Autor Thema: 03 - Seite 141 bis Seite 210  (Gelesen 1965 mal)

Offline Miramis

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Hier könnt ihr eure Leseeindrücke von Seite 141 ("Als sie den Hügel.....") bis Seite 210 (bis einschliesslich "Schließlich war das Essen noch warm.") schildern.

Aldawen

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Noch ganz viel tahitianische Idylle, die sich irgendwann sogar in Steve festsetzt. Sein Ausstieg aus diesem ominösen „Spiel“ war erfreulich, auch wenn ich mir nicht recht vorstellen mag, wie und was er in London erleben wird. Wir erfahren zwar, daß er sich mit seiner Mutter gestritten hat, aber vielleicht wäre sie diesem veränderten Sohn gegenüber aufgeschlossener gewesen. Es muß ja nicht unbedingt (nur) ein Problem ihrerseits gewesen sein, das zum Streit geführt hat.

Ansonsten war es mir fast ein bißchen zu viel Idylle und vor allem ein bißchen zu wenig Blick nach draßen, bis zum Ende des Kapitels Das Tahiti-Projekt. Erst danach erfahren wir ja ein bißchen mehr, z. B. über den von Global Oil geplanten illegalen Rohstoffabbau, den man kurzerhand zur Staatsraison erklärt. Das Muster kommt mir allerdings bekannt vor, gerade auch mit den Auswirkungen, die Rasmussen dann skizziert. Aber nach fast zwei Dritteln des Romans sind jetzt gerade mal einige Spieler, nicht mal alle, halbwegs positioniert, und es muß doch noch einiges passieren. Ich hoffe, das läuft nicht auf einen Showdown auf den letzten 10 Seiten raus, in denen dann alles gleichzeitig passiert, das kann ich nämlich nicht gut leiden. Aber mal abwarten ...

Apropos Rasmussen: Wie ist der denn nun „zufällig“ nach Tahiti gekommen? Gut, auf Grund der politischen Rahmenbedingungen kann ich mir schon vorstellen, daß er hinwollte, aber daß er – selbst mit Unterstützung – mal eben einen Geheimdienst austrickst, der sowieso auf der Suche nach ihm ist ... Ich weiß ja nicht. Cording beginnt zumindest, Schlüsse zu ziehen aus der Email, auf die er da einen Blick erhascht hat (oder besser gesagt: auf die Steve einen Blick hat werfen können), und dem, was Rasmussen ihm berichtet. Die Unterlagen werden wohl noch mehr enthüllen, stellt sich nur die Frage, wieviel daraus wir als Leser erfahren. Da Rasmussen für Global Oil gearbeitet hat, wundert mich jetzt auch seine Verfolgung nicht mehr. Offensichtlich weiß er ja Dinge, die – aus Sicht des Unternehmens – besser nicht an die Öffentlichkeit dringen sollten. Allerdings bezweifle ich doch, daß Chefredakteur Mike die Courage aufbringen würde, einen solchen Bericht zu drucken, selbst wenn Cording (ich finde Maximilian im übrigen auch nicht besonders schön  ;) ) ihn schriebe.

Schönen Gruß
Aldawen

Offline Sille

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Ansonsten war es mir fast ein bißchen zu viel Idylle und vor allem ein bißchen zu wenig Blick nach draßen, bis zum Ende des Kapitels Das Tahiti-Projekt. Erst danach erfahren wir ja ein bißchen mehr, z. B. über den von Global Oil geplanten illegalen Rohstoffabbau, den man kurzerhand zur Staatsraison erklärt. Das Muster kommt mir allerdings bekannt vor, gerade auch mit den Auswirkungen, die Rasmussen dann skizziert. Aber nach fast zwei Dritteln des Romans sind jetzt gerade mal einige Spieler, nicht mal alle, halbwegs positioniert, und es muß doch noch einiges passieren. Ich hoffe, das läuft nicht auf einen Showdown auf den letzten 10 Seiten raus, in denen dann alles gleichzeitig passiert, das kann ich nämlich nicht gut leiden. Aber mal abwarten ...

Apropos Rasmussen: Wie ist der denn nun „zufällig“ nach Tahiti gekommen?

Huhu, ja, dem kann ich nur zustimmen  8)

Mir wurde es auch zu viel Idylle - und so langsam bin ich sehr weit mit dem Buch und irgendwie sind die Personen noch unklar - und passiert ist auch nicht nichts groß ...

Zwischendurch habe ich auch ein paar unklare Stellen, u.a. Rasmussens Auftauchen. Vorher war auch so ein unklarer Zeitsprung: Eben war Cording noch allein zurückgekehrt, während Maeve bei dieser Regierungsversammlung verweilte und plötzlich ist er mit ihr verabredet. Wäre schön, wenn man da einern Hinweis bekäme ...

Und - darf ich sagen, dass mir manches echt zu kitschig ist: "Dass er sich angesichts dieses Mädchens sämtlicher Herzensdefizite bewusst wurde, die er im Laufe seines Lebens angehäuft hatte?"

Da sag ich: "... jeder gelungene Satz musste mit der Machete erkämpft werden. Schreiben ist Schwerstarbeit."  ;D *duck und wech*
Liebe Grüße, Sille

Offline dirkc.fleck

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Liebe Sille, liebe Myriam!

Es überrascht mich wenig, dass ihr der "tahitianischen Idylle" ein wenig überdrüssig geworden seid, diesen Einwand bekomme ich des öfteren zu hören. Ich frage mich allerdings, wieso wir auf diesen Kulturkreis, von dem wir so gut wie nichts wissen, immer unsere eigenen Maßstäbe anlegen müssen. Warum tun wir uns so schwer damit zu akzeptieren, dass es noch Menschen gibt, die ein ganz anderes Verständnis vom sozialen Miteinander haben? In dem das Verständnis zwischen Männern und Frauen nach einem gänzlich anderem Muster funktioniert? Auf Tahiti und insbesondere auf den Fidschis und den Marquesas finden wir noch heute die idealen Bedingungen, mit denen sich ein solches Projekt erfolgreich umsetzen ließe. Ein gutes Beispiel für das Verständnis der Menschen dort ist das Kapitel mit der Gerichtsverhandlung. Und dass sich Cording letztlich als heimatloser Wanderer zwischen zwei Welten begreift, ist in meinen Augen nur die logische Konsequenz.
Dass Rasmussen es tatsächlich nach Tahiti schafft (das war ja nach dem Mord an seiner Familie sein einziges Ziel, sein einziger verbliebener Lebensinhalt) war dramaturgisch notwendig. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass jemand vorübergehend den Geheimdiensten entwischt.
Was Myriam an dem Satz "Dass er sich angesichts dieses Mädchens sämtlicher Herzensdefizite bewusst wurde, die er im Laufe seines Lebens angehäuft hatte?" auszusetzen hat, will mir nicht recht einleuchten. Er besagt doch nichts weiter, als dass es Cording erheblich an Herzensbildung mangelt, dass er (wie viele Männer unseres Kulturkreises) in seinen Beziehungen bisher eher auf seinen Vorteil als an einem wirklichen Miteinander interessiert war. duck und wech scheint mir angesichts einer solchen Selbsterkenntnis nicht die angemessene Reaktion zu sein.

Offline dirkc.fleck

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Entschuldigung Myriel,

der Name Myriam ist mir wohl als Mischung zwischen Myriel und Miramis aus der Feder gerutscht.
Alles Liebe
Dirk

Aldawen

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Ich frage mich allerdings, wieso wir auf diesen Kulturkreis, von dem wir so gut wie nichts wissen, immer unsere eigenen Maßstäbe anlegen müssen. Warum tun wir uns so schwer damit zu akzeptieren, dass es noch Menschen gibt, die ein ganz anderes Verständnis vom sozialen Miteinander haben? In dem das Verständnis zwischen Männern und Frauen nach einem gänzlich anderem Muster funktioniert?

Das ist – zumindest bei mir – gar nicht das Problem, ich lese viel Literatur aus anderen Weltgegenden (mit einem Schwerpunkt auf Autoren aus dem subsaharischen Afrika) und begegne auch dort ständig anderen Gesellschaftsentwürfen und Moralvorstellungen, daher bin ich da einiges gewöhnt. Zwar bezweifle ich durchaus, daß sich die hier geschilderte Lebensform der Tahitianer großflächig übertragen ließe, ich bezweifle sogar ihr *dauerhaftes* Funktionieren in kleinerem Kreis, aber ich kann das – gerade im Rahmen eines Romans – durchaus als Teil der Dramaturgie akzeptieren, denn wenn ich das nicht könnte, könnte ich auch keine Fantasy-Romane lesen, was ich durchaus und manchmal auch mit Genuß tue. Aber die Beschreibung dieses Tahiti-Idylls war mir hier, bezogen auf den Gesamtumfang des Romans, einfach zu lang. Ich hätte auch mit weniger Seiten begriffen, worin der Unterschied zu „unserer“ Ordnung resp. der Ordnung liegt, die im ersten Kapitel präsentiert wurde und die Cording kennt. Es ist also weniger ein inhaltliches als ein formales oder auch strukturelles „Problem“, wenn man das so sagen kann  :winken: 

Offline apassionata

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  • die, die als Kind nie lesen konnte...

Hallo zusammen.    

Die Gerichtsverhandlung war wahrlich eine merkwürdige Veranstaltung. Auch hier wieder die Anmerkung meinerseits, dass dies in unseren Breitengraten dieser Art wohl kaum möglich wäre so zu realisieren.
Andererseits gefällt mir die generelle Vorstellung nicht mit Verboten zu arbeiten, sondern durch positive Taten zu belohnen.

Eine Tankerflotte wurde da also unter großer Geheimhaltung gebaut. Ist es vielleicht dieses Wissen um die Hebetanker und ihre Mission welche Rasmussen als gefährliches Geheimnis mit sich trägt. Die Notwasserung des Ming-Pelikans hatte ganz sicher etwas zu bedeuten. Was das erfahren wir später genauer. Es hat auf alle Fälle mit den illegalen Schürfern zu tun.

Steves Worrior-Spiel gestaltet sich ja bis zum Äußersten.  :o. Ich dachte gerade, welch ein Zombie dieses Cyberspiel hervorzubringen vermag, als Steve dank seinen Freunden und Fara doch tatsächlich zum Glück doch noch die Kurve bekommt.  :schwitzen: Um so schöner zu sehen, wie befreit er sich selber fühlt nachdem er dieses Spiel für sich beendet hat. Das seine Mutter kurz darauf stirbt ist tragisch aber war wohl absehbar. Er muss zurück. Oh je, und gerade jetzt, da Cording einen Freund in ihm gefunden hat, er verliebt ist und seine Freiheit zu genießen begann.

Aber auch, wenn dieser Abschnitt hier nun doch so ein bisschen so vor sich hinplätscherte, ohne mich vor Spannung vom Hocker zu hauen, nahm ich ihn doch als eine Art Führung durch ein mögliches Paradies wahr, welche mir doch so manch interessanten Gedanken näher bringen konnte. Zum Beispiel fand ich die Trennung des Gesamtparmamentes in wenige aber spezialisierte Untergruppen gar nicht so schlecht. Gleichzeitig fühlte ich mich dann ganz ähnlich überfordert wie Cording, der sich dieser ganzen Flut von sozialem Friede und der allgemeinen Freude auch nicht immer gewachsen sah… Es ist fast schon zu harmonisch um wahr zu sein. Denn wo trifft man heute zum Beispiel auf stets hilfsbereite Kinder/Menschen. Nur so als Zwischenbeispiel. Aber auch globaler besehen: „Das gesamte Tahiti-Projekt“… brach in sich zusammen, es war nichts wert, wenn man es in den internationalen Kontext stellte.“ S.181 Bei dieser Stelle erging es mir wie Cording. Denn die Gier der Menschen ist unabänderlich, will ich jetzt einfach mal behaupten. Leider.

Abstrakt fand ich das Ringopfer. Dass Cording den Ring einfach so abzog und ins Wasser warf fand ich jetzt irgendwie schwach. Nicht wegen dem materiellen Wert, nein. Aber Cording ist auch Cording, mit all seinen Ecken und Kanten. Wir hatten es ja schon im ersten Abschnitt davon: Man muss ihn vielleicht nicht immer verstehen… Dies macht ihn aber gleichzeitig auch etwas undurchschaubar und hat etwas. So auch mit seiner plötzlichen Abreise… also der gewollt überstürzten Abreise, die ja dann doch nicht statt fand.

Hui Brennessel- und Bambuskleidung.  ;D Aber für diese stabilen Bambuskonstruktionen und auch für diese tolle Reiskleie kann ich mich immer noch wärmstens begeistern.

Mittlerweile erfahren wir auch immer mehr über die Hintergründe rund um Global Oil und die besagten Hebetanker. Die USA und China streben nach der alleinigen Macht, so wie es aussieht ohne Rücksicht auf Verluste. Das könnte also in den nächsten Abschnitten nun doch wieder spannender werden… :lesen:

Liebe Grüssle
                Marion  :winken:
"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

Offline apassionata

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Aber die Beschreibung dieses Tahiti-Idylls war mir hier, bezogen auf den Gesamtumfang des Romans, einfach zu lang. Ich hätte auch mit weniger Seiten begriffen, worin der Unterschied zu „unserer“ Ordnung resp. der Ordnung liegt, die im ersten Kapitel präsentiert wurde und die Cording kennt. Es ist also weniger ein inhaltliches als ein formales oder auch strukturelles „Problem“, wenn man das so sagen kann  :winken:

Du wurdest sozusagen ungeduldig.  ;D
Mir erging es da ganz ähnlich, doch ich erhoffe mir trotzdem noch, dass dieses großflächige Aufzeigen dieser Idylle noch durch eine eventuelle Gegendarstellung gekippt wird. Also weniger weil ich diese nicht gut heiße sondern eher weil ich gerne noch etwas mehr Spannung hätte.  ;)

Es überrascht mich wenig, dass ihr der "tahitianischen Idylle" ein wenig überdrüssig geworden seid, diesen Einwand bekomme ich des öfteren zu hören. Ich frage mich allerdings, wieso wir auf diesen Kulturkreis, von dem wir so gut wie nichts wissen, immer unsere eigenen Maßstäbe anlegen müssen. Warum tun wir uns so schwer damit zu akzeptieren, dass es noch Menschen gibt, die ein ganz anderes Verständnis vom sozialen Miteinander haben? In dem das Verständnis zwischen Männern und Frauen nach einem gänzlich anderem Muster funktioniert? Auf Tahiti und insbesondere auf den Fidschis und den Marquesas finden wir noch heute die idealen Bedingungen, mit denen sich ein solches Projekt erfolgreich umsetzen ließe. Ein gutes Beispiel für das Verständnis der Menschen dort ist das Kapitel mit der Gerichtsverhandlung. Und dass sich Cording letztlich als heimatloser Wanderer zwischen zwei Welten begreift, ist in meinen Augen nur die logische Konsequenz.

Ganz klar, dass wir zum Teil auch unterbewusst immer wieder unsere europäischen Lebensmaßstäbe ansetzen. Ob wir wollen oder nicht. Schließlich sind wir von Geburt an geprägt. Und diese unterscheiden sich dann doch sehr von den beschriebenen rund um diese Südseeinseln. Trotzdem versuche ich mich natürlich auch stets auf andere Kulturen und deren andersartigen Gedanken- und Lebensebenen einzulassen. Vielleicht bin ich auch einfach zu ungeduldig, da ich denke, dass ich eben das was du uns hier herüber bringen möchtest schon längst verstanden habe… und mich bereits schon nach dem nächsten Schritt sehne?
Ich lasse mich dann auch gerne überraschen was da noch kommen mag.
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Offline Sille

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Entschuldigung Myriel,

der Name Myriam ist mir wohl als Mischung zwischen Myriel und Miramis aus der Feder gerutscht.
Alles Liebe
Dirk

Hallo Dirk, ich war das, mir war der Satz zu "melodramatisch" formuliert .... ;D

Ich frage mich allerdings, wieso wir auf diesen Kulturkreis, von dem wir so gut wie nichts wissen, immer unsere eigenen Maßstäbe anlegen müssen. Warum tun wir uns so schwer damit zu akzeptieren, dass es noch Menschen gibt, die ein ganz anderes Verständnis vom sozialen Miteinander haben? In dem das Verständnis zwischen Männern und Frauen nach einem gänzlich anderem Muster funktioniert?

 Zwar bezweifle ich durchaus, daß sich die hier geschilderte Lebensform der Tahitianer großflächig übertragen ließe, ich bezweifle sogar ihr *dauerhaftes* Funktionieren in kleinerem Kreis, aber ich kann das – gerade im Rahmen eines Romans – durchaus als Teil der Dramaturgie akzeptieren, denn wenn ich das nicht könnte, könnte ich auch keine Fantasy-Romane lesen, was ich durchaus und manchmal auch mit Genuß tue. Aber die Beschreibung dieses Tahiti-Idylls war mir hier, bezogen auf den Gesamtumfang des Romans, einfach zu lang. Ich hätte auch mit weniger Seiten begriffen, worin der Unterschied zu „unserer“ Ordnung resp. der Ordnung liegt, die im ersten Kapitel präsentiert wurde und die Cording kennt. Es ist also weniger ein inhaltliches als ein formales oder auch strukturelles „Problem“, wenn man das so sagen kann  :winken:

Ja, danke, so geht es mir auch  :winken:
Liebe Grüße, Sille

Offline Myriel

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Hallo zusammen,

was diesen Abschnitt angeht, so hat Aldawen sehr schön formuliert, was mich gestört hat:
Aber die Beschreibung dieses Tahiti-Idylls war mir hier, bezogen auf den Gesamtumfang des Romans, einfach zu lang. Ich hätte auch mit weniger Seiten begriffen, worin der Unterschied zu „unserer“ Ordnung resp. der Ordnung liegt, die im ersten Kapitel präsentiert wurde und die Cording kennt. Es ist also weniger ein inhaltliches als ein formales oder auch strukturelles „Problem“, wenn man das so sagen kann  :winken: 
Das Buch wird ja als Öko-Thriller vermarktet. Öko hatten wir bis zu diesem Punkt (immerhin 2/3 des Buches) schon mehr als genug, aber wo bleibt der Thriller?  :-\

Man hat zwar mittlerweile erfahren, worin das geheime und illegale Projekt von Global Oil besteht und auch, wie Rasmussen, der ja inzwischen auf Tahiti eingetroffen ist, darin verstrickt war, doch Spannung kommt damit bei mir trotzdem noch keine auf. Bisher wird immer nur geredet und geredet, was tatsächlich passiert, erfährt man kaum und wenn, dann maximal aus den Gesprächen der Charaktere. Beispielsweise über den Absturz des Ming-Pelikans oder die Testfahrt der South Pacific hätte ich gerne mehr gelesen und es hätte bestimmt auch etwas mehr Spannung geschaffen, wenn man mehr über die Tätigkeiten des "Gegners" erfährt als nur ihren Sitzungen beizuwohnen.

Steve hat sich inzwischen zu einem runderen Charakter gemausert und gerade, wo er so richtig im Leben wieder angekommen war, erfährt er, dass seine Mutter gestorben ist. Ob der Streit, den sie zuletzt hatten, vielleicht mit dem Computerspiel zu tun hatte? Steve hat ja beinah nur noch dafür gelebt und die Ideen, die er eingereicht hat, wurden immer grausamer. Die Szene, als er seine Vorschlagsliste erstellt hat und daran geglaubt hat und der Kontrast zu der Bedeutung, die seine Vorschläge durch Faras Worte erfahren haben, fand ich gut dargestellt. Auf dem Papier bzw. im Computer sind viele Dinge nicht so "real" als wenn man sie dann ausspricht.

Abstrakt fand ich das Ringopfer. Dass Cording den Ring einfach so abzog und ins Wasser warf fand ich jetzt irgendwie schwach. Nicht wegen dem materiellen Wert, nein. Aber Cording ist auch Cording, mit all seinen Ecken und Kanten.
Diese Geste fand ich auch fehl am Platz. Er opfert einfach so den Ring für Maeva, ohne ihr zu erklären, warum er ihn noch trägt. Damit versteht sie doch überhaupt nicht, welches Opfer er für sie bringt (und ich als Leser habe es auch nicht verstanden).

Zwischendurch habe ich auch ein paar unklare Stellen, u.a. Rasmussens Auftauchen. Vorher war auch so ein unklarer Zeitsprung: Eben war Cording noch allein zurückgekehrt, während Maeve bei dieser Regierungsversammlung verweilte und plötzlich ist er mit ihr verabredet. Wäre schön, wenn man da einern Hinweis bekäme ...
An diesen Stellen bin ich auch aus dem Takt gekommen. Solche Brüche sind für den Leser einfach unschön. Besonders bei Cording, wo ellenlang erzählt wurde, wie unbehaglich er sich fühlt und dann erfährt man nichtmal, wie er die Zeit überstanden hat, während die Parlamentsmitglieder getagt haben.

Was die Erfolgsaussichten angeht, dass Mike Cordings Bericht über die Machenschaften von Global Oil drucken würde, bin ich optimistischer als Aldawen, auch wenn ich es nicht unbedingt an einem bestimmten Punkt festmachen kann. Mal sehen, was der nächste Abschnitt bringt.

LG Myriel

Offline dirkc.fleck

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Liebe Myriel,

ich zitiere: "Das Buch wird ja als Öko-Thriller vermarktet, wo bleibt da der Thriller?". Tja, Du hast es erkannt, es wird vermarktet. Als Ökothriller. Der Autor ist der letzte, der auf eine solche Etikettierung Einfluss nehmen darf. Angeboten habe ich es jedenfalls nicht als Ökothriller und ausreden lassen wollten sich die Herrschaften aus dem Verlagswesen die Bezeichnung eben auch nicht. Zumal ich laut "taz" seit "Palmers Krieg als "Vater des deutschen Ökothrillers" gehandelt werde. Vorurteilsfrei gehen wir wohl heute an nichts mehr ran, es muß eben alles einen Namen haben ....
Alles Liebe
Dirk

Offline apassionata

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ich zitiere: "Das Buch wird ja als Öko-Thriller vermarktet, wo bleibt da der Thriller?". Tja, Du hast es erkannt, es wird vermarktet. Als Ökothriller. Der Autor ist der letzte, der auf eine solche Etikettierung Einfluss nehmen darf. Angeboten habe ich es jedenfalls nicht als Ökothriller und ausreden lassen wollten sich die Herrschaften aus dem Verlagswesen die Bezeichnung eben auch nicht. Zumal ich laut "taz" seit "Palmers Krieg als "Vater des deutschen Ökothrillers" gehandelt werde. Vorurteilsfrei gehen wir wohl heute an nichts mehr ran, es muß eben alles einen Namen haben ....

Stimmt. Es ist eigentlich schon schade, dass gerade, aber eben nicht nur in der Literatur, so alles in eine Schublade gesteckt wird. Und dann natürlich noch möglichst in eine, die am meisten Profit verspricht. Andererseits lesen so natürlich viel mehr Leute genau dieses Buch, welches sie unter anderen Voraussetzungen so eben nicht ausgesucht hätten. Aber sicher ergeht es dann doch vielen Lesern so wie zum Beispiel mir. Nämlich dass sie dieses Buch dann auf einer anderen Ebene, als der angepriesenen, schätzen lernen. Dabei ist es natürlich erst einmal immer schwer sich spontan von seinen eigenen Vorstellungen (welche ja im Vorfeld geschürt wurden) wieder los zu machen. Wer dies schafft kann aber sicher nicht verlieren...
 
"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

Offline Myriel

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ich zitiere: "Das Buch wird ja als Öko-Thriller vermarktet, wo bleibt da der Thriller?". Tja, Du hast es erkannt, es wird vermarktet. Als Ökothriller. Der Autor ist der letzte, der auf eine solche Etikettierung Einfluss nehmen darf. Angeboten habe ich es jedenfalls nicht als Ökothriller und ausreden lassen wollten sich die Herrschaften aus dem Verlagswesen die Bezeichnung eben auch nicht. Zumal ich laut "taz" seit "Palmers Krieg als "Vater des deutschen Ökothrillers" gehandelt werde. Vorurteilsfrei gehen wir wohl heute an nichts mehr ran, es muß eben alles einen Namen haben ....

Stimmt. Es ist eigentlich schon schade, dass gerade, aber eben nicht nur in der Literatur, so alles in eine Schublade gesteckt wird. Und dann natürlich noch möglichst in eine, die am meisten Profit verspricht.

Das ist natürlich ungünstig, wenn das Buch in eine Schublade gesteckt wird, für die es nie vorgesehen war, denn dadurch wurden zumindest bei mir falsche Erwartungen geweckt, die (bis jetzt) natürlich nicht befriedigt wurden - "wo bleibt der Thriller?". Allerdings kann ich schon irgendwo nachvollziehen, warum die Entscheidung für diese Schublade vom Verlag getroffen wurde, denn wie apassionata schrieb, erwarten sie sich davon höhere Profite. Ein "Öko-Thriller" erweckt (zumindest bei mir) den Eindruck, dass ich so etwas ähnliches wie Frank Schätzings "Der Schwarm" erhalte, wo Umweltprobleme und eine spannende Handlung Hand in Hand gehen. Da Schätzings Schwarm ein Bestseller war, erhofft man sich wohl, in dessen Fahrtwasser mitschwimmen zu können, indem man halt das Etikett "Öko-Thriller" auf das Buch pappt. Wenn die Leser sich dann wundern sollten, warum in der Verpackung nicht das enthalten ist, was auf der Verpackung großmundig vom Verlag versprochen wurde - je nun, sie haben das Buch zu dem Zeitpunkt meist schon gekauft, so dass das dem Verlag auch egal sein kann. Der einzige, der dann unter den möglicherweise enttäuschten Lesermeinungen zu leiden haben dürfte, wäre der Autor, denn wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich noch ein Buch von ihm kaufe, wenn ich als Leser vom ersten enttäuscht wurde?

Aber sicher ergeht es dann doch vielen Lesern so wie zum Beispiel mir. Nämlich dass sie dieses Buch dann auf einer anderen Ebene, als der angepriesenen, schätzen lernen. Dabei ist es natürlich erst einmal immer schwer sich spontan von seinen eigenen Vorstellungen (welche ja im Vorfeld geschürt wurden) wieder los zu machen. Wer dies schafft kann aber sicher nicht verlieren...

Das dürfte das größte Problem sein, denn wir haben immerhin den Vorteil, dass der Autor uns bei der Lektüre über die Schulter schaut und ergänzende Anmerkungen gibt, z.B. dass er eben keinen Thriller habe schreiben wollen. Der Otto-Normal-Leser hat diesen Vorteil nicht und sich dann so schnell von seinen falschen Erwartungen zu trennen, dürfte recht schwer fallen. Selbst für mich, die ich ja jetzt weiß, dass ich nicht weiter nach dem Thriller suchen sollte, ist es nicht leicht, sich von der "Enttäuschung" zu lösen und sich statt dessen auf die Stärken des Romans zu konzentrieren.

Offline Miramis

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Hallo zusammen,

spätestens nach diesem Abschnitt war mir klar, dass die Thrillerkomponente des Romans nicht im Vordergrund steht, sondern dass er in eine gänzlich andere Richtung geht. Da diese Themen bei mir aber mitten ins Nervengeflecht treffen, war mir das ganz recht so. Was gibt es spannenderes, als Lösungen für die globalen Probleme zu finden und dann noch in die Praxis umzusetzen? Daher ist es ganz logisch, dass ich die Stränge um Rasmussen und Global Oil nicht ganz so atemlos verfolgte, sondern lieber wieder zum Tahiti-Projekt schielte.

Interessant fand ich die Passagen zur Bildungspolitik und zu Tahitis Freier Umweltuniversität, das finde ich mal eine sinnvolle Sache. Etwas skeptischer bin ich da schon beim Rechtssystem - da geht es mir wie euch anderen. Ob am Ende der öffentlichen Beichte tatsächlich überall Friede, Freude, Eierkuchen herrscht? Ich kann mir das gerade noch in einem anderen Kulturkreis vorstellen, aber auf keinen Fall in unserem; da müsste sich schon viel tun, damit die Leute sich selbst beschuldigen. Aber trotzdem fand ich die Erkenntnis schön, dass niemand ganz ohne Schuld und Verfehlung ist - nicht mal der Richter.... :D Das fand ich herrlich, fast ein wenig überspitzt - an dieser Stelle aber ein gelungener Einblick in eine Welt, wie sie sein könnte. Auch der Grundsatz, dass Belohnung richtiges Verhalten fördern soll und Kinder nicht auf der Basis von Strafen erzogen werden, ist ein toller Ansatz, der viel öfter auch hier bei uns Eingang in das Bildungs- und Erziehungssystem finden sollte. Tuts auch schon, zum Glück.

Klasse fand ich das Auto, das mit dem Vorschlaghammer nicht zerstört werden kann; und dann ist das Ding auch noch aus reinen Naturmaterialien und wird mit Lithium -Batterien betrieben - ich will sofort auch so eines haben. ;D Und die Abwrackprämie nehme ich auch gleich mit.  ;)

Cording scharwenzelt ja immer noch um Maeva herum; die hat ihn ja ganz schön um den Finger gewickelt. Ob das noch etwas wird mit den beiden?

Steve dagegen scheint mir Nägel mit Köpfen zu machen und cancelt sein Computerspiel, als ihm der Warrior-Wahnsinn bewusst wird. Gut, dass seine tahitianischen Freunde ihn da herausholen und er von seiner Spielsucht abgelenkt wird. Er wirkt sehr viel menschlicher, seit er sich auf Menschen und nicht nur auf das Spiel einlässt. Dass seine Mutter stirbt, ist sehr traurig und es täte mir sehr leid, wenn er nun vollends aus der Handlung verschwindet. Er hat sich für mich nach und nach als Sympathieträger entwickelt, den ich ungern missen würde.

Omais Plan, das Parlament in vier Subsysteme zu gliedern, finde ich genial - allerdings ist es hier wie überall, man muss aufpassen, dass nicht ein riesiger Wasserkopf entsteht. Aber die einzelnen Themen zu teilen und den Spezialisten zu überlassen, würde sicher so manche Entwicklung erleichtern und beschleunigen, weil nicht ständig Leute mitreden würden, die nichts von der Sachlage verstehen.

Am Ende des Abschnitts kommt dann doch etwas Bewegung in die Geschichte, was den Thriller betrifft. Rasmussen taucht auf Tahiti auf und bringt einiges ans Licht - jetzt wird klar, was Global Oil vorhat und ich bin ja mal gespannt, wie das noch weitergeht. Ach ja, und in die Liebesgeschichte scheint auch Bewegung zu kommen, auch wenn Cording deswegen nicht gleich seinen Ring hätte wegwerfen müssen - ein starkes Symbol zwar, aber irgendwie auch übertrieben. Damit kann er seine erste Ehe auch nicht ungeschehen machen. Aber er scheint ja schwer verliebt zu sein...

Viele liebe Grüße
Miramis





Offline apassionata

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Etwas skeptischer bin ich da schon beim Rechtssystem - da geht es mir wie euch anderen. Ob am Ende der öffentlichen Beichte tatsächlich überall Friede, Freude, Eierkuchen herrscht? Ich kann mir das gerade noch in einem anderen Kulturkreis vorstellen, aber auf keinen Fall in unserem; da müsste sich schon viel tun, damit die Leute sich selbst beschuldigen. Aber trotzdem fand ich die Erkenntnis schön, dass niemand ganz ohne Schuld und Verfehlung ist - nicht mal der Richter.... :D Das fand ich herrlich, fast ein wenig überspitzt - an dieser Stelle aber ein gelungener Einblick in eine Welt, wie sie sein könnte.

Ja, ich denke auch ganz klar, dass es hier zu Lande mit der Umsetzung klappen würde. Doch auch für mich zählte hier einfach auch die Botschaft an sich.  8)

"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

 

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