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  • Sylvia Lott - Die Inselfrauen: 08. April 2016

Autor Thema: 04/2016 Sylvia Lott - Die Inselfrauen  (Gelesen 4332 mal)

Offline Vorleser

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Ich fühle mich noch nicht alt genug, als dass ich 1967 als historisch bezeichnen würde.  ;D

Den Bäderantisemitismus fand ich hochinteressant. Ich denke, dass jeder, der es möchte, selbst nachforschen kann. Auch die Beschreibung der Flucht fand ich gelungen. Ich weiß, dass sie nicht authentisch ist, aber sie könnte es sein, und die Atmosphäre kommt sehr gut rüber.
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Offline Sylvialott

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Guter Jahrgang!  ;D
Die Schilderungen der Flucht sind aus echten Interviews zusammengemischt. Wie schön, dass man spürt, dass sie echt sind.

Offline Luftkommas

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Mich würde noch mal interessieren, wie Ihr die Geschichte von Winefrid aus dem Haus Constanze findet. Ich war so stolz, dass ich bei der Recherche auf diese Zusammenhänge gestoßen bin. Hättet Ihr gern mehr über den Bäderantisemitismus gelesen oder hätte das nach Eurer Meinung den Wohlfühlcharakter des Romans kaputtgemacht?
Ich fand es interessant das das schon vor der eigentlichen Zeit dort Antisemitismus gegeben hat und ausgelebt wurde. Ich fand die Geschichte von der Länge her ok. Nicht wegen dem Wohlfühlcharakter aber weil es ja nicht die eigentliche Geschichte im Buch war hätte ich es im Zweifelsfall als "zu viel" empfunden.

Sehr Ihr den roten Faden, der durch die historischen kurzen Frauenbiografien bis in die Gegenwart läuft?
Wenn du damit meinst das sie irgendetwas gemein haben sollen dann erschließt sich für mich nur das es immer starke Frauen gegeben hat die die Geschichte bedeutsam mitgeprägt haben trotz ihrer "früher" eingeschränkten Rechte. Wobei ich das nicht als typisch für Borkum empfinde.  Ich denke wenn man will findet man da überall Beispiele.
Das die Geschichte von Klaas Mutter als Flüchtlingsbeispiel eingeflochten wurde schlägt auf jeden Fall die Brücke zur Geschichte von Nina, Klaas & Co.

Ist das Jahr 1967 für Euch schon historisch?
Ich würde 1967 nicht als historisch bezeichnen (obwohl ich in den 80ern geboren wurde). Für mich ist 2. Weltkrieg und früher historisch.

Offline Emmy

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Das   sind interessante Aspekte, liebe  Sylvia  :)
Die  Geschichte  mit der unehelichen  Tochter  des  englischen  Politikers finde ich sehr spannend, weil es solche Situationen oft gegeben hat  und der  gesellschaftliche Umgang  mit  diesem  "Problem"   Rückschlüsse  zulässt  auf familiäre, religiöse und politische Entwicklungen.
Von diesem widerlichen "Bäder - Antisemitismus"  habe  ich schon  mehrmals  gehört und gelesen. Die  Gründe waren  oft auch Sozialneid  auf erfolgreiche  jüdische  Familien, dumpfer  Rassismus kam wohl erst  später  dazu.  :(

Die  geschilderten  Frauenschicksale, denen  Rosalie  bei  ihren  Recherchen begegnet und  die in den  Romanverlauf eingeflochten sind, haben  schon einige Gemeinsamkeiten -  es handelt  sich durchweg  um Außenseiterinnen,  Frauen, die  sich nicht in eine  damals vorgegebene  "Rolle"  einfügen konnten  oder wollten. Es  ist immer  auch eine  Bewährungsprobe, ein Zeichen  von Ethik oder Verdrängung in   einer Gemeinschaft, wie man  mit solchen "schwierigen"  Fällen  umgegangen  ist -  das  gilt  für die  Vergangeheit ebenso wie für  die  Gegenwart.  Daher sind diese  Exkurse  in die  Vergangenheit  eine  Bereicherung.   :winken:

JaneAustenFan

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Mit der Einordnung habe ich mich schwer getan. Mein erster Gedanke war zeitgenössisch.

Offline Sylvialott

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Danke für Eure Antworten. Für mich ist alles historisch, was andere Rahmenbedingungen, Mode, anderes Verhalten hat als das Gegenwärtige – also eigentlich auch schon recht kurz Zurückliegendes. Man könnte auch sagen: Alles, wofür ich die anderen Rahmenbedingungen recherchieren muss.
Dass die historischen Frauengestalten – meist – stark waren, ist ein Aspekt, der mich fasziniert hat. Aber ich fand auch beeindruckend, wie sehr die jeweiligen politischen, wirtschaftlichen und moralischen Verhältnisse über das Schicksal der Frauen bestimmt haben. Vor allem dann, wenn die Frauen Kinder bekamen. Da ist eben doch die Jahreszahl entscheidend. Male Geertje wurde ausgegrenzt und wahnsinnig, die Geliebte von Grey musste ihr Kind weggeben, sogar in ein anderes Land, dieses Kind durfte nicht normal auf der Insel aufwachsen, weil die Schatten der Vergangenheit (Angst davor, sie könnte auch von einem flotten preussischen Offizier schwanger werden) ihre Jugend prägten, "die Karotte" musste 1967 heiraten, Nina musste 1967 mit Verklemmtheit l(i)eben, nur endlich Rosalie kann sich heute einigermaßen frei entscheiden.
Gestern erhielt ich übrigens eine berührende mail von Winefrids Sohn (Jg. 1932). Er schreibt unter anderem:

"Gut,daß ich zum Beginn meiner Rentnerzeit auf die Idee gekommen bin, mich mit meiner Familiengeschichte zu beschäftigen und dann eine Chronik niederzuschreiben. Auf Anregung des Borkumer Heimatvereins kam es dann zur Veröffentlichung über die Ereignisse um das Haus Constance. Diese sind infolge der damaligen strengen Moralvorschriften über 100 Jahre lang von allen Beteiligten als großes Geheimnis gehütet worden.

Die gleiche Constance- Geschichte stellte ich 2003 auch der englischen Zeitschrift "Family Tree Magazine" zur Verfügung .Sie wurde bald darauf vom "Journal of Liberal History" nachgedruckt. Daraufhin haben zwei Schriftsteller (Michael Waterhouse in England und Jeff Lipkes in USA) mit mir Kontakt aufgenommen und sie ebenfalls in ihren neuen Büchern über Sir Edward Grey (2014) verwendet. Ein dritter (Heimatschriftsteller (...) aus Northumberland) will sie später verarbeiten.

Ich denke,mit diesem Erfolg kann ich recht zufrieden sein; die damals beteiligten Personen haben mehr menschliche Züge bekommen."
« Letzte Änderung: 27. April 2016, 22:24:25 von Sylvialott »

Offline Vorleser

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Was für ein schönes Feedback. :)
There's no life before coffee.

Offline Emmy

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Das  ist  wirklich  sehr  berührend  und  eine  sehr schöne Reaktion  von Winefrid`s  Sohn.  :)  So  wird  Geschichte  lebendig  und verbindet  uns mit  den Schicksalen der  Menschen  von damals.
Herzlichen  Glückwunsch und  vielen  Dank  für  diesen  wundervollen  Roman, liebe  Sylvia  :bussi:

Online Dani

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Das ist wirklich eine schöne Rückmeldung!
Ich verschiebe die Beiträge hier und aus dem Fazit-Thread in den nächsten Tagen noch in den letzten Abschnitt, dort passen sie meiner Meinung nach besser hin.  :winken:
Liebe Grüße
Dani

Offline dion

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Ich würde jetzt trotzdem mal hier schreiben, weil es sonst so abgeschnitten in dem anderen Thema wirkt.

Also ... historisch ist für mich tatsächlich auch erst alles vor der vorletzten Jahrhundertwende. Also im Prinzip zu einer Zeit, die halt doch anders war.
Als es noch mehr Pferdekutschen als Autos gab, die Damen nicht wählen durften, etc.
Ich weiß nicht ob man sowas vom Alter her ausmachen kann *grübels* Ich bin ja auch erst Jahrgang '83.

Die Geschichte von Winefrid empfand ich als ... oh Gott wie sag ich das jetzt am besten ... also schon interessant, aber nicht wichtig für die Entwicklung im Buch.
Sicherlich könnte man daraus ziemlich gut ein eigenständiges Buch gestalten, aber so als kurze Erwähnung war es auch okay.
Genauso die Geschichten über die anderen Borkumer Frauen. Das war zwar passend für Rosalies Arbeit, aber bis auf die Geschichte von Klaas Mutter nicht 'relevant'. Klingt doof, aber ich hoffe @Sylvia du weißt wie ich das meine.
Es gab in der Vergangenheit und auch heute auf der ganzen Welt starke Frauen. Warum also nicht in Borkum?

Das empfand ich jetzt aber nicht als etwas Besonderes für diese Insel. Ich denke es liegt eher an der Zeit. Frau musste stark sein, oder war verloren.

 

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