Beiträge von Bernd Perplies

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    Hier begegnen wir ja direkt einer Menge "alter Bekannter" und nun ist mir auch klar, warum sowohl Langdon als auch John die Cutters direkt erkannt hat.

    Das stimmt. Im Laufe der 6 FMCW-Episoden habe ich einige Figuren wiederkehren lassen. Nicht so, dass man sich in Unkenntnis der Romane daran stören würde (wie ich hoffe), aber mir hat's gefallen, dem Universum durch Langdon, die Cutters oder Geonoj eine gewisse Geschlossenheit zu geben.

    Was ich noch vergessen hatte: Ich hätte das krasse Ende hart gefeiert!

    Es hätte mir Sicherheit stark polarisiert und positive wie negative Fazits hervorgerufen. Vielleicht schreibe ich es als alternatives Ende für den Sammelband irgendwann. Da darf der Leser dann vorher entscheiden, ob er das versöhnliche oder das harte Ende haben möchte. ;) Die stille Variante mit John und dem staubigen Whiskey hat mir jedenfalls auch gefallen.

    Dass ausgerechnet Aleandro sterben musste, war zwar irgendwie klar, aber ich fand es wirklich traurig.

    Also mir war es nicht klar. ;) Eine völlig legitime Alternative - neben dem "krassen Ende" - wäre Piccoli gewesen. Ich habe ihn nur deswegen verschont, weil er in den Printromanen erst zur Crew stößt, genau wie Sekoya, und ich nicht ausgerecht die beiden neusten Charaktere wieder entfernen wollte. Das hätte mir zu sehr nach "alles wieder wie am Anfang" ausgesehen. So hat es immerhin ein "Veteranen-Crewmitglied" getroffen. Und da ich immer den Jägerangriff im Sinn hatte - weil es mit einer so schönen Gewissensentscheidung verbunden war, ob sie zuerst X oder Y reparieren -, kamen nur Kelly und Aleandro infrage. Und Kelly, naja, das hatte ich ja schon erklärt. (Ist manchmal gar nicht so einfach, alle Belange, die bei sowas reinspielen, gegeneinander abzuwägen. Dabei sieht es manchmal so aus, als würden Autoren einfach Leute killen, weil ihnen zu ihnen nix mehr einfällt.)

    Ja, wirklich eine tolle Serie - vielen Dank, lieber Bernd dafür und wie immer für deine tolle Begleitung!

    Vielen Dank. Freut mich echt, dass wir die ganze Reihe durchgezogen haben. Ich wusste nicht, ob das bei einer Leserunde funktioniert. :)

    Ich bin auch ein wenig überrascht, wie selbstsicher John alle finanziellen Mittel etc zur Verfügung stellt.

    Ach naja, die Summen, die planetare Regierungen zur Verfügung haben, liegen doch weit über dem, was ein Einzelmensch sinnvoll verbrauchen kann. Denk doch nur, wie oft von Millionen- und Milliardenbeträgen in der deutschen Politik die Rede ist. Gut: Deutschland ist sehr voll und menschenreich im Vergleich zu den meisten Randplaneten, deren Besiedelung eher Kanada oder Sibirien ähnelt. Dennoch dürften ein paar Million Dollar die Konföderation nicht vor eine unlösbare Aufgabe stellen. (Sollte jemand überhaupt solche Forderungen stellen, es geht ja auch einigen sicher um eine saubere Akte und einen Neuanfang.)

    Deine Erklärung, warum es manchmal auch ganz einfach in Space-Western gehen sollte, ist zwar einleuchtend, aber tatsächlich als Leser von "normaler" SF nicht immer naheliegend.

    Dann nimm mit Erklärung 1 vorlieb. ;) Warum sollte das vom Admiral zugewiesene Gästezimmer verwanzt sein? Er hat keinen Grund, seine Tochter für eine Spionin zu halten. Oder würdet ihr eure Kinder einfach so mal prophylaktisch abhören? Das wäre die beste Methode, sie gleich wieder zu vergraulen.

    Wobei ich eher um Kelly Angst hatte, dass sie diesen Band nicht überlebt, nachdem sie bei John die Initiative ergriffen hat und die beiden jetzt doch endlich zusammengekommen sind.

    Das wäre die naheliegende Lösung in einem Hollywood-Film gewesen. Kaum, dass sich Held und Heldin finden, stirbt sie. Genau deswegen habe ich es letztlich dann nicht gemacht. Weil ich es viel mutiger finde, zu schauen, ob man es als Autor schaffen kann, Abenteuer und "Beziehung" unter einen Hut zu bringen. Der trauernde Loner, der dann im nächsten Film die nächste Liebe findet, ist doch allzu leicht erzählt.

    So, und damit ich nicht allzu viel Entzug nach dem Ende des 6. Bands habe, habe ich gestern abend mit dem Hörbuch "Höllenflug nach Heaven's Gate" begonnen.

    Dann hoffe ich, dass dir das Prequel auch viel Spaß bereitet. Da ist ja wirklich noch einiges anders als hier am Ende von FMCW.

    Und jetzt darf es dann auch für die zweite Staffel klappen.

    Empfehlt mich weiter. Und sagt denen, die die Reihe mochten, dass sie das auch tun sollen. So haben wir eine Chance, dass am Ende die Zahlen für den Verlag stimmen und er grünes Licht gibt. (Und so prosaisch es klingt: Für mich müssen die Zahlen leider auch stimmen. So viel Spaß ich mit John und seinen Freunden habe, es wollen auch Frau und Kind ernährt werden. :) )

    Ich würde ehe erwarten, dass er sich nach seinem Whiskey und der Begegnung mit Cutter die Klippe hinunter stürzt.

    Ach naja, so ein Frontiersmen erlebt immer mal wieder herbe Rückschläge im Leben. Die meisten davon lassen sich mit ein paar Tagen Alkoholrausch überstehen. (Wobei er natürlich versehentlich die Klippe hätte runterfallen können.) Aber ich hätte ihn schon wieder dazu gekriegt, den Hintern hochzukriegen, vermutlich mithilfe von Hobie. Aber das ist - wie gesagt - eine Geschichte aus einem alternativen Universum. ;)

    Schließlich müssen die Haupthelden ein paar Serien überleben.

    Ich enthülle euch jetzt hier ein großes Geheimnis. Der Schluss, wie er ist, war nur einer von zwei möglichen. Ich habe lange (mit meinem Redakteur) überlegt, ob ich nicht viel krasser enden soll.


    Ich hatte da dieses Bild im Kopf: John sitzt in einem Klappstuhl am Rand einer Klippe, ein Glas Whiskey in der Hand und starrt in die Ferne (vielleicht den Sonnenuntergang). Hinter ihm ragt das Wrack der abgestürzten Mary-Jane auf. Alle Freunde sind fort. Kelly und Aleandro kamen im Kampf um, die Mary-Jane ist abgestürzt. Danach hat John zutiefst erschüttert die Crew aufgelöst. Hobie ist mit Rita gegangen, Piccoli zurück nach Higgins' Moon. Nur John ist geblieben, weil er Mary-Jane nicht verlassen will. In dem Zustand finden ihn die Cutters. Jason Cutter hält John den Revolver an den Kopf. Aber er tötet ihn nicht. "Warum drückst du nicht ab?", fragt John dumpf. "Das muss ich nicht", sagt Cutter. "Du bist ja schon tot." - Ende


    Das wäre eine krasse Version gewesen - die aber vielleicht zu viele Leser verstört hätte. Und die auf jeden Fall eine Fortsetzung gebraucht hätte (in der die Band dann wieder zusammenfindet, etwa weil herauskommt, dass Aleandro noch lebt und bei der Union in Gefangenschaft ist). Und weil die 2. Staffel nie sicher war (und es auch immer noch nicht ist), hatte ich am Ende nicht den Schneid dazu. Und ich glaube, dass das jetzige Ende einfach besser passt. Zumal es ja auch auf einer schönen Schlussnote zwischen John und Mary-Jane endet.

    Es besteht also theoretisch die Möglichkeit, dass er die Folter nicht aushält. Schließlich ist auch ein Kerl nur ein Mensch.

    Das ist natürlich richtig. Sicher sein kann sich die Konföderation nicht. Andererseits ist Langdon seit 40 Jahren Space Marshall im Rand. Der hat seinen Teil an körperlichen Schmerzen (Stichwunden, Schusswunden, Schlägereien) erlebt. Das dürfte ihn zumindest etwas resistenter gegen gewaltsame Befragung machen als uns Wohlfühlmenschen in ihrem geschützten Leben (für das ich extrem dankbar bin!).

    Wir haben auch hier erst im Imago-Projekt von Robert Corvus sehr intensiv zu dieser Frage diskutiert und ich finde, dass ist einewirkliche SF Frage, die immer drängender wird.

    Und extrem schwierig zu beantworten ist. Weil da auch viel Angst mitschwingt. Theoretisch sind Computer den Menschen halt in vielen Dingen extrem überlegen. Welche Gefahren daraus erwachsen können, kennt man aus zahlreichen Paranoia-SFs von "Terminator" bis "Matrix".

    Jeder redet unter Folter, der eine früher, der andere später. Aber Schmerzen hält kein Mensch auf Dauer aus.

    Die "Gefahr" für den Folterer besteht allerdings darin, dass der Gefolterte nach einer bestimmten Menge Schmerz nicht mehr klar denken kann und daher nur noch Unsinn redet. Oder alles mögliche, egal wie wahr oder nicht, damit es nur aufhört. Oder dass der Körper schlichtweg unter der Belastung stirbt. Weswegen Folter als Mittel der zuverlässigen Informationsbeschaffung ja extrem umstritten ist.

    Schon erstaunlich wie oft sie dann noch nicht mal die Namen kennen. Auch nicht von Schriftstellern aus der Region.

    Tja, wenn wir Autoren auch so dreist sind, uns nicht nach einem Umzug überall persönlich vorzustellen. ;) In meiner neuen Heimatstadt habe ich das vor einem Jahr tatsächlich gemacht. Seitdem kennt mich zumindest die Bibliothek (nicht, dass sie deswegen meine Bücher einkaufen würde ...) und einer der beiden Buchläden (den ich allerdings auch zu seinem Glück zwingen musste). Es ist alles nicht einfach. :)

    Wenn man es so sieht, wie einige Autoren, dass man sagt, die Filme haben mit meinen Büchern nicht viel gemein, sie sind ein eigenständiges Werk und ich bekomme Geld dafür eine Idee geliefert zu haben, dann mag das gehen.

    Oh, ich wette, ich würde auch echte Magenschmerzen kriegen, wenn ich merken würde, dass ich keinen Einfluss mehr auf die Produktion habe und die Dinge anders machen, als ich es gut finde. Ich kriege ja schon Magenschmerzen bei einem Cover, das nicht meinen Vorstellungen entspricht, auf dass ich aber auch keinen Einfluss habe. Trotzdem würde ich den Werbeeffekt immer mitnehmen, mir egal. Es gibt viel "schmerzhaftere" Methoden, als Autor sein Geld zu verdienen, als eine Filmlizenz. (Etwa Liebes-Groschenheftchen unter Pseudonym schreiben - was ich zum Glück noch nie getan habe. :) )

    Der Mensch ist halt von Natur aus bequem. Und Bestseller verkaufen ich bequemer als unbekannte Bücher. Das erfordert private Überzeugung. Und zugegeben: Nicht jeder Buchhändler kann sein ganzes Sortiment kennen und gut finden. Ist eine schwierige Sache. Ich verstehe, warum viele Dinge im Buchmarkt so sind, wie sie sind. Ich bin ja Realist. Trotzdem wünschte ich mir - als einer der vielen Autoren der B-Riege am Markt -, dass es anders wäre.

    Dann muss ich sie mir mal ansehen!

    Wenn du SF-Serien magst, die erdiger sind als das typische "Star Trek" - unbedingt! "BSG" finde ich dramaturgisch noch stärker als "Firefly", aber "Firefly" hatte halt auch nur 15 Episoden, bevor es viel zu früh abgesetzt wurde. Dafür ist es wirklich ein "Space Western" par excellence - und der Pitch "Frontiersmen wird wie Firefly" hat mir tatsächlich damals die Tür bei meiner Agentur und bei Bastei Lübbe geöffnet, weil in beiden Positionen "Firefly"-Fans saßen. :)

    Nochmal zu den Frontiersmen: besonders gut hat mir Fred gefallen, der kein Aufschneider ist und seine Chancen für so einen Kampf realistisch einschätzen kann. Das ist sicherlich seinem Alter und damit seiner Erfahrung als langjähriger Frontiersmen geschuldet. Ich fand ihn auch sehr menschlich und ehrlich, was sicherlich auch daran lag, dass er ein alter Freund des früheren Captains der Mary-Jane war.

    Ich wollte unbedingt auch so einen typischen "kleinen Mann" einbauen, wie er in jedem guten John-Ford-Western mitspielt. Zerknittert, gutherzig, ein Gauner vielleicht, aber niemand, dem man böse sein kann. Und ich hielt es auch für wichtig, dass nicht alle "Hurra! Auf in den Kampf" rufen, wenn John sie versammelt. Denn dann hätte man sich fragen müssen, warum sie nicht schon viel früher der Konföderation beigetreten sind.