Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen, etc. (ohne Spoiler)  (Gelesen 886 mal)

Offline dubh

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Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr nach der Leserunde schreiben wollt. Denkt bitte daran, dass Eure Rezensionen eine Art "Gegenleistung" für die Freiexemplare der Verlage sind. Es wäre deshalb schön, wenn sich hier möglichst alle beteiligen - ebenso ist ein Fazit zur Leserunde (gerne auch eines des Autoren) immer interessant.

Bitte vermeidet Spoiler und komplette Zusammenfassungen des Inhalts in den Rezensionen, da diesen Thread vielleicht auch Leute lesen, die Titus' Buch nicht gelesen haben, es aber noch tun wollen!

Außerdem wäre es sicherlich für Titus sowie seinen Verlag Blessing, der uns freundlicherweise Freiexemplare spendiert hat, schön, wenn Ihr Eure Rezensionen nicht nur hier, sondern auch auf anderen Internetseiten, Blogs und so weiter einstellen mögt.
"Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen."
(Theodor W. Adorno)

Offline odenwaldcollies

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Die deutsche Märzrevolution von 1848

Während es in mehreren europäischen Städten zu Aufständen gegen die bestehende Ordnung kommt, verschärft sich auch im preußischen Berlin die Situation. Durch die Industrialisierung haben viele Handwerker ihren Beruf und Einkommen verloren, Arbeitskraft kostet nichts mehr und ist austauschbar, da ein Heer von Arbeitssuchenden bereitsteht. Im Berliner Feuerland leben die Ärmsten der Ärmsten, die nicht wissen, wo sie den nächsten Kanten Brot bekommen sollen und deren Kinder an den Folgen von Hunger und Krankheit sterben. In diesem Umfeld lebt der junge Hannes, der von einem besseren Leben träumt und alles daran setzt, dem Elend Feuerlands zu entkommen. Dabei lernt er Alice kennen, die Tochter des Schlosskastellans, und verliebt sich in sie. Aber da gibt es auch noch den adeligen Premierleutnant Victor, der sich für Alice interessiert. Währenddessen laufen im Untergrund die Vorbereitungen für einen bewaffneten Aufstand gegen den König, auch Hannes' bester Freund versucht ihn für die Sache zu gewinnen.

Ich kann mich noch erinnern, daß die Märzrevolution von 1848 damals im Geschichtsunterricht keinen sehr großen Raum eingenommen hat, so daß mir die Ursachen und Folgen des Aufstands nicht mehr sehr präsent waren. Das hat sich mit diesem Roman geändert. Aus verschiedenen Perspektiven lässt der Autor seine Figuren die Auslöser der Revolution erkennen und wird Zeuge, wie der Aufstand geplant und durchgeführt wurde.

Interessant ist dabei zu erfahren, daß auch Prominente und Menschen aus den besseren Gesellschaftsschichten die Revolution tatkräftig unterstützten. Aber auch in Regierungskreisen gab es gemäßigte Kräfte, die vorausschauend auf eine friedliche Lösung bedacht waren – und die durch die aggressiveren Vertreter ausgebootet wurden. Mehr als einmal hätte man das Geschehen in friedlichere Bahnen lenken und damit viele Tote vermeiden können. Sehr schön kann man das an den historischen Figuren des Polizeipräsidenten Julius von Minutoli und General Ernst von Pfuel erkennen, zwei der Hauptfiguren in dem Roman.

Viele der im Roman aufgeführten Geschehnisse und Zitate entsprechen historischen Fakten, wie in dem ausführlichen Anhang erläutert wird. Gut gefallen haben mir die unterschiedlichsten Sichtweisen aller Gesellschaftsschichten auf die Lage der Arbeiter - wie so oft, vernebeln auch hier Vorurteile und falsche Informationen die Sicht auf die wahren Zustände.

Hannes Böhm erscheint zu Beginn des Buches als ein kleiner Filou, wie er junge Frauen aus besseren Kreisen gegen Entgelt durch das Berliner Armenviertel Feuerland führt, und ihr Mitleid ausnutzt, um ihnen die Geldbörse zu öffnen. Aber bald wird klar, in welchem Elend die Menschen dort leben und sie jeden Strohhalm ergreifen müssen, um das Überleben für sich und ihre Familien irgendwie zu sichern. Das erkennt auch Alice Gauer bei einer der Führungen und tut sich immer schwerer, das Elend einfach zu ignorieren. Bei der Wahl ihrer Verehrer ist sie allerdings eher unsicher, für welchen sie sich entscheiden soll.

Die enge Verzahnung von Fiktion und historischen Ereignissen ist dem Autor in diesem Buch wieder gut gelungen und ich freue mich schon auf die weiteren Projekte von ihm.

Meine Rezension erscheint bei:
Amazon
Großes Literaturschock-Bücherforum
Literaturschock.de
LovelyBooks
Thalia hier ist mir ein dicker Fehler unterlaufen, ich glaube, ich habe nur 4 Sterne vergeben und weiß jetzt nicht, wie ich das ändern kann  :-[ Ich hoffe, wenn die Rezension freigeschaltet ist, daß ich sie dann nochmal ändern kann.
Karl Blessing Verlag

Zur Leserunde:
Ich bin natürlich auch noch weiterhin dabei, dazu macht die Runde viel zu sehr Spaß. Lieber Titus, dir ein herzliches Dankeschön, daß du uns wieder so toll begleitet hast und ich würde mich freuen, wenn es mal wieder mit einer gemeinsamen Leserunde klappen würde  :winken:
« Letzte Änderung: 06. Juli 2015, 10:04:59 von odenwaldcollies »
Liebe Grüße
Karin

Offline TochterAlice

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Meine Rezension steht auch schon und auch ich möchte mich bei Titus für ein wunderschönes Buch und die Begleitung einer tollen Leserunde bedanken!


Ein Roman, der (es) trifft

und zwar bis ins allertiefste Mark, zumindest bei mir. Titus Müller, noch (lange) keine vierzig, hat sein neuestes Meisterstück hervorgebracht, mit seinem historischen Roman um den Ausbruch der Berliner Revolution von 1848 ist ihm meines Erachtens ein Geniestreich geglückt. Wir kennen den Autor bereits als klugen Historiker, akribischen Recherchierer und einfühlsamen Beschreiber von historisch dokumentierten Ereignissen, denen er einfühlsam und stets sehr authentisch Romanelemente hinzufügt. Hier zeigt er uns historische Figuren wie die ehrwürdigen Professoren Alexander von Humboldt und Rudolf Virchow, den Berliner Polizeipräsidenten Felix von Minutoli und den Armeekommandanten von Pfuel von einer ganz neuen, menschlichen Seite. Selbstverständlich beruhen auch diese Darstellungen auf akribischen historischen Recherchen, nicht umsonst haben wir es ja mit einem, fast würde ich sagen, DEM Meister seiner Zunft zu tun.

Eigentlich geht es hier um das Feuerland, das Wohnviertel der armen Arbeiterbevölkerung Berlins im 19. Jahrhundert, in dem man so viel Not und Elend auf einem Fleck fand, dass die gut situierte Mittelschicht sich damit unterhielt, Ausflüge in diese für sie so exotische Welt zu unternehmen, um mal was anderes zu sehen. Bei einem solchen lernen sich Hannes, des sein ganzes Leben im Feuerland verbracht hat und Alice, Tochter einer höhergestellten Familien und aufgrund der Tätigkeit ihres Vaters im Stadtschloss - in dem auch der König lebte - wohnhaft, kennen und können bald nicht mehr ohne einander. Unterstützung erhält der mittellose Hannes von Alices Bruder Ludwig, einem Angehörigen des Militärs, der - wie nicht unbedingt viele seiner Mitstreiter - offenen Auges durch die Welt sieht und durchaus einen Blick hat für das Besondere im Menschen. Er ist nur ein Beispiel für eine besonders liebevoll gezeichnete Figur - wie immer hat Titus Müller seine Charaktere mit viel Herz entworfen und so hat man das gesamte Personal des Romans - und selbstverständlich auch das ebenso liebevoll gezeichnete Setting - stets vor Augen!

Wer sich auf unterhaltsame Art und Weise Einblick in historische Ereignisse abseits des Mainstream verschaffen will, der kommt an Titus Müller eigentlich nicht vorbei - und dieser macht zudem sehr große Lust auf die weitere Beschäftigung mit dem Thema: ich habe mich so richtig auf Minutoli und Virchow eingeschossen und werde mich auf jeden Fall mehr mit ihnen beschäftigen, ebenso wie ich beim nächsten Berlin-Besuch das ehemalige Arreal des Feuerlandes aufsuchen werde. Titus Müller - ein Autor, der inspiriert!
« Letzte Änderung: 30. Juni 2015, 15:23:44 von TochterAlice »

Offline Yomiko

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Revolution in Berlin

Berlin Feuerland ist ein historischer Roman der uns nach Berlin führt und zwar in das Jahr 1848. Die Bedingungen sind denkbar schlecht für die arbeitende Klasse, die in den Randbezirken wie dem Feuerland ein hartes und karges Leben führen müssen.

So auch Hannes, der von mehr träumt, als sich durch schwere Fabrikarbeit, kaputt zu schuften, der den Blick für die kleinen Besonderheiten des Lebens noch nicht verloren hat und der sich in Alice verliebt. Ein Mädchen dass im Schloss wohnt, ein Mädchen aus einer anderen Welt.

Militär und Aufständische treffen am Schloss aufeinander und aus den Blickwinkel der jeweils ganz unterschiedlich beteiligten Personen erleben wir dieses historische Ereignis mit.

Hat Hannes Liebe zu Alice eine Chance oder wird sie unerreichbar für ihn bleiben?

Der Autor Titus Müller führt die Leser wunderbar ein in das Leben der Bevölkerung Berlins um 1848, dass so unterschiedlich sein kann. Er zeichnet die historischen Figuren mit ihren Stärken und Schwächen, dass man als Leser völlig eintaucht in die Geschichte und mit fiebert und bangt als beschrieben wird wie die ersten Schüsse fallen.

Es gelingt ihm die vielen überlieferten Gespräche und Aufzeichnungen zu einer Geschichte zusammen zu führen die berührt und deutsche Geschichte spannend erleben lässt.

Gut gefallen hat mir wie Titus Müller die Charaktere hier zeichnet. Es gibt kein schwarz oder weiß, nur gut oder nur schlecht. In jeder Figur spiegelt sich ihre unterschiedliche Lebenserfahrung und ihre charakteristischen Stärken und Schwächen, so dass sie interessant wird und bleibt und man mit großem Interesse verfolgt wie es weitergeht.

Auch sprachlich hat mich der Roman sehr angesprochen. es gibt fast in jedem Kapitel einen Satz, der mir besonders an Herz gewachsen ist, der in mir nachklingt und mich nachdenken lässt.

Neben der Liebesgeschichte wird noch viel mehr erzählt. Man erhält Einblicke in die politischen Abläufe und Entscheidungen dieser Zeit und trifft einige interessante und auch berühmte Zeitgenossen, wie z.B. Alexander von Humboldt.

Ein überaus lesenswerter Roman der einen packt und berührt.

Michelle


Diese Rezension ist veröffentlicht bei:
http://www.lovelybooks.de/autor/Titus-M%C3%BCller/Berlin-Feuerland-1135153934-w/rezension/1163285796/
http://www.amazon.de/review/R1O476YQN5E5C3/ref=cm_srch_res_rtr_alt_2
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« Letzte Änderung: 02. Juli 2015, 12:21:21 von Yomiko »
Lesen heißt durch fremde Hand träumen.
Fernando Pessoa

Offline nicigirl85

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Meine Meinung zum Buch:

Titel: Zeitgeschichte intensiv erleben…

Von Titus Müller wollte ich schon immer mal ein Buch lesen, da der Autor mir bereits mehrfach empfohlen worden ist und mit diesem Buch ist mir das nun endlich gelungen. Tja und was soll ich sagen? Meine Erwartungen wurden bei Weitem übertroffen.

In dem historischen Roman geht es um die Berliner März- Revolution des Jahres 1848. Hier begegnen wir Hannes Böhm, der im Industrieviertel Feuerland lebt. Er verdingt sich als Fremdenführer durch das Elendsviertel Berlins, um seinem Schicksal ein wenig zu entkommen. Bei einer dieser Führungen trifft er auf Alice, Tochter aus besseren Kreisen. Wie wird das Schicksal der beiden verlaufen?

Ein autarker Erzähler führt uns durch die Geschehnisse, so dass wir alle Charaktere von außen miterleben. Dabei gelingt es dem Autor dafür zu sorgen, dass für keine Seite Partei ergriffen wird, sondern dass sich der Leser selbst dazu eine Meinung bilden kann.

Die agierenden Protagonisten, allen voran Hannes und Alice werden detailliert beschrieben. Hannes bewunderte ich vor allem für seine Cleverness und Alice für ihren Mut aus den Konventionen ihrer Gesellschaftsschicht auszubrechen. Man versteht ihre Denke und kann ihr Handeln immer nachvollziehen. Zudem treten zahlreiche, real existierende Personen auf, was die Handlung besonders glaubhaft erscheinen lässt.

Titus Müller gelingt es sehr gut die damalige Zeit dem Leser näher zu bringen. Besonders die Darstellung des Elends der Arbeiter hat mir des Öfteren einen Schauer auf der Haut verursacht.

Mit diesem Roman wird reale Geschichte greifbar und spannend.

Fazit: Für Histofans ein Must-Read. Ich kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen und mich nach weiteren Romanen des Autors umsehen. Klasse!

Bewertung: 5/ 5 Sternen

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Rezensionslinks:

Amazon: https://www.amazon.de/review/R2N34EVYU4RURG/ref=cm_cr_rdp_perm

Mein Blog: http://nicigirl85.blogspot.de/2015/07/rezension-titus-muller.html

Goodreads: https://www.goodreads.com/review/show/1323523300?book_show_action=false

Lovelybooks: http://www.lovelybooks.de/autor/Titus-M%C3%BCller/Berlin-Feuerland-1135153934-w/rezension/1163485851/

Wasliestdu: http://wasliestdu.de/rezension/zeitgeschichte-intensiv-erleben

Literaturschock- Hauptseite: http://www.literaturschock.de/literatur/belletristik/historische-romane/berlin-feuerland

Literaturschock- Forum: http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php/topic,37267.msg857980.html#msg857980
"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)

Offline smyrill

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Ich lese gerne Historische Romane, besonders, wenn sie gut recherchiert sind und man in ihnen wirklich den "Geist" der Zeit in der sie spielen fühlt.
Somit ist es eigentlich erstaunlich, daß ich bislang noch nicht von Titus Müller gelesen habe (der immerhin shocn eine Weile auf meiner "Mußt Du auch mal was von Lesen"- Autorenliste steht ;)

Das was ich erhofft hatte, habe ich dann auch bekommen: "Lebendige Geschichte".

Die Zeit in der das Buch spielt, ist ungeheuer spannend, deutlich wird hier vor allem auch, wie wichtig "einzelne Menschen" sind, die tatsächlich die Geschicke eines ganzen Landes in den Händen halten und mehr als das "Zünglein an der Waage" sein können.

Erschreckend sind die Lebensbedingungen der Arbeiter, unvorstellbar, daß ganze Schichten der Gesellschaft am Rande des Existensminimums gelebt bzw oftmal vegetiert haben.

Die Charaktere des Buches sind gut gezeichnet, ihre Handlungsweise fast durchgehend plausibel (mit Alices Ideen und Handlungen hatte ich ab und an etwas Schwierigkeiten, mit ihrer Mutter sowieso) und es war schön, an ihrer Seite durch die Geschichte zu gehen.

Die Mischung aus fiktiven Charakteren und realen Personen war gut gelungen und brachte ein rundes Bild der Geschehenisse.

Die Schreibweise des Autors hat mir gut gefallen, das Buch war "trotz des ernsten Themas" angenehm zu lesen. 

Die Leserunde war prima, vielen Dank an alle Mitleser für die schönen Spekulationen und Diskussionen !
Und ein besonderer Dank an Titus für die engagierte Begleitung der Leserunde !  :bussi:

Taubenschlag

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Inhalt:

Berlin, März 1848: In Berlin leben weite Bevölkerungsschichten unter großer sozialer Ungerechtigkeit. Trotz schwerer Arbeit in den Fabriken haben sie wenig Chancen unter menschenwürdiges Umständen zu leben, die Wohnungssituation ist schlecht, auch für die Ernährung reicht das Einkommen kaum. Gleichzeitig boomt die Industrie, die Eigentümer der Fabriken machen große Gewinne. Auch politisch haben die Menschen keine Möglichkeit, ihre Interessen zu vertreten und für Rechte wie Pressefreiheit oder das Wahlrecht einzutreten. 1848 entlädt sich diese Unzufriedenheit wie auch schon in anderen Städten in Europa in Unruhen in Berlin.
In dieser Situation lernen wir Hannes kennen, der aus armen Verhältnissen stammt und in Feuerland lebt, ein Stadtteil von Berlin, das von Industrieanlagen und armseligen Arbeiterhäusern geprägt ist. Hannes versucht aus diesem Milieu auszubrechen und organisiert Besichtigungstouren nach Feuerland, an denen Besucher aus besseren Verhältnissen teilnehmen. Bei einer dieser Touren lernt er Alice kennen, eine junge Dame aus gutem Haus, deren Vater im Stadtschloss angestellt ist und die auch dort mit ihren Eltern lebt. Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft kommen sich die beiden näher und lernen die Lebensumstände des jeweils anderen kennen.

Meinung:

Aus den extremen Perspektiven der beiden Hauptpersonen lernen wir die Sichtweise auf die Situation in Berlin Mitte des 19. Jahrhunderts kennen. So nimmt uns Hannes mit in die Welt der Arbeiter in Feuerland, die Lebensumstände, die Arbeitsbedingungen und die Folgen für die Arbeiter, sei es Alkoholismus oder Krankheit. Wir erfahren auch, wie schwer es ist, sich aus diesen Lebensumständen zu befreien.
Über Alice lernen wir die Sicht der besser gestellten Gesellschaft auf die Arbeiter kennen, die diesen zum Teil mit einem gehörigen Maß an Arroganz und Abneigung begegnen. Aus diesen beiden Sichtweisen erleben wir, wie sich die Situation in der Stadt zuspitzt und schließlich in offenen Kämpfen endet.

Die Auswahl der Personen ist sehr gelungen, da wir so hinter  die Kulissen beider Seiten blicken können und so einen Insiderblick beider Parteien bekommen. Interessant ist auch zu beobachten, wie Alice und Hannes auf das Leben des jeweils treffen und überrascht über das Elend/ den Luxus sind, das/ den sie auf der jeweils anderen Seite entdecken.

Parallel zu diesem persönlichen Erfahrung erfährt der Leser viele Details über die politischen Entwicklungen bei den Märzunruhen, ein detaillierter Anhang bringt dem Leser auch noch mal die geschichtlichen Fakten näher, eine Sache, die mir bei einem geschichtlichen Roman immer sehr wichtig ist, damit man das Gelesenen in den richtigen geschichtlichen Zusammenhang bringen kann.

Insgesamt handelt es sich um ein sehr lesenswertes Buch, das aus gut gewählten Perspektiven die Ereignisse 1848 beleuchtet und anhand von menschlichen Schicksalen greifbar macht. Die Frage, ob eine Kontakt zwischen den beschriebenen gesellschaftlichen Klasse realistisch ist, bleibt unbeantwortet, aber für die Beleuchtung der Ereignisse sind die gewählten Personen sehr gut gewählt. So wird ein relativ unbekanntes Kapitel deutscher Geschichte in einen spannenden, flüssig zu lesenden Roman verpackt zu dem Leser transportiert.

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Ein toller Roman und wie immer eine spannende Leserunde. Mir hat die Runde wieder viel Spaß gemacht und vielen Dank, dass ich an der Runde teilnehmen durfte.
« Letzte Änderung: 09. Juli 2015, 10:32:04 von Taubenschlag »

Offline Titus Müller

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Ganz herzlichen Dank für die interessante Leserunde und für eure beflügelnden Rezensionen! Jetzt gehe ich hochmotiviert an das neue Romanprojekt heran.  :)  :)  :)

Es war eine Freude mit euch.

Titus

Nina

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Ich möchte mich auch ganz herzlich für die tolle Leserunde bedanken. Da ich in der Zwischenzeit für ein paar Tage in Urlaub war, reiche ich meine Rezension, die ich auch schon ein bisschen im Netz gestreut habe, nach:

Der Mut der Berliner

Titus Müller benötigt nur einen Zeitraum von wenigen Tagen, um eindrucksvoll den Märzaufstand von 1848 zu schildern. Dazu führt er mich als Leser zum einen ins Feuerland, wo ich Hannes kennen lerne, ein pfiffiger junger Mann, der mit aller Kraft versucht, seine Träume von einem besseren Leben wahr zu machen. Auf der anderen Seite, nämlich im Berliner Stadtschloss, treffe ich auf Alice, eine unkonventionelle und selbstbewusste junge Frau, die Hannes den Kopf verdreht. Und mit diesen beiden jungen Leuten erlebe ich die aufregenden und spannenden Tage im März 1848.

Gekonnt hat Titus Müller die besondere Atmosphäre jener Zeit eingefangen, hat seine Sprache dieser Zeit angepasst und lässt seine Charaktere zeitgemäß reden. Und gerade diese direkte Rede ließ mich oft schmunzeln. Es war schön, längst vergessene Redewendungen zu entdecken und das alte berlinerisch war für mich ein besonderer Genuss. So brauchte es nur wenige Zeilen und ich konnte abtauchen in die von Titus Müller arrangierte Zeitreise.

Die aufgeheizte Stimmung auf den Berliner Plätzen und Straßen hat Titus Müller ganz besonders eingefangen. Er erzählt aus verschiedenen Blickwinkeln und verschafft mir so die Möglichkeit mich wirklich dabei und mittendrin zu fühlen. Atemberaubende Spannung vermischt sich mit der ganz besonderen Art von Titus Müller, diese Szenarien zu beschreiben. Fantastisch!

Besonders schön fand ich die vielen Kleinigkeiten, die am Rande beschrieben wurden und damit eine unnachahmliche Kulisse schaffen. Titus Müller ist bekannt für seinen Blick gerade für die kleinen Dinge, die er dann sehr liebevoll darstellt und ich liebe es jedes Mal aufs Neue.

Einen ganz speziellen Platz hat er zwei bedeutenden Persönlichkeiten jener Zeit eingeräumt: Julius von Minutoli, der damalige Berliner Polizeipräsident und General Ernst von Pfuel. Eindrucksvoll schildert Titus Müller deren Gewissenskonflikte und ihre tragenden mitunter auch tragischen Rollen in diesen stürmischen Zeiten. Ihre Auftritte gehörten genau so zu meinen Lieblingsszenen wie all die dramatischen und auch anrührenden Szenen.

Natürlich hat auch die Liebesgeschichte von Alice und Hannes ihren Raum in diesem lebendig geschilderten Zeitzeugnis. Frei von jeglichem Kitsch aber mit viel Humor und Gefühl fügt sie sich wunderbar in diese spannende Erzählung ein.

Fazit: Diese Geschichte ist vollgepackt mit sehr vielen historisch belegten Ereignissen und so spannend und flüssig geschrieben, dass es mir eine Freude war, mit Titus Müller auf eine interessante und informative Zeitreise zu gehen!

http://www.eseloehrchen.de/rezension/der-mut-der-berliner
http://www.amazon.de/review/R2J3WHR5NXYNG0/ref=cm_cr_pr_perm?ie=UTF8&ASIN=3896675036

Offline dubh

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1848, Berlin.

Die Bewohner der Hauptstadt nennen das Stadtgebiet, in dem die Fabrikschlote und Eisengießereien stehen, in denen Maschinenbau-Arbeiter zum Beispiel in den Borsigwerken schuften, Feuerland. Heute würde man diese längst vergessene Keimzelle der Berliner Industrie im Bezirk Mitte finden.
In Feuerland leben aber auch die Menschen, die in den Fabriken für wenig Lohn schuften. Zwischen all den qualmenden und stinkenden Fabriken können sich die meisten gerade mal eine dreckige Unterkunft in einer der vielen ärmlichen Familienkasernen leisten. Da ist es natürlich nicht weiter verwunderlich, dass hier Hunger und Krankheiten grassieren... Kinder fischen in der Gosse nach Essensresten wie beispielsweise Tierknochen, die sie noch abnagen könnten. Kurzum, die hygienischen Zustände sind unvorstellbar erbärmlich.
Zeitgleich hat es sich unter den betuchteren Bewohnern Berlins eine Art Tourismus entwickelt: kleine Gruppen lassen sich durch die Mietskasernen und die Straßen Feuerlands führen und die besonders Wohlmeinenden brüsten sich im Anschluss an dieses fragwürdige Vergnügen, dass ihnen Schmuck oder Uhren entwendet wurden...

Hannes, in Feuerland aufgewachsen, kennt diesen Ort wie seine eigenen Westentasche und verdient als eben solch ein 'Touristenführer" sein Geld. Bei einem dieser Touren lernt er Alice kennen, eine junge Frau, die als Tochter des Kastellans im Berliner Stadtschloss lebt. Und es geschieht etwas, das nicht sein darf: zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft und beide bekommen einen guten Einblick aus dem Leben des jeweils anderen. Doch dabei bleibt es nicht, denn zwischen den beiden entwickelt sich ein feine Liebesgeschichte, doch auch die Zeichen der Zeit kommen den beiden in die Quere. Im März 1848 ergreift die inzwischen nahezu vergessenen Revolution auch Berlin und die königliche Kavallerie greift das Volk vor dem Stadtschloss an, woraufhin Tags darauf Barrikaden gebaut werden und dann wiederum Straßenschlachten entstehen, denen fast 200 Tote zum Opfer fallen... Hannes wird durch seinen Freund Kutte in die Unruhen hineingezogen und auf der anderen Seite, im Stadtschloss, ist Alice. Dabei ist Hannes weniger am Aufstand interessiert, sondern eher daran, dass er in Frieden und vor allem ohne Not leben kann - dabei hatte er all die Zeit vor allem den großen Traum, nach Amerika auszuwandern. Und Alice? Sie war schockiert über die Zustände Feuerlands, über die Lebensumstände, mit denen so viele Menschen zurechtkommen müssen. Gerade deshalb imponiert ihr der Mut und die Träume Hannes' ganz besonders... Doch nun droht die Märzrevolution zwischen Hannes und Alice zu stehen... Wie wird sich Hannes entscheiden? Schlägt er sich ganz auf die Seite der Aufständischen oder kann es doch eine Zukunft für seine Liebe geben?

Titus Müller hat hier einen ganz besonderen historischen Roman geschrieben. Nicht nur, dass er sich mit der 48er-Revolution einem besonderen, nicht sonderlich beachteten Thema widmet, nein, er hat mich mit seinen Detailtreue und der Einarbeitung historischer Fakten sehr beeindruckt. Dabei verliert er nie seine Figuren aus den Augen, die er sehr gut und mit viel Tiefgang gezeichnet hat, so dass sie es geschafft haben, mich wirklich zu berühren. Wie mag es wohl sein, in dieser Zeit gelebt zu haben? Diese Frage habe ich mir nicht nur einmal gestellt. Und trotzdem bleibt es unvorstellbar, dass Menschen vor gerade einmal 150, 160 Jahren unter solch bitteren Umständen leben mussten. Dabei hat der Autor ein sehr gutes Händchen, dass sich alles die Waage hält: die Liebesgeschichte, die historischen, sehr gut recherchierten Schilderungen, die Beschreibungen der Märzunruhen an sich und die Träume der Beteiligten. Dieses Buch hat einen extremen Sog, der mich von Anfang bis Ende gepackt hielt und auch nachhaltig beeindruckt hat.

Selten habe ich einen so lesenswerten historischen Roman gelesen. Der Autor hat ein wahnsinniges Gespür für seine Figuren und deren Träume - ohne dabei das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Ich wünsche "Berlin Feuerland" und Titus Müller noch sehr viele LeserInnen!


Herzliche Grüße
Tabea


Edit - die entsprechenden Links:
https://www.amazon.de/review/R1WTIW46HZGN93/ref=cm_cr_rdp_perm
http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php/topic,37267.msg872189.html#msg872189
http://www.literaturschock.de/literatur/belletristik/historische-romane/berlin-feuerland
http://www.lovelybooks.de/autor/Titus-Müller/Berlin-Feuerland-1135153934-w/rezension/1202886987/
https://www.goodreads.com/review/show/1430725275
« Letzte Änderung: 01. November 2015, 19:34:30 von dubh »
"Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen."
(Theodor W. Adorno)

 

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