Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen, etc. (ohne Spoiler!!!)  (Gelesen 2294 mal)

Offline Heimfinderin

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Hier ist Platz für die Rezensionen und Meinungen (zur Leserunde allgemein), die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen - zumindest ein Fazit zur Leserunde (auch eines vom Autor) ist immer interessant.

Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen!
« Letzte Änderung: 17. November 2008, 21:26:16 von Heimfinderin »
Liebe Grüße
Barbara

Offline lesegrete

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Bevor ich das Buch einer Freundin ausleihe, möchte ich mein Fazit dazu abgeben.

Ich oute mich hier mal als Krimi-Vielleserin.  ;) Ein Krimi ist für mich immer dann gut gelungen, wenn er folgende Punkte erfüllt:
- dem Autoren gelingt es, den Leser zum unsichtbaren Mit-Ermittler zu machen
- die Motive des Täters sind nachvollziehbar
- die Tat ist das Ergebnis einer persönlichen Psycho-Tragödie
- das Buch ist spannend und kurzweilig geschrieben.

Der Inselkrimi "Der Tod kommt in Schwarz-Lila" von Ulrich Heffner erfüllt all diese Punkte in besonderm Maße.
Der Schreibstil in kurzen Szenen, in der Art eines Drehbuches, bringt ein rasantes Tempo herein. Häufige Cliffhanger, d. h. offene Szenenenden an einem spanneden Punkt, erhöhen den Lesegenuss und stacheln das Ermittlungsfieber des Lesers an. Geschickt dosiert der Autor  Informationen häppchenweise, wobei manche "Nebensächlichkeit" in ihrer Bedeutung vom Leser zuerst nicht erfassbar ist.
Der Autor lässt den Leser ganz nah beim Täter sein, ohne seine Idendität von Anfang an preis zu geben. Dadurch ist der Leser dem Ermittlerteam manchmal einen Schritt voraus. Die Sorge um Opfer, Ermittler, die Ermittlungsarbeit, ja, auch um den Täter
zieht den Leser völlig in den Bann. Man kann das Buch kaum aus der Hand legen.
Die Motive des Täters, seine persönliche Tragik, machen betroffen und nachdenklich.

Ich freue mich, durch diese Leserunde den Autoren Ulrich Heffner kennen gelernt zu haben.
Dies ist mein erstes, aber nicht mein letztes Buch mit und um  Kommissar Martin Trevisan. Die anderen beiden habe ich bereits gekauft und ich hoffe, dass weitere geschrieben werden  ;). Allerdings werde ich mir in meiner aktiven Lesezeit nicht viel vornehmen, da ich diesmal vorsorglich einen Anfall von Lesebesessenheit mit einplane. :buchtipp:

Herzlichen Dank für die nette Begleitung bei dieser Leserunde an Ulrich Heffner und an alle Mitleser.
Der rege Austausch mit euch, das wilde Spekulieren hat sehr viel Spaß gemacht  :herz: und mir an manchen blinden Punkten auf die Sprünge geholfen.  ;)

Liebe Grüße
lesegrete

Du öffnest ein Buch, das Buch öffnet dich.

Chinesisches Sprichwort

Offline Bernard

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Ich nutze Leserunden schon einmal, um Bücher zu lesen, die nicht mein übliches Lesefutter sind. Das galt auch für "Der Tod kommt in Schwarz-Lila";  ich besitze zwar einige Krimis, aber mehr als zwei Handvoll sind es nicht.
Die Leserunde hat mir gut gefallen. Ein Kriminalroman scheint mir besonders geeignet zu sein, da man naturgemäß ins Spekulieren und Mitraten kommt und sich dabei gut austauschen kann. "Der Tod kommt in Schwarz-Lila" ist hier eine gute Wahl, weil es viele falsche Spuren gibt, in denen man sich ganz schön verheddern kann. Ständig muss man auf der Hut sein und wichtige von irrelevanten Informationen trennen, was für Lesespaß sorgt. Der Fall ist kniffelig. Dem Autor gelingt es, immer wieder den "das hätte ich mir ja auch denken können - aber ich bin nicht darauf gekommen"-Effekt hervorzurufen. Vom Ende her betrachtet sind alle Ereignisse des Romans logisch und stimmig - auf dem Weg dahin ist es doch arg undurchsichtig und dadurch spannend.
Mit einigen Figuren konnte ich nicht warm werden, aber das ist sicher Geschmackssache. Dafür webt der Autor eine dichte Stimmung bei seinen Handlungsschauplätzen im Norden Deutschlands.
Die Diskussionen in der Leserunde waren dadurch besonders interessant, dass wir alle in verschiedene Richtungen spekuliert haben. Natürlich ist es auch etwas Besonderes, von einem Autor begleitet zu werden, der auch bei seinem Stoff ein ausgewiesener Experte ist (in diesem Falle, weil er im Hauptberuf Polizist ist). Das erlaubt einen Blick "hinter den Vorhang", der noch über die eigentliche Geschichte hinausgeht.

Zu einem Vollblut-Krimifan hat mich auch "Der Tod kommt in Schwarz-Lila" nicht gemacht, aber ich bin zufrieden.  :winken:

Offline Heimfinderin

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Hier kommt auch mein Fazit:

Zum Buch:
Ich freue mich immer  wieder, neue Autoren guter Krimis zu entdecken, und mit „Der Tod kommt in Schwarz-Lila“ habe ich wieder mal Erfolg gehabt. Der Autor, Ulrich Hefner, weiß von was er schreibt, ist er doch selbst Polizeibeamter. Dies merkt man seiner Geschichte an, denn die Ermittlungsarbeit wirkt sehr realistisch mit all ihren Höhen und Tiefen und die ermittelnden Kollegen machen einen sehr menschlichen Eindruck. Viele kleine Details des beschriebenen Polizeialltags und die Gespräche der Beamten untereinander lassen die Personen lebendig werden und die Vorgänge wie einen Film ablaufen, in dem man selbst mit dabei ist. Oft genug hatte ich das Gefühl, bei den Zusammenkünften mit im Büro zu sitzen oder draußen mit unterwegs zu sein. Die Schreibweise mit teils recht kurzen Szenen, die parallel ablaufen und einem oft das Gefühl geben, überall gleichzeitig dabei zu sein, erinnert an ein Drehbuch und verstärkt diesen Eindruck noch.

Sehr gut gefallen hat mir, dass man als Leser sehr gut miträtseln konnte. Kleine Informationshäppchen regten immer wieder zum Spekulieren an. Dabei war so gut wie nicht zu unterscheiden zwischen wichtigen und unwichtigen Details. Nebensächliche Informationen, die für den Fall keinerlei Bedeutung hatten, ließen einen lange grübeln und Theorien aufstellen, dagegen konnten wichtige Informationen auch mal untergehen oder erst viel später auffallen. So war ich das ganze Buch über mit sehr vielen Puzzleteilen beschäftigt und versuchte, das richtige Bild damit zusammenzubauen und dabei zu entscheiden, welche Teile man dafür benötigen würde und welche nicht. Das hat sehr viel Spaß gemacht und blieb bis zum Schluss spannend, denn erst dann zeigte sich das vollständige Bild.

Doch nicht nur auf Ermittlerseite war man als Leser dabei, sondern auch an der Seite des Täters. Ohne seine Identität oder seine Beweggründe gleich zu kennen und zu verstehen (denn auch diese gaben lange Zeit Rätsel auf)  konnte man seine Emotionen, seine Verzweiflung, die ihn trieben, spüren. Man konnte trotz seiner schlimmen Taten Mitleid mit ihm empfinden, hatte aber gleichzeitig Furcht vor seinem nächsten Schritt.

Mit Trevisan gibt es einen, wie ich finde,  sympathischen neuen Ermittler, von dem ich gerne noch mehr lesen möchte, was nicht schwierig sein wird, da es bereits zwei weitere Fälle mit ihm gibt.  ;)

Alles in allem ein toller Krimi, der mir einige spannende Lesestunden beschert hat.

Zur Leserunde:
Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, zusammen mit euch zu spekulieren und den Kopf zu zerbrechen.  ;D Danke für eure rege Teilnahme. 
Und für deine Begleitung ein ganz großes Dankeschön an dich, Uli, und dafür dass du uns dabei mit interessanten Hintergrundinformationen versorgt und unsere Fragen beantwortet hast. Ich hoffe, du hattest genauso viel Spaß wie wir und vielleicht lesen wir uns hier ja mal wieder in einer Leserunde zu einem deiner anderen Bücher.  :)
Liebe Grüße
Barbara

Offline Uli

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Hallo Leserunde,

zuerst einmal vielen Dank für die überaus guten Rezis und das Lob. Dies war meine erste Leserunde und ich muss sagen, es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Zum einen konnte ich erkennen, dass der Spannungsbogen funktionierte und zum anderen kommt man durch die Leserunde mit versierten Lesern in Kontakt und erhält keine geschönten sondern echte Kommentare, die einem Autor - so er sie ernst nimmt - weiterhelfen.

In Schreibseminaren betone ich immer, dass der Autor für den Leser schreibt (es gibt viele, die eigentlich in erster Linie sich als Autor in der Vordergrund rücken), dabei begehen sie oft den Fehler, dass ihre Geschichte zu offen ist und damit die Spannung fehlt.
Ich selbst kam auch über das "Viellesen" zum Schreiben, deswegen steht die Spannung bei mir auch im Vordergrund. Derzeit gibt es zwei weitere Trevisan-Romane auf dem Markt, ein dritter wird folgen. Mit "Die dritte Ebene" einem Polit/Öko- und Scienethriller habe ich eine neue "Bühne" betreten, die in erster Linie den "Überseeautoren" vorbehalten war, doch im Laufe der letzten Jahre auch zunehmend von deutschsprachigen Autoren bedient wird. Ich hoffe, auch in diesem Genre überzeugen zu können.

Sollte wieder einmal in dieser Runde der Wunsch nach einer autorenbegleiteten Lesung bestehen, dann bin ich jederzeit gerne bereit dazu.

Vielen Dank an die Runde und an die Organisation und noch viele "spannende und rätselhafte Geschichten" möchte ich euch wünschen.

Ulrich Hefner, Autor

Offline Heimfinderin

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Hier ist es ruhig geworden und deshalb von mir ein abschließendes DANKE für eure rege Beteiligung und besonderen Dank an Uli, dass du uns so nett und informativ begleitet hast.  :)

Wer noch ein Leserundenfazit schreiben möchte, kann dies natürlich noch tun. Ansonsten wünsche ich euch allen einen guten Rutsch in 2009!

 :winken:
Liebe Grüße
Barbara

 

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