Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler)  (Gelesen 411 mal)

Online Dani

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Ein wichtiger Punkt der Leserunden sind eure Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein – daher legen wir viel Wert darauf, dass ihr zum Abschluss zeitnah euer Fazit hier einstellt.

Zahlreiche Rezensionen hier und die Streuung auf anderen Seiten steigern bei den Verlagen und Autoren die Attraktivität von Leserunden.de

Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen!

Bitte rezensiert das Buch auch auf unserer Hauptseite Literaturschock.de. Eine extra Anmeldung ist hierzu nicht nötig, Gastrezensionen werden manuell freigeschaltet.

Wir freuen uns, wenn der/die AutorIn ebenfalls ein Fazit zur Leserunde einstellt.
Liebe Grüße
Dani

Offline TochterAlice

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Hier nun meine Rezension, es war einfach toll mit dem Buch, mit Euch und vor allem (Ihr anderen verübelt es mir bitte nicht) mit Thommie! Danke für diesen wunderbaren Roman und für die Zeit, die Du Dir genommen hast!

Ein ganz besonderer Mensch: Das ist Peter Vorden. Zurückgezogen, aber nur gelegentlich einsam lebt er das Leben eines Hagestolzes. Wie es dazu kommt, das erfahren wir beiläufig im Verlauf dieses mehr als lohnenswerten Romanes.

Ein bisschen wehmütig, aber gleichzeitig satt - wie nach einer abgerundeten Mahlzeit, einer mit mehreren Gängen und den dazu passenden Weinen: ebensowie nach der Lektüre von Thommie Bayers "Ein weißer Zug nach Süden" fühlte ich mich nach seinem neuen Buch "Seltene Affären" so, zumal Speisen und Weine eine nicht unerhebliche Rolle spielten. Man könnte diesen Roman, der trotz seiner grundlegenden leicht melancholischen Stimmung einfach ein Gute-Laune-Buch ist, als zweiten Teil vom "Weißen Zug" bezeichnen, dreht es sich doch auch hier wieder um Peter Vorden und auch um seine Putzfrau Chiara, wobei diesmal die Rollen getauscht sind.

Thommie Bayer findet auch hier wieder die richtigen Worte und das in seiner ganz speziellen Art und Weise, die durchaus locker-flockig ist, ohne aber im mindesten flapsig zu wirken. Nein, er beweist hier einmal mehr, dass "leger" und "gewählt" keine Gegensätze sein müssen; beide Adjektive eigenen sich nämlich in Ergänzung zueinander bestens, um dieses Buch zu beschreiben.

Ein Buch, in dem es mehr noch als im "Weißen Zug" um Beziehungen geht und zwar nicht nur um die zwischen Peter und Chiara, sondern auch - und vor allem - um die von Peter zu seinem Zwillingsbruder Paul und zu dessen Frau Anne.

Aber auch zu Chiara entwickelt Peter Vorden eine besondere Beziehung, in der der Mittler wie auch im Vorgängerroman sein Haus ist - und bildeten dort Peters Kurzgeschichten ein Band zwischen den beiden, sind es diesmal seine Träume - doch lesen sie selbst, denn das kann keiner so gut erzählen wie Thommie Bayer selbst.

Ein besonderes Buch, in dem es um Geheimnisse - vor allem um ein Bestimmtes, Beziehungen, Individualität, Sehnsüchte und noch vielem mehr geht - und das ich mit großem Genuss gelesen habe.
Viel zu rasch hatte ich die knapp zweihundert Seiten ausgelesen. Doch mehr ist bei einem so wortgewaltigen Künstler wie Thommie Bayer auch gar nicht nötig.

Passagen wie diejenige auf S. 64, in der Peter Vordens Zwillingsbruder Paul, ein Romanautor, die Unterschiede zwischen sich und seinem Bruder, dem nur Kurzgeschichten gelingen wollen, haben mich immer wieder berührt: "Wenn Du mit einer Figur fertig bist, dann lässt sie dich das wissen," sagte er (Paul), "vielleicht stehen bei dir ja viel mehr Leute Schlange und wollen erzählt werden als bei mir. Vielleicht musst du einfach deine Zeit einteilen, damit jeder drankommt."

Ich empfehle dieses Buch jedem, der leichte Lektüre liebt, Seichtes dagegen hasst und das Buch nach dem Lesen mit einem guten Bauchgefühl zuklappen will.

Offline Lilli33

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Hier ist meine Rezension:

Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Piper (1. August 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3492056113
Preis: 18,00€
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich

Thommie Bayer konnte mich wieder mal überzeugen

Im letzten Roman von Thommie Bayer, „Weißer Zug nach Süden“, war die Putzfrau Chiara die Hauptfigur. Sie war u.a. für die Wohnung von Peter Vorden zuständig, den sie aber nie zu Gesicht bekam. Trotzdem entwickelte sich eine Art Kommunikation zwischen den beiden. „Seltene Affären“ ist nun der geniale Gegenband zum „Weißen Zug“ aus der Sicht von Peter Vorden. Zwar wird immer wieder Bezug auf die Ereignisse des Vorgängerbandes genommen, diesmal eben aus der anderen Sicht, aber Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Man kann dieses Buch auch für sich allein lesen und genießen. Allerdings machen die entsprechenden Anspielungen halt auch einen gewissen Reiz aus, und lesenswert ist der „Weiße Zug“ allemal. Wer ihn also noch nicht kennt, sollte ihn nach Möglichkeit zuerst lesen.

Ich fand es toll, dass Thommie Bayer Peter Vorden, den ich bisher nur als Wohnungsbesitzer kannte, Leben eingehaucht hat. Er ist Mitbesitzer eines Restaurants in Frankreich, wo er sich von Montag bis Donnerstag aufhält, während er von Freitag bis Sonntag in besagter Wohnung im Südbadischen lebt und für seinen Zwillingsbruder Kurzgeschichten schreibt.

Auch über die Vergangenheit und die große Liebe von Peter Vorden erfahren wir einiges. So spielen neben der gedanklichen Beziehung zu Chiara auch die Beziehungen zu seinem Bruder und dessen Frau Anne eine sehr große Rolle. In Träumen vermischt der Protagonist auch schon mal das Eine mit dem anderen.

Sprachlich ist dieser Roman wieder sehr gut gelungen. Der Autor erzählt mit einer phänomenalen Leichtigkeit, kurz und knackig, und packt so viele Informationen in wenige Seiten, oftmals zwischen den Zeilen, dass ich immer wieder nur staunen kann. Dabei zeichnet er ein dichtes Bild seines Protagonisten, der in vieler Hinsicht immer nur der Zweite ist und im Schatten steht. Dies alles schafft Thommie Bayer mit sorgfältigen, treffsicheren Formulierungen, die das Lesen zu einem wundervollen Vergnügen machen.

Wie man es von Thommie Bayer gewohnt ist, gibt es auch wieder viele Erwähnungen von Musikern und Musiktiteln. Hier hat man es als älteres Semester einfacher, sich einzufühlen.

Fazit:
 „Seltene Affären“ ist zwar der Gegenpart zu „Weißer Zug nach Süden“, kann aber ohne Weiteres auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Wer einen feinsinnigen Roman der leisen Töne sucht, der ab und zu auch zu überraschen weiß, ist hier genau richtig.

★★★★★

Herzlichen Dank an den Piper Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar für die Leserunde auf leserunden.de zur Verfügung stellte.


Direktlinks zu meiner Rezension:
https://lillisbuchseite.wordpress.com/2016/08/14/rezension-zu-seltene-affaeren-von-thommie-bayer/
http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php/topic,41873.msg924395.html#new
http://www.literaturschock.de/literatur/belletristik/gegenwartsliteratur/discussions/review?id=10697
https://www.amazon.de/review/R17GZUVI0AKSOZ/ref=cm_cr_rdp_perm
http://wasliestdu.de/rezension/thommie-bayer-konnte-mich-wieder-mal-ueberzeugen
http://www.lovelybooks.de/autor/Thommie-Bayer/Seltene-Aff%C3%A4ren-1235961877-w/rezension/1267831108/

Link zur Buchseite (als Lilli33 gepostet):
https://www.lesejury.de/thommie-bayer/buecher/seltene-affaeren/9783492056113?st=1&tab=reviews&s=2#reviews


Vielen Dank an Thommie für die Begleitung unserer kleinen Leserunde und an alle MitleserInnen für die interessanten Eindrücke. Es war wie immer schön mit euch, obwohl ich sagen muss, dass es mir ein wenig zu langsam voran ging. Es fiel mir schwer, mich zurückzuhalten ;)

Offline dubh

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Peter Vorden lebt zwei Leben: von Montag bis Donnerstag Nachmittag verbringt er seine Tage in Frankreich und wohnt in einer kleinen Wohnung über dem exquisiten Restaurant, das er mit seinen Freunden Magali und George führt. Donnerstags setzt er sich dann in seinen Wagen und fährt ins Südbadische, wo er das Alleinsein genießt und sich mit dem Schreiben von Kurzgeschichten, Kaffee trinken, rauchen und zwischendurch Züge beobachten, die Zeit vertreibt.

Während in "Weißer Zug nach Süden" die Italienerin Chiara im Mittelpunkt der Geschichte stand, erlebt man in "Seltene Affären" exakt denselben Zeitraum aus dem Blickwinkel Peter Vordens. Die Berührungspunkte zwischen beiden Romanen sind die Aufenthalte Chiaras in Vordens deutscher Wohnung. Die deutlich jüngere Frau, die vertretungsweise seine Wohnung sauber hält, wird zu einer Art Sehnsucht für den etwas über Sechzigjährigen. Sie begegnen sich nicht, doch Vorden sieht sie per Zufall zu Beginn auf ihrem Roller, als sie sich gerade auf dem Weg zu seiner Wohnung befindet. Er findet sie attraktiv und fühlt sich in gewisser Weise angezogen, geht ihr jedoch ganz gezielt aus dem Weg... Trotzdem entspannt sich eine Art Dialog zwischen den beiden, die sich in Kleinigkeiten äußert: sie isst seine Schokolade auf, er besorgt ihr neue Naschereien; er findet eine CD in seiner Anlage, die sie ganz offensichtlich gehört haben muss; er legt seine neueste Geschichte bereit - in der Hoffnung, dass sie sie liest. Und dabei wird es nicht bleiben, auch wenn es - soviel darf ich vorausschicken - nie zu einem Kennenlernen kommen wird...

Während Chiara immer mehr zur Inspiration Vordens wird, erfährt man mehr über die Vergangenheit des Restaurantbesitzers und Schriftstellers, seine enge Verbindung zu seinem eineiigen Zwilling Paul und eine Frau, die eine große Rolle in beider Leben spielt...

Thommie Bayer ist einfach großartig! In einen relativ schmalen Roman eine solche Menge zwischenmenschlich Bedeutsames mit einer derart leichtfüßigen, treffsicheren und intelligenten Sprache zu verbinden und eine solch dichte Geschichte erzählen zu können, ist in meinen Augen hohe Kunst. Sätze, die ich so schön und zutreffend empfunden habe, dass ich sie zwei-, dreimal gelesen habe, und die mir einen Menschen, der in so vielen Belangen ganz anders ist als ich selbst, nahe gebracht haben, haben dieses Buch zu einer echten Bereicherung für mich gemacht. Ein tolles Leseerlebnis und ein toller Autor!

Volle Punktzahl, keine Frage.

*****

Zur Leserunde:

Vielen Dank an Euch alle - es hat großen Spaß gemacht, Eure Eindrücke zu lesen. :winken:

Ein ganz besonders herzliches Dankeschön geht an Dich, Thommie - dafür, dass Du Dir die Zeit für uns genommen hast und uns ein wenig hinter die Kulissen hast blicken lassen! Weiterhin ganz viel Erfolg mit Deinen Büchern und mindestens ebenso viel Freude beim Schreiben! Und ich hoffe sehr, dass wir uns mal wieder hier lesen. Danke!
"Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen."
(Theodor W. Adorno)

Offline nicigirl85

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Hier dann auch meine Rezension:

Meine Meinung zum Buch:

Titel: Herr Vorden schreibt Geschichten...

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um die lose Fortsetzung zu "Weißer Zug nach Süden", wobei man auch ohne Vorkenntnis des Vorgängers keine Verständnisprobleme haben sollte. Nur den einen oder anderen Aha- Moment verpasst man dann allerdings.

Während es im ersten Buch um die Haushaltshilfe Ciara ging, dreht sich hier nun alles um ihren Arbeitgeber Peter Vorden, dessen Zwillingsbruder Autor ist.

Die Handlung wird uns über Herrn Vorden als Ich- Erzähler nahe gebracht, weshalb wir sehr intensiv seine Gedanken- und Gefühlswelt erleben dürfen. Es sind vor allem die eher leisen Momente, die das Besondere bei diesem Roman ausmachen, denn man wird beim Lesen doch sehr nachdenklich.

Wir erleben das Leben von Herrn Vorden sowohl als jungen Erwachsenen als auch als älteren Herren, so dass wir dadurch auch den Wandel der Zeit spüren können.

Es gelingt dem Autor Thommie Bayer mal wieder mit recht wenigen Worten so viel zu erzählen. Auch wenn der Roman nicht mal 200 Seiten aufweist, so hat er doch so viel zu bieten. Was macht uns glücklich im Leben? Und bereuen wir, was wir bisher getan haben?

Fazit: Ein Kleinod unter den Romanen. Ich kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen. Klasse!

Bewertung:  5/ 5 Sternen

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Rezensionslinks:

Amazon: https://www.amazon.de/review/R2ZKT64SM6J59H/ref=cm_cr_rdp_perm

Mein Blog: http://nicigirl85.blogspot.de/2016/10/rezension-thommie-bayer.html

Goodreads: https://www.goodreads.com/review/show/1772857358?book_show_action=false&from_review_page=1

Lovelybooks: https://www.lovelybooks.de/autor/Thommie-Bayer/Seltene-Aff%C3%A4ren-1235961877-w/rezension/1348902704/

Wasliestdu: http://wasliestdu.de/rezension/herr-vorden-schreibt-geschichten

Literaturschock- Hauptseite: http://literaturschock.de/literatur/belletristik/gegenwartsliteratur/thommie-bayer-seltene-aff%C3%A4ren

Literaturschock- Forum: http://literaturschock.de/literaturforum/index.php/topic,41873.msg931213.html#msg931213
"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)

 

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