Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen, etc. (ohne Spoiler)  (Gelesen 385 mal)

Offline dubh

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Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr nach der Leserunde schreiben wollt. Denkt bitte daran, dass Eure Rezensionen eine Art "Gegenleistung" für die Freiexemplare der Verlage sind. Es wäre deshalb schön, wenn sich hier möglichst Alle beteiligen - ebenso ist ein Fazit zur Leserunde (gerne auch eines der Autorin) immer interessant.

Bitte vermeidet Spoiler und komplette Zusammenfassungen des Inhalts in den Rezensionen, da diesen Thread vielleicht auch Leute lesen, die "Sturmflimmern" nicht gelesen haben, es aber noch tun wollen!

Außerdem wäre es sicherlich für Moira als auch ihren Verlag cbt, der uns freundlicherweise Freiexemplare spendiert hat, schön, wenn Ihr Eure Rezensionen nicht nur hier, sondern auch auf anderen Internetseiten, Blogs und so weiter einstellen mögt.
"Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen."
(Theodor W. Adorno)

Offline kessi69

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Sturmflimmern von Moira Frank ist ein Debüt Roman, der mir schwer zu schaffen gemacht hat.
Hinzu kommt das es ein Jugendbuch mit der Altersfreigabe ab 14 Jahre ist.
Nach dem Klappentext bin ich auf so eine Geschichte , die fast nur aus Gewalt besteht, nicht gefasst gewesen.

Sofia freut sich mit ihren Freunden, ( Oscar , Nicky, Jeremy und später auch Abigail) auf die Sommerferien. Der Sommer scheint heiß zu werden und eigentlich wollen sie allen nur Spaß haben indem sie am Fluss beiden gehen , zu Jeremys Geburtstagsparty gehen oder einfach nur anhängen.
Doch kurz vor Beginn der Ferien geraten David, Oscars Bruder, und Sofia aneinander. Es kommt zu einer unschönen Schlägerei und beide werden für die letzte Woche der Schulzeit von der Schule suspendiert.
Von da an beginnt eine unaufhörliche Gewaltspirale . David und sein Freund Nazz schwören Rache und ziehen dabei noch das Pärchen Chloe und Tommy mit ins Boot.
Eine große Rolle spielen auch Schill und Harriet ( Mam und Das von Sofia) , selbst das ist nicht so wie es scheint. Dieses Kapitel in Sofias Leben fand ich sehr interessant und konnte es kaum erwarten bis sich die ganze Geschichte aus der Vergangenheit aufgelöst hat.
Die Autorin schildert wie sich aus Gewalt Gegen Gewalt entwickeln kann. Und ich bezweifle nicht das sich dies auch in der heutigen Zeit so abspielen kann.

Meine Meinung:
Eine Frage habe ich mir immer wieder gestellt ....muss man die Brutalität bis ins Detail schildern?  Auch die Verletzungen die daraus resultierende , müssen die so ausführlich beschrieben werden?
Dieses Buch hat mir einiges abverlangt, es ist nicht das übliche Lese vergnügen gewesen was ich sonst beim Lesen verspüre. Auch wenn der Schreibstil flüssig ist und der  Aufbau der Kapitel stimmig.  Darum fällt es mir besonders schwer eine Rezension zu schreiben die dem gerecht wird.
Du gehst nicht fort, du wechselst nur die Räume, du bist bei uns und gehst durch unsere Träume.


„Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne“
– Jean Paul

Offline Moira

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Danke für deine Rezension! Ich freue mich, dass es dir insgesamt gefallen hat, und es tut mir leid, dass dir die Gewalt im Buch so viel abverlangt hat. Da das denke ich noch ein paar mal in den Feedbacks kommen wird, fasse ich zumindest meinen Standpunkt zur Gewalt schon mal zusammen. Ihr habt ja teilweise in den einzelnen Leseabschnitten schon darüber geredet, dass ihr das ganz unterschiedlich seht (da habe ich mich auch nicht eingemischt, aber mitgeschrieben, sozusagen fürs nächste Mal! ;D ).

Hinzu kommt das es ein Jugendbuch mit der Altersfreigabe ab 14 Jahre ist.
Nach dem Klappentext bin ich auf so eine Geschichte , die fast nur aus Gewalt besteht, nicht gefasst gewesen.

Im Klappentext (innen im Buch, aber auch auf der Randomhouse-Website) ist ja von einer "gefährlichen Spirale der Gewalt" zu lesen. Nur im äußeren Klappentext steht es nicht, den sieht man aber glaube ich auch nur auf dem Buch. Ich weiß nicht, wie die Leserunden-Politik hinsichtlich Leseproben ist, aber ich denke, anhand der ersten Seiten sieht man zumindest schon, dass es sehr brutal wird. "Sturmflimmern" ist ein Roman über Gewalt. So habe ich ihn geschrieben und beabsichtigt und er ist vielleicht nicht 100% so vermarktet worden.
Ich finde die Altersfreigabe ab 14 gut, vor allem, weil nicht wie bei der FSK zwischen 12 und 16 gewählt werden muss. Mit 14 habe ich deutlich brutalere Bücher gelesen, darunter sowohl Jugendbücher (die brutalsten waren die "Klassiker", aber auch ein paar dieser typischen "Problembücher") als auch Erwachsenenromane.
Kurz gesagt denke ich, dass es nicht jedermanns Sache ist, und umso mehr hoffe ich, dass ihr nicht nur aus Verpflichtung durchgehalten habt, sondern die Lektüre euch trotzdem etwas geben konnte! :)

Eine Frage habe ich mir immer wieder gestellt ....muss man die Brutalität bis ins Detail schildern?  Auch die Verletzungen die daraus resultierende , müssen die so ausführlich beschrieben werden?

Ich persönlich bin davon überzeugt, Gewalt und Schmerzen realistisch zu beschreiben. Erstens aus Gründen der Spannung: Ich will bei meinen Lesern Emotionen hervorrufen, positive wie negative, denn das ist genau das, was ich suche, wenn ich lese, und alle meine Lieblingsbücher lösen bei mir extreme Reaktionen aus. Zweitens, weil ich in meiner eigenen Erfahrungen mit fiktionaler und realer Gewalt nichts mit Gewalt anfangen kann, die verwischt und heruntergespielt wird, aus welchen Gründen auch immer. Was ich an Gewalt erlebt habe (alles außerfamiliär, von ein paar natürlichen Prügeleien unter Geschwistern mal abgesehen), war krass und tat weh und war vor allem demütigend. Hat Rache bedeutet. Ich erinnere mich, wie ich mich das erste Mal gegen jemanden gewehrt habe, der einen halben Kopf größer als ich und mehrere Jahre älter war, und es war unheimlich gut, sich zu wehren, und dann habe ich in seine Augen gesehen und wusste: Wenn du jetzt nicht ganz schnell richtig die Beine in die Hand nimmst, war’s das. Zwölf Jahre später sitze ich am Computer und reflektiere das natürlich besonnen als "Na ja, der hätte mich natürlich nicht umgebracht", aber damals? Und das will ich nicht nur nicht beschönigen, sondern auch so krass rüberbringen, wie es sich damals angefühlt hat.
Natürlich ist der Grad zur Gewaltverherrlichung schmal, aber ich arbeite daran und reflektiere, was ich schreibe, und gebe mir immer Mühe, verschiedenen Figuren verschiedene Ansichten und Haltungen zu Gewalt zu geben (Oscar, der Pazifist und Märtyrer; David, Opfer seiner Umstände, das Werkzeug, der Soldat; Sofia, explosiv, das "Erbe" ihrer Mutter im Hinterkopf; Jazz, der Spieler, dem der Schmerz anderer Spaß macht, Thrill und Macht und Erregung bedeutet; Schill, dessen Job irgendwann mal bloß Deeskalation war und dem seit zehn Jahren die Nerven blank liegen).

Mein neuer Roman wird kein Roman über Gewalt. Es gibt zwar bestimmt die ein oder andere blutige Szene, das ist halt einfach, was ich schreibe, aber deutlich weniger und in ganz anderem Kontext als "Sturmflimmern". Vielleicht gefällt er dir besser, und ich würde mich freuen, wenn wir uns in zwei Jahren nochmal lesen! :)

Offline kessi69

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Ich werde bestimmt dein nächstes Buch lesen. Gewalt liegt mir halt nicht so, das hat persönliche Gründe und bedeutet nicht das du keine gute Autorin bist. Dein Schreibstil hat mir gut gefallen. Nur das Thema nicht so ganz. Ist eben Geschmackssache  :)
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Offline Skyline

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Hier zunächst mal meine Rezension:

Actionreich mit hohem Gewaltanteil, leider ohne tiefergreifende Selbstreflexionen der Figuren

Klappentext
„Ein flirrend heißer Sommer in einer amerikanischen Kleinstadt: Die 15-jährige Sofia würde am liebsten einfach nur die großen Ferien genießen, mit ihren Freunden Partys feiern und im Fluss baden gehen. Doch mit ihrer eigensinnigen Art hat sie unbeabsichtigt den Konflikt zwischen ihrem besten Freund Oscar und seinem brutalen älteren Bruder David verschärft. Aus ein bisschen Geplänkel entsteht eine gefährliche Spirale der Gewalt. Dabei fangen mit der Ankunft eines alten Bekannten von Sofias Vater die Probleme gerade erst an ...“

Gestaltung
Ich mag das Cover sehr gerne, da mir die Pastellfarben sehr gut gefallen und sie schön aufeinander abgestimmt sind. Zudem ist es schlicht gehalten und passt so gut zur Geschichte, denn das Cover wirkt sehr erwachsen und deutet so schon daraufhin, dass das Buch – obwohl es ein Jugendbuch ist – eigentlich von jedem gelesen werden könnte, auch von Erwachsenen. Auch das Motiv der trockenen Landschaft finde ich sehr passend, da „Sturmflimmern“ in einer starken Hitzeperiode spielt.

Meine Meinung
„Sturmflimmern“ ist der Debütroman von der jungen Autorin Moira Frank und nachdem ich bereits ein paar Stimmen gehört hatte, die besagten, dass dieses Buch actionreich sein soll, musste ich mich als großer Action-Fan natürlich selber davon überzeugen. Und ich wurde nicht enttäuscht! Moira Franks Buch war für mich eine Achterbahnfahrt der Gefühle von erschüttertem Staunen über Herzrasen vor lauter Aufregung bis hin zu mitfiebernder Atemlosigkeit.

Zunächst möchte ich jedoch eine kleine Warnung aussprechen, denn dieses Buch befasst sich neben den Hauptthemen der Familie und Freundschaft vor allem mit Gewalt. „Sturmflimmern“ verdeutlicht eine Gewaltspirale, in der die jugendlichen Protagonisten gefangen sind und die sich bis zur letzten Seite hin immer weiter steigert. Leser, die also Probleme mit Gewalt, Brutalität und Verletzungen haben, sollten dieses Buch nur mit dem Bewusstsein in die Hand nehmen, dass die steigende Gewalt genau das ist, was „Sturmflimmern“ behandelt.

Ich persönlich fand die Darstellung der Gewalt einerseits sehr erschütternd, andererseits aber auch realistisch. Mich persönlich hat die sehr bildhafte und detailliert beschriebene Gewalt nicht gestört, da ich die (Ausnahme-)Situation, in der sich die Jugendlichen befunden haben, sowie die Motive und Motivationen verständlich fand. Natürlich war es manchmal auch auf der Gefühlsebene schwer, derart gewalttätige Szenen zu lesen (wenn beispielsweise Jugendliche einander mit Gewehren bedrohen oder Knochen gebrochen werden), aber dennoch war es auch faszinierend der steigenden Gewalt und der so entstehenden Spirale zu folgen. Die Figuren sind immer tiefer im Gewaltsumpf versunken, sodass ich stets ihre Beweggründe herausfinden und ihren eventuellen Ausweg aus der Gewalt verfolgen wollte, weswegen die Geschichte mich stets an die Seiten gefesselt hat.

Zudem habe ich mit der Hoffnung weitergelesen, dass die Figuren am Ende eine Entwicklung durchlaufen und zur Erkenntnis gelangen würden, dass Gewalt nicht immer die einzige Lösung ist. Leider muss ich diesbezüglich aber sagen, dass die Charaktere für meinen Geschmack angesichts der doch sehr gewalttätigen Handlungen zu wenig über diese nachgedacht und reflektiert haben. Die Selbstreflexion der Figuren hat mir einfach gefehlt, da diese für mich einfach zu kurz kam. Die Menschen haben kaum über ihre Handlungen nachgedacht und nur in Ansätzen gezeigt, dass sie ihre Taten hinterfragen oder bereuen. So wird die Gewalt nicht wirklich in Frage gestellt und es werden auch keine (Handlungs-)Alternativen aufgezeigt, wie es für mich wünschenswert gewesen wäre. Stattessen wird einfach nur thematisiert und aufgezeigt, dass man in gewalttätigen Handlungen versinken kann und dass diese sich als Konsequenz immer weiter steigern können.

Durch den intensiven Schreibstil von Moira Frank wurde das Buch zusätzlich zu etwas Besonderem, denn die Autorin hat es oftmals geschafft, dass ich mich nicht als Beobachterin fühlte, sondern eher so, als würde ich manche Szenen live und vor Ort miterleben. So hat sich in mir oftmals das Gefühl tiefer Erschütterung ausgebreitet und sich auf meinen Armen eine Gänsehaut gebildet. Moira Frank schafft es, den Leser zu schockieren und an ihre Geschichte zu binden. Auch das actionreiche Ende hat bei mir nicht nur aufgrund des fesselnden Schreibstils der Autorin, sondern auch aufgrund der hohen Dramatik ein Gefühl der Atemlosigkeit ausgelöst. Ich habe mit den Figuren gebangt, weil sich gerade auf den letzten Seiten die nervenaufreibenden Ereignisse immer weiter in die Höhe schrauben.

Fazit
Für mich war „Sturmflimmern“ ein actiongeladenes und intensives Leseerlebnis, das aufgrund des hohen Gewaltanteils gerade unter den Jugendlichen sicher nicht für jeden etwas ist. Schade fand ich, dass die Figuren ihre Handlungen so wenig reflektiert haben und dass sie am Ende bezüglich des Gebrauchs von Gewalt keine tiefergreifenden Erkenntnisse erlangt haben. Gefallen hat mir an diesem Buch jedoch, wie Moira Frank es schafft, den Leser in die Welt des Buches zu ziehen und die jeweiligen Situationen so real wirken zu lassen. Zudem wurde es beim Lesen nie langweilig, da ein für Atemlosigkeit und Überraschung sorgendes Ereignis das nächste gejagt hat.
4 von 5 Sternen! 

Reihen-Infos
Einzelband

Nun mein Leserundenfazit:
Ich fand die Runde mit euch super anregend und habe vor allem die Diskussionen und unterschiedliche Wahrnehmung der Gewalt interessant gefunden. Mein Dank geht auch an Moira für ihre tollen, ausführlichen Kommentare und Erklärungen! :) Es war wieder richtig toll mit euch und hat mir sehr viel Spaß gemacht!

Meine Rezension ist online auf:
Meinem Blog: http://skyline-of-books.blogspot.de/2016/11/rezension-sturmflimmern-moira-frank.html
Amazon: https://www.amazon.de/review/R2HUIPED1YXCUK/ref=cm_cr_rdp_perm
Thalia: http://www.thalia.de/shop/ab-14-jahre-11379/rezensent/?rezensent=127687&jumpId=1801862
Literaturschock Forum: http://literaturschock.de/literaturforum/index.php/topic,42770.msg939081.html#msg939081
Literaturschock Hauptseite: http://literaturschock.de/literatur/belletristik/kinder-und-jugendbuecher/moira-frank-sturmflimmern
WasLiestDu: http://wasliestdu.de/rezension/actionreich-mit-hohem-gewaltanteil-leider-ohne-tiefergreifende-selbstreflexionen-der
Lovelybooks: https://www.lovelybooks.de/autor/Moira-Frank/Sturmflimmern-1237526396-w/rezension/1360501347/
« Letzte Änderung: 17. November 2016, 19:53:49 von Skyline »
Es gibt mehr Schätze in Büchern als Piratenbeute auf der Schatzinsel... und das Beste ist, du kannst diesen Reichtum jeden Tag deines Lebens genießen. (Walt Disney)

http://skyline-of-books.blogspot.de/

Offline kessi69

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Auch von mir ein großes Dankeschön an Moira. Mir hat es ebenfalls gefallen mit euch über das Buch zu diskutieren und eure Sichtweisen kennen zu lernen. Gerne bin ich beim nächsten Mal wieder mit dabei. Ich schließe mich Skyline an.....hat Spaß gemacht  8)

Habe gerade meine Rezension bei

Hugendubel
Thalia
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Ebook.de und Bücher.de veröffentlicht
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– Jean Paul

Offline dubh

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Hallo Ihr Lieben,

nachdem es nun ruhiger geworden ist, möchte ich mich bei allen, die so munter diskutiert haben, bedanken. Ich kann verstehen, dass das Buch nicht für jeden gleich lesbar war - mir hat es dennoch sehr gut gefallen und ich habe den Austausch genossen. Vielen Dank dafür!

Ein ganz besonders herzliches Dankeschön geht an Dich, Moira! Dafür, dass Du uns so offen und aufmerksam begleitet hast und uns so manches Mal hinter die Kulissen hast blicken lassen! Es hat sehr viel Spaß gemacht! :-*
Hoffentlich lesen wir uns hier mit einem neuen Buch von Dir wieder - bis dahin wünsche ich Dir alles Gute, viel Freude weiterhin beim Schreiben und ebenso viel Erfolg mit "Sturmflimmern"!

Und - last but not least - noch meine Rezension:
*****
Sommer in einer Kleinstadt in Nevada. Die Hitze ist zehrend, aber die großen Ferien stehen vor der Tür - das bedeutet mit Freunden rumhängen, Partys feiern, im Fluß baden... eben lauter Dinge, die Spaß machen!
All das zum Greifen nahe, gerät die 15jährige Sofia heftig mit zwei älteren Jungs aneinander. Was mit Handgreiflichkeiten auf dem Schulflur beginnt, schraubt sich in einer Spirale der Gewalt stetig nach oben: Sofia hat unbewusst den Konflikt zwischen ihrem besten Freund Oscar und dessen älterem Bruder David angefacht und ahnt so kurz vor den Ferien nicht im Entferntesten was das bedeutet...

"Sturmflimmern" ist kein einfaches Buch, was ganz und gar nicht am Können der Autorin liegt, sondern am teilweise schwer verdaulichen Inhalt. Moira Frank hat ein schwieriges Thema aufgegriffen: extreme Gewalt zwischen Jugendlichen. Was wie ein harmloser Streit in der Schule beginnt, wird sehr rasch zu einem Schwelbrand und nährt zudem das Gefühl, das noch fürchterliche Dinge geschehen könnten...

Zusätzlich zu den immer größer werdenden Problemen zwischen den Jugendlichen, ist auch das Leben von Sofia, der Hauptfigur, nicht einfach. Früh hat sie ihre Mutter verloren und ihren Vater nie kennengelernt. Doch sie ist dennoch behütet untergekommen: bei einem ungewöhnlichen Pärchen, das öffentliche Aufmerksamkeit meidet und auch sonst einiges zu verbergen scheint.

Wer jetzt denkt, dass sich das spannend anhört, dem kann ich gleich sagen, dass es das auch ist. "Sturmflimmern" hat eine spannende Story, was zum einen mit der Geschichte Sofias und ihrer Eltern zusammenhängt, zum anderen, was den Konflikt zwischen Sofia, ihren Freunden und zwei älteren Jungs angeht.
Doch etwas muss vorab auch gesagt werden: einige Szenen sind nichts für LeserInnen mit schwachen Nerven, denn die Gewalt, die immer wieder ausbricht, ist detailliert und schonungslos geschildert. Das mag den ein oder die andere jetzt verwundern, handelt es sich doch um ein Jugendbuch, das ab 14 Jahren empfohlen ist... In meinen Augen ist diese Einordnung jedoch gerechtfertigt, denn ich bin mir sicher, dass Teenager in diesem Alter schon ausreichend Erfahrung mit Gewalt, Mobbing und/oder sonstigen verstörenden Dingen haben. Wenn nicht im 'real life', dann unter Garantie in Filmen oder Serien. Ich denke also nicht, dass es hier jemanden zu schützen gilt - dennoch gehen die Erlebnisse der Figuren durchaus unter die Haut, erschüttern und machen nachdenklich!
Der Autorin ist es in meinen Augen sehr gut gelungen, die Gewalt und ihre Folgen ohne jegliches Beschönigen darzustellen - der Schmerz und die Verzweiflung sind spürbar und genau das finde ich großartig. Schlicht und ergreifend aus der Ansicht heraus, dass genau das junge Menschen verstehen müssen: wenn man einen anderen Menschen beispielsweise schlägt, dann steht derjenige in der Regel nicht wie der strahlende Held eines Hollywood-Films wieder auf und hat nur eine kleine Blessur, die ihn nur noch sympathischer macht. Nein, hier schmerzt jeder Hieb, hier ist die Furcht in den Augen der Opfer echt und die krudesten Ideen der Täter jagen auch mir als Leserin Schauer über den Rücken.

Spannend sind übrigens nicht nur die Motivationen der jeweiligen Charaktere, sondern auch, die psychologische Dynamik und die Erkenntnisse Einzelner.

Zu den Figuren sei immerhin so viel gesagt, dass sie trotz so mancher unfassbarer Aktion glaubhaft sind - auch wenn das nicht leicht zu akzeptieren ist. Die Autorin hat hier einen richtig guten Job gemacht, denn auch wenn ich lange nicht alle Figuren sympathisch gefunden habe, so sind sie mir dennoch nahe gekommen. Sie und das von ihnen Erlebte, das mir nicht selten unter die Haut gegangen ist.

Kein einfaches Buch - wie schon gesagt. Aber eines, mit dem man sich auseinandersetzten sollte und das im eigenen Kopf arbeiten kann.

Volle Punktzahl.
*****

Die Links:
Literaturschock-Forum
Literaturschock-Hauptseite, 20.11.2016
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(Theodor W. Adorno)

Offline dubh

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Hallo Ihr Lieben,

ich bin schon sehr gespannt auf die noch ausstehenden Rezensionen! ;)

Herzliche Grüße
Tabea
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Offline Dani

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Mein guter Vorsatz fürs neue Jahr ist, Rezensionen mal wieder zeitnaher zu schreiben...  :-[ Aber diese hier gibt es immerhin noch dieses Jahr!

Eine amerikanische Kleinstadt in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Es ist Sommer und die Hitze liegt brütend über der Stadt. Dementsprechend aufgeheizt ist auch die Stimmung.

Die 15jährige Sofia und ihre Freunde wollen eigentlich nur den Sommer genießen. Im Fluss baden, Partys feiern und die Ferien ausnutzen. Doch ein schon lange andauernder Konflikt zwischen Sofias Freund Oscar und dessen älterem Bruder David verschärft sich und weitet sich auf die jeweiligen Cliquen aus. Die Situation spitzt sich gefährlich zu.

Noch dazu gibt es auch in Sofias Elternhaus Probleme, die in ihrer mysteriösen Vergangenheit begründet liegen und die nun ebenfalls wieder hochkommen.

All das zusammen mit den flirrend heißen Temperaturen gibt eine explosive Mischung.

Ich muss gestehen, ich hatte etwas anderes erwartet, als ich zu diesem Buch gegriffen habe. Das pastellfarbene Cover vermittelt einen anderen ersten Eindruck und auch die Buchbeschreibung lässt nicht wirklich erahnen, wie heftig es in dieser Geschichte zur Sache gehen wird. Dies als kleine Warnung vorab für alle, die eine lockerleicht zu lesende Jugend-Sommer-Geschichte erwarten!

Nachdem ich mich dann aber einmal in die Story hineingefunden hatte, fand ich das Buch durchaus spannend. Die vielen Gewaltszenen sind nicht immer einfach zu lesen, in meinen Augen kommt die Stimmung zwischen den Jugendlichen und in der Stadt allgemein aber sehr gut rüber, ich konnte mir das alles gut vorstellen und fand es auch (leider!) recht glaubwürdig. Gerade die sich immer weiter hochschraubende Gewaltspirale fand ich zwar bedrückend, aber auch in der Realität absolut vorstellbar.

Was für mich nicht so ideal gepasst hat, war die Geschichte um Sofias Vergangenheit und Herkunft. Das war für mich nicht so richtig schlüssig und kam mir etwas zu konstruiert vor, auch wenn dem eine spannende Idee zugrunde lag.

Insgesamt für mich ein überraschendes Jugendbuch mit vielen interessanten Themen und mehr Härte, als ich es erwartet hatte – aber durchaus empfehlenswert für alle LeserInnen, die keine Schwierigkeiten damit haben, wenn es in einem Buch etwas härter zur Sache geht und auch Gewaltszenen explizit beschrieben werden.
Liebe Grüße
Dani

Offline smyrill

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Meine Rezi kommt spät, entschuldigt bitte.
Ich bin ohnehin kein enthusiastischer Rezensionenschreiber, bei einem Buch wie diesem fällt es mir noch schwerer.
Eigentlich dürfte ich auch keine Rezi schreiben, denn ich bin eindeutig nicht die Zielgruppe dieses Buches.

Mir hat die Story an sich und der Schreibstil der Autorin gut gefallen.
Ich mag die Atmosphäre der "endlosen, heißen amerikanischen Sommer" und den Geschichten von Heranwachsenden in eben diesen Sommern. In dem Alter, in denen drei Monate noch eine endlose Zeit sind und in dem sich oftmals auch Schicksale entscheiden.

Ich bin grundsätzlich jemand, der nicht gerne Gewalt in Büchern hat... das ist nichts, worüber ich gerne lese.
Natürlich ist mein Urteil über ein "brutales Buch" dann von verschiedenen Faktoren abhängig... (Reihenfolge ist hier keine Rangfolge, ich glaube es gibt gar keine)
- von der Stärke/Härte der Gewalt
- von der Häufigkeit der Gewalt
- von der Notwendigkeit der Gewalt für die Geschichte

In Sturmflimmern war mir deutlich zu viel und zu starke Gewalt und für mich hätte die Geschichte auch mit weit weniger davon gut funktioniert.

Das ist auf jeden Fall aber eine ganz subjektive Einstellung und hat nichts mit der Qualität des Buches zu tun. Ich weiß, daß ich mich mit meiner Einstellung da ziemlich am "unteren Ende der Skala" bewege.
Hätte ich ansatzweise geahnt, was mich erwartet, hätte ich das Buch nicht mitgelesen.

Und das ist wohl auch mein größter Kritikpunkt: ich denke, es hätte besser darauf hingewiesen werden müssen, wie heftig das Buch ist.
Ich weiß nicht, wie "normal" diese Gewalt für ein Buch für 14jährige ist, vielleicht ist es da ja "völlig im grünen Bereich".

 

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