Autor Thema: Fazit, Rezensionen (ohne Spoiler)  (Gelesen 809 mal)

Offline smyrill

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Ein wichtiger Punkt der Leserunden sind eure Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein – daher legen wir viel Wert darauf, dass ihr zum Abschluß zeitnah euer Fazit hier einstellt. Bitte nicht erst Wochen nach der Leserunde.

Zahlreiche Rezensionen hier und die Streuung auf anderen Seiten steigern bei den Verlagen und Autoren die Attraktivität von Leserunden.de: Denkt daran, dass die Rezensionen für die Verlage die "Gegenleistung" für die Freiexemplare sind.

Wir freuen uns, wenn der/die AutorIn ebenfalls ein Fazit zur Leserunde einstellt.

Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten.
Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen !

Offline smyrill

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Nachdem ich den ersten Band der Reihe "Das Mädchen im Feuer" gelesen hatte, war ich sehr gespannt auf dieses Buch (Band 2).

Trotzdem Thea Dombrowski eine etwas sperrige Protagonistin ist, interessiert es mich, wie ihr Leben weitergeht. Zudem finde ich es sehr spannend, Verbrechen aus der Sicht einer Journalistin zu betrachten. 
Theas Leben scheint alles andere als nett und gradlinig zu verlaufen. Aus ihrer Vergangenheit erfährt man immer nur kleine Bruchstücke, die zumindest erklären, warum sie so ist wie sie ist, die andererseits aber auch einfach neugierig auf mehr machen.

Die Rahmenhandlung, rund um Thea und ihre Familie und ihre Freunde und Bekannnten gefällt mir jedenfalls sehr gut. Hier gibt es zwar kaum einen, den ich nicht im Laufe des Buches mindestens einmal hätte durchschütteln mögen, aber das ist ja kein Makel (des Buches) sondern eben "wie im wahren Leben". 

Der Kriminalfall selbst ist mehr als aktuell, was gerade durch den eingeschobenen E-Mail Kontakt deutlich wird, in diesem wird auf Pressemitteilungen vom (u.a.) März 2015 eingegangen.
Die E-Mails stehen ein bißchen außerhalb des Geschehens im Buch, nicht schlimm, aber doch so, daß ich mir mehr Einbindung gewünscht hätte.

Im Buch gabe es keine "Längen", das einzige was mich ein bißchen raus brachte waren tatsächlich die o.g. Mails, aber diese Einschübe waren ja recht kurz, so daß man rasch wieder zum Geschehen zurück kam.

Die Leserunde hat mir gut gefallen, vielen Dank an alle Mitleser fürs Diskutieren und Spekulieren. Ein besonderes Dankeschön an Kristin und Martin von "Conny Schwarz" für die Begletung dieser Runde  :bussi:

Offline buchregal123

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Vielen Dank für die Begleitung der Leserunde. Es hat Spaß gemacht.

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Thea Dombrowski hat sich nach Beziehungsschwierigkeiten mit ihrer kleinen Tochter Mari wieder zurück in ihren Heimatort Wartenberg. Sie ist Journalistin beim Anzeiger. Ihr Redakteur schickt sie in den Wald, damit sie eine Reportage über Jäger schreiben kann. Leider geht das total schief und Karl, der Jäger, ist genervt. Als dann auch noch ein Schuss losgeht und das außerhalb der Jagdsaison, ist das ein Grund nach dem Rehbock zu schauen. Sie finden nicht nur den Bock, sondern auch den toten Dengler.

Das Buch liest sich sehr flüssig und greift einige aktuelle Probleme auf; es geht um Flüchtlingspolitik, Montags-Demos, V-Leute, NSU-Prozess und natürlich um Mord. Dann verschwindet auch noch der Nachbarssohn von Ute.
Thea ist sympathisch und nicht auf den Mund gefallen, allerdings auch ein wenig chaotisch. Sie benötigt eine Augenklappe und es ist schon witzig, nach welchen Kriterien sie entscheidet, welche gerade dran ist. Der Anblick irritiert dann auch oft ihre Mitmenschen. Sie hat in der Vergangenheit schon einiges mitgemacht, was aber nur angedeutet wird, und hat nun in Wartenberg Zuflucht gesucht. Es ist natürlich nicht einfach, wenn man als erwachsene Frau mit Kind wieder bei der Mutter unterkriechen muss. Mutter Ute ist hilfsbereit, im örtlichen Leben integriert und manchmal ein wenig nervig. Der für die Mordermittlung zuständige Kommissar Daniel ist ein Jugendfreund von Thea, so dass es zwischen den beiden auch schon mal einen informellen Austausch gibt.

Auch die anderen Personen, die im Laufe der Geschichte auftreten, sind gut geschildert – teils skurril, teils undurchschaubar, manches Mal auch nervend. Thea, die versucht ihre eigenen Ermittlungen anzustellen, hat es nicht einfach. Man will entweder nicht mit ihr reden oder lügt sie an. Sie gibt aber nicht auf.

Obwohl ich den Vorgängerband nicht gelesen habe, hatte ich keine Probleme in die Geschichte reinzukommen.

Zwischendurch gab es Einschübe von anonymen Posts. Dass ich anfangs keinen Zusammenhang zur Story gesehen habe, störte mich ein wenig. Die Geschichte war spannend und machte neugierig darauf, wie die einzelnen Aspekte zusammenkommen. Erst zum Ende ergibt sich das Gesamtbild.
Liebe Grüße
Bruni

Offline Kristin Uhlig

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Ihr Lieben,
wir freuen uns, dass Ihr Theas bisweilen krummen Wegen mit Spannung gefolgt seid. Danke an Bruni und smyrill für Eure schönen Einschätzungen!
Für uns war es eine tolle und ganz neue Erfahrung, diese kleine aber feine Leserunde begleiten zu dürfen und unmittelbaren Anteil an Euren Leseeindrücken zu haben. Es war interessant zu sehen, an welchen Stellen es Diskussionsbedarf gab, wie Ihr die Figuren eingeschätzt habt und wo Fragen offen blieben - zum Teil an ganz anderen Punkten, als wir es vermutet hätten. Und es fiel manchmal erstaunlich schwer, das, was wir in unserem Roman ausdrücken wollten, nochmal in andere Worte zu fassen. Wir hoffen trotzdem, dass Ihr die Leserunde genauso anregend fandet wie wir!
Nun sind wir gespannt auf Eure weiteren Rezensionen!
Bis dahin schon mal liebe Grüße
Kristin und Martin

Offline DunklesSchaf

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    • Die Dunklen Felle
So, und hier ist auch meine Rezesion. Aber vorab noch: Mir hat die Leserunde wirklich sehr viel Spaß gemacht - vielen Dank an Kristin und Martin, aber natürlich auch an Moderatorin smyrill und die anderen Mitleser.

So, hier kommt sie:

Thea Dombrowski stolpert beim Jagdausflug in eine Leiche. Eigentlich wollte sie ja gar nicht, aber ihr Kollege hat sich mal wieder um diesen Artikel gedrückt. Und so kommt es, dass sie dem Jäger hinterher ins Haus rennt, in dessen Garten seine heißgeliebte Hirschkuh in die Luft gesprengt wurde. Sie übernimmt die erste Berichterstattung, doch danach gibt sie den Fall ab, denn eigentlich hat sie gerade viel zu viel am Hals. Als dann aber abends die Nachbarin klingelt und um Hilfe bittet, da Benni, ihr Teenagersohn, verschwunden ist, kann sie nicht umhin, doch zumindest diesen Fall zu hinterfragen.

Halbtagsjournalistin und Vollzeitmutter von Mari, ständig im Clinch mit ihrer eigenen Mutter Ute, von der großen Stadt ins kleine, schwäbische Wartenburg, zurück in die Heimat, das ist Thea Dombrowski. Nun ist sie zwar Journalistin mit Leib und Seele, aber eben nicht in der großen Stadt, sondern lokal, im kleinen, aber feinen Wartenburg. Den Halbtagsjob wuppt sie auch nur, weil ihre Mutter sie in der Kinderbetreuung unterstützt, trotzdem rasselt sie regelmäßig mit ihr aneinander. Es ist eben nicht einfach, als Tochter, die in die weite Welt zog, zurück in die Heimat und in Mamas Haus zurückzukehren. Und hier erkennt man schon, dass die Journalistin eben nicht nur Journalistin ist, sondern eben auch einiges an Privatem passiert und die Handlung beeinflussen. Nichtsdestotrotz ist Thea neugierig und beharrlich, ganz so, wie es sich für eine Vollblut-Journalistin gehört, und lässt es sich von Bennis Mutter auch nicht ausreden, nach Benni zu suchen, als diese am nächsten Tag ihre Meinung ändert. Und leider (oder glücklicherweise?) ermittelt sie nicht immer auf legalen Wegen.

„Lügenpresse“ ist ein markantes Wort in dem Krimi von Conny Schwarz (hinter dem Pseudonym verstecken sich Kristin Uhlig und Martin Maurer), aber auch den „Bundesgauckler“ findet man dort. Das hintergründige Thema ist die Frage: wie weit kann man der Politik trauen? In wie weit kann man der Presse trauen? Wird die Öffentlichkeit absichtlich „dumm“ gehalten? Das Thema rollt das Autorenduo an einer Geschichts-AG auf, in welcher der Lehrer Friese, nicht nur geschichtliche Themen bespricht, sondern auch Transparenz in Politik und Medien vehement einfordert. Ein Thema fesselt die Mitglieder der AG, zu der Benni gehört, besonders: der Polizistenmord von Heilbronn. Mit einem Auge blinzelt immer die rechte Szene hinter den Büschen hervor, Wagida hat sich auch zusammen gefunden und die „Initiative Rechtsstaat“ veröffentlicht illegaler weise Ermittlungsakten. Doch hängt das mit den Recherchen der Geschichts-AG zusammen? Und wie passt der Tote dort hinein?

Neben diesem ernsten Thema, das zwischen den Kapiteln mit Forumsbeiträgen gespickt ist, die einem die Richtung andeuten, aber natürlich bis zum Schluss nicht zu viel verraten, gelingt es dem Autorenduo aber auch einige herrliche, fast schon satirische Spitzen einzubauen, die den Krimi auflockern, aber nicht der Ernsthaftigkeit berauben. Zugegeben, das Ende war ein wenig überzogen und mir fehlte ein kleiner Baustein, der zur Nebenhandlung gehörte, aber da werde ich mal locker drüber wegsehen, denn der Rest war wirklich ausgezeichnet.

Ich muss ehrlich sein: ich hatte von dem Buch weniger erwartet. Man hat es sich doch angewöhnt, dass deutsche Titel im Krimigenre entweder ein Regionalkrimi oder ein Psychothriller ist –auch völlig in Ordnung, so ab und an mal, aber so als Krimi-Junkie ist man dem doch schnell überdrüssig. Doch „Der dunkle See“ hat mich wirklich überrascht. Ja, es gibt schon einige Elemente, die man eben eher gemütlich nennen kann, aber das Thema und dessen Umsetzung reißt es wirklich heraus. Der Krimi war spannend und top aktuell, aber nicht bierernst. Ich hab mir den Vorgänger „Mädchen im Feuer“ gleich mal nachbestellt. Das sagt ja wohl alles.

Fazit:
Brisant, aktuell und mit einer Brise scharfem Humor – so muss deutscher Krimi sein und das Duo „Conny Schwarz“ hat dies perfekt umgesetzt. Bravo!


Die Rezension habe ich soeben auf meinem Blog veröffentlicht und ich werde diese gleich noch bei lovelybooks.de, hugendubel.de, amazon.de und bei literaturschock.de im Forum (bei literaturschock.de direkt habe ich es nicht gefunden - oder bin mal wieder zu doof dazu) veröffentlichen.

Grüßle,
Christina

Offline Kristin Uhlig

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Ui. Vielen Dank für die tolle Rezension!!

Offline smyrill

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So, hier ist es mittlerweile ruhig geworden... Alle TN haben das Buch beendet und nur einige Rezis fehlen noch. Bitte stellt diese doch zeitnah ein !   

Ich beende somit diese Runde offiziell und bedanke mich noch mal bei Kristin und Martin für ihre nette Begleitung !
Vielleicht lesen wir uns ja hier beim dritten Fall rund um Thea wieder, ich würde mich freuen.


Offline Kristin Uhlig

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Von uns abschließend auch noch einmal einen herzlichen Gruß in die Runde. Es hat Spaß gemacht, und wir würden uns freuen, mit unserem nächsten Thea-Band wieder bei Euch sein zu dürfen!
Weiterhin frohes Lesen!  :lesen:
wünschen
Kristin und Martin
alias "Conny Schwarz"
 :winken:

Offline schlumeline

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Mein Fazit hier das fehlte noch, aber ich habe die Runde natürlich nicht vergessen. Private Dinge haben meine Zeitpläne ein wenig durcheinandergewirbelt und so kommt meine Meinung hier mit Verspätung.
Die Runde war toll und ich bedanke mich für die Teilnahmemöglichkeit. Ganz bald werde ich mich nun an "Das Mädchen im Feuer" heranwagen, nachdem ich dieses Buch wirklich gut fand.

Und hier nun meine Rezension:


Thea Dombrowski ist vor einiger Zeit mit ihrer kleinen Tochter zurückgekehrt in die alte Heimat Wartenburg, aber gefühlsmäßig ist sie dort noch nicht wirklich angekommen. Zumindest aber hat sie im Ort als Lokalreporterin ihr Auskommen und ihre Mutter Ute ist ihr auch gerne bei der Kinderbetreuung behilflich, wenn wieder einmal Not am Mann herrscht.

In „Der dunkle See“ führen die Recherchearbeiten Thea diesmal weit über einfache lokale Angelegenheiten hinaus. Zunächst findet sie einen Toten, dann verschwindet der Nachbarsjunge spurlos und außerdem kommt es zu einem Übergriff auf Flüchtlinge im Ort. Hängt das vielleicht alles miteinander zusammen? Der Verdacht liegt nahe, denn auch der Nachbarsjunge scheint sich in Kreisen zu bewegen, die zumindest kritikfreudig an Staat und Presse sind. Überhaupt muss sich Thea mit der Aussage „Lügenpresse“ hier mehr als einmal thematisch auseinandersetzen und setzt dabei auch persönliche Zeichen.

Thea ist eine interessante Frau. Bereits auf den ersten Blick fällt ihre Augenklappe auf, die stets ihrem Outfit angepasst wird und das verlorene Auge verdecken soll. Dabei ist die junge Frau auch ganz und gar nicht auf den Mund gefallen und sehr eigen in ihrem Handeln. Mir persönlich hat sie sehr gut gefallen.

Das Autorenduo Kristin Uhlig und Martin Maurer präsentiert hier eine Geschichte mit viel Tiefgang und politischem Hintergrund. Der Leser darf sich auf mehr als nur eine bloße Kriminalgeschichte freuen, sondern sich eben auch mit Themen wie dem Polizistenmord von Heilbronn und dem Handeln der rechten Szene auseinandersetzen. Gerade diese Mischung konnte mich sehr begeistern.

Was will man mehr? Hier sollte der eingefleischte Krimifan zugreifen, der mehr erwartet als nur Täter und Opfer und deren sehr persönliche Befindlichkeiten. „Der dunkle See“ ist mehr als das. Das Buch gewährt einen tiefschürfenden Blick hinter die Kulissen.

Sie ist auch hier zu finden:
http://buchrezicenter.filmbesprechungen.de/genres/krimi/der-dunkle-see/

und hier:
http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php/topic,37121.msg860935.html#msg860935
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