Beiträge von Lokoshan

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    Ja, das ist die Krux an der Demokratie. Da darf halt wirklich jeder mitreden. ;-)

    Was aber im Grunde schon gut so ist.

    Wieso ist das gut? Wenn die Mehrheit keine Ahnung hat und entscheidet, weil der VERtreter einer Meinung ne schöne Krawatte hat? Oder das bessere Bier?

    Wenn du der Mehrheit unterstellst, dass sie nach diesen Kriterien entscheidet...

    Das Gute daran ist, dass jeder einzelne ohne Rücksicht auf Herkunft oder Status die Möglichkeit hat, aktiv oder passiv an der Meinungsbildung und an Wahlen teilzunehmen.

    Das mag an der einen oder anderen Stelle nicht einfach zu handeln sein oder auch dazu führen, dass auch moralisch höchst zweifelhafte politische Standpunkte geäußert werden. Aber ein besseres System haben wir bis jetzt nicht etablieren können.

    Was aber auch eine Art der Selbstoptimierung ist. Eben auf geistiger Ebene, nicht auf der physischen. Man baut sukzessive Wissen und Fähigkeiten in einem Gebiet auf und wird irgendwann Experte auf diesem Gebiet.

    Mach hat das ein wenig an die Erweiterung von Fähigkeiten in Rollenspiel-Systemen erinnert.

    Ich glaube nicht dass es darum geht Experte zu werden, sondern, sich so auszukennen, dass man mit abstimmen kann, weil man davon Ahnung hat. Man kann nicht auf jedem Gebiet Experte sein, dazu ist das Wissen viel zu umfangreich. Ich finde diese Art des Lernens und Weiterbildens sehr natürlich. Während die Optimierung auf anderen Schiffen doch mehr in künstliche Unterstützung und Einseitigkeit geht. Das ist kein Urteil, nur für mich ein großer Unterschied.

    Ich verstehen, was du meinst, und ich stimme dir auch in weiten Teilen zu. Noch ein paar Gedanken dazu:

    Ich habe ja nicht geschrieben, dass man auf jedem Gebiet Experte wird. Das dürfte in der Tat sehr schwierig werden.

    Und für gewisse Menschen mag es sicher darum gehen, Experte zu werden. Je höher die Expertise in einem Fachgebiet, desto höher mein Gewicht bei der Stimmabgabe und desto mehr kann ich eine Entscheidung beeinflussen. Das wäre auch eine Art von Machtzuwachs.

    Ich finde man kann Wissenserwerb bei sich selbst sehr wohl forcieren und mit genügend Durchhaltevermögen auch in Gebieten, die mich nicht interessieren. Ich kenne Leute, die das getan haben, um in einem Job arbeiten zu können, der ein recht hohes Einkommen mit sich bringt. Und dann ist es aus meiner sicht nicht mehr nur das natürliche Interesse an der Materie, sondern das Lernen geht mir einer klaren Motivation einher, nämlich Macht oder Geld, und wird auch künstlich.

    Genauso ist gegen eine "Selbstoptimierung" im Sinne von Sport und gesunder Ernährung, um ein paar Pfunde loszuwerden ja auch nichts einzuwenden. Das würde ich als physisches Analogon zu deiner natürlichen Art zu lernen sehen.

    Was die PARAYAS veranstalten, ist jenseits des üblichen, aber genauso kann ich das beim Wissenserwerb treiben.

    Hier geht es nicht um Perfektionierung, sondern um die Möglichkeit, in Bereichen, die jeweils interessieren, mitreden zu können.

    Was aber auch eine Art der Selbstoptimierung ist. Eben auf geistiger Ebene, nicht auf der physischen. Man baut sukzessive Wissen und Fähigkeiten in einem Gebiet auf und wird irgendwann Experte auf diesem Gebiet.

    Mach hat das ein wenig an die Erweiterung von Fähigkeiten in Rollenspiel-Systemen erinnert.


    Warum sollen Leute mit abstimmen, die von nichts ne Ahnung haben

    Ja, das ist die Krux an der Demokratie. Da darf halt wirklich jeder mitreden. ;-)

    Was aber im Grunde schon gut so ist.

    wie bitte schön kann man sich 12 Dimensionen vorstellen, geschweige denn 25 ausdenken???

    Vorstellen kann sich das in der Tat keiner. Das entspricht einfach nicht unserer Lebenserfahrung (genauso wie die Effekte der Relativitätstheorie oder der Quantenmechanik).

    Aber in der Tat gibt es zumindest einen Bereich in der Physik, die Supergravitation, der mit 11 Dimensionen hantiert. Frag mich aber bitte nicht nach Details, das geht in die Richtung "Theory of everything" und ist total schräg. Da bin ich auch über das populärwissenschaftliche nicht hinausgekommen.


    Wow, es freut mich, dass die Lektüre eines meiner Romane zu solch einer Erkenntnis beitragen kann.

    Ich denke, einzelne Aspekte habe ich sicher schon mal überlegt. Aber das im Zusammenhang und übergreifend zu betrachten, das hatte ich noch nicht. Vor Kurzem hatte ich einen Podcast gehört, in dem es um Körperimplantate ging (RFID-Chips, Speicher oder Türschlüssel). Da habe ich mir schon überlegt, wie weit man das treiben kann und sollte.

    Zu meiner Erkenntnis haben sicher auch die Diskussion hier und deine Denkanstöße beigetragen.
    Und das hat mir alles sehr gut gefallen. :)

    Ich wundere mich etwas darüber, dass das Ende nicht als Happy End für Kara gesehen wird.

    So hatte ich das nicht gemeint. Ich hatte ein Happy End für beide als Paar im Sinn, bei dem Kara einen Partner findet, bei dem sie ihre Ruhelosigkeit in Beziehungen ablegen kann, der quasi ein Ruhepol für sie darstellt. Dafür wäre Berglen eine gute Option gewesen, vom Charakter her.

    Für Kara ist das sicher ein Happy End in dem von dir beschriebenen Sinne. So sehe ich das schon.



    Dieser Schläfer wurde dieser Existenz irgendwann müde, wollte sich aber noch immer nicht hochladen. Er wählte so etwas wie einen Winterschlaf mit der Option, wieder geweckt zu werden, wenn sich die Situation grundlegend ändert

    Dieser Aspekt ging in der Tat an mit vorbei. Ich habe die Aufwachszene eben nochmal gelesen. Der Schläfer sagt da: "Habt ihr sie besiegt?". Und im neunten Speicherbild ist von einer Entscheidung für die letzten Menschen der Kolonie die Rede. In diesem Kontext hatte ich eher einen Konflikt herausgelesen.

    Aber danke für die Aufklärung! :daumen:

    So und damit auch die Rezension von mir:


    Mit „Das Imago-Projekt“ hat Robert Corvus den Nachfolger-Roman zu „Feuer der Leere“ vorgelegt. Die Bühne bildet wiederum jener Schwarm von mittlerweile nur noch 28 Großraumschiffen, der die letzten freien Menschen beherbergt. Der Schwarm folgt den Spuren der Menschheit, die sich früher über die Milchstraße verbreitet und viele Kolonien gegründet hat.

    Der Autor nutzt das Potential dieser Bühne und richtet den Scheinwerfer auf andere Figuren und Schauplätze.


    Auf den einzelnen Raumschiffen haben sich unterschiedliche Gesellschaftsformen etabliert, die sich teilweise stark voneinander unterscheiden. Alle aber eint der Wille zum Überleben.

    Im Fokus der Handlung steht diesmal das Raumschiff ESOX, auf dem sich in früheren Zeiten ein System etabliert hatte, in dem Menschen sich mit dem Zentralrechner des Schiffes verbunden hatten. Die übrigen Schiffe hatten dies als Abkehr von der Menschheit angesehen, die ESOX mit Gewalt in die Gemeinschaft „zurückgeführt“ und den Zentralrechner gesprengt. Jedes Schiff entsendet seitdem Kommissare, die über die ESOX wachen und Besatzungstruppen, die die Ordnung aufrecht erhalten.

    Dagegen regt sich Unmut und eine Gruppierung, die sich die „Befreier“ nennt, stellt sich den Besatzern entgegen und schreckt auch vor Gewalt und Terror nicht zurück, um die früheren Verhältnisse wiederherzustellen.


    In dieser Gemengelage stößt der Schwarm auf ein ehemals von Menschen besiedeltes Sonnensystem, in dem die Sonne von einer gewaltigen Sphäre umhüllt wird, die Kontakt mit dem Schwarm aufnimmt. Und dann wird es gefährlich, von innen und von außen...


    Zwei grundlegende Fragestellungen durchziehen den Roman:

    Einmal geht es um Konflikte und die dabei agierenden Parteien. Können diese jederzeit mit „gut“ und „böse“ gelabelt werden? Muss nicht in jedem Falle die jeweilige Lebenswirklichkeit miteinbezogen werden und müssen nicht auch die Motive der Beteiligten nachvollzogen werden?Was sind übergeordnete Maßstäbe für die Bewertung der Schuldfrage?


    Das zweite Thema des Romans ist die Frage nach der Menschlichkeit, dem Mensch-Sein an sich. Oder frei nach Grönemeyer: Wann ist der Mensch ein Mensch?


    Robert Corvus wirft diese Fragen anhand einer Mehrzahl unterschiedlicher Situationen und Konstellationen auf und führt dabei auch bereits in „Feuer der Leere“ etablierte Motive weiter. Er führt den Leser dabei an die Grenzen seiner Vorstellungskraft und zeigt dabei wiederholt seine Fähigkeit, Szenerien und Handlungen sehr durchdacht und detailliert zu schildern.


    „Das Imago-Projekt“ ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt, der geradezu philosophisch die technischen Möglichkeiten der Zukunft auslotet und den Leser eine neue Welt entdecken lässt.


    Damit ist dieses Buch eindeutig nicht „nur“ Unterhaltungsliteratur, da steckt um einiges mehr drin!

    Ich möchte zunächst mein Leserundenfazit ziehen:


    Auch für mich war es die erste Leserunde überhaupt und es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Das Buch gemeinsam zu lesen und darüber zu diskutieren gibt dem Lesen noch einmal eine neue Dimension.

    Ich werde sicher noch öfter an einer Runde teilnehmen, soweit es bei mir in den Zeitplan passt. Regelmäßig dran zu bleiben und zu schreiben, nimmt doch ein wenig Zeit in Anspruch.


    Was mir besonders gefallen hat, das klang bei breedstorm ja auch schon an, war die Interaktion mit dem Autor. Nicht nur dass er auf unsere Beiträge eingeht, er gibt auch Denkanstöße und die Gelegenheit, seine Gedankengänge nachzuvollziehen. Und persönlich finde ich auch immer die Einblicke in die schriftstellerische Tätigkeit sehr spannend. Das sind dann meine Highlights.


    Alles in allem also ein tolles Erlebnis und auch tolle Mitdiskutanten. Es hat Spaß gemacht mit Euch!


    Viele Grüße


    Markus

    Der Gedanke der Generalamnesie verlangt von allen Opfer, aber klingt nach dem Einzigen was alle Beteiligten voran bringt.

    Das Aneste so gut davon kommt, gefällt mir zwar nicht, doch kann ich die Entscheidung der Generalamnesie sehr gut nachvollziehen. Hier muss über den ganzen Schwarm entschieden werden und für dessen Zukunft. Letztendlich profitiert der Schwarm ja nun auch davon, auch wenn er viele Verluste zu verzeichnen hatte.

    Da musste ich auch erst zweimal nachdenken. Man hat die Übeltaten von Aneste und Konsorten noch zu sehr präsent. Sowohl die Terrorakte als auch die kalkulierte Gefährdung des Schwarms, um die Interessen von ein paar Hundert Befreiern und ggf. Sympathisanten zu verfolgen, sind schon schwere Gewichte auf der Waage.

    Eine Amnestie ist hier wirklich nur dadurch gerechtfertigt, dass die Menschheit als solche dadurch weiter existieren kann. Das ist die Prämisse, der sich alles unterzuordnen hat.

    Außerdem ist Karas Philosophie damit auch konsequent weitergeführt. Ein Cut und alle können noch mal gemeinsam anfangen.


    Dazu passt auch die Lösung, den Inferioren Asyl auf der ESOX zu gewähren und somit die eigenen Möglichkeiten zu steigern. Die Informationsschwemme will natürlich ausgewertet werden und auch dazu können die Imagos ihren Teil beitragen. Gemeinschaftliche Forschung soll die Schiffe noch näher zusammen bringen, wobei ich mich wundere, dass das bislang nicht sehr ausgeprägt scheint.


    Berglen und Kara hätte ich ebenfalls ein Happy End gewünscht. Dass es nun deshalb nicht klappt, weil Kara an sich arbeiten will, hat mich überrascht. Hätte sie nicht nach dem Motto "Learning by Doing" agieren können? Ich lerne Beziehungen zu führen, während ich eine führe. Nun, sie scheint eben ein Problem mit dem Alleinsein zu haben und dann muss sie eben erst mal allein sein, um das zu lernen.

    Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben ;)

    Kara hat in diesem Buch noch einmal eine Reifung durchgemacht. Sie hat zunehmend Verantwortung übernommen und am Ende auch Führungsqualitäten gezeigt. Eine ganz andere Person als damals in Feuer der Leere.


    Dass das Romanende relativ schnell kommt, scheint mir typisch für Robert Corvus zu sein. Ich kenne bislang Drachenmahr und Feuer der Leere und immer war die letzte Seite zu schnell da.

    Das finde ich schade, denn sowohl die Verhandlungen von Kara mit den Militärs, als auch die Abwägungen im Schwarm hinsichtlich der Amnestie hätten mich noch interessiert. Die Rote Familie und die SQUID wurden schon genannt. Und wurde nun geklärt, welche Rolle der Schläfer spielt oder habe ich das nicht mitbekommen?


    Schön fand ich, dass im Gespräch zwischen Kara, Aneste und Tervoil die Grundfragen den Geschichte noch einmal angerissen werden.

    Die Frage nach dem Mensch-Sein und die Frage nach dem Richtig und Falsch in Konflikten.


    Wie gefallen Euch die Imagos? Sie sind ja sehr anders als die Programme, die in Filmen wie "Matrix" agieren, und auch ihre Welt ist etwas völlig anderes als eine Kopie unserer gewohnten Lebenswirklichkeit. Und die Frage aller Fragen: Sind sie für Euch Menschen? Stehen ihnen Menschenrechte zu?

    Die Imagos gefallen mir unheimlich gut. Auch ihre Lebenswelt ist sehr gut durchdacht und dargestellt. Es klingt für mich alles sehr nachvollziehbar. In der Tat ganz anders als "Matrix", der mich in meinen Vorstellungen doch sehr geprägt zu haben scheint.

    Sind sie Menschen? Hm, eher nein, dazu sind sie dem Menschen an sich zu fremd aus meiner Sicht. Aber als eine Art von Lebensform würde ich sie schon einstufen. Also würde ich ihnen auch Lebensformrechte zugestehen. Wie diese aber konkret aussehen? Unsere Grundrechte 1:1 zu übertragen dürfte nicht komplett funktionieren. Da müsste man wohl einiges adaptieren oder neu denken.

    Ich erlaube mir hier zwei Zitate aus Feuer der Leere:

    Mir war auch so, als hätte ich ich dererlei schon einmla gelesen. Ich wollte mich trotzdem echauffieren. :lachen:


    Da hast Du wieder eine sehr schöne Wortschöpfung gefunden!

    Ja, die hat mir auch gefallen. :freu:


    Aber wie wir auch in dieser Leserunde sehen: Die Trennlinie ist nicht immer klar zu erkennen ...

    Das ist richtig. Deshalb lässt sich auch trefflich darüber diskutieren.

    Für mich persönlich wurde klar, dass die Frage nach der Menschlichkeit doch ziemlich viele Dimensionen einschließt. Und jede einzelne hat eine gewisse Trennunschärfe, was alles noch komplexer macht.

    Ich glaube, aus dieser Perspektive habe ich diese Frage noch nie betrachtet. Also: Erkenntnisgewinn.:klatschen:

    In diesem Kapitel geht es nun mal richtig ab.

    Amida wird entführt und Zegato hlft kräftig mit. Es wurde schon thematisiert, dass er nun für die Leser verloren hat. Er hat sich klar auf eine Seite gestellt.

    Ugron ist jetzt sauer und das ist eine Situation, die ich eigentlich nicht provizieren will. Dass die Sphäre oder besser gesagt die Rebellen in der Sphäre das trotzdem durchziehen, zeigt auch auf, wie wichtig ihnen diese Operation ist.

    Im Zuge der Aktivitäten der SQUID wird wieder ihre Verbindung zu den menschlichen Insassen deutlich. Sie benötigt einzelne, menschliche "Avatare" um unmittelbar mit den Menschen zu kommunizieren, um ihr Denken dem Denken der Menschen anzupassen. Dies ist konsistent mit der Darstellung im letzten Kapitel, als es um die kurzfristigen Aktivitäten und deren unmittelbare Folgen ging.

    Mir kommt der Gedanke, dass Amida und das Kind des Rotraums, das Ugron in sich trägt, weitere Zwischenglieder in der Interaktion von Menschen und Schiff sein könnten. Die Kommunikation wirkt ja nicht gerade flüssig und Berglen ist dabei auch sehr gefordert. Vielleicht können die Kinder das leichter ermöglichen.

    Berglen entscheidet sich dafür, sich in die Theokratie der SQUID zu fügen. Das ist letztlich eine Herrschaft einer klerikalen Instanz, die vollkommene Unterwerfung unter ein gottähnliches Wesen bis hin zur Selbstaufgabe von Körper (Mutationen), Geist (Denken im Sinne Mutters) und Seele (das eigene Streben völlig in den Dienst Mutters stellen).

    Wenn man das so beschreibt - hätte jemand von Euch das vor der Lektüre des Romans befürwortet?

    Nein. Sicher nicht. Ich betrachte das aber auch nicht so.

    Ich sehe das nach wie vor als eine Symbiose zwischen Menschen und "Schiff" und Berglen stellt sich in diesem Zusammenhang in den Dienst der Gesellschaft. Er gibt etwas von sich auf, damit die anderen besser leben können.



    An einer Stelle musste ich Schlucken. Seite 421, Neugeborene wurden auf der ESOX kategorisiert und mit Implantatn versehen, um ihrer zukünftigen Aufgabe nachgehen zu können...

    Und der Fakt, dass es seit fünf Jahren implantatlose Kinder gibt, nimmt Aneste als Zeichen der Demütigung wahr...

    Also bitte, wo bleibt denn da die individuellen Freiheit für die Kinder, sich in ihrem Leben selbst für einen Weg zu entscheiden. Das ist ja Selektion erster Güte!

    Dass die übrigen Schiffe der ESOX Einhalt geboten habe, verwundert nun noch weniger. Zusätzlich zur physischen Entfernung von den Menschen, was bislang als Grund für den Bürgerkrieg angeführt wurde, kommen hier auch ethisch höchst zweifelhafte Methoden hinzu. Auch wenn das aus Sicht der logisch-kühl agierenden ESOXer nachvollziehbar sein mag, es ist doch unmenschlich.

    Damit hätte wir eine weitere Kategorie, in der sich Menschsein definieren lässt. Ethisches Handeln. Und wiederum ist diese Kategorie dem Geiste zuzuordnen.


    Die Kara-Idea-Szene ist natürlich der Schlüsselmoment. Andere haben schon darüber geschrieben, ich möchte Wiederholungen vermeiden. ;-)

    Kara demonstriert die Macht der Worte und überzeugt Idea. Sie wird ihrer vorgesehenen Rolle als Heldin des Friedens gerecht. Allerdings geht mir das ein wenig schnell. In der Handkung zuvor wogt es hin und her. Man wird gefangen genommen, befreit und wieder verfolgt. Und am Ende setzt sich Kara schnell mit Idea in eine Transportkabine und überzeugt diese.

    Da hätte ich ein wenig mehr Arbeit für Kara erwartet. :-)

    NIchtsdetotrotz finde ich den Dialog sehr schön und auch plausibel.


    Das Speicherbild ist in der Tat eine Überraschung und ein schöner Zirkelschluss.

    Den Kontakt aus der anderen Perspektive zu betrachten, ist eine tolle Idee!

    Ich finde es auch für Korol (in allen seinen Inkarnationen) sehr befriedigend, dass er als Initiator des Imago-Projekts und zwischenzeitlich auf der Abstellschale gelandet eine wichtige Rolle bei der Kontaktaufnahme und drumherum spielen darf.


    Wie immer im vorletzten Leseabschnitt ist die naheliegende Frage: Wie geht's aus? Ich bitte um wilde Spekulationen.

    Ich denke, dass die ESOX die Inferioren aufnimmt un ihren eine neue Heimstätte bietet. Sie wird zu einem Ableger der Sphäre und die willigen ESOXer dürfen auch mitmachen. Wer das nicht möchte wechselt auf ein anderes Schiff. Die ESOX bricht dann alleine auf ins All, um in Ruhe rechnen zu können.

    Die Sphäre ist zufrieden, da die sowieso nicht optimalen Programme weg sind und keine Kapazitäten (und sei es auch nur für die Verwaltung) mehr binden.


    Berglen und Kara werden kein Paar, weil Berglen sich jetzt wichtigeren Aufgaben auf der SQUID widmen muss, und Kara zur Chefdiplomatin des Schwarms ernannt wird.



    Zuletzt noch eine Bemerkung zu Berglens Überlegungen auf Seite 429.

    Nach zwei Jahren ärgert man sich rückblickend nicht mehr über damalige Unbilligkeiten, wenn sie nicht wirklich wichtig waren. In ähnlicher Weise hat sich Robert Corvus auch in einem seiner Schreibzeichen über seine Leipzig-Odyssee geäußert. Da scheint persönliche Lebensphilosophie eingeflossen zu sein.

    Nun stellt sich die Frage: Wieviel Robert/Bernd steckt in Berglen???

    Wieder einmal lernen wir mehr über die SQUID und technische Details des Corviversums.

    Was passiert, wenn die Astriden mal nicht so funktionieren, wie sie sollen? Wie könnte Rotraum-Technik funktionieren? Wieder kommen neue Facetten hinzu. :geil:

    In der Szene, in der aus Berglens Sicht der Angriff der SQUID geschildert wird, stellt Berglen fest, dass das lebende Schiff ihn benutzt. Es bemächtigt sich der Teile seines Verstandes, die mit kurzfristigem Denken zu tun haben, mit der Abschätzung unmittelbarer Folgen.

    Zusammen mit anderen Besatzungsmitgliedern entsteht ein vernetzter Verstand, der Entscheidungen für das Schiff treffen kann.

    Die Menschen haben also einen Mehrwert für die SQUID. Sie ist nicht in der Lage kurzfristig zu denken. Weil sie so alt ist? Weil sie einen anderen Zeitablauf (aus dem Rotraum?) gewohnt ist?

    Dann wäre das Ganze am Ende nicht die Ameisenfarm, in der die Menschlein zum Amüsement der Squid herumwuseln, sondern eine Symbiose. Die Menschen ermöglichen der SQUID die Auflösung kleinerer Zeiteinheiten und der dortigen Kausalität. Und man nimmt diesen Zustand nicht dauerhaft ein, weil es zu anstrengend insbesondere für die Menschen ist und nicht immer notwendig.


    Aneste wirkt anfangs so, als sei sie von den Gewalten des Sonnenfeuers so beeindruckt dass sie ob dieses Naturschauspiels auf ihr kleines Menschendasein zurückgeworfen wird. Das zeigt natürlich, dass trotz des Strebens nach dem Zusammenleben mit dem Zentralcomputer noch ganz menschliche Regungen in ihr stattfinden.

    Es lässt sich natürlich fragen, ob Aneste grundsätzlich nach einer höheren Instanz sucht. Dadurch ist es natülich nicht verwunderlich, dass auch die SQUID ihr eine gewisse Faszination bietet. Allerdings wir am Ende des Kapitels deutlich, dass die Erweiterung ihres Verstandes die wahre Motivation ist. Die Sphäre wirkt wie ein Paradies auf sie.

    Toll hier auch wieder die Darstellung des Innenlebens des Imago-Projekts.

    Spannend fand ich aber, dass für Korol es außer Frage steht, dass die Menschheit zu erhalten ist. Sind die Programm der inneren Schalen auch dieser Meinung oder haben sie sich bereits so weit vom Menschsein entfernt, dass sie keine "sentimentalen Gefühle" mehr für ihre Schöpfer haben und dann eben doch irgendwann der Meinung sind, dass der Mensch ihnen nun nichts mehr nützt und überflüssig ist?

    Diesen Komplex fand ich auch sehr spannend.

    Man hat ja hier keinen konkreten Zeitpunkt, an dem das Speicherbild spielt, aber ein Zusammenhang mit dem Schläfer und dessen Fragen beim Erwachen drängt sich auf.

    Solange du noch weißt, wo Wissen zur Not noch abrufbar ist, falls mal kein Netz ist oder längere Zeit kein Strom vorhanden, ist alles gut. :)

    Und das ist der Grund, warum ich gerne ein paar Bücher im Regal stehen habe. Und gelegentlich noch Unterlagen aus Papier bevorzuge. ;-)


    Ich liebe diese Leserunden, denn ohne sie wäre das Leseerlebnis nur halb so schön. Wie viele Ideen würden mir entgehen, wieviele Gedanken würde ich mir selbst nicht machen, weil ich ja niemandem erklären müsste, wie ich bestimmte Szenen empfunden habe und warum. Ich habe schon an vielen Leserunden teilgenommen, aber so intensiv wie die beiden hier mit Robert Corvus war noch keine. Aber das nur mal so am Rande

    Ich mache das ja zum ersten mal mit und bin sehr begeistert! Mir geht das genauso! Duch die Wechselwirkungen gerät man zu Gedanken, die einem beim "einfachen" lesen nicht in den Sinn gekommen wären.

    Auch die Trigger, die Robert Corvus immer wieder setzt, tragen einiges dazu bei. Das finde ich sehr gut!

    Stimmt, über diesen Satz bin ich auch etwas gestolpert, da sie ja nicht verbunden sind - eigentlich. Du könntest recht haben, wer weiß, was Aneste da in der Vergangenheit bereits dran geschraubt hat.

    Ich hatte den Satz so interpretiert, dass sie als Zwillinge quasi identisch reagieren. Eure Sichtweise hatte ich nicht, aber die ist natürlich höchstinteressant....


    Mir geht es auch so, dass ich mich hin und wieder bei solchen Worten oder Gedanken ertappe, die ich von meiner Mutter kenne. Und ich muss dann oft eingestehen, dass sie berechtigt sind.

    Das nennt man Altersweisheit :lachen:

    Das Perfide daran: Man kann sogar "optimal" in Bezug auf die eigenen Möglichkeiten operieren - entscheidend ist jedoch, die Funktion, die die Sphäre einem zugedacht hat, optimal (= besser als alle alternativen Kandidaten) zu erfüllen.

    Exakt so ist es.



    Auch das ist ein typisches Science-Fiction-Szenario.

    Ich habe es vermieden. ;)

    Umso besser. Wäre auch zu naheliegend gewesen. :-)

    Und man sagt diesen negativen Gefühlen aber auch durchaus zu, dass sie den Menschen weiterbringen.

    Bedeutet das nun, dass durch diese negativen Gefühle die Menschlichkeit gefestigt wird? Sind wahre und echte Emotionen ein Kriterium für Menschlichkeit?

    Zumindest in Bezug auf die ESOXer und die Sphärenbewohner könnte das zutreffen.

    Wenn keine echten Emotionen mehr vohanden sind oder nur noch solche, die sich der Computer berechnet, um menschlich zu wirken, dann könnte eine Grenze überschritten sein.

    Allerdings würde dieses Kriterium bei allen "lebenden" Wesen versagen, da etwa auch Ugron oder Rila zu Emotionen fähig sind, aber durch ihre Veränderung möglicherweise nicht mehr dem klassischen Menschsein entsprechen.

    Aber das wiederum bedeutet, dass je nach Ausprägung der Nicht-Menschlichkeit unterschiedliche Kriterien betrachtet werden müssen, um feststellen zu können, wann man die Menschlichkeit verliert.


    Aber so lange er noch über sich selbst als Individuum nachdenkt, ist er es wohl irgendwie noch

    Nach dem Motto "Ich denke, also bin ich."?

    Oder meinst du mehr, dass er über sich als Mensch nachdenkt?

    Also, er hat nach wie vor ein Eigenleben, scheint autark zu agiern, wenn auch von einem Betriebssystem gesteuert. Er denkt von sich als Individuum. Er verfügt sogar über sich selbst, indem er sich zu optimieren versucht. Er ist selbstbestimmt. Er denkt in Kategorien wie Effizienz, Leistung usw. Das tun genügend Menschen ebenfalls.

    In Summer wirkt er immer noch ziemlich menschlich, zumindest in Bezug auf die geistigen Tätigkeiten.

    Demgegenüber ist er physisch nicht mehr menschlich.

    Müsste man also Menschsein sowohl in Bezug auf Körper als auch auf Geist untersuchen?

    Eines der klassischen Themen der Science-Fiction ist der Erstkontakt mit einer fremden Kultur. In Das Imago-Projekt hatten wir das bereits mit der Sphäre. Jetzt kommt es noch einmal in anderem Gewande: Mit verlassenen Gebäuden, mit Botschaften - und mit einer Botschafterin, Idea. Wie gefällt Euch dieses Thema?

    Das finde ich super! Es ist in der Tat eine klassische Szenerie bis hin zu dem Schläfer, der aufwacht, einen kryptischen Hinweis gibt und dann wieder ausfällt. Ich vermute, dass es einen Langzeitplan gegen die Sphäre gibt. Und der Schläfer (oder gibt es vielleicht noch mehr?) soll nach einiger Zeit überprüfen, ob es geklappt hat, oder spätere Generationen von Menschen im Kampf gegen die Sphäre anleiten und/oder den Plan weiterführen.

    Den 3D-Druck fand ich ebenfalls eine tolle Idee. Was haben wir nun von Idea zu erwarten? Idea bedeutet "Urbild" oder "Ideal", wenn ich mich recht entsinne (was man alles so verschüttet im Kopf behält...). Ist sie also das "Urbild" vom "Abbild"? Ist sie gewissermaßen "die Sphäre"? Oder zumindest ein Teil davon?


    Amüsant fand ich die Stutenbissigkeit zwischen Kara und Aneste und der zweitweise genervte Zegato.

    Da zeigt sich doch, dass trotz Implantaten und Fokussierung auf Rechnerwelten, ganz "normale" und im klassischen Sinne menschliche Regungen vorhanden sind. :lachen:



    Iljow ist nun also der Taschenrechner unter den Playstation Pros.

    :lachen::lachen::lachen:


    Das Speicherbild eröffnet nocheinmal weitere Einblicke in die Gesellschaft der Sphäre. Diese wirkt auf mich auch ein wenig unheimlich. Sehr kühl und im Sinne des Wortes berechnend.

    Wer nicht optimal funktioniert wird ausgebremst - oder sogar stillgelegt?

    Und immer noch scheint es fleischliche Menschen zu geben, die sich fortschreitend hochladen lassen.

    Wenn es keine Menschen mehr gibt, dann muss man diese nicht mehr umsorgen und diesbezüglichken Kapazitäten werden frei. Warum sollte man dann diesen Prozess nicht beschleunigen? Das ist ja auch ein Szenario in Bezug auf eine KI, die irgendwann zu dem Schluss kommen könnte, dass die Menschen nicht mehr benötigt werden, weil sie selber alles viel besser hinbekommt. Und dann werden wir eben entsorgt.

    Und daher kann ich TippendeTastatur gut verstehen:

    Ich bin voller Fragen und Zweifel und auch Angst bzgl. der Zukunft der Menschheit. Mich rüttelt dieses Buch wirklich irgendwie geradezu auf. Ich habe es noch nie so konsequent zu Ende gedacht.....Ich muss sagen für mich keine leichte Unterhaltung, sondern schwere Kost, denn diese Geschichte fordert! Und das, ist auch gut so!

    Zusammen mit der immer wiederkehrenden Frage nach der Menschlichkeit ist das das Thema dieses Buches. Und die Keime für solche Entwicklungsszenarien sind bereits gelegt.