Beiträge von yanni

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    ach so. Hänsel und Gretel sollte man wohl noch mal unter den Aspekten lesen, die Skrowka erläutert hatte lesen.
    Wolfang, handelt es sich hierbei um eine reine Erfindung deinerseits, oder gibt es tatsächlich solche Interpretationen zu diesem Märchen?


    Märcheninterpretationen gibt es ja wie Sand am Meer. Ich tippe mal auf Paul Maar. Die Geschichte vom bösen Hänsel und der bösen Grete. Aber wahrscheinlich gibt mehr Versionen, so wie bei allen Märchen.


    Alles wurde stets verdrängt und aus Scham geschwiegen!


    Ich glaube, damit hast du es auf den Punkt gebracht. Die Menschen schweigen meist aus Scham. Egal um welches Verbrechen es sich handelt. Gerade wenn es sich um Familienmitglieder handelt.


    Ich habe mir überlegt, wie es Waltraud wohl ergehen mag, wenn sie nun weiß, daß ihr Vater nicht Leybach, sondern Schlei ist, wessen Tochter sie ist.


    Ich stelle mir das enorm belastend vor. Waltraud hat sich bereits früh von ihrem Elternhaus distanziert, soweit dies möglich war, aber trotz allem, ich an ihrer Stelle bräuchte einen von Herrn Venner-Brocks Kollegen.

    Oh, oh, wie recht ihr doch habt mit den Schwierigkeiten dazu eine Rezension zu schreiben, die nicht zu viel verrät. Ein Glück, dass man das nicht mehr auf Papier machen muss, sonst würde mein Papierkorb überquellen. Auch wenn ich nicht ganz damit zufrieden bin, besser wird es wohl nicht mehr.



    Die Fortststudentin Anja Grimm macht ein Praktikum im Bayerischen Wald. Dabei kommt sie auch in eine Gegend, in der vor 20 Jahren ihr Vater während des Sommerurlaubs spurlos verschwand. Die junge Frau möchte mehr über den Verbleib ihres Vaters wissen und will ihren Aufenthalt dazu nutzen. Schon bei den ersten Arbeiten kommt es zu einem Zwischenfall, der sich bereits nach kurzer Zeit zu einem Drama ausweitet.
    Anja beginnt Nachforschungen anzustellen, die so manchen in Alarmbereitschaft versetzen. Will man einfach nur Vermeiden, dass diese alte Geschichte über den verschwundenen Johannes Grimm zusammen mit den letzten Ereignissen negative Auswirkungen auf den Fremdenverkehr hat, oder steckt da mehr dahinter.
    Welche Geheimnisse hütet dieser Wald?


    Schweigend steht der Wald, für den Leser, nicht so für Anja Grimm, die anhand von Bodenproben und Zeigerpflanzen jede Menge an Information von ihm erhält. Auch als Laie kann man diesen Hinweise gut folgen, da Wolfram Fleischhauer diesen Roman nicht mit Fachwörtern versehen hat, die dem Leser unverständlich bleiben. Anjas Gang durch den Wald ist somit nicht nur spannend sondern auch informativ.
    Die Spannung, die sich recht schnell steigert, bleibt bis zum Ende erhalten. Als Leser hat man genügend Spielraum um eigene Vermutungen anzustellen, die man manches Mal wieder verwerfen muss. Zwar hatte ich schon bald einen Verdacht in welche Richtung sich die Geschichte bewegen würde, aber auf das, was noch alles kam, war ich nicht gefasst.


    Auch wenn die eine oder andere Person etwas überzeichnet war, haben mich die einzelnen Charaktere recht gut überzeugt. Neben forstwirtschaftlichen Informationen wurde auch ein Teil der deutschen Geschichte verarbeitet, was den Leser nicht nur mit vielleicht neuen Erkenntnissen, sondern auch mit vielen Denkanregungen zurücklässt.
    Für mich macht ein gutes Buch aus, wenn es neben Spannung und/oder guter Unterhaltung Anstöße zum Nachdenken bietet und es wagt auch mal andere Pfade zu betreten, wie für mich hier die Figur des Skrowka mit seiner nicht immer linearen Einstellung und Interpretation.


    Nun haben die Machenschaften von Schlei & Co. noch 54 Jahre nach Kriegsende ihre Opfer in der 3. Generation gefordert. Und ausgerechnet die beiden Personen, die am ehesten bereit gewesen wären, diesen ganzen Sumpf aufzudecken. Wie tragisch.


    Wäre es nicht sehr interessant die Geschichte dieses Romans aus der Sicht der Familie Gollas zu lesen? Das Gespräch zwischen Rupert und seinen Eltern hätte ich gerne mitverfolgt.

    Als Anja in Haingries Geräusche hört, stellt man sich automatisch auf nichts Gutes ein. Unbehelligt folgt sie den Spuren, die das Fahrzeug mit dem Abraum damals genommen haben muss. Erstaunlich, was man anhand der Vegetation alles über eine Gegend erfahren kann.


    Dann ist es Lukas, der nach Anja sucht und sie dadurch auf ihren eigentlichen Verfolger aufmerksam wird, ohne zu wissen, welche Folgen dieser Mann noch für sie haben wird. Nun, Lukas habe ich falsch beurteilt. Er wusste nicht einmal die volle Wahrheit. Wenn, dann hätte er vielleicht wie Waltraud den Kopf in den Sand gesteckt. Rupert scheint es jedoch geschafft zu haben, sie und auch seinen Vater wachzurütteln.
    Und wieder einmal trifft es hauptsächlich die Unschuldigen, die darunter leiden müssen und wie hier, sogar ihr Leben lassen. Sicher werden die Alten festgenommen, aber welche Strafen werden sie denn erwarten? Die, die am meisten leiden müssen, sind Marga und ihre Kinder.


    Für diese beiden Familien, die nun absolute Gewissheit haben, was aus ihren Anghörigen geworden ist, ist es bestimmt eine Erleichterung. Einen Zweifel, dass sie tot waren, können sie aber nicht mehr gehabt haben. Nur das wo und wie war ungeklärt. Es erstaunt mich immer wieder, dass nach so langer noch eine Identifizierung möglich ist. 2 von 16 ist schon was, aber 14 davon blieben doch unbekannt.


    Was mich zum Nachdenken bringt sind diese Sätze:

    Zitat

    Aber war das nicht alles sinnlos? Die schönen Reden. Die betroffenen Gesichter. Und jenseits der Straße gärte noch immer der Hass


    Wie viele von denen, die diese großartigen Reden schwingen, stehen hinter dem, was sie das sagen? Reden sind sicher programmfüllend, aber Taten sind es, die gebraucht würden. Egal um welches Thema es geht. So lange es keine wahres Verständnis gibt, sind sie nur leere Worte.
    Dabei fällt mir Skrowka ein, wie er Anja bittet ihre Schuhe und Strümpfe auszuziehen und selbst über diesen Weg zu laufen.


    Über wen ich noch länger nachgrübeln werde, ist Konrad Dallmann. An ihm sieht man, wie schnell man doch in so eine Sache reinrutschen kann. Es beginnt klein und wächst sich dann in ungeahnte Folgen aus. Es schien sich anfangs nur um schlampige zu handeln und plötzlich ist er von Massenmördern umgeben. Sein Verhalten konnte ich nie eindeutig zuordnen. Mag sein, dass er mit seiner Selbstanzeige und Kooperation nur versucht seinen Kopf so weit wie möglich aus der Schlinge zu ziehen, es könnte natürllich auch sein, dass er einer der wenigen ist, die aus dieser Geschichte etwas gelernt haben. Leider sehr spät, aber besser spät als nie, wie die Altherrengruppe.


    Ein stimmiges Ende war für mich der Besuch von Anja bei Marga.



    Wo ich gerade eure Beiträge im vierten Abschnitt zu den Kühltruhen lese - die hatten also überhaupt nichts mit menschlichen Leichen zu tun und es ging um Wilderei und unerlaubte Tierpräparation, richtig?


    Ja, diese Kühltruhen haben uns enorm in die Irre geführt. Die Herren haben sich also weiterhin mit der Ausrottung beschäftigt. :(



    Das Buch wird mich sicher noch eine Weile beschäftigen und ich bin gespannt auf die Eindrücke der anderen!


    Genau meine Meinung.

    Ich frage mich immer noch, wie man überhaupt auf Xaver als Grimms Mörder kam. Er war vorher gar nicht auffällig gewesen. Wie Waltraud Rupert erklärt, hätten die Eltern Andeutungen fallen lassen, ob sie das auch anderen gegenüber gemacht haben und somit selber absichtlich den Verdacht auf Xaver gelenkt haben?
    Wie konnte sie dann mit ihren Kindern weiter in unmittelbarer Nähe ihres Bruder leben, wenn sie doch wie behauptet solche Angst vor ihm hatte?




    Bei Alois & Co. sieht das aber anders aus, und was Johannes' Tod anbetrifft, können sie sich auch nicht mit irgendwelchen Ausreden von wegen, es war ja Krieg, herausreden.


    Mich würde interessieren, ob es nicht den ein oder anderen gegeben hätte, der die Angelegenheit bereinigen wollte. Typen wie Alois und Dallmann mit ihrer Bruatlität und ihren Einfluss könnten demjenigen so zugesetzt haben, dass dieser um sein und das Leben seiner Familie Angst haben musste. Auf eine Leiche mehr oder minder wäre es denen damals doch sicher nicht angekommen. Auch da stellt sich mir die Frage, wie lebt man damit. Am Fall von Frau Altmeier ist ja schon zu sehen, wie sehr es sie nach so langer Zeit noch quält, dabei haben sie dem Toten nur ein Begräbnis verschafft und jahrzehntelang sein Grab gepflegt. Die Bewohner von Farnried dagegen haben, selbst wenn sie nicht beteiligt waren an dem Morden, versucht all das zu vergessen. Waren Waltraud, Xaver und Franz die einzigen der nächsten Generation, die davon wussten. Selbst Konrad hatte keine Ahnung.


    Anja findet nun also heraus, dass (Joh)Anna selbst im KZ tätig war und schlimmer war als mancher Mann. Ich weiß nicht warum, aber die Vorstellung bzw. das Wissen, dass Frauen genau dieselben Scheußlichkeiten vollbracht haben wie ihre männlichen Kollegen, schockiert mich immer wieder.


    Das ist so ein altes Klischee. Frauen seine sanftmütig, hilfsbereit und wer weiß noch was alles. Dabei können Menschen gleich welchen Geschlechts oder Alters im höchsten Maße grausam sein. Aber ich habe mich ja auch dabei ertappt, als ich dachte, eine Mutter tut doch so etwas nicht. Mütter machen noch ganz andere Sachen. :(


    Um Anna, bzw. Johanna gab es sogar einen tödlichen Streit. Auf Seite 294 spricht der alte Dallmann von dem Drama zwischen Leybach und Schlei. Einer davon hat laug Skrowka den Tod gefunden. Alois Leybach läuft aber lebendig herum. Oder ist Alois in Wahrheit Schlei. Hat nach dem Krieg dessen Identität angenommen, da dieser wohl nur einfacher Soldat war und somit nicht als Kriegsverbrecher angeklagt werden würde. Ja, ich denke, so war das. Das passt auch zu der Äußerung von Heinbichler.


    Ja, unter diesen Gesichtspunkten ist es nachvollziehbar, dass Xaver der Täter ist. Es muss schon schlimm genug gewesen sein mit solchen Eltern geschlagen zu sein, aber dann auch noch für einen Mord den Kopf hinhalten zu müssen, den er gar nicht begangen hat, das ist unvorstellbar.


    Bei Konrad bin ich mir einfach nicht klar, ob er tatsächlich voll hinter den alten Herren steht, oder ob er vielleicht teilweise nur ausloten will, wie weit sie gehen würden. Es kann sich dabei auch nur um ein Wunschdenken von mir handeln, weil ich es einfach nicht fassen kann. Alois ist so kaltblütig!


    Waltraud sagt Rupert endlich die volle Wahrheit. Wie muss man sich als Sohn oder auch Tochter fühlen, wenn einem so etwas über die Vergangenheit der eigenen Großeltern offenbart wird? Andererseits ist es schwer nachzuvollziehen, wie es sich für Waltraud anfühlte, damit groß zu werden. Wie groß war die Macht ihrer Eltern über sie? Und letztendlich hat sie doch nur ein Verbrecherhaus gegen das andere eingetauscht, als sie heiratete. Wann wäre der richtige Zeitpunkt gewesen darüber zu reden? Mit wem?


    Für die alte Frau Altmeier gibt es nun Skrowka als Ansprechpartner. Waltraud musste es ja so vorgekommen sein, als würden alle unter einer Decke stecken. Aus sicherer Entfernung ist es immer so leicht den Stab über andere Menschen zu brechen. Vielleicht hätte sie den Mut aufgebracht gegen ihre Eltern aufzubegehrenl, wenn es um noch lebende Menschen gegangen wäre. Aber die Toten waren begraben, und sagt nicht sogar Skrowka ähnliches über den vergrabenen Toten im Garten von Frau Altmeier.
    Dieser zweiten Generation gegenüber habe ich, wie ich feststellen muss, ein ambivalentes Gefühl. Auch wenn sie nicht in der Lage waren das begangene Unrecht an den Flüchtlingen öffentlich zu machen, aber dieses Spiel immer weiter zu treiben, ist unentschuldbar!


    Lukas halt ich inzwischen für so gefühllos wie seine Großmutter und traue ihm alles zu. Ruperts Vermutung mag zutreffen und sein Bruder steckt mit Konrad unter einer Decke. Ein Glück nur, dass sie ihr Asthmaspray mit in den Wald genommen hat.


    Dass die Tiefkühltruhen derart Aufmerksamkeit erregen hätte ich ja nicht gedacht.


    Vielleicht haben wir einfach in den letzten Jahren zu viel über tiefgefrorene Babys in den Zeitungen zu lesen bekommen. :(



    Das Traurige ist, je mehr man versucht, bestimmte Tierarten zu schützen, desto höher klettert ihr Schwarzmarktpreis. Es ist deprimierend. Homo Sapiens macht einfach alles platt. Das wäre fast schon ein Romanthema für sich.


    Zusammen mit dem Verbot erhöht sich automatisch der Reiz. Ein Teufelskreis, der nur schwer, wenn überhaupt, zu durchbrechen ist. Denn je höher die Strafen ausfallen, desto mehr wird dafür bezahlt werden. Das ist wirklich deprimierend.

    Beim Lesen fiel es mir auf und später als ich meine Beiträge hier schrieb, habe ich es ständig vergessen. Mir geistert dauernd ein Name durch den Kopf, der mehrmals erwähnt wurde. Schlei.
    Einmal bei diesem Massengrab, aber ich meine mich zu erinnern, ihn auch schon wo anders gelesen zu haben. Der kam doch bisher sonst noch nicht vor, oder? Sie, also Anna, wollte Schlei mit ihrer Tat, Xaver zum Massengrab zu bringen, imponieren. Er muss demnach ein hochrangiger Offizier gewesen sein. Ist er danach verschwunden, bereits verstorben oder wird er noch mal irgendwo auftauchen? Oder ist gar Heinbichler dieser Schlei? Aber wäre das überhaupt möglich?


    So, nun gehe ich endlich weiterlesen. Ich muss unbedingt wissen, wie es weitergeht. So lange Anja unter Beobachtung steht, wird ihr wohl keiner etwas antun können. Wehe, wenn Dallmann seine Leute zurückpfeift! :o


    Aber er weiß etwas... also hat Franz Gollas alle eingeweiht und darüber streiten die Brüder vor der Pizzeria und Rupert spült seinen Frust mit Bier hinunter? Hm.


    Bisher haben wir aber nicht erfahren, worin Franz sie eingeweiht haben soll. Ich war mir auch nicht sicher, ob Waltraut die genauen Hintergründe kennt, oder nur Vermutungen anstellte.


    Gerade will ich den Laptop ausmachen, da fällt es mir ein: der österreichische Spielfilm, an den ich mich vorhin so erinnert fühlte, heißt Hasenjagd. Sehr empfehlenswert!


    Jetzt erinnere ich mich. Diesen Film habe ich auch gesehen. Aber ohne dein Erinnerungsvermögen wäre ich nie auf den Titel gekommen.

    Beim Durchlesen eurer Kommentare habe ich erst gemerkt, dass ich ein Kapitel zu wenig gelesen hatte. Das Gespräch zwischen Vater und Sohn Dallmann fehlte mir. :-[


    Sie haben die herumirrenden Häftlinge erschossen um den Ruf der Gegend nicht zu ruinieren! :o Ihre eigene Haut wollten sie retten, sonst nichts.
    Warum ist Konrad so entsetzt? Das kann doch nur daran liegen, dass sein Vater über den Tod von Johannes Grimm nicht die volle Wahrheit gesagt hat. Was hat er ihm anfangs nur erzählt, dass er bereit war die Sache so weit wie möglich zu vertuschen. Etwas muss er doch gewusst haben, sonst wäre er nicht so alamiert gewesen, als er hörte, Anja sei auf den Weg nach Flossenbürg.


    Hatte Lukas nicht gesagt, seine Familie wäre erst nach dem Krieg auf den Hof gezogen und wohnte vorher in Würzburg oder so ähnlich. Das kann aber nicht stimmen, wenn Anna und Alois mit von der Partie waren.
    Wie kann ein Mensch, noch dazu die eigene Mutter, ein Kind zwingen sich so etwas anzusehen! :o Man kann Konrad nur recht geben, kein Wunder, dass der Junge deppert wurde, wenn er es nicht vorher schon war. Wenn sich nun doch herausstellt, dass Xaver seine Mutter mit dem Spaten erschlagen hat, kann ich gut verstehen, wie es dazu kam.



    Ich befürchte, daß die Alten nun drastische Maßnahmen gegen Anja beschließen werden, ich bin gespannt, ob Konrad weiterhin mitmacht - und wie er das dann mit seinem Gewissen vereinbaren kann.


    Da könnten uns noch dramatische Szenen erwarten. Ob Konrad nicht schon zu tief drinsteckt seiner Meinung nach, um unbeschadet genug aus dieser Sache zu kommen, könnte für Anja sehr wichtig werden.




    Nun bin ich auch gespannt, wem der Orden gehört: ich tippe auf Alois oder Albrecht, da Xaver den Orden gefunden hat.


    Wenn Alois im KZ Aufseher war, dann muss es eher Albrecht gewesen sein, weil Skrowka doch sagte, diesen Orden gab es nur für Soldaten mit Naheinsatz und nicht für Ermordung von Juden. Außer Alois kam erst später dort hin.


    Stimmt.


    Jetzt vergesse ich den Namen sicher nicht mehr.

    Dieser Abschnitt war nicht länger als der vorige, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, er wäre zig Seiten länger oder ich würde in Zeitlupentempo vorankommen. Begonnen hat es mit dem Fund der Dose ... Aber erst mal der Reihe nach.


    Wozu die vielen Mittel aus dem Stall bestimmt waren, hat odenwaldcollies ja bereits für uns gegoogelt, aber nun bekam auch Anja es schriftlich. Nun, vielleicht hat sich Alois oder Heinbichler den einen oder anderen Jagderfolg selbst präpariert. Ein kleines Nebengeschäft. Von Heinbichler kann ich es mir aber eigentlich nicht vorstellen. Unter Umständen standen deshalb auch mehrere Kühltruhen im Stall. Ich kenne mich da nicht so aus. Ob man die Tiere vor der Präparation einfriert oder ob das unmöglich ist.


    Die Sache zwischen Anja und Lukas war nach den vielen Andeutungen schon zu erwarten. Gegen den Strich ging es mir trotzdem, da kann ich dem Rupert nur zustimmen.
    Durch Rupert erfahren wir neben der Tatsache, dass Anja observiert wird, auch was in der Familie gelaufen ist. Ob Waltraud aber nun sicher wußte, ob Xaver damals den Lehrer erschlagen hat, oder ob sie es nur vermutet, war mir nicht ganz klar geworden. Ich tippe auf die Vermutung, denn ich kann es mir immer noch nicht vorstellen, dass er der Täter ist. Rupert scheint dabei der Einzige zu sein, der überhaupt an Anjas Situation denkt. Das macht in sofort zum Sympathieträger Nummer 1. Aber war das nun alles, was die Eltern Lukas und Rupert gesagt haben? Der Franz weiß doch Bescheid und sollte seine Familie aufklären. Schließt das Waltraud mit ein oder weiß sie es bereits?


    Anjas Albtraum war äußerst passend für die Kombination Grimm - Wald - Märchen. Entgegen Anjas Meinung glaubt Herr Venner-Brock nicht, dass sie Opfer einer Vergewaltigung geworden ist. Ich konnte mir das auch nie vorstellen. Ihren Mut nochmals in den verlassen Hof einzudringen kann ich nur bewundern. Dass sie bereits einige Zeit unter Beobachtung stand, konnte sie nicht wissen. Für Dallmann muss es ein Schock gewesen sein, zu hören, wo Anja sich befand und später hinfuhr. Die Ungewissheit, was sie weiß und vor allem woher. Wie schnell er dann aber reagierte und mit welchen Argumenten, hat mich erstaunt. Was glaubt er, dass Anja in der Hand hat und wie will er sie mundtot machen? Zu welchen Taten wäre ein Konrad Dallmann fähig? Er hat inzwischen am eigenen Leib erfahren, wie schnell man in so eine Lage rutschen kann. Mitwisser, Mittäter zu werden.


    Neben den frischen Erinnerungen hält Anja nach kurzem Aufenthalt auf dem Leybachhof auch ein sehr reales Stück in Händen. Das also ist der Schatz, den Xaver ihr damals zeigen wollte. Das Öffnen der Dose, der erste Blick auf den Inhalt und gleich darauf die Erkenntnis, was da letztlich vor ihr auf dem Bett lag, ließ mir einen Schauder über den Rücken laufen. Der gräsliche Inhalt der Dose, stand da zu lesen, ohne mich aufzuklären, was es nun eigentlich ist. Wieder ist es das Weglassen von Information, die in einem das Räderwerk zum Qualmen bringt. Minutenlang habe ich mir das Gehirn zermartert, was Ähnlichkeit mit Patronenhülsen haben könnte, die mit grauer Schlacke verbunden sind. Mumifizierte Fingerglieder - viellleicht doch präpariert?


    Und kurz darauf der Hinweis auf das KZ Flossenbürg. Wie Anja später bemerkt, so habe ich auch noch nie von diesem Ort gehört. Ich habe dann erst mal eine Landkarte zu Rate gezogen, um eine Vorstellung von der Lage des Ortes zu bekommen. Die Zeitungsausschnitt belegen, dass es 1979 zu Berichterstattungen über den Besuch Pertinis kam. Ich kann mich nicht erinnern, so sehr ich mich auch anstrenge. Gleich darauf musste ich an meine ersten Eindrücke von dem Cover denken. Irgendwie hat mich das genau so betroffen gemacht, wie die Entdeckungen Anjas. Wer immer dieses Bild ausgesucht hat, hat seine Sache gut gemacht.


    Der Besuch in Flossenbürg war bedrückend. Die alten Anlagen, die Hinweistafeln, all dies inmitten einer Ortschaft. Da drängt sich einem wirklich die Frage auf, wie lebt man damit.
    Während des Gesprächs mit Herrn Skrowka klärt sich endlich der Inhalt samt Dose. Im ersten Moment dachte, es wäre nur dieser Orden in der Dose und konnte Anjas Reaktion darauf nicht mehr verstehen. Dann wurden die Zähne, Kiefernknochen und Überkronungen beschrieben, die die Überlegung, ob den neben dem Tisch auch ein Eimer stand für diese Dinge, verständlich machte. Die Goldkronen, die den Toten herausgebrochen wurden, wie konnte ich die nur vergessen.
    Dass ein KZ so viele Außenstellen in so weiter Entfernung haben konnte, war mir nicht klar. Könnte das bedeuten, dass eine dieser Nebenstellen in der Nähe von Waldmünchen war?


    War Alois der Besitzer dieses Ordens? Wie kommt er dann aber an die Kronen? Wie wir von Lukas wissen, ist die Familie erst nach dem Krieg auf den Hof gezogen und sie waren auch keine Bauern, wie ich bisher angenommen habe. War einer der anderen Männer vielleicht Soldat in Flossenbürg und hat mit Alois geteilt?
    Falls Johannes diesen Schatz gesehen oder Anja ihm davon erzählt hat, könnte ich mir vorstellen, dass Alois ihn erschlagen und Xaver eingeredet hat, er wäre Schuld daran. Womit immer noch nicht geklärt wäre, warum niemand dieses Waldstück betreten durfte.


    Es sind noch gut 100 Seiten zu lesen und ich frage mich, welche Greueltaten noch aufgedeckt werden. Dabei habe ich gerade Wolframs Blick aus dem Zugfenster über die nebelverhangene, friedliche Landschaft vor Augen.


    Ist das immer noch so, dass die Kirche (Selbst)Mörder nicht in geweihter Erde begraben lässt? Ich kenne das nur aus historischen Romanen und war beim Lesen geschockt.


    Auch Selbstmörder werden inzwischen in geweihter Erde begraben. Vorstellen könnte ich mir allerdings, dass es immer noch Priester gibt, die sich weigern die Trauerfeier abzuhalten und man gezwungen sein könnte einen willigeren Priester dafür zu finden. Dann werden Mörder sich auch ganz normal beerdigt.

    Puh, dass Johannes Grimm leben könnte, war völlig unwahrscheinlich, aber mit welcher Normalität über diese Sache gesprochen wurde, hat mich doch entsetzt. Zumal Konrad Dallmann im Polizeidienst tätig ist. Mit welchen Argumenten hat der alte Dallmann seinen Sohn zu solchem Verhalten überreden können? Oder würde der für einen guten Ruf alles tun?
    Er glaubt, durch sein Eingreifen die Angelegenheit sauber über die Bühne zu bringen, aber die Leiche wird ja dann gefunden und das muss dann ja neue Fragen aufwerfen. Immerhin ist für mich nun klar, dass es ursprünglich doch um "Altlasten" aus der Kriegs-/Nachkriegszeit geht. Was um Himmels willen haben die Herren damals beseitigt? Und Alois kann sich sogar noch erinnern, mit welchem Spaten Grimm erschlagen wurde.


    Wenn man sie jetzt, wie Konrad Dallmann meint, nur mit schiefen Blicken anschauen würde, warum war dann vor 20 Jahren der Mord an Grimm notwendig? Hm, das bringt mich nicht weiter.




    Besser hätte ich es nicht sagen können. Wenn der Roman ein Film wäre, würden wir eigentlich nicht viel Handlung zu sehen bekommen. Aber ich empfinde das Buch als total gruselig und unheimlich. Beklemmend ist sicher ein guter Ausdruck dafür.
    Bei den präparierten Tieren habe ich auch gleich gedacht, dass man sicher auch Menschen präparieren kann :o Ob da in der NS-Zeit Experimente gemacht wurden? Und vielleicht hat ja sogar Anjas Vater etwas damit zu tun?


    So geht es mir auch. Die hereinbrechende Dämmerung tut das ihrige dazu, um dem Ganzen einen bedrohlichen Charakter zu verleihen.
    Menschen präparieren? :o Aber möglich wäre alles.


    Anjas Überlegungen, Xaver könnte sich damals an ihr vergangen haben, könnte auch zutreffen. Dass ihr Vater Xaver oder Alois zur Rede stellte und im Affekt mit dem Spaten niedergeschlagen wurde. Aber überzeugt bin ich nicht davon.
    Anjas Aufenthalt dort ist schon ein wenig gruselig. Rupert will den Hof abbrennen - welche Erinnerungen verbindet er damit?
    Ob das Album noch Informationen liefern wird? Es wird so oft erwähnt.



    Obwohl wir nicht wirklich viel von Xaver wissen, hatte ich bisher allerdings nicht den Eindruck, dass er ein Kinderschänder war.


    Das empfinde ich auch so. Wenn er einen Hang dazu gehabt hätte, er war damals ja bereits um die 40, hätte man ihn doch sicher von den Ferienkindern ferngehalten und nicht als "Aufsicht" mitspielen lassen.


    Nach Ruperts Verhalten im Wirtshaus zu urteilen, hat der Franz seine Söhne bereits aufgeklärt. Auch Lukas' Verhalten seinem Bruder gegenüber könnte darauf hindeuten. Die beiden sind sich in einer Sache wohl sehr uneins. Ist es Lukas, der über Leichen gehen würde? So wie vielleicht schon seine Mutter! Dann hat Rupert mit seinem Ausspruch Dann gnad dir doch Gott nur allzu recht.


    Diese Beerdigung war ein Hohn. Da stand die Familie trauernd am Grab und nahm die Beileidsbekundungen entgegen, während ein paar Meter weiter derjenige verscharrt wurde, der sie von ihrer Bürde erlöst hat. Um mal derb zu sprechen.
    Für wie dämlich hält Lukas Anja eigentlich? Er kann doch nicht allen Ernstes glauben, dass sie nicht merkt, wie seine Mutter zu ihr steht. Von wegen schlechtem Gewissen.


    Anjas Vater verschwindet aber doch erst im Jahr 1979. Die Flüchtlinge müssten aber doch schon viel früher, also kurz nach dem Krieg, "entsorgt" worden sein. Oder hat Anjas Vater evtl. 1979 ein Massengrab gefunden? Aber ich meine mich zu erinnern, dass Anja bei der Bodenprobe feststellt, dass der Boden auch erst 1979 auf den Kopf gestellt wurde. Dann wurde doch auch erst die Lichtung angepflanzt. Oder habe ich das falsch im Kopf?


    Die Lichtung wurde nach dem Verschwinden des Vaters angelegt, aber bei Einschlag 25 war der Boden tiefer umgegraben. Wäre dies normal für eine Wiese, hätte sie den Einschlag doch nicht erst als fehlerhaft eingestuft. Vielleicht lag 1979 noch etwas vergraben, auf das Grimm stieß, worauf man es entfernte und um niemand darauf aufmerksam zu machen, hat man das ganze Stück umgestaltet.
    Allerdings steht diese Theorie auf wackeligen Füßen, da ich nicht weiß, wie lange ein Körper braucht um im Waldboden zersetzt zu werden. Würde knapp 30 Jahre später immer noch ein üppiges Brennnesselfeld dort stehen?
    Diese Kühltruhen gehen mir aber auch nicht aus den Kopf ...


    Die ersten Eindrücke, die wir durch die Grimm Anja ;) bekommen, gefallen mir außerordentlich gut - ich begleite sie gerne durch den nahezu verwilderten Wald.


    Ja, sie (also eigentlich Wolfram) entführt uns da in ein Stück unberührte Natur, wie man sie einfach hier nicht mehr zu sehen bekommt, sich aber tief im Innersten einen richtigen Wald vorstellt, verwunschen wie im Märchen. Dabei steht gerade der Beruf den sie erlernt meist im Gegensatz zu so einer Wildnis. Bewirtschaftung und Naturbelassenheit widersprechen sich da eben. Beispielsweise ist der Anteil von Totholz in Wirtschaftswäldern wesentlich geringer als an anderen Standorten.



    wolfram:
    Vielen Dank für die Einblicke in die Entstehungsphase dieses Romans. Man fragt sich ja doch manchmal, wie man nur zu solchen Geschichten kommt. Wie du schon schriebst, ein bayrisches Dorf, kauzige Landbewohner und wer weiß, was da noch auf uns zukommt, das klingt so gar nicht nach den anderen Romanen und ihren Schauplätzen.



    Ich weiß noch, dass mich plötzlich eine merkwürdige Beklemmung überfiel. Warum nur? Dort draußen war ja nichts. Nur Wald und Wiesen. Friedliche Natur. Recht menschenleer und ein wenig unwirtlich im Novembernebel, aber ohne jegliche Anzeichen irgendeiner Bedrohung. Das Bedrohliche, das Unbehagen, war nur in meinem Kopf. In der Welt vor dem Fenster war nichts davon zu sehen. Es sei denn, man wusste darüber bescheid oder hatte, wie manche Tiere, einen sechsten Sinn für Orte, an denen sich Entsetzliches abgespielt hat.


    Nichts ist schlimmer als die eigene Fantasie! Wobei der Ausdruck friedliche Natur immer auf den Blickwinkel ankommt.
    Aber ich kann mir diesen Blick aus dem Zugfenster gut vorstellen, auch dieses ungute Gefühl, das einen beschleichen kann, ohne wirklichen Anlass.


    Mit deinen Zeilen fachst du meine Neugier auf den weiteren Verlauf der Geschichte noch mehr an, als sie bereits war. Ich muss mich jetzt schon zwingen, den Roman nicht in einen Rutsch durchzulesen.