Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen (bitte ohne Spoiler)  (Gelesen 1179 mal)

Offline Lagoona

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@Zoe

Das möchte ich auch gar nicht bestreiten, dass es sicher auch Menschen gibt, denen das Buch Kraft gibt. Ich vertrete nur meine persönliche Meinung & ich persönlich würde auf gar keinenfall Fall Jemandem, der sich akut in einer schweren Phase befindet, dieses Buch guten Gewissens in die Hände drücken wollen. Das ist nicht böse gemeint, verstehe das bitte nicht falsch. Mir hat Tage mit Leuchtkäfern gut gefallen, aber eben mit diesem kleinen aber. Ich denke, man muss sich dessen bewusst sein, wenn man über so ein heikles Thema schreibt, dass das unter Umständen nicht nur positive Reaktionen auslösen kann. Es steht daher für mich tatsächlich ausser Frage, das natürlich auch die Gefahr besteht, dass jemand , der akute Suizidgedanken hegt oder akuten Drang zu Selbstverletzungen aufweist, eventuell beim Lesen solcher Handlungen negativ reagiert.

Ich habe in meinem Leben unheimlich viele Betroffene kennengelernt & mich wahnsinng intensiv mit diesen Themen auseinadergesetzt. Nicht umsonst habe ich mich für diese Leserunde beworben. Meine persönlichen Erfahrungen haben mir gezeigt, dass diese Themen einfach sehr sehr heikel sind und man mit Menschen in solchen Lebenslagen besser ganz besonders vorsichtig umgeht. Ich freue mich für Dich, wenn es  Menschen gibt, denen Du mit Deinem Buch Kraft gegeben hast, das ist doch toll.
« Letzte Änderung: 10. April 2016, 15:28:38 von Lagoona »

Offline smyrill

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Das Buch ist ein kleiner Auschnitt aus dem Leben Antonias... einer Jugendlichen die schwere Probleme mit sich herumträgt und irgendwie versucht, klarzukommen.
Sie lernt eine Clique, den "Club der verhinderten Selbstmörder" kennen und durch sie lernt sie auch wieder schönere Seiten des Lebens kennen. Ich finde es sehr nett und erfrischend, wie diese fünf dann miteinander umgehen und von ihren Unternehmungen zu lesen.

Durch die Tagebuchform sind wir Antonia einerseits näher als sonst jemand, andererseits bekommen wir eine subjektive und auch begrenzte Einsich in ihr Leben.
Für mich macht es die Geschichte schwer greifbar, erst recht weil ich als Mutter gerne auch mehr über das tatsächliche Verhältnis von Mutter und Tochter im Buch erfahren hätte um dieses beurteilen zu können. (Mich hat das Verhalten der Mutter sehr erschreckt ! Bzw hoffe ich, daß es eben nur durch die Augen der Tochter so kras ist... was schlimm genug wäre.)
Diesen Anspruch hat das Buch aber nicht.

Es gibt aber einen guten Einblick in die Zerissenheit und in die Hilflosigkeit Antonias und somit wenn auch kein Verstehen (denn warum sie so ist wie sie ist und warum sie das tut was sie tut erfahren wir nicht wirklich) so doch grundsätzlich ein Verständnis dafür, wie schwer es ist, sich in so einer Situation zu befinden -und vor allem wie schwer bis unmöglich es hier, wieder heraus zu kommen.

Entsetzt hat mich übrigens daß Antonia in der Schule gemobbt wurde, ich habe darüber nie nachgedacht, hätte aber nicht gedacht, daß das so passiert.

Vielen Dank an alle Mitleser, es war schön, das Buch gemeinsam mit Euch zu lesen und darüber zu diskutieren. Ein herzliches Dankeschön auch an Zoe, daß sie diese Leserunde zu dem ja doch sehr persönlichen Buch begleitet hat.  :bussi:

Offline Dani

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Ich hatte mich ja spontan eingeklinkt, lasse aber trotzdem auch meine Rezension hier  :winken:

Ein junges Mädchen schreibt Briefe an Gott. Sie glaubt nicht wirklich an ihn, stellt sich aber eine übernatürliche Kraft vor und an irgendjemanden will sie ihr Tagebuch einfach adressieren.
So lernen wir Gandhi kennen.
Lange erfahren wir ihren wirklichen Namen nicht, Gandhi ist der Spitzname, den Noah und seine Clique ihr geben. Noah, Fabien, Fred, Lynn und Amira sind junge Menschen, die alle eins gemeinsam haben: sie haben versucht, sich umzubringen und sind glücklicherweise daran gescheitert. Sie haben sich gefunden und sind die ersten wirklichen Freunde, die Gandhi in ihrem Leben hat. Zwischen ihnen herrscht ein besonderes Verständnis, das Gandhi sonst nirgends in ihrem Umfeld hat, ihre Familie versteht ihre Probleme nicht wirklich, in der Schule wird sie gar verspottet und gemobbt und mit ihrer Therapeutin kommt sie auch nicht wirklich zurecht.

Eigentlich mag ich keine Bücher in Tagebuchform. Doch schnell hat mich diese Geschichte hier immer mehr fasziniert.

Das Buch umfasst nur knapp 200 Seiten, ist aber so voller Emotionen und wunderbarer Sätze, dass ich es einerseits kaum aus der Hand legen mochte, andererseits wollte ich möglichst langsam lesen, um nicht so schnell zum Ende zu kommen.

Es geht um ernste Themen, ernster, als ich nach dem ersten Blick auf das lila-pinke Cover vermutet hatte. Erst nach und nach entpuppt sich, was Gandhis Probleme sind. Von den Schicksalen der anderen erfahren wir nicht allzu viel, aber es genügt, um sich ein Bild zu machen und sich das Schlimmste vorzustellen. Durch die Tagebuchform ist man als Leser dafür sehr dicht an Gandhi selbst dran, spürt ihre Gedanken, ihre Traurigkeit und ihre Verzweiflung hautnah mit, erlebt auch die schönen Momente mit ihr, aber ebenso die darauf folgenden Abstürze.

Auch wenn ich persönlich sehr weit von Gandhis Problemen entfernt bin, habe ich hier sehr eindrücklich gespürt, wie sich Betroffene fühlen müssen. Für mich klang die Darstellung sehr authentisch, die Emotionen wirkten echt und schrecklich glaubwürdig.

Am Ende geschieht vieles sehr schnell und dann ist das Buch auch schon zu Ende. Vielleicht hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Informationen gewünscht, letztlich ist es aber auch nicht so wichtig, die Botschaft kam auch so rüber und eigentlich reichen die Andeutungen völlig aus.

Ein intensives, emotionales Buch, trotz oder gerade wegen seiner Kürze!
Liebe Grüße
Dani

Offline Tammy1982

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Hallo Ihr Lieben,

kaum ist man mal ein paar Tage offline, passiert hier schon so viel.  :-[
@Dani: Danke, dass du eingesprungen bist!  :bussi:

So, nachdem ihr hier aber alle schon so fleißig eure Rezis hinterlassen habt, kommt hier auch meine Meinung:

Das Buch:

Beim Blick auf das Cover könnte man von einer leichten Lektüre ausgehen, doch dieses Buch offenbart dann eine emotionale Intensität, die man aufgrund der leuchtenden Farben auf dem Buchdeckel als Leser im ersten  Moment nicht vermutet. In Tagebuchform begleitet man als Leser die junge Protagonistin, von der man lange Zeit weder weiß wie sie heißt, noch wie alt sie ist, noch was sie genau bedrückt. Erst nach und nach offenbaren sich ihre Probleme und zeitweise hatte ich doch schon etwas Angst, in welche Richtung das Buch schlagen könnte.

Die Emotionen der weiblichen Hauptfigur, die die meiste Zeit des Buches einfach als "Gandhi" betitelt, sind sehr gut und intensiv beschrieben und ich konnte mich sehr gut in sie hineinfühlen. Gleichzeitig vermittelt das Buch dabei vor allem Emotionen und die "harten" Tatsachen werden eher umschrieben bzw. der Leser muss sie sich zum Teil einfach selber zusammenreimen. Das ist zum einen sehr spannend, jedoch muss ich gestehen, dass mir zu viel in der Schwebe blieb und zu wenig am Ende aufgeklärt wurde.

Durch die Tagebuchform bleiben die anderen auftretenden Figuren auch eher blass im Hintergrund und man erfährt sehr wenig über ihre Beweggründe und Motivation. Da eindeutig "Gandhi" der Mittelpunkt der Geschichte ist, war das für mich ok, auch wenn ich mir hier gewünscht hätte etwas mehr zu erfahren und nicht zum Teil komplett im Dunkeln gelassen zu werden.

Insgesamt ein sehr intensives Buch, das sich vor allem auf die Emotionen einer Protagonistin mit entsprechenden Problemen fokussiert. Vom Schreibstil und der Ausdruckskraft sehr gut gemacht, jedoch blieb für mich am Ende des Buches einfach zu viel ungelöst.
Dafür gibt es von mir 3 von 5 Punkten.

Die Leserunde:

Vielen lieben Dank an Zoe für die Begleitung unserer kleinen Runde und vielen lieben Dank an die lieben MitleserInnen für die tolle Teilnahme an der Leserunde hier, auch wenn der Stoff nicht immer so einfach war.  :bussi:

Liebe Grüße
Tammy :winken:

Mein Fazit findet sich auch auf folgenden Seiten:
Literaturschock.de
Großes Bücherforum
amazon.de
lovelybooks.de
was-liest-du.de

Offline Lagoona

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@Tammy & @Dani

Das sind schöne Rezi's  :)

 

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