Autor Thema: Fazit, Rezensionen (ohne Spoiler)  (Gelesen 1585 mal)

Taubenschlag

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Inhalt:
Cornwall 1940: Rober Carylon bringt seine Familie zum Schutz vor den Bombenangriffen auf London bei seinen entfernten Verwandten auf Higher Barton unter. Schon kurz nach der Ankunft in dem alten Herrenhaus meint seine Tochter Eve die Stimme einer jungen Frau zu hören. Leute aus dem Dorf erzählen ihr von einer jungen Frau, die vor 100 Jahren auf Higher Barton gelebt hat und die angeblich Selbstmord gegangen hat. Die junge Frau trug den gleichen Namen wie Eve und die Geschichte läßt ihr keine Ruhe. Langsam kommt sie den damaligen Ereignissen auf die Spur.

Meine Meinung:
Mich hat die Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. In parallelen Handlungsträngen wird das Leben von Evelyn im 19. Jahrhundert und von Eve 1940 erzählt. Wir erforschen als Leser zusammen mit Eve die Geschichte von Evelyn, einer jungen, selbstbewußten jungen Frau, die sich entgegen der damaligen Konventionen, für Bergbau interessiert und dieses Fachgebiet sogar studieren wollte. Sie kämpft für ihre Interessen und trifft auf starke Gegner.

Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet. Besonders die beiden Evelyns sind mir sehr ans Herz gewachsen. Beide sind aufgeweckte, anpackende Frauen, die sich ihren Platz im Leben erkämpfen. Etwas unheimlich fand ich die Stimmen, die Eve schon in der ersten Nacht hört. Für mich sind solche übersinnlichen Ereignisse immer schwer zu fassen. Leider bleibt diese Frage auch bis zum Ende unbeantwortet, gibt es übersinnliche Ereignisse, oder handelt es sich um eine Einbildung. Hier kann der Leser für sich selber eine eigenen Meinung entwickeln.

Das Buch ist eine spannende Geschichte über ein dunkles Familiengeheimnis, gut erzählt, ohne Längen. Die Zeitsprünge ins 19. Jahrhundert lassen den Leser in eine vergangene Zeit mit ihren Konventionen und dem Leben in einem altern Herrenhaus eintauchen. Auch die Ereignisse 1940 greifen mit der Bedrohung des Krieges  eine interessante Zeit auf, die Angst vor Bombenangriffen und die Furcht um die Soldaten.

Ein absolut lesenswertes Buch mit einer spannenden Geschichte, interessanten Personen und einem dunklen Geheimnis.

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Vielen Dank, dass ich dieses Buch in einer Leserunde mit Freiexemplar lessen durfte. Mir hat die Runde viel Spass gemacht und durch die tolle Begleitung der Autorin wurde die Runde ein besonderes Erlebnis.

Offline Michelle Ross

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Liebe Rebecca, Dir noch mal einen herzlichen Dank für die Begleitung, und daß Du auch die Nachzüglern so nett begleitet hast  :bussi:
Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns zu einem neuen Buch von Dir hier wieder treffen !

ich habe zu danken, dass ich auch diesen Roman in Eurer Runde vorstellen durfte. Wie ich bereits schrieb - in diesem Forum ist eine Leserunde immer sehr lebhaft und ausführlich, was uns Autoren am meisten Spaß macht.

Eine kleine Vorschau  ;):

Im Juli erscheint ein neuer Roman unter dem Pseudonym Ricarda Martin im Knaur-Verlag, allerdings nur erst als E-Book. Die Printausgabe wird dann im nächsten Jahr scheinen. Setting ist hier dann mal Irland.

Im September dann der 5. Band der Cornwallkrimis - Hauptschauplatz Higher Barton, allerdings in der Gegenwart und ohne geisterhafte Erscheinungen, deswegen aber mit einem Mord, der aufgeklärt wird  ;)

Wenn Interesse besteht - ich stehe gern zur Verfügung  ;)
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Online Dani

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Im Juli erscheint ein neuer Roman unter dem Pseudonym Ricarda Martin im Knaur-Verlag, allerdings nur erst als E-Book. Die Printausgabe wird dann im nächsten Jahr scheinen. Setting ist hier dann mal Irland.
Irland, wie schön!
Ist das Buch schon gelistet? Ich hab nichts gefunden.

Zitat
Wenn Interesse besteht - ich stehe gern zur Verfügung
Die reine ebook-Fraktion ist hier zwar nicht so groß, aber ich wäre auf jeden Fall dabei!
Liebe Grüße
Dani

Offline Michelle Ross

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[Irland, wie schön!
Ist das Buch schon gelistet? Ich hab nichts gefunden.


Das soll in den nächsten Tage geschehen, gestern habe ich erst das Cover erhalten, muss mich aber mit diesem und dem Titel noch zurückhalten, bis es der Verlag gelistet hat.
Das ist bei den Verlagen ja ganz unterschiedlich. Der neue Cornwallkrimi z.B. ist bereits seit drei Wochen gelistet, obwohl dieser erst im Herbst erscheint ...
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Online Dani

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Dann gedulde ich mich noch ein paar Tage  ;)
Ich hab schon einiges von Knaur aus den Herbstvorschauen gesichtet, daher hab ich mich gewundert, warum ich dich nicht finde.
Liebe Grüße
Dani

Offline Michelle Ross

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Dann gedulde ich mich noch ein paar Tage  ;)
Ich hab schon einiges von Knaur aus den Herbstvorschauen gesichtet, daher hab ich mich gewundert, warum ich dich nicht finde.

Wahrscheinlich, weil es erstmal "nur" ein E-Book sein wird, und es in der Kategorie "Feeling" erscheinen wird. Natürlich geht in dieser Geschichte um eine Lovestory, es ist aber kein ausgesprochener Liebesroman, sondern hat auch hier einige ... nennen wir es mal: geheimnisvolle und kriminalistische Züge  ;)
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Online Dani

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Etwas spät, entschuldigung  :-[

Cornwall, 1940. Der Zweite Weltkrieg tobt und die Bedrohung für London durch die nächtlichen Bombenangriffe der Deutschen steigt immer weiter. Aus diesem Grund entscheidet Robert Carlyon, seine Familie aufs Land in Sicherheit zu bringen. Seine Frau Melanie, Tochter Eve und Sohn Mickey kommen bei einer entfernten Verwandten auf deren Landsitz Higher Barton in Cornwall unter.
Obwohl die Trennung von Ehemann und Vater nicht einfach ist, gibt sich vor allem Eve große Mühe, ihrer Gastgeberin zu helfen und sich auf Higher Barton hilfreich einzubringen.

Doch irgendetwas ist unheimlich in dem alten Haus. Eve hört nachts immer wieder eine Stimme den Namen Evelyn rufen. Ihre Nachfragen stoßen auf eine Mauer des Schweigens. Erst Billy, ein junger Mann aus der Nachbarschaft, erzählt ihr mehr über das tragische Schicksal jener Evelyn.

Der Leser erfährt auf einer zweiten Handlungsebene dann auch mehr über Evelyn. Ihre Geschichte spielt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Evelyn ist eine sehr sympathische junge Frau mit für ihre Zeit ungewöhnlichen Ambitionen. Sie will die Minen ihres Vaters übernehmen und zeigt sich auch äußerst begabt hierfür. Als Frau legt man ihr auf diesem Weg aber allerhand Steine in den Weg, sowohl in der Gesellschaft an sich, als auch in ihrer eigenen Familie, denn ihre Stiefmutter und ihr Stiefbruder sind strikt dagegen, dass Evelyn das Erbe antritt. Kann diese Geschichte ein gutes Ende nehmen?

Die beiden Handlungsstränge sind beide spannend, wobei mich Evelyns Geschichte fast ein bisschen mehr begeistern konnte. Man hofft und fiebert sehr mit ihr mit, sieht aber das drohende Unheil leider schon bald kommen.

Die Auflösung am Ende war nicht wirklich überraschend, aber schlüssig und beantwortete fast alle Fragen. Ein bisschen unerklärliche Mystik bleibt dennoch, wer so etwas in Büchern nicht mag, wird sich hier wahrscheinlich ärgern, ich habe es gerne hingenommen, es muss nicht immer alles bis ins letzte Detail logisch erklärbar sein. Eine schöne Lektüre, bei der ich nebenbei allerhand über den Minenbau in Cornwall gelernt habe!
Liebe Grüße
Dani

Offline dubh

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Hallo zusammen,

auch meine Rezension steht noch aus, deshalb möchte ich diese jetzt schnell nachholen. :-[

Großbritannien, 1940. Robert Crayon möchte seine Familie vor den zunehmenden Bombenangriffen der Deutschen auf die britische Hauptstadt in Sicherheit bringen. Glücklicherweise gibt es einen Familienzweig, der in Cornwall ein altes Herrenhaus mit reichlich Platz besitzt und Roberts Frau und ihre zwei Kinder gerne aufnimmt. Während die allzu empfindliche Mutter und ihr jüngerer Sohn Mickey, der nicht so recht Lust auf Stallarbeit hat, Schwierigkeiten mit der vorübergehenden Unterkunft haben, findet Evelyn - von allen nur Eve genannt - gleich Gefallen an Higher Barton und der Frau, die sich derzeit alleine um den Landsitz kümmert, Helen.
Erst die nächtliche Stimme, die ihren Namen ruft, verunsichert das Mädchen - und das Wissen darüber, dass im Obergeschoss noch der Schwiegervater Helens, Lord Tremaine, lebt. Schon bald nimmt Eve das Heft in die Hand und versucht, ein paar Details über das alte Gemäuer und seine früheren Bewohner herauszufinden... Zum Glück hilft ihr Billy, ein Junge quasi aus der Nachbarschaft, der ihr das alte Gerede aus dem Dorf wiedergibt. Außerdem verschafft sich Eve - entgegen der Anweisung - Zutritt zum Obergeschoss und trifft so auf den Besitzer Higher Bartons, Alwyn, den sie ebenfalls auf die Vergangenheit des Hauses anspricht...

Rebecca Michèle hat ganz offensichtlich ein großes Faible für Cornwall, das merkt man ihren Geschichten an. Mit viel Detailliebe und gut recherchierten Fakten erzählt sie von einer Gegend des Vereinigten Königreiches, in der im 19. Jahrhundert noch sehr viele Kupferminen existierten. So spielt die zweite Zeitebene des Romans knapp hundert Jahre vor der eben geschilderten und erzählt von einem Mädchen namens Evelyn, die mit ihrem Vater, dem damaligen Lord Tremaine, ihrer Stiefmutter Clarissa und ihrem Stiefbruder Ralph auf Higher Barton lebt. Ihr Vater besitzt drei Minen und auch sein Mädchen, Evelyn, interessiert sich sehr für Bergbau - ein mehr als unschickliches Hobby für eine Frau der damaligen Zeit.

Die Autorin verknüpft die beiden Handlungsebenen sehr geschickt, so dass sich nach und nach auch immer mehr Spekulationsmöglichkeiten ergeben. Aber auch so hat mich dieser Roman von Anfang an gefesselt: die Geschichte des Minenbaus in Cornwall, die Träume Evelyns und die Beziehung zwischen ihr und ihrem Vater haben mir besonders gut gefallen. Ebenso gut hat mir aber auch der Erzählstrang im Jahre 1940 gefallen: die Sorgen und Nöte der Londoner Bevölkerung, aber auch die Entbehrungen und die harte Arbeit der Landbevölkerung waren sehr gut beschrieben. Vor allem die Figur Helens hat mir mit ihrer zupackenden Art richtig gefallen! Eine starke, emanzipierte Frau, die weiß, was zu tun ist.

Auch wenn die Auflösung vielleicht keine riesige Überraschung ist, so ist sie doch schlüssig und vor allen Dingen passend. Der Hauch von Übernatürlichkeit, der mir im Regelfall Bauchschmerzen bereitet, kann ich in diesem Fall gut 'verkraften', einfach, weil ich mich prächtig unterhalten gefühlt habe.

Kurzum: ein spannender und atmosphärischer Schmöker, der durchaus auch Platz für eine kleine Liebesgeschichte und ein paar gruselige Momente hat. Wirklich gute Unterhaltung!
"Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen."
(Theodor W. Adorno)

Offline dubh

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Der Vollständigkeit halber heute noch die Links zu den Seiten, auf denen ich meine Rezension gestreut habe:

Großes Bücherforum
Literaturschock-Hauptseite
Amazon
Lovelybooks
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Offline Michelle Ross

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Etwas spät, entschuldigung  :-[

Cornwall, 1940. Der Zweite Weltkrieg tobt und die Bedrohung für London durch die nächtlichen Bombenangriffe der Deutschen steigt immer weiter. Aus diesem Grund entscheidet Robert Carlyon, seine Familie aufs Land in Sicherheit zu bringen. Seine Frau Melanie, Tochter Eve und Sohn Mickey kommen bei einer entfernten Verwandten auf deren Landsitz Higher Barton in Cornwall unter.
Obwohl die Trennung von Ehemann und Vater nicht einfach ist, gibt sich vor allem Eve große Mühe, ihrer Gastgeberin zu helfen und sich auf Higher Barton hilfreich einzubringen.

Doch irgendetwas ist unheimlich in dem alten Haus. Eve hört nachts immer wieder eine Stimme den Namen Evelyn rufen. Ihre Nachfragen stoßen auf eine Mauer des Schweigens. Erst Billy, ein junger Mann aus der Nachbarschaft, erzählt ihr mehr über das tragische Schicksal jener Evelyn.

Der Leser erfährt auf einer zweiten Handlungsebene dann auch mehr über Evelyn. Ihre Geschichte spielt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Evelyn ist eine sehr sympathische junge Frau mit für ihre Zeit ungewöhnlichen Ambitionen. Sie will die Minen ihres Vaters übernehmen und zeigt sich auch äußerst begabt hierfür. Als Frau legt man ihr auf diesem Weg aber allerhand Steine in den Weg, sowohl in der Gesellschaft an sich, als auch in ihrer eigenen Familie, denn ihre Stiefmutter und ihr Stiefbruder sind strikt dagegen, dass Evelyn das Erbe antritt. Kann diese Geschichte ein gutes Ende nehmen?

Die beiden Handlungsstränge sind beide spannend, wobei mich Evelyns Geschichte fast ein bisschen mehr begeistern konnte. Man hofft und fiebert sehr mit ihr mit, sieht aber das drohende Unheil leider schon bald kommen.

Die Auflösung am Ende war nicht wirklich überraschend, aber schlüssig und beantwortete fast alle Fragen. Ein bisschen unerklärliche Mystik bleibt dennoch, wer so etwas in Büchern nicht mag, wird sich hier wahrscheinlich ärgern, ich habe es gerne hingenommen, es muss nicht immer alles bis ins letzte Detail logisch erklärbar sein. Eine schöne Lektüre, bei der ich nebenbei allerhand über den Minenbau in Cornwall gelernt habe!

Meinen allerherzlichsten Dank fürs Mitlesen, Fragen stellen und für Deine Kommentare und Anmerkungen. Ebenfalls danke für Deine schöne Rezension! Es freut mich sehr, dass Dir dieser Roman gut gefallen hat, und ich auch etwas über die Vergangenheit der Minenindustrie in Cornwall vermitteln konnte.
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Offline Michelle Ross

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Hallo zusammen,

auch meine Rezension steht noch aus, deshalb möchte ich diese jetzt schnell nachholen. :-[

Großbritannien, 1940. Robert Crayon möchte seine Familie vor den zunehmenden Bombenangriffen der Deutschen auf die britische Hauptstadt in Sicherheit bringen. Glücklicherweise gibt es einen Familienzweig, der in Cornwall ein altes Herrenhaus mit reichlich Platz besitzt und Roberts Frau und ihre zwei Kinder gerne aufnimmt. Während die allzu empfindliche Mutter und ihr jüngerer Sohn Mickey, der nicht so recht Lust auf Stallarbeit hat, Schwierigkeiten mit der vorübergehenden Unterkunft haben, findet Evelyn - von allen nur Eve genannt - gleich Gefallen an Higher Barton und der Frau, die sich derzeit alleine um den Landsitz kümmert, Helen.
Erst die nächtliche Stimme, die ihren Namen ruft, verunsichert das Mädchen - und das Wissen darüber, dass im Obergeschoss noch der Schwiegervater Helens, Lord Tremaine, lebt. Schon bald nimmt Eve das Heft in die Hand und versucht, ein paar Details über das alte Gemäuer und seine früheren Bewohner herauszufinden... Zum Glück hilft ihr Billy, ein Junge quasi aus der Nachbarschaft, der ihr das alte Gerede aus dem Dorf wiedergibt. Außerdem verschafft sich Eve - entgegen der Anweisung - Zutritt zum Obergeschoss und trifft so auf den Besitzer Higher Bartons, Alwyn, den sie ebenfalls auf die Vergangenheit des Hauses anspricht...

Rebecca Michèle hat ganz offensichtlich ein großes Faible für Cornwall, das merkt man ihren Geschichten an. Mit viel Detailliebe und gut recherchierten Fakten erzählt sie von einer Gegend des Vereinigten Königreiches, in der im 19. Jahrhundert noch sehr viele Kupferminen existierten. So spielt die zweite Zeitebene des Romans knapp hundert Jahre vor der eben geschilderten und erzählt von einem Mädchen namens Evelyn, die mit ihrem Vater, dem damaligen Lord Tremaine, ihrer Stiefmutter Clarissa und ihrem Stiefbruder Ralph auf Higher Barton lebt. Ihr Vater besitzt drei Minen und auch sein Mädchen, Evelyn, interessiert sich sehr für Bergbau - ein mehr als unschickliches Hobby für eine Frau der damaligen Zeit.

Die Autorin verknüpft die beiden Handlungsebenen sehr geschickt, so dass sich nach und nach auch immer mehr Spekulationsmöglichkeiten ergeben. Aber auch so hat mich dieser Roman von Anfang an gefesselt: die Geschichte des Minenbaus in Cornwall, die Träume Evelyns und die Beziehung zwischen ihr und ihrem Vater haben mir besonders gut gefallen. Ebenso gut hat mir aber auch der Erzählstrang im Jahre 1940 gefallen: die Sorgen und Nöte der Londoner Bevölkerung, aber auch die Entbehrungen und die harte Arbeit der Landbevölkerung waren sehr gut beschrieben. Vor allem die Figur Helens hat mir mit ihrer zupackenden Art richtig gefallen! Eine starke, emanzipierte Frau, die weiß, was zu tun ist.

Auch wenn die Auflösung vielleicht keine riesige Überraschung ist, so ist sie doch schlüssig und vor allen Dingen passend. Der Hauch von Übernatürlichkeit, der mir im Regelfall Bauchschmerzen bereitet, kann ich in diesem Fall gut 'verkraften', einfach, weil ich mich prächtig unterhalten gefühlt habe.

Kurzum: ein spannender und atmosphärischer Schmöker, der durchaus auch Platz für eine kleine Liebesgeschichte und ein paar gruselige Momente hat. Wirklich gute Unterhaltung!

Auch Dir ganz lieben Dank für Deine schöne Rezension und Deiner regen Beteiligung bei dieser Runde, die mal wieder sehr viel Freude gemacht hat.
Ja, dass ich ein ausgesprochen großes Faible für Cornwall und alles, was damit zusammenhängt habe, lässt sich seit Jahren in meinen Romanen nicht verleugnen. Seit ich 1989 das erste Mal einen Fuß nach Cornwall gesetzt habe, lässt mich diese Gegend einfach nicht mehr los. Ich möchte meine Hand nichts ins Feuer legen (denn jeder macht auch mal Fehler ...), aber ich bemühe mich, dass alles, was ich von Cornwall erzähle - gleichgültig ob in der Vergangenheit oder in der Gegenwart - auch den Tatsachen entspricht, und ich freue mich, dass ich mit den Cornwallkrimis für die nächsten Jahre immer auch weiterhin geistig in Cornwall sein darf. Körperlich geht's ins vier Wochen wieder hin .... :-)
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Offline Dreamworx

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Unheimliche Stimmen auf Higher Barton

England 1940. Als es in London durch die Bombenangriffe für seine Familie zu gefährlich wird, bringt Robert Carlyon seine leidende Frau Melanie, seine 17-jährige Tochter Evelyn, genannt Eve, und Sohn Mickey aufs Land nach Cornwall zu seiner entfernten Cousine Helen, die seit ihrer Heirat auf dem Landsitz Higher Barton lebt. Da Helens Ehemann im Krieg dient, lebt sie dort mit ihrem Schwiegervater Alwyn und bewirtschaftet das Gut allein. Eve fühlt sich schnell heimisch auf Higher Barton, obwohl ihr Nachtschlaf immer wieder durch ein geheimnisvolles Flüstern gestört wird. Bei ihren Nachforschungen, was es mit dieser Stimme auf sich hat, findet Eve heraus, dass vor 100 Jahren eine Namensvetterin von ihr als Tochter des Hauses auf Higher Barton gelebt und von einem Tag auf den anderen verschwunden ist. Doch je mehr sich Eve sich für das Thema interessiert, umso ablehnender reagieren Helen und Alwyn auf das Thema. Wird Eve das Geheimnis um Evelyn lüften?

Rebecca Michéle hat mit ihrem Buch „Das Flüstern der Wände“ einen sehr spannenden und unterhaltsamen teils historischen, teils zeitgenössischen Roman vorgelegt. Der Schreibstil ist wunderbar flüssig und gibt dem Leser bereits nach wenigen Seiten das Gefühl, ebenfalls auf Higher Barton zu sein und den Protagonisten auf Schritt und Tritt bei ihrem Tun zu folgen. Die eingeflochtenen Hintergrundinformationen über den Kupferabbau in den Minen und das Leben der dort arbeitenden Bevölkerung hat dazu beigetragen, die Geschichte noch realer wirken zu lassen. Die Handlung verteilt sich auf zwei Zeitebenen, die beide in sich rund abgeschlossen sind, aber auch ineinander über greifen. Der eine Teil der Geschichte behandelt die Zeit ab 1837 und folgt dem Leben von Evelyn. Der zweite berichtet von der Zeit ab 1940 und erzählt von Eve und ihren Erlebnissen und Nachforschungen. Sehr geschickt hat die Autorin die beiden Handlungsstränge miteinander verflochten. Dabei wird auch deutlich, wie ähnlich sich die beiden Frauen in ihrem Charakter sind, beide sind sehr mutig, willensstark und liebenswert. Die Protagonisten wurden sehr detailliert ausgearbeitet und wirken authentisch und lebensecht. Eve besticht durch ihr Mitgefühl, ihre Empathie und ihre Hilfsbereitschaft, aber auch durch ihre natürliche Neugier, die durchs nichts zu erschüttern ist. Sie hat schon früh durch die Unpässlichkeit ihrer Mutter Verantwortung übernehmen müssen. Evelyn ist ebenfalls eine junge Frau mit einem starken Charakter und einem ungebrochenen Wissensdurst. Sie ist ehrlich, offen und kümmert sich um ihre Mitmenschen, Standesdünkel sind ihr fremd. Auch sie musste schnell lernen, da ihre Mutter früh verstarb und sie sich nun einer Stiefmutter mit eigenem Sohn gegenüber sah. Ralph ist ihr Stiefbruder und ein hinterhältiger und geldgieriger Kerl, der lieber am Spieltisch sitzt, als Verantwortung zu übernehmen. Stiefmutter Clarissa ist neidisch auf Evelyn und buhlt um den Einfluss auf ihren Ehemann, um ihrem Sohn das Erbe Higher Barton zu sichern.

Auch zur Ausstattung des Buches gibt es einiges zu sagen. Das Cover und der Titel passen wie Faust aufs Auge zu dem Roman. Der Schnitt ist bräunlich eingefärbt und deutet den Zusammenhang zu den Kupferminen an. Die einzelnen Handlungsstränge sind durch ein Trennblatt gekennzeichnet, das immer anzeigt, ob nun Eve oder Evelyn an der Reihe ist. Gleichzeitig kann man die Jahreszahl entnehmen und ein Frauenprofil als Scherenschnitt bewundern. Hier hat sich der Verlag viel Mühe gegeben, die sich auch optisch wirklich gelohnt hat.

„Das Flüstern der Wände“ ist ein wunderbarer, spannender und unterhaltsamer Roman, der den Leser auf der Suche nach einem Familiengeheimnis in ein vergangenes Jahrhundert entführt und der die Seiten erst aus der Hand legen kann, wenn dieses gelüftet ist. Für alle, die gut ausgedachte Geschichten lieben und sich in einem Buch verlieren möchten, ist dies ein absoluter Lesetipp!
Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)

"Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
Albert Einstein

"Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
Oscar Wilde

 

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