Beiträge von Ulrike Günkel-Kohl

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    Mir war z.B. bisher auch nicht bekannt, was damals zur Brandvorsorge getan wurde, dass man bei bestimmten Berufen nur eine begrenzte Anzahl an brennbaren Materialien innerhalb der Stadt lagern durfte usw.


    Ja, auch mir war das komplett unbekannt - und es setzte mich in eine Art bewunderndes Erstaunen!



    Sophia und die Männer, da tut sich in diesem Abschnitt ja einiges. Balthasar Blechschmidt scheint Sophia zu schätzen, aber auch Niklas Dorndorf und auch bei Magister Fuchs bin ich mir nicht sicher. Als Fuchs Sophia das Büchlein schenkt, hat er bei mir reichlich Sympathiepunkte gesammelt, ich bin froh, dass es rund um Sophia nicht nur Männer mit alten Ansichten gibt. Was Niklas angeht, für ihn scheint Sophia allmählich Gefühle zu entwickeln.


    Ach, da tippe ich mal ganz hoffnungsvoll auf Niklas, zumal es zwischen beiden gehörig funkt! Aber um ihn heiraten zu dürfen wird sie wohl einige Widerstände überwinden müssen - die bessere Partie wäre für den Vater auf jeden Fall der Widerling Schumann! Und wer weiß, ob der Simon nicht irgendwie in die Hand kriegt ( Klosterschatz! )...



    Wen ich auch sehr schätzen gelernt habe in diesem Abschnitt, ist Marten. Er ist für Sophia eine Art Fels in der Brandung, zu dem sie auch unbedingtes Vertrauen hat. Ich würde mir wünschen, dass es sich irgendwann zwischen ihm und Maria doch noch wieder einrenken wird. Wir wissen nicht, um was es geht, aber evtl. hat es mit Marias Schwangerschaft seinerzeit zu tun, da er sicherlich nicht die Wahrheit darüber kennt, wie es damals dazu kam.


    Das sehe ich ganz ähnlich. Aber für die beiden habe ich Hoffnung, wenn man sich da zum Beispiel an Martens liebevolle Zuwendung dem kleinen Jonas gegenüber erinnert, dem er offensichtlich sehr zugetan ist. Es wird Maria sein, die den ersten Schritt machen muss...

    Während Wolf Schumann ( im Folgenden im Buch nur noch "Schumann" genannt, wie mir auffällt! ) auch durch die eine oder andere glückliche Fügung seine Stellung in Pirna weiter zu seinem Vorteil ausbaut, wobei er, wie ich befürchte, schließlich vor nichts mehr zurückschrecken wird, während er mir gleichzeitig immer widerwärtiger wird, geschehen in und um Pirna Dinge, die noch lange Schatten werfen werden!


    Der Unfall auf der Baustelle in der Kirche! War es ein Unfall? Lag es an den Seilen, wie das Heißblut Balthasar Blechschmidt, untröstlich über den Tod seines Lehrmeisters Kampen, steif und fest behauptet? Oder steckt doch mehr dahinter? Schließlich wollte der Maurer just in dem Moment, in dem das Gerüst zusammenbrach, das Wort an den Steinmetz richten - um ihm was zu sagen?


    Sophia wird vor dem geplanten Treffen mit Maria um ein Haar von diesen beiden abscheulichen Ex-Landsknechten vergewaltigt! Und wäre ihre beherzte, mich mit ihrer gesamten Art ganz für sich einnehmende Freundin Maria nicht gewesen, wäre es ihnen auch gelungen! Dass der Mord an dem mutmaßlichen Vater von Marias Sohn, selbst Ergebnis einer Vergewaltigung, irgendwann ans Tageslicht kommen wird, ist klar. Bleibt zu hoffen, dass sich niemand wirklich darum schert.


    Wenn man sich überlegt, welche Folgen die Vergewaltigung oder auch nur der Übergriff an sich für Sophia gehabt hätte, kann schon die Wut in einem hochsteigen! Sophia wäre dann keine "gute Partie" für die angesehenen Familien der Stadt mehr gewesen! Welche seltsame ( Doppel- )Moral wohnte denn wohl der damaligen Gesellschaft inne? Was die Sache noch schlimmer macht, ist, dass diese Moralvorstellungen bis vor wenigen Jahren hier, in unserem Lande, auch noch durchaus üblich waren - und in manchen reaktionären Hirnen wahrscheinlich immer noch vorherrschen.
    Nun, Sophia jedenfalls hat ein neues Objekt für ihre Albträume und schwebt verständlicherweise in Angst und Sorge, dass der Totschlag rauskommen wird!


    Mittlerweile gehen des Seilers Geschäfte dank Blechschmidts Verleumdungen immer schlechter, er wird sogar von ihm zusammengeschlagen. Aber auch ermordet? Selbstmord schließe ich, wie schon bei dem Tischler Andres aus. Zumal der von dem gewissenlosen Emporkömmling Schumann auf ihn angesetzte Kunz ( ein Jammer, dass Maria dieses üble Subjekt nicht auch erwischt hat! ) bei ihm eine der fünf Kisten mit dem Klosterschatz suchen sollte. Wie schon Schumann selbst Andres kurz vor dessen Tod eine weitere Kiste abgenommen hatte.
    Ich halte meine Vermutung aus dem ersten Abschnitt aufrecht, dass noch eine weitere Person an dem Klosterschatz nebst Buch interessiert ist, sich an Schumanns Fersen geheftet hat und die Diebe einen nach dem anderen ins Jenseits befördert! Wir werden sehen, ob da was dran ist...


    Noch immer sind sich Sophia und Schumann nicht begegnet. Aber dies ist nur noch eine Frage der Zeit, nachdem ein Ratsherr die junge Weinhändlerstochter Schumann gegenüber ins Gespräch gebracht hat. In diesem Zusammenhang erfahren wir auch, dass es immer der Vater ist, der das letzte Wort bei der Partnerwahl und Verheiratung der Tochter hat. Ich hoffe nur, dass Weyner seine Tochter genug liebt, um die "lange Leine", an der er sie hält, nicht anzuziehen, wenn Schumann demnächst als Bewerber auftauchen wird! Das wird letzterer, wie von ihm angekündigt, schon selber tun - was ich ihm aufs Wort glaube, wenn ich sehe, wie er mit Katrina, genauso wie mit Barbara aus der Vorstadt umspringt!


    Und da ist noch immer das Buch, hinter dem Schumann her ist und das Sophia ( nehmen wir an, es handelt sich um ein und dasselbe Buch ) in das Kontor ihres Vaters zurückgebracht hat - um den Diebstahl quasi rückgängig zu machen und ihn offen darauf anzusprechen.
    In Weyners Weinhandlung stimmt irgendetwas nicht! Marten ( auch einer der Akteure, denen ich sehr gewogen bin ) ist besorgt. Hm! Darüber werden wir sicherlich auch noch mehr erfahren...


    Ja, mein erster Eindruck, hier ein gleichzeitig spannendes, wunderbar lesbares, abwechslungsreiches und informatives Buch vor mir zu haben, das sich zu meiner Freude nicht allzusehr in vor allem wohl Liebhaber des Genres ansprechenden geschichtlichen Details verliert, hat sich auch im zweiten Abschnitt bestätigt - und so freue ich mich aufs Weiterlesen!

    @ Nicole


    Ganz am Anfang dieser Leserunde habe ich ein Buch erwähnt, mit dem ich bis zum Schluss nicht warm geworden bin, bei dem ich aber das Gefühl hatte, es unbedingt noch einmal lesen zu müssen. Von Anfang an hatte ich dann einen anderen Zugang - und besagter Roman war dann ein Leseerlebnis der besonderen Art.
    Ein ähnliches Gefühl beschleicht mich bei Deinem Roman, was im Klartext heißt, dass ich ihn, bevor ich ihn endgültig beurteilen kann, noch einmal lesen werde - mit jenen offenen Sinnen, die es sicher braucht, um ihm gerecht zu werden und die mir während der Runde zeitweise verschlossen blieben. Vielleicht trug ich aber auch nur Scheuklappen... ;)


    Früher habe ich oft (als Kind und auch als Teenager) den Erzählungen meiner Eltern, Tanten und Onkels gelauscht, wenn es um längst vergangene Ereignisse in der Familie ging - das habe ich beibehalten bis zum Schluss (sie leben heute leider alle nicht mehr).
    Manchmal wünschte ich, mein Sohn würde auch oft Fragen stellen - denn es stimmt, was Emmy schrieb, dennoch irgendwie: Am besten kennt man seine Eltern in ihrer Rolle - als Vater oder Mutter... Da muss man sich dafür interessieren, wer sie "vorher" waren - und dieses Interesse nimmt im digitalen Zeitalter rapide ab, fürchte ich bzw. erlebe ich auch so.


    Das kann durchaus noch kommen! Viele Menschen kommen in ihrem Erwachsenenleben an einen Punkt, an dem es ihnen wichtig ist, ihre Wurzeln zu kennen. Oft ist dann aber niemand mehr da, der die alten Familiengeschichten noch kennt - also schreibt man ( Mutter, Vater, Großeltern...) sie doch am besten auf! Auch ein Vermächtnis...


    War für euch alle sofort klar, dass Claire Gwenaelle als Erwachsene ist? Ich meine, klar, es steht ja quasi in der Kurzbeschreibung, aber ich neige dazu, solche nicht zu lesen und habe daher ein Weilchen gebraucht, um da draufzukommen :-[


    Nachdem ich die ersten drei Seiten in keinen Zusammenhang bringen konnte, habe ich sie noch einmal gelesen, aber erst beim dritten Lesen dann ist der Groschen gefallen! ;D


    Herrlich fand ich Valeries Auftreten im Rathaus. :totlach: Sie macht den armen Herrn ganz schön fertig!


    Eine wunderbare Szene, fürwahr! Aber wie unterschiedlich doch die Wahrnehmungen sind! Du nennst Valeries Auftritt "fertigmachen", für mich war es eher ein Umschmeicheln, Umgarnen, Becircen, aber auf so charmante Art, dass der Beamte am Schluss wohl ganz glücklich zurückgeblieben ist.


    Sie steckt in einer tiefen, Trauer seit sie 15 Jahre alt ist und möchte durch dieses Karriere unbedingt den Wunsch des verstorbenen Vaters erfüllen. Sie erträgt dabei jedoch keinerlei Erinnerungen, weshalb sie alles und jeden meidet, was sie an den Papa erinnert - die Heimat, ihr Elternhaus, ihre Familie, ihre Schwester. ( ... )


    Dann ist es der Tante Valerie also trotz ihrer Bemühungen nicht gelungen, mit Gwenaelle erfolgreiche Trauerbewältigungsarbeit zu leisten...
    Ich hätte nie vermutet, dass sie diese Karriere nur für ihren Vater machen wollte - zumal sie sich mit ihrer neuen Identität ja auch eine neue Herkunft geschaffen hat! Um den Vater zu vergessen? Aber dann doch für ihn Karriere zu machen? ???


    Aber ich frage mich, was denn Claire alles erfunden hat beim Schreiben ihres Lebenslaufes. ( ... )


    So ziemlich ihr ganzes Leben, fürchte ich, angefangen bei den Diplomateneltern bis hin zu Qualifikationen, die sie nicht besitzt.
    Was für mich aber nur schwer zu verzeihen ist, ist das Verleugnen ihrer Herkunft. Das bedeutet unter anderem, dass sie sich der armen Eltern schämte. Kein guter Charakterzug ( obwohl ich Claire wirklich sympathisch finde! ).



    19 Jahre ohne Kontakt zur Schwester? Furchtbar! Wie konnte Claire das so machen? Sich um sich selbst und die Karriere zu kümmern ist ja gut und schön, aber ein wenig Zeit für die Schwester sollte schon bleiben!
    Das "Bald" beim Abschied am Bahnhof war anscheinend nur so dahingesagt - wie traurig!


    Ich möchte unbedingt glauben, dass Gwenaelle dieses "bald" auch so gemeint hat, dann aber so von ihrem neuen Leben in Beschlag genommen wurde, dass ihr Versprechen immer wieder hinausgeschoben wurde, bis ihr "bald" nicht mehr einlösbar war....


    Valérie? Sie ist für eine kluge, charmante Frau - ihre Lektionen für Gwenaelle sind großartig. Gekonnt nutzt sie die Schwärmerei für Marlene Dietrich aus um ihr die Wichtigkeit (und Schönheit) von Lernen und Bildung klarzumachen.


    Und angefangen hat sie mit ihrer Lektion, indem sie Gwenaelles Schulbücher in die Altpapierkiste gesteckt hat, so ganz beiläufig, ohne jeglichen Aufhebens. Sie versteht ihre Nichte ganz gut, was mich auf den Gedanken bringt, dass sie, die ja ebenfalls in der Bretagne aufgewachsen ist, womöglich genau die Fehler gemacht hat, als sie ihr Heimatdorf verließ, um ihr Glück in Paris zu machen, die nun Gwenaelle ihrerseits im Begriff ist zu tun...


    Daß Claire ihre Schwester 19 Jahre nicht gesehen hat, sie nie besucht hat, ist traurig. Hat Claire sich nur um sich selbst gekümmert und den Rest der Familie vergessen oder verdrängt? War ihr ihre Karriere wichtiger als die Familie?


    Ja, das könnte man mutmaßen! Doch im Zweifel für den Angeklagten, das heißt für den Roman, dass ich durchaus glaube, dass Gwenaelle ihre Familie wiedersehen, vielleicht sogar zu ihr zurückkehren wollte. Sie brauchte erstmal ein wenig Abstand, um den Tod ihres Vaters zu verarbeiten. Dann aber ist die Zeit ins Land gegangen - und eine Rückkehr wurde immer schwieriger.... Möglicherweise hat Gwenaelle/Claire einfach nur den rechten Zeitpunkt verpasst.

    Wie nicht anders zu erwarten bringt sich Claire durch ihre Schwindeleien, auf die sie immer noch eine drauf setzt, in die Zwickmühle ( in Klemmmühle sind mir zu viele "m"s...), oder, wie das Sprichwort so schön sagt - Lügen haben kurze Beine!
    Was sich zuerst als die Chance schlechthin darstellt, der Chefredakteurposten nämlich, ist im Grunde der Beginn eines Spießrutenlaufens, der wer weiß wo enden mag.
    Aber da die sich anbahnenden Verwicklungen sich so amüsant lesen, wird die Aufdeckung ihrer Geheimnisse, um es freundlich zu formulieren, nicht allzu ernste Konsequenzen nach sich ziehen! Auf jeden Fall wird Claire ihre verdiente Lektion lernen!


    Wenn ich im ersten Abschnitt gedacht habe, dass Paris für Gwenaelle die beste Lösung war, damals vor 19 Jahren, so bin ich mir dessen inzwischen nicht mehr so sicher! Denn sie kehrte ja gar nicht mehr nach Hause zurück in all der Zeit. Dass sie damit ihr Versprechen der kleinen Schwester Maelys gegenüber brach und das Mädchen bitter enttäuschte, kann ich nicht wohlwollend sehen. Natürlich hat sie nun eine Bringschuld. Die hatte sie immer.
    Maelys behandelt sie bei ihrer Wiederbegegnung abweisend - na, das hat Claire/Gwenaelle auch verdient! Auch wenn die Schwester angeblich nicht nachtragend ist - Claire sollte schon ein wenig schmoren müssen... Und - warum überhaupt sollte die Schwester Claire mit offenen Armen empfangen!? Die unbekannte Schwester! Und warum überhaupt sollte sie ihr ihr langes Fernbleiben je verzeihen? Was würde ich an ihrer Stelle tun? Mich wahrscheinlich nicht in ein hier im Buch zu erwartendes Happy End biegen lassen...


    Die Mutter hat ihr keine Wahl gelassen, Claire muss sich nun der Vergangenheit und gleichzeitig der realen Gegenwart stellen - endlich! So schwer es auch ist, so ungern sie es auch tut.
    Mutter und Schwester sind nunmal ihre Familie, aus der sie sich so lange herausgehalten hat. Auch mutmaße ich, dass Claires Mutter entschlossen die Chance ergriffen hat, die ihr der Unfall geboten hat - Familienzusammenführung! Schauen wir, was alle drei Beteiligten daraus machen...


    Aber noch einmal zurück nach Paris, 19 Jahre zuvor! Fragen aus dem ersten Abschnitt werden hier beantwortet. Wie ich schon angenommen hatte, muss die wirklich wundervolle, patente Tante Valerie für ihren Lebensunterhalt arbeiten! Die Geschichte mit dem Ex-Mann, der sie aushält, ist eine Mär - wie nicht anders zu erwarten. Valerie ist nicht etwa Barfrau, noch arbeitet sie für einen Escort-Service, nein, sie putzt, unter anderem, denn wahrscheinlich hat sie mehrere Putzstellen, in einer Gemäldegalerie, die Gwenaelle vielleicht den ersten Anstoß für ihr zukünftiges Berufsfeld gegeben hat.
    Mir gefällt vieles an Valerie, allem voran ihre Lebenseinstellung, das für sie Wichtige in den Vordergrund zu stellen und es ganz bewusst zu genießen, so wie sie jeden Tag ihres Lebens im buchstäblichen Sinne lebt und auskostet. Eine größere Wohnung ist nicht wichtig für sie, ihre Kaffees draußen in der Stadt, in die sie so perfekt passt, umso mehr. Sie besitzt die von mir bereits im ersten Abschnitt angesprochene Leichtigkeit des Seins, lässt sich durch nichts erschüttern - was gar nicht so leicht ist mit dem Teenager Gwenaelle, für den sie plötzlich verantwortlich ist.
    Doch hat sie auch für sie das richtige Händchen, schafft es mühelos, dass Gwenaelle sehr bald schon beschließt, weiter zur Schule zu gehen.
    Was dann allerdings dafür verantwortlich war, dass Claire in Berlin nur als Gasthörerin Kunstgeschichte studiert hat, ist im Moment noch unklar. Sollte sie keinen für ein Studium qualifizierenden Schulabschluss haben, so ist das gewiss nicht die Schuld der Tante sondern wohl auf noch unbekannte Umstände zurückzuführen, die sie dann etwa neun Jahre später oder vielleicht schon viel früher nach Berlin verschlagen haben.


    Wie Gwenaelle zu Claire wurde, wissen wir nun auch: es war keine bewusste Entscheidung, sondern einfach die Unachtsamkeit des verschnupften Beamten, mit dem Tante Valerie auf ihre so eigene, bezaubernde Weise und dank ihrer Aufmerksamkeit, der nur wenig zu entgehen scheint, umgegangen ist. Eine wunderbare Szene war das!
    Aber an solchen Szenen ist der charmante Roman - bei dieser ersten Einschätzung bleibe ich! - ja nicht arm!

    Alles, was Du in Deinem Kommentar geschrieben hast, Dani, hätte auch von mir sein können - da habe ich dann doch einigermaßen gestaunt! Ich fürchte, ich gehe auch zu analytisch vor, was bei diesem Roman einfach nicht funktioniert. Man muss ihn wohl wirklich auf die Sinne wirken lassen.
    Doch kann man nicht aus seiner Haut heraus...



    Das Buch hat mir also grundsätzlich gut gefallen, allerdings habe ich auch ein paar Kritikpunkte: die Schnitzeljagd war für mich als totale Kunstbanausin :-[ zu kulturhistorisch - mich haben die beiden sehr schnell abgehängt und ich bin ihnen dann nur noch passiv hinterhergereist.


    Gerade mit diesem von Dir angesprochenen Part habe auch ich mich recht schwer getan - und bis zum Ende nicht wirklich verstanden, wie es Gemma und Sisley möglich war, nicht nur die kryptischen Hinweise zu verstehen, irgendwie zumindest, und dann auf die Schussfolgerungen zu kommen, die sie letztendlich daraus gezogen haben.
    Ja, passives Hinterherhinken, das umschreibt auch mein Lesegefühl ganz gut. Das ist doch ganz schön frustrierend....


    Wie seltsam, dass ich das so ganz anders empfunden habe. Interessant, wie unterschiedlich derselbe Text wirken kann. Auf mich wirkte Claire gar nicht wie eine Grande Dame. ( ... ) Eine Grande Dame fühlt sich für mich anders an, eher wie Valérie, die durch ihr Auftreten und ihre Unnahbarkeit sehr Grande-Dame-mäßig auf mich wirkte.


    Diese Einschätzung teile ich. Claire würde ich, wie ysa auch, als "charmant" bezeichnen, wobei es mir ebenso kein natürlicher sondern ein angelernter Charme zu sein scheint. Eine gute Lehrmeisterin hatte sie ja!
    Ich bin neugierig, ob wir Gwenaelle, die erwachsene, die Claire so bemüht ist zu verstecken, hier noch kennenlernen!



    Mein erster Gedanke, als sie verschwand, war, dass sie sich als jemandes Geliebte oder als Escort aushalten lässt und/oder in einer Bar o. ä. arbeitet. Und ich hatte dabei nie das Gefühl, dass sie auf großem Fuß lebt, sondern sehr geschickt darin ist, aus wenig viel zu machen ( ... )


    Die Idee mit dem Escort-Service habe ich auch! Na und - warum auch nicht!? Aber das werden wir dann schon noch erfahren...


    Hach, da hat jemand herausgelesen, was Sache ist. <3 Nein, Valerie lebt alles andere als gut, aber sie hat für sich einen Weg gefunden, in dieser Stadt aus dem Minimalen das Maximale herauszuholen. Ihre Kleidung ist vom Trödel, ihr Schmuck unecht. Sie sammelt Parfumproben, weil sie sich kein Parfum leisten kann. Und sie ist wunderbar wie ihr Schwarz.


    Na also! Ginge es ihr wirklich gut, finanziell meine ich, denn ansonsten geht es ihr offensichtlich prächtig, hätte sie mit ihrer Nichte nicht die vielen kleinen Parfümfläschchen - derselben Marke! - organisiert, sondern ihr einfach einen Originalflacon gekauft! ;)


    Das sehe ich leider ganz anders. Gemma arbeitet in dem Museum, muss sich nicht mit den Kollegen verbrüdern. Was ihre Persönlichkeit angeht, ist das ihre ganz eigene Sache und hat nicht von anderen bewertet zu werden, solange sie sich korrekt verhält. Distanz und Unnahbarkeit sind keine Rechtfertigung, ich selbst wahre diese ebenso und mir ist das egal, ob das auf andere verletzend wirkt. Wenn man ständig die Befindlichkeiten der Kollegen im Blick haben muss, kommt man ja kaum zum Arbeiten, und nur dazu ist sie eigentlich im Museum. Man kann doch kollegial zusammenarbeiten, ohne sich gleich "verbrüdern" zu müssen. Es ist leider oftmals der Fall (kenne ich aus eigenem Umfeld viel zu oft), dass private Dinge gegen einen verwendet werden, sobald der "Haussegen" schief hängt, sei es, dass es um eine Beförderung geht oder um Fehler, die eingestanden werden sollen.


    Wieso "leider"? Es ist doch völlig in Ordnung, dass wir beide da andere Ansichten haben! Das genau ist doch das Spannende an den Leserunden. Dinge von einer anderen Warte zu sehen, offen zu bleiben für die Meinungen und Sichtweisen von anderen - lehrreich finde ich das ( unter anderem )!


    Ich habe mir nur ein bisschen Sorgen gemacht wegen der Zeit - aber die beiden sind ja scheinbar unersetzbar und deshalb können sie ihre Urlaube problemlos verlängern.
    Geld haben die beiden sicher genügend. Von all den Urlauben, die sie bis jetzt nie gemacht haben, weil sie immer zuhause saßen. ;D


    Und von dem, was sie ererbt haben von ihren Ahnen! Schließlich sollte man nicht vergessen, dass beide der Oberschicht entstammen, für die Geld weder eine Rolle spielt noch etwas ist, über das sich das Nachdenken lohnt!

    Ich glaube auch nicht an einen Selbstmord - aber der einzige, dem ich bis jetzt einen Mord zutrauen würde, ist Wolf. Und der war doch beim Anblick der Leiche überrascht, oder hab ich das falsch in Erinnerung?
    Wer mordet also - bis jetzt - im Sinne und zum Vorteil von Wolf? >:(


    Meine Erklärung ist im Moment, dass es da irgendwo im Verborgenen noch jemanden gibt, der Kenntnis davon hat, dass der Mönch Johannes die fünf Kisten mit ihrem wertvollen Inhalt vergraben hat und der es sich zur Aufgabe gemacht hat, zuerst Johannes als den Dieb zu bestrafen ( dann wäre Wolf vielleicht gar nicht der Mörder seines Vaters!? ) und dann der Reihe nach all diejenigen, die im Besitz jeweils einer dieser Kisten sind. Durch Wolfs nächtliche Grabungen hat er womöglich die Aufmerksamkeit jenes Unbekannten erregt, der ihm nun auf Schritt und Tritt ungesehen folgt. Also führt Wolf den Mörder zu seinem Opfer/seinen Opfern ( ? )

    Schlau werde ich auch nicht aus ihr. Was war das für ein Exmann, der ihr so ein Leben finanziert. Wer die Wohnungspreise in Paris kennt, weiß, dass auch eine kleine Wohnung schon ein kleines Vermögen kostet! :( Auf alle Fälle hat sie eine sympathische und charmante "Fassade" - und es macht mich neugierig, was konkret dahinter steckt!


    Habt Ihr den Eindruck, Valerie lebe richtig gut? Auf mich wirkt sie eher, als könne sie sehr gut mit ihren womöglich knappen finanziellen Mitteln umgehen. Das sind so Kleinigkeiten, die mir dieses Gefühl geben, zum Beispiel trägt sie Modeschmuck. Da sie Stil hat und anscheinend auch gut aussieht, kann sie mit ihrer klassischen, bevorzugt schwarzen, Kleidung und ihrer natürlichen Eleganz einiges vortäuschen ( wie es Claire später ja auch tut! ). Wir werden schon noch hinter die Kulissen schauen dürfen.... ;)


    Gwenaelle ist mit ihrer Mutter und ihrer stummen Schwester Maelys zu ihrer Tante Valerie nach Paris gefahren, nachdem ihr Vater gestorben ist. Ihrer Mutter setzt der Tod sehr zu. Scheinbar hat die Stummheit der Schwester auch etwas mit dem Tod zu tun.


    Das glaube ich schon, denn zuerstmal ist die kleine Schwester ja taub - die Stummheit kam später.



    Claire wird bestimmt auch über ihre Geheimnisse stolpern. Ich glaube, es ist schwierig, Geheimnisse über längere Zeit zu verbergen.


    Da bin ich ganz Deiner Meinung! Vor allem, wenn diese Geheimnisse auf Lügen, oder feiner ausgedrückt, auf Schummeleien basieren...

    Hallo an alle Mitdiskutierenden und an die Autorin!


    Ein so charmantes Buch kommt mir im Moment wie gerufen! Es ist leicht zu lesen, ohne leichtgewichtig zu sein, denn obwohl Claire so typisch französisch ( wenigstens stellt man sich oder stelle ich mir die Französinnen so vor! ) und die Menschen bezaubernd durchs Leben tänzelt, ist sie immer noch auch Gwenaelle, das traurige Mädchen, dessen "erstes Leben" ganze fünfzehn Jahre gedauert hat und mit dem Tod des Vaters endete.


    Und Claire läuft vor Gwenaelle und der Vergangenheit davon, hat sich ein neues Leben mit einer neuen Identität gebastelt, das sie schon länger als zehn Jahre, denn so lange kennt man sie als Claire in ihrem Verlag, durchhält.
    Doch in den allermeisten Fällen kann man dies nicht ein Leben lang tun, irgendetwas, meist nur eine winzige Kleinigkeit, kann den ganzen Schwindel auffliegen lassen.
    Und Claires Charade steht überhaupt nicht auf stabilen Beinen! Falsche Zeugnisse, falsche Qualifikationen ( oder ist sie, bis auf den geänderten Namen, doch diejenige, als die sie sich ausgibt? ) hat sie sich geschaffen, - sowas kommt über kurz oder lang ans Tageslicht, schon gar in den Zeiten des Internets, durch das wir alle noch gläserner geworden sind. Man denke da nur mal an die Plagiats-Doktorarbeiten, die irgendwelche neunmalklugen, selbsternannten Hüter der Wahrheit mit schöner Regelmäßigkeit aufdecken.


    Aber ihre Gefühle verraten Claire auch! Als sie ihrem Chef Sebastian die Bretagne mit beredten Worten unbedingt ausreden möchte, hat sie viel zu viel von sich preisgegeben, das doch auf jeden Fall geheimgehalten werden muss. Und Sebastian ist klug - und ein genauer Beobachter. Das kann ja noch heiter werden...


    Als schön und voller Flair empfand ich die Szenen in Paris mit der Tante Valerie, die genau so ist, wie man sich eine Pariserin vorstellt. Bei ihr verspürt man deutlich die Leichtigkeit des Seins, obwohl ich mir nicht wirklich vorstellen kann, dass ihr Leben so leicht ist, wie es auf den ersten Blick wirken mag, wenn man ihre souveräne und gleichzeitig beschwingte Art, sich in ihrer Stadt, in Paris, zu bewegen, beobachtet.
    Offensichtlich arbeitet sie nicht - oder doch? Abends verschwindet sie ja immer für eine gewisse Zeit, und im Moment wissen wir noch nicht, wohin sie geht. Dass sie keine finanziellen Sorgen hat, glaube ich nicht. Schließlich lebt sie in einer klitzekleinen Wohnung, was aber auch daran liegen kann, dass die Mieten in Paris sehr teuer sind!?
    Wie auch immer - ich habe das Gefühl, dass Gwenaelle gut bei ihr aufgehoben ist, solange sie unter dem Tod ihres Vaters noch so stark leidet. Besser wohl als in ihrem Heimatort, wenigstens im Moment, in dem wir Gwenaelle zum ersten Mal begegnen. Und wenn ich mir Claire auf der zweiten Zeitebene so anschaue, hat sie die Zeit bei der Tante gut genutzt und ist selbst ganz und gar zur Pariserin geworden.


    Der Abschied von Mutter und Schwester auf dem Bahnhof war wohl ein Abschied für sehr lange Zeit... Ob Gwenaelle vor der Verwandlung in Claire noch einmal nach Hause zurückgekehrt ist, frage ich mich jetzt - aber das werden wir im Laufe des Romans, der gerade erst begonnen hat, natürlich noch erfahren. Genauso, ob sie tatsächlich nicht mehr zur Schule gegangen ist, was keine so gute Idee gewesen wäre. Aber ich halte die Tante nicht für so leichtfertig, das zuzulassen....