Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen, etc. (ohne Spoiler)  (Gelesen 850 mal)

Offline dubh

  • Administrator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 4666
Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr nach der Leserunde schreiben wollt. Denkt bitte daran, dass Eure Rezensionen eine Art "Gegenleistung" für die Freiexemplare der Verlage sind. Es wäre deshalb schön, wenn sich hier möglichst alle beteiligen - ebenso ist ein Fazit zur Leserunde (auch eines der Autorin) immer interessant.

Bitte vermeidet Spoiler und komplette Zusammenfassungen des Inhalts in den Rezensionen, da diesen Thread vielleicht auch Leute lesen, die Sabines Buch nicht gelesen haben, es aber noch tun wollen!

Außerdem wäre es sicherlich für Sabine sowie ihren Verlag Droemer Knaur, der uns netterweise Freiexemplare spendiert hat, schön, wenn Ihr Eure Rezensionen nicht nur hier, sondern auch auf anderen Internetseiten, Blogs und so weiter einstellen mögt.
"Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen."
(Theodor W. Adorno)

Offline nicigirl85

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 3098
  • Büchereule und Blogger mit Leidenschaft
    • nicigirl85s welt
Meine Buchrezension:

Titel: Schicksalsschläge auf Berkeley Park...

Amy Forster schreibt auch unter dem Namen Isabel Beto, daher ist dieser Roman nicht der Erste von ihr, den ich gelesen habe. Hier führt sie uns mal nicht in ein exotisches Land, sondern auf einen englischen Landsitz, der stark an die TV- Serie Downton Abbey erinnert und genau deswegen musste ich das Buch unbedingt lesen.

In der Geschichte geht es um zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da haben wir auf der einen Seite das Dienstmädchen Ella, die bei einem Unfall ihr Gedächtnis verlor. Was verband sie einst mit dem Hausherren Rhys? Auf der anderen Seite haben wir die Adelige Auguste, deren Leben von Spaß und Abwechslung geprägt ist. Sie verliebt sich in Rhys und geht mit ihm nach Berkeley Park. Doch was bedeutet das für ihr Leben? Und vor allem wie geht es Ella damit?

Mir hat hier gut gefallen, dass es mal ein Roman mit historischem Hintergrund ist, der nur auf einer Zeitebene spielt und nicht Gegenwart und Vergangenheit verbindet, denn das habe ich fast schon zu oft gelesen.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich wie gewohnt angenehm leicht und flüssig lesen. Ich konnte mir die Handlungsorte und die dargestellten Personen sehr gut vorstellen.

Die Charaktere sind hier doch sehr besonders. Ella mochte ich total gern, denn sie ist ein liebenswerter Mensch mit dem Herz am rechten Fleck. Ihr Schicksal berührt und man möchte einfach, dass sie endlich mal Glück erfährt. Auguste hingegen war für mich nicht gerade eine Sympathieträgerin, denn sie erwartet zu viel vom Leben. Zudem kann man nicht immer nur Spaß haben und ihre selbstzerstörerischen Exzesse haben mich doch abgeschreckt. Da fragte ich mich lange was Rhys an ihr gefunden hat?

Der Autorin gelang es für meinen Geschmack sehr gut die damalige Zeit bildhaft und nachvollziehbar wiederzugeben.

Das Einzige, was mir persönlich nicht ganz so gut gefiel: Es passieren jede Menge Unglücksfälle. Das war mir einfach etwas zu viel, da hätte ich mir andere Wendungen in der Geschichte gewünscht.

Fazit: Ein guter Unterhaltungsroman mit geschichtlichem Hintergrund, den ich gern weiterempfehle. Lesenswert!

Bewertung: 4/ 5 Sternen

-----------------------

Rezensionslinks:

Amazon: http://www.amazon.de/review/R1KR0M0X5WW9ZF/ref=cm_cr_rdp_perm

Mein Blog: http://nicigirl85.blogspot.de/2015/05/rezension-amy-forster.html

Goodreads: https://www.goodreads.com/review/show/1288298983?book_show_action=false

Lovelybooks: http://www.lovelybooks.de/autor/Amy-Forster/Der-Himmel-%C3%BCber-Berkeley-Park-1135238394-w/rezension/1158014036/

Wasliestdu: http://wasliestdu.de/rezension/schicksalsschlaege-auf-berkeley-park

Literaturschock- Hauptseite: http://www.literaturschock.de/literatur/belletristik/gegenwartsliteratur/der-himmel-über-berkeley-park

Literaturschock- Forum: http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php/topic,36882.0.html
"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)

Offline buchregal123

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 2400
Kurz vor dem ersten Weltkrieg lebt auf dem britischen Landsitz Berkeley Park die Familie Whitmore. Ella Kilderry ist dort Hausmädchen und in den Sohn der Familie, Rhys, verliebt. Nach einem Aufenthalt in Berlin präsentiert Rhys die deutsche Adlige Auguste von Schongau der Familie als zukünftige Frau. Vom ersten Tag an bringt Auguste ihre Schwiegermutter gegen sich auf, da sie einerseits eine verhasste Deutsche ist, andererseits mit ihrem Verhalten die Familie und die englische Gesellschaft vor den Kopf stößt.
Der Schreibstil der Autorin lässt sich angenehm leicht und flüssig lesen. Anhand der Beschreibung der Handlungsorte hatte ich ein gutes Bild vor Augen. Auch die Personen sind sehr gut und authentisch dargestellt.
Ella ist neugierig auf die Welt und auf das Leben und aufgeschlossen. Sie trifft sich heimlich mit Rhys, obwohl beide wissen, dass ihre Beziehung keine Zukunft hat. Ella verändert sich nach einem Unfall, bei dem sie das Gedächtnis verliert. Sie ist verunsichert, zurückhaltend und mit ihrem Ordnungssinn versucht sie Struktur in ihr Leben zu bekommen. Sie ist sich ihrer Gefühle nicht mehr sicher und niemand erzählt ihr, was geschehen ist.
Rhys versteckt seine Gefühle und lebt sein Leben weiter. Er kann seine Abenteuerlust ausleben, ohne in der Gesellschaft anzuecken. Als er Auguste in einer Bar in Berlin kennenlernt, wird er von ihrer Lebenslust mitgerissen. Nach einer leidenschaftlichen Nacht beschließen sie überstürzt, dass sie heiraten werden.
Auguste fegt wie ein Orkan durch das ehrenwerte Haus Berkeley Park. Es ist als ob das Missfallen, das sie erregt, sie noch befeuert. Ihre Eskapaden werden schlimmer und sie bekommt von der Viscountess Olivia Ella als Zofe zugeteilt, damit diese ein Auge auf die kapriziöse Auguste hat. Doch die sieht sich als Künstlerin, die an ihre Grenzen gehen muss, um berühmt zu werden. Obwohl Ella einen gewissen Einfluss auf Auguste hat, kann auch sie Auguste nicht vom Kokain weghalten, eine Sucht, die alles natürlich nur noch schlimmer macht.
Während Auguste immer mehr den Bezug zur Realität verliert, wird Ella stärker, selbstbewusster und lernt, dass man seine Ziele nicht aus dem Auge verlieren darf. Rhys entzieht sich den Problemen, indem er sich mehr und mehr zurückzieht und so tut, als sei alles in Ordnung. Er ordnet sich auch immer wieder der Mutter unter, die massiv das Geschehen beeinflusst.
Das Schicksal hat in einer Zeit des Umbruchs Menschen zusammengebracht, die unterschiedlicher nicht sein könnten und hat ihnen Bewährungsproben abverlangt, die nicht jeder meistern kann. Auch wenn mir die Überdrehtheit von Auguste manches Mal zu viel wurde und das Ende so fast vorauszusehen war, habe ich mich doch gut unterhalten gefühlt.
Wer gerne historische Romane aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts liest, dem kann ich das Buch nur empfehlen.

4/5

--------------

Vielen Dank für diese Leserunde. Meine Rezension werde ich noch streuen.
Liebe Grüße
Bruni

Offline SabineW

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 854
So, bevor die ersten abwandern: Herzlichen Dank schon mal für eure interessanten Eindrücke, die Rezis und natürlich die Teilnahme. Es war (und ist) wie immer eine Freude bei euch.  :)

Offline Avila

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 2028
Zum Buch:

Bücher aus dieser Zeit gibt es mittlerweile immer häufiger, was mich persönlich sehr freut, da ich die Zeit, die so voller Umbrüche war, vor allen in Bezug auf den Adel, sehr spannend und interessant finde. So war natürlich schnell klar, als ich die Leserunde gesehen habe, dass ich mitlesen will.

Das Buch hebt sich von den anderen der Zeit ein wenig ab, was wohl vor allem der so lebhaften Protagonistin im Gewand von Auguste geschuldet ist. Lange habe ich auf keinen  Charakter mehr getroffen, der mir so unsympathisch war, aber so viel Platz in einem Buch eingenommen hat. Und das wirklich erstaunliche: es hat mich gar nicht gestört. Denn auf ihre eigene Art und Weise ist Auguste so fesselnd und faszinierend, dass ich immer gerne über ihre neuen Eskapaden gelesen habe. Und Ella bildet einen angenehmen Kontrast zu der stets aufgedrehten Auguste. Ohne Auguste hätte Ella sonst auch schnell zu langweilig wirken können. Aber so war es doch eine sehr gute Mischung. Durch Auguste und ihre sprunghaften Ideen drohte das Buch auch nie langweilig zu werden. Im Gegenteil es passiert so viel in so kurzer Zeit, dass von Langeweile gar keine Spur sein kann und das Langsame der damaligen Zeit einem sehr rasant vorkommt.

Des Weiteren wird ein großer Fokus auf Autos gelegt. Seit ich mein erstes Playmobilauto im gleichen Stil hatte, sind die allerersten Autos irgendwie auch die einzigen, die mich je fesseln konnte und die ich schön finde… So fand ich es toll, etwas über die ersten Autorennen zu lesen, die nur entfernt an Formel 1 heute erinnern. Im Allgemeinen werden Themen aufgegriffen, die in ähnlichen Büchern der gleichen Zeit nicht unbedingt angesprochen werden.

Ein bisschen schade fand ich, dass die Nebenfiguren alle relativ schwach gezeichnet waren. Vor allem Tony konnte ich gar nicht richtig anpacken. Neben den recht stark gezeichneten Hauptfiguren (Ella, Rhys und Auguste) flachen diese dann schnell ab und wirken blass.

Zur Leserunde:

Trotz meiner Probleme, die ich hatte, ins Internet zu kommen, fand ich es schön dieses Buch hier mit euch zu lesen. Leider war es mir nur schwer möglich so mitzudiskutieren, wie ich es sonst gerne tu. Trotzdem vielen Dank euch allen, vor allem dir, liebe Sabine, es war eine nette Runde mit euch!

Taubenschlag

  • Gast
Inhalt:

Auguste, eine junge Deutsche aus gutem Haus, kann die Konventionen ihrer Klasse nur schwer akzeptieren. Sie stäubt sich, den von ihren Eltern geplanten Lebensweg einzuschlagen, heiraten und eine Familie gründen. Auguste möchte vorher noch das Leben in Berlin geniessen, ihre Eigenständigkeit in einem Beruf erleben. Sie findet einen Job in einem Büro, abeitet als Kellnerin in einer Bar und tritt dort sogar als Tänzerin auf. Bei einem Auftritt lernt er den jungen, englischen Adligen Rhys kennen, in den sie sich verliebt. Von Rhys verspricht sie sich eine abenteuerliches Leben, das ihr die ersehnten Freiheiten bietet.
Rhys hatte vor seiner Reise nach Berlin eine Affäre mit dem Dienstmädchen Ella. Nach einem von ihm verursachten Reitunfall verliert Ella die Erinnerung, auch an die Affäre mit Rhys.
Auguste und Rhys kehren als Paar nach Berkeley Park zurück. Schnell zeichnen sich erst Konflikte mit Rhys Mutter Olivia ab, sie nicht akzeptieren kann, dass ihr Sohn eine Deutsche geheiratet hat und der auch Augustes Verhalten nicht akzeptieren kann, das nicht ihren Vorstellungen von einer Schwiegertochter entspricht.

Meine Meinung:

In diesem Umfeld entwickelt sich eine interessante Geschichte über das Leben Augustes, eine junge Frau, auf der Suche nach Freiheit und der Lust am Leben. Leider stößt sie mit ihren bewußten Provokationen auf den Widerstand ihrer Umgebung und zerbricht auch leider selber an der Situation. Schön beschreibt die Autorin diesen Kampf Augustes mit dem Leben und dem Versuch sich nicht in eine Form pressen zu lassen.
Ella, die im Laufe der Geschichte Augustes Zofe wird, ist der ruhende Gegenpol. Nach ihrem Unfall scheint ihre Welt aus den Fugen geraten zu sein. Durch besondere Ordnungsliebe und der Angst vor Veränderungen versucht sie ihrem Leben eine neue Struktur zu geben. Leider gerät auch sie in den Strudel, der sich rund um Auguste entwickelt.
Die Charaktere werden sehr gut herausgearbeitet und man kann sich als Leser gut in die Personen hineinversetzen.  Durch den Perspektivewechsel der Erzählung mal aus der Sicht Augustes, dann aus der Sicht Ellas, entsteht eine besondere Spannung, die in einem dramatischen Finale endet.
Dieses Buch gibt gut den Konflikt einer jungen Frau wieder, die in den Konventionen ihrer Herkunft und ihres Standes gefangen ist und die darum kämpft sich daraus zu befreien.
Leider ist der Weg den Auguste wählt ein sehr extremer und an einigen Stellen wirkte die Handlung beinahe etwas übertrieben, aber insgesamt ergibt sich eine glaubwürdige Geschichte, die die Stimmung der Zeit gut transportiert.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, es hat eine besondere Stimmung und gewährt einen Blick hinter die heile Welt der Frauen aus gutem Haus.

----------------------

Vielen Dank, dass ich bei dieser Runde dabei sein durfte. Das Buch hat mir mal wieder viel Spass gamacht und die Diskussionen waren mal wieder sehr interessant.

Offline smyrill

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 7347
Das Buch hat einen sehr angenehmen Stil, es liest sich sehr schön weg, hier gab es keine Längen oder Hänger.

Die Zeit in der das Buch geschrieben ist finde ich sehr interessant und ich bekam ein paar Einblicke in das Leben damals. Wobei ich hier immer mal ins Schwimmen kam, was von dem Verhalten der Personen jetzt "normal für die zeit" war und was "man so eigentlich damals nicht tat".  Aber das ist ja bei historischen Romanen oft so. 
Spannend waren die Geschichten rund ums Automobil.
Und nun weiß ich auch, was es mit Bibighar auf sich hat, dank dem Buch.

Mit Auguste hatte ich meine Probleme. Zum einen fand ich es wirklich unfassbar, was sie sich da zT  geleistet hat , zum anderen erschloß sich mir auch nicht wirklich, was der Grund für ihre Handlungsweisen war.
Ich fand sie einfach nur unhöflich und auch extrem unsensibel was die Gefühle anderer Menschen angeht.
Immerhin war sie dabei dann konsequent.

Auch von den anderen Personen ist mir keine wirklich ans Herz gewachsen.

Zum Ende fand ich die Geschichte ein klein wenig konstruiert, (wie "alle" Schicksalsschläge dann auf ein Ziel hinführten) - aber nicht so, daß es mich wirklich gestört hätte.

Die Leserunde hat mir gut gefallen, wir haben schön spekuliert und diskutiert. Ein herzliches Dankeschön an Sabine für die nette Begleitung der Runde.

Offline dubh

  • Administrator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 4666
So Ihr Lieben,

hier ist nach einiger Zeit Ruhe eingekehrt, deshalb möchte ich noch ein paar Worte loswerden. Vielen Dank an alle, die hier rege diskutiert und spekuliert haben: es hat Spaß gemacht, mit Euch zu lesen und Eure Eindrücke zu den einzelnen Charakteren und Geschehnissen zu lesen!
Ein ganz besonders herzlicher Dank an Dich, Sabine! Es hat mal wieder sehr viel Vergnügen gemacht, Dein Buch zu lesen und Dich als Begleitung an Bord zu haben. Ich wünsche Dir alles Gute und weiterhin viel Freude beim Schreiben - natürlich nicht ganz uneigennützig, denn ich hoffe selbstverständlich, dass wir uns bald wieder hier lesen! :-*

Meine Meinung:

Auguste von Schongau wächst in in sehr behüteten und vermögenden Umständen in Berlin auf. Ihr Vater lässt ihr sehr viel durchgehen, da die junge Frau schon früh die Mutter verloren hat und so trifft es sich, dass Auguste bei ihrer neuesten Kapriole, nämlich selbst der Lohnarbeit nachzugehen, den englischen Adligen Rhys Whitmore trifft. Wie sie, ist auch er ein von der Suche nach Abenteuern Getriebener, denn er ist bis auf die Knochen von Automobilen und Rennen fasziniert... So vergeht nur wenig Zeit, bis Rhys gemeinsam mit Auguste nach Berkeley Park, dem Familiensitz der Whitmores, zurückkehrt und die Hochzeit ins Haus steht. Während Rhys' Mutter Olivia ganz und gar von einer Deutschen im eigenen Hause schockiert ist, ist noch eine weitere Frau von der zukünftigen Lady Whitmore betroffen: Ella.
Ella arbeitet schon seit Jahren im Haushalt von Berkeley Park. Die anfangs sehr aufgeweckte und aufgeschlossene Ella hat sich durch einen Unfall, der schon etwas zurück liegt, stark verändert: seitdem ist sie von einem starken Ordnungssinn, einer großen Ernsthaftigkeit und einer Stille geprägt. Doch was hat sich damals eigentlich zugetragen? Ella kann sich partout nicht erinnern und auch die anderen, die sich theoretisch erinnern können, schweigen über die damaligen Ereignisse.
Als nun Auguste mit ihrer unkonventionellen, zur Egozentrik neigenden Art Berkeley Park aufmischt, wird ihr Ella als Zofe zur Seite gestellt. Die Dame des Hauses, Olivia, erhofft sich dadurch ein wenig Kontrolle über die verhasste Schwiegertochter, doch Ella hat ihren eigenen Kopf. Doch Ella ist keine unfaire, tratschende oder gar petzende junge Frau, nein, sie entwickelt sich zu einer ernsthaften, ehrlichen Kritikerin Augustes - insofern eine Zofe so etwas sein kann. Doch die beiden jungen Frauen verbindet nun nicht nur der Alltag, sondern auch Rhys...
Während Ella nicht verhindern kann, dass Auguste sich immer mehr verliert, wird sie selbst wieder selbstbewusster und findet in ganz kleinen Schritten immer zurück zu sich selbst, zu der Ella von früher. Doch was bedeutet das letzten Endes für sie und für ihr Umfeld?

"Der Himmel über Berkeley Park" spielt zu einer sehr interessanten Zeit, denn schon bald stehen schwerwiegende, dramatische Ereignisse an und die Welt wird anschließend weder in Berkeley Park noch im British Empire so sein, wie sie lange war. In die spannende und vor allen Dingen sehr unterhaltsame Handlung streut die Autorin Amy Forster historische Fakten ein, die deutlich machen, was die Menschen damals -nicht nur in Adelskreisen - auf nationaler wie internationaler Ebene bewegt hat. Vor allem auch der Fakt, dass eine junge Deutsche in diesen Kreisen damals sehr verpönt war, kommt sehr gut heraus und kann im geschichtlichen Kontext zumindest halbwegs nachvollzogen werden. Zunehmendes Säbelrasseln bestimmt diese Zeit... Doch es sind auch Adelsdünkel und einfachste Ressentiments, die vor allem die Viscountness des Hauses prägen - doch die Auseinandersetzung zwischen Schwiegermutter und Auguste ist ein wichtiges Element, das vielleicht das ein oder andere Handeln Augustes erklärt. Die Charaktere sind nicht nur interessant, sondern auch mit einer guten Tiefe und realistischen Zügen ausgestattet. Auch wenn sich gerade Auguste sehr stark verändert, so blieb es für mich stets glaubhaft.
Meine Lieblingsfigur ist auf jeden Fall Ella, denn sie ist einfach liebenswert - gerade auch wegen ihrer großen Ernsthaftigkeit. Mich hat ihre leise Veränderung, ihr stärker werdendes Selbstbewusstsein sehr fasziniert, denn ich habe schlicht mit ihr mitgefühlt.
Aber nicht nur Ella mochte ich sehr gerne, sondern auch Mr Johnson, der unter anderem für den Fuhrpark von Rhys verantwortlich ist, und natürlich den jungen Viscount selbst...

Die Autorin Amy Forster hat einen atmosphärischen Roman geschrieben, der mich wirklich gut unterhalten hat. Vor allem der Mut und die Wille Ellas, sich zu verändern und für sich selbst einzustehen, haben mir imponiert. Für mich war dieses Buch einfach ein tolles Gesamtpaket - Liebe, Vorurteile, Mut und historische Fakten wurden gekonnt zu einer spannenden Geschichte zusammengesetzt.

Fazit: Eine gelungener Roman für alle, die gerne von einer untergegangenen Zeit lesen, die gerade einmal hundert Jahre von uns entfernt ist. The British Empire at it's finest.
« Letzte Änderung: 12. Juni 2015, 21:35:19 von dubh »
"Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen."
(Theodor W. Adorno)

Offline Musatecna

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 824
`Von mir fehlt ja immer noch die Bewertung

Auf dem britischen Landsitz arbeitet die junge Ella. Nicht nur die anderen Dienstboten mögen das junge Mädchen, auch der junge Rhys, der junge Lord des Anwesens findet Gefallen an ihr und Ella erwidert seine Liebe.
Doch durch einen Unfall verliert sie ihr Gedächtnis, auch die Gefühlen für Rhys.

Nach einem Auslandaufenthalt kommt Rhys jedoch mit einer deutschen Ehefrau nach Hause.
Auguste ist ein Mädchen aus gutem Hause, sie will jedoch alle engen gesellschaftlichen Schranken überwinden, dabei überschreitet sie jedoch mehr als einmal die Grenzen des Anstandes und verletzt die Gefühle ihrer neuen Familie.


Der Autorin ist es großartig gelungen, die Zeit vor dem drohenden ersten Weltkrieg zu schildern. Vor allem die gesellschaftlichen Strukturen in den Herrenhäusern wurden durch Ella und ihre Herrschaft für den Leser anschaulich und lebendig.
Die handelten Figuren machen erstaunliche Wandlungen durch, die Geschichte bliebt aber immer glaubwürdig.

Der Roman ist absolut lesenswert und ich werde ihn sehr gerne weiterempfehlen.

 

Weblinks

Literaturschock Facebook Twitter

Internes

Mediadaten & Presse Impressum & Kontakt Datenschutzerklärung