Beiträge von mohan

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    Morgen kaluma,



    Auf S. 311 sagt Varus ganz klar, was sich die ganze Zeit schon so langsam herausgearbeitet hat:
    Daß der Aufstand zu einem nicht geringen Teil eine Rebellion von oben, ein Aufstand der germanischen Oberschicht ist, also ein Kampf um die Macht. Davon war ja vorne im Buch auch schon die Rede und jetzt wird es Varus klar, daß es ein Fehler war, die germanischen Fürsten mittels römischer Rechtsprechung gegen Rom aufzubringen. Offenbar hat er Arminius´s Verrat jetzt soweit begreifen können, daß er über die Gründe nachdenken kann.


    Ich glaube, dass dies der Normalfall ist: Widerstand wird von oben geschürt, oder er entwickelt sich in der Bevölkerung und wird von Menschen nutzbar gemacht, die so ihre Interessen für besser durchsetzbar halten. Was mich an dieser Verratsgeschichte besonders interessiert, ist die Frage, welche Qualität Begriffe wie "Freundschaft" und "Vertrauen" zur Zeit des Varus hatten. Vielleicht können wir uns die Schwere des Verrats, den Arminius an Varus beging, heute nur schwer vorstellen.



    Daß auch Annius das Entkommen zunächst gelingt, läßt mich hoffen, daß die beiden vielleicht nachmal zusammentreffen. Es wäre ein schöner Lichtblick in einer ansonsten so katastrophal endenden Geschichte, wenn wenigstens für diese beiden das Leben weitergeht (obwohl ich Liebesgeschichten eigentlich überhaupt nicht mag...).


    Mir ging es hier beim Lesen ähnlich. Aber es wird zum Ende schön aus der Handlungsentwicklung heraus aufgelöst, ohne zu schmieren oder zu tropfen. ;D


    Grüße, mohan :)

    In Deutschland in Zusammenarbeit mit der Polizei, mit Denunzianten aus der allgemeinen Bevölkerung, die jahrelang neben den Säuberungsopfern lebten, um nur zwei Beispiele zu nennen. Und in den besetzten Gebieten lebte man mitunter auch ein paar Jährchen zusammen, bis es so richtig unschön wurde.


    Gab es nicht in Deutschland vor ein paar Jahren, im Zusamenhang mit Daniel Goldhagen, eine Diskussion über die NS-Zeit und "normale Deutsche", über die Vorstellung, es habe grundsätzlich zwei Qualitäten von Deutschen gegeben (u.a. thematisiert dies auch ein neuerer Spielfilm "The Good German", von S. Soderbergh)? Woraus bestand denn die Gestapo? Was sind Handlangerarbeiten?


    Maßgeblich beteiligt an dem, was du "Säuberungen" nennst, war die Reichsbahn mit ihren Beschäftigten. Darüber existieren massenhaft Dokumente. Hat der Geschichtslehrer - irgendwann im Jahr 2000+ - erzählt, dort sei man nur Zug gefahren?



    Grüße, mohan :)


    Deswegen haben während des Dritten Reichs in Deutschland selbst auch keine einfachen indoktrinierten Soldaten die "Säuberungen" durchgeführt, sondern Spezialkräfte.


    Sorry, Myriel, das ist nun leider völlig falsch. An den Säuberungen waren neben normalen Wehrmachtseinheiten auch andere "ganz normale Deutsche" beteiligt, so Polizeibataillone.


    Siehe z.B. hier:


    Stefan Klemp: "Nicht ermittelt". Polizeibataillone und die Nachkriegsjustiz. Ein Handbuch


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    Liebe Grüße,
    mohan :)

    Mein Nick erinnert an ein sehr großes Land mit sehr vielen Einwohnern. Aber ich komme aus einem kleinen Land mit wenigen Einwohnern, weshalb ich zum Ausgleich ein längeres Leserundenfazit schreiben möchte.


    „Varus“ war mein erster historischer Roman, zumindest in der Abgrenzung dessen, was ich in Katalogen, Feuilletons und Foren als historische Romane finde, ohne selbst eine sinnvolle Definition vornehmen zu können. (Wahrscheinlich habe ich auch schon andere, ältere historische Romane gelesen.)


    Ich hatte viele Fragen und Anmerkungen, die nicht zuletzt mit meiner Annäherung an dieses Genre zu erklären waren. Manche Fragen oder Anmerkungen mögen verstehbar sein als Kritik an Iris und ihrem Roman. :( Gleichwohl handelt es sich nicht um solche Kritik, weil ich mich nur an der Rezeptionsschnittstelle bewege, also, wenn man so will, mein Verhältnis zum Buch auslote. Das mag - oberflächlich besehen - wie Haarspalterei wirken, stellt jedoch ab auf verschiedene Aspekte meiner Auseinandersetzung mit dem Buch: warum sehe oder bewerte ich Details im Buch auf eine bestimmte Weise, bin ich allein mit dieser Sicht, wie steht die Autorin dazu, warum hat sie gerade so und nicht anders konstruiert - und vieles, vieles mehr. :belehren: Mein Therapeut würde nun vielleicht fragen: Kannst du nicht einfach nur ein Buch lesen und es danach ins Regal stellen? ???


    Ich habe in den letzten Wochen mehrere Leseproben historischer Romane gelesen. Die meisten haben mich nicht erreicht. :-\ Vermutlich ist dies Ausdruck der Tatsache, dass ich nicht zur Zielgruppe gehöre, wenn denn eine solche für historische Romane existiert, was ich vermute. Iris hat in einem Posting die Glaubwürdigkeit von Frauenfiguren in manchen historischen Romanen angesprochen. Darin sehe auch ich eins der Probleme bei diesen ganzen Hebammen und Wanderhuren und was es alles so gibt. Iris’ Thiudgif ist eine Frauenfigur, die ich mag, auch wenn ich sie in wenigen Details schwach motiviert finde. Und ihren „Varus“ mag ich trotz mancher Kritikpunkte, die ich in den Beiträgen zur Leserunde genannt habe; auch gefällt er mir besser als alle Leseproben der letzten Zeit. Und so werde ich mich wohl in Zukunft als Leser historischer Romane arg zurückhalten und doch ihren „Tribun“ lesen. 8)


    Ausgezeichnet gefallen hat mir die intensive Teilnahme der Autorin an der Leserunde. Iris Kammerer war immer bereit, über die einfache Beantwortung von Fragen hinaus Wissen mit uns zu teilen, was für die Leserunde einen nicht zu unterschätzenden Zusatznutzen bedeutete. Tatsächlich habe ich es noch nie in einer Leserunde - hier oder in anderen Foren - erlebt, dass ein Autor oder eine Autorin so engagiert mitgewirkt hat wie Iris Kammerer. Dafür möchte ich ihr herzlich danken.


    Nicht zuletzt möchte ich auch den anderen Teilnehmerinnen danken. Die Leserunde hat Spaß gemacht, mir etwas gegeben, und ich hatte keinen Moment das Gefühl, Zeit zu verschwenden. :schnarch:


    Liebe Grüße,
    mohan :)


    Warum will er die Offiziere überhaupt opfern? War er sich seines Plans nicht sicher, so dass er die Hilfe eines Gottes brauchte?


    Durch seinen Sieg über die Römer dürfte er bei den Stämmen einen sehr guten Stand haben. Vielleicht hofft er ja, durch die Verbindung mit den Göttern, die ihm den Sieg ermöglicht haben, von den Stämmen als "Günstling der Götter" angesehen zu werden. Dadurch könnte sich seine Bedeutung nochmals steigern. Er wäre eine Ausnahme, hätte er nicht Machtambitionen.


    Liebe Grüße,
    mohan

    Liebe Leserunde,


    dramaturgisch haben mir die Schlusskapitel gefallen.




    Komisch, ich war mir beim Lesen gar nicht so sicher, ob Caldus es wirklich geschafft hat, sich umzubringen! Es könnte sein, dass er durch den Aufprall nur betäubt / ohnmächtig war... "Hart traf sein Kopf auf und zerbarst in gleißendem Licht" (S. 373) ist für mich nicht so eindeutig (bei Kopfverletzungen hat man doch schnell mal Sterne vor Augen, etc.), aber da der Faden nicht mehr weiter verfolgt wird, denke ich, dass er wohl wirklich sofort tot war, ich würde es mir wünschen für ihn.



    Stimmt natürlich, mir war es vor allem wichtig, dass er das Ganze nicht bei vollem Bewusstsein miterleben muss. Aber du hast schon Recht, es steht nicht da, dass er an dem Aufprall gestorben ist.



    Ich bin zwar kein Mediziner, glaube aber, dass sich mit mit einem zerborstenen Schädel schlecht leben lässt. :)




    Das Ende hat mir sehr gut gefallen, wirklich schön ohne kitschig zu werden. Ich fand es auch total süß, dass Thiudgif die Initiative ergreift und ich glaube, dass die beiden echt glücklich miteinander werden können.
    Ich fand es echt rührend, als Thiudgif vor ihrem alten Dorf steht und merkt, dass sie dorthin nicht mehr zurück kann. Trotzdem hatte die Szene etwas von einer Entscheidung, also so als ob sie sich gegen ihr Dorf und für Annius entscheidet.



    Mir hat das Ende auch gefallen, nicht zuletzt, weil es, wie du schreibst, nicht kitschig ist. Schön auch, dass nicht geklärt wird, ob Thiudgif aus Liebe zu Annius geht, oder weil ihr die Rückkehr zum Vater nicht mehr möglich ist. Oder glaubt ihr, dass sich Thiudgif und Annius, die sich sehr kurze Zeit kennen und kaum gesehen haben, lieben? Ich bin mir hierüber nicht im Klaren, weshalb mich eure Sicht besonders interessiert.


    Liebe Grüße,
    mohan :)

    Hallo liebe Leserunde.

    Spannend war es wahrlich. Das kann man anders kaum sagen.


    Auch hier stimme ich euch zu. Kapitel X habe ich zweimal gelesen. Ich kenne solche Beschreibungen wie in Kapiteln X - XII aus anderen Büchern. Dort aber haben sie mir selten so gefallen wie in „Varus“. Wie Iris die komplexere Erzählung entwickelt und deren Einheit dann in zwei Parallelhandlungen („Schlacht“ und „Thiudgif“ will ich sie kurz nennen) auflöst, darin mit einem unsichtbaren Faden Annius und Thiudgif verbindet und die Balance zwischen beiden Erzählsträngen hält, das finde ich ausgezeichnet konstruiert.


    Liebe Grüße,
    mohan :)

    Also mir ist es hier ganz ähnlich wie Mobi ergangen. Sie hat dies jetzt auch schon ganz gut rübergebracht.
    Für viele andere mag die damalige Kulisse dieser Zeit ja parat gewesen sein. Vor allem wohl für dich, Iris, da du dich in diese Zeit so gut eingearbeitet hast. Doch auch ich habe bisher um diese Zeit herum recht wenig gelesen. Ich stellte mir Thiudgif eher beim Handarbeiten und Wäsche waschen vor und natürlich beim zuvor erwähnten Gänse hüten. Dass sie dabei auch zwangsläufig Kräuter kennen lernte und Feuer machen konnte blieb auch bei mir leider außen vor. Ein kleines Quentchen, eine kaum wahrnehmbare Szene, in der sie sich nach Kräutern oder Beeren bückt, hätte hier vielleicht schon ausgereicht. Und Mobis Aha-Effekt wäre vorhanden gewesen. ;)


    Liebe Grüssle
    Marion :)



    Hier docke ich ohne weitere Ausführungen an den Aussagen Mobis und apassionatas an, deren Sicht ich teile.


    Liebe Grüße,
    mohan :)

    Klaro ist es immer schwierig denjenigen zu beschreiben, der "den ersten Stein geworfen hat". ;)
    Aber dies ist gewiss auch nicht unsere Aufgabe. Es ist dann eher jene, zu vermeiden, dass noch viel mehr solcher Steine geschmissen werden.
    Ein Unding, ich weiß. Doch ich habe noch Hoffnung, dass auch der Einzelne manchmal etwas bewirken kann. :)



    Jeder Gewalttäter hat das Recht auf seiner Seite, wenn er eine Begründung vorweisen kann. Das können wir beinahe täglich im Fernsehen feststellen.
    "Hier auf Erden gibt's das Recht". Aber von wem für wen? Wer hat den ersten Stein geworfen? Wer den ersten Apfel? Geschmissen oder reingebissen? Wer angefangen hat, darüber streitet man, verständigt sich hingegen selten. Die, die die Steine liegen lassen und aufhören zu werfen, sind schon viel weiter. Deshalb stimme ich apassionata zu. :)


    Was haltet ihr von "Ungeheuern"? Oder "Monstern"? ;) :P ;D


    Ja, so ist es gut. ;) Ich erhalte nur immer so viele Beschwerden von empörten Tieren, deren Interessen ich in meiner Freizeit vertrete. Und meinen Einwurf, der zu diesem Änderungsvorschlag geführt hat, kann ich ihnen als Aktivitätsnachweis vorlegen. :P


    Das habe ich ja nun mit keinem Wort gesagt. Ich habe mich doch nur allgemein über Kooperationselemente zwischen Verbündeten geäußert. War es nicht Arminius, der von Rom ausgebildet wurde zu einem Militär mit exquisiten Kenntnissen in römischer Kriegsführung? War diese Ausbildung nicht eine wichtige Voraussetzung für die Vernichtung der Varus-Legionen? Ich weiß auch so gut wie nichts über Arminius, zumal wir in der Schule sehr wenig mit deutscher Geschichte am Hut hatten.




    Was wäre eine transparente Beschreibung kriegerischer Handlungen? :)


    Das ergibt sich aus meinem Hinweis auf Stone. Transparent sind kriegerische Handlungen, wenn ich einen Plan davon habe, wie das Handlungsfeld aussieht, welche Akteure beteiligt sind, wie sie auf einander einwirken...auch wenn der Kampf selbst ein Tohuwabohu sein sollte...auch wenn es aus der Historie nicht bekannt ist.


    Liebe Grüße,
    mohan

    Hallo zusammen,
    (der Einfachheit halber von Mobi geklaut und nach oben gesetzt)

    Genauso sehe ich das auch. Eigentlich sind wir uns doch einig, oder?



    Aber sicher sind wir das.



    Genau deswegen lese ich auch Histos und keine Sachbücher.



    Dies ist nach wie vor mein erster historischer Roman (vermutlich, vielleicht sollte ich die exakte Definition, die es sicher nicht gibt, mal checken. Apassionatas Hinweis auf Simmons bringt mich gerade ins Wanken.). Meine Motivation liegt darin, eine Fiktionalisierung zu lesen. Daran habe ich bislang auch keinen Zweifel gelassen.



    So kommt es durch seine Außenwirkung im Buch (leider?) auch rüber. Es ist ja offensichtlich, dass du ausführlich recherchiert hast und Varus mag ja wirklich tolle Leistungen in Palästina vollbracht haben, aber das kommt im Buch bei mir einfach nicht an (außer dass diese Leistungen ein-/zweimal erwähnt werden).



    Vielleicht stehe ich damit alleine, aber ich habe mir bisher so gut wie kein Bild von Varus gemacht oder machen können. Ich erlebe ihn allenfalls in Klecksen. (Nicht böse gemeint :) )




    Nicht einmal die versiertesten Wissenschaftler, die sich heutzutage mit dieser Schlacht beschäftigen, haben eine simple Antwort, und auch ich bin der Überzeugung, dass es diese simple Antwort nicht gibt.



    Wir wollen ja, unterstelle ich einmal, keine simplen Antworten. Wobei ich - allgemein - der Meinung bin, dass es gerade der simplen Antworten viel zu viele gibt, auch bei Guido Knopp.




    Und genau diese Frage ist (für mich) eben nicht schlüssig erklärt worden. Auch wenn die Wissenschaft dazu nichts Eindeutiges sagen kann, hätte ich mir im Sinne einer Mutmaßung/Spekulation eben eine Erklärung gewünscht.




    Und warum bringt Varus dann nicht genau diese Argumente? Gut, vielleicht muss er seine Entscheidungen vor seinen Offizieren nicht rechtfertigen, aber dann wäre eben doch die Perspektive aus seiner Sicht nötig (also z.B. wie er in Gedanken seine Alternativen abwägt und Vor- und Nachteile vergleicht).



    Aber wenn ich der Frage nachgehe, wie so etwas geschehen konnte, kann ich dann die maßgeblich beteiligten Personen so abbilden, wie dies bei Varus der Fall ist? Dann möchte ich im Roman eine fiktionale Darstellung von nicht nur Ereignissen und Personen, die teils nur im Anriss präsentiert werden, sondern mich interessieren Motive, die der Perspektive des Autors auf das „Wie“ Tiefe verleihen. Da wir über Varus nicht viel wissen, bedeutet dies, Mutmaßungen über Motive auf Grundlage des wenigen Wissens anzustellen. Es geht mir nach wie vor nicht darum, was Varus warum gemacht hat, sondern darum, was er warum gemacht haben könnte.




    Und noch etwas: Muss man die Leser in den Kopf einer Figur blicken lassen, um sie zu verstehen?


    Haben wir diese Möglichkeit im wirklichen Leben?



    Nein natürlich nicht, es funktioniert ja zum Beispiel bei Arminius auch blendend ohne. Ich kann sehr gut nachvollziehen, warum er den Aufstand anzettelt und Varus verrät.
    Varus verstehe ich so eben nicht und hätte mir deshalb seine Perspektive gewünscht. Es muss auch nicht unbedingt ein Blick in seine Gedanken sein, Gespräche sagen ja auch einiges aus.



    Natürlich haben wir diese Möglichkeit im wirklichen Leben nicht. Gerade deshalb ist unser Umgang mit unseren Mitmenschen ja so weit reichend bestimmt durch Mutmaßungen auf Grundlage unvollständiger Informationen.
    Gerade die fiktionale Literatur bietet aus meiner Sicht die Möglichkeit, dass Autoren in andere Köpfe blicken und Leser an dem teilhaben lassen, was sie dort finden. Liegt darin nicht auch ein grundsätzlicher großer Vorteil historischer Romane im Verhältnis zu historischen Sachbüchern?



    Liebe Grüße,
    mohan :)

    Ein Buch sollte immer auch ein Denkanstoß sein. Und wenn ich mir Varus Motivation in der einen oder anderen Hinsicht dann besser vorstellen kann, warum also nicht? Ob es nun gerade eine Möglichkeit ist, die mir liegt, oder eine, die ich völlig abwegig finde, die mich aber letztendlich zum Überdenken bringt ist mir dabei trotzdem hilfreich. ;)


    - Sehr schön, apassionata, volle Zustimmung.


    - Warum heißt ein Buch "Varus", wenn die Titelfigur bis zum Ende nur eine Randfigur sein soll?


    Liebe Grüße,
    mohan

    Nichts anderes habe ich eigentlich gemeint. :-[ Damit ich hinterher sage, ok so kanns gewesen sein, muss das was du schreibst, gegeben sein. Hier fehlt in Bezug auf Varus aber leider das, was du Mutmaßungen nennst. Keiner kann wissen, warum Varus sich so oder so entschieden hat oder was in seinem Kopf vorgegangen ist. Ich hätte aber eben gern eine Erklärung gehabt, auch wenn die natürlich nur 'Spekulation' von seiten des Autors sein kann.


    LG, Mobi


    Hoffentlich beginnen wir nicht, aneinander vorbeizuschreiben, wo wir vielleicht konsequent übereinstimmen. Natürlich kann das keiner wissen, aber die Mutmaßungen werden eben deshalb ja angestellt. Ich möchte in einem historischen Roman wie du lesen, "warum Varus sich so oder so entschieden hat oder was in seinem Kopf vorgegangen ist", im spekulativen Sinne. Wie hätte sich eine historische Figur unter Berücksichtigung dessen, was wir über sie wissen, in einer bestimmten Situation verhalten können. Derlei Überlegungen werden doch tagtäglich unter den Bedingungen unvollständiger Informationen angestellt.


    Was fällt einem Autor in solchen Momenten an Möglichkeiten ein, wie werden Leerstellen aufgefüllt, vielleicht wie ein Planspiel. Deshalb lese ich ja einen historischen Roman, weil er über mehr Freiheitsgrade verfügt als ein Sachbuch.


    Liebe Grüße,
    mohan :)


    Naja, trotz allem ist es ein historischer ROMAN und kein Sachbuch. Und da erscheint es mir durchaus legitim, historische Figuren, von denen im Zweifelsfall wenig mehr als ein Skelett bekannt ist, so mit Fleisch auszustatten, dass sie über Schemen hinauskommen. Der Reiz besteht doch auch darin, das wenige Wissen über Mutmaßungen so zu erweitern, dass das Wissen in den Mutmaßungen erhalten bleibt und gleichzeitig ein ausgefeilter Charakter entsteht.


    LG, mohan :)


    Aber immer wieder bin ich auch entsetzt, zu was für Tieren so ein Krieg oder Kampf Menschen werden lässt. Daheim haben die Männer selber Frauen und Kinder und können einfach andere Frauen und Kinder auf grausamste Weise abschlachten. Wie wütend und quasi blind vor Wut muss man sein, dass man das so einfach trennen kann? Klar, hier bei den Germanen, die denken einfach nur daran, was mit ihren Frauen und Kindern gemacht wurde und rächen sich jetzt, aber ich finde das trotzdem furchtbar! :o


    Versuche doch einmal, ein anderes Wort als "Tiere" für diesen Zusammenhang zu finden. :)

    Hallo liebe Leserunde,



    Ja, da stimme ich dir zu, ich finde das auch gut, dass darauf eingegangen wird, dass die Römer an allem nicht so ganz unschuldig sind und die Germanen auch zu vielen Gräueltaten angestiftet haben. Ja, genau bei diesem Aufstand haben doch die Römer Germanen auf Germanen losgelassen und den von ihnen gesandten Germanen anscheinend diese brutalen Taktiken, wie Frauen und Kinder rauben und ermorden, geschändete und getötete Frauen am Waldweg aufstellen etc., näher gebracht, oder? :-\ :o



    Die zitierte Stelle sehe ich auch als zentral an für die Diskussion derartiger kriegerischer Auseinandersetzungen. Die Kooperation mit "Verbündeten" geht offenbar häufiger einher damit, dass man ihnen beibringt, was man selbst kann, aber nicht lernt, was sie können und sich darüber hinaus auch nicht weiter mit ihnen befasst. Sie sollen für einen bestimmten Zweck ausgebildet und ausgestattet werden, aber was geschieht, wenn sie sich gegen einen richten, darüber macht man sich scheinbar selten Gedanken oder gar nicht. Afghanistan und Irak sind ja nur zwei aktuelle Beispiele.


    Ich wäre vorsichtig mit der Annahme, Menschen würden Menschen auf andere Menschen loslassen. An einer Stelle in LR-Teil 3 wird ja sinngemäß gesagt, dass es nicht die Götter sind, sondern die Menschen, die die kriegerischen Handlungen begehen. Es sind irgendwelche Interessen, die dazu führen, dass man Kollaborateur wird und sich vielleicht später gegen die wendet, deren Interessen man zuvor - nicht zuletzt im Eigeninteresse - vertreten hat.




    Ja, das kannst du laut sagen, ich fand es sehr spannend. Allerdings habe ich ziemlich den Überblick über die Kampfhandlungen verloren, z.B. in welcher Reihenfolge die Einheiten marschiert sind, wer wohin reitet...
    Insgesamt ging es mir auch ein bisschen zu schnell, erst tönen die Römer noch groß rum, dass Arminius ihnen garnix kann und kaum gibt es 2-3 Überfälle finden sie sich im halbbefestigten Lager wieder, das von allen Seiten umstellt ist. ???



    Hier muss ich dir (leider?) zustimmen. Die kriegerischen Handlungen sind zwar spannend, aber nicht sonderlich transparent beschrieben. Das erinnert mich ein wenig an Oliver Stones Alexander-Film, der in völlig absurder Weise ständig mit Inserts arbeitet, die angeben, um wen es gerade geht und wer gerade wo ist. In Iris’ Darstellung gibt es, zumindest bis jetzt, nur ein Außen, ein Innen, Verbindungspfeile ;) zwischen beiden und ein paar Namen.




    Diese Reaktion würde ich doch auf den Schrecken zurückführen. Schließlich muss er gerade erkennen, dass seine schlimmsten Befürchtungen übertroffen werden -- ohne zu ahnen, dass das Schlimmste noch vor ihnen liegt. Aber von jetzt an weiß er, wer der Gegner ist und dass man ihm in dieser Situation wenig entgegensetzen kann.



    Hier stimme ich Iris zu. Vielleicht ist es schwer vorstellbar, dass auch ein erfahrener Militär seine Grenzen hat, weil seine Erfahrungen nicht allumfassend sein können und dadurch auf jede Situation anwendbar. Außerdem beschreibt Iris den Kampf mehr als ein Inferno aus Pfeilen, Feuer, wildem Durcheinander und persönlicher Überforderung im Schrecken. Da kann sich schon mal das Gehirn eines Soldaten abmelden.


    Liebe Grüße,
    mohan :)