Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler)  (Gelesen 986 mal)

Offline Dani

  • Administrator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 12055
Ein wichtiger Punkt der Leserunden sind eure Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein – daher legen wir viel Wert darauf, dass ihr zum Abschluß zeitnah euer Fazit hier einstellt.

Zahlreiche Rezensionen hier und die Streuung auf anderen Seiten steigern bei den Verlagen und Autoren die Attraktivität von Leserunden.de: Denkt daran, dass die Rezensionen für die Verlage die "Gegenleistung" für die Freiexemplare sind.

Wir freuen uns, wenn der/die AutorIn ebenfalls ein Fazit zur Leserunde einstellt.

Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen!
Liebe Grüße
Dani

Offline smyrill

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 7347
Wie im Wald erzählt ganz grob gesagt die Geschichte zweier Mädchen die als Tochter und Pflegetochter zusammen aufwachsen.
Diese Geschichte, in der es eine große Katastrophe und ganz viele kleinere (nicht kleine) Unglücke gibt, wird in vielen einzelnen Stückchen erzählt.

Ich gebe zu: auf den ersten Seiten (laut der Autorin knnten es die ersten ca 30 gewesen sein) habe ich mich etwas gequält... ein sperriger Schreibstil, ständig wechselnde Personen und Zeiten. Dazu ja eine nicht wirkich "schöne" Geschichte.

Zum Glück habe ich aber durchgehalten und ein sehr intensives Leseerlebnis gehabt.

Im Buch begegnen einem nur ... hm... "gestörte" Personen, diese sind dann noch durch Beziehungsgeflechte derartig miteinander verwoben - unglaublich.
Aber die Geschichte, die man hier nach und nach erfährt übt einen enormen Sog aus, man fällt von einem Entsetzen ins nächste, kann auch nciht mehr wirklich loskommen von den Personen. Ich zumindest wollte unbedingt die "Auflösung" wissen.
Wobei diese Auflösung auch wiederum nicht das Wichtigste in dem Buch ist, eher "der Weg ist das Ziel".

Und der Schreibstil ist auch genau der richtige dafür, denn er "stoppt" einen immer wieder beimm Lesen, was zum einen notwendig ist zum Verstehen und zum anderen zum "mal kurz Luft holen". In dieser Geschichte schneller voranzukommen hätte mich wahrscheinlich wirklich umgehauen. Oder aber ich hätte  automatisch viel oberflächlicher gelesen, um dieses ganze Grauen gar nicht so dicht an mich heranzulassen.
Der Sumpf in dem man hier beim Lesen landet wird noch schlimmer durch die ganzen Perspektiven- und Zeitenwechsel.

Für mich ist es eine ganz schreckliche Geschichte die faszinierend aufgeschrieben wurde.
Und es ist keine "Unterhaltung" die mir das Buch beschert sondern... entsetzte Faszination oder fasziniertes Entsetzen.

Auf jeden Fall ist es ein wirklich lesenswertes Buch und eine tolle schriftstellerische Leistung.
Ich bin froh, das Buch gelesen zu haben aber ich bin jetzt auch froh, das es zuende ist, ich aus den "Abgründen menschlichen Miteinanders" wieder auftauchen kann.

Ich nehme an, diese Rezi ist ziemlich verworren, so passt sie aber zu dem, was ich beim Lesen empfunden habe, da war auch nichts gradliniges und nichts "Klares".

Das Buch ist für mich eine klare Lesempfehlung für alle, die sich darauf einlassen können.

Herzlichen Dank an meine Mitleser, die ja alle noch unterwegs sind. Es war spannend, das Buch mit Euch zusammen zu lesen und beruhigend, das wir in vielen Dingen ähnliche Sichtweisen und Meinunge hatten. Auch war es für mich wichtig, ducht meine und Eure Beiträge etwas mehr Klarheit zu bekommen.
Dir, Elisabeth ganz herzlichen Dank für Deine Teilnahme hier und für die aufschlußreichen Einblicke in die Entstehung des Buches.  :bussi:

Bei einer weiteren Leserunde mit Dir wäre ich sofort wieder dabei.

Offline nicigirl85

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 3098
  • Büchereule und Blogger mit Leidenschaft
    • nicigirl85s welt
Wie versprochen hier nun auch pünktlich meine Rezension:

Titel: Eine Familie ohne Liebe...

"Wie im Wald" ist keine leichte Kost, die man mal schnell zwischendurch lesen kann und es ist auch kein Buch, um sich den Tag zu versüßen, denn es lässt uns in menschliche Abgründe blicken. Man liest es viel mehr mit Bedacht, streut kleine Pausen ein, um die Handlung verdauen zu können.

Beim Lesen wird schnell klar, dass mit der Familie etwas nicht stimmt. Sie haben ein Geheimnis, was zu den Zerwürfnissen innerhalb der Familie geführt hat. Man ahnt sehr schnell, was es sein könnte, aber erst ganz zum Schluss wird aufgelöst und man ist dennoch geschockt.

Elisabeth Klar hat hier Charaktere geschaffen, die man gern verstehen wollen würde, aber wie soll man dies, bei dem was sie tun und erst recht, wenn man sie nicht mag?

Ich fand die Geschichte wirklich sehr spannend, aber man muss in der Stimmung für das Buch sein, denn es zieht einen extrem nach unten, bedrückt einen und macht traurig.

Fazit: Anspruchsvoller Roman, der einen in die Abgründe der menschlichen Seele blicken lässt. Schwere Kost und daher nur bedingt empfehlenswert.

Bewertung: 3/ 5 Sternen

----

Ihr findet die Rezension auch hier:

Mein Blog: http://nicigirl85.blogspot.de/2015/01/rezension-elisabeth-klar.html

Amazon: http://www.amazon.de/review/R31L2KQPYNS34L/ref=cm_cr_rdp_perm

Wasliestdu: http://wasliestdu.de/rezension/eine-familie-ohne-liebe

Lovelybooks: http://www.lovelybooks.de/autor/Elisabeth-Klar/Wie-im-Wald-1129947237-w/rezension/1129985558/

Literaturschock: http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php/topic,35329.0.html

Goodreads: https://www.goodreads.com/review/show/1164367965?book_show_action=false

Buechereule: http://www.buechereule.de/wbb2/thread.php?threadid=82528
"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)

Offline Gaby

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 1143
  • Lesen ist meine schönste Freizeitbeschäftigung
Inge und August Ludevik leben mit ihren Kindern Peter, Margarete "Grete" und Karin in einem Haus am Waldrand. Lisa Neuwirth wird als Pflegekind bei ihnen aufgenommen...

Elisabeth Klar erzählt die Familiengeschichte, bei der es hauptsächlich um Lisa und Karin geht, aus zwei zeitlichen Perspektiven. Zum einen lese ich die Beziehung der beiden Mädchen als sie Kinder waren. Dann kommt die Jetztzeit, in der Karin und Lisa wieder zusammen leben.

Es ist absolut keine leichte Kost oder schnell zu lesende Unterhaltung, die mir hier serviert wird. Tiefgründig, erschreckend und spannend wird schnell klar, dass es ein Familiengeheimnis gibt, dass ergründet werden will.
Der stockende Schreibstil und die dauernd wechselnden Zeitperspektiven machen es mir anfangs nicht leicht, in die Geschichte hinein zu finden. Immer wieder höre ich auch auf mit Lesen um das gelesene zu begreifen, dass mich doch etwas hinunter zieht. Erschreckt und fasziniert zugleich begleite ich die beiden Mädchen oder jungen Frauen bei ihrem Weg, der oft "im Wald" endet.

Es kommt nicht oft vor, dass ich eine Geschichte lese, in der mir die Protagonisten alle unsympathisch sind - hier ist genau das der Fall. Ich will verstehen, warum sie tun, was sie tun. Andererseits erschreckt mich ihr Verhalten. Oft weiß ich nicht, ist es nun Traum oder Wirklichkeit was hier geschieht.

Ein absolut lesenswertes Buch, für das man Zeit braucht und auf das man sich einlassen muss.
Ich finde es absolut lesenswert.
 :lesen:

Vielen Dank, dass ich bei dieser Leserunde dabei sein durfte. Vielen Dank an Dani für die Begleitung und an Elisabeth für ihre Kommentare. Damit habe ich mich etwas besser zurecht gefunden.

Meine Rezension werde ich bei lovelybooks, was liest du, Amazon, bücher.de, Hugendubel und Thalia einstellen.
 :lesen:

Offline Piranhapudel

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 608
    • Piranhapudel - Ein Bücher-Tagebuch
Hallo ihr Lieben. Mensch, ich habe noch nie so lange für eine Rezension gebraucht. Hier war ich mir einfach nie sicher, ob ich der Geschichte gerecht wurde, ob ich wirklich alles so dargestellt habe, wie ich es empfunden habe. Für mich war es eine ganze tolle Geschichte, emotional ziemlich aufwühlend und nicht einfach zu lesen, aber es hat mir gefallen. Besonders auch durch den tollen Schreibstil.

An euch und an Elisabeth ein dickes Dankeschön fürs Diskutieren und für eure Interpretationen. Für letzteres hatten wir ja ganz tolles Material vorliegen!

Eine Lektüre mit faszinierender Tiefe

Familie Ludevik, Mutter, Vater, drei Kinder und ein Pflegekind. Karin, die jüngste Tochter, und ihre Schwester Lisa, das Pflegekind, verbindet eine ganz besondere Freundschaft, bis der Tod des Vaters wie eine dunkle Wolke über der Familie schwebt. Viele Jahre später, nachdem auch die Mutter gestorben ist, kehrt Karin zurück in ihr Elternhaus, um dort mit ihrem Freund zu leben. Und nicht nur das: Sie fragt auch Lisa, die nach dem Tod des Vaters von der Familie ausgestoßen wurde und mittlerweile in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt, ob sie ebenfalls wieder dorthin zurückkehren möchte. Sie sagt ja und mit ihrem Einzug erleben wir als Leser eine besondere, aber unheimliche Art der Beziehung, und ein Geheimnis, das sich nach und nach entwirrt.

An dieser Stelle muss ich als erstes von Elisabeth Klars ganz besonderem Schreibstil schwärmen. Sie hat ihre ganz eigene Art zur erzählen, Geschehnisse zu verbinden, zu beobachten, und vor allem: einen Sog zu erzeugen, der dazu führt, dass man weiter lesen möchte, obwohl (oder weil?) es emotional gerade sehr aufwühlend ist. Die Art, wie sie Sätze baut und miteinander verbindet, war für mich eine ganz neue. Sie passt wunderbar zur Thematik, weil diese dadurch eindringlich zur Geltung kommt und durch eine bildreiche Sprache viel Raum zum Nachdenken lässt.

Und genau diese Thematik ist es auch, die diese Geschichte ausmacht: Wir blicken hier in die Abgründe einer ziemlich kaputten Familie. Alles scheint sich um den unerwarteten Tod des Vaters zu drehen, doch schnell zeigt sich, dass diese Familie hinten und vorne nicht richtig gepasst und funktioniert hat. Das hat natürlich auf alle Familienmitglieder einen Einfluss, mit dem sie, nun erwachsen, immer noch fertig werden müssen. Ganz deutlich zeigt sich dies im Umgang zwischen Karin und Lisa, die nun in erwachsenen Zeiten so ganz anders umgehen als früher. Lisa muss von Karin gepflegt werden und es nicht sofort ganz klar, was mit ihr überhaupt los ist und warum sie betreut wohnen musste. Nach und nach kommen allerdings immer weitere Kleinigkeiten ans Licht und werfen immer dunklere Schatten.

Dieses Buch ist kein einfaches Buch. Es ist emotional aufwühlend und deshalb auch nicht ganz einfach zu lesen. Aber es lohnt sich! Durch den besonderen und einfühlsamen Schreibstil erlebt man hier zwar nicht die sympathischsten Charaktere, aber doch Charaktertiefen, die tiefer kaum sein könnten. Empfehlenswert deshalb eben nicht als Lektüre für Zwischendurch, sondern als eine Lektüre, auf die man sich sich richtig einlassen muss, die dann aber eine faszinierende Tiefe bietet.

Goodreads
Lovelybooks
Amazon
Großes Bücherforum
Literaturschock.de
« Letzte Änderung: 20. Januar 2015, 09:04:33 von Piranhapudel »

Offline Dani

  • Administrator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 12055
Ich bin mit meiner Rezension noch nicht so recht zufrieden, ich habe das Gefühl, mir fehlen die richtigen Worte, um meine Gedanken und Gefühle zu diesem Buch wiederzugeben. Aber ich habe es mal nach bestem Wissen versucht:

Karin Ludevik ist eine junge Frau, die gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Alexander in ihrem Elternhaus wohnt. Dieses liegt recht einsam im Wald. Karins Eltern sind tot, ihre älteren Geschwister weggezogen, nur ihre alten Großeltern leben noch in der Nähe. Es besteht nicht sonderlich viel Zusammenhalt in der Familie Ludevik, jeder führt sein eigenes Leben. Dies ändert sich, als Karin eines Tages Lisa zu sich holt. Es dauert ein wenig, bis sich dem Leser erschließt, wer genau Lisa ist, sie hat als Pflegekind bei der Familie gelebt, ist im gleichen Alter wie Karin und war für sie wie eine Schwester. Damals ist etwas Schreckliches geschehen und die Familie gibt Lisa mindestens eine Mitschuld an den Ereignissen damals. Dementsprechend groß ist das Unverständnis, warum Karin sie jetzt wieder bei sich einziehen lässt und die Großeltern und Geschwister machen ihr Vorwürfe und sind besorgt, dass sich Karin übernimmt. Denn anscheinend ist Lisa nicht in der Lage, selbst für sich zu sorgen, sie braucht Betreuung und so rutschen die beiden Frauen immer mehr in die Rollen von Pflegerin und Patientin. Doch ist Lisa wirklich zurückgeblieben oder spielt sie dies vielmehr nur?

Was ist damals wirklich geschehen, das ist die zentrale Frage, die sich durch das ganze Buch zieht. Schnell kommt beim Leser ein schrecklicher Verdacht auf, aber man weiß bis kurz vor dem Ende nicht, ob dieser sich bewahrheitet.

Der Schreibstil machte es mir auf den ersten Seiten nicht leicht, in die Geschichte einzusteigen. In kurzen Absätzen abwechselnd aus der Perspektive von Karin und Lisa erzählt, aber ohne sichtbare Kennzeichnung, wer gerade denkt oder spricht, muss man genau lesen, um sich in das Geflecht ihrer Beziehung hineindenken zu können. Dennoch bleibt ihre Verbindung schwer nachzuvollziehen. Nach und nach bekommt man immer mehr Einblick in die Vergangenheit, in die Kindheit der beiden, als die Familie anscheinend noch normal war. Doch schnell zeigt sich, dass die heile Welt nur eine Fassade war und es hinter dieser tiefe Abgründe gegeben hat, die das Leben beider Frauen bis heute beeinflussen. Können sie diese Vergangenheit aufarbeiten und zu einem gesunden und normalen Miteinander finden?

Es ist kein einfaches Buch, aber nachdem ich mich in den Schreibstil eingelesen hatte, entwickelte die Geschichte auf mich eine regelrechte Sogwirkung. Ich wollte hinter die Geheimnisse der Familie kommen, ich wollte Karin und Lisa verstehen und nachvollziehen können, was sie zu ihrem jeweiligen Verhalten treibt. Nicht immer hatte ich das Gefühl, das mir das gelingt, zu schockierend ist das Verhalten der Personen streckenweise. Dennoch habe ich immer mit gespannter Faszination weitergelesen.

Am Ende wird einiges aufgeklärt, aber es bleibt auch einiges der Interpretation des Lesers überlassen. Ich persönlich fand diese Art Ende dennoch sehr passend für das Buch, es hätte mich verwundert, wenn es nach den vielen Windungen plötzlich ein geradliniges, alles erklärendes Ende gegeben hätte.

Eine anspruchsvolle und faszinierende Lektüre, auf die man sich aber einlassen muss.
Liebe Grüße
Dani

Offline Dani

  • Administrator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 12055
Wenn nicht bereits geschehen, stellt eure Rezensionen doch bitte auch immer auf unserer Hauptseite Literaturschock.de ein. Eine extra Anmeldung ist hierfür nicht nötig, Gastrezensionen werden manuell freigeschaltet und erscheinen daher zeitverzögert, also nicht wundern  :winken:
Liebe Grüße
Dani

Offline Piranhapudel

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 608
    • Piranhapudel - Ein Bücher-Tagebuch
Hab ich nachgeholt! :winken:
Im Laufe der Tage dann auch noch für meine anderen Rezensionen.

Offline Dani

  • Administrator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 12055
Liebe Grüße
Dani

Offline Gaby

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 1143
  • Lesen ist meine schönste Freizeitbeschäftigung
Habe meine Rezis auch alle bei Literaturschock eingestellt und werde das in Zukunft sofort machen.
Danke, Dani, für den Hinweis.
 :lesen:

Offline Elisabeth_Klar333

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 26
Hallo,

Gleich vorweg, mein Fazit ist ein positives - die Leserunde war für mich eine sehr spannende Erfahrung, die Diskussionen zu beobachten war dabei für mich fast noch faszinierender, als dann selber einzugreifen.
Es hat mir auch wieder gezeigt, wie unterschiedlich Menschen auf denselben Text reagieren können, und wie unterschiedlich sie ihn interpretieren können.
Das ist für mich nicht immer leicht zu nehmen, aber gleichzeitig wunderbar so, und macht das Gelesen werden immer wieder zu einem Abenteuer.  :schwert:  ;)


Offline bookstars

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 999
INHALT
„Hab keine Angst. Wir haben eine Mörderin von der Erde aufgelesen, eine nur ganz kleine Mörderin, eine nur.“

Als flirrendes Stimmengeflecht erzählt Elisabeth Klar die Geschichte von Karin, ihrer Pflegeschwester Lisa und einem Haus am Waldrand, in dem die Zeit sich im Kreis zu drehen scheint. In ihrer Kindheit waren Lisa und Karin verwoben in Geschichten, unzertrennlich und wild. Doch Jahre später legt das Haus sich wieder um sie, und die Schwestern beginnen ein ebenso verstörendes, wie betörendes Spiel um Macht und Ohnmacht, Missbrauch und Sehnsucht. Dazwischen liegt das Geheimnis um den Tod ihres Vaters August, der nur einmal richtig erzählt werden müsste …
(Quelle Residenzverlag)

MEINE MEINUNG
Mit “Wie im Wald” ist der österreichischen Autorin Elisabeth Klar, die für ihre Erzählungen bereits mehrfach ausgezeichnet wurde, ein herausragendes Romandebüt gelungen, das einen lange Zeit nicht mehr loslässt.
Im Mittelpunkt dieses erschütternden Familiendramas, das dem Leser mit seiner extremen Intensität immer mehr unter die Haut geht, stehen die Hauptfigur und Ich-Erzählerin Karin und ihre Pflegeschwester Lisa. Schon bald kann sich der Leser der enormen Sogwirkung dieser dramatischen und hochkomplexen Erzählung nicht mehr entziehen und wird von dem fatalen Strudel aus Eifersucht, Ängsten, Aggressionen, Gewalt, Vorwürfen, Abhängigkeiten und Machtansprüchen unweigerlich gefangen genommen.
Mit einem außergewöhnlich eindringlichen, bildreichen und sprachgewaltigen Schreibstil erzählt die Autorin ihre Geschichte über ein bedrückendes, sorgsam gehütetes Familiengeheimnis, das die Protagonistin Karin nach all der Zeit der Sprachlosigkeit aus den finsteren Schatten der Vergangenheit holen und ans Licht bringen möchte. Karins Ziel ist es, alle Beteiligten schließlich mit der unausgesprochenen und grauenvollen Wahrheit zu konfrontieren. Hierbei legt sie zwangsläufig unverheilte seelische Verletzungen und unbewältigte Konflikte bei sich und anderen frei, so dass die angespannte Situation außer Kontrolle gerät, zunehmend eskaliert und sie alle auf einen Abgrund zutreiben lässt. Sehr plastisch und mit viel Empathie hat Klar die Seelenzustände ihrer vielschichtigen, ambivalenten Charaktere in teilweise sehr drastischen Szenen herausgearbeitet. Nach und nach zeigt sich, dass auch Karin in Zweifeln, Wut und Schuldzuweisungen gefangen ist und aus ihrer tiefen inneren Verletzung und Sprachlosigkeit nicht ausbrechen kann, so sehr sie sich auch wünscht, die Mauern des Schweigens einzureißen.
Sehr versiert und äußerst subtil erzählt die Autorin in verschiedensten, nicht stringenten Episoden, wie das Bild der nach außen so harmonisch erscheinenden Familie mehr und mehr Risse bekommt, der schöne Schein abbröckelt und die bedrückende Realität einer völlig zerrütteten Familie zum Vorschein kommt.
Ineinander verschachtelte, oft unverhoffte Wechsel von verschiedenen Zeit- und Erzählperspektiven stellen den Leser vor allem anfangs erzähltechnisch vor eine große Herausforderung. In überblendeten inneren Monologen durchmischt mit aufsteigenden, lang verdrängten Erinnerungen erhält der Leser allmählich Einblick in verstörende, unausgesprochene Ereignisse und die schmerzliche Kindheit der Hauptfiguren. Dies ist ungemein fesselnd gemacht, da der Leser sich die Zusammenhänge aus einer Mischung von Vermutungen, Ahnungen und bruchstückhaften Details erst allmählich erschließen kann und die Tragweite der Geschehnisse erst nach und nach zu begreifen beginnt. Auch wenn sich schließlich im Lauf der sehr komplexen Handlung viele Puzzleteile zusammensetzen lassen, bleiben einige Geschehnisse ungeklärt und die Deutungen der Fantasie der Leser überlassen.

FAZIT
Eine verstörende und bewegende Geschichte, die den Leser auf ganzer Linie herausfordert und ihm ein außergewöhnlich intensives Leseerlebnis beschert.

 

Weblinks

Literaturschock Facebook Twitter

Internes

Mediadaten & Presse Impressum & Kontakt Datenschutzerklärung