Beiträge von Daniela Ohms

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    Puh also ich muss sagen, obwohl ich die Geschichte durchweg als spannend und gut empfunden habe und gegen die meiste Kritik auch verteidigen würde, muss ich sagen, dass mir am Schluss zu viele Fragen offen blieben.

    Dass euch am Ende noch zu viele Fragen offenblieben, habt ihr ja alle erwähnt. Verglichen mit anderen Büchern stimmt das wohl und ich habe auch in der Überarbeitung überlegt, wie ich mehr Fragen bereits beantworten kann. (Tatsächlich waren in meiner vorherigen Fassung noch mehr Fragen unbeantwortet). Aber letztendlich habe ich mich bewusst dagegen entschieden, weil ich in der Perspektive meiner Figuren bleiben wollte, bzw. weil der Grundplot darauf beruht, dass meine Figuren eben kaum eine Ahnung haben, wer sie sind und was mit ihnen passiert. Das heißt, sie müssen erst jemanden kennenlernen, der mehr weiß und ihnen damit entsprechende "Lösungen" verraten kann. Diese Person treffen sie aber erst im zweiten Teil und ich wollte nicht den Plot meines zweiten Teils vorwegnehmen, nur um am Ende ein paar schnelle Lösungen zu präsentieren ;-)
    Der Plot meines ersten Teils war eben bewusst diese Ausgangslage, in der die Figuren nicht wissen, woher die Erscheinungen kommen, die sie haben. Dies ist ein Aspekt, der meiner Meinung nach, in der gängigen Fantasy viel zu kurz kommt. In den meisten Fantasybüchern ist es so, dass die Figuren eine Fähigkeit haben und dann relativ schnell erfahren, was das für eine Fähigkeit ist und wie sie damit umgehen können, so dass DANN das große Abenteuer losgehen kann.
    Ich habe dagegen einen Grundplot gewählt, der sich näher an unserer Realität orientiert. Wenn man sich vorstellt, in unserer Realität hätte jemand "übersinnliche Fähigkeiten" (um nichts vorwegzunehmen ganz allgemein gesprochen), dann würde diese Person mit sehr großer Sicherheit erstmal in die Ecke der "psychisch Kranken" geschoben. Und wenn diese Fähigkeiten dann noch seit der frühen Kindheit auftreten und schon in dieser Zeit zur Diagnose von psychischen Krankheiten führen, wäre das sehr prägend für das ganze Leben der Person. Tja, und ob diese Person dann jemanden treffen würde, der ihr beibringen kann, was das ist - so einfach würde es im wahren Leben vermutlich auch nicht laufen.
    Meine Idee des Buches war es also, genau diesen Konflikt auszuerzählen - auch und GERADE, wenn das nicht unbedingt den Lesegewohnheiten der meisten Leser entspricht. Der einen von euch fehlte die Fantasy, der nächsten war es zu viel Übersinnliches und die Dritte mochte die Jugendperspektive nicht (mal ganz grob zusammengefasst ;-) ) Und einigen von euch war es viel zu düster. Dass das alles passieren kann und dass sich die Leser an diesem Buch "scheiden" werden, war mir von Anfang an bewusst. Aber ich wollte diese Geschichte eben nicht dem Mainstream anpassen, sondern meinen "Grundplot" mit allen Konsequenzen und trotz aller Fantasy so "realistisch" wie möglich auserzählen.
    Dass es eigentlich gar nicht wie Fantasy, sondern nur wie Mystery wirkt, und die Einordnung daher gar nicht so richtig passt, wurde ja auch kritisiert, aber das ist einfach den beiden weiteren Teilen geschuldet, weil mit der "Lösung" der seltsamen Begebenheiten dann nämlich doch ein ganz klarer Fantasyplot zum Vorschein kommt.

    Natürlich finde ich es schade, dass es einigen von euch nicht so richtig gefallen hat. Aber dieses Risiko musste (und wollte) ich eingehen, um diese Geschichte so zu erzählen, wie sie erzählt werden wollte. Einigen Lesern gefällt das sehr, anderen gar nicht, und düstere Geschichten muss man sowieso mögen, um diese Geschichte zu mögen. Aber das war mir, wie gesagt, alles bewusst ;-)
    Ich habe auch im Vorfeld immer schon gedacht, dass man für diese Geschichte eigentlich ein ganz neues Genre erfinden müsste. (Mein Gedanke war immer, es "Psychofantasy" zu nennen, angelehnt an "Psychothriller", die eben Thriller mit einer stark psychologischen Komponente sind). Aber mit der Einführung neuer Genre ist das so eine Sache. Das ist nicht so einfach, wenn es die Rubrik zum Einordnen noch nicht gibt, und man finanziell nicht die Marketingwucht hat, um das mit einem höheren sechsstelligen Budget in alle Tageszeitungen und Talkshows zu bringen :D


    Ich werde jetzt mal darüber nachdenken, ob ich einen Teil von dem hier noch in einem Vorwort formuliere und das zumindest beim E-Book (also auch in der Leseprobe) voranstelle. Andererseits käme es mir aber seltsam vor, weil so etwas schnell wie eine "Rechtfertigung" klingt und dann außerdem einen nicht unerheblichen Teil der Leseprobe ausmachen würde. Aber mal schauen ;-)
    Ich habe auch während der Leserunde immer wieder überlegt, ob ich (sowas wie das hier) schon mittendrin schreibe, aber auch dann hätte ich das Gefühl gehabt, mich jetzt irgendwie zu "rechtfertigen". Da ich die Geschichte (so wie sie ist) aber sehr gerne habe und sie bewusst auch nicht ändern wollte, möchte ich mich auch ungerne dafür rechtfertigen. (Manchmal steht einem ja auch der Stolz im Weg, ne :D )
    Deshalb kommt diese kleine Rede also erst hier ;-) Ich hoffe, ihr verzeiht es mir.

    Ich finde es total spannend, dass Sirsha Leany ist und Niall Nico, aber so ganz verstehe ich den Namenswechsel nicht, wenn ich ehrlich bin?! Warum haben sie andere Namen?

    Wenn ich das richtig verstanden habe, haben sie als Kinder zusammen gespielt und sich diese Namen gegeben. Sie haben in einer Phantasiewelt gelebt und sich diese Phantastienamen gegeben.

    Ja, genau. So war das mit den Namen. Sie stammen aus ihrem Kinderspiel :-) (Ausnahmsweise mal eine einfache Erklärung :D)

    Sirscha und Nial sind Nico und Leany, aber das war irgendwie klar. Sicher nett zu lesen, wie sich das erste Mal begegnet sind. Allerdings denke ich einfach, sie hätten schon bei ihrer ersten Begegnung auf dem Hof, erkennen müssen, dass sie sich kennen.

    So sehe ich das auch! In den paar Jahren kann man sich doch nicht so gravierend verändern?! Und wenn sie sich damals so wichtig waren, dann vergisst man sich doch nicht so schnell wieder!?

    Ja, die beiden waren nicht mehr ganz so klein. Die Szene spielt fünf Jahre vor der Gegenwart, das heißt, Nico war 12 und Leany 11. Unter normalen Bedingungen müssten sie sich noch daran erinnern. Aber da beide schwer traumatisiert sind (teilweise auch durch Ereignisse danach), läuft bei ihnen erinnerungstechnisch so einiges durcheinander. Wie überhaupt in ihrer Wahrnehmung so einiges durcheinanderläuft. Letzteres ist wohl das, was euch zunehmend verwirrt. ;-)
    Ich will jetzt nicht zu viel vorwegnehmen, und ich fürchte (da das Ganze ja eine Trilogie ist), werdet ihr nur einen Teil der Auflösung in diesem Band bekommen. Aber ein bisschen was dürfte sich noch klären.

    Das ist wie mit den Menschen, die sich absichtlich schneiden. Sie wollen sich spüren. Wollen die Realität spüren, raus aus ihrer verwirrten Kopfwelt. Der Schmerz holt sie auf den Boden zurück.

    Genauso habe ich es auch gesehen. Schmerz hilft, den Schmerz im Kopf, der ja eigentlich nicht real ist, zu betäuben.

    Ja, genauso habe ich es auch gedacht. Der Schmerz in ihrem Kopf wird so groß, dass sie ihn mit realem Schmerz betäuben muss, um ihn zu ertragen.

    Dass die ihn einfach alleine lassen, fände ich ohne Erkrankung schon zweifelhaft, aber in Anbetracht seiner Vergangenheit ist das schlicht fahrlässig.

    Man kann den Eltern zu Gute halten, dass ja seit mehreren Jahren keine Zustände mehr gehabt hat bzw. die letzen vor den Eltern ja verheimlicht hat. Keiner kann in einen anderen reinschauen und sie sind ja keine Psychologen sondern "nur" die Eltern. Psychische Erkrankungen lassen sich durchaus vor den anderen verbergen. (EIn trauriges Beispiel sind die vielen Selbstmorde, die auch nahe Angehörige nicht geahnt haben.) Die Eltern hätten sonst nur die Wahl, ihren fast erwachsenen Sohn nie mehr alleine zu lassen und wie ein Kleinkind zu bewachen. Das will Nico ja auch gar nicht.

    Sie hätten allerdings jemanden ins Vertrauen ziehen müssen, der auf Nico achtet. Da stimme ich dir zu. Aber auch Eltern sind nicht perfekt.

    Ja, genau so habe ich es auch gedacht. Die Eltern versuchen verzweifelt, sowas wie Normalität in ihre Beziehung zu Nico zu bringen, und einen gesunden 17-jährigen würde man wohl kaum kontrollieren wie ein Kleinkind. Der Junge wird bald 18 und möchte auch so behandelt werden wie ein beinahe Erwachsener, dass seine Krankheit ihn in der Ansicht seiner Eltern in die Rolle eines Kleinkindes drängt, ist auch das, was ihn am allerallermeisten belastet. Und weil seine Eltern das ebenfalls wissen, bemühen sie sich darum, ihm eben doch mehr zuzutrauen (zumal er es in letzter Zeit ja so hat aussehen lassen, als wäre alles so gut wie nie zuvor). Nico deutet Cairenn gegenüber ja auch an einer Stelle an, dass er "Selbstverantwortung lernen soll", und dass das nur möglich ist, wenn seine Eltern ihm diese Selbstverantwortung lassen. Sie glauben ihm also, dass er auf dem Hof alles geklärt hat, weil er ihnen das so vorspielt, und sie wollen ihn nicht kontrollieren, weil sonst das mühsam aufgebaute Vertrauensverhältnis wieder zerbricht. Nico versteckt ja seine Krankheit vor allem deswegen, weil er es nicht erträgt, von seinen Eltern in Watte gepackt zu werden und ihnen nonstop Kummer zu bereiten.

    Und dass dann Leany einen roten Kater findet (ich LIEBE ROTE KATER) und ihn NICHT ertränkt, puh, das finde ich toll. Auch wenn es etwas "durchsichtig" ist, dass Leany (rotes Haar, vielleicht ein Hexenkind) eine Katze ihr eigen nennt (Hexe Kater) gefällt mir dieses "Team" sehr.

    Stimmt, jetzt wo du es sagst ... Mädchen mit roten Haaren (Vielleicht eine Hexe?) und dann mit Katze? Das könnte klischeehaft sein. Aber ich glaube, die Gefahr besteht nicht wirklich, denn lustigerweise fällt mir das erst jetzt auf.
    Aber mehr sage ich jetzt mal lieber nicht dazu :popcorn:

    Hallo ihr Lieben!

    Ich bin auch mit dem ersten Abschnitt durch. Vorab möchte ich euch warnen: Dies ist das erste Fantasy-Buch, das ich lese, und ich weiß noch nicht, ob das mein Ding ist. Also bitte nehmt mir Ahnungslosigkeit und „dumme“ Fragen nicht übel! :)

    Ich glaube, dass du "Fantasy-Anfängerin" bist, ist für dieses Buch gar nicht so schlecht. Es ist eigentlich ziemlich untypisch für Fantasy, und mir war es beim Schreiben immer sehr wichtig, den Leser in der Realität abzuholen. Bei vielen Fantasybüchern wird der "Glaube" an übernatürliche Dinge von den Figuren sehr schnell angenommen, so dass es dann unmittelbar weitergehen kann mit dem spannenden Fantasyabenteuer. Mein Buch hat da einen anderen, eigentlich deutlich realistischeren Ansatz. Ich glaube, das kommt Lesern entgegen, die bis jetzt nur wenig oder gar keine Fantasy kennen - oder auch solchen Lesern, die es leid sind, immer das gleiche Fantasystrickmuster zu lesen. Mein Buch bricht da an einigen Stellen deutlich aus :D
    Aber ich will gar nicht zu viel vorwegnehmen. Lest erstmal gemütlich weiter ;-)

    Ich möchte mich auch noch einmal herzlich bei euch allen bedanken für die tolle Leserunde. Es ist aus Autorensicht auch immer ein besonderes Erlebnis, so direkt mitzuerleben wie ein Buch bei den Lesern ankommt :-)


    Falls ihr Lust auf noch eine Leserunde mit mir (und einem meiner Bücher) habt, startet wie gesagt jetzt bald die Leserunde zu "Verloren - Die Kinder der Hexen", das ich unter meinem Pseudonym Daniela Winterfeld veröffentlicht habe. Wer sich auf ein Freiexemplar bewerben möchte, hat jetzt noch bis zum 15.6. Zeit dazu ;-)


    06/2018 Daniela Winterfeld - Verloren. Die Kinder der Hexen


    Ein paar von euch sind ja schon dabei - aber vielleicht hat ja noch jemand Zeit und Lust. Ich würde mich freuen.

    Da soll tatsächlich ein Paket vom Verlag zu mir unterwegs sein - ich hoffe mal, dein Buch ist dabei. (So genau weiß ich nicht, was alles dabei ist :D )

    Aber inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher, ob meine Einschätzung stimmt. Zumindest die großen Buchhandelsketten scheint die Präsentation des Buches nicht überzeugt zu haben - es liegt in kaum einem Thalia und bei Hugendubel ebenfalls nicht. Was mit kleineren Buchhandlungen ist, weiß ich natürlich nicht. Aber ich habe grade ein bisschen Sorge darum, dass das Buch den Buchhandel kaum erreicht hat. :-/

    Oh je, das wäre schade, wenn es keine Leser findet. Wie war das denn bei Winterhonig? Das hatte doch durchaus seine Leser, oder?

    Winterhonig hatte einen Zeitungsabdruck im Westfalenblatt, einer der größten Tageszeitungen in Westfalen, der von Juni 2016 bis März 2017 lief. In dieser Zeit hat es sich ziemlich gut verkauft, aber vermutlich überwiegend regional, denn schon einen Tag nach der letzten Abdruckfolge sind die Verkäufe sichtbar eingebrochen.

    Ja, ich sitze schon auf glühenden Kohlen. Ich hatte beim Verlag ein signiertes Exemplar bestellt und nach Nachdrucken und zu dir schicken warte ich jetzt drauf, dass es mich erreicht. Die Post ist hier wirklich Wahnsinn gerade. Entschuldigung fürs OT.

    Wir sehen uns für dieses Buch 'drüben'! :)

    Wann hast du denn bestellt? Ich hab heute erfahren, dass von der ersten Auflage nur noch ein paar Restexemplare bei irgendwelchen Händlern rumfliegen. Insofern kann ich mir gut vorstellen, dass es zu Verzögerungen kommt, bis die 2. Auflage gedruckt ist (ich habe gerade erst die Satzdatei für die zweite Auflage zum Verleger geschickt) :-) Aber vielleicht hast du ja Glück und er hat noch eins von der ersten Auflage ;-)

    Magst du vielleicht ein bißchen was zu der Recherche erzählen, die du für dieses Buch betrieben hast? Wo hast du angefangen? Was war deine Grundidee?

    Ich würde vorschlagen, dass wir das Thema in den nächsten Abschnitt zum Nachwort verschieben. Habt ihr das Nachwort schon gelesen? Darin habe ich auch nochmal was zu den Hintergründen geschrieben.

    Auch Verlage scheuen sich mitunter davor, über die Schmerzgrenzen zu gehen. Vermutlich ist das auch der Grund, warum dieses Buch diesen unübersehbaren "Kitschmantel" trägt, der leider verschleiert, was wirklich darin steckt. Ich finde das ja immer ein bisschen schade. Ich fände es schon schön, wenn man meinen Büchern die Ernsthaftigkeit mehr ansehen würde.

    Hat man da als Autor eigentlich Mitspracherecht? Siehst du das Cover, bevor das Buch veröffentlicht wird?

    Jein. Das hängt ein bisschen vom Verlag und der Lektorin ab. In der Regel darf ich Vorschläge machen, was ich mir gut für das Cover vorstellen könnte. Aber das Briefing der Grafiker und die anschließenden Entscheidungen zwischen den Entwürfen finden im Verlag statt. Ich bekomme dann in der Regel nur noch das fertige Cover gezeigt - und müsste mich schon sehr auf die Hinterbeine stellen, wenn mir das nicht so richtig gefällt - und meistens gibt es dann auch auf großes Drängen nur geringfügige Änderungen.
    Bei diesem hier war ich ein bisschen unschlüssig. Es ist natürlich viel zu harmlos und lieblich für das Buch. Andererseits entspricht es der Zielgruppe des Verlages - weshalb ich mir dachte, dass der Verlag das vermutlich so besser verkauft bekommt, als mit einem Cover, das mehr der Düsternis des Buches entspricht.
    Aber inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher, ob meine Einschätzung stimmt. Zumindest die großen Buchhandelsketten scheint die Präsentation des Buches nicht überzeugt zu haben - es liegt in kaum einem Thalia und bei Hugendubel ebenfalls nicht. Was mit kleineren Buchhandlungen ist, weiß ich natürlich nicht. Aber ich habe grade ein bisschen Sorge darum, dass das Buch den Buchhandel kaum erreicht hat. :-/

    Ich bin übrigens immer noch begeistert, wie sehr ihr meinen Figuren und ihrer inneren Psychologie durch das Buch gefolgt seid. Bei euch ist tatsächlich alles so angekommen, wie ich es gemeint habe. Das macht mich ziemlich stolz, um ehrlich zu sein :-)
    Übrigens war es ursprünglich nicht mein Plan, Moritz am Ende zu töten. Eigentlich sollte er verschwinden und dann wiederkommen und dann finden sie die Kinder und raufen sich zusammen. Aber dann kam ich beim Schreiben an den Punkt, über den ihr auch (im vorigen? oder im vorletzten? Leseabschnitt) gestolpert seid. Die Beziehung zwischen Hannah und Moritz wurde immer destruktiver, weil er von seiner inneren Schuld so furchtbar zerrissen wurde - an dem Punkt wurde mir klar, dass es mit Hannahs Mitteln unmöglich ist, seine Psyche zu heilen, und dass die beiden zusammen nur unweigerlich in den Abgrund steuern würden.
    Auf der anderen Seite war da Holger, eine Figur, für die ich eigentlich nur eine Nebenrolle geplant hatte, der sich dann aber so sympathisch entwickelt hat, dass ich immer wieder dachte, er wäre viel besser für Hannah als Moritz. Außerdem stimmte auch die Anziehung zwischen den beiden - und hatte einen zunehmend positiven Effekt auf Hannah. Irgendwer von euch schrieb, Holger würde Ruhe, Hoffnung und Licht ausstrahlen, während Moritz diese Dunkelheit und einen unüberwindbaren Abgrund verkörpert - genau so habe ich es auch empfunden.
    Und dann kam der Tag, an dem ich in meinem Zimmer saß und laute Musik anhatte (immer wieder das gleiche Lied in Dauerschleife), und an dem ich plötzlich wusste, dass ich Moritz töten muss, um in der Psychologie der Figuren zu bleiben.
    Das war der Tag, an dem ich das geschrieben habe, was euch wütend auf Moritz gemacht hat. Diese Hin-und-Her mit Hannah und ihm, in dem er ihr immer wieder weh tut. In diesem Moment war ich auch wütend auf ihn und dachte mir: SO nicht, Junge. Du machst sie noch ganz kaputt, das kann ich nicht zulassen.
    Außerdem war da noch die Moralfrage: Darf jemand, der SOLCHE Schuld auf sich geladen hat, über diese Schuld hinwegkommen? Darf er damit jemals wieder richtig glücklich werden? Ist das eine Moral, die ich als Autorin vertreten kann?
    Auch, wenn ich seine Sichtweise von allen Seiten beleuchtet habe, um sie nachvollziehbar zu machen, war mir dieser eine Schritt doch ein wenig zuviel des Verzeihens.
    Mal ganz zu schweigen davon, dass das ursprünglich geplante Ende ein sehr kitschiges und unrealistisches Ende gewesen wäre, das dem Thema in keiner Weise gerecht wird. DAS hätte ich nicht gewollt.


    Das waren also die Punkte, die mich innerhalb eines Tages dazu gebracht haben, konsequent zu sein, und Moritz in die Oder zu jagen (Auch wenn ich dabei Tränen in den Augen hatte) :-P


    Als ich das Buch fertig hatte und abgegeben habe, hab ich dann noch ein bisschen gezittert, weil ich in dieser einen, ja doch recht entscheidenden Sache mit dem geplanten Happy-End so sehr vom Exposé abgewichen bin.
    Und dann kam das Feedback meiner Lektorin und ich musste sehr lachen, als sie mir am Telefon diesen Satz sagte: "Und dann kam der Moment, in dem ich mir dachte - wie macht sie das jetzt? Eigentlich muss sie Moritz jetzt töten."
    Sie meinte damit genau den Moment, in dem ich meine Entscheidung getroffen habe. Den Moment, in dem ihr diese Erkenntnis auch hattet.
    Ich bin also nachhaltig froh, dass ich an dieser Stelle alle gültigen Regeln der U-Literatur gebrochen habe. Die Psychologie der Figuren ist doch am Ende das Wichtigste. :D


    Ich hab dann nur noch nachträglich ein paar zusätzliche Szenen für Holger und Hannah geschrieben, um seine Rolle für Hannah schon etwas früher zu verstärken :-)


    Ich bin jetzt also sehr froh, dass ihr auch diesen Winkelzug meinerseits mitgegangen seid: Die Wut auf Moritz und die Erkenntnis, dass Holger eigentlich viel besser für Hannah und ihre Zukunft ist.

    Hochinteressant und ein sehr wichtiges Thema. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass das auch wieder eine enorme Recherchearbeit ist, zumindest so vielschichtig, wie du deine Charaktere anlegst. Im Grunde kann man sich da ja nur auf Zeitzeugenberichte verlassen. Ich weiß nicht, wie leicht die zu finden sind. Aber ich freue mich jetzt schon drauf. Viele Stimmen und Nischen im Kriegsgeschehen sind noch weitgehend unerforscht- da bist du ja auch mit den Pferden in beiden Büchern drauf eingegangen, das hat bisher noch nicht jemanden interessiert (was ich wirklich schaurig finde). Ich denke dass da noch einiges schlummert, dem sich noch nie jemand angenommen hat. Und auch das Tabu der Nachkriegsfrauen die von der roten Armee überrannt wurden. Oder die Trümmerfrauen.

    Das sind alles Geschichten, die nur sehr wenig Beachtung fanden bisher. Ich weiß nicht warum, ich finde sie wichtig.

    Ich könnte mir vorstellen, dass die geringe Beachtung dieser Themen an der Scheu liegt, sich an die wirklich schwierigen und zweischneidigen Stoffe heranzuwagen. Da haben bis jetzt viele Tabus gewirkt, die es Betroffenen unmöglich gemacht haben, darüber zu schreiben - und die gesellschaftlich einfach nicht gehört werden wollten.
    Viele dieser Barrieren brechen erst jetzt auf.
    Aber stimmt, es ist wichtig, davon zu erzählen, was für mich auch der Grund ist, warum ich über solche Stoffe weiterhin schreiben möchte.
    Auch Verlage scheuen sich mitunter davor, über die Schmerzgrenzen zu gehen. Vermutlich ist das auch der Grund, warum dieses Buch diesen unübersehbaren "Kitschmantel" trägt, der leider verschleiert, was wirklich darin steckt. Ich finde das ja immer ein bisschen schade. Ich fände es schon schön, wenn man meinen Büchern die Ernsthaftigkeit mehr ansehen würde.
    Aber das hängt wohl auch davon ab, welches Segment ein Verlag für gewöhnlich bedient. Und Knaurs Schwerpunkt liegt eben in der Unterhaltung.

    Das stimmt, die Wolfskinder sind nicht ohne in der Recherche. Zum Glück beschäftige ich mich schon seit einigen Jahren damit (Ich bin schon bei Winterhonig darauf gestoßen), sodass ich ein bisschen Vorlauf habe. Aber es gibt schon einen Teil der Recherche, der nicht leicht umzusetzen ist: Die meisten Zeitzeugen sind in Litauen verblieben und die wenigen, die es jetzt noch geben könnte, sind damals so jung gewesen, dass sie die Deutsche Sprache verlernt haben. Ich muss mich da also im Wesentlichen auf das stützen, was ich an Zeitzeugenberichten finde.
    Aber so grundsätzlich würde ich für dieses Buch gerne ins ehemalige Ostpreußen und nach Litauen reisen und dort auch mit Leuten sprechen, am liebsten mit Nachfahren der ehemaligen Wolfskinder. Das wäre also ein großer Aufwand, von dem ich noch nicht weiß, wie ich ihn realisieren kann. Zumal ich da auch ohne Übersetzer nicht weit kommen dürfte.