Beiträge von Erendis

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    Ich finde die 50 Minuten wöchentlich bei einer ambulanten Therapie auch sehr knapp bemessen. Ein Klinikaufenthalt wird ja als Ganzes von der Krankenkasse bezahlt, da können die Therapeuten auch mal stärker auf einen Patienten eingehen. Bei der ambulanten Therapie dagegen werden ja nur die 50 Minuten pro Woche bezahlt, dann ist natürlich nach 50 Minuten auch Schluss (der Therapeut / die Therapeutin will ja verständlicherweise nicht unbezahlt arbeiten). Außerdem wartet ja meistens auch schon der nächste Patient, denn Therapieplätze sind knapp und Zeit ist Geld. Ich glaube, das ist einer der Knackpunkte: die Knappheit bei den Therapieplätzen. Da bleibt für den einzelnen Patienten natürlich nicht so viel Zeit, wie notwendig wäre. Ich verstehe nicht, warum man nicht einfach mehr Psychotherapeuten eine Kassenzulassung erteilt. Es gibt ja anscheinend keinen Mangel an Interessenten am Beruf des Psychotherapeuten, das Studienfach Psychologie zum Beispiel ist ja ziemlich stark gefragt, und die Ausbildung auch. Es ärgert mich, dass man hier keine bessere Versorgung der Patienten sicherstellt.

    Zunächst einmal vielen Dank an Uwe für die sehr engagierte und offene Begleitung der Leserunde, die eine tolle Ergänzung zur Lektüre des Buches war.
    Des Weiteren geht mein Dank an alle Mitleserinnen, für die spannende und lehrreiche Diskussion.
    Ich konnte aus der Runde sehr viel für mich mitnehmen, ein großes Dankeschön dafür! :winken:


    Und hier nun meine Rezension:


    Achtung: Die nachfolgende Rezension kann Trigger enthalten!


    In diesem Buch geht es um eine Krankheit, die in unserer Gesellschaft leider viel zu häufig noch immer als Tabuthema behandelt wird – die Depression. Offen und schonungslos erzählt Uwe Hauck von seinem Selbstmordversuch und wie es dazu kam, und wir Leser dürfen ihn anschließend ein Jahr lang auf seinem Weg zur Besserung begleiten, der ihn durch drei unterschiedliche Kliniken führt und auf dem er eine Menge über sich selbst und andere lernt.


    Das Buch gibt einen ehrlichen Einblick in das Gefühlsleben und die Gedankenwelt eines Menschen, der an einer psychischen Erkrankung leidet. Dabei lockern humorvolle Passagen die tiefgründige und oft nachdenklich stimmende Erlebniserzählung immer wieder auf. So brachten mich etwa Anekdoten über sehr originelle Therapieformen des Öfteren zum Schmunzeln. Wie Uwe Hauck in dem Buch feststellt, findet man bei psychisch kranken Menschen oftmals den besten schwarzen Humor – und das belegt er gleich selbst in seinem Buch. Auch die Gespräche zwischen dem Autor und seinen Mitpatienten, die immer wieder in die Erzählung eingestreut sind, enthalten sehr viele feinsinnige Gedanken und Lebensweisheiten, aus denen jeder Leser etwas für sich mitnehmen kann. Kein Wunder, dass Uwe Hauck diese Gespräche unter Patienten als hilfreicher als viele der „professionellen“ Therapien empfunden hat.


    Uwe Hauck spart in seinem Buch aber auch nicht mit Gesellschaftskritik. Sind doch der hohe Stellenwert, den unsere Gesellschaft dem Beruf beimisst und der daraus entstehende Druck auf den einzelnen Arbeitnehmer alles andere als förderlich für die psychische Gesundheit. Der Mensch wird darauf getrimmt, zu funktionieren und nach außen hin immerzu positiv und extrovertiert zu wirken, was dazu führt, dass viele Menschen sich gezwungen fühlen, in der Öffentlichkeit stets eine Maske zu tragen. Klar, dass dies auf Dauer nicht gut gehen kann. Wie Uwe Hauck an mehreren Stellen in seinem Buch anmerkt, ist der wahre Irrsinn dieser Welt oft außerhalb der Klapse zu finden, wo viel zu viele untherapierte Verrückte am Werk sind und besonders sensiblen Menschen das Leben schwer machen.


    Bereits während seiner Klinikaufenthalte twitterte Uwe Hauck regelmäßig unter dem Hashtag „#ausderklapse“, mit dem Ziel, die Öffentlichkeit über diese gefährliche, potenziell lebensgefährliche Krankheit aufzuklären und gleichzeitig auch Vorurteile über die daran erkrankten Menschen sowie über psychiatrische Kliniken abzubauen. Der Erfolg seiner Social Media-Aktivitäten gab ihm Recht, so dass er seither wichtige Aufklärungsarbeit über psychische Krankheiten leistet und dadurch hilft, das Stigma von den betroffenen Menschen zu nehmen und Verständnis in der Gesellschaft zu schaffen.


    Der Schreibstil des Buches ist unterhaltsam, geistreich und auch für Laien gut verständlich, da der Autor auf Fachchinesisch verzichtet und den Fokus merkbar darauf legt, vom Leser verstanden zu werden und einen ehrlichen Einblick in sein Seelenleben zu gewähren. Es sei deshalb nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich nicht um ein Fachbuch handelt, sondern um einen Erlebnisbericht, der neben dem eindeutig vorhandenen Informationswert auch unterhalten soll.


    Alles in allem ist dieses Buch sowohl für Leser zu empfehlen, die selbst an Depressionen und Angststörungen erkrankt sind, als auch für deren Angehörige und für nicht Betroffene. Selbst erkrankte Leser erhalten durch das Buch viele wertvolle Impulse zum Umgang mit ihrer Krankheit, andere Leser gewinnen durch das Buch einen informativen und ehrlichen Einblick in das Gefühlsleben und die Gedankenwelt solcher Menschen und lernen zu verstehen, was diese Krankheit bei einem Menschen anrichten kann und wie man als Außenstehender damit umgehen kann (und wie besser nicht). Klare Leseempfehlung von mir!
    :buchtipp:


    Meine Rezension erscheint auch bei:


    Amazon


    Lovelybooks


    und im Großen Bücherforum

    Ich finde es immer toll, wenn Menschen sich über Depressionen und allgemein über psychische Krankheiten informieren möchten, obwohl sie nicht selbst betroffen sind.
    Je verbreiteter das Wissen über psychische Krankheiten ist, umso größer ist (hoffentlich) das Verständnis in der Gesellschaft für die Betroffenen.

    Oh, auf dein Video freue ich mich auch schon, Bücherkrähe! Ich schaue sehr gerne Video-Rezensionen. :)


    Bei mir wird es auch bis zum Wochenende dauern, bis ich meine Rezension poste. Ich möchte das Buch sich noch ein wenig setzen lassen.

    Oh ja, mein letzter Versuch einer ambulanten Therapie ist auch schief gegangen, weil einfach die Chemie nicht gestimmt hat und wohl auch der Therapieansatz nicht gepasst hat. In der Klinik hatte ich auch zwei verschiedene Therapeuten mit unterschiedlichen Ansätzen bei der Einzeltherapie, weil meine Bezugstherapeutin in Urlaub war. Das fand ich sehr interessant, die unterschiedlichen Arbeitsweisen mal zu sehen. Und beide fand ich klasse.

    Ich bin nun auch durch mit dem Buch und möchte noch kurz meine Eindrücke zum letzten Abschnitt loswerden. :)


    Sehr schön fand ich beschrieben, wie du, Uwe, langsam eine positive Veränderung spürst und dich zum Ende hin innerlich mit der Reha versöhnst. Du erkennst, dass die Therapie die Krankheit nicht heilen kann, sehr wohl aber zum Nachdenken darüber anregen, was einem selbst im Leben wichtig ist und so dabei helfen, sich selbst (wieder) zu finden. Was dir ja erfreulicherweise auch gelingt, indem du zum Beispiel deine alte Leidenschaft für die Malerei wieder entdeckst.
    Umsetzen muss man die gewonnenen Erkenntnisse dann allerdings außerhalb der Klinik selbst. Was leider alles andere als einfach ist, wie ich momentan selbst auch feststellen muss.


    Ganz bedeutend ist auch die Erkenntnis, dass du selbst der wichtigste Mensch in deinem Leben bist und auch die wichtigste Rolle darin spielen solltest. Dann kommen Familie und Freunde und dann erst - mit großem Abstand - die beruflichen Kontakte. Das geht im Alltag leider oftmals unter, und das bei Weitem nicht nur bei psychisch kranken Menschen.


    Dieses Ritual mit der Schwitzhütte klingt ja etwas abgehoben, aber es gibt bestimmt auch Leute, denen das etwas bringt. Ganz seltsam fand ich den Patienten, der sich berufen fühlt, seine Mitpatienten vor einer Teilnahme an diesem "heiligen" Ritual zu warnen, wenn sie dieses nicht ausreichend ernst nehmen. Da nimmt sich wohl einer ziemlich wichtig.


    Die konzentrierte Bewegungstherapie klang auch sehr interessant. Das Einschätzen der Zeit würde mir auch schwer fallen, die innere Uhr ist bei den meisten Menschen wegen der alltäglichen Hektik nicht mehr funktionsfähig. Mit dem Einschätzen von Alter und Gewicht meiner Mitpatienten hätte ich wohl auch so meine Probleme wegen der hohen Fettnäpfchen-Gefahr. :D


    Die Wortneuschöpfung "therapös" hat mir gut gefallen. Dieses Gefühl hatte ich nach zu vielen aufeinander folgenden Therapien auch oft, da hat mir dann genau so ein Wort dafür gefehlt. ;)


    Da sieht man mal wieder, dass jeder Therapeut einen anderen Therapieansatz verfolgt: der eine sagt, du sollst deine traumatische Vergangenheit besser vergraben lassen, der andere sagt, du sollst sie unbedingt aufdecken. Da ist man als Patient dann selbst gefordert, sich darüber klar zu werden, was wohl das Beste für einen selbst ist.


    Das Gespräch mit Klara über ihren depressiven Mann war sehr berührend und zeigt noch einmal deutlich, wie auch die Angehörigen von psychisch kranken Menschen unter dieser Situation leiden und was ihnen alles abverlangt wird. Ich ziehe den Hut vor Klara und vor Sibylle, diese Frauen sind unheimlich stark.


    Die Wiedereingliederung wäre mir auch zu schnell erfolgt. Nach sechs Wochen schon wieder Vollzeit arbeiten, nach einem ganzen Jahr in Therapie - das finde ich wirklich heftig. Dazu kommt noch der nicht gerade verständnisvolle Chef, der davon ausgeht, dass du völlig geheilt entlassen wirst. Ich hatte schon fast befürchtet, dass das nicht gut geht. Und so war es dann auch, der ganze Druck führte zu einer erneuten Panikattacke. Da stelle ich mir schon die Frage, ob das Hamburger Modell zur Wiedereingliederung psychisch kranker Menschen überhaupt geeignet ist. Besonders, wenn man ohnehin schon schlecht mit beruflichem Druck und Stress umgehen kann, ist dieses Modell wohl nicht unbedingt zweckmäßig.


    Ich fand es aber sehr gut, dass du nicht das Happy End gewählt hast, sondern auch offen mit deinem Rückfall umgegangen bist. Dadurch wird dem Leser vor Augen geführt, dass Depressionen und Angsterkrankungen nur in den seltensten Fällen vollständig geheilt werden können und dass sie den Betroffenen meist das ganze Leben lang begleiten. Auch diese Tatsache ist den meisten "normalen" Menschen nicht bewusst, wie man zum Beispiel am Verhalten des Chefs gemerkt hat.


    Alles in allem fand ich das Buch sehr authentisch und ehrlich geschrieben und ich würde mich über einen zweiten Teil freuen.

    Da hatte ich auch Glück mit meiner Klinik. Obwohl es sich bei der Klinikgruppe um ein privates Wirtschaftsunternehmen handelt, wird sich trotzdem viel Zeit für den Patienten genommen. So gibt es zum Beispiel eine Co-Therapie, das sind spezialisierte Schwestern und Pfleger, die man jederzeit um ein Unterstützungsgespräch bitten kann.
    Auch die Therapeuten sind immer zugänglich und nehmen sich viel Zeit. Es handelt es sich allerdings größtenteils um noch sehr junge Therapeuten, vielleicht wird bei ihrem Gehalt gespart (was ich nicht hoffe).


    Die langen Wartezeiten bei der Psychotherapie finde ich sehr problematisch. Ich suche gerade nach einem ambulanten Therapeuten, da sieht es auch sehr schlecht aus, momentan gibt es einfach keine freien Therapieplätze. Dabei gibt es bei uns im Umkreis ziemlich viele Psychotherapeuten. Immer noch zu wenig.


    Das habe ich mich auch gefragt. Erstens, wie sehr "stört" es den Erfolg der Therapie und zweitens, ob die Therapeuten es gar nicht wirklich unbedingt "merken" oder ob es - aufgrund des Zeitmangels? - "egal" ist?
    Wenn ein Patient "immer" das erzählt, was man hören möchte, was erwartet wird... das kann aber doch auch irgendwie nicht gut sein? Ich kann es ja aus Patientensicht sogar nachvollziehen. Aber trotzdem würde man sich doch wünschen, dass es auch anders geht? Ich finde das irgendwie reichlich schwierig, kann aber auch verstehen, dass man als Patient vielleicht nicht unbedingt Lust hat auf "Rechtfertigung" und längere Diskussionen. Andererseits wäre ja auch das vielleicht hilfreich? Schwierig.


    Genau, deshalb ist auch die therapeutische Beziehung so wichtig. Die Chemie zwischen Therapeut und Patient muss unbedingt stimmen, sonst hat die ganze Therapie keinen Sinn. Das ist aber bei einem kurzen stationären Aufenthalt natürlich schwieriger als bei einer ambulanten Therapie, bei der man über Jahre Zeit hat, eine solche Beziehung aufzubauen. Außerdem kann man sich seinen Bezugstherapeuten in einer Klinik oft nicht aussuchen. Wenn da jetzt eine schlechte Chemie besteht, hat der Patient einfach Pech gehabt (und der Therapeut auch). Da hatte ich im Vorfeld schon Bedenken, aber ich hatte Glück mit meiner Therapeutin.



    Uwe, ich muß auch sagen, dass ich dich da bewundere. Ich hätte das nicht durchgehalten und auch nicht durchhalten wollen. Ich hätte vermutlich erheblichen Widerstand geleistet. Jetzt bin ich aber nicht so viel im Internet unterwegs und auch nicht auf Instagram oder Twitter. Ich kenne beides nur vom hören bisher. Aber Internetforen, Gesprächschats usw. würde ich nicht missen wollen. Ebenso wenig Whats App. Es gibt Tage, da kann ich das Haus gar nicht verlassen und wenigstens so habe ich dann ein wenig Austausch.


    Geht mir genauso, gerade weil ich im Moment ein wenig sozial isoliert bin, ist das Internet auch für mich eine wichtige Verbindung zur Außenwelt. Das ist bei Depressionen wahrscheinlich sehr häufig der Fall. Genau deshalb kann ich auch nicht verstehen, warum Uwes Therapeut eine vollkommene Internetabstinenz für so dermaßen sinnvoll hält. Dann verliert der Patient noch seinen letzten Draht zur Außenwelt und isoliert sich vollkommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das besser für die Psyche ist als ein reger Austausch in den sozialen Medien, der ja in der Regel auch als etwas Positives empfunden wird.

    Dieser Abschnitt zeigt deutlich, dass die Therapien schon etwas in dir, Uwe, verändert haben. Toll, dass du die unangenehmen Nebenwirkungen der Medikamente angesprochen hast, und dass auch entsprechend Abhilfe geschaffen werden konnte. Es stimmt, in solchen Dingen ist eine gewisse Offenheit sehr wichtig, aber viele Menschen hätten an deiner Stelle wohl eher geschwiegen. Und das Witzeln über die Situation mit deinen Mitpatienten hat dann sicherlich auch noch mal gut getan.


    Der Weinkrampf deiner Frau hat mich auch berührt, wobei ich aber auch damit gerechnet habe, dass so etwas noch kommt. Immer stark sein kann kein Mensch, und deine Frau hat schon so lange eine bewundernswerte Stärke gezeigt.


    Die lange Wartezeit zwischen Tagesklinik und Reha war bestimmt auch sehr nervenaufreibend. Das finde ich ziemlich ungünstig, dass der Patient hier ein paar Monate lang einfach sich selbst überlassen wird. Hier sollten unbedingt mehr Reha-Plätze geschaffen werden, um den anscheinend hohen Bedarf zu decken.


    Dass Herr Platt in die Abteilung für Suchtkranke gewechselt ist, ist wirklich bezeichnend. Kein Wunder, dass der ständig nach Anzeichen für eine Suchtkrankheit gesucht hat, wenn er auf dieses Gebiet spezialisiert ist. In dem Kapitel wird auch klar, dass du nicht sonderlich viel von diesem Therapeuten hältst. Das ist schade, wenn man an einen Therapeuten gerät, zu dem man einfach keinen Draht findet und der einen dann auch noch gnadenlos fehldiagnostiziert.


    Das Barcamp scheint wirklich einen großen Durchbruch für dich bedeutet zu haben. Du hast eine neue Lebensaufgabe gefunden, was sich anscheinend auch positiv auf deine Ängste ausgewirkt hat, sie förmlich in den Hintergrund gedrängt hat. Das war sehr spannend zu lesen.


    Mit der Reha-Klinik hast du ja augenscheinlich ziemlich Glück gehabt, auch wenn du die Reha erst einmal innerlich ablehnst. Fünf Wochen sind ja auch ein überschaubarer Zeitraum. Die ganzen Aufnahmeformalitäten waren ganz ähnlich wie bei mir, und endlich bist du auch in den Genuss eines Einzelzimmers gekommen.


    Die Therapeuten scheinen auch mehr von ihrem Beruf zu verstehen als die in der Tagesklinik und haben gleich erkannt, dass die Angststörung der eigentliche Grund für deine Probleme ist. Jetzt gilt es, Strategien zur Eindämmung dieser Ängste zu finden.


    Den Brief an deine Kinder fand ich sehr berührend. Hast du den Brief noch während der Reha an die Kinder geschickt oder ihn ihnen danach persönlich gegeben?


    Oje, die Männergruppe... :D Ich war die ganze Zeit am Grinsen, als ich die Beschreibung im Buch las. Den "Redestab" lasse ich mir ja gerade noch eingehen - aber das "Howgh" danach? Nun ja... Das Gespräch an sich war recht interessant, wobei der Redestab so manchen Patienten nach meinem Eindruck eher gehemmt anstatt ermutigt hat. Da wäre ich dann wohl auch nicht mehr hingegangen. Gab es analog dazu auch eine Frauengruppe? Würde mich ja brennend interessieren, wie die dann abläuft. ;D


    Das Gespräch mit Anne war auch sehr berührend und bestimmt auch sehr wertvoll für euch beide. So konntet ihr euch in die Perspektive des jeweils anderen hineinversetzen und das Thema Suizid auch mal aus der anderen Perspektive betrachten. Das war auch für mich beim Lesen sehr interessant.


    Markus fand ich auch gleich toll, er scheint seinen Beruf wirklich zu leben. Ich wusste nicht, dass eine zu flache Atmung sogar Ängste auslösen kann, das fand ich sehr faszinierend.


    Schade, dass deine Mitpatienten in der Reha-Klinik nicht so gut zu dir gepasst haben wie diejenigen in der Tagesklinik. Ich habe auch festgestellt, wie wichtig die "richtigen" Mitpatienten beim stationären Aufenthalt sind. Wenn hier die Chemie stimmt, ist die ganze Therapie gleich viel gewinnbringender. Ähnlich wie beim Therapeuten.


    Heimweh hatte ich zu Beginn meines Klinikaufenthalts auch ziemlich stark, aber das hat sich dann zum Glück schnell gelegt.


    Übrigens fand ich es klasse, dass du den Mut hattest, eine Verlängerung der Reha abzulehnen, Uwe! Es stimmt, irgendwann bringen einem die ganzen Therapien nichts mehr und es ist Zeit, das Gelernte endlich im Alltag anzuwenden.


    Was den Job angeht, ich hab das Glück, dass ich jetzt in einem absolut tollen Team gelandet bin bei Aufgaben, die mir sehr viel Freude machen. Sozusagen Glück im Unglück.


    Das freut mich für dich. :)
    Ein gutes Betriebsklima und einen respektvollen Umgang miteinander finde ich bei einer Arbeitsstelle am wichtigsten. Besonders die Führungskompetenz des Vorgesetzten spielt auch eine extrem wichtige Rolle. Es gibt leider zu viele unfähige Führungskräfte...


    Ja, neben einer Fortsetzung von Depression abzugeben arbeite ich aktuell an einem Jugendbuch und einem Roman.


    Oh, eine Fortsetzung! Da würde ich auf jeden Fall gerne eine lesen. Die Leseprobe auf deinem Blog gefällt mir schon mal. Ich drücke dir die Daumen, dass ein Verlag interessiert ist! :) Auch für deine anderen Schreibprojekte wünsche ich dir viel Erfolg und viel Freude!

    So, ich habe noch den Rest des Abschnitts gelesen. :lesen:


    Die Technikfeindlichkeit deiner Therapeuten finde ich auch etwas übertrieben. Es scheint sich ja um ältere Therapeuten zu handeln, die selbst nicht viel mit den sozialen Medien und dem ganzen "Neuland" anfangen können. Da hatte ich Glück mit meinen jungen Therapeuten, die hatten gegen meine Internetnutzung nichts einzuwenden und meine Beteiligung in Internetforen wurde sogar befürwortet. Meine Therapeuten waren sowieso toll. :)


    Vier Wochen offline ist zwar mal ein interessantes Experiment, aber ob es auch therapeutisch sinnvoll ist, ist eine andere Frage. Zumal heutzutage ja auch Verabredungen oft über soziale Medien laufen. Aber das können diese Ewiggestrigen natürlich nicht nachvollziehen.


    Gut, dass du in deiner schweren Krise den Mut gefunden hast, dich in der Morgenrunde zu öffnen, so dass dir gleich mit Gesprächen geholfen werden konnte.
    Das mit den Existenzängsten kann ich gut nachvollziehen, aber zum Glück konnte dein Chef dir im Gespräch versichern, dass dein Platz im Team frei bleibt. Das zeigt auch, welche Wertschätzung man dir in dem Unternehmen entgegen bringt. Auf jeden Fall war es eine gute Idee von deinem Therapeuten, dir dieses Gespräch in Auftrag zu geben.


    Eine Verlängerung der Therapie ist wohl auch sehr sinnvoll, denn offensichtlich warst du zu diesem Zeitpunkt wirklich noch nicht stabil und schon gar nicht arbeitsfähig.


    Der Stammtisch ist auch eine tolle Idee, so habt ihr auch nach der Entlassung aus der Klinik noch die Möglichkeit, euch auszutauschen.


    Deine Kinder haben deine "Beichte" des Suizidversuchs zum Glück auch sehr gut weggesteckt. Die drei scheinen auch schon sehr starke Persönlichkeiten zu sein, und sehr klug obendrein. Und das Timing war dann auch noch genau richtig.

    So, ich bin auch ein Kapitel weiter. :)


    Das System mit den Paten, die neue Patienten durch die Klinik führen und ihnen alles zeigen, gab es in "meiner" Klinik auch. Das fand ich toll, so erfährt man schon mal einiges aus dem Klinikalltag aus Patientensicht.


    Die Gruppentherapien waren für mich immer am hilfreichsten, wenn auch nicht immer leicht. Und ich ziehe meinen Hut vor dir, Uwe, dass du gleich bei deiner ersten Gruppentherapie-Stunde ein Thema eingebracht hast. Ich Feigling habe da deutlich länger gebraucht, bis ich mich mal getraut habe. Und das Thema mit der Wut ist ja auch sehr interessant und betrifft wohl viele psychisch kranke Menschen, das hat wahrscheinlich allen etwas gebracht.


    Ein ganz wichtiger Aspekt der Therapie ist es meiner Meinung nach, für sich herauszufinden, was einem gut tut. Bei dem einen ist das eben das Malen, beim anderen Entspannungsübungen und wieder jemand anders schwört vielleicht sogar aufs Tanzen. ;)
    Aber dabei wird man eben auch immer wieder mit Dingen konfrontiert, mit denen man wenig anfangen kann. Damit hatte ich anfangs auch so meine Probleme. Zum Beispiel waren die sogenannten Vertrauensübungen so gar nicht meines.


    Dieses Kennenlern-Spiel mit dem Bälle-Zuwerfen haben wir auch gemacht. Und noch diverse andere. Für jemanden mit sozialen Ängsten ist das natürlich nicht so spaßig. Da wäre ich dann am liebsten wieder nach Hause gefahren (war an meinem zweiten Tag). Sich Namen zu merken ist dabei sowieso nicht möglich, wenn man bei so einem "lustigen" Spielchen mit seinen Ängsten konfrontiert wird. Na ja...


    Bei deiner Schilderung der Tanztherapie habe ich mich köstlich amüsiert. Bewusstes Gehen, herrlich. Da wäre ich bestimmt auch gegen den nächsten Pfosten gelaufen. :D


    Deine Gespräche mit deinen Mitpatienten lese ich immer sehr gerne, da kommen oft sehr gute und interessante Denkanstöße. Tolle Menschen hast du da kennen gelernt.
    Es stimmt, die Verursacher unserer Misere haben wohl meistens keine Ahnung, was sie da eigentlich anrichten. Oder sie sind böswillig, das gibt es natürlich auch. Das ist zum Beispiel bei Mobbing der Fall. Bei Laras Chef bin ich mir da nicht so sicher.


    Interessant fand ich auch den Aspekt, den der Psychotherapeut erwähnt hat, dass die meisten Patienten zu 95 % psychisch gesund seien und nur die übrigen 5 % therapiebedürftig. Ein solch kleiner Anteil der menschlichen Psyche löst derartige heftigen Auswirkungen im Leben eines Menschen aus, das finde ich sehr bemerkenswert.

    Darkage-Castle, mich freut es auch sehr, dass du den Mut gefunden hast, dich zu "outen". Je mehr Menschen dazu stehen und darüber aufklären, desto besser.



    Als "nicht Betroffene" lese ich sehr Aufmerksam eure Postings und frage mich wirklich oft, ob Menschen mit Depressionen nicht vielleicht auch Menschen mit viel zu viel Gefühl sind?


    Ich denke, das spielt auf jeden Fall eine Rolle. Und hinzu kommt noch, dass Betroffene Probleme damit haben, mit ihren Gefühlen / Emotionen umzugehen. Genau wie auch mit Belastungen von außen. Das "dicke Fell" fehlt einfach oder ist zu gering ausgeprägt.

    So, dann schreibe ich mal meine Gedanken zum Rest dieses Abschnitts auf.


    Auch ich ziehe während des Lesens immer wieder Vergleiche zu meinen eigenen Klinikerfahrungen. Bei mir handelte es sich um eine psychosomatische Klinik, wo ich eben auch viele Gesprächstherapien hatte. Und ja, auch ich finde die Gesprächstherapien am hilfreichsten, sowohl in Form der Gruppentherapie als auch der Einzeltherapie. Ich denke auch, dass man seine Krankheit erst einmal verstehen muss, und dann auch akzeptieren, um sich dann herauskämpfen zu können. Allerdings bin ich auch sehr analytisch veranlagt und will mich deshalb immer auch intellektuell mit meiner Krankheit auseinandersetzen. Vielleicht ticken da andere Menschen ganz anders als wir Analytiker. :)


    Zum Thema Suizid habe ich genau die gleichen Gedanken wie du - ich finde es auch beruhigend, einen Ausgang zu kennen, ohne wirklich hindurchspazieren zu wollen. Aber rein das Wissen um die Möglichkeit hilft mir persönlich schon sehr, mein Leben zu meistern. Hier habe ich beim Lesen innerlich genickt, genau so denke ich auch.


    Über den vielen untherapierten Wahnsinn in der Gesellschaft habe ich mir auch schon meine Gedanken gemacht. In der Klinik hatte ich oft den Eindruck, dort sind die eigentlich normalen Menschen, die Sensiblen, die sich viele Gedanken machen, während die richtig Irren draußen ihr Unwesen treiben (und auf die Menschen in der Klinik herabschauen). Schon allein der Umgang untereinander ist in der Klinik viel respektvoller und freundlicher als in der "normalen" Welt, wo das gesellschaftliche Klima immer rauer wird.


    In der Verhaltenstherapie wird anscheinend mit dem Ansatz gearbeitet, dass man nur sein Verhalten ändern muss, dann werden sich allmählich die Gedanken auch in die richtige Richtung bewegen. Dem stehe ich auch eher skeptisch gegenüber und frage mich, ob es nicht sinnvoller ist, zuerst einmal die innere Einstellung und die Gedanken zu verändern und dann am Verhalten zu arbeiten. Ich verstehe auch nicht, warum der verhaltenstherapeutische und der tiefenpsychologische Ansatz so strikt getrennt werden. Es fragt sich, ob nicht in einigen Fällen eine Kombination aus beiden Ansätzen optimal wäre.


    Dass dir die vielen Beschäftigungstherapien an einem gewissen Punkt nichts mehr gegeben haben, kann ich auch gut nachvollziehen. Das Korbflechten hätte mir wohl auch nicht lange gefallen, mit meinen zwei linken Händen. Kunsttherapie hatte ich auch und das hat mir wiederum sehr gut gefallen. Ich habe die Malerei dort als Hobby für mich entdeckt und will sie auf jeden Fall auch weiter betreiben. Bogenschießen hatte ich mal in der Körpertherapie, das hat mich ein wenig frustriert, da ich so gut wie nie die Zielscheibe getroffen habe. Aber es ging ja auch nur darum, seine innere Mitte zu finden. ;)


    Die positive Resonanz auf deinen Blogeintrag hat mich gefreut, das zeigt doch deutlich, dass du mit deiner Offenheit den richtigen Weg gehst. :)


    Das Verhalten deines Chefs ist aber auch etwas eigenartig. Ich weiß ja nicht, wie euer Verhältnis sonst so ist, aber ich habe da auch sofort an Stalking gedacht. Ich meine, wieso googelt der deinen Namen? Und dann spricht er auch noch mit deiner Frau darüber. ??? Auf jeden Fall hätte es mich auch unglaublich aufgeregt, wenn der Chef sich ins Privatleben einmischt. Von daher konnte ich deine heftige Reaktion schon irgendwo auch nachvollziehen.


    Schade, dass es mit der psychosomatischen Klinik nicht geklappt hat. Aber du durftest ja dann ohnehin bald in die Tagesklinik wechseln...

    Ja, das stelle ich im Alltag auch oft fest, dass den Menschen einfach nicht klar ist, dass die Depression eine Krankheit ist, die sich nicht einfach mit "Augen zu und durch" überwinden lässt. Und daher ist es sehr wichtig, die Öffentlichkeit darüber aufzuklären und ich finde es nach wie vor klasse, dass du dich dieser Aufgabe annimmst, Uwe.

    Da sage ich doch auch mal herzlichen Glückwunsch zum "zweiten" Geburtstag. :)
    Ich finde es toll, dass du das als Grund zum Feiern anerkennst.
    Und ich verfolge deine Rückkehr ins Leben weiterhin gespannt im Buch.

    So, ich bin auch ein Kapitel weiter.
    War es also doch gut, dass die Kollegin Barbara zu Besuch gekommen ist, das war offenbar ein sehr guter Kliniktag und mit vielen positiven Gefühlen verbunden.


    Der Perfektionismus ist bei psychischen Problemen allgegenwärtig (und nicht nur dort), den kenne ich selber auch nur zu gut. Dieses nicht "nein" sagen können war bei uns in der Gruppentherapie sehr häufig ein Thema, das ist genauso weit verbreitet. Und die Ansätze für dieses Verhalten werden ganz oft in der Kindheit geschaffen, wie auch hier bei diesem Gespräch wieder klar wird. Sehr interessant auch der Gedanke, dass den Menschen, die diese Saat bei einem Kind setzen, in den meisten Fällen gar nicht bewusst ist, was sie damit anrichten.


    Dann die Frage, ob und inwieweit Masken sinnvoll sind. Ohne Masken ist das Leben sehr schwierig und besonders im Berufsleben geht es wohl schwerlich ohne sie. Aber im privaten Bereich, besonders bei nahestehenden Menschen ist es wahrscheinlich sinnvoll, die Masken auch mal (zumindest zeitweise) fallen zu lassen. Was natürlich enorm schwierig ist, wenn das Urvertrauen fehlt. Viele Menschen müssen erst wieder lernen, die eigenen Bedürfnisse auszudrücken und sie selbst zu sein. Der Ausdruck "süchtig nach Zuneigung" ist auch sehr passend. Die Angst vor Ablehnung ist eine starke Hürde, was das Nein-sagen und Zu-sich-selbst-stehen angeht. Der allgegenwärtige Druck in unserer Gesellschaft und insbesondere im Arbeitsleben tut ein Übriges.


    Das Korbflechten wäre wohl für mich auch nichts gewesen, ich bin auch mit zwei linken Händen "gesegnet". :D
    Na, ob diese Gouvernante für die Arbeit mit psychisch Kranken geeignet ist, mit ihrer barschen Art...? Bei so etwas wird man ja noch zum Perfektionismus getrieben, den man sich ja eigentlich abgewöhnen sollte. Kontraproduktiv.
    Was die Hochsensibilität angeht, und das frühzeitige Spüren von schlechten "Vibes" - das kann Fluch und Segen zugleich sein. Einerseits macht es extrem misstrauisch und oft einsam, wie Uwe ja schreibt, andererseits kann es natürlich sehr hilfreich sein, wenn die Alarmglocken frühzeitig schrillen. Ich denke, man muss nur lernen, diese "Gabe" richtig einzusetzen und für sich nutzbar zu machen.


    Wieder kommt auch zur Geltung, dass Uwe sich wieder über Kleinigkeiten freuen kann - diesmal der Fund eines Holz-Marienkäfers. Das ist schon mal ein gutes Zeichen im Hinblick auf die Genesung.


    Bewegung wirkt auch immer Wunder bei Depressionen, die wird einem auch von allen Seiten empfohlen. Wobei es nicht immer einfach ist, sich dazu aufzuraffen. Nordic Walking habe ich noch gar nicht ausprobiert, da sind mir die guten alten Spaziergänge irgendwie lieber. ;)


    Der Besuch des Vaters war sehr berührend, der arme Mann scheint ziemlich überfordert mit der Situation gewesen zu sein. In dem Fall war es sicher sinnvoll, eine Maske aufzusetzen. Heftig fand ich, dass du damals alleine bei deinem Vater im Krankenhaus warst. Da scheinst du ja doch einiges aus deiner Kindheit verdrängt zu haben.