Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen (ohne Spoiler)  (Gelesen 386 mal)

Offline odenwaldcollies

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Ein wichtiger Punkt der Leserunden sind eure Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein – daher legen wir viel Wert darauf, dass ihr zum Abschluß euer Fazit hier einstellt.

Zahlreiche Rezensionen hier und die Streuung auf anderen Seiten steigern bei den Verlagen und Autoren die Attraktivität von Leserunden.de: Denkt daran, dass die Rezensionen für die Verlage die "Gegenleistung" für die Freiexemplare sind.

Wir freuen uns, wenn der/die AutorIn ebenfalls ein Fazit zur Leserunde einstellt.

Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen!

Wir freuen uns auch darüber, wenn ihr eure Rezension auf Literaturschock.de veröffentlicht. Eine Anmeldung ist hierfür nicht erforderlich.

« Letzte Änderung: 30. Oktober 2016, 20:09:22 von odenwaldcollies »
Liebe Grüße
Karin

Offline Emmy

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Vielen  Dank  euch  allen für  die interessante  Leserunde  :)


Hier  ist  mein Fazit:

Schon mit  den  ersten  Sätzen  dieser  Geschichte konnte ich  mich   in einer anderen faszinierenden  Welt  wiederfinden  und  Personen, Landschaften  und Orte  vor  mir  sehen wie  in einem Spielfilm.
Die einzelnen  Szenen  reihen sich so perfekt in die  Dramaturgie  des Spannungsbogens  ein  wie  auf  einer  Theaterbühne.  Zu  diesem  Eindruck  trägt  natürlich der elegante  und  hermetische Schauplatz  des  Luxushotels  im Siebengebirge   bei. Das  ist  ein  Ort, wo   die  unterschiedlichsten Menschen -  Familienmitglieder,  Gäste  aus verschiedenen Ländern  und Schichten  sowie  die  vielen Dienstboten -   zusammentreffen und dabei bleibt  es nicht  aus, dass  es  zu Konflikten  kommt, zu unterschwelligen  Spannungen  und  erotischen Verwicklungen  aller  Art  und Intensität.

Wir  lernen  die  Familie  Hohenstein,  deren  Hotelgäste und einige Angestellte  am Silvesterabend  1904/05   kennen  und  begleiten  sie ein Jahr  lang. Es  ist  die  Zeit der  Bel Époque  mit  ihren  eleganten  Festen  und gesellschaftlichen  Regeln.
Das  Hotel ist  schon seit langem  in Familienbesitz  und wird autoritär  geleitet  von Maximilian Hohenstein, der  nur  sehr zögerlich und  widerwillig   bereit  ist, einen  Teil seiner Machtposition an seinen  ältesten Sohn  Karl  abzugeben.  Der  jüngere  Sohn Alexander  studiert  Jura  und  wird  von seinem  Vater  nicht  sehr  ernst  genommen, während  er  die  Tochter  Johanna mit väterlicher Liebe  und Nachsicht  behandelt.

Maximilian`s streng  hierarchisch aufgebautes  Imperium  gerät bedrohlich  ins  Wanken, als  sein Halbbruder Konrad  auftaucht und  sich  im Hotel einmietet, um die  Leitung  in Zukunft mit  der  Familie  zu  teilen.   Das  Recht  dazu  hat  er  testamentarisch  vom gemeinsamen Vater  übertragen bekommen.
 
Der   weitere   Verlauf  der  Handlung  ist  geprägt  von Machtspielchen  und  Intrigen, die durchaus  nicht immer harmlos  sind  und  sich  vor  allem  gegen  Konrad  richten und die Familienangehörigen, die  ihm offen und  freundlich  begegnen.

Es  ist  bezeichnend, dass  alle   Personen in diesem  Roman  etwas  zu verbergen haben  und  ihre  Geheimnisse  hüten. Sie  alle  beherrschen  perfekt  das gesellschaftliche  Spiel  der  Maskierungen und  das ist  ihnen  inzwischen  so vertraut, dass  sie sich manchmal  sogar  selbst  belügen  und ihre  wahren  Gefühle verleugnen.
Diese  komplexen  seelischen  und mentalen Widersprüche    machen  die  Charaktere  sehr  interessant und facettenreich,  weil  sie alle irgendwie  ambivalent  sind in ihrem Verhalten  und  sich  einer  vorschnellen  Beurteilung  entziehen.  Das  ist  für  mich auch ein wichtiges  Qualitätsmerkmal,    wenn   Protagonisten Entwicklungen durchmachen, sich auch  mal verirren auf  ihren Wegen, umkehren und  neue  Ziele  suchen  und  nicht  von Anfang an eindeutig   auf  „gut“   oder   „böse“   festgelegt  sind.

Es  sind ja  zum Teil auch die  Umstände  und Erwartungshaltungen, von denen  ihr  Verhalten bestimmt  wird.  Da  gibt es viele  unterschwellige  Konflikte, die  noch nie ehrlich  und offen ausgesprochen  wurden, Abhängigkeiten und Ausbruchsversuche, die dann zu Mißverständnissen  und  Feindseligkeiten  führen.
Im Grunde führt jeder  zwei  Leben in diesem Hotel -  er wird  fast  dazu  "gezwungen", um Skandale  zu  vermeiden   -  eines  für  die Außenwirkung, die perfekte Fassade  und ein  eigenes, geheimes, von dem  keiner  erfahren darf.

Wer  gerne  Gesellschaftsromane  liest, die dramaturgisch  und  sprachlich ansprechend  gestaltet sind,  dabei  interessante Menschen  mit  all ihren Emotionen, Irrtümern  und persönlichen  Entwicklungen kennenlernen  möchte -  und dazu noch ein  Faible hat für  die  Zeit  um die  Jahrhundertwende   -  der  wird  mit  diesem  Roman anregende  Lesestunden  verbringen.

 :buchtipp:

(wurde  auch bei  amazon   und   literaturschock  eingestellt)
« Letzte Änderung: 13. November 2016, 19:08:55 von Emmy »

Offline buchregal123

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Vielen Dank für die schöne Leserunde.

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Die Gäste kommen regelmäßig und gerne in das Luxushotel Hohenstein im Siebengebirge. Das Silvesterfest soll wieder der Jahreshöhepunkt werden, doch für Maximilian Hohenstein gibt es eine böse Überraschung. Sein Halbbruder Konrad Alsberg taucht auf und macht seine Ansprüche geltend. Damit beginnt eine Zeit, in der es zu Verwicklungen und unangenehmen Vorfällen kommt.
Das Buch lässt sich wundervoll leicht lesen. Man wird von Anfang an in diesen Mikrokosmos Hohenstein versetzt und erlebt das komfortable Leben als Gast genauso wie das Familienleben der Hohensteins. Auch die Gegend ist sehr gut und bildhaft beschrieben.
Maximilian führt das Hotel nach seinen Vorstellungen und duldet keine Einsprüche und Neuerungen. Während er seine Tochter Johanna vergöttert, hat er über seine Söhne Karl und Alexander keine gute Meinung. Karl soll das Hotel einmal übernehmen und ist auch jetzt schon voll eingespannt, aber seine Vorschläge werden immer wieder abgelehnt. Alexander lebt in den Tag hinein und vernachlässigt sein Jurastudium. Johanna hat Verehrer, aber sie ist etwas naiv in ihrer Schwärmerei für Philipp, den Bruder ihrer Schwägerin Julia. Durch das Auftauchen von Konrad kommt es zu Verwerfungen in diesem Gefüge. Die Kinder finden ihren Onkel gar nicht übel, während Maximilian Konrad vehement ablehnt. Das Auftauchen von Konrad ist vor allem Anne ein Dorn im Auge und sie geht rücksichts- und gefühllos vor, um ihn wieder loszuwerden. Konrad aber ist ein sympathischer Mensch mit guter Beobachtungsgabe und viel Geduld, der weiß, wie er seine Interessen durchsetzen kann.
Allen Männern der Familie Hohenstein ist gemein, dass sie ihre Frauengeschichten haben und dass ihnen das keine Gewissensbisse verschafft. Das bekommt auch Julia zu spüren, deren Ehe mit Karl von Maximilian und ihrem Vater vereinbart wurde und eine geschäftliche Angelegenheit war.
Daneben lernen wir auch die dienstbaren Geister kennen, die ihre eigene Hierarchie haben. Doch für ihren Dienstherren sind sie nur Dienstboten. Auch das neue Dienstmädchen Henrietta bekommt das zu spüren, aber sie hat ihre eigenen Pläne. Jedes Jahr gibt es Diebstähle beim Silvesterfest und Maximilian verdächtigt natürlich das Personal, während er seine Gäste für über jeden Verdacht erhaben hält. Der Ansehen nach Außen ist wichtig und man tut alles dafür, dass dieses Ansehen keine Kratzer bekommt.
Alle Charaktere sind sehr vielschichtig beschrieben und man konnte die Irrungen und Wirrungen gut nachvollziehen, auch wenn man nicht alle Handlungen akzeptieren kann. Das Buch spielt zu einer Zeit, als die Männer noch das Sagen hatten und die Frauen als schönes Aushängeschild dienten. Aber es gibt in dieser Geschichte auch schon Frauen, die sich damit nicht begnügen wollen und zeigen, dass sie durchaus Verstand haben und in der Lage sind, selbst ihre Entscheidungen zu treffen.
Ein unterhaltsamer historischer Roman.
Liebe Grüße
Bruni

Offline odenwaldcollies

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Das Hotel Hohenstein am Drachenfels

Das Jahr 1904 neigt sich dem Ende zu – auch dieses Jahr reisen wieder zahlreiche Stammgäste im exklusiven Hotel Hohenstein an, um gemeinsam in einem rauschenden Fest das alte Jahr ausklingen zu lassen. Da taucht plötzlich der Halbbruder des Familienoberhauptes Maximilian Hohenstein auf und macht den Anspruch auf sein Erbe geltend. Während Maximilian sich nicht mit der neuen Situation abfinden will, gehen seine drei Kinder offener mit Konrad und dessen Ideen für das Hotel um.

Anna Jonas nimmt den Leser mit auf eine Zeitreise in das mondäne Hotel Hohenstein, idyllisch im Siebengebirge gelegen. Ihr gelingt es spielend, das Flair und die exklusive Atmosphäre des Hotels zu Anfang des letzten Jahrhunderts zu übermitteln. Auch die Besonderheiten der Gäste werden angerissen.

Im Mittelpunkt steht jedoch die Hoteliers-Familie Hohenstein: das Familienoberhaupt Maximilian und dessen Frau Anne, der mit strenger Hand die Geschicke des Hotels lenkt, sich aber Neuerungen gegenüber unzugänglich zeigt. Dagegen plant Maximilians Halbbruder Konrad einige Modernisierungen für das Hotel und rennt mit seinen Ideen beim ältesten Sohn Karl offene Türen ein.

Karl nimmt es mit der ehelichen Treue ganz und gar nicht ernst und auch sein Bruder Alexander lässt sich vom Leben treiben und verführt gerne die Dienstmädchen. Ihre Schwester Johanna, gerade zu einer jungen Frau erblüht und umschwärmt, träumt dagegen von einem byronschen Helden, der sie in seine Arme schließt.

Die Untreue der Hohenstein-Männer und ihre Folgen sind somit auch eines der Kernthemen des Romans. Und wie bestimmte einschneidende Ereignisse vielleicht ein Um- und Überdenken ihres Handelns auslösen können. Dabei ist der Roman durchaus auch gesellschaftskritisch, denn bei den Frauen wurden damals deutlich strengere Maßstäbe wie bei den Männern angelegt.

Gut gefallen hat mir, dass die Figuren vielschichtig dargestellt werden und sich im Laufe des Romans weiterentwickeln. Eine besondere Rolle nimmt das neue Stubenmädchen Henrietta ein, von der bald klar wird, dass sie einen bestimmten Plan im Hause Hohenstein verfolgt. Ich lag zwar mit meiner frühen Vermutung richtig, um wen es sich bei ihr handeln könnte, aber trotzdem konnte mich die Autorin am Ende mit einem bestimmten Detail ziemlich überraschen.

Bei der einen oder anderen Figur bleibt am Ende des Buches die Frage nach ihrem weiteren Werdegang vage, das stört aber nicht, denn die Autorin plant noch zwei weitere Bücher rund um das Hotel Hohenstein. Wie sie verraten hat, wird der nächste Teil Mitte der 1920er Jahre spielen. Ich bin schon sehr gespannt und freue mich auf das Buch.

Meine Rezension erscheint bei:
Amazon
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Piper Verlag
« Letzte Änderung: 25. November 2016, 12:40:21 von odenwaldcollies »
Liebe Grüße
Karin

Offline simmilu

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Habe letzte Woche leider krank im Bett gelegen und stelle deshalb meine Rezi in der kommenden Woche rein  :winken:

Offline odenwaldcollies

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@simmilu:
Ich hoffe, es geht dir wieder besser? Ansonsten gute Besserung  :trost:
Liebe Grüße
Karin

Offline simmilu

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Ja, danke, alles wieder gut  :bussi: War eine richtig blöde Erkältung...

Offline odenwaldcollies

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Das geht ja gerade ganz schön rum.
Liebe Grüße
Karin

Offline simmilu

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Stimmt, wo man hinhört... Naja, war ja zum Glück nicht so lange  :)

Offline simmilu

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So nun kommt auch meine Rezi. Vielen Dank an Laila/Anna für die Begleitung und an meine Mitleserinnen für die schöne Leserunde  :winken:

Zum Inhalt werde ich gar nicht soviel schreiben, der Klappentext sagt aus, was man bekommt : Nämlich einen sehr unterhaltsamen Gesellschaftsroman, mit dem man sich gemütlich auf die Couch kuscheln und abschalten kann.

Das Hotel mit seinen Bewohnern und Gästen spiegelt die damaligen gesellschaftlichen Ansichten und Klischees hervorragend wieder – genauso hätte ich es mir vorgestellt.
Interessant ist die Zeit, in der die Geschichte spielt. Das 20. Jahrhundert hat gerade begonnen und Neuerungen und Moderne hält überall Einzug. Aber eben sehr langsam, man steckt ja noch in den Anfängen und das zeigt sich auch sehr schön in der Gegenüberstellung der beiden Hohenstein - Brüder  Maximilian und Konrad.
Der eine Maximilian, legt Wert auf Traditionen und Altehrwürdiges. Ihm wäre es am liebsten, wenn sich nichts ändern würde, nicht mal seinem Sohn vertraut er mehr Verantwortung an. Natürlich will er nichts davon wissen, das sein Halbbruder Konrad seinen Erbanspruch geltend macht.
Der wiederum ist ganz anders. Aufgeschlossen seiner Familie und Modernisierungen gegenüber, steht jedem mit Rat und Tat zur Seite und setzt seine Anliegen auf ruhige, subtile Weise um.

Die Geschichte ist voll von den Gegensätzen dieser Zeit und ich finde, dadurch liest es sich peppiger und man wird zwischendurch mal aus dem klischeehaften Denken von damals herausgerissen – wie wohltuend !
Das die Vorkommnisse in der Geschichte, für meinen Geschmack etwas zu oberflächlich daherkommen, ist die einzige kleine Kritik, die ich anbringen möchte. Dafür punktet die Geschichte mit der unerwarteten Aufklärung einer Person, die im Hotel angestellt ist.
Besonders gut hat mir der Umgang und das Verständnis unter den Hohenstein-Kindern gefallen. Es war eine Freude zu lesen, wie viel sie für einander übrig hatten.

Eine sehr gelungene Geschichte, auf deren Fortsetzung im nächsten Jahr, ich mich schon sehr freue !

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« Letzte Änderung: 25. November 2016, 11:18:19 von simmilu »

Offline odenwaldcollies

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Nachdem nun alle Rezensionen eingestellt sind und es in dieser Runde ziemlich ruhig geworden ist, werde ich sie allmählich schließen.

Liebe Laila, ich danke dir für deine Begleitung dieser Runde und hoffe, dir hat sie ebenfalls viel Spaß gemacht.

Allen Teilnehmern danke ich für eure tollen Beiträge  :winken:
Liebe Grüße
Karin

 

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