Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen, etc. (bitte ohne Spoiler)  (Gelesen 535 mal)

Offline Heimfinderin

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Falls wir uns nicht mehr sehen/hören/lesen: Ich wünsche euch allen frohe Feste und natürlich ein gutes neues Jahr 2017! :daumen:

Das wünsche ich dir auch!  :)  :winken:
Liebe Grüße
Barbara

Offline odenwaldcollies

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Das wünsche ich dir ebenfalls, lieber Andreas  :winken:
Liebe Grüße
Karin

Offline Rhea

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  • Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen is
Lieber Andreas, ich weiß nicht, ob Du noch rein schaust, aber da Du um meine Schulden weißt, scheinst Du das zu tun :)
Ich bin wieder spät und ich befürchte, ich kann auch nicht so toll schreiben, aber wenigstens ist hier meine Rezension. Die anderen beiden habe ich nicht vergessen.
Ich wünsche Dir auch schöne (ent)spannende Feiertage und viele neue Ideen im nächsten Jahr. Wir sehen uns ja sicher in Dortmund?


Wieder neue Universen voller Rätsel

Andreas Brandhorst hat in seinen Büchern ein Thema, welches sich in Variationen immer wieder findet. Er sucht nach der Hoffnung, auf die eine oder andere Weise dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Einmal gibt es die Möglichkeit, als Toter weiter zu leben, ein anders Mal kann man noch ein  wenig nach dem Tod weiter leben, man wird Unsterblich, weil das Altern besiegt wurde oder, wie diesmal, einige werden auserwählt für ein unsterbliches Leben, nachdem sie schon einmal tot waren.
Warum sie ausgewählt werden, wissen wir nicht, eines der vielen Rätsel, die der Roman für den Leser bereit hält. Aber  wir wissen wohl, wer sie auswählt, die wenigen, die ein zweites unsterbliches Leben erhalten. Es ist ein mysteriöses Volk, die Omni.  Die Omni leben in einem riesigen Universum, wie sollte es anders sein. In einer weit entfernten Zukunft wird das Universum (oder auch die Universen)  riesig sein. Das Omni- Universum ist sehr detailreich ausgearbeitet. Das Glossar am Ende des Buches ist dementsprechend umfangreich und vermittelt einen Eindruck über die unvorstellbare Größe der Welt, die den Hintergrund  bildet, auf dem die Geschichte angesiedelt ist. Man muss das Glossar nicht lesen, um die Geschichte zu verstehen, aber es unterstützt das Zurechtfinden in dieser Welt, in der unter anderen Superzivilisationen auch die der Omni lebt.
Die Erde ist ein verödeter Ort, zu dem nur noch wenige die Koordinaten kennen. Die Menschheit hat eigentlich in dieser Welt nichts mehr zu sagen. Sechs Reisende wurden vor 10 000 Jahren  unter den Menschen ausgewählt, als Repräsentanten der Omni  zu reisen und behutsam in die Geschicke der Welt einzugreifen. Dabei darf das Ethos nicht verletzt werden. Das Ethos, dessen wichtigste Mahnung darin besteht, keine Veränderungen im Zeitstrom zuzulassen,  da sich dadurch unvorhersehbare Katastrophen einstellen würden. Warum sie trotzdem eingreifen, ist  ein weiteres Rätsel.
Aurelius – einer der Reisenden - ist einer der Hauptpersonen der Geschichte. Er ist klug und sanft, prinzipientreu und verständnisvoll – ein absolut sympathischer Charakter, der  mich sehr an Bartholomäus aus „Das Schiff“ erinnerte. Wie dieser war er mir sofort sympathisch.  Was aber sind seine Intentionen bei dem Auftrag, den er freiwillig übernimmt und dabei seine Unsterblichkeit aufs Spiel setzt?
Zwei weitere Protagonisten sind Vincent und Zinnober, Vater und Tochter. Vincent war Angestellter einer Organisation, für die er von Spionage über Diebstahl bis Mord alles getan hat. Seine Tochter hat er erst Jahre nach ihrer Geburt kennengelernt und sie hat sein Herz erweicht, so dass aus dem kaltschnäuzigen Agenten, der die Mutter des Mädchens berechnend in sich verliebt gemacht und mit falschen Versprechungen gelockt hat, plötzlich ein sorgender Vater wurde. Er ist aus der Agentur ausgeschieden, was nicht so einfach ist, also versteckt er sich seit Jahren mit seiner Tochter auf einem einsamen Planeten. Als er ohne Skrupel die Mutter des Mädchens im Stich ließ, war er noch egoistisch nur auf sein eigenes Leben bedacht, aber als er erfährt, dass das Mädchen bei ihr seine Tochter ist, ändert sich alles. Wie kann so ein Charakter mir sympathisch werden?  Er hat mir bis zum Ende des Romans keine wirkliche Sympathie abringen können. Er ist noch nicht einmal fit auf dem Gebiet, welches seine ursprüngliche Profession war. Für mich erschien er immer wieder als Looser. Mit viel Risikobereitschaft und wenig Erfolg. Seine Tochter hat viel Empathie und ist ein liebes Mädchen, teilweise viel kompetenter als ihr Vater. Sie ist ein wenig der Kontrapunkt zu Vinzent und hat mir gut gefallen.
Diese drei Personen sind nun mit unterschiedlichen Motiven an der Geschichte beteiligt und haben schließlich neben dem Boss der Agentur noch eine riesige unbesiegbare Vernichtungsmaschine zum Gegner. Werden sie sie aufhalten können? Unterstützung erhalten sie dabei von einer Schiffsintelligenz, die sich selbst den Namen "Cassandra" ausgesucht hat. Die Art, wie sie in der Geschichte agiert hat mich an die Gehirnschiffe von Anne McCaffrey erinnert. Sie wird für den Leser  zum eigenen sehr sympathischen Charakter um dessen Existenz man ebenso bangt, wie bei den anderen Protagonisten.
In der Kurzfassung klingt der Plot der Geschichte ziemlich nach Agententhriller. Aber es gibt viele Zwischenstopps, die wieder die sprühende Phantasie des Autors zeigen. Seine Beschreibungen lassen bei mir die wunderlichsten, grusligsten und wunderbarsten Bilder entstehen, auch wenn sie in meiner Vorstellung etwas schrumpfen. Ich kann mir einfach diese riesigen Dimensionen nicht vorstellen, das gebe ich ehrlich zu. Ich versuche auch nicht die technischen Details zu verstehen, von denen es jede Menge in der Geschichte gibt.  Mich interessieren immer mehr die Personen und die Geschichte, aber ich weiß, dass es viele Science Fiction Leser gibt, die zum Beispiel eine glaubhafte Erklärung brauchen, wie man so große Entfernungen überwinden kann.
Was mir an der Geschichte gefällt, sind die Rätsel, die Wendungen, die unerwartet kommen – wie auch wieder in diesem Roman. Schön ist es für mich allerdings, wenn die Auflösungen auch im Roman kommen. Hier bleiben aber doch einige Fragen offen. Warum waren ausgerechnet Vincent und Zinnober die Hauptakteure? Auch wenn eine vordergründige Erklärung geliefert wird, bleibt diese Frage bei mir offen.  Außerdem bleibt bei mir auch offen, welche Gründe es geben sollte, dass solche Superzivilisationen wie die Omni (oder im "Schiff" die Roboter) Menschen brauchen. Ich bin von der Besonderheit der Menschen gegenüber höheren Wesen nicht überzeugt. Sollte es wirklich die Möglichkeit sein, dumm zu handeln, die den Menschen so unverzichtbar macht? Gegen jede Logik Entscheidungen zu treffen? Ich weiß es nicht, aber es überzeugt mich nicht. So gibt es einige Fragen, die bei mir aufkamen. Wir können uns nicht vorstellen wie es ist, 10 000 Jahre zu leben. Aber würde man nach so vielen Jahren, die man reisend durch verschiedene Universen verbracht hat, wirklich noch die alten Griechen zitieren? Würde man wirklich noch Sehnsucht nach der Erde haben, die inzwischen unbewohnt, öde und vertrocknet ist, verschwunden aus den Karten der Welt? Würde man wirklich mit alten Revolvern schießen?
Ich kann das nicht glauben. Die zentrale Stellung der Menschen und ihrer Kultur in Universen, in denen sie nur noch verstreut leben, ist für mich nicht logisch. Wie gesagt, die Technik überprüfe ich nicht auf ihre logische Machbarkeit, aber in den sozialen Beziehungen stören mich eben solche (für mich) Unstimmigkeiten.

Aber das sind in der Geschichte Kleinigkeiten und dies ist der Auftakt zu einer Serie. Man darf gespannt sein, wie sich alles, vor allem die Charaktere weiter entwickeln.

Fazit:
Omni ist wieder ein fantastisches Universum und der Roman erzählt eine interessante, spannende und oft berührende Geschichte, mit  ungewöhnlichen Wendungen. Ein Lesevergnügen für jeden, der an die Zukunft glaubt und sich gern im All herumtreibt.

Offline Andreas Brandhorst

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Omni ist wieder ein fantastisches Universum und der Roman erzählt eine interessante, spannende und oft berührende Geschichte, mit  ungewöhnlichen Wendungen. Ein Lesevergnügen für jeden, der an die Zukunft glaubt und sich gern im All herumtreibt.

Auch dir besten Dank für deine Rezension.  :daumen:
Ich wünsche euch allen Frohe Weihnachten und ein in jeder Hinsicht gutes neues Jahr 2017!

Beste Grüße
Andreas

 

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