Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler!)  (Gelesen 3005 mal)

Offline Miramis

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Hier ist Platz für die Rezensionen und Meinungen (zur Leserunde allgemein), die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen - zumindest ein Fazit zur Leserunde (auch eines vom Autor) ist immer interessant.

Bitte vermeidet Spoiler in den Rezensionen und verratet nichts Handlungsrelevantes.     
 
 
 
« Letzte Änderung: 09. November 2008, 23:44:11 von Miramis »

Offline yanni

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Bevor ich mich in eine neue Leserunde werfe, möchte ich die noch frischen Eindrücke zu Schwarze Dame niederschreiben.

Andreas Grubers Thriller Schwarze Dame nimmt seinen Anfang mit dem Verschwinden von Alexandra Schellinger. Diese arbeitete für eine große Wiener Versicherung, die nun den Privatdetekitv Peter Hogart damit beauftragt nach ihrem Verbleib zu fahnden. Sie war einem Versicherungsbetrug im Prager Museum auf der Spur und verschwand kurz vor ihrer Rückreise.
Während seiner Ermittlungen stößt Hogart auf Ivona Markovic, eine Privatdetektivin, die mit einem anderen Fall beschäftigt ist. Sie sucht im Auftrag eines Mannes nach dem Mörder seiner Frau. Nach einem Attentat, dem sie beide fast zum Opfer gefallen wären, helfen sich beide gegenseitig bei der Lösung ihrer Fälle, die in gewisser Weise zusammenhängen.

Mit Peter Hogart hat Andreas Gruber keinen Superhelden geschaffen, auch keinen dieser übermässig problembelandenen Protagonisten, wie sie zuhauf zu finden sind. Zwar leidet Hogart an wiederkehrenden Rückenproblemen und hat auch die eine oder ander Eigenheit, bleibt dabei jedoch glaubhaft und sympathisch.

Ob Ivona, Greco, Micha oder eine der anderen Personen, jede ist sorgfältig ausgearbeitet worden. Das betrifft auch die Beschreibungen der Stadt Prag. Passend dazu wurde eine eng mit Prag verbundene Figur mit dem Thriller verwoben.
Lange Zeit gelingt es dem Autor seine Leser im Ungewissen zu lassen. Er lässt den Lesern genügend Spielraum für ihre Phantasien. Dies und die Art von Andreas Gruber manches nur mit wenigen Worten anzudeuten macht einen Teil der Spannung und des Grusels dieses Buches aus. Denn nichts ist schlimmer als die eigene Phantasie, wenn man ihr erst mal einen Brocken vorgeworfen hat.

Bis zum Schluß, der mit überraschenden Wendungen aufwartet, bleibt die Spannung erhalten. Die unerwarteten Ereignisse, mit denen der Leser konfrontiert wird, wirken noch lange nach. Es tun sich Fragen auf, die nur jeder für sich beantworten kann oder auch gar nicht. Es gibt Situationen, in den das Falsche richtig ist und umgekehrt.


Meinen herzlichen Dank an Andreas und allen Mitleser/innen für die schöne und vor allem mal wieder spannende Leserunde. Ganz besonders Papyrus, die mich erst hier her verschleppt hat.  :-*  Da wäre mir sonst ein ganz tolles Buch durch die Lappen gegangen.
Und ein Autor, den ich mir merken werde. 

Offline Papyrus

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Ganz besonders Papyrus, die mich erst hier her verschleppt hat.  :-*  Da wäre mir sonst ein ganz tolles Buch durch die Lappen gegangen.
Oh, gern geschehen. Ich kenne ja mittlerweile auch ein bisschen Deinen Geschmack.  ;D

Dafür, dass das Buch mit seinen 270 Seiten doch recht dünn ist, hatte es die Geschichte aber in sich.
Beginnt die Story doch recht einfach mit einem Versicherungsbetrug und dem Verschwinden der mit diesem Fall betrauten Alexandra Schellinger, so wird die Suche für den beauftragten Peter Hogart schnell zu einer rasanten Berg- und Talfahrt in Prag.

Mir hat die Geschichte, wie auch der Erzählstil sehr gut gefallen. Das ist bestimmt nicht das letzte Buch von Andreas welches ich lesen werde. Zumal es ja einen zweiten Band um Peter Hogart gibt.  :)

Vielen Dank an die anderen Mitleserinnen, es hat wieder sehr viel Spaß gemacht.
Ganz besonders lieben Dank aber an Andreas für diese wirklich schöne Begleitung zu dieser Runde.  :winken:
Lesende Grüße
Papyrus

Offline Miramis

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Hier ist es inzwischen etwas ruhiger geworden und ich will es nicht versäumen, mich bei allen Teilnehmern der Leserunde recht herzlich zu bedanken. Ich fand unseren Austausch wieder mal sehr spannend und mir hat es sehr viel Spaß gemacht, die verschiedenen Theorien und Spekulationen zu verfolgen.

Ein Extra-Dankeschön geht natürlich an unseren Autor Andreas Gruber - es war sehr schön, dass du uns durch die Lektüre begleitet hast und ich empfand deine Beiträge als gelungene Bereicherung! Es wäre schön, wenn wir uns eines Tages hier wieder zu einer Leserunde treffen würden; bis dahin schon mal viel Erfolg und viele kreative und "kriminelle" Ideen für deine Arbeit, Andreas.  :)  :winken:

Zum Buch:

"Schwarze Dame" ist ein raffiniert konstruierter Psychothriller, der tempo- und actionreich ausgearbeitet ist und mich von Anfang bis Ende in seinen Bann gezogen hat.

Schauplatz der Geschichte ist Prag, eine Stadt, die wie geschaffen scheint, um die passende Atmosphäre für die oftmals düstere Handlung zu liefern. Hier begeben sich die beiden Detektive Peter Hogart und Ivona Markovics auf die Suche, um eine Reihe rätselhafter Serienmorde aufzuklären. Dabei geraten sie in ein gefährliches Spiel, in dessen Verlauf sie nach und nach die Puzzlestücke zur Auflösung des Falles entdecken und zusammensetzen. Sehr gelungen finde ich, dass die Persönlichkeiten dieser beiden Hauptfiguren zwar eine Rolle spielen, dabei das Privatleben der beiden aber nicht überstrapaziert wird - genau die richtige Mischung.

Im Laufe der Handlung werden vielerlei Spuren gelegt, die zum Spekulieren und Miträtseln einladen; dennoch ist die Auflösung des Falles eine Überraschung und viel tiefschichtiger angelegt, als man das anfangs vermuten würde. Besonders gelungen fand ich, dass der Autor die Gelegenheit zu zahlreichen Splatterszenen nicht genutzt hat, sondern in seinen Beschreibungen sehr subtil vorgegangen ist, so dass der Leser sich viele Szenen selbst in den schillerndsten Farben ausmalen kann. Auch die moralische Seite des Falles wurde nicht außer acht gelassen und manche Frage kann am Ende nur jeder Leser für sich selbst beantworten.

Mir hat auch der präzise und schnörkellose Schreibstil sehr gut gefallen, der die Handlung flüssig vorantreibt und dabei klare Bilder in meinem Kopf entstehen liess. "Schwarze Dame" hat alles, was ein guter Thriller braucht und ich empfehle das Buch gerne weiter. Auf weitere Fälle von Peter Hogart bin ich jedenfalls sehr gespannt!

 :buchtipp:

Viele liebe Grüße  :winken:
Miramis

Offline Andreas Gruber

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Ein abschließendes "dobry den" an die Runde,
mit dem ich mich noch einmal zu Wort melden möchte.

Ehrlich gesagt, hatte ich - und jetzt im nachhinein darf ich es ja erwähnen - ein wenig "Bammel", als ich die Einladung erhielt, diese Leserunde zu begleiten. Warum? Wir Autoren setzen uns mit unseren Romanen zwar der öffentlichen Kritik aus, aber wir sind bei weitem nicht so hartgesotten, wie wir gern wären, oder haben ein so dickes Fell, wie manch einer vermuten würde. In Wirklichkeit sind wir sensible Weicheier, die nichts mit unseren Helden gemeinsam haben. Ehrlich! So viel also zum Thema "Bammel"  ... ufff, es ist heraußen!

Als sich dann gleich zu Beginn herauskristallisierte, dass "Schwarze Dame" nicht zerlegt oder in Grund und Boden zerstampft wurde - der seelische Tod eines jeden Autors -, war das Aufatmen groß.
Bis zur letzten Seite herrschte eine tolle Stimmung hier. Es wurde wenig am Stil, an der Handlung oder den Charakteren kritisiert (Stichwort: Zigarette ausdämpfen  :)), sondern ihr wart so tief in der Story drin, dass sich die Diskussion in den Threads darum drehte, wie welche Details nun zusammenpassen könnten. Was hatte dies oder jenes zu bedeuten? Wie könnte sich die Handlung weiterentwickeln? Es wurde ein raffiniertes, detektivisches Katz- und Mausspiel mit Spekulationen, Vermutungen und Theorien, bei denen jedes auch noch so kleine eingestreute Detail analysiert wurde, das für mich als Beobachter mindestens genauso spannend war wie für euch.

Es ist euch wirklich nichts entgangen, und manchmal seid ihr so knapp an der Lösung vorbeigeschrammt, dass es mir die Schweißperlen auf die Stirn getrieben hat  :o. Dass ich euch dennoch mit ein paar Wendungen überraschen konnte, freut mich besonders, he, he.

Insgesamt war es für mich ein schönes Leseerlebnis, euren Kommentaren zu folgen, zu denen ich eigentlich  nicht viel beitragen musste. Ich konnte mich gemütlich zurücklehnen und den Dingen ihren Lauf lassen. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bei papyrus, yanni, miramis und apassionata bedanken.

Wie sagt man so schön? Ihr wart ein großartiges Publikum, hope to see you again, thank you and good night!

Dobry den,
Andreas

Offline Papyrus

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Danke Andreas, für die Einsicht in das Seelenleben eines Weicheis  :)
Natürlich ist es für einen Leser etwas schwieriger bei einem schlechten Buch (in vielen Fällen ist das auch einfach Geschmackssache) seine Kritik so zu verpacken, dass sie den Autor nicht schmerzt, aber das war hier ja gar nicht nötig  ;D

hope to see you again
Von mir aus gerne  :) :)
« Letzte Änderung: 02. Dezember 2008, 11:22:54 von Papyrus »
Lesende Grüße
Papyrus

Offline Miramis

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Das kommt aber auch selten vor, dass ein Autor Bammel vor uns hat.  ;D

Schön, dass du deine Bedenken im Laufe der Leserunde abgelegt hast und damit auch ein bisschen Spaß bei der Sache hattest - das ist doch immer noch das Wichtigste. Beste Voraussetzungen jedenfalls, um mal wieder eine gemeinsame Leserunde zu starten!  :)

Bis dahin viele Grüße und keep on rocking!  8)

Miramis  :winken:

Offline apassionata

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Hallo Andreas,

na das ist doch mal ein nettes und vor allem auch mutiges Abschlusswort.  8)
Leider habe ich es noch nicht geschafft eine Rezi zu diesem Buch zu schreiben, was ich aber in den nächsten Tagen bestimmt noch nachholen werde, da mich die "Schwarze Dame" auf sehr spannende Weise überraschen konnte.
Bestimmt wird es nicht mein letztes Buch von dir gewesen sein und auch auf eine eventuell nächste Leserunde mit dir als Autor würde ich mich doch sehr freuen. Denn auch mir hat diese Runde sehr gut gefallen.

Liebe Grüssle und allzeit viel Erfolg,
                                                                    Marion  :winken:
"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

Offline yanni

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Hallo Andreas,

das freut mich ja, dass wir es fertig brachten deine Bedenken wegen der Leserunde zu zerstreuen.  :)
Eine Leserunde soll in erster Linie Spaß machen, und nicht nur den Lesern.  Durch die intensive Beschäftigung mit einem Buch und den anschließenden Diskussionen kommen sowohl die positiven als auch negativen Seiten stärker hervor. Und jetzt, wo du darauf hingewiesen hast, kann ich mir gut vorstellen, dass die erste Leserunde hier mit gemischten Gefühlen verbunden ist. Dass wir dir die Schweißperlen auf die Stirn treiben konnten, fasse ich mal als Kompliment für uns auf.   ;)

Zitat
Stichwort: Zigarette ausdämpfen
;D

hope to see you again
Von mir aus gerne  :) :)
Dem kann ich mich anschließen.  Wobei es gern auch aus einem anderen Genre sein darf.

Lieben Gruß nach Österreich
yanni

Offline apassionata

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Hallo liebe Leseratten.
 
Dafür, dass das Buch mit seinen 270 Seiten doch recht dünn ist, hatte es
 die Geschichte aber in sich.
 

Diesen Satz von Papyrus finde ich ausgesprochen passend für dieses Buch, welches mich sehr überraschen konnte. Peter Hogart, die Hauptfigur in diesem kontinuierlich immer spannend werdenden Thriller erschien mir sehr gelungen und sympathisch. Stellte er doch weder einen, über alles stehenden Superermittler, noch einen dieser überaus Problem behaftenden Akteuren inmitten einer Midlife Crisis  dar, der heutzutage so gerne von anderen Autoren in den  Vordergrund gestellt wird. Auch die Privatdetektivin Ivona hat sich mit ihrer frischen Art gleich und gekonnt in die Geschehnisse einreihen können. Ebenso wie so mache Nebenrolle, von denen ich zunächst nie wusste, auf wessen Seite ich sie denn nun wirklich einreihen kann, was meinen Spekulationen jede Menge Nahrung bot.

Sehr gefallen hat mir hier auch die Leichtigkeit, mit der ich diese brisante Geschichte lesen konnte. Einfach und flüssig geschrieben, lud mich dieses Buch gerade zu ein, es fast in einem Rutsch zu lesen.

Doch der Hammer an diesem Thriller war die Idee an sich, die ich hier nicht verraten möchte. Eine ausgeklüngelte Struktur der Umsetzung dieser und die stets ansteigende Spannung, regten mich immer wieder aufs Neue an, mit zu spekulieren und mit zu fiebern.

Und auch nach Beendigung dieses Buches, dachte ich noch lange über gewisse Handlungsweisen der Protagonisten nach. Denn hier hat sich der Autor die Zeit genommen, den Ausgang so zu stricken, dass ich als Leser angeregt wurde über gewisse Entscheidungen selbst nachzudenken. Grandios gemacht.    :klatschen:

Kurz: Ein tolles Buch, welches ich gerne weiterempfehle.

Liebe Grüssle
                      Marion :winken:

"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

 

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