Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler)  (Gelesen 1217 mal)

Aldawen

  • Gast
Hier ist Platz für die Rezensionen und Meinungen (zur Leserunde allgemein), die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen – zumindest ein Fazit zur Leserunde (auch eines vom Autor) ist immer interessant.

Aldawen

  • Gast
Dann mache ich hier mal den Anfang mit dem Fazit.

Zum Buch: Ganz im Sinne der Vorgängerbände der Bischop-Reihe bilden auch hier zwei Verbrechen den Aufhänger für einen Blick nach Hamburg zu einer wichtigen Zeit. Besonders spannend war – neben der Frage ob und wie die beiden Toten zusammenhängen – das Puzzle um die Papiere, die Sören in die Finger gefallen sind. Zusammen mit Informationen, die ihm Martin Hellwege besorgt, lassen Sörens eigene Ermittlungen im Reederei-Umfeld, besonders bei seinem alten Schulkameraden Woermann, frühzeitig ahnen, daß hinter dem Papierkram mehr steckt als ein weiterer Dampfer fürs Auswanderergeschäft, zumal der Hapag-Chef Ballin auch keinen sauberen Eindruck hinterläßt. Die tatsächlichen Hintergründe waren in der zweiten Hälfte teils zu ahnen, teils überraschend und bestürzend, und es entbehrte nicht einmal einer gewissen Aktualität.

Wieder gelingt es Boris Meyn, die Stadt sowie die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Jahrhundertwende dem Leser präsent zu machen. Von den prachtvollen Bauten der Reedereien bis zur Arbeit der Nieter auf den Werften finden sich eine Fülle von Ansatzpunkten für weitere Beschäftigung mit Themen der Zeit. Dabei werden wie gewohnt historische Persönlichkeiten eingeflochten, von der Erwähnung eines jungen russischen Pianisten namens Rubinstein bis zum seekranken deutschen Kaiser, ohne daß diese deplaziert wirken, denn sie geben der Geschichte wunderbares Zeitkolorit. Da hohe Politik ins Spiel kommt, führen zwar auch Spuren aus Hamburg nach Berlin, aber der eigentliche Schauplatz bleibt die Hansestadt. Erfreulicherweise gibt es auch wieder einen schönen Bildteil in der Mitte, der die Geschichte gut illustriert, sowie den obligatorischen Epilog von Boris Meyn, in dem er Fakt und Fiktion voneinander trennt.


Zur Leserunde: Schade, daß sich das „Teilnehmerfeld“ während der Lektüre auseinandergezogen hat, das hat das gemeinsame Spekulieren etwas eingeschränkt. Ein besonders herzliches Dankeschön geht aber an Boris Meyn für die Begleitung der Runde, die zusätzlichen Infos und die Beantwortung unserer Fragen. Ich gestehe gerne, daß ich im Moment mit der Anschaffung aller Bischop-Bände liebäugle, um ihnen Dauerwohnrecht in meinem Regal einzuräumen. Das ist das größte Kompliment, das ich einem Autor machen kann  ;) , denn gemeinhin verschwinden gelesene Romane aus meinen Beständen. Aber hier gibt es einfach zu viele interessante Punkte aus der Hamburger Stadt- und der übrigen Bau-, Technik-, Wirtschafts- und sonstigen Geschichte, denen ich noch einmal nachgehen möchte – und bei meinem Siebgedächtnis vergesse ich das ohne den Aufhänger der Romane sonst alles wieder  ;D

Schönen Gruß,
Aldawen

 

Weblinks

Literaturschock Facebook Twitter

Internes

Mediadaten & Presse Impressum & Kontakt Datenschutzerklärung