Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler)  (Gelesen 957 mal)

Offline Kati

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Ein wichtiger Punkt der Leserunden sind eure Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein – daher legen wir viel Wert darauf, dass ihr zum Abschluß zeitnah euer Fazit hier einstellt.

Zahlreiche Rezensionen hier und die Streuung auf anderen Seiten steigern bei den Verlagen und Autoren die Attraktivität von Leserunden.de: Denkt daran, dass die Rezensionen für die Verlage die "Gegenleistung" für die Freiexemplare sind.

Wir freuen uns, wenn der/die AutorIn ebenfalls ein Fazit zur Leserunde einstellt.

Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen!

Bitte rezensiert das Buch auch auf unserer Hauptseite Literaturschock.de. Eine extra Anmeldung ist hierzu nicht nötig, Gastrezensionen werden manuell freigeschaltet.

Offline nicigirl85

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Na hier traut sich wohl keiner?  ;) Dann mache ich mal den Anfang, auch wenn es mir immens schwer gefallen ist zu diesem Buch eine Rezension zu schreiben.

Titel: Vom Verlag völlig falsch beworben...

Auf dieses Jugendbuch habe ich mich immens gefreut, da der Klappentext so interessant klang, doch leider kam die Enttäuschung sehr schnell und es fiel mir unheimlich schwer überhaupt eine Rezension zu verfassen, was jedoch nichts mit dem Buch an sich zu tun hat, sondern mit dem, wie der Verlag das Buch bewirbt.

Laut Verlag handelt es sich um Fantasy für Jugendliche, was ganz klar nicht der Fall ist. Vielmehr wird einem als Leser hier ein sehr detaillierter und ausgeklügelter Science Fiction Roman für Erwachsene geboten. Wer mit diesem Genre nichts anfangen kann, der wird mit dem Buch schnell überfordert sein.

Gut gefallen hat mir, dass in dem Buchinnenseiten Karten zu sehen sind, die bei der Orientierung ein wenig helfen. Die Protagonisten sind junge Erwachsene, aber das war es dann auch schon was dieser Roman mit Jugendbüchern gemein hat.

An Protagonisten gibt es für meinen Geschmack fast zu viele. Jede Person wird mit Namen benannt und dieser dann im weiteren Verlauf genannt, doch man kann sich die meisten gar nicht merken, da sie für die Handlung kaum wichtig sind. Mir fiel es schwer mich mit jemanden zu identifizieren, da mir der Zugang zum Buch nahezu unmöglich war.

Die Erzählweise des Autors ist sehr detailliert und verspielt. Thomas Krüger hat sich bei dem Erfinden seiner Welt wirklich etwas gedacht und lebt dies auch total aus. Vor allem Technik und Physik spielen eine große Rolle.

Leider überstiegen die zahlreichen Ideen des Autors meinen Horizont und ich konnte der Geschichte nur schwer folgen, weil ich eben leichte Jugendfantasy erwartet hatte und keine ausgeklügelte Science Fiction Welt, denn das ist leider so gar nicht mein Genre.

Fest steht, dass Thomas Krüger schreiben kann und Leser, die sich von dem Genre angesprochen fühlen, die werden beim Lesen die reinste Freude empfinden. Jugendliche Leser und Erwachsene, die gerne mal ein leicht zu lesendes Jugendbuch genießen möchten, werden jedoch bitter enttäuscht sein, da sie der Handlung nicht werden folgen können.

Fazit: Nur etwas für Science Fiction Fans, die mit einer enormen Vorstellungskraft gesegnet sind. Alle anderen lassen besser die Finger davon. Vielleicht sollte der Verlag die Genre- Einordnung des Romans überdenken...

Bewertung: 3/ 5 Sternen

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Rezensionslinks:

Amazon: https://www.amazon.de/review/R2SPGJ72I7VO42/ref=cm_cr_rdp_perm

Mein Blog: http://nicigirl85.blogspot.de/2015/06/rezension-thomas-kruger.html

Goodreads: https://www.goodreads.com/review/show/1305200813?book_show_action=false

Lovelybooks: http://www.lovelybooks.de/autor/Thomas-Kr%C3%BCger/Die-F%C3%A4nger-des-Himmels-1126593066-w/rezension/1160495424/

Wasliestdu: http://wasliestdu.de/rezension/vom-verlag-voellig-falsch-beworben

Literaturschock- Forum: http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php/topic,36981.msg855079.html#msg855079

Literaturschock- Hauptseite: http://www.literaturschock.de/literatur/belletristik/kinder-und-jugendbuecher/die-fänger-des-himmels
"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)

Offline Thomas Krüger

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Das ist doch superehrlich! Und ich geb Dir in vielem Recht. Das Buch war eigentlich NIE als Jugendbuch gedacht. Also - von mir. Aber kaum hast du 16jährige Protagonisten, geht die Schublade auf. Da bin ich total überrascht worden. Nun bin ich natürlich froh, einen Verlag gefunden zu haben, und Baumhaus ist ein sehr guter Verlag. Aber vielleicht hätte man wirklich mehr auf Science-Fiction-Fans setzen sollen. Ich bin in dieser Frage auch nicht ganz unschuldig, weil ich irgendwan dachte, die Fantasy-Elemente sind stärker. Sind sie aber nicht. Ja, so lerne ich und lecke meine Wunden. Aber Deine Rezension gefällt mir sehr! Danke!!  :-*

Offline nicigirl85

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@ Thomas: Da bin ich beruhigt, dass du mit meiner Rezension leben kannst. Es ist mir schon lange nicht mehr so schwer gefallen eine Buchbewertung zu schreiben. Hätte ich gewusst, dass so viel Science Fiction enthalten ist, dann hätte ich das Buch nicht gelesen, weil es einfach nicht mein Genre ist und mein Verständnis/ meine Vorstellungskraft dafür einfach nicht reicht.

Ohne Leserunde hätte ich das Buch wohl abgebrochen. Ich danke dir für die Leserundenbegleitung und dass du es mit Fassung trägst.  :bussi:

Ich wünsche dir jedenfalls noch viel Erfolg und hoffe, dass du begeisterte Leser finden wirst für dieses Buch, denn schreiben kannst du ganz gewiss.  8)
"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)

Offline Thomas Krüger

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Danke!!! Ich nehme die Dinge, wie sie kommen. Wie gesagt: Ich kann vieles der Kritik nachvollziehen. Ich hoffe jetzt mal, dass sich - trotz des in die falsche Richtung weisenden Covers und der Platzierung im Buchhandels-Katalog - noch ein paar SF-Fans einfinden. Wagt das Abenteuer!!! Nur Mut!!!  8) 8) 8) :banane: :banane: :banane: :freu: :freu: :freu: :hexe: :hexe: :hexe: Die Smileys sind echt lustig hier  ;D

Online Dani

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Lieber Thomas, ich gehöre leider auch nicht zu den SF-Fans und habe mich dementsprechend auch etwas schwergetan mit dem Buch. Für mich lag es aber vor allem an den falschen Erwartungen, die meiner Meinung nach durch die Buchbeschreibung und Darstellung geweckt werden.

Hier nun mein Versuch einer Rezension und danke, dass du uns so toll begleitet hast - ohne dich wäre ich ziemlich sicher weit vor dem Ende verwirrt ausgestiegen  :-[



Metronas ist die wichtigste Stadt in der Nigrana, dem schwarzen Land. Hier lebt Alissa, ein junges Mädchen, gemeinsam mit ihrem Vater Bendar. Dieser ist Wissenschaftler und warnt entschieden vor den aktuellen Angeboten, die der mächtige Posisco-Konzern entwickelt und in der Bevölkerung verbreitet. Doch Bendar steht mit seinen Warnungen eher auf verlorenem Posten, die Menschen rennen Posisco die Bude ein, um möglichst alle und möglichst frühzeitig die sogenannten Implemente eingesetzt zu bekommen, die ihnen das Memoporting erlauben, eine Art außerkörperlicher Erfahrung.
Alissa und ihr Freund Tiras gehören zu den Ausnahmen in ihrer Altersgruppe, weil sie noch kein Implement haben und auch nicht danach streben.
Als Alissas Vater entführt wird, wünscht sie sich bald, sie hätte ihm genauer zugehört, wenn er über seine Arbeit gesprochen hat. Trotz der Verwandtschaft zu einem der führenden Wissenschaftler des Reiches hat Alissa so nur eine äußerst vage Ahnung von den technischen und physikalischen Zusammenhängen der neuen Möglichkeiten. Doch schnell wird Alissa und Tiras, dass hinter diesen Möglichkeiten vor allem eine große Bedrohung steht – für die Stadt und die ganze Bevölkerung des ganzen Landes!

Ich muss gestehen, ich habe etwas anderes erwartet, als ich zu diesem Buch gegriffen habe. Vom Verlag wird es in der Kategorie Jugendfantasy beworben, doch schon auf den ersten Seiten wird klar, dass hier ein gehöriger Anteil Science-Fiction drinsteckt – leider ein Genre, das ich sonst eigentlich gar nicht lese. Es fallen viele fremdartige Begriffe, deren Bedeutung sich zwar teilweise im Verlauf der Lektüre erklärt, vieles blieb mir aber dennoch fremd und schwer begreiflich, da fehlt mir einfach das technische Verständnis (immerhin ähnlich wie Alissa). Der Autor hat seinen Figuren allen wunderbar klingende und interessante Namen gegeben, allerdings wirklich allen, bis zur letzten Nebenfigur. Da es kein Personenverzeichnis gab, hatte ich hier immer wieder Schwierigkeiten, wer nun eigentlich wer ist und wer eine wichtige Rolle spielt oder wessen Namen ich theoretisch am Satzende wieder vergessen könnte. So hatte ich bis zum Ende hin nur von wenigen ein halbwegs klares Bild vor Augen, am ehesten natürlich noch von Alissa und Tiras, wobei auch Tiras schon ein äußerst rätselhafter Charakter ist.

Meinen persönlichen Geschmack hat das Buch leider nicht getroffen, was zu einem großen Teil sicher an den falschen Erwartungen lag, die ich daran hatte. Ich denke, der Verlag würde sich und dem Autoren hier einen Gefallen tun und das Buch als (Jugend)Sci-Fi bewerben. Fans dieses Genres kommen in der ausgeklügelten Welt von Thomas Krüger sicher voll auf ihre Kosten!
Liebe Grüße
Dani

Offline Thomas Krüger

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Auch Dir, Dani, ganz herzlicher Dank! Über das Thema "falsch beworben, falsche Erwartungen geweckt" haben wir ja schon gesprochen. Ich finde es prima, dass ihr trotzdem dabeigeblieben seid! Ganz ehrlich! Mir hat das hier sehr viel gebracht. Ich werde viele Dinge bedenken bei den nächsten Sachen, die ich in Richtung Sci-Fi - Fantasy schreibe. Ich will unbedingt ein weiteres Buch mit epischem Charakter versuchen. Selbst wenn es wieder Jahre kostet  :) Es macht einfach auch zu viel Spaß, eine Welt zu erschaffen. Und meine nächste "Alissa" wird weniger lamentös, kämpferischer! Mehr Lisbeth Salander. Auch bei den Namen passe ich auch besser auf. Versprochen! Damit ihr mir auch beim nächsten Buch treu bleibt!!!  8) 8) 8)

Online Dani

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Hi Thomas!

Wie nicigirl muss ich dir auch ein Kompliment für deinen Umgang mit unserer Kritik aussprechen. Gerade weil man dem Buch so sehr anmerkt, wieviel du da reingesteckt hast, tut es mir ja richtig leid, dass es nicht mein Fall war.
Aber im (für mich) passenden Genre würde ich jederzeit wieder zu einem Buch von dir greifen, versprochen!
Und wenn es Jahre dauert, hab ich bis dahin ja vielleicht auch endlich eine Leidenschaft für SF entwickelt, wer weiß  ;)
Liebe Grüße
Dani

Offline Thomas Krüger

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Offline Rhea

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So, nun endlich meine Rezi, damit auch die Sicht des SF Lesers vertreten ist.
Erst mal vielen Dank an Thomas, denn es gibt  nicht mehr so viele SF Bücher. Oder vielleicht muss man die getarnten suchen?
Der Aufkleber, der sich auf Rufus Beck bezieht ist für mich total unverständlich, denn es ist weder eine Reisegeschichte noch ist es Fantasy. Werden die Autoren bezahlt, damit sie so was schreiben? Wissen sie, was in ihrem Namen geschrieben wird?

Es hat Spaß gemacht das Buch mit Dir Thomas und natürlich mit meinen Mitlesern zu lesen. Es sind doch einige interessante Diskussionen entstanden und es gab viele Hintergrundinformationen.


Das Vierte Reich – mit dunkler Phantasie in die Zukunft

Das Buch hatte, als ich merkte, dass es keine Fantasy sondern SF ist erst mal einen Bonus. Schade, dass sich das Label Utopie oder SF immernoch nicht wieder gut verkauft, so dass man ihm einfach ein Mäntelchen umhängen muss. Ich bin Science Fiction Fan und freue mich über jede Gesellschaftsutopie, obwohl die meisten in den letzten Jahren Dystopien waren.  Das heißt, dass mich die technische Seite der Zukunft weniger interessiert  als die gesellschaftliche. Ich kann daher ziemlich gut die technischen Details ausblenden, weil sie selten für den Fortgang der Geschichte notwendig sind.
Eigentlich sollte ich hier ein Fantasybuch lesen,  welches selbst von Rufus Beck  so beworben wurde. Nun, ich verlasse mich selten auf Klappentexte und noch weniger auf solche Aussagen von Prominenten.  Somit überraschte mich das Buch positiv. Hier wollte ein Autor zeigen, wie leicht es ist, eine ganze Gemeinschaft zu manipulieren, was mich ein wenig an „Die Welle“ erinnerte. Dir Grundidee des Buches, der Kampf gegen den machtgierigen Herrscher, ist nun nicht neu, die Parallelen zum dritten Reich sind absolut auffällig. Ich denke, dass dies bei den Entwicklungen der Gegenwart schon legitim ist, auf eine moderne Art daran zu erinnern und auch zu warnen, wie leicht man Menschen trotz solcher Erfahrungen wieder auf den gleichen Weg bringen kann. Die Art wie die Idee vom Autor ausgearbeitet wurde hat mir gefallen
Die Welt
Im Buch geht es wohl um eine zukünftige Welt, aber es scheint nicht die Erde zu sein und der Leser erfährt eigentlich nur Details über die jeweiligen Handlungsorte, die Stadt, die Vorstadt und die Sümpfe. Gibt es noch andere Städte? Länder? Kontinente? Eine Weltkarte dazu gibt es nicht.
Dafür sind die Handlungsorte sehr lebendig beschrieben und es gibt im Buch zwei Karten die sehr übersichtlich diese Orte zeigen und damit eine Möglichkeit geben, sich dort zu orientieren.

Die Personen
Die Protagonisten des Buches sind zwei Jugendliche, ein sechzehnjähriges Mädchen, Tochter eines der berühmtesten Wissenschaftler und ihr blinder Freund, ein Straßenjunge. Mit der Protagonistin bin ich nicht wirklich warm geworden. Sie war für mich immer zu naiv, zu moralisch in Situationen wo es um  Leben und Tod geht. Für mich machte sie das jünger als sie sein sollte und ein wenig unglaubwürdig. Dagegen hat der zweite Protagonist, der blinde Junge, sofort meine Sympathie gefunden. Er wirkte auf mich absolut echt und glaubwürdig. Seine Figur war spannend, weil geheimnisvoll – für den Leser, die Protagonistin und sich selbst.  Es gab noch ca. ein Dutzend Personen, die im Buch eine Rolle spielen und deren Handlungen wichtig sind.  Auch diese wirkten in ihrer Art sehr logisch und nachvollziehbar in ihrem Handeln. Der Gegenspieler ist ziemlich schnell bekannt, aber auch er hat seine Geheimnisse und eine schwarze Katze. Diese läuft immer wieder durch das Buch und stellt Verbindungen her, deren Grund der Leser bis zum Schluss nicht erahnen kann. Somit ist sie eigentlich die rätselhafteste Figur. Probleme bei den  Personen gab es, weil der Autor scheinbar eine Vorliebe entwickelt hat, allen Personen Namen zu geben, auch wenn sie nur in kurzen Szenen auftauchen und eigentlich austauschbar sind. Das verwirrt den Leser unnötig. Die Personen erhalten keinen Charakter und kein Bild, sind also nur an ihren Namen zu erkennen. Ungeübte Leser werden versuchen, sich die Namen zu merken, weil ja unbekannt ist, wer von den Genannten noch einmal eine Rolle spielt. Wenn man aber darauf achtet, so hat der Autor schon dafür gesorgt, dass Personen wieder erkannt werden. Wenn sie nochmals auftauchen, werden sie mit einer Beschreibung  versehen, aus der man erkennen kann, wann und in welchem Zusammenhang sie schon mal aufgetaucht sind. Manchmal allerdings erst ziemlich spät. Bei mir, die ich die Namen einfach überlesen habe, war es dann so, dass eine Szene, die eigentlich einen „Aha-Effekt“ auslösen sollte, dieser bei mir nicht wirklich ankam, da es für mich egal war, wer  die Person hinter der Maske war.
Es gibt entsprechend den Handlungsorten die Stadtbewohner, die ein relativ angenehmes Leben führen, die Vorstadtbewohner, die das Heer der Arbeiter stellen und relativ ärmlich leben. Hier ist kam bei mir sofort die Assoziation zu den Slums auf. Sie werden von den Städtern nicht beachtet, Ihr Schicksal interessiert die Stadtbewohner nicht und es gibt keine Kommunikation zwischen beiden Orten. Eine dritte Menschengruppe sind die Berber, die mich an Zigeuner erinnerten, das mag aber daran liegen, dass ich mich mit dem Volk der Berber noch nicht intensiv beschäftigt habe. Vermutlich hat der Autor eher an diese Volksgruppe der „Freien“ gedacht, von denen die meisten sesshaft sind, so man sie lässt. Eine weitere Parallele ist die, dass die Kultur der Berber im Buch auch eine sehr alte ist. Ich fand dieses Volk im Buch sehr spannend und hätte gern mehr davon gelesen.

Handlung
Es ist eine Rettungsmission,  einige Wenige versuchen gegen die Übermacht zu bestehen und ihre Welt vor dem Untergang zu retten und natürlich ist ihr Kampf aussichtslos.
Die Menschen werden mit der Möglichkeit ausgestattet, sich zu verdoppeln, in verschiedenen Körpern Erfahrungen zu sammeln und diese dann in einer Verschmelzung wieder zusammen zu fügen. Dieser plötzliche Zuwachs an Erfahrung führt zu einer Art Rauschzustand. Mit dieser tollen Technik können nun alle ausgestattet werden. Der Vater der Protagonistin ist der Rufer in der Wüste, der Wissenschaftler, der wesentlichen Anteil  an der Vervollkommnung der Technik hatte und der ihre Risiken kennt. Das alles ist ein oft genutztes Sujet in einem anderen technischen Gewand. Wenn jemand an der Science Fiction die technische Seite mag, dann kann er auch die Beschreibung der Prozesse im Buch finden. Als nicht SF-Leser sollte man einfach nicht versuchen, si e zu verstehen. Es ist nur ein Bonus, man muss es nicht verstehen um der Handlung folgen zu können.
 Eigentlich weiß man als Leser dann auch schon wie es ausgehen wird und das Grundgerüst der Geschichte ist schnell erfasst. Trotzdem gelingt es dem Autor, die Spannung zu halten und immer wieder Wendungen in die Handlung einzubauen, die überraschen. An manchen Stellen wirkte es auf mich etwas konstruiert, aber ich zolle dem Respekt, wie die Übergänge dann doch dazu führten, dass  ich erstaunt einen anderen Ausgang der Szene lesen konnte. Der Schluss bringt eine Überraschung, die wirklich unvorhersehbar ist, aber sehr logisch begründet und das hat mir richtig Spaß gemacht.
Fazit:
Eine engagierte  dunkle Gesellschaftsutopie mit interessanten Wendungen einigen rätselhaften phantastischen Elementen und gut erzählt. 

Offline Thomas Krüger

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Hallo Rhea,

wow, super ausführlich!!! Danke!!! Die Frage mit Rufus Beck kann ich schnell beantworten. Er mochte bzw. mag (hoffe ich)  :) das Buch wirklich. Sein Spruch bezieht sich auf den Mittelteil, wo Alissa, Tiras und Gil Pandra durch die Nigrana ziehen. Das hat ihm am meisten gefallen. Und dann werden solche Quotes natürlich immer auf Knackigkeit hin geschrieben. Da verkürzt sich manchmal was. Insofern kollidieren eure Einschätzungen der Bücher vielleicht. Aber bezahlt wurde er ganz bestimmt nicht dafür. Deine anderen Fragen beantworte ich gleich im anderen - wie heißt das? - Thread (ist jetzt bestimmt das falsche Wort. Aber Du weißt, was ich meine  ;)

Offline SABO

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  • "O Captain! My Captain!"
Thomas Krüger - Die Fänger des Himmels - Baumhaus-Verlag

Metronas, in der Zukunft:

Ein alter Menschheitstraum wird wahr, seinen "Körper" an jeden Ort der Welt zu schicken, überall dabei zu sein, nichts mehr zu verpassen, immer hip sein, in Time und Trend sein.
Die Bewusstseinspersonaltransportation, macht dies durch ein Implantat - genannt Implement - möglich.  Ab dem 15. Lebensjahr darf man sein Bewusstsein duch die Datenstromschneisen memoportieren, nicht wenige lassen sich gleich an ihrem Geburtstag das Zwischenhirn operieren.
Der Wirtschaftsführer Skanda Borlund wird umschwärmt und gefeiert wie ein Popstar, er kann den Teenagern alles schmackhaft machen, keiner möchte die neueste technische Errungenschaft missen. Alle wollen dabei sein..alle ausser Alissa, ihr Vater ist Memowissenschaftler und scheut die Risiken und unbekannten Nebenwirkungen zu sehr, er ist das kritische Sprachrohr dieser Zeit.
Eines Tages wird ihm seine verantwortungsbewusste Zurückhaltung zum Verhängnis, er verschwindet spurlos. Alissa und ihr blinder Freund Tiras machen sich auf die Suche, die Recherche beginnt in einer Bibliothek und gestaltet sich als nicht ganz ungefährlich. Wenn man etwas sucht, das man versteckt suchen muss, alles dokumentiert wird, kann sich schnell eine verräterische Spur legen.
Ein Projekt, das alle in Aufregung versetzt, ist die große Verhüllung des Turms von Metronas. In strahlend schönem Glanz soll er da stehen, ein modernes Symbol für die Menschen, die diesen Tag der Enthüllungsfeier herbeisehnen, die mobilgemachte Jugend hilft fleissig mit und trägt besondere Kleidung, die sie kennzeichnet. Jeder will dabei sein.

Nicht ganz unpolitisch mit einem bangen Auge auf die Zukunft der Jugend und das es immer richtig ist, nicht wie ein Schaf der Herde hinterherzulaufen. Man ist auch dabei mit eigenen Gedanken!


"Beim Menschen ist kein Ding unmöglich, im Schlimmen wie im Guten."
Christian Morgenstern

1.Teil einer spannenden und ausgeklügelten Science Fiction Serie, die einem nachdenklich zurücklässt.
Ich werde mir auch das HB von Rufus Beck vorlesen lassen und hoffe, auch er geht mit meinen Gedanken spazieren..
Für den 2. Teil wünsche ich mir ein Glossar!

Zitat Thomas Krüger:
"Rauchende Köpfe sind meine Trophäen!

Vielen Dank, das ich dabei sein durfte, mein Kopf ist eine "Trophäe" davon..  ;)
Vielen Dank an das Forum, den Baumhaus-Verlag und an einen sehr geduldigen und gut gelaunten Thomas Krüger, der uns beim Lesen unterstützte. Respekt!
 :five:

http://www.leserunden.de/index.php?topic=11211.msg236129#msg236129
http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php/topic,36981.0.html
http://www.literaturschock.de/literatur/belletristik/kinder-und-jugendbuecher/discussions/review?id=8367
http://www.amazon.de/review/RRWAXQWEROEBC/ref=cm_cr_rdp_perm?ie=UTF8&ASIN=3833903317
http://wasliestdu.de/rezension/die-faenger-der-jugend
http://www.lovelybooks.de/autor/Thomas-Kr%C3%BCger/Die-F%C3%A4nger-des-Himmels-1126593066-w/rezension/1162152713/
https://www.goodreads.com/review/show/1315512372


« Letzte Änderung: 23. Juni 2015, 17:50:24 von SABO »

Offline Thomas Krüger

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Zitat Thomas Krüger:
"Rauchende Köpfe sind meine Trophäen!

 ;D ;D ;D
Danke! Ich bin gerührt von eurer Kritik. Sie ist ehrlich und konstruktiv - und das ist optimal. Ich sammel jetzt fleißig Stoff für weitere Bücher  :lesen: - veröffentliche vorher aber noch ein paar Kinderbücher und Krimis (mit Erwin Düsedieker - ist mein heimlicher Held und was gaaaanz Anderes ... eher so in Richtung ... verrückt-versponnen ...  :verrueckt:

 

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