Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen (ohne Spoiler)  (Gelesen 596 mal)

Offline odenwaldcollies

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 15869
Ein wichtiger Punkt der Leserunden sind eure Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein – daher legen wir viel Wert darauf, dass ihr zum Abschluß euer Fazit hier einstellt.

Zahlreiche Rezensionen hier und die Streuung auf anderen Seiten steigern bei den Verlagen und Autoren die Attraktivität von Leserunden.de: Denkt daran, dass die Rezensionen für die Verlage die "Gegenleistung" für die Freiexemplare sind.

Wir freuen uns, wenn der/die AutorIn ebenfalls ein Fazit zur Leserunde einstellt.

Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen!

Wir freuen uns auch darüber, wenn ihr eure Rezension auf Literaturschock.de veröffentlicht. Eine Anmeldung ist hierfür nicht erforderlich.
Liebe Grüße
Karin

Offline TochterAlice

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 1365
Meine Rezension steht auch schon und ich bedanke mich herzlich bei Barbara für die spannende und sehr bereichernde Begleitung. Insgesamt hat mir der Krimi mit kleinen Abstrichen wirklich gut gefallen und ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

Ein protestantischer Geistlicher ist in seinem eigenen Haus in der Nähe von Sligo ermordet aufgefunden worden. Nach und nach kommt heraus, dass er nicht nur Freunde hatte und selbst in der eigenen Familie so einiges geleistet hat. Hat sein Tod etwas damit zu tun.

Neben dem Schicksal des Pfarrers gibt es ganz klar einen weiteren roten Faden in diesem Krimi, der für mich sogar an erster Stelle steht: die Rolle der Frauen in Irland.

Ja, in Irland hatten es die Frauen vor allem aufgrund der Macht der Kirchen nicht einfach - dies die hauptsächliche Botschaft dieses Krimis, der weit über das hinausgeht, was dieses Genre üblicherweise zu bieten hat und sowohl eine Reihe historischer Hintergründe als auch jede Menge Emotionales und Erschütterndes zur Lage der Frauen im Schatten der Kirchen beinhaltet. Ja, es war und ist wahrlich ein Schattendasein der tristesten Art, das den Frauen dort über Jahrhunderte auferlegt war - teilweise dauert dies noch bis zum heutigen Tag an.

Eine empfehlenswerte Lektüre also für Leser, die Krimis der besonderen Art mögen und sich gerne nebenher ein paar historische Infos "draufschaufeln". Auch wenn das Ende aus meiner Sicht ausgesprochen überraschend und für einen Krimi durchaus unkonventionell war, geht das zeitweise auf Kosten der Spannung.

Die charismatische Polizistin Emma Vaughan, die zwar irische Wurzeln hat, aber in New York aufwuchs, ist auf jeden Fall ein großer Gewinn für die internationale Krimi- und Ermittlerlandschaft. Eine ungewöhnliche Frau, die in Irland oft aneckt, sich überall durchkämpfen muss, an den richtigen Stellen aber durchaus Diplomatie walten lässt und vieles aus einer Perspektive sieht, aus der auch die meisten Leserinnen es wahrnehmen werden - also eine Identifikationsfigur. Sie hat mich persönlich auch mit dem teilweise etwas sperrigen Stil versöhnt und lässt mich auf eine baldige Fortsetzung einer möglichen neuen Krimireihe hoffen.
« Letzte Änderung: 07. August 2016, 12:17:06 von TochterAlice »

Fluse

  • Gast
Irland im Jahre 1963 ... das Verbrechen. Irland im Jahre 2005 ... der Mord. Gibt es eine Verbindung zwischen diesen beiden Geschehnissen? Ermordet wurde der angesehene Referend der Kirche, Charles Fitzpatrick. Emma Vaughan, protestantisch, geschieden und eigenwillig, soll sich um die Ermittlungen kümmern. Kein leichter Job zwischen all den vorurteilsschwangeren, katholischen Kollegen. Unbeirrt macht sie sich an die Arbeit und merkt schnell, dass es in dem Fall keine Spuren gibt, die zum Erfolg führen. Ist die IRA im Spiel oder ist es doch eine rein familiäre Angelegenheit? Geht es um Politik, ums Erbe oder um Rache? Fast schon als letzte Idee macht sich Emma auf nach Manchester ... in die Stadt, in der Margaret, eine Schwester des Ermordeten lebt, um zu erfahren, was der anonyme Brief, den sie bekommen hat, bedeutet. Sie findet endlich eine mögliche Erklärung und gerät dabei in eine Gefahr, die sie gänzlich unterschätzt hat ... ein Fehler, der ihr Leben weitreichend verändert ...

Lange tappt man im Dunklen und gibt sich wilden Spekulationen hin, wie die Zusammenhänge zu verstehen sind. Der Leser taucht tief ein in dieses Buch, denn die Autorin versteht es, ihre Geschichte auf drei Ebenen miteinander zu verweben, den Leser mit viel Wissen zu versorgen und dennoch kein Chaos zu hinterlassen.

Denk ich an Irland in der Nacht ... es mag vielleicht ein Vorurteil sein, doch ist es geschichtlich belegt. Viele Grausamkeiten wurden im Namen der Kirche begangen. Und nicht nur im Namen dieser. Der Krimi soll uns diese eindrucksvoll und sehr gut recherchiert näherbringen. So nahe, dass man am liebsten selbst die Ungerechtigkeiten ausmerzen will.

Für Fans gut ausgearbeiteter Krimis mit wahrem Hintergrund geradezu ein Muss.


Danke für die LR und die Zeit, die Du hier mit uns verbringst liebe Barbara. Ich wünsche Dir viel Erfolg beim Schreiben und sei so lieb, grüß Emma von mir ... der ganz und gar gottlosen Atheistin. Wir könnten Freundinnen werden *schmunzel*.

Meine Rezi wird hier erscheinen:

www.amazon.de
http://www.lovelybooks.de/autor/Barbara-Bierach/L%C3%BCgenmauer-1207625595-w/rezension/1267759045/
http://wasliestdu.de/rezension/irland-und-das-schicksal-suendiger-muetter

 
« Letzte Änderung: 07. August 2016, 15:12:30 von Fluse »

Offline odenwaldcollies

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 15869
Eine Leiche und ein düsteres Familiengeheimnis

Im irischen Sligo wird ein hochrangiges Mitglied der protestantischen Kirche ermordet aufgefunden. Emma Vaughan und ihr Kollege James Quinn übernehmen den Fall und erfahren, dass der tote Kirchenmann alles andere als ein Kostverächter war, wenn es um Frauen ging. Dennoch treten sie mit ihren Ermittlungen lange auf der Stelle. Bis die Ermittler einer Spur in die Vergangenheit folgen.

Die grüne Insel Irland – das ist auf der einen Seite das Sehnsuchtsziel vieler Touristen, auf der anderen Seite der blutige Konfessionskrieg in der Vergangenheit. Heutzutage gerät der letztere Aspekt bei Nicht-Iren immer mehr in Vergessenheit, auch bei mir, wie ich zugeben muss, dabei liegt das Karfreitagsabkommen noch keine 20 Jahre zurück.

Die in Irland lebende Autorin zeigt jedoch, dass die IRA und das Misstrauen zwischen Katholiken und Protestanten sehr wohl noch immer eine große Rolle auf der gesamten irischen Insel spielen. So hat auch Emma Vaughan als protestantische und geschiedene, alleinerziehende Mutter bei manchen männlichen katholischen Kollegen einen schweren Stand. Dass die Konfessionen heute immer noch so eine große Rolle spielen, konnte ich mir nicht vorstellen. Ebenso hat mich das immer noch recht konservative Frauenbild auf der Insel erschreckt.

In diesem eher ruhigen Krimi steht nicht immer die Mordermittlung an erster Stelle, sondern auch die spannenden und informativen politischen und gesellschaftlichen Hintergrundinformationen. Genau wie die Familiengeschichte, die parallel in den 1960er Jahren spielt, in der es um das traurige Schicksal von schwangeren und unverheirateten Frauen und deren Kinder geht.

Auf die Lösung des Falls kann man selber kommen, dafür ist der Umgang damit umso überraschender. Auch wenn ich mit den Konsequenzen nicht restlos einverstanden bin, ist es unter den gegebenen Umständen sicherlich die beste Lösung für die Ermittlung.

Emma Vaughan hat mir mit ihrer burschikosen und teilweise zynischen Art sehr gut gefallen, auch wenn sie sich gerne in Schwierigkeiten bringt, weil sie den Mund nicht immer halten kann. Als Irin, die in New York aufgewachsen ist, kann und will sie die Bedeutung des katholisch-protestantischen Konflikts nicht verstehen – da geht es ihr ganz genauso wie mir. Mit ihrem jugendlichen Sohn Stevie, der sich mitten in der Pubertät befindet, hat sie es auch nicht immer leicht, zumal Emmas Exmann das Sorgerecht für den Sohn an sich ziehen will.

Glücklicherweise hat Emma mit ihrem katholischen Partner James Quinn und ihrem Chef Murry Glück, die beide eine liberale Denkweise verfolgen.

Ich hoffe sehr, dass es weitere Fälle mit Emma und James geben wird, auch wenn der Roman mir einige Illusionen über Irland genommen hat.

Meine Rezension erscheint bei:
Amazon
Großes Literaturschock-Bücherforum
Literaturschock.de
LovelyBooks
Thalia
Weltbild
« Letzte Änderung: 24. August 2016, 17:24:18 von odenwaldcollies »
Liebe Grüße
Karin

Offline Delena

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 1290
Emma Vaughn, Polizistin, protestantisch, geschieden, ermittelt im kleinen irischen Ort Sligo in einem Mordfall. Opfer ist der bekannte Reverend Charles Fitzpatrick. Fitzpatrick gilt als angesehenes Mitglied der Gemeinde. Umso grösser ist der Druck, den Fall möglichst schnell aufzuklären. Nicht gerade einfach mit einem pubertierenden Sohn, einer Kollegenschaft die ihr nicht hundertprozentig wohlwollend gegenübersteht und einem Ex-Mann, mit dem noch einiges zu klären ist.

Emma Vaughn ermittelt hier in ihrem ersten Fall und der hat es in sich. Sie hat unter anderem zu kämpfen mit Alpträumen, mehr oder weniger sympathischen Kollegen und elitären Verdächtigen. Das alles in einem Irland, dessen frauenfeindliche Vergangenheit noch gar nicht allzu lang her ist. Die geschichtlichen Hintergrundinformationen sind teilweise erschreckend.

Protestanten, Katholiken, die IRA, all das bildet das Setting für den ersten Roman von Barbara Bierach. Die Autorin liefert hier so einiges. Der Klärung des Mordes und der geschichtliche Hintergrund Irlands halten sich hier die Waage. Alte Familientragödien, Eifersucht und Macht spielen in die Lösung des Falles hinein. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und ich bin beim Lesen des öfteren zwischen den möglichen Tätern bzw. Täterinnen hin- und hergesprungen. Die Lösung des Falles hat mich überrascht, war aber durchaus schlüssig.

Man darf hier keinen bluttriefenden Thriller mit diversen Toten und wildem Finale unter Pistolenbeschuss erwarten. Man folgt Emma Vaughn bei ihren Ermittlungen und dringt langsam immer tiefer in die Abgründe der Protagonisten hinein. Ein ruhiger aber eindringlicher Krimi, der mir sehr gut gefallen hat. Ich hoffe sehr auf weitere Fälle von Emma.


Vielen Dank an meine Mitleserinnen und an Barbara für die tollen Hintergrundinformationen. Man liest sich  :winken:


Meine Rezension findet man hier:

https://www.amazon.de/review/R3SSM1IB1H8831/ref=cm_cr_rdp_perm?ie=UTF8&ASIN=B0187AFER8
http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php/topic,41924.0.html#lastPost
http://www.literaturschock.de/literatur/belletristik/krimis-und-thriller/barbara-bierach-l%C3%BCgenmauer
https://ssl.thalia.de/shop/home/suche/?sq=l%FCgenmauer&sswg=ANY&timestamp=1470753376996 (Kundin aus Hamburg am 08.08.)
« Letzte Änderung: 11. August 2016, 09:16:32 von Delena »
Liebe Grüße
Claudia

Offline Gaby

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 1143
  • Lesen ist meine schönste Freizeitbeschäftigung
Sligo an der NordWestküste Irlands:
Hier lebt die protestantische, alleinerziehende Polizistin Emma Vaughn mit ihrem Sohn, in Reichweite ihren Exmann und soll nun zusammen mit ihrem Kollegen James Quinn den Mord an dem bekannten und angesehenen Mitglied der Gemeinde Charles Fitzpatrick klären. Die Ermittlungen treten lange auf der Stelle, bis sie einem Fingerzeig in die Vergangenheit folgt.

Emma Vaughn sind meine Sympathien nicht gleich zugeflogen. Doch mit ihrer burschikosen, ehrlichen Art hat sie mich dann doch überzeugen können. Sie kämpft mit Albträumen, Rückenschmerzen und einem Exmann, der ihr versucht das Leben schwer zu machen. In ihrer Dienststelle lassen sie einige Kollegen spüren, dass sie als alleinerziehende, geschiedene Frau in Irland aus der Reihe fällt. Beim Lesen ist mir erst mal wieder klar geworden, wie unterschiedlich doch auch heute noch die Rollenverteilung dort und hier bei uns ist.

Der Kriminalfall zieht sich durch die vielen Verdächtigen und die intensive Recherchearbeit etwas hin. Aber die vielen Hintergrundinformationen, die ich aus der Lektüre bekomme, sind so interessant und spannend und haben mich absolut fesseln können. Zwischenzeitlich hatte ich für mich immer mal wieder einen Täter gefunden. Die letztendliche Auflösung ist gut nachvollziehbar, der Umgang damit hat mich aber etwas überrascht. Bin aber völlig damit einverstanden.

Wer einen bluttriefenden Krimi sucht, der ist hier falsch. Wer sich aber auf die Suche nach einem Täter machen will, der diese Bezeichnung eigentlich nicht verdient hat, die leisen Töne eines Krimis liebt und mehr über die Rolle der Frau in Irland lesen möchte, der ist hier genau richtig.

Ich hoffe, ich werde von der neuen sympathischen Inspectorin und von ihrem genauso sympathischen Kollegen bald mehr lesen dürfen.

Vielen Dank, dass ich an dieser gerade durch Barbaras sehr interessante Hintergrundinformationen spannenden Leserunde teilnehmen durfte.


Hier habe ich diese Rezension auch eingestellt:
http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php/topic,41924.msg923366.html#new
Großes Bücherforum: noch nicht freigeschaltet
https://www.amazon.de/product-reviews/3548613063/ref=cm_cr_dp_synop?ie=UTF8&showViewpoints=0&sortBy=recent#R3E6LKWSSWAH37
http://www.lovelybooks.de/autor/Barbara-Bierach/L%C3%BCgenmauer-1207625595-w/
http://wasliestdu.de/rezension/ein-sehr-interessanter-fall
https://www.lesejury.de/barbara-bierach/buecher/luegenmauer-irland-krimi/9783548613062
https://www.blogger.com/blogger.g?blogID=1814410860446860223#editor/target=post;postID=2581224680976836427;onPublishedMenu=publishedposts;onClosedMenu=publishedposts;postNum=0;src=postname
https://www.buecher.de/go/my_my/my_ratings/
http://www.thalia.de/shop/home/rezensent/?rezensent=113339
https://www.hugendubel.de/de/account/review/list
weltbild: noch nicht freigeschaltet
« Letzte Änderung: 12. August 2016, 11:36:40 von Gaby »

Offline DunklesSchaf

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 489
    • Die Dunklen Felle
Was soll ich sagen? Die Leserunde hat mir wie immer sehr gut gefallen. Ich mag es einfach, zu diskutieren und zu spekulieren. Zwar haben wir hier immer Autorenbegleitung, doch meist aus Deutschland, so war es ein besonderes Schmankerl, dass Barbara ja in Irland zugegen ist und uns mit top aktuellen Hintergrundinformationen versorgen konnte. Das fand ich klasse!
Vielen Dank an Euch alle für die tolle Leserunde!

So, hier nun meine Rezension:

Scheinheilig: Lügenmauer - Barbara Bierach


Ein toter Kirchenmann – das ist nicht nur für Emma Vaughan, protestantisch, geschieden und alleinerziehend, ein heikler Fall, sondern auch für die Oberen im County Sligo. Dementsprechend groß ist der Druck auf die Ermittlung und Emma Vaughan, gemeinsam mit ihrem Kollegen James Quinn, stochert in jeglichen Ecken. Gar nicht so einfach bei Charles Fitzpatrick. Der Armeepfarrer ist weit herum gekommen und hat nicht überall nur Freunde hinterlassen. Vor allem seine Bettgeschichten sind weithin bekannt. Doch war es eine ehemalige Verflossene? Vielleicht ja auch die IRA? Oder waren die Nichten und Neffen scharf auf „The Manors“, den Familiensitz der Fitzpatricks. Die Lösung rückt erst näher, als Emma beginnt, tief in der Vergangenheit der Familie zu wühlen…

Der Klappentext hat bei mir impliziert, dass Emma Vaughan, als geschiedene, alleinstehende und protestantische Frau in der Sligoer Polizei wesentlich mehr Probleme hat, doch das ist gar nicht so. Neider gibt es überall und es kam jetzt nicht übermäßig dazu, dass Emma gemieden oder gemobbt wurde, es waren nur ein paar hämische Bemerkungen. Für mich als Leserin ein wenig schade – ich mag es, wenn Figuren sich durchboxen müssen. Emma ist eine angenehme und ehrgeizige Ermittlerin. Sie lässt keine Richtungen aus, auch wenn man zugeben muss, dass sie ca. dreiviertel des Buches im Nebel stochert. Zur Auflockerung dient ihr Kollege James, der nicht nur witzige Sprüche klopft, sondern auch gerne mit ihr flirtet.

Ein zweiter Erzählstrang um Catherine, eine Altenpflegerin, die sich unter anderem um Margaret, Fitzpatricks Schwester kümmert, die dement in einem Seniorenheim ist, bringt dann das hintergründige Thema hervor. Ein dritter Erzählstrang führt dann sogar in die 60er Jahre zurück, denn das Rätsel des Mordes an Charles Fitzpatrick liegt in der Vergangenheit begründet. Diese beiden Stränge sind immer recht kurz und so gewährt die Autorin den Lesern immer nur einen kleinen Blick auf das Geheimnis und man kann bis fast zum Ende knobeln, wer denn nun der Täter oder die Täterin ist. Am meisten hat mich aber das Hintergrundthema interessiert: Heime für Mädchen, „unchristliche“ Mädchen, oder was manche dafür hielten.

Heutzutage mag man vielleicht schon fast vergessen haben, dass auch die christlichen Kirchen viel Unrecht im Namen Gottes geschehen ließen. Erschreckend ist aus diesem Grund der Blick nach Irland, in dem bis in die Neunziger Jahre sogenannte Magdalenen-Heime existierten. Heime, in denen „gefallene“ Mädchen wieder zum Glauben zurück geführt werden sollten. Keineswegs landeten dort aber nur Prostituierte, sondern jegliche Mädchen, die ungewollt schwanger wurden, auch durch Vergewaltigung, oder sich in anderer Art nicht gottgefällig verhielten – jedenfalls in den Augen der Autoritäten. Beschimpfungen und harte körperliche Arbeit waren noch das wenigste, was diese Mädchen aushalten mussten, Missbrauch und verscharrte Babys das schlimmste. Natürlich alles unter dem Deckmantel der christlichen Nächstenliebe. Und das ist kaum 20 Jahre her…

Erschreckend und spannend, doch im Krimi umgesetzt hätte es für mich noch ein wenig mehr sein können. So kratzt der Kriminalfall zwar an dem Thema und zeigt wie die Nutznießer des Systems vorgingen und welche Werte und Moralvorstellungen damals herrschten, doch die Ausführenden bleiben davon unberührt. Noch ein wenig besser hätte es mir gefallen, wenn diese auch vorgekommen wären, wenn die Kirche, die Hintermänner hervor gekommen wären. Nichtsdestotrotz war es ein spannender Fall, der sogar noch mit einer Auflösung aufwartet, die mich mit der Frage zurückgelassen hat, wer entscheidet, ob jemand gut oder böse ist, und ob ein Verbrechen gesühnt werden muss oder nicht.

Fazit:
Das hintergründige Thema hätte gerne noch mehr in die Tiefe gehen und die scheinheilige Nächstenliebe der Kirche entlarven können, doch das kritische Thema gepaart mit einer gewohnt eigenwilligen Ermittlerin hat mir eine spannende Lektüre beschert.


Die Rezension habe ich eben noch in meinem Blog veröffentlicht. Da ich jetzt dringend weg muss, werde ich die Veröffentlichungen auf anderen Plattformen auf heute abend verschieben. Ich mache dann hier einen Update.

So, hier nun das Update / 22:55 Uhr:
Die Rezension hab ich nun noch bei Literaturschock, im Literaturschock-Forum, bei lovelybooks, hugendubel und amazon eingestellt (teilweise ist noch eine Freischaltung notwendig).
« Letzte Änderung: 11. August 2016, 22:56:29 von DunklesSchaf »
Grüßle,
Christina

Offline Annabas

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 2544
  • Wanderer
Inhaltsangabe:

Emma Vaughan hat es bei ihrer Arbeit in der Mordkommission im irischen Sligo nicht leicht, denn sie ist a) eine Frau, b) geschieden, c) alleinerziehende Mutter und d) protestantisch. Trotz allem hat sie sich ihren Platz erkämpft und bildet mit ihrem Kollegen James Quinn ein gutes Ermittlerteam. Beider Können wird eines Tages herausgefordert, denn sie sollen den Mord an einem hochrangigen Mitglied der katholischen Kirche aufklären. Anscheinend war Charles Fitzpatrick, so der Name des Toten, ein schwieriger Mann, denn Emma und James müssen mehrere Spuren verfolgen. Zum einen gibt es verschiedene Versuche, ein millionenschweres Erbe an den richtigen Mann bzw. die richtige Frau zu bringen. Zum anderen führt eine Spur in ein „Magdalenenheim“, in dem in den 60er Jahren ledige Frauen ihre Kinder zu Welt brachten – was im erzkatholischen Irland mehr als ein Makel bedeutete ...

Der erste Satz:

„Sie kniff die Augen zusammen, im Zwielicht des dunklen Schuppens konnte sie kaum etwas erkennen.“

Meine Meinung zum Buch:

Mit diesem Buch erhält man spannende Unterhaltung. Die Geschichte ist logisch aufgebaut und wird nie langweilig.

Emma ist eine sympathische Ermittlerin mit interessantem Hintergrund: aufgewachsen in New York, nach der Heirat Umzug ins irische Sligo, Polizeiausbildung, Kind, Trennung. Das gibt genügend Stoff für ein buntes Bild, in dem sich Emma mit den Tücken des Alltags herumschlagen und dann auch noch einen schwierigen Fall lösen muss. Aber nicht nur Emma ist facettenreich charakterisiert, dies sind auch noch weitere Figuren in diesem Buch. Ihr pubertierender Sohn Stevie und ihr Ex-Mann Paul, bei dem es gegen Ende der Geschichte auch noch eine interessante Entwicklung gibt, sind ebenfalls lebendig gezeichnet. Und natürlich die Polizeikollegen, allen voran Emmas Partner James Quinn oder ihr Vorgesetzter Murry. Wichtig sind auch die Personen auf Täter- und auf Opferseite, hier erlebt man tragische Schicksale und eiskalte Charaktere, die einen beim Lesen nicht unbeteiligt lassen.

Die Geschichte wird auf insgesamt drei Zeitebenen erzählt, die sich am Ende zu einem einzigen Bild zusammenfügen. Das hat mir sehr gut gefallen, es macht das Lesen abwechslungsreich und hält die Spannung.

Positiv aufgefallen sind mir die beiläufig eingestreuten Informationen zum heutigen und zum vergangenen Irland. Das wirkte weder störend oder belehrend noch unterbrach es den Lesefluss. Es passte einfach hinein und ließ mich an manchen Stellen die Dinge besser verstehen.

Mein Fazit:               :buchtipp:

Zur Leserunde:

Mir hat das gemeinsame Spekulieren um Motiv und Täter sehr viel Spaß gemacht. Danke an meine Mitleserinnen!

Danke auch an Barbara Bierach, die uns so nett durch die Leserunde begleitet hat.   :winken:

Viele Grüße von Annabas

Amazon
Vorablesen
Literaturschock
Schiller Buchhandlung
« Letzte Änderung: 12. August 2016, 21:59:02 von Annabas »
:lesen:   "Wenn du einen Garten und dazu noch eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen." Marcus Tullius Cicero

Offline Ostsee_71

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 406
Vielen Dank, dass ich an dieser Leserunde zu diesem interessanten Thema teilnehmen durfte. Die Diskussionen waren mal wieder sehr spannend und haben viel Spaß gemacht.
----------------------------------------------------------------

Inhalt:

Die junge Polizistin Emma Vaughn lebt als alleinerziehende Mutter, geschieden und protestantischen Glaubens im von Religionskonflikten geprägten nordirischen Sligo. Nachdem der protestantische Geistliche Charles Fitzpatrick tot aufgefunden wurde, wird Emma mit den Ermittlungen beauftragt. Schnell zeichnet sich ab, dass der Tote einige dunklen Seiten hatte und dass die Lösung des Falls in der Vergangenheit des Geistlichen zu suchen ist.

Meine Meinung:

Dieser Krimi taucht tief ein in die Konflikte Nordirlands ein. Die alten Feindschaften zwischen den Katholiken und den Protestanten werden ebenso thematisiert, die Rolle der Kirche bei der Verwahrung junger, unverheirateter Mütter. Besonders bei diesem Thema spielte die Kirche ein dunkle Rolle, wurden doch junge, schwangere Frauen von ihren Familien in diese Heime abgeschoben, wo sie ihr Kinder unter unwürdigen Bedingungen zur Welt bringen mußten, die Kinder zwangsadoptiert wurden und die Frauen zu Arbeiten gezwungen wurden.

Vor diesem Hintergrund entwickelt sich ein sehr spannender Krimi, der mich als Leserin zum Teil wütend zurück gelassen hat. Emma ist eine sehr sympathische Ermittlerin, die als geschiedene, alleinerziehende Protestantin ein Minderheit darstellt und so werden auch in ihrer Person einige der Konflikte deutlich.

Die Handlung ist logisch aufgebaut und führt zu einer nachvollziehbaren Auflösung. Das Buch regt zum Muträtseln an, wobei ich aber bis zum Ende bei den wahren Hintergründen der Tat im Dunklen getappt bin.

Ein sehr lesenswerter Krimi mit einem interessanten Hintergrund zu einem Thema, das nicht genug thematisiert werden kann.

http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php/topic,41924.0.html
« Letzte Änderung: 13. August 2016, 12:55:31 von Ostsee_71 »

Offline odenwaldcollies

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 15869
Hier ist es inzwischen ruhiger geworden, alle Teilnehmer sind mit dem Buch durch und es fehlt nur noch eine Rezension.

Ein herzliches Dankeschön an dich, liebe Barbara, dass du uns während dieser Leserunde begleitet hast. Wir drücken die Daumen, dass es mit Emma und James weitergehen wird und wir uns hier eines Tages wiederlesen werden  :winken:

Vielen Dank auch an alle Teilnehmer für eure Beiträge und Diskussionen.
Liebe Grüße
Karin

Offline dubh

  • Administrator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 4579
Sligo, eine knapp 18.000 Einwohner zählende Stadt im Nordwesten Irlands. Emma Vaughan ist vor Jahren aus den Vereinigten Staaten nach Irland gekommen und arbeitet dort als Inspector bei der Mordkommission. Als alleinerziehende Mutter und geschiedene, zudem auch noch protestantische Frau lebt es sich nicht immer ganz so leicht unter mehr oder weniger überzeugten Katholiken. Da hilft es auch nicht, dass Emma Religion und vor allem die Kirchen ziemlich einerlei sind... Glücklicherweise hat sie wenigstens bei der Arbeit mit James Quinn einen wirklich sympathischen Kollegen an ihrer Seite.

Als mit dem inzwischen pensionierten Reverend Charles Fitzpatrick ein hochrangiges Mitglied der protestantischen Kirche ermordet aufgefunden wird, beginnen Emma und James zu ermitteln. Es gibt verschiedene Verdachtsmomente, denn Fitzpatrick war nicht nur ziemlich unbeliebt, sondern hat sich als Armeepfarrer der Briten in manchen Augen nicht gerade loyal gegenüber seiner Heimat verhalten. Aber auch die ein oder andere Affäre kommt zu Tage und wir erfahren noch einiges über ein Heim, in dem in den 60er Jahren uneheliche Kinder zur Welt gebracht und anschließend zur Adoption freigegeben wurden... Und trotz all der Unbeliebtheit und diverser möglicher Anhaltspunkte treffen die Ermittler auf eine Mauer des Schweigens und treten somit lange Zeit nur auf der Stelle.

Nebenbei gibt es aber auch noch allerlei über die Hauptfigur zu erfahren, die in New York aufgewachsen und dann der Liebe wegen nach Irland gezogen ist. Dort hat sie ihren Sohn bekommen und die Ausbildung zur Polizistin absolviert. Durch einen Unfall mit starken Rückenschmerzen gequält und eine Scheidung später, ist es nicht gerade einfach um Emmas Leben bestellt. Gerade diese kleinen Einblenden aus dem privaten Leben Inspector Emma Vaughan und vor allem ihr gesundes Unverständnis über den noch immer schwelenden Konflikt in Irland, machen die Figur facettenreicher und für mich sehr realistisch und sympathisch. Auch den latent flirtenden, humorvollen Kollegen James mochte ich auf Anhieb.

Der Fall an sich ist nicht immer einfach zu verdauen, aber er offenbart gesellschaftliche Missstände, die bis heute nicht richtig aufgearbeitet wurden... Bei "Lügenmauer" findet sich kein blutrünstiger Thrill, sondern eine gut entwickelte Spannungskurve, die von glaubhaften Geschehnissen erzählt und an der ein oder anderen Stelle schier sprachlos macht.

Besonders gut haben mit die Fakten, sowohl historischer als auch gesellschaftspolitischer Art, und die atmosphärische Schilderungen von Land und Leuten, die immer wieder eingestreut waren, gefallen, weil sie damit auch ihren Teil zu einem wirklich runden, intelligenten Krimi mit ordentlich irischem Flair beigetragen haben.
Damit muss ich wohl auch nicht mehr extra erwähnen, dass ich weitere Fälle von Emma Vaughan nur allzu gerne lesen möchte.

Für mich ein absoluter Volltreffer!

*****


Zur Leserunde:

Vielen Dank an alle - ich habe Eure Beiträge und Spekulationen zu gerne gelesen! :winken:

Ein ganz besonders herzlicher Dank an Dich, Barbara, dafür, dass Du Dir für uns die Zeit genommen und uns einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht hast. Viel Erfolg mit Deinem Buch und weiterhin viel Freude beim Schreiben! Ich hoffe sehr, dass wir uns hier wieder einmal lesen.
"Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen."
(Theodor W. Adorno)

Offline buchregal123

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 2340
Charles Fitzpatrick wurde ermordet. Wer tut das einem Kirchenmann im Ruhestand an? Emma Vaughan, Inspector bei der Mordkommission in Sligo soll den Fall auf Wunsch ihres Chefs möglichst schnell abschließen. Aber es gibt fast keine Spuren und kaum brauchbare Hinweise. Was war das Motiv? Obwohl der Tote nicht sonderlich beliebt war, stoßen Emma und ihr Kollege James nur auf Schweigen.

Das Buch beginnt ein den sechziger Jahren mit einer Vergewaltigung in einer Scheune. Als Leser geht man sehr schnell davon aus, dass der Todesfall mit dieser Vergewaltigung zusammenhängt.

Das Buch erzählt einem neben der Krimihandlung sehr viel über Irland, die Stellung der Kirche und des Glaubens in diesem Land. Es erzählt aber auch von dem ewigen Misstrauen und den Vorurteilen. Unter diesen Vorurteilen hat auch Emma zu leiden. In dieser Gegend hat man katholisch zu sein, sie aber ist protestantisch, dazu noch geschieden und alleinerziehende Mutter. Ihrem Ex kreidet man das aber nicht an, obwohl er mit seiner Gewalt Emma in die Flucht getrieben hat. Emmas Kollege James ist ein gut aussehender und sympathischer Typ. Ich mochte die lockeren Dialoge zwischen den beiden. Der Polizeichef dagegen ist Wenig an der Polizeiarbeit, dafür aber sehr am Golfen interessiert. Er will bei den Ermittlungen auch keinen Konflikt mit der Kirche.

Die Geschichte verläuft relativ ruhig, aber mit überraschendem Ende. Dafür zeigt sich ein authentisches Bild von Irland, in dem die Kirche große Macht hat und der Glaube das Leben der Menschen mitbestimmt.

Mir hat das Buch gut gefallen.

Liebe Grüße
Bruni

 

Weblinks

Literaturschock Facebook Twitter

Internes

Mediadaten & Presse Impressum & Kontakt Datenschutzerklärung