Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler!)  (Gelesen 1859 mal)

Offline Miramis

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Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen - zumindest ein Fazit zur Leserunde (auch eines vom Autor) ist immer interessant.

Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen!

Offline apassionata

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Sodele, dann will ich doch meine Meinung versuchen in Worte zu fassen.

Zum Buch:

Der deutsche Journalist Cording hadert mit sich und der Welt. Es sind vor allem die ewig schrecklichen Horrorszenarien über die er um 2022 berichten muss, welche ihn drohen aus der Bahn zu werfen. Als er zusammen mit vielen Kollegen die Möglichkeit bekommt über ein einschneidendes Öko-Projekt auf Tahiti zu berichten, ist er bemüht sein Bestes zu geben, um mindestens seinem eigenen Weltbild eine positivere Note zu geben. Was ihn in Begleitung des Sohnes der Verlags-Chefin dann aber erwartet, wagt er kaum zu glauben. Doch all dieser paradiesischen Wandlung droht Gefahr. Während ein gejagter Wissenschaftler versucht die Menschheit zu warnen, bereitet sich ein riesiger Ölkonzern darauf vor, seinen Machthunger zu stillen…

Mit diesem Buch konnte ich eintauchen in eines der wahrscheinlich sehr seltenen, positiv dargestellten ökologischen Zukunftsszenarien, die sich in der Romanwelt tummeln. Als Gesamtkonzept zumindest auf den Südseeinseln greifbar, staunte ich immer wieder über technologische Errungenschaften, die es durchaus bereits in unsere heutige Realität zum Durchbruch geschafft hätten, wenn da nicht die große Lobby derer wäre, die sich an der großen Ölindustrie eine goldene Nase verdienen möchten. Mitunter erfuhr ich aber auch unglaublich viel über die Kultur, die Gedankenwelt und das Wesen der Menschen auf Tahiti selbst, so dass ich mir durch all die blumigen Beschreibungen ein paradiesisches aber nicht ganz unauthentisches Bild machen konnte. Dieses Bildnis hatte für mich in der Mitte des Buches eine kleine Länge, die ich aber durchaus zur Beschreibung des positiven Weges verstanden habe.

Die einzelnen Charaktere kamen gut gezeichnet bei mir herüber. Gerade da sie nicht sofort greifbar dargestellt wurden, sondern wandelbar waren und  zum Teil ihre Ecken und Kanten besaßen konnten diese bei mir punkten.

Die Begründung des Genre-Zusatzes „Thriller“ lag dabei für mich eindeutig eher auf einer dramatischen Gegenüberstellung der beiden Extremdarstellungen der möglichen Zukunftsszenarien, als auf einer spannend gefährlichen Handlung für Figuren oder Protagonisten. Dies empfand ich aber nicht als negativ, da mir dieses Buch auf anderer Ebene so einiges an interessanten Einblicken und Möglichkeiten darbieten konnte. Mit seinem informativen Charakter formte dieser Roman durchaus das gelungene Ergebnis eines gut verpackten Sachbuches, welches sich recht leicht und locker weg lesen lies. Besonders gefallen hat mir dabei auch der eine oder andere poetisch anmutende Satz sowie die leichte Priese von Humor, die der Auto jeweils mit hat einfließen lassen. Alles in allem sicher ein Buch welches mich anregen konnte einmal über einen krasseren Schritt der ökologischen Umstrukturierung nachdenken zu lassen.

Zur Leserunde:

Es sind zwar noch nicht alle Leserinnen durch, aber trotzdem hat es wieder Spaß gemacht und interessante Sichtweisen freigelegt mit euch gemeinsam zu diskutieren. Schade, dass die Runde dann doch etwas geschrumpft ist, aber das Leben hält sich ja nicht immer an einen Terminplan.
Ein dickes Dankeschön geht auch noch an dich, lieber Dirk, der du uns so fürsorglich und unterstützend begleitet hast. Dieses Buch und die gemeinsame Leserunde mit dir haben mir doch den einen und anderen sehr ansprechenden Denkanstoß vermitteln können.
Ich wünsche dir auch weiterhin viel Erfolg mit deinen Werken und dass du durch diese noch viel bewirken kannst.

Liebe Grüssle
                  Marion  :winken:   
"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

Offline Sille

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Okay, dann trau ich mich auch mal.

Erstmal zur Leserunde:
Die Leserunde hat mir echt Spaß gemacht. Danke Euch allen und ganz besonders Dirk, für die schnellen und informativen Rückmeldungen! Das war echt toll  :-*

Zum Buch:
Ich geb zu, ich hatte mir etwas anderes vorgestellt, ich hatte eher einen "richtigen" Thriller erwartet. Nichts desto trotz ist "Das Tahiti Projekt" ein tolles Buch, das zeigt, wie unsere Welt aussehen kann/bald aussehen wird und ehrlich gesagt, teilweise schon aussieht, wenn wir mit ihr weiter so umgehen. Schreckensszenarien gibt es genug - dieses Buch schafft etwas anderes, es zeigt Alternativen auf. Und spannenderweise sind die keine Fiktion, sondern machbar und lebbar.
Das macht für mich den Reiz des Buches aus. Danke für die Denkanstöße!  :winken:

 :buchtipp:
Liebe Grüße, Sille

Aldawen

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Ein bißchen verspätet, aber immerhin, folgt hier auch noch mein Fazit.

Zum Buch: Vom Verlag wird der Roman zwar als „Öko-Thriller“ vermarktet, Öko ist auch richtig und gut, aber wer einen Thriller sucht, der sollte ein anderes Buch wählen. Was bekommt man also stattdessen? Ein bißchen Science Fiction, im wesentlichen aber ein gut als Roman getarntes Sachbuch mit zahlreichen Informationen über bereits existierende Konzepte und (technologische) Lösungen gegen den Ökozid und zur gerechteren Umgestaltung der Gesellschaften. Auf dieser Ebene funktioniert der Roman sehr gut und gibt eine Vielzahl von Denkanstößen. Manches klingt recht unglaublich, erweist sich aber nicht nur beim Blick ins beigegebene Glossar sondern auch bei weiteren Recherchen im Internet als höchst real.

Trotz dieses sehr positiven Aspektes stehe ich auch noch Tage nach Beendigung der Lektüre dem Roman insgesamt recht zwiespältig gegenüber. Auch wenn ich den Thrilleranteil nicht wirklich vermißt habe, so hätte ich auf die Liebesgeschichte in diesem Umfang auch verzichten können, aber gut. Schwerer wiegt für mich schon die Vielzahl loser Enden, die einfach kein rundes Bild am Ende entstehen lassen. Das betrifft den von Steve aufgezogenen Internetprotest und die gesammelten Gelder, über die kein Wort mehr verloren wird. Das betrifft auch das weitere Verhalten der USA und Chinas. Das betrifft auch die am Anfang ausgestreute Spur der Ruhigstellung von Arbeitslosen in Hamburg, die schlicht und einfach im Sande verläuft. Und das betrifft auch das von Steve so lange praktizierte Internetspiel, dem ein paar Hintergründe mehr gut getan hätten. Auch insgesamt hätte ich mir, rein auf die Anteile bezogen, die Verteilung zwischen der Darstellung des tahitianischen Paradieses und der äußeren Bedrohung etwas ausgewogener gewünscht. Das Idyll auf der Insel wurde für meinen Geschmack schon ein bißchen überstrapaziert.

Insgesamt ist es sicher ein Buchtip für eine bestimmte Leserschaft, wenn die Erwartungshaltung richtig gesetzt wird.

Zur Leserunde: Auch an dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankeschön an Dirk für die Begleitung der Runde und die zusätzlichen Hintergründe und Infos, die das Lesen gleich viel interessanter machten. Wie immer war es spannend zu verfolgen, wie unterschiedlich manche Details aufgenommen werden. Und meine Mitleser hoffe ich dann mal an der Reiskleie-Teststrecke zu treffen  ;D

Schönen Gruß
Aldawen

Offline apassionata

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Und meine Mitleser hoffe ich dann mal an der Reiskleie-Teststrecke zu treffen  ;D

Gerne jederzeit.  ;D
"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

Offline Miramis

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Und meine Mitleser hoffe ich dann mal an der Reiskleie-Teststrecke zu treffen  ;D

Gerne jederzeit.  ;D

Ich bin auch dabei!  ;)

Aber jetzt erst einmal mein Leserundenfazit:

Zur Leserunde:

Es war eine sehr lebendige und informative Leserunde mit euch und ich fand es spannend, wie unterschiedlich das Buch auf die einzelnen Teilnehmer gewirkt hat. Klasse fand ich die Hintergrundinformationen, die Dirk uns hier begleitend zur Lektüre gegeben hat - lieber Dirk, vielen Dank für deine Mitwirkung! Nach diesem Buch ist mir klar, dass es alleine mit Daumendrücken für das Tahiti-Projekt nicht getan ist (ich drücke sie trotzdem), sondern dass das Tahiti-Projekt jede Menge Unterstützung brauchen kann - ich werde die Aktion in jedem Fall auf facebook weiter verfolgen und vielleicht ergibt sich ja tatsächlich mal die Möglichkeit, aktiv zur Verbreitung des Virus beizutragen.  ;)

Zum Buch:

"Das Tahiti-Projekt" ist ein Roman, der sich nicht so leicht in eine Schublade stecken lässt. Zwar steht das Prädikat "Öko-Thriller" auf dem Cover, damit wird der Leser allerdings etwas an der Nase herumgeführt, denn eigentlich verbirgt sich dahinter ein ganz anderes Buch. Aus der Perspektive des abgebrühten Kriegsreporters Cording blicken wir auf die Welt im Jahre 2022, in der sich die globalen Probleme vervielfacht haben und in der das Leben kaum noch lebenswert erscheint. Umweltzerstörung, Ausbeutung der Ressourcen, soziale Ungerechtigkeit sind nur einige davon, und das alles im großen Stil.

Als Gegenentwurf zu dieser zerbrochenen Welt präsentiert der Autor uns ein alternatives Tahiti - hier wurden sämtliche Probleme zum Wohl von Mensch und Natur gelöst. Gemeinsam mit Mike Cording staunt der Leser über völlig neue Denkansätze und Konzepte, die hier ganzheitlich umgesetzt wurden und den Menschen ein komplett neues Leben ermöglichen. Einfach genial, wie hier auf leicht verständliche Art und Weise Informationen an den interessierten Leser vermittelt werden - ich fand es sehr spannend, den Tahitianern in ihrem utopischen Inselparadies über die Schulter zu schauen und saugte die Informationen auf wie ein Schwamm.

Energiegewinnung aus Sonne und Wind, Elektroautos aus Naturmaterialien, Straßenbeläge aus Reiskleie, Kleidung aus Brennesseln, aber auch Bildungseinrichtungen wie eine Umweltuniversität, neue politische Strukturen oder revolutionäre Gedanken zum Rechtssystem, alles hat einen wahren Kern und wurde so oder so ähnlich bereits heute in der Realität durchdacht und erprobt. Trotzdem erscheint diese heile Welt in ihrer Gesamtheit auf den ersten Blick schon sehr konstruiert, was in Verbindung mit der  wunderbar poetisch dargestellten Inselatmosphäre ein Gefühl der Unwirklichkeit bei mir erzeugte. Dennoch konnte ich mich sehr gut auf die Geschichte einlassen und die weitreichenden Gedankenspiele des Autors fast immer mitvollziehen.

Das ist auch der Kern des Romans; ein gut verpacktes Sachbuch, das sich durch die begleitende Rahmenhandlung sehr flüssig und unterhaltsam weglesen lässt. Von meiner Erwartungshaltung hinsichtlich eines Thrillers konnte ich mich sehr schnell lösen, denn als Thriller kann man die Geschichte nun nicht gerade bezeichnen, obwohl ein entsprechende Komponente durchaus in der Rahmenhandlung enthalten ist. Außerdem ist eine etwas unbeholfene Liebesgeschichte integriert, die sich zwischen Cording und Omais Schwester Maeva abspielt; gut, um den Kontrast zwischen der europäischen und der polynesischen Kultur herauszuarbeiten, aber trotzdem für mich nicht unbedingt ein große Stärke des Romans.

Nein, mich hat das Buch durch seine positive Grundstimmung und die revolutionären Denkansätze überzeugt, die hier wirklich mit Herzblut geschrieben und mit großer Überzeugungskraft vorgestellt wurden - davon lebt der ganze Roman. Ich hoffe, dass er noch viele Leser finden wird, die ebenso begeistert wie ich sind und sich von Dirk C. Fleck davon überzeugen lassen, dass unsere Welt etwas besseres verdient hat, als an sich selbst zugrunde zu gehen.

Viele liebe Grüße
Miramis
« Letzte Änderung: 10. September 2010, 08:09:45 von Miramis »

Offline Myriel

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Noch ein kurzes Fazit von mir:

Die Leserunde mit euch hat mir viel Spaß gemacht, besonders da uns Dirk noch mit zusätzlichen Infos versorgt hat. Danke dafür an alle.  :)

Das Buch selbst hat mir streckenweise richtig gut gefallen, aber an manchen Punkten war es mir zu viel des Guten. Daher kann ich mich Aldawen in fast allen Punkten anschließen, nur die Liebesgeschichte hat mich nicht so sehr gestört.
Schade war für mich vor allem, dass der Verlag mit seiner Einordnung als Öko-Thriller falsche Erwartungen beim Leser weckt, denn in dieser Sparte kann das Buch kaum punkten. Als gut verpacktes Sachbuch darüber, was schon heute möglich wäre, um die Umwelt zu entlasten, funktioniert es dagegen viel besser.

Schreckensszenarien gibt es genug - dieses Buch schafft etwas anderes, es zeigt Alternativen auf. Und spannenderweise sind die keine Fiktion, sondern machbar und lebbar.
*unterschreib*

LG Myriel  :winken:

 

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