Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler)  (Gelesen 4129 mal)

Offline Heimfinderin

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Hier ist Platz für die Rezensionen und Meinungen (zur Leserunde allgemein), die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen - zumindest ein Fazit zur Leserunde (auch eines vom Autor) ist immer interessant.
« Letzte Änderung: 21. August 2007, 23:30:35 von Heimfinderin »
Liebe Grüße
Barbara

Offline Erendis

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Meine Meinung:

„Der letzte lange Sommer“ war für mich eine richtige Wohlfühl-Geschichte mit einigen spannenden, aber auch vielen ruhigen und nachdenklichen Momenten.

Das Buch lässt sich recht flüssig weglesen und überzeugt vor allem durch die wundervollen Beschreibungen der faszinierenden isländischen Natur, die mir stets bildhaft vor dem inneren Auge stand. Die Natur und die Tiere Islands werden häufig personifiziert und die Protagonistin Lies Odenthal hört sie im Geiste sprechen – auch dies trägt dazu bei, dass Island bei der Lektüre in der Fantasie des Lesers zum Leben erwacht. Häufig ist die Sprache auch sehr symbolhaft, was ich als sehr passend und gelungen empfand, da durch diese Szenen der Zauber dieses geheimnisvollen Landes noch stärker zur Geltung kommt.

Die Figur der Lies Odenthal macht während des Romanes eine große Entwicklung durch. Ist sie zu Beginn noch schockiert von der Unwirtlichkeit des Landes und von ihrem Gastgeber Elías, so verfolgt der Leser im Laufe des Buches, wie ihr das Land dennoch immer mehr ans Herz wächst, wie sie sich langsam an den mürrischen Elías gewöhnt und insbesondere von ihrer Aufgabe als Lämmerhirtin immer mehr angetan ist.

Sehr überzeugend werden die Szenen im Schafsstall geschildert, das Verhalten der Schafe und Lies’ Erlebnisse mit ihnen werden sehr realistisch und überzeugend dargestellt und man hat das Gefühl, ihr bei der Arbeit über die Schulter zu sehen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Beziehung zwischen Lies und Elías, deren Entwicklung ich gespannt mitverfolgte und die mich nicht selten auch berührte.
Lies’ Schwärmerei für den jungen, hübschen Tierarzt Jói trägt ebenfalls dazu bei, dass sie sich immer heimischer in ihrer neuen Umgebung fühlt. Dennoch wirken die Szenen mit ihm nicht zu aufdringlich und die Geschichte von Lies und Elías steht zweifellos im Mittelpunkt.

Der Schluss der Geschichte ist zwar vorhersehbar, aber dennoch sehr berührend und ein sehr gelungener Abschluss für das ebenso gelungene Buch.

Die Lektüre des Buches hat auf jeden Fall mein Interesse an Island verstärkt und mir einen Eindruck von diesem faszinierend wilden Land vermittelt.

Zur Leserunde:


Es hat mir wieder einmal großen Spaß gemacht, mit euch gemeinsam zu lesen. Ich bedanke mich für Dagmar für die nette Begleitung und die zusätzlichen Informationen über Island.
Auch bedanke ich mich bei meinen Mitleserinnen für den interessanten Austausch über das Buch und über den Schauplatz, Island.
Ich freue mich schon auf weitere Bücher von Dagmar. „Die Waldgräfin“ liegt auf jeden Fall schon auf meinem SUB.  :)
LG,
Erendis

Offline Cait

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Meine Meinung

Ich lese eher selten zeitgenössische Romane und habe eigentlich auch nur zu diesem gegriffen, weil ich von Dagmar Trodlers historischen Romanen äußerst begeistert bin. Der Klappentext klang zwar sehr interessant, aber von einem weniger namhaften Autor hätte ich das Buch wahrscheinlich ignoriert.

Leider hatte ich sofort einige Probleme mit der stark ausgeprägten Umgangssprache und auch mit dem Stil. Ich bin einfach zu sehr von historischen Romanen geprägt, scheint es mir. Da es sich aber sehr flüssig und unterhaltsam lesen lässt, hab ich mich davon nicht allzu sehr aus der Ruhe bringen lassen und wurde für mein Durchhalten letztendlich auch belohnt.

Die Figuren sind sehr unterschiedlich ausgearbeitet. Die, die keine tragende Rolle zu spielen haben, bleiben eher blass und standen mir nicht deutlich vor Augen, wobei sie aber durchaus einige eigenwillige Charakteristika aufweisen. Elias, der alte Isländer, ist für mich die dominanteste Figur  und hinterlässt auf Anhieb einen deutlichen Eindruck. Lies, die junge Deutsche, die in Island von ihrem alten Leben Abstand nehmen will, kommt mit ihren 30 Jahren doch sehr kindlich und naiv rüber. Aber sie wächst während der Handlung über sich hinaus, geht tapfer ihren Weg, was mir sehr imponiert hat. Oberflächlich bleibt zum Ende hin keine der Charaktere, wobei einige doch ein wenig Zeit in ihrer Entwicklung brauchten.

Die Handlung brauchte für mich ein wenig zu lange um wirklich in Gang zu kommen. Gerade mit der ersten Hälfte, wo eine eher farblose und naive Lies auf eine recht langsame Handlung trifft, hatte ich starke Probleme. Ich wurde mit nichts und niemandem wirklich warm. Es war zwar nie langweilig, aber begeistern konnte mich die Geschichte zunächst nicht. Die Landschaftsbeschreibungen und die eindrucksvolle, lebendige Atmosphäre waren das Einzige, das mich zunächst beeindrucken konnte.
Erst als Lies ihren Platz in Island findet, konnte ich richtig in das Buch eintauchen und von da an war ich verliebt in die spannende, abwechslungsreiche Geschichte, auch wenn sie hier und da vielleicht ein wenig zu konstruiert war. Die Beschreibungen der Schafzucht waren sehr lehrreich und faszinierend und haben mir diese Tiere um einiges näher gebracht. Das Ende selbst hätte gerne ein wenig anders ausfallen können, dennoch bin ich zufrieden und neugierig, ob es ein Wiedersehen mit Lies gibt, das Ende lässt zumindest darauf hoffen...

Zur Leserunde

Auch wenn ich nicht von Anfang an dabei war, möchte ich allen für die Leserunde danken. Vor allem Dagmar, die diese LR so schön begleitet hat. Die vielen Hintergrundinfos und Links haben mir das Buch sehr schön abgerundet. Dankeschön.  :)

Offline Bettina

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Ich hatte leider schon länger keine Gelegenheit mehr, an einer Leserunde hier teilzunehmen. Umso besser, dass eine tolle Gelegenheit mit diesem Island-Buch kam. Inklusive der daneben liegenden Landkarte von Island und den neugierigen Blicken meines Mannes, was ich da nun schon wieder treibe. Mir hat die Leserunde sehr viel Spaß gemacht - und macht es immer noch. Ich lese bis zum letzten Buchstaben aller Beiträge :)

Danke an Dagmar für die Zeit, die Erläuterungen und die Geschichte, Danke an die Organisation :winken:

Demnächst auch eine kleine Rezi von mir...
Ich hoffe, noch vor dem Wochenende, denn an dem sitze ich in München und habe voraussichtlich keinen Internetzugang.

Offline Bettina

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Wer eine Chef hat wie Lies und einen öden Schreibtisch-Job, der überlegt nicht lange und packt seine Prütteln. Lies nimmt ganz viel Mut zusammen und heuert über eine Agentur auf einem Hof in Island an. Dummerweise, ohne sich ein bisschen vorab zu informieren, sie hört bei der Agentur nicht so recht zu und so trifft sie der Schlag: Auf dem Hof gibt es nur Schafe, den wortkargen Hofbesitzer und unendliche Einsamkeit. Ohne Telefon, ohne Radio, ohne Fernseher hockt sie ausgerechnet im einzigen Hof im Tal. Bitter, bitter.

Lies erlebt die isländische Achterbahn: Wenn sie sich an eine Aufgabe gewöhnt hat oder etwas Schönes erleben durfte, packt das Hofleben noch eins drauf - immer, wenn sie glaubt, es könne kaum schlimmer kommen. Aber sie fängt sich - immer wieder. Und wartet darauf, dass eines Tages vielleicht mal wieder der gutaussehende Tierarzt Jói in der Einsamkeit aufkreuzt. Da ahnte ich zwar den Keim einer Beziehung, aber längere Zeit blieb Jói für mich eigentlich eher ein Symbol für alles außerhalb des Hofs, nach dem sich Lies sehnt.

Eine absolute Stärke des Buchs sind die Beschreibungen von Hof, Arbeit und Land. Man steckt immer mittendrin, vom Ausmisten bis hin zur Trauer um ein totgeborenes Lamm. Schleichend verändert das Leben auch Lies' Lebensmaßstäbe. Als Lies bei einem Kaufmann Wünsche äußern darf, will sie außer Schokolade nichts haben. Das Land erzieht seine Bewohner sozusagen.

Während Lies für mich eine ziemlich impulsive, erstaunlich naive Frau war, wirkte Elías wesentlich authentischer. Die unbarmherzige Natur Islands hat ihn hart geprüft und zum Eigenbrötler gemacht. Manchmal ist er für Lies eine stärkere Herausforderung als Einsamkeit und Hofarbeit. Dabei hat sich Lies schon längst Respekt bei ihm verschafft. Schweigsam wie er ist, bleiben gesellige Momente aber die Ausnahme und kommen meist nur mit Freunden von Elías zustande.

Alles in allem ein Buch, das ganz entscheidend von der Atmosphäre Islands lebt; nur dort scheint das Zusammenspiel von Faszination und Schrecken der Natur so gut zu wirken. Island selbst ist die heimliche Hauptperson des Romans (thx Miramis *g*).

Offline yanni

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Als erstes möchte ich mich bei allen Beteiligten für die Leserunde bedanken. Es war sehr schön mit euch zu lesen und zu diskutieren.  Auch die zahlreichen Links haben viel zum Verständnis beigetragen, da ich über Island nur sehr wenig wußte.

Zum Buch

Lies Odenthal arbeitet beim Finanzamt und hasst ihren Chef und die Arbeit. Angetrieben von ihrer Freundin lässt sie sich auf ein Jahr beurlauben und nimmt einen Job auf Island an. Völlig unvorbereiten macht sie sich auf den Weg.

Dort erlebt sie eine unangenehme Überraschung. Ihre Seifenblasen zerplatzen als sie sich einem vernachlässigten Hof und einem bärbeißigen alten Mann gegenüber sieht. Lies, 30 Jahre alt und oft nur mit der Reife einer 16jährigen ausgestattet, stellt sich tapfer ihrer Aufgabe.

Elías, der Hofbesitzer, gibt ihr nicht das Gefühl willkommen zu sein, da er ihre Anwesenheit sozusagen "aufgedrückt" bekam. Durch seine Erkrankung schafft er die Arbeit nicht mehr allein. Einsilbig, wie auch die anderen Isländer in diesem Buch, nimmt er ihre Hilfe an. Lies hat schwer zu kämpfen. Zum Einen versteht sie die Sprache nicht und zum Anderen muß sie sich alles alleine erarbeiten. Sie lernt schnell und entwickelt ein Gefühl für die Arbeit auf einer Farm.

Jói, der Tierarzt, Ari, der Kaufmann und Tilli, ein benachbarter Farmer sind nur Randfiguren, die mit Elías befreundet sind und das Bild, das von Island und dem isländischen Leben, abrunden.

Lies' und Elías Entwicklung sind der Inhalt dieser Geschichte. Die anfängliche Aversion, die sich zu gegenseiter Duldung wandelt, bis hin zum Verständnis für einander. Dieser lange und oft steinige Weg, davon lebt das Buch.
Im Vordergrund steht Lies, die lernt auf und mit Island zu leben. Dort, wo das Leben noch von der Natur diktiert wird, lernt sie ein ganz neues Leben kennen.

Aber auch mit Elías, der immer noch unter seiner Vergangenheit leidet, geht eine Wandlung vor sich. Nicht so leicht zu erkennen wie bei Lies, dennoch nicht minder groß. Elías findet Frieden und Lies einen neuen Anfang. Dieses Ende, das sowohl traurig als auch hoffnungsvoll ist.

Die Beschreibungen der Farmarbeit sind sehr anschaulich und man hat das Gefühl mit Lies im warmen, sicheren Schafstall zu stehen. Umgeben von Lämmern und deren Müttern. 
Lies hat es im Gegensatz zu Elías leider nicht geschafft mich für sie einzunehmen. Was ich anfangs nicht für möglich hielt.
Bei der Lektüre dieses Buches ist  Island vor meinem inneren Auge zum Leben erwacht. Ein Bild, das mich sicher noch einige Zeit begleiten wird, ist der Ausblick auf die Jökulsá von der Klippe aus.

Und auch wir anderen haben etwas gelernt: Finger weg vom Brennivin!  ;D

Offline Heimfinderin

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Dann will ich auch mal.  :)

Zum Buch
„Der letzte lange Sommer“ ist ein Buch, in das ich immer wunderbar eintauchen konnte beim Lesen, so bewegend und gefühlvoll ist es geschrieben.  Die tollen Beschreibungen des Landes und der Natur ließen mich Island etwas kennen lernen. Ein Land, zu dem ich bisher so gar keine Beziehung hatte. Und diese Fremdartigkeit habe ich sogar beim Lesen gespürt. Das Land fühlte sich einfach erst mal nicht vertraut an. Da ging es mir wohl so wie Lies und ich konnte es gut nachempfinden. Lies Furcht vor den brummenden Bergen war genauso zu spüren wie ihr Widerwille gegen Elias und das Haus, in dem sie wohnen sollte.

Doch dabei blieb es nicht. Lies und auch ich erlebten ein Wechselbad der Gefühle. Herrschte eben noch Frust und Ärger, so erlebte Lies im nächsten Moment Wohlbehagen und Ruhe, wobei der Schafstall keine unerhebliche Rolle spielte. Dieser Stall mit seinen Bewohnern war eine Oase für Lies. Das innige Verhältnis, das sie zu den Tieren aufbaute, war so schön und die Arbeit mit ihnen war so interessant und genau beschrieben, dass ich immer das Gefühl hatte, mitten im Stall und bei der ein oder anderen Geburt dabei zu. Natürlich war das nicht immer schön und die schwere Arbeit und vor allem die erste Bekanntschaft mit dem Tod, als das erste Lamm starb, konfrontierten Lies mit Gefühlen, die sie so vorher nicht kannte und mit denen sie im Laufe der Geschichte noch zu tun haben würde. Doch sie wächst dadurch auch und in ihrem Verhältnis zu Island und auch zu  Elias entstehen leise Veränderungen, die wir als Leser genauso spüren wie Lies. Überhaupt ist Elias eine ganz besondere Person, die zusammen mit dem Land, sehr prägend für das Buch ist. Seine Geschichte und sein Leben gingen mir sehr nahe.

Ein Buch voll intensiver und emotionaler Momente, voll schöner und trauriger Bilder und voll von der Kraft und der Schönheit der Natur, die uns Menschen ziemlich klein aussehen lässt.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen und weckte durch seine Beschreibungen der Landschaft, Lebensgewohnheiten und Eigenarten mein Interesse an Island und ließ mich häufig im Internet nach weiteren Informationen und natürlich Bildern suchen.

Zur Leserunde
Vielen Dank an die Teilnehmerinnen für die vielen Eindrücke und Informationen/Links und besonderen Dank an Dagmar, dass du uns so nett begleitest und uns mit interessanten Informationen versorgst. Es hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht (und macht es mir natürlich immer noch) in so einer netten Runde gemeinsam zu lesen und ich freue mich schon auf das nächste Mal.
Liebe Grüße
Barbara

Offline Miramis

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Mein Leserundenfazit:

Diese Leserunde hat mir sehr viel Freude gemacht und ich habe mich pudelwohl hier gefühlt. Klar, denn wir haben auch Themen diskutiert, die mir sehr am Herzen liegen: es ging ums Aussteigen, um Island, um Natur, Schafe, Hunde und Pferde. Vielen Dank für eure weiterführenden Links mit Bildern und Informationen über Island und für die lebhaften Diskussionen. Und natürlich vielen herzlichen Dank an Dagmar; mir haben deine Beiträge sehr viel Spaß gemacht, insbesondere natürlich die zu den Islandpferden, und ich habe inzwischen auch ein Islandpferdegestüt in meiner Nähe entdeckt, dem ich bald schon einen Besuch abstatten möchte. Möglichst mit Schnupperreitstunde.  ;D

Zum Buch:

"Der letzte lange Sommer" ist ein Buch, das mich sehr beeindruckt hat. Es lässt sich in keine Schublade stecken und war wohl als kleines Experiment von Dagmar Trodler gedacht, die sonst hauptsächlich historische Romane schreibt. Ich finde, das ist ihr sehr gut gelungen!

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Island, und diese raue Insel mit ihren Naturgewalten gibt auch den Rhythmus des Buches vor. Wir begleiten die Aussteigerin Lies auf ihrem steinigen Weg zu sich selbst, der über viele Hürden geht und ihr sehr viel abverlangt. Ihr Aussteigerjahr auf einer isländischen Schaffarm hätte sie sich wohl ganz anders vorgestellt, aber es bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich erstmal von ihrem vergleichsweise luxeriösen Leben in Deutschland zu verabschieden und sich auf das einfache Leben sowie die Bedürfnisse der ihr anvertrauten Tiere einzustellen. Wir erleben mit ihr den Lauf eines Frühjahrs und eines Sommers im Schafstall, und das Wohl der Schafe rückt in den Mittelpunkt ihres Lebens. Auch Menschen begleiten sie während dieser Zeit, so der mürrische und unappetitliche Hofbesitzer Elías, mit dem sie sich nach und nach zusammenraufen muss, und den jungen gutaussehenden Tierarzt Jói, der ihr so manches Herzklopfen verursacht. 

"Der letzte lange Sommer" ist eine Geschichte mit vielen Gesichtern; eine Geschichte über die Naturgewalten Islands, eine Geschichte über das Leben auf einer Schaffarm, aber auch eine Geschichte, in der es ums Leben und um den Tod geht. Dabei lässt Dagmar Trodler keinen Zweifel darüber aufkommen, dass beides zusammengehört. Wo Leben ist, da ist auch der Tod und wo geboren wird, da wird auch gestorben. Mir hat es gut gefallen, wie sich dieses Thema wie ein roter Faden durch den Roman zieht, und Island ist wahrhaftig die passende Kulisse dafür.

Was mir weniger behagt hat, war der Sprachstil an manchen Stellen; es mag zwar ein einleuchten, dass Lies' Leben in Deutschland regelmäßig mit Fäkalsprache beschrieben wird und dadurch ein noch größerer Gegensatz zum Leben in Island geschaffen wird, aber deswegen muss mir dieses Stilmittel noch lange nicht gefallen.

Da mich aber der Inhalt und die Idee des Buches restlos überzeugt hat und ich die Lektüre insgesamt sehr genossen habe, empfehle ich das Buch sehr gerne weiter! Wer Lust auf eine Reise nach Island hat, sich für Land und Leute interessiert und obendrein noch eine ungewöhnliche, berührende Geschichte lesen möchte, der wird sicher seine Freude daran haben.

  :buchtipp:


Offline beme65

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Zur Leserunde:
Zunächst einmal möchte ich mich für die nette Leserunde bedanken. Bei allen Mitlesern und natürlich bei Dagmar.
Da dies meine erste Leserunde ist, war ich sehr gespannt, wie sich der Ablauf gestaltet. Sehr gefallen haben mir die Hintergrundinfos von Dagmar zu Island, das mir vorher fremd war und ihre Erläuterungen und Gedanken zu den Figuren der Geschichte. Die Links mit den Fotos waren wirklich sehr beeindruckend und haben mir einen Eindruck von Island vermittelt.

Ich habe das Buch viel intensiver gelesen als andere Bücher. Das ist ein schöner Nebeneffekt von Leserunden, da man viel genauer auf Details achtet.

Da ich noch keine Erfahrungen mit Leserunden habe, weiß ich nicht, ob es üblich ist, dass manche Teilnehmer in der Runde abschnittweise den Inhalt des Buches wiedergeben. Das hat mir nicht so gefallen. Da die Teilnehmer das Buch gelesen haben, würde  mir ein Kommentar zu den Inhalten genügen, ohne dass das Geschehen des jeweiligen Kapitels nochmal niedergeschrieben wird.

Zum Buch:
Ich habe sehr schnell in das Buch hineingefunden, da die handelnden Personen mich direkt in die Geschichte gezogen haben. Ich konnte mich sehr leicht in Lies´Lage hineinversetzen und mit ihr fühlen. Das spricht für die Erzählkunst der Autorin. Das karge Leben auf der isländischen Schaffarm ist mir durch dieses Buch so nah gebracht worden, dass ich beim Lesen das Gefühl hatte, ich bin bei Lies im Schafstall. Auch das Wesen der Isländer und Lies´ Zweifel und Zerrissenheit wurden in diesem Buch sehr anschaulich vermittelt.
Allein das Ende war nach meinem Geschmack ein wenig zu vorhersehbar und flacht die Geschichte ein bisschen ab. Insgesamt hat es mir aber sehr gefallen und ich habe jetzt  das Gefühl schon mal in Island gewesen zu sein. 
Bring Licht in Deinen kleinen Winkel, dann erhellst du die ganze Welt

Offline Jaqui

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Nach langem Hin und Her ob ich nach euren begeisterten Rezis auch meine Meinung sagen soll, habe ich mich dann doch dafür entschieden eine zu schreiben.

Ich kann mich leider wie gesagt den begeisterte Rezis meiner Vorschreiber nicht anschließen. Ich fand das Buch zwar aufgrund der Beschreibungen des Landes und den Zuständen auf dem Hof gut, aber das war es dann auch schon.

Ich bin mit keiner der Figuren so richtig warm geworden. Lies fand ich einfach nur naiv und voll kindisch. Sie fährt ohne ein Wort Isländisch zu können in dieses Land und hat auch keine Ahnung wie es auf einem Hof zugeht.
Der mürrische Elias, der immer alles runtermacht und nie ein aufmunterndes Wort sagt. Und dann natürlich der Tierarzt Joi. Den konnte ich überhaupt nicht leiden. Er war mir voll unsympathisch. Vor allem als er gemerkt hat, dass Lies die Faszination des Landes nicht so teilt wie er, ist er voll abweisend geworden.
Wenn ich Lies bin, reise ich da viel eher wieder ab und bleibe nicht so lange.

Die Beschreibungen der Landschaft dagegen haben mir super gefallen und vor allem das Cover fand ich einfach nur toll. Dass es diesen Wasserfall wirklich gibt, hat mich sehr beeindruckt. Auch wie es auf einem Hof in Island zugeht, kann ich jetzt nachvollziehen und ich muss mich vor den Menschen, die diese Strapazen jeden Tag mitmachen, verbeugen.

Katrin

Offline Karin Schulze

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Die Leserunde hat mir viel Spaß gemacht und mich dazu gebracht mich intensiver mit dem Buch auseinander zu setzen, als ich es sonst getan hätte.
Dafür erstmal mein Dank an Dagmar Trodler für die informative Begleitung :winken:

Da ich etwas verspätet dran bin wurde hier ja nun zur Geschichte schon vieles geschrieben.

Mein persönlicher Eindruck war der folgende:

Diese Geschichte baut sich langsam auf, fast behutsam nimmt sie einen mit aus dem Großstadttreiben in die Einöde.
Die Beschreibungen sind detailliert, aber nicht übertrieben genau und daher sehr angenehm zu lesen.
Lies war mir sofort sympatisch, sie ist etwa in meinem Alter, liebt Schokolade und konnte mit dem "Landleben" anfangs nur schwer etwas anfangen.
Davon hat sie sich aber nicht aufhalten lassen und das bestmögliche aus der Situation gemacht!

Eine Erzählung um Ruhe zu finden, nicht zu viele Ereignisse, wenig aufbrausend, dafür voll mit Lämmern, ungezähmten Landschaften und einem Elias, der sein Leben auf die alten Tage nicht mehr gerne ändern möchte.

Für mich persönlich war es ein wenig zu ruhig, dennoch gefällt mir der Schreibstil sehr und ich werde weitere Bücher von Dagmar Trodler auf jeden Fall lesen.
Den letzten langen Sommer habe ich nun erstmal meiner Mutter zu lesen empfohlen, denn ich glaube Ihren Geschmack wird es genau treffen ;)

Liebe Grüße
Karin
« Letzte Änderung: 24. September 2007, 20:49:12 von Karin Schulze »

 

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