Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler!)  (Gelesen 5066 mal)

Offline Miramis

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 2343
Hier ist Platz für die Rezensionen und Meinungen (zur Leserunde allgemein), die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt.

Offline apassionata

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 5083
  • die, die als Kind nie lesen konnte...
So, dann versuche ich mich mal.

Alles in allem eine rasant-amüsante Geschichte, deren Wendungen gerade durch die originell gezeichneten Charaktere an Gewicht und Brisanz gewinnen.
Das dem Leser dabei interessante Einblicke in die Verknüpfung politsch-historischer
Geschehnisse mit dem eigentlichen Thema Kaffeegenuss nahe gebracht werden und
sich nicht nur die ohnehin schon Kaffeebegeisterten nach eben solchem beim Lesen
sehnen ist dem Autor als wunderbare Mischung gelungen.
Auch hat es der Autor brillant verstanden den Leser hier und da mit verschiedenen
Stimmungsbildern zu verzaubern.
Eine gelungene mélanche , welche dem Lesespaß frönte – leider hat mir persönlich der etwas
zerhackte, ungeklärte Schluss einen leicht bitteren Geschmack auf der Zunge hinterlassen.

Nichts desto Trotz, ein Buch, welches ich gerne weiterempfehle.

Grüssle
      Marion  :winken: , die hofft, das es von Hr. Rekel auch in Zukunft mehr solcher originellen Geschichten zu lesen gibt  ;)
"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

Karthause

  • Gast
Der Duft des Kaffees ist würzig und viel versprechend. Voller Spannung wartet man darauf, dass sich die Geschmacksvielfalt auf der Zunge entfaltet und anregende Wirkung des Getränks eintritt. Dann, nach dem Genuss eines guten Kaffees, spürt man das Wohlbefinden. Ebenso verhält es sich mit diesem Buch.

Die Geschichte vor der Geschichte macht neugierig auf das, was noch kommen mag, ein gelungener Einstieg. Dann las ich die ersten Seiten und war schnell mittendrin in der Handlung. In verschiedenen deutschen Städten kam es zu Anschlägen. Aber es wurden keine Bomben gezündet, Unbekannte haben Kaffee vergiftet. Zahlreiche Menschen wurden mit Herzrhythmusstörungen in Krankenhäuser eingeliefert. Unter ihnen befand sich auch Jakob, der Sohn von Hans Brioni, einem kleinen Kaffeeröster aus Berlin, dessen ganze Leidenschaft, seit ihn seine Frau verließ, den braunen Bohnen gilt. In den vergangenen Jahren engagierte er sich gegen die Machenschaften der großen Kaffeekonzerne, die minderwertige Robusta-Bohnen durch fragwürdige Verfahren „aufbessern“. Im Keller hat Brioni ein Labor und etliche Vorräte an Kaffee von den großen Konkurrenzanbietern. Das macht ihn in den Augen der Polizei verdächtig. Eine rasante Verfolgungsjagd beginnt. Brioni hat die Unterstützung einer jungen und ehrgeizigen Journalistin gefunden und beide recherchieren nach den wahren Tätern. Doch wer steckt hinter den Anschlägen? Was sind die Motive? Möglich wäre Erpressung, die Taten eines Psychopaten, die Rache eines kleinen Kaffeerösters wie Brioni oder doch eine Verschwörung mit politischem Hintergrund. Denn zur gleichen Zeit soll in Deutschland das größte Reformpaket aller Zeiten verabschiedet werden.

In die gut mit Spannung gewürzte Handlung wurden geschickt Informationen rund um den Kaffee, den „Wein des Orients“ eingebaut, die nicht einen lehrbuchmäßigen Eindruck vermittelten oder gar den Spannungsbogen unterbrochen haben. So erfuhr ich ganz nebenbei noch einiges über die Geschichte, die Bedeutung, die äthiopische Kaffeezeremonie und die unterschiedlichen Sorten des Kaffees. Ohne dies wäre "Der Duft des Kaffees" nur ein durchschnittlicher Krimi.

Der Sprachstil hat mir sehr gut gefallen. Die Charaktere haben ein realistisches lebendiges Gesicht bekommen. Sie hatten ihre Eigenheiten und Macken. Besonders der Protagonist Hans Brioni, der schon ein Sonderling war, ist mir schnell ans Herz gewachsen und ich habe mit ihm gefiebert und ihm alles Glück gewünscht.

Wer einen blutigen Krimi mit Superdetektiven lesen will, sollte dieses Buch im Regal lassen. Wer aber an einem facettenreichen, spannenden und kurzweiligen Kriminalroman interessiert ist, der sollte an diesem Buch nicht vorbei gehen. Ich empfehle diesen Roman nicht nur den Kaffeeliebhabern.

Übrigens, die Geschichten rund um den Kaffee und der Krimi passen zusammen wie ein guter Espresso und seine Crema.

Offline Valentine

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 134
Karthause hat das schon so schön formuliert, dass ich so frech bin und das einfach mal unterschreibe  :winken:
Nicht müde werden,sondern dem Wunder wie einem Vogel die Hand hinhalten.
-Hilde Domin-

Offline Papyrus

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 864
    • Alles nicht so wichtig
Karthause hat das schon so schön formuliert, dass ich so frech bin und das einfach mal unterschreibe  :winken:

Ich unterschreibe mit.
Ich möchte mich an dieser Stelle noch bei dieser schönen Runde, und vor allem bei Herrn Rekel für dies schöne Buch, bedanken   :winken:
Lesende Grüße
Papyrus

Karthause

  • Gast
@Valentine und Papyrus

Danke. Jetzt werde ich ganz rot.  ;)

Offline Heimfinderin

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 5821
Hallo,

ich finde auch, dass Karthause das sehr schön formuliert hat.  :winken: Dem ist nicht mehr viel hizuzufügen.

Mir hat das Buch auch gut gefallen. Es war mal eine etwas andere Geschichte, die mir viel Spaß gemacht hat. Interessante Charaktere mit Macken (hier ist der symphatische Brioni hervorzuheben) und Unsicherheiten und auch Gefühlen.

Die Geschichte bot viele Stoff für Grübeleien, die nach Beendigung des Buches nicht aufhören. Aber mir gefiel der unklare Schluss, passte er doch wirklich gut zur ganzen Geschichte und ich mag es eigentlich doch ganz gerne (nicht immer), hinterher noch eine Weile zu knabbern.

Sehr schön fand ich die geschickt untergebrachten Informationen über Kaffe und seine Zubereitung. Ich habe bisher noch nichts gelesen, was so intensiv über das Zubereiten und auch Trinken von Espresso geschrieben wurde und das auch noch so interessant. Man konnte den Kaffeduft richtig riechen.

Ebenso gut haben mir Brionis Gedanken und Bemerkungen gefallen, die zum Nachdenken und Innehalten anregten (z. B. über die Pausen).

Herr Rekel, ich danken Ihnen herzlich für die nette Begleitung und die Informationen und bin jetzt schon gespannt auf Ihr  nächstes Buch.
Und ein großes Dankeschön an die Runde. Es hat mir wieder viel Spaß gemacht.
Liebe Grüße
Barbara

Offline Gerhard J. Rekel

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 16
Liebe ForumsteilnehmerInnen,

erst mal herzlichen Dank für die spannenden Beiträge.

Vielleicht noch ein paar Worte zum Schluss.
In der Tat, das Finale ist diskursiv. Normalerweise werden in klassischen Kriminalromanen alle offenen Fragen am Ende beantwortet (was vom Publikum oft auch so erwartet wird).

In der Realität sieht es natürlich anders aus, über 50 % aller Verbrechen werden nicht aufgeklärt. Noch wichtiger scheint mir: es handelt sich (vielleicht) um eine Verschwörung. Der entscheidende Satz zum Finale befindet sich auf Seite 213 ff.:
„Agathe fielen die Machenschaften der römischen Loge P2 ein, in die 950 Mitglieder der italienischen Regierung und die Köpfe des römischen Bank- und Finanzwesens verstrickt waren. Es dauerte zehn Jahre, bis man die Konspiration aufdeckte. Man konnte davon ausgehen, dass Italien aus Propaganda due gelernt hatte. Und zwar beide Seiten.“

Ich bin kein Verschwörungsfanatiker, aber es ist – wenn man vernünftig nachdenkt – davon auszugehen, dass die „intelligenten Servicedienste“ dieser Welt auch hierzulande (was sollten die vielen tausend Mitarbeitern sonst tun?) aus ihrer über 2000jährigen Geschichte von „Versuchen & Irren; Tarnen & Täuschen“ gelernt haben.
Der Fall Ramstein, der Untergang der Estonia, der Suizid des Bankaufsichtsbeamten im Berliner Bankenskandal sind nur einige von vielen Fällen, die unzureichend aufgeklärt wurden. Es gibt heutzutage natürlich keinen Mord mehr (auch im gesamten Roman passiert ja übrigens kein Mord), man arbeitet eleganter, es verschwinden Akten, es passieren Unfälle oder Suizide oder man nutzt die Gunst der Stunde (wie hier schon erwähnt wurde, z. B. die deutsche Fußball-WM, um die größte Steuererhöhung der letzten 50 Jahre durchzusetzen). Man ist also bei Absprachen, Manipulationen und Verschwörungen geschmeidiger, berechnet die Reaktionen von Gegnern und der Presse bereits mitein…

Es war mir wichtig, dass der Leser selbst entscheiden kann, welcher „Wahrheit“ er sich annähern möchte…

In diesem Zusammenhang immer wieder treffend - B. Brecht:  „Der Vorhang ist geschlossen, und alle (einige) Fragen bleiben offen!“

Hier teilnehmen zu dürfen war für mich eine wunderbare Erfahrung! Sehr erhellend, wie umsichtig und präzise die Charaktere von den ForumsteilnehmerInnen hinterfragt, beleuchtet und interpretiert wurden. In danke für die geistreichen Beiträge und die liebevolle Moderation!

Alles Gute und herzliche Grüße - gjr

Offline Miramis

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 2343
Lieber Herr Rekel,

zunächst einmal vielen Dank für Ihr aufschlussreiches und ausführliches Schlusswort, das mich aber als Moderatorin fast ein bisschen ins Schwitzen gebracht hat, da es ganz nahe an einem Spoiler vorbeischrammt. Letztendlich denke ich aber, haben Sie damit nicht zuviel verraten und interessierte Leser werden nun bestimmt umso neugieriger auf das Buch.

Die Leserunde hat mir sehr viel Freude bereitet und ich möchte mich auch im Namen meiner Mitleserinnen ganz herzlich für Ihre Teilnahme und Ihre Beiträge bedanken. "Der Duft des Kaffees" ist ein kleines Juwel in meinem Bücherschrank und ich werde mich immer wieder gerne daran erinnern, besonders wenn ich im Café sitze und einen Espresso trinke.

Schön fände ich es, wenn Sie unserem Forum verbunden blieben und uns zu gegebener Zeit durch Ihren neuen Roman begleiten würden, wenn es auch bis dahin noch eine Weile dauern wird.

Liebe Mitleserinnen, vielen Dank auch an euch fürs Mitmachen und Miträtseln; es hat wie immer Spaß gemacht mit euch und wir sehen uns bestimmt demnächst in einer anderen Leserunde wieder.

Viele liebe Grüße
Miramis

PS: wie immer bleiben die Threads weiterhin offen, falls noch jemand posten oder diskutieren möchte. 
« Letzte Änderung: 12. März 2007, 23:16:57 von Miramis »

Offline Olima

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 393
Guten morgen zusammen,

Ich kann mich meinen Vorrednerinnen nur anschließen.

Lieber Herr Rekel, vielen Dank für dieses wunderbare Buch, es hat mich neben seiner eigentlichen Handlung sehr zum Nachdenken gebracht. Und genau das habe ich bei einigen, in letzter Zeit von mir gelesenen Büchern vermisst.
Ich bin gespannt auf Ihr nächstes Buch.

Liebe Leserunde, ich finde es immer wieder spannend, wem welche Details auffallen. So finden meine eigenen Gedanken immer neue oder andere Ansatzpunkte. Mir hat es wieder sehr viel Spaß gemacht.

Liebe Grüße

Olima

Offline Murkxsi

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 974
    • Kerkis Farbkleckse
Huch, ich habe ganz vergessen, auch noch eine Rezension zu schreiben. Da aber schon meine Vorgänger alles geschrieben haben, wird diese recht kurz ausfallen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, besonders die Kombination zwischen der eigentlichen Geschichte und Wissenswertes über die Kaffeezubereitung fand ich beeindruckend.

Das Buch hätte ich normalerweise in einem Rutsch gelesen, wenn ich nicht bei dieser Leserunde mitgemacht hätte. Es ist kurz und knapp, aber informativ geschrieben, hält sich nicht mit langen Erklärungen auf und geht direkt in die Vollen. Das mag ich an Büchern.

Auch die Hauptdarsteller sind nicht diese typischen fehlerlosen Helden, sondern eher Menschen wie du und ich mit Fehlern und Macken. Das machst sie zwar hin und wieder unsympathisch, dafür aber auch realistisch.

Ein Buch, dass ich ebenfalls empfehlen kann und ich hoffe, dass Herr Rekel noch weitere Bücher in dieser Art schreibt.

LG Murkxsi
Motto: Leben und leben lassen

 

Weblinks

Literaturschock Facebook Twitter

Internes

Mediadaten & Presse Impressum & Kontakt Datenschutzerklärung