Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen, etc. (ohne Spoiler)  (Gelesen 134 mal)

Offline dubh

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Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr nach der Leserunde schreiben wollt. Denkt bitte daran, dass Eure Rezensionen eine Art "Gegenleistung" für die Freiexemplare der Verlage sind. Es wäre deshalb schön, wenn sich hier möglichst alle beteiligen - ebenso ist ein Fazit zur Leserunde (gerne auch eines der Autorin) immer interessant.

Bitte vermeidet Spoiler und komplette Zusammenfassungen des Inhalts in den Rezensionen, da diesen Thread vielleicht auch Leute lesen, die "Die schöne Insel" nicht gelesen haben, es aber noch tun wollen!

Außerdem wäre es sicherlich für Tereza als auch ihren Verlag Bookspot, der uns freundlicherweise Freiexemplare spendiert hat, schön, wenn Ihr Eure Rezensionen nicht nur hier, sondern auch auf anderen Internetseiten, Blogs und so weiter einstellen mögt.
Bitte rezensiert das Buch auch auf unserer Hauptseite Literaturschock.de. Eine extra Anmeldung ist hierzu nicht nötig, Gastrezensionen werden manuell freigeschaltet.
"Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen."
(Theodor W. Adorno)

Offline Avila

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Shanghai, 1900. Die russischstämmige Ana fühlt sich in Shanghai heimisch. Doch als ihr Vater stirbt und sie dadurch zur mittellosen Waisin wird, muss sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Ohne richtige Heimat, denn als blonde junge Frau zählen die Chinesen sie kaum zu den ihren und in Russland ist sie nie gewesen, begibt sie sich auf eine Abenteuerreise, bei der sie nicht nur die Welt entdecken möchte, sondern vor allem auf der Suche nach ihrer eigenen Identität ist.

Ana ist ein starker, wenn teilweise auch naiver Charakter, dem der Leser durch das Buch folgt. Aus ihren stark europäisch geprägten und aufgeklärten Augen verfolgt man die Machtkämpfe zwischen Japanern und Chinesen und gegen die Ureinwohner auf der heutigen Insel Taiwan (im Buch Formosa). Dieses (politische) Geflecht, zu dem auch noch Missionare hinzukommen, ist nicht immer einfach zu verstehen, aber durch persönliche Schicksale von Nebenchararkteren schafft Tereza Vanek es simpel und unkompliziert dem Leser dies nahezubringen.

Neben Ana gibt es also eine Vielzahl an Nebencharakteren, die unterschiedlich stark in den Fokus geraten, aber in ihrer Widersprüchlichkeit spannende Figuren sind. So ist kaum ein Charakter auf ein Wesenszug beschränkt, sondern wandelt sich ohne dabei seinem Wesenszug untreu zu sein. Alles in allem fand ich die Charaktere sehr gut dargestellt, auch wenn manche Handlungsmotive sich erst später erklären und zu einem stimmigen Bild werden.

Der Schauplatz China mit Shanghai als große Stadt und später dann Taiwan (ohne jetzt hier politisch Stellung zu beziehen, zu wem Taiwan nun gehört oder nicht gehört) fand ich sehr spannend. Ich habe bisher selten einen historischen Roman über Asien im Allgemeinen gelesen, aber merke, dass hier viel Potenzial drin steckt. Doch aufgrund der eigenen Herkunft ist der Zugang nicht so einfach, wie bei europäischen Schauplätzen, weil die Historie gänzlich unbekannt ist. Dies macht es aber nicht minder spannend - im Gegenteil! Der Roman hat auf jeden Fall meinen Horizont erweitert, auch wenn ich festgestellt habe, dass die Meinung über Macht und Landbesitz doch überall ähnlich ist und ähnlich brutal durchgesetzt wird.

Alles in allem ein weiterer toller Roman von Tereza Vanek, der sich auch sehr gut lesen lässt, wenn man die Vorgängerromane nicht kennt, da es sich hier um eine in sich abgeschlossene Geschichte handelt und eine neue Protagonistin in den Fokus nimmt.

Liebe Tereza, vielen Dank für deine Zeit und die Begleitung der Leserunde! Es war wie immer ein absoluter Zugewinn!  :bussi: Das Buch hat mir auf jeden Fall Lust auf Taiwan gemacht und ich hab schon ein paar Reiseblogs konsultiert und mich schlau gemacht. Scheint ein relativ einfaches Reiseland zu sein.  8)

Rezensionslinks:
Hauptseite Literaturschok
Großes Bücherboard von Literaturschock
amazon

LovelyBooks hat leider nicht funktioniert, ich probiere es später nochmal.

Offline Emmy

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Vielen Dank  an euch   für  die  spannende  Leserunde  und ganz  besonderen Dank an dich, liebe Tereza, für  die aufmerksame  Begleitung. :danke:

Hier ist  nun mein  Fazit:

Die  junge Russin  Anastassia lebt  mit  ihrer  Familie seit  ihrer  frühen Kindheit  in Shanghai. China  ist  ihre  Heimat  geworden, obwohl  der  Vater die  Erinnerungen  an Russland bewahrt   und seinen  beiden  Kindern  viel davon erzählt  hat.
Ihre  Eltern  betreiben dort um das  Jahr  1900 einen kleinen  Laden, Anastassia  unterstützt  sie  in  dem Geschäft, während  ihr  Bruder  Aron  seiner  Wege  geht.
Es  ist  ein erträgliches  Leben  für  sie, ohne  große  Höhen und  Tiefen.  Das  ändert  sich  allerdings schlagartig, als  ihr geliebter  Vater  stirbt  und die Mutter ihr eröffnet, dass  sie aus  einer früheren  Beziehung  des Vaters  stammt  und  sie  als  ihre  Stiefmutter  keine  Veranlassung  mehr  sieht, sich  weiterhin um sie  zu  kümmern.
Von heute  auf  morgen hat  Anastassia  alles  verloren,  was  ihr  Leben  bisher  ausgemacht hat – ein  Zuhause, ein  Auskommen,  Sicherheit, Geborgenheit  und das, was  sie  bisher für  ihre  Familie  gehalten hat.
Als  ihre Stiefmutter zusammen  mit dem Halbbruder  China verlassen hat, muss  sie  ihr  Leben  selbst  in die  Hand  nehmen.
Wer  nichts  und  niemanden  mehr  hat, kann  auch  nichts  mehr  verlieren  und  das  macht  sie mutig  und entschlossen.  Als  sie  eine  junge  Chinesin trifft, die offensichtlich Hilfe braucht, zögert  sie nicht lange  und nimmt sich ihrer  an. Da  sie  inzwischen eine  Anstellung  in einem  Laden  gefunden  hat, ist   ihre  Lage  nicht mehr völlig deprimierend.
Im  weiteren Verlauf  der  Handlung  macht  Anastassia  viele  neue  Erfahrungen, geht  auf  Reisen, lernt  fremde  Menschen  kennen  und  erfährt  auf  diese  Weise sehr  viel  über  sich  selber  und ihre eigentlichen  Wünsche  und  Ziele  im Leben.
Sie  begibt  sich  auf  eine  Reise, die sie  an verschiedene  Orte  führt, aber  vor  allem möchte  sie  lernen, sehen und  reifen, auch  wenn  es  ihr  vielleicht  nicht  bewußt ist. Wenn sie  vor  einer wichtigen Lebensentscheidung steht, wählt  sie oft  den  schwierigeren Weg. Sie  sucht  neue  Erfahrungen  und ist  neugierig  auf andere  Menschen  und  fremde  Orte.
Am Ende  erleben  wir  eine mutige,  entschlossene  junge  Frau, die nie  aufgegeben hat, sich  nicht  für  andere  Interessen einspannen ließ,  wenn  sie  ihren innersten  Überzeugungen  widersprachen.
Die politische und soziale  Situation in China  und  auf  der  Insel  Formosa  war  damals  sehr  kompliziert.
Die Interessen der Volksgruppen  und Stämme waren sehr unterschiedlich  und  es hat  sich über viele  Jahre  Hass  und  Misstrauen  aufgestaut  - eine  friedliche  Koexistenz lag  in weiter  Ferne .
Dazu   kam   noch  das alltägliche  Verständigungsproblem, die vielen  Sprachbarrieren. Es gab also  mehr  als genug Konfliktpotenzial und Feindschaften  zwischen Chinesen,  Japanern,  europäischen  Einwanderern  und  Geschäftsleuten,  Missionaren  und den Stämmen  der  Ureinwohner, die sich auch gegenseitig misstraut haben.
All  das  war  eine  explosive Mischung und Anastassia  wird  in Geschehnisse  involviert, die  sie  nie  mehr  vergessen  wird und  die  ihre  Einstellung  zu  Menschen  und ihren Ambitionen  für  immer  prägen werden.

Dieser  Roman führt  uns  in eine  vergangene, exotische  Welt  und nimmt  uns  mit  auf  eine  Reise  mit  vielen überraschenden und  emotionalen Erfahrungen und interessanten  Personen.

 :buchtipp:

Offline nirak

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Vielen Dank, dass ich hier mitlesen durfte. Die Geschichte von Ana und Clio hat mir gut gefallen.
Hier kommt meine Rezi, die ich auch noch im Netz verteilen werde  :winken:

Rezi:

Anastassia ist eine junge Russin, die in Shanghai aufgewachsen ist. Als junge Frau muss sie lernen, allein für sich zu sorgen. Ihre Stiefmutter ist mit dem Bruder in die alte Heimat zurückgekehrt. Für Ana kam dies nie infrage, ihre Heimat ist Shanghai. Dann begegnet ihr die Chinesin Clio, dieser geht es noch schlechter als ihr selbst und braucht Hilfe. Die Frauen freunden sich an und beschließen ihr Leben gemeinsam in die Hand zu nehmen. Während Ana zunächst bei dem deutschen Geschäftsmann Felix Hoffmann eine Anstellung bekommt, muss Clio in ein Missionshaus. Aber dort hält sie es nicht aus und Ana besorgt ihr ebenfalls eine Stelle bei Felix. Dieser ist von der jungen Chinesin fasziniert, doch Clio hat nur ihren ehemaligen Verlobten vor Augen. Vor Jahren musste sie den Japaner Nobu verlassen, aber ihr Denken galt immer noch ihm. Und so überredet sie Ana, sie nach Formosa zu begleiten. Dort lebt Nobu. Die Japaner haben die schöne Insel besetzt und christliche Missionare versuchen den Einheimischen, den Glauben Gottes zu erklären. Ana und Clio treten ihre Reise an, unterstützt von Felix Hoffmann. Sie alle habe die Hoffnung im Herzen auf eine schöne Zukunft.

Tereza Vanek nimmt ihre Leser mit auf die schöne Insel Formosa, diese liegt im West-Pazifik vor dem chinesischen Festland. Ihre Geschichte spielt um 1900. Die Japaner erheben gerade Ansprüche auf die Insel und die politische Lage ist mehr als schwierig. Vor diesem Hintergrund betritt die Protagonistin Ana die Insel. Sie ist westlich erzogen und trifft hier auf eine ganz andere Kultur. Aber sie ist weltoffen und findet sich schnell zurecht. Dies trifft weniger auf ihre chinesische Freundin Clio zu. Diese ist gefangen in ihren Traditionen und in ihrer strengen Erziehung. Für beide Frauen ist es keine leichte Zeit. Die Autorin hat diese Konflikte aber gut in Szene gesetzt. Mir hat gut gefallen, wie sie hier ihre Protagonisten agieren ließ. Die Handlungsweisen von Ana und Clio waren nachvollziehbar und durchaus auch logisch, wenn man die Herkunft der Frauen bedenkt. Sicher ist man nicht immer einverstanden mit dem, was so geschieht. Manchmal kam Ana mir einfach zu naiv vor und Clio zu steif. Es scheint fast so, als würden die Zwei sich gegeneinander ausgleichen.

„Die schöne Insel“ ist der dritte Band einer Reihe über China um 1900 der Autorin. Die Bücher sind aber unabhängig voneinander zu lesen, da jedes mal die Geschichte einer anderen Frau erzählt wird. Ich habe nur dieses Buch gelesen und nicht das Gefühl gehabt, mir fehle es an Wissen. Die beiden Vorgänger „Das Geheimnis der Jaderinge“ und „Die Rebellin von Shanghai“ liegen aber schon zum Lesen bereit.

Eine kleine Karte zu Beginn zeigt die schöne Insel und ein Nachwort am Ende klärt nicht nur Fiktion und Wahrheit, sondern klärt auch ein wenig die historischen Ereignisse der Insel um 1900.

„Die schöne Insel“ ist ein schöner historischer Liebesroman, der erzählt wie schwer es gerade Menschen hatten, die nicht derselben Gesellschaftsschicht entstammten oder sogar unterschiedlicher Kulturen angehörten. Mir hat er gut gefallen und ich hatte schöne Lesestunden. 

 :buchtipp:

https://www.lovelybooks.de/autor/Tereza-Vanek/Die-sch%C3%B6ne-Insel-1238806121-w/rezension/1489035602/

http://www.buchrebellin.de/bkf/index.php?topic=3825.msg60612#msg60612

https://literaturschock.de/literatur/belletristik/historische-romane/tereza-vanek-die-schoene-insel

https://literaturschock.de/literaturforum/index.php/topic,46194.msg980278.html#msg980278

https://www.lesejury.de/tereza-vanek/buecher/die-schoene-insel/9783956690501?st=1&tab=reviews&s=2#reviews

http://www.librarything.de/work/20246002/book/146120276

http://www.buechertreff.de/thread/98631-tereza-vanek-die-schoene-insel/?postID=2115612#post2115612

https://wasliestdu.de/rezension/die-schoene-insel

https://www.amazon.de/gp/customer-reviews/R2FOT27M8CZY8A/ref=cm_cr_arp_d_rvw_ttl?ie=UTF8&ASIN=B073RDHKVZ

https://www.thalia.de/shop/home/verknuepfung/die_schoene_insel/tereza_vanek/EAN9783956690501/ID45277998.html#reviewsHeader

https://www.weltbild.de/artikel/buch/die-schoene-insel_21652058-1#comments
« Letzte Änderung: 18. September 2017, 18:52:13 von nirak »

Offline Dreamworx

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Nochmals ganz herzlichen Dank ans Forum und vor allem auch an Tereza für die tolle Leserunde und die Begleitung zusammen mit all den Informationen. Mir hat die Runde sehr viel Freude gemacht. Anbei meine Rezension mit den dazugehörigen Links:

Exotisches Abenteuer

19. Jh. China. Seit frühester Kindheit ist Shanghai das Zuhause der jungen Russin Anastasia, ihrem Bruder Aron und ihrer Familie. Die Familie besitzt einen kleinen Laden, indem auch Anastasia mithilft. Als der Vater plötzlich stirbt, ist das für die Familie ein Schock. Doch dann erfährt Anastassia von ihrer Mutter auch noch, dass diese nur ihre Stiefmutter ist und sie sich in Zukunft nicht mehr um Ana kümmern will. Anas bekannte Welt bricht zusammen, denn Stiefmutter und Bruder übersiedeln zurück nach Russland und lassen sie allein zurück in Shanghai. Aber Ana sammelt alle ihr verbliebenen Kräfte und findet eine Anstellung beim Händler Felix Hoffmann. Kurz darauf trifft sie auf die Chinesin Clio, die aus einem Bordell geflohen ist und in einer Notlage steckt. Die beiden Frauen tun sich zusammen und begleiten Felix auf eine Reise zur Insel Formosa, wo dieser geschäftlich zu tun hat. Ana gefällt es auf der Insel und findet in der christlichen Missionsstation eine neue Aufgabe als Lehrerin, während Clio auf ihren Verlobten Nobu trifft, der sich inzwischen einer anderen Frau zugewandt hat. Werden die beiden Frauen auf Formosa bleiben, und welche Abenteuer werden sie erleben?

Tereza Vanek hat mit ihrem Buch „Die schöne Insel“ einen sehr unterhaltsamen und spannenden historischen Roman vor exotischer Kulisse vorgelegt. Der Schreibstil ist flüssig und gleichzeitig bildgewaltig. Er lässt den Leser schnell in die Handlung eintauchen, um an Anas Seite eine abenteuerliche Zeit zu erleben. Die Autorin verhilft dem Leser zu einer Reise von China bis hin zur japanisch besetzten Insel Formosa. Die Orts- und Landschaftsbeschreibungen ebenso wie die damaligen Lebensweisen und Traditionen der unterschiedlichsten Kulturen sowie die politischen Verhältnisse werden sehr schön beschrieben. Hier zeigt sich die akribische Recherchearbeit der Autorin, die diese Kenntnisse wunderbar mit ihrer Handlung verwebt hat.

Die Charaktere sind so vielfältig wie individuell angelegt, wobei die Autorin sehr darauf geachtet hat, den unterschiedlichen Kulturen der Protagonisten in ihrem Handeln und ihrer Denkweise gerecht zu werden. Sie wirken alle lebendig und authentisch. Ana ist eine junge Frau, die recht behütet aufgewachsen ist und von einem Moment, völlig auf sich allein gestellt, erwachsen werden muss. Wirkte sie vorher etwas unsicher, so besitzt sie doch die Neugier und den Mut der Jugend, sich ins Leben zu stürzen. Oftmals wirkt sie naiv und viel zu gutgläubig, doch sie streift Niederlagen auch schnell ab wie ein lästiges Insekt und tarnt es mit Gleichgültigkeit. Während des Romans gewinnt Ana immer mehr an Stärke und wird vor den Augen des Lesers erwachsen. Die Chinesin Clio ist aufgrund ihrer Erziehung das Gegenteil von Ana. Sie ist wirkt oft teilnahmslos, gleichgültig und oberflächlich, manchmal könnte man meinen, man habe ein verwöhntes Kind vor sich. Doch Clio hat schon einige Schicksalsschläge hinter sich und ist ein Kind ihrer Kultur, wo Gefühlsregungen einem Gesichtsverlust gleichkamen. Felix Hoffmann ist ein für seine Zeit recht fortschrittlicher Mann, der hilfsbereit, offen und ehrlich seinen Mitmenschen gegenüber tritt. Difang ist ein junger Mann, der keine Berührungsängste kennt. Allerdings ist er auch geheimnisvoll und manche seiner Handlungen sind nur schwer nachzuvollziehen. Auch die übrigen Protagonisten bilden eine schöne Ergänzung und tragen zur spannenden Handlung bei.

„Die schöne Insel“ ist ein farbenfroher und spannender historischer Roman, der Liebe, Verrat, Geheimnisse und verschiedene Kulturen miteinander vereint. Alle, die gern gedanklich in ferne Länder reisen und sich für abenteuerliche Geschichten interessieren, werden hier fündig. Auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

Links:
https://www.lovelybooks.de/autor/Tereza-Vanek/Die-sch%C3%B6ne-Insel-1238806121-w/rezension/1489045704/
https://literaturschock.de/literaturforum/index.php/topic,46194.0.html
https://literaturschock.de/literatur/belletristik/historische-romane/tereza-vanek-die-schoene-insel
http://wasliestdu.de/rezension/exotisches-abenteuer
https://www.lesejury.de/tereza-vanek/buecher/die-schoene-insel/9783956690501?st=1&tab=reviews&s=2#reviews
http://www.buechertreff.de/thread/98631-tereza-vanek-die-schoene-insel/?postID=2115626#post2115626
http://www.reliwa.de/review/show/11872

Die Rezension bei Amazon ist noch nicht freigeschaltet, reiche ich aber schnell nach.

Nochmals ganz herzlichen Dank und ich freue mich auf weitere Geschichten aus Terezas Feder. :winken:
Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)

"Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
Albert Einstein

"Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
Oscar Wilde

Offline Ulrike Günkel-Kohl

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Ich möchte mich zunächst für die Möglichkeit bedanken, an der Leserunde teilnehmen zu dürfen.
Danke auch für den regen Gedankenaustausch und die engagierte Begleitung der Autorin!

Meine Rezension werde ich auf unterschiedlichen Plattformen veröffentlichen, die Links stelle ich nach und nach hier ein.


Taiwan, von den Portugiesen Formosa, "die schöne Insel", genannt, ist neben der quirligen und bunten, von vielen Ausländern bewohnten Stadt Shanghai um das Jahr 1900 der Schauplatz des neuen Romans von Tereza Vanek.
Die russischstämmige Heldin Anastassia wird nach dem Tod ihres Vaters von der Stiefmutter verstoßen. Auf sich allein gestellt versucht sie in Shanghai zu überleben. Nachdem sie bei dem deutschen Kaufmann Felix Hoffmann eine Anstellung gefunden hat, begegnet sie der jungen Chinesin Clio, die aus einem Bordell geflohen ist, und nimmt sie unter ihre Fittiche. Clio lehnt den Heiratsantrag des Deutschen ab, da sie bereits versprochen ist - einem jungen Japaner, Nabu, der sich in Formosa befindet, der Insel, die Clio als ihre Heimat betrachtet.
Gemeinsam mit Anastassia macht sie sich unter dem Schutz von Felix auf den Weg zur schönen Insel, um den Verlobten zu finden. Doch gehen ihre Pläne nicht auf und Anastassia nimmt das Angebot des Missionars George Mackay an, ihn auf eine seiner Missionstationen inmitten des Urwaldes zu begleiten und dort bei der Krankenpflege und der Beschulung der Ureinwohner zu helfen. Mit der widerwilligen Clio im Schlepptau erfährt Anastassia eine neue Welt! Nicht nur macht sie die Bekanntschaft mit einer atemberaubend schönen, noch unberührten Natur sondern auch mit den Eingeborenen, ihrer Lebensweise und ihren Bräuchen. Schnell stellt sie jedoch fest, dass diese unbekannte, rätselhafte Welt in all ihrer Schönheit in Gefahr ist. Denn die Japaner, die die schöne Insel besetzt halten, treiben den Fortschritt unaufhaltsam und unbarmherzig voran...

Ja, dieser Roman entführt den Leser in eine vielfach fremde Welt! In eine Welt, die die Europäer und ihre Denkweise zunächst vor ein Rätsel stellt und an die sich anzunähern schwer fällt.
In den beiden Hauptcharakteren Anastasia und Clio prallen West und Ost aufeinander. Die beiden Frauen nähern sich zwar einander in gewissen Punkten an, doch bleibt bis zum Ende des Romans eine Kluft, die nur schwer und vielleicht nie wirklich zu überwinden ist.

Die junge Russin Anastassia stellt sich dieser Kluft. Mit viel Offenheit und Neugierde, die dennoch von ihrer westlichen Erziehung und deren Maxime geprägt ist, lässt sie sich auf die so ungewöhnliche und eigenartige Kultur ein, die ihr auf Formosa begegnet und findet allmählich Zugang zu den Ureinwohnern, taucht gar tief in ihre Welt ein.
Dies will der jungen Chinesin nicht gelingen, die sich deutlich abgrenzt von einer Welt, die, obwohl sie selbst Asiatin ist, nicht die ihre ist, von Menschen, die sie als nicht ebenbürtig betrachtet.
Sie ist arrogant, weitgehend selbstzentriert und erweist sich mehr als nur einmal für die tatkräftige und aufgeschlossene Anastassia als ein Hemmnis.

Der Leser mag sich fragen, warum Anastassia sich mit der Chinesin Clio belastet. Braucht sie sie als sachlich-nüchternen, fatalistisch-hinnehmenden Gegenpol zu ihrer eigenen emotionalen, sich gegen Ungerechtigkeiten aufbäumenden, gewiss nichts hinnehmenden Persönlichkeit? Oder entspricht es einfach ihrer mitfühlenden Natur, ihrem Verantwortungsgefühl, sich um die vermeintlich hilflose Person Clio zu kümmern? Hängt sie ihr aus lauter Einsamkeit an? Ihre Motivation wird bis zum Ende des Romans nicht klar.

Bis zum Schluss auch vermochte ich als Leserin es nicht, mich der Hauptperson wirklich anzunähern. Sie ist, obgleich Europäerin, für mich so wenig durchsichtig wie die allermeisten asiatischen Charaktere, die uns in diesem Buch begegnen. Nie habe ich jenen "hinter das Gesicht" sehen können, nie fand ich Berührungspunkte, die sie mir transparenter hätten machen können.
Ein Nahekommen gelang mir eigentlich nur bei einigen der Ureinwohner, die mir als einzige wirklich lebendig, wirklich echt erschienen, an deren Schicksal ich wahrhaft Anteil nehmen konnte. Hier ist es der Autorin gelungen, die Wärme und echte Herzlichkeit einzufangen, die Anastassia, Clio und alle anderen Charaktere des Romans nicht ausgestrahlt haben.
Und so lässt mich auch ihr weiteres Schicksal indifferent, meine Gedanken verweilen nicht über das Buch hinaus bei ihnen.

Gut gelungen jedoch sind Tereza Vanek zweifellos die Schilderungen sowohl der von Menschen nur so wimmelnden Stadt Shanghai als auch der vergleichsweise menschenleeren Insel Formosa und ihrer wilden Schönheit, an der sich zu vergehen sich die so westlich orientierten und gleichzeitig archaisch auf ihren Sitten beharrenden Japaner gerade anschicken. Trotz des nüchternen, nie Partei ergreifenden Erzählstils der Autorin spürt man die Gefahr, von der die schöne Insel bedroht ist, man fühlt die Vergänglichkeit, das Ende der Unschuld, den Verlust des Paradieses, die über ihr schweben. Und wird unwillkürlich von Traurigkeit gepackt....
Und auch die geschichtlichen Hintergründe, die für das Verständnis der im Roman stattfindenden Ereignisse erhellend sind, lässt die Autorin in ansprechendem Maße einfließen, ohne dass ihre Komplexität und langatmige Ausführlichkeit den Leser erschlägt.

Leser, die an asiatischer Historie, Lebens- und Denkweise und Traditionen interessiert sind, werden Tereza Vaneks Roman ganz gewiss zu schätzen wissen!


Offline Dani

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Etwas spät  :-[

Shanghai, im Jahr 1900. Anastassia wächst als Tochter russischer Einwanderer in Shanghai auf. Nach dem Tod ihres geliebten Vaters eröffnet ihr die Mutter, dass sie zurück nach Russland gehen wird, Anastassia aber nicht mitnehmen wird, da diese nicht ihre leibliche Tochter ist. Ana hat nun die Wahl, zu heiraten oder sich selbst durchzuschlagen. Sie wählt letztere Option und hat Glück, eine Anstellung im Laden von Felix Hoffmann zu bekommen, der ihr in vielen Dingen hilfreich zur Seite steht. Ob sich hier noch mehr entwickeln könnte? Doch Felix Hoffmann scheint sich eher für Clio zu interessieren, eine junge Chinesin, die aus einem Bordell geflohen und dabei zufällig Ana über den Weg gelaufen ist. Die beiden ungleichen jungen Frauen tun sich zusammen und trotz aller Unterschiede in Herkunft, Erziehung und Charakter werden sie Freundinnen. Diese Freundschaft geht so weit, dass Ana schließlich gemeinsam mit Clio in deren Heimat, auf die Insel Formosa reist, wo die junge Chinesin einst ihre große Liebe zurückgelassen hat. Dort angekommen, findet auch Ana endlich ein wirkliches Ziel in ihrem Leben.

Das Buch ist die lose Fortsetzung der China-Reihe der Autorin, die bisher die beiden Bände „Das Geheimnis der Jaderinge“ und „Die Rebellin von Shanghai“ umfasste. Man kann „Die schöne Insel“ aber problemlos ohne Vorkenntnisse lesen, denn Ana ist eine neue Protagonistin, die nur kurz in einem der Vorgängerbände erwähnt wurde.

Mir hat das Buch wieder gut gefallen, wenn auch etwas weniger als die beiden Vorgänger. Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt angenehm und einfach zu lesen. Die fremde, exotische Welt wird anschaulich beschrieben und es entsteht so ein gutes Bild vor meinen Augen. Etwas Schwierigkeiten hatte ich mit einigen Figuren des Buches, deren Handlungen und Motivation ich nicht so recht greifen konnte. Ana hingegen entwickelt sich glaubwürdig und ist eine sympathische Protagonistin, auch wenn ich nicht jede ihrer Entscheidungen nachvollziehen konnte – das muss aber ja auch nicht sein.
Ein großer Fokus des Buches liegt auf Beziehungen von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und den daraus entstehenden Problemen und Schwierigkeiten. Das fand ich sehr spannend und interessant zu lesen. Auch die Beschreibung der Insel Formosa (heute Taiwan) und ihrer Geschichte war für mich sehr lehrreich, da ich hierüber bisher kaum etwas wusste.

Insgesamt ist der Autorin hier wieder ein schöner historischer Liebesroman vor interessanter Kulisse gelungen – ich bin gespannt, wohin sie uns beim nächsten Mal entführen wird!
Liebe Grüße
Dani

Offline Tereza

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    • Tereza vanek
So, dann bedanke ich mich noch bei euch allen für die Teilnahme an der Leserunde und eure Rezensionen. Es hat mir viel Spaß gemacht und ich hoffe, euch hier beim nächsten Buch wiederzutreffen.

 

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