Beiträge von Bücherskorpion

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    Aber, liebe Heike, war er ein wenig der Pate für die Figur des Magister Fuchs? Gewissen Ähnlichkeiten sind ja wirklich vorhanden!
    :winken:


    Ja, genauso ist es. ;)


    Der Typ des Universalgelehrten, der auf ganz vielen Gebieten Kenntnisse und Fertigkeiten besitzt, hat mich schon immer fasziniert. Ich habe bei meinen Recherchen ein Buch über den Menschen in der Renaissance gelesen. Was über Gelehrte, Künstler und Frauen geschrieben wurde, hat mich bei den Figuren von Fuchs, Niklas und Sophia stark beeinflusst. Das Menschenbild unterschied sich doch schon deutlich von dem des Mittelalters und näherte sich unserem heutigen ein ganzes Stück mehr an.

    @ Karin und Ulrike


    Ihr habt nach dem Erbrecht der damaligen Zeit gefragt. Das lässt sich nicht so pauschal beantworten.


    Grundsätzlich erbten schon die Männer in einer Familie. Die Frauen bekamen aber auch einen Unterhalt, der vorher meist in einem Ehevertrag gereglt wurde.


    In der Regel durfte eine Frau damals das Geschäft ihres Mannes nicht weiterführen, aber es gab auch da Ausnahmen.


    Klassisches Beispiel für die Benachteiligung der Frau in diesem Punkt ist Luthers Frau Katharina: Obwohl Luther ihr in seinem Testament alles vermacht hat und ihr auch die Vormundschaft über die Kinder übertragen hat, musste sie einen endlos langen juristischen Kampf darum führen.


    Im Falle einer unverheirateten Tochter würde übrigens ein männlicher Verwandter als Vormund bestimmt. Erben würde sie nur, was ihre Mutter mit in die Ehe eingebracht hat.


    Heike, ich habe noch eine Frage. Wie hat sich das mit einem Hausgast verhalten? Kannte man sich, oder hat man an der Tür geklopft und den Hausherren gefragt ob man als Hausgast einziehen könnte. Wie kam es dazu ein Hausgast zu sein und mussten die so etwas wie einen Obolus zahlen?


    Der Begriff Hausgenosse umfasste damals alles, was außer Familie im Haus lebte - also auch Dienstboten - aber eben auch Untermieter. Es war damals in den Städten durchaus üblich, einzelne Kammern zu vermieten. Das lief wahrscheinlich ähnlich ab wie Vermietung heute: Man weiß, da ist was frei und bewirbt sich drum - wenn es passt, wird die Miete ausgehandelt.


    In den Kämmereirechnungen der damaligen Zeit sind auch Hausgenossen aufgelistet, die Steuern zahlten - also nicht mal ganz arm waren.


    Doch schau an, ein Gebiet, das hier eine wichtige Rolle spielt, ist mir sehr vertraut: Seile, Stricke und - Knoten! Durch gewisse Tätigkeiten in der Vergangenheit habe ich mir diese Kunst mal angeeignet, und so habe ich sofort aufgemerkt, als der Treidelknoten erwähnt wurde.... :)


    Cool! 8) Vielleicht kannst du mir da auch weiterhelfen: Ich habe über diesen Treidelknoten gelesen, aber bisher nirgends gefunden, wie man den genau knüpft. Ich nehme an, dass ist wahrscheinlich irgendein Seemannsknoten, der noch einen anderen Namen haben könnte? ??? ???

    Guten Abend,


    habe eben gesehen, dass bei meiner gestrigen Antwort die Hälfte fehlte... keine Ahnung, wie das passieren konnte. :-[


    Hier der Rest:
    Wochenlohn eines Schneiders Ende des 15. Jhd. in Meißen: 2 Groschen, eines Steimetzes 9 Groschen


    Die Löhne dürften bis Mitte des 16.Jhd. noch gestiegen sein, die Preise zumindest taten das.
    Solche Finanzvergleiche sind aber sehr schwierig, eben wegen steigender oder sinkender Preise, der Geldentwertung oder Neuprägung von Münzen und den vielen unterschiedlichen Münzen überhaupt. Die Unterschiede waren auch von Stadt zu Stadt beträchtlich.


    Zum Titel: Ihr werdet die Stelle, wo der Titel wörtlich vorkommt, sicher noch finden. Überdies spielen Stricke in allen möglichen Situationen im Buch eine große Rolle. Aber natürlich auch im metaphorischen Sinn.

    Hallo liebe Leser!


    Ich muss vorab sagen, dass ich das Niveau Eurer Diskussion und die Gründlichkeit mit der Ihr lest, recherchiert und nachdenkt wirklich beeindruckend finde!!! :lesen: :)


    Der Agrippa hieß tatsächlich Nettesheim, da hat Miriam schon den richtigen Mann erwischt!


    Zu der Frage, wieviel das Bürgerrecht kostete: 1 Schock (das waren 20 Groschen) - war man knapp bei Kasse, konnte man auch in Raten zahlen und manchmal auch mit Leistungen - hatte man einen Beruf, der in Pirna gerade gesucht wurde, kam man ebenfalls billiger oder gar kostenlos dazu.
    Die Söhne von Bürgern mussten übrigens nichts bezahlen, nur den Eid schwören.


    Was ein Haus kostete, finde ich gerade nicht in meinen Unterlagen. Aber vielleicht hileft das auch:


    1 Maulschelle kostete 7,5 Groschen
    Wochenverdienste:

    Ich hab mal eine Frage zu folgender Aussage vom Bader:



    Da bin ich darübergestolpert. Er bezieht sich ja offenbar auf die klassische Vier-Säfte-Lehre. Aber müsste nach dieser eine schwarze Galle nicht für einen Melancholiker, also jemanden mit tristem, nachdenklichem Gemüt, sprechen? Bei Cholerikern, also denen, denen man ein aufbrausendes, impulsives Gemüt nachsagt, ist meines Wissens die Galle gelblich verfärbt...


    Da hast du natürlich vollkommen recht. 8) Ich schätze mal, der Bader hat sich versprochen. Er war ja gerade ziemlich abgelenkt mit der Versorung der Verletzten. :unschuldig:

    Ich habe das Gefühl, dass es in Pirna sehr streng und geregelt zu ging. Viele Verordnungen die einzuhalten waren. Sehr fortschrittlich für die damalige Zeit, oder irre ich mich da?


    Die waren schon ganz gut sortiert damals in Pirna. ;D
    Was den Brandschutz angeht, würde ich sogar sagen - ja, fortschrittlicher als anderswo. Allerdings war das auch nicht so schwer, weil sie die Elbe vor der Tür und zusätzlich noch Quellwasser direkt in der Stadt hatten. Dadurch gab es eigentlich nie einen großen Stadtbrand - wie in vielen anderen Städten. Klar brannte es mal an einzelnen Stellen, einmal hat es sogar das Rathaus erwischt. Ich habe bei meinen Recherchen aber auch gelesen, dass andere Städte in der Zeit mehrfach abgebrannt sind und die Obersten brandschutztechnisch trotzdem nix daraus gelernt haben. :o


    Wenn einer die Maulschellen, die er verteilte, nicht zahlen konnte, kam er wahrscheinlich in den Gewahrsam. Allerdings hielt man damals grundsäzlich nicht viel von langen Gefängnisstrafen - dafür waren sie mit Leibstrafen großzügig. Aus damaliger Sicht kostete das weniger und brachte mehr - wegen der Abschreckung.

    Eine Frage hab ich aber noch - Stichwort Geschichtsunterricht: Wie war das mit der Taxe für Maulschellen? ???


    Taxe bedeutet Preis. In Pirna gab es damals tatsächlich ein festgesetztes Strafgeld für das Verteilen von Maulschellen. Das habe ich häufig in den Kämmereirechnungen, Kapitel "Gerichtsbußen" gefunden. Alle Details die da am Frühstückstisch im Hause Weyner zum Thema Randale in Pirna erzählt werden, habe ich dort "geklaut". ;) Mit diesen Gerichtsbußen hatte ich überhaupt ziemlich viele amüsante Stunden im Pirnaer Stadtarchiv... :D


    Balthasar Blechschmidt ist halb erfunden - sozusagen. Den "großen Bruder", den Baumeister Wolf Blechschmidt, gab es aber wirklich - und der sah auch ungefähr so aus wie ich ihn beschrieben habe. 8)

    Hallo Miriam,


    ich habe mir das Wissen zu diesem Thema aus verschiedenen Büchern (z.B. auch Biografien von Frauen aus dieser Zeit) zusammengelesen, sodass ich jetzt keine Monografie empfehlen könnte. Für den 2.Teil hatte ich mir dann noch "Ein Leib in Christo werden" - Ehe und Sexualität im Täufertum der Frühen Neuzeit von Katharina Reinholdt gekauft und gelesen. das ist hoch interessant, aber eben auch sehr speziell. Mir ist dabei auch klar geworden, dass es damals eine noch viel größere Rolle spielte, aus welcher Gesellschaftschicht, welcher Gegend und welchem Umfeld du als Frau gestammt hast - und natürlich, mit welchem Mann du verheiratet warst. ::)
    Sehr interessant zum Thema Frau in dieser Zeit fand ich auch: Anja Zimmer, Auf das wir klug werden und den 2.Teil: Ein Paradies auf Sand gebaut. Aber da geht es eben um das Schicksal einer Fürstentochter (Elisabeth v. Sachsen, der Schwester Philipps v. Hessen, von der es unzählige Briefe gibt, die ziemlich gut Aufschluss über ihr Leben und ihre gedanken geben).

    @ Kerstin
    Dann schon mal danke! ;D


    @ Doscho
    Das werde ich eines Tages bestimmt tun.
    Allerdings ist die Recherche bei einem historischen Roman meist aufwendiger, als das Schreiben an sich. Wenn man das neben einem Vollzeitjob macht, muss man sehr rationell vorgehen. Pirna ist für mich praktisch, weil ich von da komme, vieles schon kannte und ohnehin immer wieder hin fahre, um meine Familie zu besuchen.

    Hallo Kessi,


    ich habe Lehrer für Deutsch und Geschichte studiert ;D, unterrichte inzwischen aber Schulanfänger in fast allem, außer Sport.


    Dass ich vom Schreiben leben könnte, halte ich für ziemlich unwahrscheinlich. Ich glaube, das schaffen in Deutschland nur 10% der Autoren. Obwohl - wer weiß - wenn Ihr alle kräftig Reklame für mein Buch macht... ;) :D


    LG
    Heike

    Liebe Karin,
    ich freue mich, dass du meine Homepage so aufmerksam durchstöbert hast! 8) ;D Die müsste mal wieder ein bisschen auf den neusten Stand gebracht werden...


    Was Teil 3 angeht, so hat sich da allerdings noch nicht viel Neues getan. Ich habe ein Konzept und ein erstes Kapitel. Aber z.Z. konzentriere ich mich erstmal darauf, den Krimi mit Meister Arnold fertigzustellen, sodass der sicher noch vor dem 3.Teil erscheinen wird.


    Selbst lese ich tatsächlich am liebsten historische Romane und historische Krimis. Daneben auch ein bisschen Fantasie - Bernhard Hennen, Markus Heitz, Andzey Sapkovsky,... oder Zeitgeschichtiches wie "Brüder und Schwestern" von Birk Meinhart (Teil 2 habe ich vor Weihnachten gelesen). Grundsätzlich bin ich eine absolute Leseratte! Und da geht es mir auch oft wie dir - aus Platzgründen lese ich viel digital, obwohl mir Bücher zum Anfassen auch lieber sind. :)


    Vielleicht schreibe ich mal was über den Mann, der die (derzeitige) Pirnaer rathausuhr gebaut hat und der zufällig auch Fuchs hieß - wie der Magister. Vielleicht hast du in meiner Homepage den Beitrag über meinen besuch im Uhrenstübchen gelesen. Die Sache wie er unfreiwillig den ersten Zeitzünder baute, der dann auch wirklich viele Menschen tötete, geht mir nicht aus dem Kopf.


    Einen Fantasieroman würde ich auch gern mal schreiben.
    Leider ist das Thema Vampire aber schon so ausglutscht, dass man schon ziemlich gut sein muss, um dem noch was Neues hinzuzufügen... ::) Eine der wenigen, der das in letzter Zeit gelungen ist, ist Lilly Labord - deren Bücher finde ich von ihrem Ton her einfach klasse - die zu lesen ist wie ein gelungenes Soufflé zu essen!
    Ich habe mal als Fingerübung eine Szene mit einem (modernen) böhmischen Wassermann geschrieben. Vielleicht wird daraus irgendwann mal was.


    Du siehst, Ideen sind nicht mein Problem - Zeit und Muße allerdings schon. :'( Ich habe ja noch einen ziemlich kraftintensiven Hauptberuf.


    Liebe Grüße
    Heike


    War die Zeit der Hexenverfolgung da schon vorbei? Noch nicht ganz, oder?


    @ Miriam
    In gewissem Rahmen wurde "Zauberei" damals durchaus toleriert, v.a. wenn kein "Schadzauber" praktiziert wurde. Die große Welle der Hexenverfolgungen setzte erst gegen Ende des 16.Jahrhunderts ein. Und selbst dazu muss man sagen: Es gab Städte, in denen nie auch nur eine einzige Frau als Hexe verbrannt wurde. Dafür wurden anderenorts ganze Familien auf diese Weise ausgerottet. Das hing immer sehr von den örtlichen Gegebenheiten und den verantwortlichen Personen ab.


    @ Doscho
    Meister Arnold ist so eine Figur, die sich beim Schreiben regelrecht verselbständigt hat. Nachdem er dann immer mehr Raum einnahm, habe ich ganze Szenen wieder gestrichen und ihn schließlich zum Helden eines eigenen Romans gemacht. Das wird ein historischer Krimi mit dem Bader als unfreiwilligem Ermittler. ;)

    Eine weise Frau, eine Heilerin - also nach damaligem Verständnis auch eine Hexe?
    In meinem Teil der Welt werden solche Personen, die durchaus auch Männer sein können, als "Bischpler" bezeichnet. Und sie haben mit ihren Heilmethoden durchaus Erfolg, wenn man den Gerüchten, die über sie im Umlauf sind, Glauben schenken darf...


    Hutzlerin ist nicht die "Berufsbezeichnung", sondern der Name. In Sachsen war es damals üblich, bei verheirateten Frauen an den Familiennamen einfach -in ranzuhängen, wenn man über sie sprach. Den Familiennamen Hutzler habe ich mir aus den Kämmereirechnungen (die Rechnungsbücher der Stadt mit allen Einnamen und Ausgaben) der damaligen Zeit geborgt.
    Aber es stimmt auch, dass die Frau Zauberei praktiziert. Das war damals gängige Praxis, und die meisten Leute haben wirklich daran geglaubt - und dass Placebos oft genauso gut helfen wie echte Medikamente, ist ja inzwischen nachgewiesen.

    @ Miriam


    Noch schnell zur Sequestrierung: Das eingezogene Kirchengut wurde z.T. für die Besoldung der neuen (evangelischen) Pfarrer verwendet - darüber (und auch über deren Anstellung) bestimmete dann aber der Landesherr - und zum Teil wurde es von den Landesherrn auch in Schulen und Universitäten investiert. Einerseits ist Bildung immer gut, andererseits nahmen die Landeherrn natürlich auch dadurch Einfluss. Bisher unterstanden die meisten Bildungseinrichtungen ja der Kirche...


    Und zu Niklas Dorndorf: Wer die Bilder in St. Marien wirklich gemalt hat, ist bis heute unklar. Vermutlich waren es mehrere Maler. Allerdings wird mal ein Maler namens Jobst Dorndorf in den Kämmereirechnungen der Stadt erwähnt. Daher habe ich den Familiennamen - nur Jobst gefiel mir nicht so gut wie Niklas.