!

     

    Nach Beendigung dieser leisen und doch so lauten Geschichte, blickt man etwas kopfschüttelnd auf das so harmlos und idyllisch anmutende Cover. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, als ich mich zu der Leserunde angemeldet habe. Vielleicht eine nette Geschichte mit ein bisschen Herzschmerz in einer schweren Zeit. Mehr eigentlich zunächst nicht.

    Und dann offenbart sich diese unglaubliche Geschichte, die von der Autorin so zart Stück für Stück entblättert wird.

    Die Leidensgeschichte der jungen Apothekertochter Hannah Riedel beginnt in einer jener schicksalshaften Bombennächten zum Ende des zweiten Weltkriegs. Sie verliert liebe Menschen und ausgebombt wie sie ist, verschlägt es sie nach Norddeutschland in eine Flüchtlingsunterkunft in der Nähe eines Gutshofs. Die innerdeutschen Flüchtlinge werden überall misstrauisch beäugt. Argwohn und Unfreundlichkeit schlägt ihnen seitens der Dorfbewohner entgegen und so kämpfen die Vertriebenen in einem unerbittlichen Winter um ihr Leben. Hunger und Angst sind ihre ständigen Begleiter. Hannah muss ihre Unterkunft schließlich mit drei Wehrmachtssoldaten teilen. Anfangs ist Hannah der Verzweiflung nahe. Mit Egon, Freddie und Fuchs eine winzige Dachkammer zu teilen, dem fühlt sie sich nicht gewachsen. Doch die Masse an Flüchtlingen muss notdürftig untergebracht werden.

    Die Vier machen aus der Not eine Tugend und schon bald freunden sie sich an, helfen einander und als eingeschworene Gemeinschaft trotzen sie den Widrigkeiten der Zeit.  Einer der Soldaten spricht nicht, darum wurde er von Egon und Freddie, die ihn unterwegs aufgelesen hatten, in Anbetracht seiner rötlichen Haare, einfach „Fuchs“ getauft.

    Doch „Fuchs“ birgt ein dunkles Geheimnis, nach und nach kommt Hannah ihm auf die Spur und blickt in menschliche Abgründe. Und wir mit ihr! Es gab Momente, da musste ich tief durchatmen und schlucken und alles in mir schrie vor Verzweiflung.

    Da ich schon viele Geschichten, die in dieser Zeit angesiedelt sind, gelesen habe, hatte ich erst einmal keine großen Erwartungen. Schlimmer noch, ich befürchtete es könne gar eine fatale Verquickung von Kitsch und Kriegsdrama werden. Aber die Autorin hat mich eines Besseren belehrt!

    Daniela Ohms wandert stets sicher auf dem schmalen Grat, den ein Roman, der zu Zeiten des zweiten Weltkriegs spielt und eine Liebesgeschichte beinhaltet, durchaus darstellt. Sie zeigt ein besonderes Gespür für die Nöte und Sorgen der Menschen damals und erhebt dabei niemals einen mahnenden Zeigefinger! Stattdessen führt sie den Leser mit viel Fingerspitzengefühl in ein Labyrinth aus Fragen, auf die es zunächst einfache Antworten zu geben scheint, nur um sie uns gleich darauf wieder verwerfen zu lassen. Immer wieder geht es um die Frage der Schuld und wie Opfer und Täter damit leben können und müssen.

    Auch hier gelingt ihr das große Kunststück, dem Leser jedes Schicksal aus seinem eigenen Blickwinkel heraus betrachten zu können. Ob es um das jüdische Mädchen von nebenan, den aufstrebenden Hitlerjungen, den Wehrmachtssoldaten, einen Partisanen, einen russischen Soldaten, einen enteigneten Gutsherren oder jüdischen Unternehmer handelt. Daniela Ohms nimmt den Leser an die Hand und gibt ihm die Möglichkeit diese so dramatische Zeit aus verschiedenen Perspektiven betrachten zu können. Selten ist das so gelungen wie in „Wie Treibholz im Sturm“.

    Das Trauma einer ganzen Generation scheint seine Finger bis in unsere Gegenwart auszustrecken.

    Dabei schont sie ihre Leserschaft zu keinem Zeitpunkt. Die Geschichte nimmt mit und ja, zwischendrin habe ich geheult wie ein Schlosshund! Vor Wut, vor Verzweiflung und Ohnmacht angesichts der zwischenmenschlichen Abgründe die sich auftun. Ungeschönt und gnadenlos lässt die Autorin uns in die hässliche Fratze des Krieges blicken. Manchmal tat es weh, denn was Menschen einander fähig sind anzutun, DAS ist eine schmerzliche Einsicht und macht nicht zuletzt auch Angst. Im Nachwort geht Daniela Ohms auch darauf ein und schlägt durchaus eine Brücke zum aktuellen Zeitgeschehen in Deutschland.

    Ich kann dieses Buch jedem wärmstens empfehlen, der etwas Mut hat und bereit ist, sich diesen drängenden Fragen zu stellen, die uns auch in Zukunft immer wieder begleiten werden und die nach einer Antwort verlangen, wenn wir nicht eines Tages am eigenen Leib die Gräuel des Krieges erfahren möchten.

    „Wie Treibholz im Sturm“ ist ein zutiefst bewegender Roman, der aufrüttelt und berührt. Der uns leise ins Ohr flüstert und uns laut aufschreien lässt.

    Schon jetzt für mich eins der Highlights in diesem Bücherjahr!

    Ich habe es ja schon öfters erwähnt, dass ich schon viele Romane (und Autobiographien) zu dieser Thematik gelesen habe, aber ich muss sagen "Wie Treibholz im Sturm" ist etwas ganz Besonderes. er Autorin gelingt hier das schwierige oder nahezu unmögliche Kunststück, alle Perspektiven des Krieges zu beleuchten, ohne zu (ver)urteilen und uns doch vor Augen zu führen, dass die Frage nach Schuld nicht so voreilig zu beantworten ist, wie es oft scheint. DAS ist DER Verdienst der Geschichte, wie ich finde. Und wie ich im Nachwort lesen konnte, war zunächst ein Happy End für Moritz geplant....doch ich finde die Entscheidung, die Geschichte so enden zu lassen war die Richtige! Er hätte keinen Frieden mit sich machen können und Hannah hätte zeitlebens im Schatten seiner Schuld gelebt. Ich kann das s absolut nachvollziehen.


    Und was habe ich geweint auf den letzten Seiten. Das Buch hat mich so sehr berührt und genau DAS brauchen wir mehr denn je.....was nutzen uns FAKTEN über den Krieg, die in irgendwelchen Büchern lagern? Diese Tatsachen auf ein emotionales Fundament zu stellen in Form eines solchen Romans bewirkt, dass auch eine Generation, die glaubt, mit alldem nichts mehr am Hut zu haben, nachempfinden kann, wie es sich angefühlt haben könnte, in jener Zeit gelebt zu haben. Dabei flässt der Roman den Raum dass wir jede Position einnehmen können und am eigenen Leib erfahren können: Die des jüdischen Mädchens, die des aufstrebenden HJ Jungen, des gescheiterten Unternehmers, des Wehrmachtssoldaten, des Partisanen, der Witwe, des Waisenkindes......uvm. Mit einem unglaublichen Fingerspitzengefühl nimmt die Autorin uns hier an die Hand und führt uns in das Elend einer verlorenen Zeit.

    Meine Rezension folgt in Kürze, ich muss mich nun etwas sammeln, alles sacken lassen und mich innerlich von Hannah verabschieden.............Danke für diese tolle Geschichte!

    Mir hat dieser Abschnitt sehr zugesetzt. Nach all dem Grauen, das einem schon die ganze Zeit über durch Laskys Aufzeichnungen vor Augen ist, treibt die Autorin die Gräuel nochmal auf die Spitze, in dem wir den letzten Abschnitt von Laskys Erlebnissen mitlesen dürfen. Und hier kommt man als Leser an eine Art "Point of no return". Fast ist man froh, dass Lasky sich vom Acker gemacht hat, denn all das ist wie ein Schlag in meine Magengrube gewesen. Ich konnte die Frauen und Kinder förmlich hören, das Petroleum beinahe riechen und die Angst. Das hat mich richtig Kraft gekostet (und ich habe schon einige Sachen zu dieser Thematik gelesen und dennoch schafft die Autorin es mich trotzdem nochmal so zu berühren und auch verzweifeln zu lassen!) Man starrt in die "Hässliche FRatze des Krieges" und für einen Moment bleibt einem die Luft zum Atmen weg. Beinahe ohnmächtig lässt dieser Abschnitt mich zurück und ich fühle mich genauso aufgewühlt wie Hannah.


    Schon zuvor wurde herausgearbeitet, dass es im Grunde egal war, auf welcher Seite Lasky getötet hat, es war überall dasselbe Grauen. Und doch wirft sie Brocken in den Abschnitt, wie ob es legitimer gewesen wäre, all das zu tun, wenn Lasky wenigstens von der Ideologie überzeugt gewesen wäre? Im Gegenzug muss man sich fragen: WENN schon jemand so töten kann, der NICHTS mit der Ideologie am Hut hatte, WIE haben dann wohl jene Männer gewütet, die noch überzeugt waren, etwas für ihre Herrenrasse zu tun? Voller Inbrunst? Nein, ein Held ist Lasky wohl nicht, er schafft es nicht mal den Mund aufzumachen für das Mädchen oder Dunjas Bruder. Und ich bin tatsächlich inzwischen dort angekommen, woe Lasky sich die ganze Zeit schon gesehen hat. Er hat eine große SChuld auf sich geladen und kein Gericht der Welt wird sie ihm je erlassen können!


    Und dann stelle ich Holger von Morkamp gegenüber und grüble. Waren seine Verbrechen wirklich "sauberer"? Weil es "nur" Soldaten waren, die getötet wurden und keine Zivilbevölkerung? Soll Hannah einen Mörder gegen einen anderen eintauschen? Gab es nach dem Krieg nur "Schuld" und "weniger schuld sein"? Vermutlich auf eine gewisse Art schon, denn "schuld" war das deutsche Volk sehr wohl, das so voller Begeisterung den totalen Krieg bejubelt hat. Das so emsig alles dokumentiert und organisiert hat, was die Judenvernichtung anging. Trifft da den Soldaten im Feld mehr Schuld, nur weil er einen Gewehrkolben in der Hand hatte, als eine Sekretärin, die den ganzen Papierkram in den KZ's getippt hat oder den Lokführer, der die Waggons voller Menschen transportiert hat? Man kann sehr wohl von einer kollektiven Schuld dieser Generation sprechen. Ausnahmen waren mehr als rar. Und das sind die stillen Helden dieser Zeit: die Juden versteckt und versorgt haben immer im Angesicht ihres eigenen Todes. Die den Mund aufgemacht haben, die versucht haben aufzuklären (weiße Rose) und auch Leute wie Staufenberg, die wenigstens irgendwann eingesehen haben, dass irgendjemand etwas tun muss, um das ganze aufzuhalten und zu beenden.

    Diese Schuldfragen aufzudröseln bedarf eines Fingerspitzengefühls ungeahnten Ausmaßes. Und doch ist etwas dran, als Lasky irgendwann in einem vorherigen Abschnitt sinniert, dass die SChuld reicht, für alle nachfolgenden Generationen, Kinder die noch gar nicht geboren waren. Genau so, empfand ich es auch schon in meiner Kindheit und Jugendzeit. Natürlich sind wir nicht schuld in dem Sinn, dass wir etwas getan hätten und doch sind wir Nachfahren jener Generation, die solches Unheil über die Welt gebracht hat und sollten uns dessen bewusst sein und verantwortlich handeln, aufklären und mahnen und mit der Erinnerung wie mit einem Vermächtnis umgehen, um zu verhindern, dass Menschen je wieder in diesen Abgrund stürzen.


    Ich halte dieses Buch jetzt schon für sehr wichtig und sehr besonders im Umgang mit diesem Thema. Selten hat jemand so feinfühlig darüber geschrieben. Ich erinnere mich an viele Biographien. "Das Mädchen im roten Mantel" , "Ich trug den gelben Stern", oder die Biographie von Paul Spiegel..........all das spricht auch aus diesem Roman, in dem die Autorin das so geschickt verwoben hat.

    Nun widme ich dem letzten Abschnitt.........

    Auch mich hat dieser Abschnitt sehr bewegt, denn was wir da alles aus den Aufzeichnungen des Fuchses erfahren, ist wirklich dramatisch und doch sicher so ein durchaus realistisches Szenario. Ein Schicksal, das seinerzeit viele Soldaten teilten. Und dann steht sie plötzlich im Raum: Die FRage nach Schuld. Und ja, auch ich habe mir schon immer viele Gedanken über diese Schuldfrage gemacht. Und ich tue mich bis heute schwer, da zu einem abschließenden Urteil zu kommen, was auch schwierig, denn ich möchte mir das gar nicht anmaßen. Wer weiß wie man selbst in diesen Wirren reagiert hätte, um zu überleben? Aber umso bessre kann ich Moritz verstehen, mich absolut in ihn hineinversetzen, denn natürlich ist es so, dass auch er Schuld auf sich geladen hat. Wer würde widersprechen, dass ein Soldat, der Frauen und KInder exekutiert hat, zur Rechenschaft gezogen werden muss! Und da gehe ich mit Moritz Sicht im Grunde konform, er ist zu Hannah zurückgekehrt, aber er hat sich seiner Strafe nicht gestellt. Immerhin gerät man doch ins Grübeln, wenn er oft erwähnt, wie gerne er gestorben wäre z.B bei einer Bombenexplosion o.ä von daher, hätte er sich -rein theoretisch- durchaus die Kugel geben können oder den Befehl Kinder zu erschießen verweigern. Aber wie gesagt, wer will sich das anmaßen über so einen jungen Kerl zu richten und DOCH waren auch das Fälle, mit denen sich die Alliierten dann ja irgendwie beschäftigen mussten! Wie heißt es so schön? "Dummheit schützt vor Strafe nicht"! ( Ich weiß das klingt jetzt vielleicht etwas radikal) aber im Grunde braucht er auch für sich selbst irgendeine Art von Buße, vorher wird er nicht zur Ruhe kommen können und auch die Liebe wird ihn da nicht retten, das kristallisiert sich jetzt schon heraus. Und auch für Hannah ist das alles eine schwer verdauliche Kost. Plötzlich die Gräuel des Krieges so nah. Ich glaube Moritz wird wieder gehen müssen und sich seiner "Schuld" stellen müssen, um irgendwie neu anfangen zu können.

    Egon war auch sehr rührend, dass er das Versprechen, das er Hannah gegeben hat, aus Zuneigung zu ihr gehalten hat.

    S

    Schön fand ich, dass Hannah eine Freundin in Gitte gefunden hat auch wenn das Dörchen sie immer an ihre Tochter erinnert. Ich hätte ihr das Kind so gewünscht und habe nicht damit gerechnet, dass sie es so schnell verliert. Vielleicht können Moritz und Hannah doch noch eine gemeinsame glückliche Zukunft haben, aber die Geister der Vergangenheit gilt es erst einmal zu zähmen und zu bändigen.

    Holger von Morkamp ist sehr galant und sehr an Hannah interessiert, auch ihn könnte ich mir durchaus an der Seite von Hannah vorstellen. Moritz spiegelt ja Hannahs Erlebtes und ich bin mir nicht sicher, ob das nicht eine gewisse Art von Liebe ist, die für beide keinen Bestand haben kann. Aber da lass ich mich jetzt gerne mal überraschen.


    Auch hier hat die Autorin wieder mit sehr viel Fingerspitzengefühl (wie im ganzen Buch!) agiert, mit diesem feinen Gespür für die verschiedenen Perspektiven des Krieges und am Ende war es egal, ob man für die Partisanen Bomben baute, oder auf Seiten der Deutschen kämpfte....es war überall dasselbe: Tot und Grauen und Unmenschlichkeit. Fast scheint es als spiele es gar keine Rolle, auf wessen Seite man stand. Und durch Moritz' Aufenthalt bei Dunja wird eindrucksvoll gezeigt, dass am Ende auch der Feind einfach nur ein Mensch war wie jeder andere auch. Ich finde das sehr sehr schön herausgearbeitet und gemacht.

    Selten habe ich so ein feinfühliges Buch zu dem Thema gelesen. David Safiers "28 Tage lang" hat mich auch berührt, aber ich muss sagen, die Geschichte um Hannah ist wirklich etwas sehr Besonderes, eben weil die Autorin uns die Möglichkeit gibt, alles aus verschiedenen Persepktiven zu betrachten!

    Rezension "Das Imago Projekt" von Robert Corvus



    So könnte sie aussehen, unsere Welt von morgen oder : „Die Büchse der Pandora“

     

    Auf der Suche nach einem längst vergangenen Imperium ziehen die letzten Menschen auf achtundzwanzig Großraumschiffen durch die zerstörten Planetensysteme.

    Schließlich stoßen sie auf intelligentes Leben. Der Erstkontakt gestaltet sich schwierig und schnell wird klar, was immer die sonderbare Sphäre bewohnt: Es ist den Menschen weit überlegen!


    Kara Jeskon, Admiralität der MARLIN ist eine überzeugte Koexistenzialistin und ist fest davon überzeugt, dass Zerstörung und Gewalt immer nur zu einer Behinderung der gesellschaftlichen Entwicklung führt!

    Als die Menschen mit dem sogenannten „Imago Projekt“ konfrontiert werden, stehen sie vor einer völlig neuen Herausforderung, die sie an die Grenzen des Möglichen bringen. Ein Machtkampf unter den Schiffen entsteht und ein Wettlauf mit der Zeit beginnt!

    Kara Jeskon gerät zwischen die Fronten und kämpft unerbittlich für ihre Prinzipien. Sie gerät in ein Netz von Intrigen und weiß nicht, wem sie noch vertrauen kann.

    Auf der SQUID, dem einzigen lebenden Raumschiff herrscht die sogenannte „Rote Familie“, deren Sohn Amida zu einem Spielball der Interessen wird.

    Dieser Roman war für mich eine Reise sowohl zu den Ursprüngen, als auch zu einer durchaus möglichen Zukunft der Menschheit. Konsequent denkt der Autor die Entwicklungen unserer Zeit zu Ende und öffnet die Büchse der Pandora. Denn zwangsläufig konfrontieren uns die technischen Fortschritte mit den grundlegenden Fragen nach Menschsein und Menschwerdung. Dabei spielt er gekonnt mit den Grenzen, weicht sie auf, verschiebt sie und bereitet dem Leser damit auch Unbehagen. Plötzlich drängt sie sich ungeschönt auf, die Frage aller Fragen: Was ist die Quintessenz des Menschen? Wohin führt uns die Zukunft und verlieren wir unser Selbst auf dem Weg dorthin? Dabei beleuchtet er detailliert, das Streben der Menschheit nach Fortschritt, nach Perfektion und Unfehlbarkeit. Sind unsere vermeintlichen Schwächen, am Ende vielleicht sogar unsere größte Stärke?


    „Mensch“ dieser Begriff scheint im Fortlauf der Geschichte förmlich zu verschwimmen und zu einer unerreichbaren Fatamorgana zu werden. Mit dengeschickt eingefügten Rückblenden in die Vergangenheit der Menschheit, in Form von Speicherbildern, entsteht ein ganz besonderer Effekt. Zwangsläufig wird der Leser mit unbequemen Fragen konfrontiert und plötzlich sind wir mittendrin im Beginn der Zukunft und begreifen uns sehr schnell als einen Teil, ein Mosaiksteinchen  der Welt von morgen.


    Der Autor führt uns in ein Labyrinth, das wir bereits heute betreten und nicht wissen wann wir wo wieder herauskommen. Und wie immer am Ende einer ereignisreichen Reise, gehen wir als ein anderer hervor, als jener, der die Exkursion einst anrat. So wird es auch dem Leser ergehen, denn nach dieser Lektüre, werden Sie vielleicht manches anders betrachten und vieles aus einem anderen Blickwinkel sehen können.

    Robert Corvus tänzelt hier gekonnt auf einem schmalen Grat und jongliert geschickt mit den großen Fragen unserer Zeit. Er nimmt uns mit auf eine Reise in eine andere Zeit, in eine Zeit, die vielleicht schon bald unsere Zukunft sein könnte.

    Begeben Sie sich selbst auf diese Exkursion und finden Ihren eigenen Weg durch dieses Labyrinth, an dessen Ende eins ganz gewiss ist: Sie werden mit einer neuen Erkenntnis herauskommen.


    Ein Buch, das Spaß macht, fordert und anspruchsvoll ist. Von Beginn bis zum Ende exzellent durchdacht. Eine Geschichte, die nachwirkt und beeindruckt, denn: Die Zukunft ist JETZT!


    auch zu finden bei Amazon und lovelybooks.

    Ein sehr aufschlussreicher Abschnitt. Lasky wird also wirklich ein Bombenentschärfer und schafft es tatsächlich lebend davon zu kommen. Es ist auch hier wieder dramatisch zu sehen, wie der Krieg den Menschen verändert und das Tier in ihm weckt. Dass Lasky selbst Kinder zur Grube geführt hat und die erschossen hat.....da musste ich echt schlucken, vor allem weil man es gar nicht mit "Fuchs" in Verbindung bringen kann, der so zart und zerbrechlich wirkt. Hier hat die Autorin den Kontrast sehr gut herausgearbeitet, wie ich finde, denn obwohl wir als Leser schon wissen, dass "Lasky" und "Fuchs" ein und dieselbe Person sind, bekommt man sie eigentlich nicht überein und ´genau dieser Konflikt ist es ja dann auch, der in "Fuchs" selbst wütet. Wer ist man "danach"? Wie lebt man damit? Wirklich sehr sehr einfühlsam wird das aufgegriffen und ausgeführt, das hat mir sehr gut gefallen.

    Der junge Gutsherr gefiel mir von Anfang an, denn er ist gütig und weitsichtig und noch in der Lage über den Tellerrand zu blicken, im Gegensatz zu seiner Mutter. Hier könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es mit Hannah und ihm noch was werden könnte. Immerhin bekommt sie die Stelle im Backhaus und bald wird der elende Hunger etwas gelindert werden können.

    Rührend fand ich auch die Szene, in der Lasky von Dunja gepflegt wird. Auch hier nimmt die Autorin nochmal einen anderen Blickwinkel, nämlich den zwischen Feinden und zeigt, dass es auch das gab, in all den Unmenschlichkeiten des Krieges. Ich finde das ist das Besondere an diesem Buch, ohne zu verurteilen oder den erhobenen Zeigefinger zu nutzen, zeigt sie uns dass es nie nur eine Variante der Wahrheit gibt. Ein großer Verdienst dieser Geschichte in meinen Augen. Versöhnlich ohne zu veurteilen oder zu verharmlosen. Fast eine Kunst für sich in Anbetracht dieses schweren Themas.


    Und dann kommt es wie es kommen musste, die Männer müssen sich aufmachen. Wirklich eine ganz truarige und rührende Szene und vorher die Liebesszene im Hühnerstall....ich könnte mir vorstellen, dass sie schwanger wird und sich dann mit Holger von Morkamp näher kommt und dann vielleicht ein Problem hat. Aber mal schauen.


    Entschuldigt, dass ich etwas hinterher hänge, ich wurde leider kurzfristig sehr ausgebremst, aber ich bin immer noch dabei und bummel dann eben etwas hinterher ;-) 

    Mir sind sie auch suspekt und ich kann die Frage bzgl. Sind sie Menschen? Stehen ihnen Menschenrechte zu noch nicht eindeutig beantworten. Da tue ich mich sehr sehr schwer mit, muss ich sagen.

    Noch ein Wort zur Auflösung mit dem Verzeihen (positiv formuliert) beziehungsweise Totschweigen (negativ formuliert) der Geschehnisse. Das ist von der spanischen Geschichte inspiriert. Nach der Franco-Diktatur ging ein tiefer Riss durch das Land, und man entschied sich dort, dass der König eine Generalamnestie aussprechen sollte. Eine "Stunde Null", um nach vorn zu blicken. Das war sehr hart für diejenigen, die Angehörige an die Diktatur verloren hatten, zum Teil unter grausamsten Umständen. Aber im Großen und Ganzen scheint es in Spanien funktioniert zu haben: Das Land ging geeint in eine demokratische Zukunft.

    Es stimmt in Spanien wurde so vorgegangen. Das lag aber eigentlich an dem Thronfolger Juan Carlos,der aus dem Exil zurückkehren dufte und dann in der Obhut von FRanco aufwuchs und weil er unter FRancos Fuchtel stand bzw. sein Zögling war, erhielt er nach FRancos Tod alle Generalvollmachten, d.h Juan Carlos hätte alles bestimmen können, er hielt alle Gewalten in einer Hand. Sozusagen autokratisch. Juan Carlos übergab dann nach und nach die Verantwortlichkeiten ab, so dass das Land in eine Demokratie finden konnte. Hier lag es allein in Carlos Händen, er hätte sich sicherlich auch anders entscheiden können.

    Für mich war diese Geschichte eigentlich eher eine Reise. Eine Reise, die mich sowohl zu den Ursprüngen der Menschheit, als auch zu deren möglicher Zukunft geführt hat. Beinahe wie eine Art Kristallkugel die eine mögliche Variation der Zukunft abbilden kann. Dieser Blick hat mir viele Einsichten gewährt. Die immerwährende Frage: Was macht uns Menschen aus? Was bedeutet das Menschsein und sind unsere Emotionen eher eine Stärke oder eine Schwäche oder vielleicht sogar beides zugleich?

    Mir hat "Das Imago Projekt" besser gefallen als "Feuer der Leere". Es ist einfach nochmal reichhaltiger und beleuchtet diese Quintessenz der Menschheit sehr viel stärker. Vieles, was in "FdL" anklang, wird hier ausgiebig weiter und zu Ende gedacht.

    Daher war der Roman manchmal auch anstrengend für mich, denn er hat mich gefordert, teilweise möchte ich sagen, sogar herausgefordert. Herausgefordert sich einmal gründlich und intensiv mit dem Wesentlichen zu beschäftigen. Kara und Berglen waren mir durchweg am nächsten, doch gerade auch Figuren wie "Aneste" oder "Tervoil" lehren viel.

    Mit der Generalamnesie hatte ich auch zuerst Bedenken, aber wenn man das ganze wirklich durchdenkt, scheint es eine sinnvolle Möglichkeit des Neuanfangs zu sein, auch wenn es dabei nicht um Gerechtigkeit geht.

    Auch ich werde das jetzt erst einmal sacken lassen.

    Endlich lichtet sich der Nebel. Dass Amida entführt wird, war zu befürchten. Kara behält wie immer die Nerven, sie gefällt mir hier besonders gut. Und auch Berglen ist handlungsfähig und zeigt hier seine Führungsqualitäten.


    Besonders gut gefallen hat mir S. 444-447 "Der Wert liegt in deiner Existenz selbst" all die Betrachtungen zur Individualität.


    "Wenn du stirbst, Idea, wird das Universum etwas verlieren, das es niemals wieder geben wird" DER SATZ DES BUCHES!


    Und so gelange ich zum Ende der Geschichte zu einer Erkenntnis, für die ich wirklich erst durch diese Beklemmung, die mich Kapitel zuvor begleitet hat, gehen musste, um zu erkennen!


    Mit dem Speicherbild gab es jetzt das große AHA bei mir, wie genial. Idea ist Iljows Werk....alles fügt sich zusammen.

    Es spitzt sich zu und Aneste betritt sozusagen den Olymp! Der Neid, die Begeisterung für Ideas Möglichkeiten lassen sie auch etwas auf den Boden der Tatsachen zurückkommen und dennoch glaube ich, dass das Ganz für Aneste nicht gut ausgehen wird. Idea könnte sie sich schließlich durchaus zu eigen machen, denn Aneste lechzt ja geradezu danach und würde sicher alles mitmachen in ihrem Wahn mit etwas Höherem in den Bund zu treten.

    Zegato und Berglen.....das ist auch eine schöne Stelle gewesen. Berglen stellt klar, dass Xeramel hier auf seinem Schiff ist und Zegato ist mal eben abgemeldet, der schwelgt ja immer noch in erotischen Träumen bzgl. Kara. Ich glaube nicht, dass Kara sich nochmal mit ihm einlassen wird. Das Ding ist gelaufen.

    Wir laufen dem Finale entgegen....ich bin gespannt!

    Mich rüttelt dieses Buch wirklich irgendwie geradezu auf. Ich habe es noch nie so konsequent zu Ende gedacht.....Ich muss sagen für mich keine leichte Unterhaltung, sondern schwere Kost, denn diese Geschichte fordert! Und das, ist auch gut so!

    Damit wäre das wohl Hochliteratur ;)

    Ich kann Deine Gedankengänge sehr gut nachvollziehen und hast Du schön formuliert. Mir gehen bei dieser Lektüre auch eine Menge Fragen durch den Kopf und irgendwie habe ich gerade das Bedürfnis, genau in die andere Richtung zu gehen (ohne Smartphone, Computer etc. einfach dümmlich am See sitzen und einfach nur sein).

    Murkxsi, ja so in die Richtung gehen meine Gedanken auch. Da bewahre ich mir lieber das ursprüngliche.....ich glaube, wenn ich nochmal jung und kinderlos wäre, dann würde ich so ein Aussteigerleben mal führen wollen. Fernab von der modernen Gesellschaft, in der Natur leben, mit wenig klarkommen, aber dafür entschleunigt und Dingen nachgehen, die schon unsere Ahnen gemacht haben. Selbstversorger sein, Gemüse anbauen, vielleicht auch mal ein Tier jagen oder eine Falle stellen und nur das nehmen, was man wirklich braucht. Ohja! Da liest mein ein Sci-Fi Buch und hat das Gefühl wieder an den Ursprung und den Anfang der Menschheitsgeschichte zu gelangen. ;-)

    Mich hat dieser Abschnitt sehr bewegt. Obwohl jeder Einzelne der Vier sein eigenes, tragisches Schicksal hat, versuchen sie doch irgendwie zusammenzuhalten und zu überleben. Dass die Männer Hannah mit einem Weihnachtsbaum, dem tollen Essen und den Geschenken überrascht haben, war sehr anrührend. Inzwischen sind alle ein eingespieltes Team, ja man könnte fast sagen, eine Art Familienverband. Das hat mir gut gefallen. Als Hannah dann in dem Kleid vor den Männern steht, hat das eine gewisse Zärlichkeit und Unschuld, wie man sie eigentlich nicht mehr zu finden glaubte unter Menschen, die solches Grauen erleben mussten. Sehr bewegend.

    Fuchs hat endlich seinen Namen gesagt, aber ansonsten bleibt er noch stumm. Die Kälte des Winters ist förmlich spürbar und auch dieses Gefühl des Verlorenseins, dieses nicht erwünscht sein. Flüchtlinge wurden wirklich sehr schlecht behandelt und waren den meisten Dorfbewohnern ein Dorn im Auge. Das ist eigentlich kurios, wenn man es genauer betrachtet, denn immerhin ging es hier um die eigenen Landsleute, die vertrieben worden waren. Dass man selbst seinen Landsleuten gegenüber so abweisen war, dass sie nur lästig waren und lediglich geduldet wurden, finde ich eigentlich eine Schande. Aber früher haben die Menschen noch nicht über den Tellerrand ihres Kuhkaffs geschaut, da war man ja schon als Zugezogener etwas Exotisches. Ich glaube, das ist heute nicht mehr ganz so schlimm, auch nicht im ländlichen Bereich. Aber damals war es in der Tat so und auch das hat die Autorin sehr authentisch geschildert. Mich überzeugt der Roman eben auch durch diese sehr genaue Wiedergabe des Zeitgeistes.


    Hannahs Erinnerungen zeigen auf eindrucksvolle und dramatische Weise, wie schleichend den Juden die Existenz quasi genommen wurde. Ab einem bestimmten Zeitpunkt konnten sie nicht einmal mehr ausreisen und wenn dann nur noch wenn sie ihr ganzes Hab und Gut abtraten, später dann generell gar nicht mehr! Das muss man sich mal vorstellen. Als ich jung war, (15) habe ich oft gedacht, warum so viele Juden, so lange gezögert und gewartet haben, bis es zu spät war. Heute, da ich selbst ein Haus und eine Existenz habe, weiß ich, dass man so etwas nicht einfach aufgibt und sich bestimmt immer an einen Funken Hoffnung klammert, nach dem Motto: Das geht wieder vorbei. Und was dann die Endlösung anging, so etwas, konnte sich doch kein Mensch vorstellen, dass so etwas kommen würde! Viele Juden haben sogar im 1. Weltkrieg für DEutschland gekämpft und selbst hochdekoriert, mit dem "Eisernen Kreuz", kamen sie später in die KZ's. Das muss man sich mal vorstellen!


    Ob Hannah jemals herausfindet, was aus Klara geworden ist? Wie viele Schicksale sind bis heute ungeklärt.


    Dass selbst gefaultes und erfrorenes Gemüse gegessen wird, zeigt, wie sehr sie ums Überleben kämpfen. Die Winter damals waren die kältesten seit langem. Wer schon einmal eine faule Kartoffel gerochen hat, weiß wie eklig das sein muss!


    Ich hoffe ja noch immer für Hannah, dass ihre Familie irgendwo überlebt hat, allem voran ihre Tochter. Ich könnte mir vorstellen, dass sie sie irgendwann als junges Mädchen wieder trifft.


    Moritz und Hannah berühren mich ebenfalls sehr. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

    Also ich finde wir erleben hier durchweg durch die Geschichte einer Metamorphose der Menschheit. Wir erleben verschiedene Stadien der Entwicklung und des vermeintlichen Fortschritts. Dabei ergeht es mir so, dass es mir immer unheimlicher wird. Ich denke fast, der Autor beabsichtigt genau das. Er denkt konsequent weiter, was bereits in unserer Gegenwart seinen Anfang genommen hat. Wie stand da? Wir waren ja auch alle mal Affen. Wir streben nach etwas, das uns seit jeher angetrieben hat und doch laufen wir Gefahr absolut in die Irre zu geraten. Denn was bleibt übrig von uns, wenn wir uns auf so einen Pfad begeben? Auch das Speicherbild weist erneut darauf hin. Was ist schon Individualität?

    Auf dem Weg zur Vollkommenheit verlieren wir letztlich uns selbst unsere Identität als menschliches Wesen. Und wenngleich es verlockend ist und sicherlich in vielen Bereichen sogar sinnvoll, so KANN es uns am Ende doch alles kosten, WENN wir nicht mit Maß und Ziel diesen Fortschritt einsetzen! Aber wer möchte schon verzichten auf ein Implantat, wenn alle um ihn herum sich optimieren? Oder Krankheiten überwinden können? Die physischen Qualen die uns durch Krankheiten und andere Leiden auferlegt werden? Wer würde da NEIN sagen?

    Vielleicht ist das die FRage, die wir uns alle ehrlich stellen sollen und müssen: Was sind wir bereit zu opfern? Wie weit werden wir gehen? Und was wird es uns kosten?

    Das Szenario, das hier aufgezeigt wird, stürzt mich förmlich in eine Depression, könnte man sagen, denn es ist alles andere, als aus der Luft gegriffen!

    Also: Was müssen wir uns bewahren? Und was geschieht, wenn wir uns anmaßen perfekt sein zu wollen? Steht es uns überhaupt zu danach zu streben?

    Ich bin voller Fragen und Zweifel und auch Angst bzgl. der Zukunft der Menschheit. Mich rüttelt dieses Buch wirklich irgendwie geradezu auf. Ich habe es noch nie so konsequent zu Ende gedacht.....Ich muss sagen für mich keine leichte Unterhaltung, sondern schwere Kost, denn diese Geschichte fordert! Und das, ist auch gut so!

    Ein wirklich rasanter Abschnitt mit viel Input, den ich erst einmal begreifen musste.

    Der Verlierer schlechthin ist ja wohl Zegato. Allerdings hat mich seine Loyalität Aneste gegenüber nicht mehr überrascht, dennoch etwas enttäuscht. Da ging es mir wohl wie Kara. Was ein Waschlappen. So Leute kann ich gar nicht ab. Klar, er versucht ja irgendwie Kara noch einen Ball zuzuspielen, aber das rettet seine Ehre in meinen Augen nun auch nicht mehr. Ist ja wohl das Minimum. <X

    Die ziemlich aussichtslose Lage der Kommissare, als sie eingesperrt waren, war wirklich beklemmend. Erst echt, als Tervoil natürlich auf Ehre und Pflicht pocht usw. Hier fand ich es wirklich gut, wie Kara die Lage entschärft hat. Einerseits! Andererseits war es natürlich auch nicht wirklich klug, sich den Rebellen zum Fraß vorzuwerfen sozusagen. Hier kann man sich im Prinzip endlos winden. Wer handelt richtig Tervoil oder Kara? Gibt es überhaupt ein "richtig" in dieser Situation? Es kommt darauf an, aus welchem Blickwinkel man das Ganze betrachtet.


    Aneste zieht ihr Ding durch und sich ihrer Sache bzgl Zegato auch absolut sicher. Aneste hat diesen grenzenlosen Ehrgeiz gepaart mit diesem endlosen Frust über das, was ihr durch die Lappen gegangen ist, dadurch, dass der Drilling gestorben ist. Das facht ihre Wut und ihren Hass an, da sie immer nur um sich selbst kreist, sie will jetzt endlich mehr und da ist ihr jedes Mittel recht. Solche Menschen sind brandgefährlich und niemals zu unterschätzen!


    Also das Speicherbild jagt mir auch diesmal einen Schauer über den Rücken. Diese Vorstellung, dass die Menschheit wirklich auf diese blinde Perfektion zusteuert, dem alles unterordnet und opfert, was ihn eigentlich ursprünglich ausgemacht hat.

    Und nein Vaterschaft oder Elternschaft darf nicht als Versuch gesehen werden, die KInder zu perfektionieren und dorthin zu manövrieren, wo man es selbst nicht hingeschafft hat. Und selbst in dieser Perfektionierung trauert er noch (Die unerfüllte SEhnsucht schmerzte) es ist nie genug. So sind wir Menschen, immer weiter, schneller, besser, perfekter....wo soll uns das hinführen? Eben in so eine Welt, wie in dieser Geschichte. Diese Zukunft wäre keine OPtion für mich. :argh: Dinge die uns Menschen eigentlich und ursprünglich mal ausgemacht haben, würden gänzlich verschwinden. Wir opfern uns im Glauben und in der Hoffnung an Unsterblichkeit und Perfektion. Unsere Körper hinter uns zu lassen und anderen Bewusstseinsebenen entgegenzugehen. Grenzen sprengen und überschreiten....und was kommt dann? Wann maßen wir uns dann an gottgleich zu sein? Was ist und bleibt, wenn wir uns selbst als das Höchste sehen und kreieren. Wenn keine Instanz mehr da ist, nichts, was uns demütig sein lässt sondern nur wir selbst, perfekt, unfehlbar.

    All diese Vorstellungen finde ich sehr beängstigend. Jeder von uns könnte wie Aneste werden.

    Ja, ich würde auch sagen, dass Aneste nicht mehr punkten kann. Ihr arroganter Kommentar (Eine löbliche Angewohnheit) Zegato gegenüber tat da sein Übriges. Ich kann Zegato sehr gut verstehen, dass er nicht mehr will, dass sie diese Entscheidungsgewalt über die Sonde in seinem Gehirn hat!:o Aber es ist tatsächlich verdächtig, dass sie so schnell einlenkt und nachgibt, ich könnte mir gut vorstellen, dass sie sich irgendwie doch einen Zugang bewahren will. An Zegatos Stelle hätte ich übrigens nicht so sehr auf Kara hingewiesen, das könnte jemanden wie Aneste erst recht dazu verleiten, ihr etwas anzutun. Vielleicht erst recht, wenn sie keine Gewalt mehr über ihn hat. Da könnte noch was kommen.


    Berglen schlägt sich bei der Erforschung des Planeten tapfer, die Szene mit den seltsamen mechanischen Spinnen war schon sehr gruselig, man kann nur hoffen, dass die ihn auf der SQUID wieder hinbekommen.


    Ein bisschen Mühe hatte ich den wissenschaftlichen Überlegungen zu folgen. (S.275) Das habe ich, ehrlich gesagt, nicht richtig verstanden.:schwitz:


    Das Speicherbild gewährt uns wieder einen Blick in die Vergangenheit und in die Weiterentwicklung der Menschheit.....dennoch, die Dinge die erwähnt werden, dass es als mystisch abgetan wird, wenn man noch an etwas anderes glaub als an die Physis, nämlich eine Seele....was aber angeblich auch alles simuliert werden kann usw......naja ich kann mir wirklich gut vorstellen, dass wir auf genau jene Fragen zusteuern und in Zukunft damit konfrontiert werden. Ehrlich gesagt: Erschreckend! Mir macht der Roman in der Tat etwas Angst bzgl. einer möglichen Entwicklung für die Zukunft, denn ich halte es für absolut möglich.

    Fast ein wenig beschaulich (angesichts der Lage) haben sich Hannah und die drei Männer nun in dem Zimmer eingerichtet Ich war erleichtert, dass es für Hannah nun doch nicht so schrecklich wurde, wie man zuerst vermutet hatte. Und auch die Männer wahren ihr gegenüber den gebührenden Abstand und Anstand. Sie ergänzen sich sogar und beschaffen sich als Gemeinschaft Nahrung und Vorräte. So wird das Leben wenigstens etwas erträglicher, mitten im Nichts.

    Die Szene mit dem Radio ließ einen förmlich spüren, wie sehr die Menschen Fröhlichkeit entbehrt haben in jener Zeit. Das hat mir gut gefallen, man bekam eine kleine Ahnung, dass sie nicht immer so verstockt waren, wie sie es jetzt, durch den Krieg waren. Einen kurzen Augenblick bekommen wir hier von ihrer ursprünglichen Persönlichkeit gewährt. Auch die Rückblicke in das Vorleben der Männer, einer besaß ein ganzes Gut in Ostpreußen und hat schöne Möbel gedrechselt. Es wird einem bewusst, dass all diese zerlumpten Menschen, ein Leben hatten, eine Vorgeschichte und wie der Krieg all das beendet hat!

    Beim Blick aus dem offenen Bahnwaggon, den wir über Lasky bekommen, muss ich tatsächlich kurz an Syrien denken. Die Bilder völliger Zerstörung schieben sich automatisch in das Bewusstsein. Dass wir Einblicke in Fuchs Vergangenheit bekommen (jedenfalls nehme ich an, dass es sich bei Lasky um Fuchs handelt) macht die Geschichte nochmal spannender und stellt einen Kontrast dar, zum Alltag in der Kammer, in der die vier Bewohner hausen.

    Rührend fand ich, wie Laskys älterer Kamerad ihn immer versucht zu beschützen. Er sieht seinen jüngeren Bruder in Lasky und versucht ihm alles zu ersparen. Doch Lasky stolpert noch völlig naiv in diesen Krieg. Ganz kurz habe ich daran gezweifelt, ob ihm wirklich nicht klar war, was sie da auf der Lichtung ausgehoben haben. Das erschien mir dann doch vielleicht etwas zu naiv, aber ich ordnete es dann so ein, dass ich dachte, er steht ohnehin völlig neben sich, schläft und isst kaum, ist völlig verwirrt und vielleicht stellt man sich in dem Moment wirklich so eine FRage nicht.

    Dass er dann tatsächlich in das Erschießungskommando gerät, offenbart das Grauen des Krieges und im Gegensatz zu seiner Kompanie, die ja schon länger dabei ist, stellt Lasky hier noch die notwendigen Fragen: Können Kinder Partisanen sein? usw. Die anderen führen einfach nur noch ihre Befehle aus und funktionieren. Hier sieht man, wie sehr der Krieg die Männer im Laufe der Zeit verändert und verroht hat, Lasky ist hier noch "jungfräulich" und seine Empathie funktioniert noch.


    Hannah kümmert sich derweil beinahe mütterlich um die Männer, vielleicht tut ihr diese Aufgabe auch irgendwie gut. Besonders "Fuchs" rührt sie sehr an und es war sehr berührend zu lesen, wie sie ihn am Strand bzw im angrenzenden Wald findet und "nach Hause "bringt. Sie vertraut sich ihm an, was ihr merklich gut tut. Das Reden über die Gräuel des Krieges....eine Sache, die leider viele nicht geschafft haben. Ich kenne viele Familiengeschichten, in denen die Väter nach dem Krieg zurückkehrten und nie über das gesprochen haben, was sie erlebt haben! Das war ein gesamtdeutsches Trauma. Als Verlierer des Krieges wurde die ganze Thematik nie aufgearbeitet. Tatsächlich, wurde auch erst in den 90ern das Leid der deutschen Zivilbevölkerung während der Bombennächte in Dresden z.B thematisiert. Ich finde man muss die OPfer von verschiedenen Seiten beleuchten. Natürlich steht außer Frage, dass der Krieg von deutschem Boden ausging und dass der Großteil der Bevölkerung mit Begeisterung Hitler gefolgt ist, dennoch sind die schrecklichen Verbrechen an der Zivilbevölkerung ebenso wenig entschuldbar, wie das massenhafte Morden an Juden. Gleiches mit Gleichem zu vergelten......dennoch nach allem was Hitler verbrochen hat und nach allem was deutsche Soldaten in den angrenzenden Ländern getan haben, kann man ach verstehen, dass den Alliierten beim Bomben abwerfen all das egal war. Sie haben schlichtweg in Kauf genommen, dass unschuldige Frauen und Kinder qualvoll sterben. Und hier sind wir wieder beim Thema: Verrohung durch Krieg. Empathie sollte uns ein hohes Gut sein, denn wenn diese nicht mehr vorhanden ist, sind die Gräuel, die Menschen einander antun können unermesslich!


    Auch Fuchs spürt eine Zuneigung zu Hannah, heimlich liest er ihre Notizen und dennoch bringt Hannah auch hier wieder Verständnis auf.


    Besonders gut gefallen haben mir die Kindheitserinnerungen von Hannah. Diese Unbeschwertheit einer Generation, die auf einen historischen Abgrund zuraste. Dieses Gefühl dafür zu bekommen, dass es ganz normale Kinder waren, deren Zukunft schon damals besiegelt wurde. Viele waren bei der Machtergreifung Hitlers KInder und wurden später zu Kanonenfutter und schlichtweg für Führer, Volk und Vaterland verheizt. Und doch hatten sie eien Kindheit, die sich von der unseren vielleicht gar nicht mal großartig unterschied, denn dieses Spiel, kennen wir alle noch. Das war sehr berührend.


    Besonders gelungen finde ich weiterhin, dass die Autoren alle Perspektiven beleuchtet. Es gibt keine Schwarz-Weiß.OPfer-Täter Darstellung, sondern es sind alles menschliche Schicksale. Hier wird der deutsche Soldat, der naiv und noch grün hinter den Ohren in etwas hineingestolpert ist genauso beleuchtet, wie die Schicksale der Juden oder der verlorengegangenen Kinder(die Listen des Roten Kreuzes waren endlos nach dem Krieg!)......

    Unvorstellbar, wie viel Grauen, Schmerz und Traumata der Nationalsozialismus über die Menschheit gebracht hat.

    Ich hoffe sehr, dass Hannah wieder Freunde und menschliche Nähe findet - und noch mehr, dass vielleicht jemand aus ihrem "alten" Leben überlebt hat. Auch wenn es in diesen Zeiten fast ein wenig viel verlangt scheint.

    In der Tat habe ich es mir immer wieder versucht vorzustellen: über 6 Millionen Juden, weitere Millionen Tote in der Zivilbevölkerung dann die vielen jungen Männer, die ihr Leben im Krieg ließen. Dieses Grauen übersteigt einfach jegliche Vorstellungskraft!

    Als ich das KZ Dachau besucht habe und die Schnitzereien in den Holz"betten" gesehen habe, all diese Details, die bezeugen, diese Menschen hat es wirklich gegeben und jeder einzelne hatte ein Schicksal unerträglichen Ausmaßes.

    Dann die vielen "Behinderten" die unter der Herrschaft des NS Regimes ebenfalls beseitigt wurden, diese unbarmherzige Ideologie vom perfekten Herrenmenschen hat soviel Leid und Elend hervorgebracht und ich finde angesichts einer AfD und anderen Entwicklungen in Europa und der Welt ist mir der Aufschrei der Menschen zu leise. Wir müssen all diese Erfahrungen, alles was uns die Geschichte gelehrt hat zum Anlass nehmen, dass wir früher als damals handeln, wir können Parallelen ziehen und entgegenwirken. Ich denke, niemand von uns wünscht sich für sich oder seine Kinder, dass es jemals wieder zu so einem Regime oder so einer Ideologie kommt! Unsere Demokratie (bei allen Schwächen die sie hat), ist nicht selbstverständlich unser Frieden in Europa erst recht nicht. Überall Nationalisten auf dem Vormarsch. Wie müssen unermüdlich aufrütteln, mahnen und erinnern. Jeder dritte unter 17jährige weiß nicht was "Auschwitz" bedeutet. Ich selbst habe als Mutter erlebt wie sehr diese Thematik inzwischen unter den Tisch fallen gelassen wird in manchen Schulen (vor allem jenseits von Gymnasien!). Ich glaube so eine Geschichte hört nie auf und ein Bewusstsein dafür zu schaffen hat nichts mit Schuldzuweisungen an eine Generation zu tun, die nichts damit zu tun hat. Leider wird das oft als erstes angeführt.

Anstehende Termine

  1. Freitag, 8. Juni 2018 - Sonntag, 24. Juni 2018

    Dani79

  2. Freitag, 15. Juni 2018 - Sonntag, 1. Juli 2018

    gagamaus

  3. Freitag, 22. Juni 2018 - Freitag, 6. Juli 2018

    odenwaldcollies

  4. Freitag, 22. Juni 2018 - Freitag, 6. Juli 2018

    odenwaldcollies