Beiträge von Doscho

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    Bei uns auf der MARLIN darf jeder mit abstimmen - aber das Stimmgewicht ist jeweils unterschiedlich. Und da niemand von allem unheimlich viel versteht, haben manche beim einen Thema viel zu sagen, andere beim anderen. Dafür erwirbt man Kompetenzgerade in unterschiedlichen Disziplinen. Für jede Abstimmung wird individuell festgelegt, welcher Kompetenzbereich bei der Fragestellung besonders wichtig ist.
    Wenn wir zum Beispiel entscheiden, welchen Himmelskörper in einem Planetensystem wir für unsere Agrokulturen verwenden sollen, kann jeder mitreden - schließlich geht es um unsere Nahrungsvorräte. Aber die Xenofarmer haben ein höheres Gewicht, weil sie am besten abschätzen können, welche Himmelskörper die besten Bedingungen für das Saatgut in unseren Gendatenbanken bieten. Andererseits nützt eine hohe Kompetenz in Xenoagrarwissenschaft nichts, wenn es darum geht, ob wir lieber eine Ballsporthalle oder einen Tanzsaal in einem Rotationsmodul einrichten wollen.


    Das klingt ja sogar relativ vernünftig. Es kommt aber auch darauf an, wie man sich diese Kompetenzgrade erwirbt. Das erinnert mich schmerzlich daran, dass ich Aufnahme-/Eignungstests an Universitäten für wesentlich sinnvoller halte als NCs, aber das ist nochmal ein anderes Thema...
    Ein weiteres wichtiges Thema wäre dann die Gewichtung der Stimmen. Wenn ich das Beispiel über Xenoagrarwissenschaft herausgreife und da, sagen wir, eine leichte Kompetenz habe, also mich ein bisschen auskenne, kann ich dann eine starke "Opposition" bilden, wenn mir die Entscheidungen der Xenoagrarwissenschaftler nicht passen? Ich kann mich ja schlecht mit Leuten zusammentun, die eine noch niedrigere Kompetenz haben als ich, oder, noch besser, gar keine. Dann wird's ein Kampf gegen Windmühlen und ich kann mir meine Stimme und Kompetenz sparen, da die eh nichts zählt...



    Was die SQUID angeht ... sie sind seltsam, man erfährt wenig darüber, was dort drüben vor sich geht. Diejenigen Bewohner, mit denen wir Kontakt haben, behaupten, dass die "Gütige Mutter" ihre "Kinder" bestens umsorgt. Tatsächlich scheint die Schwerkraft ihn ihrem Innern dem Erdstandard zu entsprechen, und das Gasgemisch an Bord ist ohne Weiteres atembar. Trotzdem ... ich bin froh, dass ich nicht dort hin muss. Selbst, wenn stimmt, was sie sagen ... ich frage mich, was dieser Organismus davon hat, dass er die Menschen hätschelt. Welchen Preis zahlen sie dafür?
    Vielleicht sollte ich mich so etwas lieber nicht fragen ...


    Es scheint mir so, als könnte der Ich-Erzähler seine Skepsis nicht wirklich begründen :-P :-D


    Spaß beiseite, jetzt mag ich die SQUID auch nicht mehr so sehr. Es klingt irgendwie so, als würde die Symbiose zwischen Menschen und SQUID hinterfragt werden - falls es überhaupt eine Symbiose ist. Sonst fragt sich, wer hier der Parasit ist und wer der Wirt. Dennoch bleibt die SQUID aktuell für mich die beste Option, auch wenn mich dieses zaghafte Hinterfragen des Systems skeptisch gemacht hat...

    Das ist ja jetzt, wenn ich mich richtig informiert habe, der zweite Teil der Michaela Baltzer-Reihe (der Erste war "Das Böse in euch"). Brauche ich die Kenntnis des ersten Teils, um den zweiten Teil verstehen zu können oder kann man das Buch auch ohne Vorkenntnisse lesen?

    Hui, hier wird ja fleißig diskutiert - ich grätsche mal ganz frech dazwischen, hoffentlich stört sich niemand daran :-)



    Ich bin gerne Rationalist, aber wenn man nur nach Algorithmen geht, stelle ich mir eine Gesellschaft vor, die von einem emotionslosen Computer beherrscht wird.


    Ich überlege gerade, ob sich das nicht auch ein bisschen widerspricht, ich meine, Rationalisten sollten eigentlich nicht irgendwelchen Algorithmen folgen, sondern ihrem eigenen Verstand. Darum heißen sie ja so :-D Der freie Wille sollte also möglichst groß sein. Wenn du jetzt aber den Befehlen eines Algorithmus folgst, hast du das genaue Gegenteil, nämlich Determinismus, sprich Fremdbestimmung. Das wäre also für Rationalisten denkbar schlecht... womit wir wieder beim Thema "Schön, wenn's funktioniert und keiner es hinterfragt" wären, was ich ja auch schon über die KOI gesagt habe.


    Dass die SQUID als einziges Raumschiff Schwerkraft besitzt, habe ich sogar überlesen... Das kommt jetzt drauf an, welche Schwerkraft (es muss ja nicht zwangsläufig die irdische sein) und wie sich diese in Bezug auf die SQUID als Lebewesen auswirkt. Wenn das so eine schwabbelige Masse ist und man läuft wie auf Wackelpudding, ist das vielleicht doch nicht so toll :-D


    Wonach die Trennung in Trottel und Genies erfolgt, würde mich ja mal interessieren. Ob die Trottel dann einen fetten Stempel auf die Stirn bekommen? Oder einer mit einem Wisch rumläuft: "Seht, ich bin ein bescheinigtes Genie!" Ach, das verspricht auf jeden Fall lustig zu werden.


    Ich hab mal irgendwo einen sarkastischen Kommentar gelesen, in dem es sinngemäß heißt: "Wenn dir die Argumente ausgehen, bring einen Nazivergleich. Das funktioniert immer." Tja und jetzt sitze ich hier und hab' eine Judenstern-Assoziation...


    Ich versuche es mal, neutral auszudrücken: Wenn das System so funktioniert, dass die Systembefürworter die Genies sind und die Gegner werden als Trottel abgestempelt, ist das System ein denkbar schlechtes.



    Auf einem Großraumschiff bin ich jetzt davon ausgegangen, dass es so gut wie immer alle betreffen dürfte. Warum sollte die eigene Betroffenheit ein Faktor sein, der wichtig ist, wenn es doch vordergründig darum geht, eine möglichst kluge Entscheidung zu treffen?


    Einerseits ja, andererseits würde ich dann dieses Raumschiff ähnlich wie ein Unternehmen sehen. Und dann kommt es drauf an, wie flach die Hierachie ist. Es könnten ja auch Entscheidungen getroffen werden, die mehr oder minder unterschwellig dazu dienen, bestimmte Personen(gruppen) zu diskreditieren. Soll es ja in Unternehmen auch geben, Stichwort "Mobbing am Arbeitsplatz"...


    Die Diskussion über Betroffenheit würde ich dann danach gewichten, wie die MARLIN denkt. Wenn man als eine Einheit, ein Raumschiff denkt, sind immer alle Betroffenheit. Wenn man die MARLIN in mehrere Sektoren, Aufgabenbereiche oder dergleichen unterteilt, gibt es auch eine unterschiedliche Gewichtung in der Betroffenheit und mehr Möglichkeiten für meine oben beschriebenen "Hahnenkämpfe"...


    Wir freuen uns über jeden, der sich uns anschließt. Schließlich gibt es nur noch wenige Menschen. Eine Million, um genau zu sein. Jedenfalls in Freiheit.


    Klingt nach einer dystopischen Grundstimmung, was ich schon mal begrüße :-)


    Auf der KOI, wo jeder seinen Platz hat? Offenbar geht es ihnen dort drüben mit ihrem Kastensystem ganz gut. Es reduziert den Leistungsdruck, schätze ich, wenn man von Geburt an auf die Aufgabe vorbereitet wird, die man im Leben zu erfüllen hat.


    Kasten sind schon mal ein sehr schwieriges Thema. Vor allem dann, wenn man sie hinterfragt. Wenn man in eine niedrige Kaste hineingeboren wird, ist das Leben quasi schon gelaufen, bevor es richtig begonnen hat, denn aus diesem gesellschaftlichen Status herauszukommen, stelle ich mir schwierig bis unmöglich vor. Und selbst wenn man mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wird, wie's so schön heißt, mag das zwar auf dem ersten Blick schön sein, allerdings lastet dann von Geburt an eine große Verantwortung und Erwartungshaltung auf einem. Ob man diesem gesellschaftlichen Druck dann standhält, ist dann auch eine Frage. Das wäre also nichts für mich.


    Oder wollt Ihr auf die ESOX? Das ist etwas für Rationalisten. Dort ist man es gewohnt, dass Algorithmen die Entscheidungen treffen. Jedenfalls war das vor dem Bürgerkrieg so. Wie sie heute dort leben, weiß ich, ehrlich gesagt, auch nicht. Aber sie gehören zu uns ... irgendwie.


    Auch nicht so schön, ich hab's da lieber spontan, als von einem Algorithmus durchgeplant ;-) Außerdem möchte ich gerne für mich selbst denken und nicht fremdbestimmt werden.


    Genauso wie die auf der SQUID. Die sind zwar verrückt, aber wer wollte es ihnen verdenken? Leben schließlich im Innern von einem riesigen Organismus. Ein lebendes Raumschiff, das muss man sich mal vorstellen! Aber Schwerkraft haben die dort drüben, im Gegensatz zu allen anderen. Trotzdem, mir wäre das unheimlich. Ob es ihnen die Furcht nimmt, wenn sie ihr Raumschiff "Gütige Mutter" nennen und es anbeten?


    Das spricht mich schon eher an. Verrückt bin ich irgendwie auch :-D Und ich weiß nicht, die Vorstellung, in einem lebenden Raumschiff zu leben, stelle ich mir faszinierend vor. Ich muss hier auch spontan an Pantheismus denken, also die Leute, die glauben, dass Gott selbst das Universum und die Natur ist und daher alle Dinge beseelt sind. Warum also nicht ein beseeltes, lebendes Raumschiff?


    Mein Ding wäre es jedenfalls nicht. Ich bin zufrieden hier auf der MARLIN. Kommt doch zu uns! Wir stimmen über alles ab, und damit nicht 100 Trottel mehr zu sagen haben als 10 Genies, werden die Stimmen gewichtet. Je nachdem, worum es in der Abstimmung geht und wie gut man sich im jeweiligen Gebiet auskennt, hat man mal mehr, mal weniger zu sagen.


    An der Formulierung reibe ich mich so ein bisschen. Es klingt ja vordergründig demokratisch, aber da schwingt auch stark ein Hierarchiedenken mit. Wer definiert den "Trottel" und wer das "Genie"? So kann man ein eigentlich demokratisches System auch wunderbar aushebeln...


    Oder vielleicht doch eines der anderen 26 Großraumschiffe? Sie sind alle verschieden, und zusammen sind wir das, was uns ausmacht: Menschen.


    Da dürfte ja dann doch für jeden was dabei sein - ich hoffe nur, ich kann mir die 30 verschiedenen Raumschiffe dann auch alle merken :-D

    Das klingt doch nach spannender Science Fiction, da wäre ich gerne dabei. Bitte mit Bewerbung um ein Freiexemplar, falls das möglich ist. Den Autor kenne ich auch noch nicht, so kann ich unvoreingenommen an der Runde teilnehmen, das ist mir eh immer am Liebsten :-)