Autor Thema: Fazit und Rezension zu Band Eins der Chroniken von Chaos und Ordnung  (Gelesen 671 mal)

Offline J.H. Praßl

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Hier könnt ihr eine Schlussbemerkung und eure Rezension reinstellen ... Wir sind schon gespannt auf eure Rückmeldungen!  :winken:
"Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt" (Wittgenstein)

Offline Lärche

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Hier kommt nun meine Rezension:

Klappentext:
Amalea im Jahre 340 nGF, fünfhundert und sechzig Jahre nach dem Höhepunkt der Chaosherrschaft: „Die Zeit der Dunkelheit ist vorüber. Die Völker Amaleas sind im Begriff, die Welt von den letzten Chaosanhängern zu befreien und den Göttern der Ordnung zu neuer Macht zu verhelfen …“
Thorn Gandir, Waldläufer und Krieger, verliert während der Sklavenaufstände im Einsatz für den Senatsvorsitzenden Antonius Virgil Testaceus alles, was je Bedeutung für ihn hatte. Trotzdem lässt er sich dazu hinreißen, für seinen machthungrigen Mäzen Valians Zepter zu finden, das Gerüchten zufolge von einem mächtigen Feind des Imperiums entwendet wurde.
Begleitet von der Söldnerin Chara Viola Lukullus, dem Kriegspriester Telos Malakin und dem Barbaren Bargh Barrowsøn macht er sich auf die gefährliche Reise durch die aschranische Wüste. Doch Thorn kann sich nicht sicher sein, wer Freund oder Feind ist … und welche Rolle er selbst dabei spielt, denn das Chaos ist gerade erst dabei, aus dem Verborgenen ans Licht zu treten. Zwerge und Elfen, Orks, Kentauren, Thanatanen, Menschen. Götter und Dämonen beleben die fantastische Welt Amalea. Ausgehend vom römisch-antik anmutenden Valianischen Imperium decken Thorn und seine Mitstreiter nach und nach das verlorene Wissen um die Alte Welt auf. Während die Mächte des Chaos und der Ordnung um die Vorherrschaft ringen, stehen die Helden dieser Geschichte einer uralten finsteren Macht gegenüber. Um Amalea vor dem Untergang zu bewahren, müssen sie die Grenzen der bekannten Welt überschreiten. Dabei wandeln sie auf dem schmalen Grat zwischen Gut und Böse. Die Zukunft Amaleas hängt von ihrer Entscheidung ab – Chaos oder Ordnung?

Inhalt:
Die Chroniken von Chaos und Ordnung ist ein auf acht Bände angelegter Zyklus. Im ersten Band wird der Waldläufer und Krieger Thorn Gandir in den Vordergrund gestellt. Nach dem schmerzhaften Verlust seiner Geliebten bei einem Sklavenaufstand wird er von Selbstzweifeln und Rachegefühlen gleichermaßen getrieben. Er nimmt den Auftrag des Senatsvorsitzenden Testaceus an, ein Zepter zu finden, das hohen symbolischen Wert hat. Begleitet wird er von drei Gefährten, die ihn unterstützen, aber auch ihre eigenen Ziele und Interessen verfolgen.

Meine Meinung:
Seit ich das Buch beendet habe, frage ich mich wie ich es bewerten soll – dabei ist die Frage „hat es dir gefallen oder nicht“ sehr schnell beantwortet: ich fand es großartig! Aber wie kann ich so ein gelungenes Buch in Worte fassen ohne ihm seine Tiefe und seine Begründungszusammenhänge zu nehmen. Ich habe keine Ahnung. Wie man schon erahnen kann, ist es ein Buch, das zwar oberflächlich betrachtet eine einfache (aus einem Rollenspiel erwachsene) Handlung beinhaltet, aber eigentlich ist es viel mehr. Es stellt sich die Frage: was ist eigentlich Gut und was ist Böse. Was ist Chaos und was ist Ordnung und wie gehören diese Begriffe zusammen. Dabei spielen Fragen nach Zufall, Schicksal, Religion und Liebe eine nicht unerhebliche Rolle. Auf diesen 1.Band – und ich gehe davon aus, dass die anderen Bände ähnlich werden – habe ich mich mit unglaublich viel  Freude eingelassen. Freude an der Handlung, an der Entdeckung der unterschiedlichen Charaktere, des kulturellen und historischen Hintergrundes und auch auf den philosophisch-religiösen Aspekt.
Wer ein Fantasy-Buch mit einem Helden und seinen Gefährten erwartet, der wird nicht unbedingt enttäuscht werden, aber sollte sich bewusst sein, dass es gar nicht so einfach ist ein Held zu sein. Wie sieht es aus mit der Handlungsmotivation eines jeden Helden? Liebe? Rache? Der Wunsch nach einer „besseren“ Welt? Wie weit darf man dafür gehen?
Die Charaktere werden sehr differenziert und menschlich dargestellt. Sie bleiben nicht an der Oberfläche, sondern laden dazu ein sich mit sich selber und seinen Idealen und Werten auseinander zu setzen. Wenn auch nicht jeder Charakter gleich intensiv betrachtet wird – es ist der erste von insgesamt acht Bänden und ich bin mir sicher, dass der ein oder andere Charakter noch eine entsprechende Würdigung enthält.
Bei jeder Seite merkt man den Autoren an, dass sie sich sehr intensiv mit „ihrer“ Welt und den Hintergründen beschäftigt gesetzt haben. Es macht mir als Leser Spaß die kleinen Details in den Beschreibungen der Welt zu entdecken und mich dann doch immer wieder überraschen zu lassen.
So könnte ich noch lange weiterschreiben. Eines ist mir wichtig zu sagen: Vielen Dank für diese Buch. Es ist ein Kleinod unter den Fantasy-Reihen und ich freue mich riesig auf die Fortsetzung!

Auch wenn wir in dieser Leserunde nur wenige MitleserInnen waren, möchte ich mich bei Judith und Heinz für eure tollen und interessanten Kommentare bedanken. Danke, dass ihr uns so intensiv begleitet habt. Ich freue mich schon sehr mit euch gemeinsam den dritten Band zu lesen.
Vielen Dank auch an meine beiden MitleserInnnen. Ihr wart dabei, obwohl ihr das Buch schon kanntet und habt mitdiskutiert. Klasse! Ihr habt mich auf einige Details aufmerksam gemacht, auf die ich sonst nicht gekommen wäre. Ich hoffe, dass ihr auch beim dritten Band dabei seid.

Meine Rezension erscheint auch auf folgenden Seiten:
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Wasliestdu?
Acabus-Verlag

Offline J.H. Praßl

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Liebe Lärche,

vielen lieben Dank für diese wundervolle Rezension! Heinz und ich freuen uns narrisch, dass dir das Buch so gut gefallen hat! Wir sind begeistert darüber, jemanden wie dich als neue Leserin gewonnen zu haben. Jeder Leser, der sich so intensiv auf eine Geschichte einlässt ist ein unglaublicher Gewinn für die Chroniken!

Danke auch für deine Teilnahme an dieser Runde und deine interessanten Gedanken zum Inhalt! Es war uns eine Freude, sie zu lesen und unsererseits darüber zu diskutieren.

Wir wünschen dir für's Erste ganz viel Spaß mit Band Zwei und freuen uns darauf, dich bei Band Drei wieder abzuholen!
Falls du zum zweiten Band Fragen hast oder irgendetwas besprechen möchtest, kannst du das gerne hier im Unterpunkt "Spoiler-Diskussionen" oder "Fragen an die Autoren" tun.

Alles Liebe einstweilen,
Judith & Heinz
"Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt" (Wittgenstein)

Offline Lärche

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Wir wünschen dir für's Erste ganz viel Spaß mit Band Zwei und freuen uns darauf, dich bei Band Drei wieder abzuholen!
Falls du zum zweiten Band Fragen hast oder irgendetwas besprechen möchtest, kannst du das gerne hier im Unterpunkt "Spoiler-Diskussionen" oder "Fragen an die Autoren" tun.

Ich danke euch! Auch für dieses Angebot  :winken:

Offline Evanesca

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Ich muss hier noch mal erwähnen: Ich habe das Buch sozusagen zwei Mal gelesen. Einmal, als ich es als Rezensionsexemplar erhalten habe - allerdings in einer (was ich noch nicht wissen konnte) für mich sehr turbulenten Zeit, in der ich nicht annähernd so viel zum Lesen gekommen bin, wie ich es mir gewünscht habe. Dann habe ich es überraschenderweise im Urlaub beendet und mir damals schon eine Kurzrezension formuliert.

Ein wenig merkt man es dem Buch schon an, dass es auf einem P&P-Spiel basiert - so gibt es Schlachten, eine Heldentruppe und Stellen, bei denen ich mir gedacht habe "Ah, da hat man gewürfelt, hier hätte es auch ganz anders ausgehen können" und das gibt dem Buch einen gewissen Reiz. Ja, es hat Elemente eines klassischen Questromans. Aber es lässt sich unglaublich viel Zeit, zu charakterisieren, die Welt zu zeigen und die Figuren interagieren zu lassen.
Es gibt viele bunte Schauplätze und auch zwischen den Zeilen Einiges zu entdecken.
Dadurch liest es sich besonders zu Beginn noch etwas langsam, weil Konzentration gefordert ist. Jede Kleinigkeit könnte einen doppelten Boden haben oder ein Hinweis für später sein. Gleichzeitig gibt es immer wieder überraschende und spannende Wendungen, an denen es teilweise ziemlich knapp wird... und vor allem muss man regelmäßig alles, was man über die Charaktere zu wissen glaubt, hinterfragen.
Mir hat der Reihenauftakt auf jeden Fall gut gefallen, die Reihe an sich ist für Fans anspruchsvoller High-Fantasy mit viel Zeit.

Für die Leserunde habe ich jeden einzelnen Leseabschnitt noch mal separat gelesen und anschließend alle eintrudelnden Gedanken und Ideen in die Leserundenthreads geschrieben, aber auch ein wenig in der Sprache gekramt und Weiterführendes angemerkt, das mir so aufgefallen ist. Damit war für mich "Thorn Gandir" eine sehr intensive Lektüre, das hatte ich bei Leserunden schon länger nicht mehr in DIESEM Maße und fand ich toll :).

Cover:

Ich weiß noch, wie es war, als ich das Buch ausgepackt habe und mir ein fast blütenweißes Cover entgegenleuchtete, mit diesem Stern in der Mitte.
Da ich inzwischen auch die zwei anderen Cover der Reihe kenne und ahne, in welche Richtung das Ganze geht... Ja, sehr passend - ein leuchtend weißes Cover für das Buch von Thorn, der sich als absolute Lichtgestalt begreift. Und danach wird es immer dunkler.
Gefällt mir persönlich sehr gut und sticht auch im Bücherregal stark in der Masse hervor!
(Darf ich ein Coverbild für meinen Buchblog runterladen und dort verwenden?)

Inhalt:

Thorn Gandir verliert nicht nur eine Schlacht - er verliert auch einen Mann, den er für einen Freund gehalten hatte und die Frau, die er liebt. Von diesem Verlust und dem Gefühl des Verrats überwältigt, will er eigentlich nur noch seine Ruhe und sich nicht mehr mit den politischen Intrigen des valianischen Imperiums abgeben zu müssen.
Doch sowohl seine Rivalin Rosmerta als auch sein Gönner und Förderer Testaceus haben andere Pläne mit ihm - nachdem ein mächtiges magisches Artefakt entführt wurde, muss er zusammen mit drei Gefährten es aus den Fängen des Chaos wieder zurückbringen. Doch Telos Malakin, Bargh Barrowson und Chara haben alle ihre eigenen Pläne, Ziele und Absichten.
Kann die durchwachsene Gruppe es schaffen, einig genug zu sein, um am selben Strang zu ziehen? Und wer ist eigentlich wirklich der Feind in dieser Geschichte?
Amalea ist eine sehr bunte Welt - ich habe mir die Mühe gemacht und so oft wie möglich versucht, die Einflüsse auf die Welt nachzuvollziehen, die Vorbilder der fiktiven Sprachen zu rekonstruieren und andere Dinge herauszufinden, zu interpretieren, nachzuschlagen. Und ich bin mir immer noch sicher, dennoch etwas übersehen zu haben. Das Buch ist unglaublich dicht - es gibt eigentlich an so gut wie jeder Ecke etwas zu entdecken und zu deuten, keine einzige Seite vergeht, ohne dass irgendeine relevante Information im Text versteckt wäre.
Das fordert natürlich auch ziemlich heraus und zwingt zu konzentriertem Lesen, da sonst wichtige Hinweise und faszinierende Kleinigkeiten entgehen - und das wäre schade. Zwei Mal lesen hat sich hier also definitiv gelohnt!
Um die Logik der Gesamtwelt zu beurteilen, habe ich noch zu wenig von Amalea gesehen, bin aber gespannt auf das, was noch kommt. Die Geschichte selbst ist auf alle Fälle spannend und mehrschichtig erzählt.

Sprache:

Die paar Fehlerchen, die ich gemerkt habe, habe ich auch hier angemerkt. Aber da es auf mehreren hunderten von Seiten insgesamt so 3 waren... fallen die nicht ins Gewicht. Kann passieren.
Die Sprache fand ich in zweierlei Hinsicht faszinierend. Zum Einen die Sprache des Buches an sich. Geschrieben in einer tendentiell eher auktorielleren Art, mit vielen Fokuswechseln zwischen den Figuren, aber auch an den relevanten Stellen nah genug an der Figur, an die gerade "herangezoomt" wird, hatte ich viel Spaß und... natürlich kann man so sehr bewusst lenken, welche Figur gerade angeschaut und aus welcher gerade hinausgeschaut wird. Das ist auch sprachlich sehr schön umgesetzt.
Für mich mit meinem Hintergrund als Conlangerin und Hobby-Linguistin (direkt Linguistik habe ich ja nicht studiert, nur einzelne Kurse besucht und Bücher durchgearbeitet) war aber auch spannend: Wie die Leute heißen bzw. aus welchen Sprachen sich Namen von Orten, Personen und Gottheiten ableiten, wie unterschiedliche Sprachen im Kontext der Erzählung dargestellt werden, wie Zaubersprüche gestaltet sind. Da hatte ich viel Vergnügen beim Deuten und Knobeln und bin gespannt, ob meine Vermutungen zu einigen Hintergründen der sprachlichen Eigenheiten aus Band 1 zu handfesten Erkenntnissen in Band 2 werden.

Fazit:

Ja, man merkt dem Buch an, dass es ursprünglich ein Rollenspiel war. Aber eins das allen Beteiligten großen Spaß gemacht hat und dieser Spaß kommt auch deutlich im Buch selbst zum Ausdruck. Und da Spaß ansteckend ist, hatte ich den auch beim Lesen.
Wer einen ungewöhnlichen Fantasy-Roman in einem liebevoll ausgearbeiteten Setting lesen will, das mal nicht 0815-Pseudomittelalter heißt und voller ungewöhnlicher Figuren steckt, für den ist dieser Reihenauftakt genau das Richtige :).

(Ich streue die Rezension noch mit einige Erweiterungen die Tage, bin aber am SA auf der BuCon und daher verzögert sich bei mir gerade alles stark)

Offline J.H. Praßl

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Ganz lieben Dank für deine Rezension, Evanesca!
Schön, dass du so viele Facetten des Romans beleuchtet hast - darüber freuen wir uns sehr!

Herzlichen Dank auch für deine intensive Teilnahme an der Leserunde und die Zeit, die du dir dafür genommen hast. Wie schon bei Lärche sei auch hier erwähnt: Wundervoll, dass es so reflektierte Leser da draußen gibt! Da entlässt man sein Herzblut-Projekt gerne in fremde Hände, weil man weiß, dass es dort bestens aufgehoben ist.

Interessant, dass dir das Rollenspiel so sehr im Hinterkopf blieb. Du bist die erste, die die Parallelen zum Spiel so intensiv wahrgenommen hat, auch im Vergleich mit der Wahrnehmung anderer erfahrener Pen&Paper-Spieler. Und ja, manchmal hat das Spiel sehr viel Spaß gemacht, manchmal aber auch ganz und gar nicht - je nach gespielten Szenen ;-) Allerdings ist das Spiel größtenteils nur Inspirationsquelle und ein Gutteil des ersten Bandes wurde einfach auch dazu erfunden oder doch zumindest frei ausgestaltet. Spannend zu erfahren wäre es, ob deine Visionen des Spiels beim Lesen sich mit den tatsächlich gespielten Inhalten deckt. Der Staffellauf mit dem Zepter war jedenfalls so eine Übereinstimmung.

Wir freuen uns sehr, dass du uns noch eine Weile erhalten bleibst und erwarten dich dann in Amalea im Jahre 344 nach Gründung Fiorinde!

 
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