Autor Thema: 01: Prolog und Erster Teil  (Gelesen 585 mal)

Offline ysa

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@Tom: Danke für die Übersetzung! Ich hab da gleich noch eine Frage...was bedeutet "prutt" (sofern ich meine Notizen richtig entziffert habe). Nur als Erklärung für mein Unverständnis: ich lebe im Süden Österreichs :unschuldig: (akutell übrigens mit ung 40cm Neuschnee)

Mit Tenbrink habe ich Mitgefühl, es tut mir echt leid das seine Frau gestorben ist. Und das er nun auch noch Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis hat. Gut das ihn Betram zur Seite steht und diese Schwäche ausgleicht. Ich hoffe er geht irgendwann zum Arzt.

Mein Mitgefühl hat er auch! Ich finde dieses langsame "Sich-Verlieren" wirklich tragisch. Kennt ihr Wallander? Natürlich! (war eine dämliche Frage!) In diesen Krimis waren immer wieder wirklich grausame Szenen. Für mich persönlich die schlimmste war aber jene, als Wallander seine geliebte Enkelin nicht erkennt. Das hat mir persönlich sehr zugesetzt und deshalb hoffe ich, dass Tenbrink bald zum Arzt geht. Es gibt ja durchaus reversible Ursachen für Vergesslichkeit. Und Tom hat hoffentlich 10 Bände geplant...

 :winken:
« Letzte Änderung: 09. Dezember 2017, 19:34:34 von ysa »
Liebe Grüße!
Miriam

Offline Moorteufel

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    • Tom Finnek
@Tom: Danke für die Übersetzung! Ich hab da gleich noch eine Frage...was bedeutet "prutt" (sofern ich meine Notizen richtig entziffert habe). Nur als Erklärung für mein Unverständnis: ich lebe im Süden Österreichs :unschuldig: (akutell übrigens mit ung 40cm Neuschnee)
 :winken:
Prütt ist der Kaffeesatz. Und die Krümel, die oben auf dem Kaffee schwimmen.
Es ist aber gar nicht wichtig, alle Begriffe zu verstehen. Bei den wirklich Bedeutsamen erklären sie sich aus dem Zusammenhang, aber viel wichtiger war mir, ein Gefühl für Land und Leute zu bekommen. Und dazu gehört auch das Münsterländer Platt (das eben ganz anders ist als das Plattdeutsche aus dem Ohnsorg-Theater).
Liebe Grüße
Tom Finnek

Offline Ulrike Günkel-Kohl

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Einen schönen guten Abend an die Mitlesenden und den Autor!

Da mir Amazon geschrieben hat, dass die Printversion erst Ende der kommenden Woche verschickt werden wird, habe ich mir heute morgen notgedrungen doch noch das Ebook gekauft, was ich allerdings gerne vermieden hätte, weil ich zwar Ebooks gerne lese, aber nicht in Leserunden! Nunja, dann ist es jetzt eben so....

Ellen trifft es aber auch besonders hart! Nach dem Tod ihrer Schwester glitt sie in die Drogenszene ab, wurde von ihrem späteren Mann Michael gerettet, überlebte als eine der wenigen den Flugzeugabsturz - um dann am Galgen zu enden!
Freitod? Nein, ich glaube nicht daran! Schließlich haben wir es hier mit einem Krimi zu tun, und da muss schon ein interessanter, verwickelter Fall, am besten ein rätselhafter Mord, im Mittelpunkt stehen!

Nach dem Prolog und bevor klar war, dass Ellen den Absturz überlebt hatte, war ich überrascht, sie auf dem Galgenhügel wiederzufinden. Mit der jüngeren Schwester hätte ich gerechnet oder auch mit der Schwester Eva, im Rückblick sozusagen.
Das war dann die erste Überraschung!
Die nächste war die nähere Bekanntschaft mit der Toten, die ich nach dem Prolog nie so eingeschätzt hätte, wie sie von vor allem der Schwiegermutter geschildert wird. Für mich war sie erstmal eine durchaus sympathische junge Frau, die der Ehe mit ihrem gar nicht sympathischen Mann durch den Urlaub in Mittelamerika noch eine Chance geben wollte, und die dem ihr sicher erscheinenden Tod so gefasst entgegenblickte, - im Gegensatz zu Michael, der sich wie die Axt im Walde verhielt!
Jetzt aber hat sich das Blatt gewendet: Michael hat sie aus dem Sumpf gezogen und ihr eine Chance auf einen Neuanfang gegeben. Das sagt zumindest sein Bruder.
Also - ausgemachtes Ekel und notorischer Fremdgeher oder Held und Gutmensch? Ich glaube, Michael liegt irgendwo dazwischen.
Über den angeblichen Unfalltod der Zwillingsschwester scheint er mehr mehr zu wissen, und das wird er Ellen mutmaßlich auch noch gesagt haben, bevor das Flugzeug auf dem Wasser aufklatschte.
Und als Ellen wieder einigermaßen genesen war, hat sie in Ahlbeck herumgeschnüffelt und ist irgendeiner faulen Sache auf die Spur gekommen, weshalb sie sterben musste.
So, das ist meine momentane Einschätzung! Auf weitere Enthüllungen bin ich neugierig...

Als nächstes ein paar Eindrücke zu den übrigen Protagonisten/Charakteren des Krimis, die derzeit noch nicht vollständig einzuschätzen sind.
Tenbrink! So ganz allmählich wurde mir klar, dass er ein Problem mit seinem Gedächtnis hat. Anfangs habe ich es für Unkonzentriertheit in Kombination mit einer persönlichen Marotte gehalten, dass er vor allem Namen vergisst und sich Gesichter nicht merken kann. Das ist nicht ungewöhnlich und, sofern keine Krankheit dahinter steckt, höchstens ärgerlich für diejenigen, die mit Menschen wie ihm zu tun haben.
Aber so ist das bei Tenbrink nicht, zumal sich seine Probleme verschlimmern. Dass er den Gang zu einem Spezialisten aufschiebt, kann ich nur zu gut verstehen, denn es ist etwas ganz anderes, wenn man seine Befürchtungen bestätigt bekommt.
Zudem wird Tenbrink sich auch Gedanken um seinen Arbeitsplatz machen; der Jüngste ist er schließlich nicht mehr, obwohl für eine vorzeitige Pensionierung doch entschieden zu jung.
Ein Glück, dass ihm Kollege Bertram zur Seite steht und ihm immer wieder auf die Sprünge hilft!
Eine Hand wäscht die andere, habe ich den Eindruck, denn Tenbrink kennt Bertrams Akte, aus der, wenn ich es richtig verstanden habe, hervorgeht, dass er mal ein ziemliches Drogenproblem hatte. Doch - wird Bertram nicht doch langsam ungeduldig mit seinem vergesslichen Kollegen? So wirkte es auf mich, bevor er der Staatsanwältin, mit der er möglicherweise auch privaten Kontakt hat, und die ich noch nicht einschätzen möchte, auf die Pressekonferenz folgt.

Was für die Staatsanwältin gilt, trifft auch auf Ellens Schwester Anne zu, die ich zwar in leuchtenden Rottönen vor mir sehe, die mir ansonsten aber noch nicht vertraut ist. In dem Schwesterngespann scheint sie wohl die zweite Geige gespielt zu haben. Und wer weiß - vielleicht rächt sich das jetzt!?

Doch das Münsterland mit seinem Menschenschlag und einigen seiner Traditionen, Gepflogenheiten und vor allem seiner Sprache ( ich liebe Dialekte - und spreche den meinen, der mindestens so sperrig ist wie der münsterländische, wann immer ich die Gelegenheit dazu habe! ) ist mir dafür dank des Autors interessanten und aufschlussreichen Schilderungen schon einigermaßen vertraut!
Das ist genau die Art von "Lokalkolorit" ( ich mag das Wort an sich nicht, weil es gerade in Krimis überstrapaziert wird ), die ich in einem Roman, der in einer ganz bestimmten Gegend spielt, schätze!

Offline Ulrike Günkel-Kohl

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Dass Ellen in der nächsten Szene als Mordopfer (ich glaube natürlich keine Sekunde lang an Selbstmord) erscheint, hat mich überrascht. Michaels Informationen müssen Ellen wohl dazu gebracht haben, in alten Geschichten zu graben und da auch etwas aufzuwühlen.

Womit du haargenau meine Empfindungen aussprichst! Zuerst dachte ich ja, dass Michael ihr alles über das damalige Unglück erzählt hatte, - aber jetzt erscheint es mir logischer, dass er gestorben ist, bevor er sein Geheimnis seiner Frau mitteilen konnte und dass diese vor allem deswegen nach Ahlbeck zurückgekommen ist. Denn an die große Verbundenheit zwischen ihr und ihrer jüngeren Schwester glaube auch ich nicht recht.

Seltsam auch die Geschichte mit Evas Unfall. Sollte Ellen verunglücken?

So sieht's aus! Und genau darin wittere ich auch das Motiv für Ellens Tod!

Was ich von Tenbrink halten soll, weiß ich auch noch nicht. Seine Vergesslichkeit ist bedenklich, und ob seine "Zettelwirtschaft" ihm lange helfen kann, bezweifle ich. Aber ich denke, da erfahren wir bald auch noch einiges dazu.

Solange Kollege Bertram ihm hilft, geht das ganz gut. Die Frage ist - wie lange wird er das noch tun!
Andererseits soll es, wie ich das verstanden habe, noch mehr Bände mit Tenbrink geben. Also vermute ich, dass hinter den Gedächtnislücken und der Vergesslichkeit nichts Ernsthaftes steckt...

Offline Ulrike Günkel-Kohl

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Ja, Zwillinge scheinen eine ganz besondere Bindung zu haben und es muss extrem schmerzhaft für Ellen gewesen sein, ihr hilflos beim Verbluten zusehen zu müssen. Eva scheint auch allgemein sehr beliebt gewesen zu sein.

Woraus schließt du letzteres? ( kann ja sein, dass ich da etwas überlesen habe...  ??? )

Offline Ulrike Günkel-Kohl

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Es ist aber gar nicht wichtig, alle Begriffe zu verstehen. Bei den wirklich Bedeutsamen erklären sie sich aus dem Zusammenhang, aber viel wichtiger war mir, ein Gefühl für Land und Leute zu bekommen. Und dazu gehört auch das Münsterländer Platt (das eben ganz anders ist als das Plattdeutsche aus dem Ohnsorg-Theater).

Da hast du, zumindest was mich angeht, dein Ziel bereits erreicht! Denn ich habe schon jetzt eine starke Ahnung von dem, was das Land und seine Bewohner ausmacht - aber so was von...  ;)
Und dazu kommt, - die Münsterländer sind uns Rhönern schon sehr ähnlich!

Offline Annette B.

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Hallo Tom, Hallo Zusammen  :winken:

Also der Prolog war schon sehr wichtig, denn ich habe fasziniert mitgehört, wie Michael total in Panik geriet und Ellen total der Welt entrückte und alles um sie herum ausgeblendet hat.
Ich hatte direkt den Gedanken, ob Ellen sterben wollte? Sie war mir einfach viel zu distanziert, als sie die anderen Passagiere beobachtete und ihrem Mann so GAR NICHTS mehr zu sagen hatte!
OK, Michael ist mir mit seinem Befehlston und seinem Gequatsche auch etwas auf den Geist gegangen, aber das habe ich noch kapieren können. Aber diese Ruhe von Ellen war mir doch nicht geheuer.

Später erklärt sich ihr Verhalten, doch im Prolog war ich sehr irritiert.

Eineiige Zwillinge, eine Silvesterparty bei der Ellen einen Filmriss hatte und am nächsten Tag stirbt die Schwester auf sehr tragische Art und Weise....
Das sind schon sehr belastende Ereignisse.
Das diese psychischen Probleme nicht alleine mit Drogen und Psychopharmaka verschwinden, hätte Ellen eigentlich irgendwann erkennen müssen. Daher verstehe ich nicht ganz, warum sie eine Therapie abgelehnt hat.
Aber das waren ja nicht alleine ihre Probleme. Michael hat sie betrogen, gegen Kinder hat er sich immer wieder gewehrt und vielleicht hatte sie auch Heimweh - hat sich aber nicht zurück nach Ahlbeck getraut.
Ellen wirkt auf mich wie ein psychisches Wrack.

Zitat von: Annabas
Anne kann ich noch nicht so richtig einordnen. Ihr erstes Erscheinen mit dem "gellenden Schrei" finde ich recht melodramatisch. Aber nur kurz danach spricht sie sachlich mit der Polizei und ich meine herauszuhören, dass sie mit Ellen nicht gerade das beste Verhältnis hatte. Sie wirkt auf mich eher distanziert - sehr gut zusammengefasst übrigens von Bertram: Sie redet wie gedruckt. Mitgenommen wirkt sie nach Ellens Tod nicht.

Du bringst es auf den Punkt! Anne versucht sich sehr schockiert zu geben und Trauer zu zeigen, aber weder Tenbrink noch ich können das glauben. Bertram hat dann auch sehr deutlich in der Ausdrucksweise den Wiederspruch erkannt.
Wir Leser bzw. Hörer konnten ja schon aus dem Gespräch mit dem Mühlenwärter und der Campingfamilie erfahren, dass die Anne eine knallharte Geschäftsfrau ist.
Ich vermute mal, Anne war immer sehr einsam und ausgeschlossen, wenn ihre Zwillingsschwestern sich "blind" verstanden.

Und dann fragt man sich natürlich was Max weiß? Der verschweigt etwas, dass steht für mich fest!
War er vielleicht nicht nur mit Ellen zum "sportlichen Spaziergang" unterwegs? Ist da mehr gelaufen?

Magda gefällt mir richtig gut. Sie ist wirklich richtig ECHT in ihrer Münsterländer- Bauerfrauen-Art bei mir angekommen.  ;D
Mit dem Münsterplatt komme ich ganz gut klar, der Sprecher bringt das super rüber.

Die Untersuchungen am Galgen bringen noch nicht viel, aber ich vertraue da Tenbrinks Bauchgefühl, denn davon lässt er sich grade noch leiten.
Aber auch Bertram ist ein aufmerksamer Kollege, irgendwie habe ich so das Gefühl, dass Bertram auch von so einem unbestimmten Bauchgefühl geleitet wird.

Dieses Ermittlerteam gefällt mir sehr gut und beide Charakter sind bodenständig und herzlich.
Bertram hat Verständnis für die schwierige Lebenssituation von Tenbrink und Tenbrink schätzt die gradlinige Art von Bertram. Es sieht so aus, als ob es da eine tiefe Freundschaft anbahnt.
Diese Tatsache leite ich aus der Mahnung von Tenbrink ab, als er das Verhalten der Staatsanwältin und Bertram beobachtet. Da gab es wohl am Samstagabend ein ausgedehntes Rendezvous.  ;D

Ich bin wirklich super leicht in die Handlung reingekommen, es ist jetzt schon eine spannende Handlung. Allerdings werde ich mich hüten jetzt schon eine Prognose zum Täter abzugeben.
Dafür hat Tom mich schon zu oft überrascht mit einem Täter, den ich so gar nicht auf dem Schirm hatte.  :D
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Offline Annette B.

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Zitat von: Buchregal
Auch wenn die Hartmanns seltsam reagieren, kann ich sie mir nicht als Täter vorstellen. Also Anne? Doch warum sollte sie?

Vielleicht weil Ellen auch noch Mitbesitzerin des Anwesens ist, was Anne immer weiter als Nobel-Oase ausbaut?

Oder vielleicht weil noch eine alte Rechnung von einer Silvesternacht offen steht?

Oder weil Anne unsterblich in Michael verliebt war? Sie trägt keinen Ring und auch sonst keinen Schmuck. Warum? Für eine erfolgreiche Geschäftsfrau ist das schon sehr ungewöhnlich.
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Offline Annette B.

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Zitat von: ysa
Hauptkommissar Tenbrink kommt mir von Beginn an so vor als habe er ein feines Gespür und glaubt nicht so recht an einen Suizid. Die Hämatome an den Armen sind schon sehr ungewöhnlich, mein erster Gedanke war gleich, dass sie vielleicht in die Höhe gehoben würde, oder so was in der Art. Und das sie Alkohol und ein Sedativum im Blut hatte ist auch bestimmt ein Anhaltspunkte für Tenbrink und Bertram. Und dann noch die Sache mit dem Galgen, etwas stimmt nicht, wenn es sich bestätigt, dass sie wie mit einem Flaschenzug hochgezogen würde, muss jemand beteilig gewesen sein.

Interessante Überlegungen die du hier einbringst.  :daumen:
Diese Flaschenzug-Theorie würde unter Umständen dann auch für einen weiblichen Täter sprechen. Mit dieser Technik lässt sich auch eine bewustlose Person hochziehen. Die Hämatome an Handgelenken und Hals könnten so auch vom "herschleifen zum Galgen" und vom Seil-anlegen am Hals stammen.
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Offline odenwaldcollies

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Guten Abend zusammen,

ich bin sehr gut in das Buch gestartet und bin nun ziemlich gespannt, wie es weitergehen wird.

Zuerst zu dem Prolog: das, was Ellen und die anderen Passagiere durchmachen muss, ist ja der reinste Albtraum. Ich bewundere Ellens relative Ruhe, ihre letzten Minuten nicht in Panik verbringen zu wollen, finde es aber auch sehr traurig und bezeichnend für ihre Ehe, dass ihr Michael auf die Nerven ging bzw. ihr peinlich war. Ich möchte lieber nicht wissen, wie ich in so einer Situation reagieren würde. Michael ist sich schon seiner Situation bewusst und weiß, dass er womöglich nicht mehr lange zu leben hat, ansonsten hätte er seiner Frau nichts über die Umstände von Evas Unfall damals erzählt. Aber was genau hat er ihr erzählt? Was wusste er?

Die Wahrscheinlichkeit, solch einen Flugzeugabsturz zu überleben, ist erfahrungsgemäß ziemlich gering, daher grenzte Ellens Überleben beinahe an ein Wunder. Welche Ironie des Schicksals, dass sie ein Jahr später am Galgen ihres Geburtsorts stirbt, von dem sie sich all die Jahre hat ferngehalten.

Mein erster Gedanke war auch, warum soll sie sich umbringen, nachdem ihr das Schicksal nach dem Flugzeugabsturz nochmal eine Chance gegeben hat. Der Verlust von Michael konnte es eigentlich eher nicht sein, die Ehe war ja nicht mehr besonders gut.
Nachdem wir von dem tragischen Unfalltod ihrer Zwillingsschwester erfahren, konnte ich mir allerdings einen Selbstmord von ihrer Seite doch vorstellen, weil sie sich schuldig fühlt und wieder jemanden überlebt hat. Zumal der Absturz nicht spurlos an ihr vorbeigegangen ist. Aber sie wollte ja mehr über die Hintergründe damals bei der Silvesterparty herausfinden. Entweder hat sie etwas herausgefunden, was sie dann vollends in den Selbstmord getrieben hat, was ich aber eher nicht glaube, oder aber jemand wollte vermeiden, dass sie mehr herausfindet. Die Suffusionen spielen sicher noch eine Rolle, außerdem finde ich das Flaschenzugprinzip verdächtig, das kann durchaus auf Einfluss von außen deuten.

Aber was könnte Ellen über die Silvesternacht damals herausfinden? Dass Evas Tod Mord war, kann ich mir momentan eher nicht vorstellen, wie hätte man das mit der Glasscherbe im Schnee so vorausplanen können? Also, um was geht es dann konkret, was evtl. nicht bekannt werden soll? Das mit der Glasscherbe war wirklich ein ganz blöder Zufall und sehr tragisch.

Tenbrink und Bertram gefallen mir bisher ganz gut. Tenbrink war mir sympathisch, weil er auch so ein schlechtes Namensgedächtnis hat wie ich. Jedenfalls dachte ich zuerst, er hätte "nur" ein schlechtes Namensgedächtnis, wobei ich es schon seltsam fand, dass er sich nicht mehr an sein erstes Zusammentreffen mit Kemper erinnern konnte. Tenbrink kann sich jedoch nicht nur Namen schlecht merken, er hat regelrechte Erinnerungsaussetzer, meiner erster Gedanke war auch direkt Alzheimer oder Demenz. Auch Bertram hat diese Befürchtung. Ich kann Tenbrink verstehen, dass er sich vor einer weitergehenden Untersuchung bzw. deren Ergebnis fürchtet. Im Moment klappt seine Arbeit noch ganz gut und keiner schöpft großartig Verdacht, aber wenn es amtlich ist, dass er z.B. Alzheimer hat, dann ist er auch noch seinen Job los, dann wird es sehr einsam für ihn.

Man kann jetzt natürlich darüber diskutieren, ob es nicht Bertrams Pflicht ist, Tenbrinks mögliche Erkrankung bei den Vorgesetzten anzuzeigen, aber ich persönlich finde Bertrams Vorgehen so besser. Er gibt damit seinem Kollegen die Chance, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. O.k., Bertram macht das nicht ganz eigennützig.

Mir gefällt das Buch bisher ziemlich gut, ich habe noch keine Ahnung, was damals in der Silvesternacht tatsächlich vorgefallen ist. Außerdem gefällt mir der unterschwellige Humor gut: "Zelten?", wunderte sich Tenbrink. "Im Oktober?" "Im Münsterland?", fügte Bertram kopfschüttelnd hinzu.  ;D

Ellens Schwiegermutter ist ja gar nicht gut auf Ellen zu sprechen, sie macht sie für den Tod ihres Sohnes verantwortlich. Der zweite Sohn, Max, sieht das wohl nicht so - oder er tut nur so. Magdas Aussage, wenn "Ellen dabei ist, sterben immer die Falschen" ist ganz schön hart, aber was meint sie damit konkret? Sie scheint ja auch auf Evas Tod anzuspielen. Hätte damals gar nicht Eva sterben sollen? Was weiß Magda über den Unfall von damals?
Ellen hatte seinerzeit einen Filmriss, kann sich also an nichts mehr erinnern und Michael hat ihr irgendetwas in dem Flugzeug erzählt, das sie dazu brachte, nach so langer Zeit nach Ahlbeck zurückzukehren. Ich frage mich, was Max tatsächlich weiß, wenn auch sein Bruder Bescheid wusste.

Für Anna Gerwing muss es ja ziemlich schlimm sein, nun schon zum zweiten Mal eine Schwester zu verlieren.

Nun bin ich gespannt, wie es weitergeht und es würde mich nicht wundern, wenn sich herausstellen sollte, dass Ellens Tod kein Selbstmord war.
Liebe Grüße
Karin

Offline odenwaldcollies

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Beide Fassungen habe ich einem Freund und Autorenkollegen zu lesen gegeben (Gruß und Dank an Stefan Holtkötter!) und der hat gemeint: Bist du verrückt, lass den Prolog drin! Und ich glaube, er hatte recht. Daher beginnt mein Münsterland-Krimi also nun in den Wolken über dem Ozean ;)

Ich fand den Prolog auch gelungen: erstmal war es überraschend, dass ein Münsterland-Krimi über den Wolken mit einem Flugzeugabsturz beginnt, aber gerade das Ende des Prologs machte mich dann ziemlich neugierig auf das, was da kommen wird.
Liebe Grüße
Karin

Offline odenwaldcollies

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Dort rettet Michael sie. Warum tut er sich das an? Das hat er doch nicht getan, bloß weil Anne es wollte.

Hm, so weit hatte ich noch gar nicht gedacht, dass Michael damals womöglich noch andere Beweggründe hatte, sich um Ellen zu kümmern.

Wenn man das Gespräch mit Max und die Aussagen von Magda betrachtet, scheint da etwas unter der Decke gehalten zu werden. Auch Michael scheint je etwas gewusst zu haben. Hat es etwas mit der Silvesterparty zu tun? Magda ist auf Ellen überhaupt nicht gut zu sprechen, mag die ganze Familie wohl nicht. Ich mag übrigens den Dialekt zwischendurch, das wirkt so authentisch.

Ich bin auch davon überzeugt, dass die Hartmanns mehr wissen, als sie Tenbrink und Bertram gegenüber zugeben.

Also Anne? Doch warum sollte sie?

An Anne habe ich auch gedacht, aber sehe ebenfalls keinerlei Motiv bei ihr.

Anne ist die jüngere Schwester. Wie hat sie die Zwillinge erlebt? Es ist auf alle Fälle tragisch, wenn so ein Unfall passiert.

Magda bezeichnete Ellen und Eva beide als verwöhnt und verzogen. Stand Anne vielleicht in ihrem Schatten? Ja, mich würde es ebenfalls interessieren, wie Anne die Zwillinge damals erlebt hat.

Anne kann ich noch nicht so richtig einordnen. Ihr erstes Erscheinen mit dem "gellenden Schrei" finde ich recht melodramatisch. Aber nur kurz danach spricht sie sachlich mit der Polizei und ich meine herauszuhören, dass sie mit Ellen nicht gerade das beste Verhältnis hatte. Sie wirkt auf mich eher distanziert - sehr gut zusammengefasst übrigens von Bertram: Sie redet wie gedruckt. Mitgenommen wirkt sie nach Ellens Tod nicht.

Ja, ich fand auch, dass sie ziemlich schnell wieder gefasst war nach ihrem ersten Auftritt.

Der Todesfall in Bayern, der als Vorlage für Evas Tod Pate stand, ist ja furchtbar.
Liebe Grüße
Karin

Offline odenwaldcollies

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Jetzt aber hat sich das Blatt gewendet: Michael hat sie aus dem Sumpf gezogen und ihr eine Chance auf einen Neuanfang gegeben. Das sagt zumindest sein Bruder.
Also - ausgemachtes Ekel und notorischer Fremdgeher oder Held und Gutmensch? Ich glaube, Michael liegt irgendwo dazwischen.

Ja, diesen Gegensatz in der Beschreibung von Michael fand ich auch sehr spannend.

Eine Hand wäscht die andere, habe ich den Eindruck, denn Tenbrink kennt Bertrams Akte, aus der, wenn ich es richtig verstanden habe, hervorgeht, dass er mal ein ziemliches Drogenproblem hatte. Doch - wird Bertram nicht doch langsam ungeduldig mit seinem vergesslichen Kollegen? So wirkte es auf mich, bevor er der Staatsanwältin, mit der er möglicherweise auch privaten Kontakt hat, und die ich noch nicht einschätzen möchte, auf die Pressekonferenz folgt.

Echt jetzt, Bertram hatte mal Drogenprobleme? Das hatte ich völlig überlesen  :-[ Stimmt, mich würde auch interessieren, ob zwischen Bertram und der Staatsanwältin auch privat etwas läuft.

Womit du haargenau meine Empfindungen aussprichst! Zuerst dachte ich ja, dass Michael ihr alles über das damalige Unglück erzählt hatte, - aber jetzt erscheint es mir logischer, dass er gestorben ist, bevor er sein Geheimnis seiner Frau mitteilen konnte und dass diese vor allem deswegen nach Ahlbeck zurückgekommen ist. Denn an die große Verbundenheit zwischen ihr und ihrer jüngeren Schwester glaube auch ich nicht recht.

Daran, dass Michael nicht mehr dazu kam, Ellen mehr über Evas Tod zu verraten, bin ich gar nicht gekommen, aber ihr könntet recht haben. Oder aber er konnte ihr schon was verraten, sie will jedoch herausfinden, ob wirklich was dran ist.

Diese Flaschenzug-Theorie würde unter Umständen dann auch für einen weiblichen Täter sprechen. Mit dieser Technik lässt sich auch eine bewustlose Person hochziehen. Die Hämatome an Handgelenken und Hals könnten so auch vom "herschleifen zum Galgen" und vom Seil-anlegen am Hals stammen.

Stimmt.
Liebe Grüße
Karin

Offline ysa

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Es ist aber gar nicht wichtig, alle Begriffe zu verstehen. Bei den wirklich Bedeutsamen erklären sie sich aus dem Zusammenhang, aber viel wichtiger war mir, ein Gefühl für Land und Leute zu bekommen. Und dazu gehört auch das Münsterländer Platt ...

Keine Sorge! Ich frage nicht jedes einzelne Wort nach - die meisten verstehe ich ja eh! Aber mit diesen beiden Beispielen konnte ich wirklich nichts anfangen!  :-[ Es ist Dir aber wirklich gelungen, diese spezielle Mentalität durch den Dialekt zu vermitteln! Und ich schätze diese Charakteristika sehr - es unterscheidet sich wohltuend von vielen anderen Krimis!

Die Wahrscheinlichkeit, solch einen Flugzeugabsturz zu überleben, ist erfahrungsgemäß ziemlich gering, daher grenzte Ellens Überleben beinahe an ein Wunder. Welche Ironie des Schicksals, dass sie ein Jahr später am Galgen ihres Geburtsorts stirbt, von dem sie sich all die Jahre hat ferngehalten.

Mein erster Gedanke war auch, warum soll sie sich umbringen, nachdem ihr das Schicksal nach dem Flugzeugabsturz nochmal eine Chance gegeben hat. Der Verlust von Michael konnte es eigentlich eher nicht sein, die Ehe war ja nicht mehr besonders gut.
Nachdem wir von dem tragischen Unfalltod ihrer Zwillingsschwester erfahren, konnte ich mir allerdings einen Selbstmord von ihrer Seite doch vorstellen, weil sie sich schuldig fühlt und wieder jemanden überlebt hat. Zumal der Absturz nicht spurlos an ihr vorbeigegangen ist.

Wenn ich ehrlich bin, kann ich mir bei dieser Vorgeschichte einen Selbstmord durchaus vorstellen! Vor allem genau an dem Ort wo ihre Schwester starb!
Dass ich in diesem Fall nicht daran glaube, hängt eher damit zusammen, dass wir hier ja einen Krimi lesen und da muss es doch einen Mord geben, oder? Es wäre irgendwie fad, wenn am Ende herauskäme, dass es doch "nur" ein Selbstmord war ;) Und so ein gut versteckter Mord hat ja seinen eigenen Reiz - spricht für die Intelligenz des Mörders und des Kommissars (und des Autors  ;))

Die Indizien für einen Mord sind nicht seeehhhhrrr überzeugend: Die Hämatome (auch ich hab immer wieder welche - ohne zu wissen woher), die Holzsplitter am Galgen (könnte ja auch beim "Abhängen" passiert sein), die Benzodiazepine im Blut (hätte ja ein Mutmacher für Elllen sein können) und die fehlende Lampe. Aber Kommissar Tenbrink hat da ein "Gefühl"... sicher wird er Recht behalten und es wird sich als Mord herausstellen!

 :winken:
« Letzte Änderung: 10. Dezember 2017, 12:15:26 von ysa »
Liebe Grüße!
Miriam

Offline ysa

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Interessante Überlegungen die du hier einbringst.  :daumen:
Diese Flaschenzug-Theorie würde unter Umständen dann auch für einen weiblichen Täter sprechen. Mit dieser Technik lässt sich auch eine bewustlose Person hochziehen. Die Hämatome an Handgelenken und Hals könnten so auch vom "herschleifen zum Galgen" und vom Seil-anlegen am Hals stammen.

Danke für die Blumen! Und ich gebe sie gleich weiter an Kessi69 - sie hatte diese klugen Überlegungen!
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Liebe Grüße!
Miriam

 

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