Autor Thema: 02 - Seite 82 bis 168 (einschließlich Kapitel 6)  (Gelesen 893 mal)

Offline Ulrike Günkel-Kohl

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@ Brigitte

Obwohl ich immer an die Macht der Worte geglaubt habe, bin ich mir da inzwischen nicht mehr so sicher! Bei den ewig Gestrigen stößt man fast immer auf taube Ohren - das zeigt mir meine Erfahrung immer stärker.
Und was die "braune Brut" betrifft ( in einem kürzlich gelesenen Buch wurden sie "die Verirrten" genannt, was ich noch nie zuvor gehört habe, was es aber sehr gut trifft! ), glaube ich mittlerweile, dass konsequentes Ignorieren vielleicht nicht der schlechteste Weg ist...
Was wäre, wenn man ihnen die Aufmerksamkeit, die sie einfordern, nach der sie geradezu lechzen, einfach entzieht!? Dann wird ihnen die vermeintliche Wichtigkeit genommen - und was bleibt dann von diesen armseligen Kreaturen eigentlich noch übrig???
Das sind so Gedanken, mit denen ich mich derzeit herumschlage...

Offline Brigitte

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Ich kann gut verstehen, dass du so denkst ... aber ich fürchte, mit Ignorieren kommen wir nicht sehr weit. Die drängen sich doch überall so frech nach vorn. Ich hab mir angewöhnt, überall ganz direkt zu sagen, was ich davon halte - im Taxi, in der Bahn, in Diskussionen - ganz klar uind direkt. Und so manchen hab ich mit meinen Argumenten schon zum Verstummen bekommen ...

Offline dubh

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Ich denke Ignorieren bringt nichts, denn das haben schon nicht wenige Leute Anfang der 30er Jahre versucht. Gerade Konservative dachten, dass die Nazis wieder verschwinden, dass sie eine extrem provozierende Eintagsfliege sind...
Auch heute sind wir nicht davor gefeit, dass wir Nazis unterschätzen. Stelle Dir vor, wir ignorieren sie und sie verteilen CDs auf Schulhöfen um Schüler zu ködern. Stell Dir vor, wir beachten sie nicht und währenddessen halten sie Konzerte, Zeltlager und Demos ab. Stell Dir vor, wir lassen sie in Ruhe und sie mischen sich zu Themen unter's Volk, bei denen es Überschneidungen gibt und versuchen so, Kontakte zu knüpfen, Verbindungen herzustellen.
Die brauchen nicht zwingend Aufmerksamkeit - aber sie brauchen Menschen, die an sie glauben. Und wenn wir sie walten lassen, dann finden sie auch welche.
Wenn wir wegschauen bzw. nicht in die richtigen Ecken schauen, dann werden wir erst spät merken, dass es Menschen wie die, die dem NSU und seiner Unterstützerszene angehören, gibt.

Nein, ich bin überzeugt, das Ignorieren und Wegschauen alles nur noch schlimmer macht.
"Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen."
(Theodor W. Adorno)

Offline Brigitte

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ganz genau!  So sehe ich es auch ...
wenngleich ich schon zugeben muss, wie sehr mich dieser hohe Prozentsatz an rechter Gesinnung erschreckt (und abstößt), der jetzt überall hochploppt. Waren sie schon immer da? Und haben nur feig das Maul gehalten, um es jetzt dafür umso ungenierter aufzureißen, weil sie (fälschlicherweise ) denken, Nazigesinnung sei wieder hoffähig geworden?
Sorry für meine ungewohnt grobe Ausdrucksweise, ihr wisst, ich schreibe und rede sonst anders, aber diese Gestalten in der Tat bringen die niedrigsten Gefühle in mir hervor ... >:(

Offline dubh

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Waren sie schon immer da? Und haben nur feig das Maul gehalten, um es jetzt dafür umso ungenierter aufzureißen, weil sie (fälschlicherweise ) denken, Nazigesinnung sei wieder hoffähig geworden?

Ja, ich denke, Dir waren schon immer da. Und in Zeiten von "Flüchtlingskrisen" haben sie ihre Chance gesehen und sind noch mehr aus ihren Löchern gekrochen... Und sie treffen ja durchaus einen Nerv, alleine indem sie Ängste schüren oder gleich nutzen.
Sprich, Nazis finden in solchen Zeiten eben auch reichlich Mitläufer/Protestwähler/oder wie auch immer sie sich schimpfen. ::)
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Offline Klusi

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Waren sie schon immer da? Und haben nur feig das Maul gehalten, um es jetzt dafür umso ungenierter aufzureißen, weil sie (fälschlicherweise ) denken, Nazigesinnung sei wieder hoffähig geworden?

Ja, ich denke, Dir waren schon immer da. Und in Zeiten von "Flüchtlingskrisen" haben sie ihre Chance gesehen und sind noch mehr aus ihren Löchern gekrochen... Und sie treffen ja durchaus einen Nerv, alleine indem sie Ängste schüren oder gleich nutzen.
Sprich, Nazis finden in solchen Zeiten eben auch reichlich Mitläufer/Protestwähler/oder wie auch immer sie sich schimpfen. ::)
So sehe ich das auch, diese Meute mit der fäkalienfarbenen Gesinnung (wie überaus passend!  ::)) arbeitet mit den Ängsten der Bevölkerung, gerade im Hinblick auf alles Neue, Fremde. Gerade in der aktuellen Situation, wo viele Menschen aus anderen Ländern zu uns kommen, um Schutz zu suchen, sehen viele ihren persönlichen Wohlstand gefährdet, und da steigen die Rechten voll drauf ein.
Liebe Grüße
 Susanne

Offline Lerchie

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Da habt ihr nur zu recht, leider..
Liebe Grüße
Lerchie

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Offline Ulrike Günkel-Kohl

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Vielleicht muss ich da mal etwas klären. Denn mit Ignorieren meine ich keinesfalls Wegschauen!
Meine Gedanken gehen eher in die Richtung, den Neonazis und ähnlichem gefährlichen Volk einfach keine Plattform bieten. Sie genauestens zu beobachten, immer wachsam zu sein, aber ihnen eben öffentlich keine übersteigerte Aufmerksamkeit schenken, denn wenn sie so stark im Brennpunkt des Interesses stehen, wie ich das vor vierzehn Tagen bei einer Kundgebung hier in meiner Stadt erlebt habe, werden sie interessant für andere "Verirrte".
Und genau das werden sie auch, wenn ein langwieriger und teilweise einfach lachhafter Prozess wie der gegen die unsägliche Person Zschäpe derart in allen Medien breitgetreten wird.
Reden ist ja gut, - könnt ihr mir aber sagen, wie das anzustellen ist? Klar schweige ich nicht still, dennoch habe ich nicht das Gefühl, dass ich jemals irgendetwas auf verbalem Weg erreicht habe. Geht das nur mir so?
Was ich mir wünsche ist eine konkrete Handhabe des Staates gegen die gefährlichen Rechten, so dass ihnen ihr schändliches Treiben einfach untersagt wird....

Offline SABO

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  ... aber ich fürchte, mit Ignorieren kommen wir nicht sehr weit. Die drängen sich doch überall so frech nach vorn. Ich hab mir angewöhnt, überall ganz direkt zu sagen, was ich davon halte - im Taxi, in der Bahn, in Diskussionen - ganz klar uind direkt. Und so manchen hab ich mit meinen Argumenten schon zum Verstummen bekommen ...

  :daumen:

Ich denke, wenn es um solche Dinge geht, ist Ignoranz ist die schlimmste Sünde, die man seinem Herz und seinem Gewissen antun kann.
NO WAY!!!
Ignorieren kann ich einen Nachbarn, der "Leute" ärgern will, weil ihm langweilig ist. So ein Exemplar haben wir nämlich in der Nachbarschaft,
(wie wohl die meisten..) seitdem ich sein "Kleinbürger-Hobby" ignoriere, ist meine Seele entspannter und senkt auch den Blutdruck..

  :five:

Offline Klusi

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Vielleicht muss ich da mal etwas klären. Denn mit Ignorieren meine ich keinesfalls Wegschauen!
Meine Gedanken gehen eher in die Richtung, den Neonazis und ähnlichem gefährlichen Volk einfach keine Plattform bieten. Sie genauestens zu beobachten, immer wachsam zu sein, aber ihnen eben öffentlich keine übersteigerte Aufmerksamkeit schenken, denn wenn sie so stark im Brennpunkt des Interesses stehen, wie ich das vor vierzehn Tagen bei einer Kundgebung hier in meiner Stadt erlebt habe, werden sie interessant für andere "Verirrte".
Und genau das werden sie auch, wenn ein langwieriger und teilweise einfach lachhafter Prozess wie der gegen die unsägliche Person Zschäpe derart in allen Medien breitgetreten wird.
Reden ist ja gut, - könnt ihr mir aber sagen, wie das anzustellen ist? Klar schweige ich nicht still, dennoch habe ich nicht das Gefühl, dass ich jemals irgendetwas auf verbalem Weg erreicht habe. Geht das nur mir so?
Was ich mir wünsche ist eine konkrete Handhabe des Staates gegen die gefährlichen Rechten, so dass ihnen ihr schändliches Treiben einfach untersagt wird....
Ich weiß schon, was du meinst, liebe Ulrike, und das sind Gedanken, die ich mir auch schon gemacht habe. Wirkungsvoll ignoriert wäre so eine Kundgebung beispielsweise nur, wenn wirklich gar keiner Notiz davon nehmen würde, wenn sie ihre Kundgebung auf einem menschenleeren Platz abhalten würden, aber das wird man nie hinbekommen, denn dazu gibt es einfach zu viele Leute, die neugierig sind und aus diesem Grund mal dort vorbeischauen, und schon fühlen sich die Braunen wieder beachtet.
Liebe Grüße
 Susanne

Offline Brigitte

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Ich hatte einfach gehofft, dass unser Land tiefer demokratisiert ist. So bin ich selbst aufgewachsen, auch noch ein Nachkriegskind, wenn ihr so wollt, das mit 12 plötzlich kapiert hat, dass dieser Krieg, von dem sie alle zuhause immer geredet haben, 1945 aus war, d.h. "erst" 8 Jahre, bevor ich zur Welt kam. Dieses Bewusstsein hat mich wie ein Blitz getroffen (zuvor hätte es auch der 30jährige Krieg sein können). Es hatte also irgendwie mit mir zu tun, das hab ich damals verstanden - und ich glaube, in diesem Moment ist die Historikerin in mir geboren worden. Ich habe begonnen, mich für Geschichte und Zeitgeschichte zu interessieren, alles gelesen, was bei 3 nicht auf dem Baum war - und bei allem so froh zu sein, JETZT leben zu dürfen und in Sicherheit und Freiheit aufwachsen zu können.
Diese Dankbarkeit ist den meisten inzwischen vollkommen abhanden gekommen. Das ist für sie so selbstverständlich, dass einige besonders Fehlgeleitete sogar meinen, "ein bisschen Diktatur könne nicht schaden" - was mich jedes Mal fassungslos macht.
Nein, es gibt keine Alternative zur Demokratie, die ein hohes Gut ist, und wir alle müssen uns anstrengen, dass es so bleibt ...

Offline Lerchie

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Da hast Du sehr recht, liebe Brigitte!
Liebe Grüße
Lerchie

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Offline Ulrike Günkel-Kohl

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Ich kann dir in allem nur beipflichten, Brigitte! Ich selber bin zehn Jahre nach Kriegsende geboren und bei uns zuhause war der Krieg allgegenwärtig, bis heute, obwohl niemand darüber spricht. Nicht in meiner Ursprungsfamilie, dennoch bin ich mit den Folgen, die dieser Weltenbrand, der von einer Gruppe Größenwahnsinniger angezettelt wurde, großgeworden...
In meiner jetzigen Familie, das heißt mit meinen Kindern und Enkeln, ist die braune Zeit sehr wohl ein Thema,über das viel gelesen und geredet wird, - nicht umsonst sind zwei meiner Töchter Geschichtslehrerinnen geworden. Für mich selber war es leichter, Klassische Archäologie zu studieren. Aber von der Geschichtslinie abgewichen bin ich damit ja schließlich auch nicht...

Offline Brigitte

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Archäologie, das hätte mich auch sehr gereizt ... mit 11 "Götter, Gräber und Gelehrte" verschlungen, z. Teil im Stehen im Bücherbus, weil sie mir es nicht ausleihen wollten ...
aber so bin ich eben bei der "normalen Historie" (gibt es die eigentlich?) gelandet ...

Offline Dreamworx

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Vielleicht muss ich da mal etwas klären. Denn mit Ignorieren meine ich keinesfalls Wegschauen!
Meine Gedanken gehen eher in die Richtung, den Neonazis und ähnlichem gefährlichen Volk einfach keine Plattform bieten. Sie genauestens zu beobachten, immer wachsam zu sein, aber ihnen eben öffentlich keine übersteigerte Aufmerksamkeit schenken, denn wenn sie so stark im Brennpunkt des Interesses stehen, wie ich das vor vierzehn Tagen bei einer Kundgebung hier in meiner Stadt erlebt habe, werden sie interessant für andere "Verirrte".
Und genau das werden sie auch, wenn ein langwieriger und teilweise einfach lachhafter Prozess wie der gegen die unsägliche Person Zschäpe derart in allen Medien breitgetreten wird.
Reden ist ja gut, - könnt ihr mir aber sagen, wie das anzustellen ist? Klar schweige ich nicht still, dennoch habe ich nicht das Gefühl, dass ich jemals irgendetwas auf verbalem Weg erreicht habe. Geht das nur mir so?
Was ich mir wünsche ist eine konkrete Handhabe des Staates gegen die gefährlichen Rechten, so dass ihnen ihr schändliches Treiben einfach untersagt wird....
Ich weiß schon, was du meinst, liebe Ulrike, und das sind Gedanken, die ich mir auch schon gemacht habe. Wirkungsvoll ignoriert wäre so eine Kundgebung beispielsweise nur, wenn wirklich gar keiner Notiz davon nehmen würde, wenn sie ihre Kundgebung auf einem menschenleeren Platz abhalten würden, aber das wird man nie hinbekommen, denn dazu gibt es einfach zu viele Leute, die neugierig sind und aus diesem Grund mal dort vorbeischauen, und schon fühlen sich die Braunen wieder beachtet.

Da kann ich Dir nur beipflichten. Entweder es geht gar keiner hin und straft dieses Gesox ab mit Nichtachtung, oder es müssten so viele Menschen auf die Strasse gehen, dass die sich überrannt vorkommen und selbst Angst kriegen.
Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)

"Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
Albert Einstein

"Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
Oscar Wilde

 

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