Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler)  (Gelesen 1448 mal)

Online Suse

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Hier ist Platz für die Rezensionen und Meinungen (zur Leserunde allgemein), die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen - zumindest ein Fazit zur Leserunde (natürlich auch wieder eines von Tobias) ist immer interessant.

Bitte vermeidet Spoiler in den Rezensionen und verratet nichts Handlungsrelevantes.
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Online Suse

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Soo... aus der Mittagspause noch mein Fazit :winken:

Meine Meinung:

Elvis Presley, Kurt Cobain, Jimi Hendrix - die größte Gefahr für einen Halbengel ist es, zu fallen. Dies ist nicht nur die Geschichte des genialen Rockmusikers Floyd Timmen. Es ist auch die Geschichte eines Aufstiegs, einer Engel-Werdung und eines Falls. Doch vor allem ist es die Geschichte der Rockmusik. Tobias O. Meißner entführt uns in eine schillernde, laute, schreckliche und schöne Welt und er lässt dabei nicht nur den Gitarristen Floyd zu Wort kommen, sondern auch die anderen Musiker. Die Groupies, Produzenten, Kritiker und Fans.

"HalbEngel" liegt hier in der neuen Auflage des Golkonda-Verlages vor, der sich bei der Gestaltung sehr viel Mühe gegeben hat. Erstmals wurde auch das Gedicht "Zuerst die Echos" mit abgedruckt. Diese kleinen, aber sehr feinen Zeilen fehlten leider in der alten Rotbuch-Ausgabe. Neben dem schönen HalbEngel-Cover überraschen auch die Innenseiten mit kleinen Illustrationen.

Auf die Lektüre war ich sehr gespannt, denn die Musik ist kein sehr essentieller Bestandteil meiner Welt. Natürlich höre ich ab und zu gerne Musik und dann auch bevorzugt Rock - allerdings erlag ich noch nie der Faszination, die auf der Rückseite beschrieben wird mit "Ich glaube nicht an Noten. Ich glaube an den Rausch in mir." Ob der Autor, den ich mit jedem seiner Bücher mehr zu schätzen weiß, es schaffen konnte, mich trotzdem gefangen zu nehmen mit seinen Worten?

Er konnte. Zwar noch nicht gleich mit den ersten Kapiteln, die in "HalbEngel" als Rythmus bezeichnet werden - hier war das ganze für mich noch etwas zu technisch mit all den Fachausdrücken der Musikszene. Aber später, als die Geschichte plötzlich menschlicher, emotionaler wurde. Die ersten Rythmen waren meiner eigenen Welt leider zu fern, als dass ich mich richtig hineindenken konnte. Vieles verstand ich schlicht und einfach gar nicht und ich vermute, dass auch sämtliche Anspielungen auf Musiker und die Szene an mir vorbeigingen. Zeitweise fühlte ich mich also wie die sprichwörtliche Sau, der Perlen vorgeworfen werden. Trotzdem fühlte ich, dass da etwas war. Ich fühlte, ohne es zu wissen: Dieses Buch ist typisch Tobias O. Meißner. Also eigentlich das, was ich so gerne mag. Aber noch sollte es mich nicht in meinem Inneren erreichen.

Dann kamen die Rythmen, die mich gefangen nahmen. Kritikerstimmen, Pressemappen und eine Konzertbeschreibung, bei der ich sicher war, dass ich nicht nur den wabernden Cannabis-Duft, sondern auch den Schweiß der Extase riechen kann. Und da war er doch schon: Tobias mit Witz, Wortgewandtheit, Verwandlungsfähigkeit. Ganz großartig fand ich ein Interview mit Floyd, in dem mir dieser endlich sympathisch wurde:

Soll ich so tun, als würde mich das alles nicht interessieren, nur weil es mittlerweile chic geworden ist, dass jeder selbsternannte Künstler sich kritisch zur Klimapolitik äußert?

Floyd Timmen ist ein HalbEngel, der irgendwann bemerkt, dass er Gefahr läuft, zu fallen. Ist diese Welt auch seine Welt? Denn eigentlich ist seine Gitarre alles, was er braucht, um sich frei und glücklich zu fühlen. Schließlich steht er vor dem zweiten großen Wendepunkt seines Lebens und muss sich entscheiden, was ihm seine Freiheit wert ist.

Das Ende lässt die Frage in den Köpfen zurück: Was ist Freiheit? Wann ist jemand wirklich frei? Gibt es diese absolute Freiheit überhaupt?

"HalbEngel" konnte mich nicht zu 100% überzeugen, aber es war nahe dran. Das zentrale Thema sind weder Floyd Timmen, noch seine Band - Hauptcharakter ist die Musik. Um nichts anderes geht es hier. Alle Menschen, die in der Geschichte mitspielten, betraten ihre Bühne und verließen sie dann wieder. Aber die Musik blieb vom Anfang bis zum Ende.

Zur Rezension auf Literaturschock

Tobias, auf Amazon habe ich schon rezensiert. Auf Facebook mache ich die Verlinkung heute Abend :winken:

Zur Leserunde:

Es hat mir wieder viel Spaß gemacht, mit euch zu diskutieren und eure Eindrücke zu lesen. Nun bin ich sehr gespannt auf Tobias' knifflige Fragen  ;D
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Offline bella*

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Meine Meinung:

Mit etwas Abstand betrachtet, kann ich jetzt auch endlich mal meine Meinung zu dem Buch abgeben. :) Die Geschichte über Musik und was eigentlich dahinter steckt, fand ich sehr interessant. Teilweise war es auch erschreckend zu sehen, was die Musik bzw. vielmehr die Produzenten mit einem Musiker machen und wie sehr es ihn hinunterreissen kann. Auch wenn ich es anfangs etwas verwirrend fand, haben mir die kleinen Zitate oder Gedichte zu Anfang des Buches und der einzelnen Kapitel sehr gut gefallen.
Leider ist es mir teilweise etwas schwer gefallen, die technischen Dinge hinter der Musik zu verstehen, die zumindest am Anfang doch einen erheblichen Teil ausmachen, was leider meinen Leseeindruck ein bisschen geschwächt hat. Allerdings wurde er dann ab ungefähr der Hälfte des Buches komplett übertroffen. :) Man konnte richtig mitfühlen und sich hineindenken in das Leben von Floyd und seiner Band. "Halbengel" hat mir - trotz der anfänglichen Schwierigkeiten - ziemlich gut gefallen. Ebenfalls das Cover spiegeln die Geschichte es Buches doch auf eine schöne Art und Weise wieder.
Man gewinnt bei dem Buch den Eindruck, man würde das Leben einer realen Person erzählt bekommen, was ich sehr schön fand. :)

Zur Leserunde:

Nachdem ich länger keine autorenbegleitende Leserunde mehr mitgemacht habe, hat mir diese wieder sehr sehr gut gefallen. Großes Lob auch an Tobias, ich werde probieren mehrere Leserunden mit dir zu machen. :) Es hat mir wirklich Spass gemacht. Ich fand/finde es auch toll, dass soviele Diskussionen entstanden sind, die über das Buch hinausgingen (auch wenn ich dabei leider nicht immer mitreden konnte, zum Lesen war es super). Ebenfalls emfinde ich es im Nachhinen betrachtet sehr gut, dass du uns nicht von Anfang an deinen Musikgeschmack und Co verraten hast und dich ebenfalls (durch die Fragen am Schluss) für deine Leser interessiert hast!
 8)

Offline Tobias O. Meißner

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 :schnarch: :schnarch: :schnarch: :schnarch: :schnarch:
So, ich glaube, hier tut sich nichts mehr. Im Schlafsaal der Geschichte herrscht Ruhe.

Ich danke Euch allen für die schöne Leserunde! Es war auch für mich eine spannende Erfahrung, in ein Buch, das ich vor sechzehn Jahren geschrieben habe, nochmal so tief einzusteigen. Fast wie eine Zeitreise, aber mit gegenwärtigen Reisegefährten!

Ich hoffe, wir treffen uns bei anderen Leserunden wieder. (In diesem Jahr sind ja noch zwei mit mir geplant ...)

 :winken:: Tobias

Online Suse

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Hallo Tobias,

ich denke auch, dass Du jetzt nicht mehr ständig hier beobachten musst. Vielleicht kommen ja noch ein paar Fazits (würde mich freuen). Schade eigentlich, dass da außer von bella und mir sonst nichts kam  ???

Ich danke Dir auch mal wieder für die schöne Leserunde - vermutlich hätte ich das Buch ohne die Leserunde gar nicht weitergelesen (oder ich hätte monatelang dafür gebraucht).

Soll ich Dir wegen Mammut nochmal kurz vorher Bescheid geben oder hast Du den Termin selbst unter Beobachtung stehen?

Liebe Grüße
nimue
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Offline Yklamyley

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:schnarch: :schnarch: :schnarch: :schnarch: :schnarch:
So, ich glaube, hier tut sich nichts mehr. Im Schlafsaal der Geschichte herrscht Ruhe.

 :-[

Also von mir kommt sicher noch etwas! Ich befinde mich nur momentan im Prüfungsstress und der raubt mir jeden Nerv und jede Motivation für alles andere  :(
Es wäre ja auch schwer unfair, wenn ich dich da so in der Luft hängen lassen würde, wo mir doch die Runde so Spaß gemacht hat und ich mich über jeden deiner Kommentare gefreut habe.
Vielleicht findest du ja trotzdem noch etwas Zeit, hier vorbeizuschauen, vor allem da du ohnehin in Sachen Mammut hier unterwegs bist!  :)
Man ruft einen Namen am Halbengelsee: / "Yklamyley! Yklamyley!
Sie ist die Mächtigste von uns allen!
Ihr Zauber muss selbst den Sternen gefallen!"
"Weshalb? Hat denn eines Gedichts sie entbunden?"
"Nein, besser: Sie hat ihren Namen erfunden!" (Tobias O. Naheanrilke, 7. 1. 2011)

Offline Tobias O. Meißner

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Ja, aber natürlich kann ich hier noch reinschauen, ob sich etwas tut!
Eigentlich wollte ich Euch doch nur entlasten. Damit Ihr nicht denkt, Ihr MÜSST unbedingt noch ein Fazit posten. Das soll doch kein Zwang sein, das soll doch auch Spaß machen. (Die fünf schlafenden Smileys sollten keine Langeweile darstellen, sondern eine behaglich ins Bett gebrachte Leserunde. Den Schlafsaal der Geschichte halt.  ;))
Und keine Sorge, ich hänge schon nicht in der Luft, ich schreibe gerade mit Volldampf an DIE DÄMONEN III, da bin ich den ganzen Tag mittendrin im - ziemlich aberwitzigen - Geschehen, da peitscht mir der aufgewühlte Wüstensand nur so um die Ohren ... >:D
Ich nehme mir nichtsdestotrotz eine Minute Auszeit, um die Daumen zu drücken für Deine Prüfungen!
und @Nimue: den 11. Februar habe ich mir im Kalender eingetragen. Ich werde pünktlich da sein, Mistress! :popcorn:

hier und dort und überall: Tobias

Online Suse

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und @Nimue: den 11. Februar habe ich mir im Kalender eingetragen. Ich werde pünktlich da sein, Mistress! :popcorn:

Prima  ;D
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Offline Yklamyley

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Ich nehme mir nichtsdestotrotz eine Minute Auszeit, um die Daumen zu drücken für Deine Prüfungen!

Oh danke, ich glaube, es hat wirklich geholfen!   8)


Mein Fazit:


Etwa vier Prozent der Menschheit sind sogenannte Synästhetiker, das heißt bei ihnen sind Wahrnehmung einzelner Sinneseindrücke gekoppelt, manche können so beispielsweise Farben hören oder verbinden sie mit  Ziffern / Buchstaben.

Die meisten Menschen können dies durch ihre Erfahrungen daher nicht nachvollziehen. Jeder einigermaßen fantasiebegabte Mensch kann jedoch noch viel seltsamere Dinge erleben, wenn er sich auf die Literatur einlässt und auf Werke trifft, die ihm örtlich, emotional oder gedanklich neue Sphären, Türen in fremde Welten eröffnen, und andere, die mithilfe der Sprache, die wir schon unser ganzes Leben lang täglich hören, erleben und benützen, nicht nur Bilder zeichnen, sondern auch Gerüche transportieren, die plötzlich beinahe eine körperliche Form im Kopf annehmen, also mehrfach synästhetisch, oder man vermeint Geräusche zu hören, Schlachtenlärm, Grillenzirpen, und Musik, laut, leise, beschwingt, tragend, traurig und heiter.

In Tobias O. Meißners Roman „HalbEngel“ ist die Musik nicht nur Thema, sondern sie schwingt zwischen den Seiten. Manchmal vermeint man sie zu hören, manchmal wirkt sie wie ein unbekanntes Tier, fremd aber doch einer Gattung zuzuordnen, und manchmal verspürt man das dringende Bedürfnis, auch außerhalb der Gedankenwelt genau jetzt in diesem Moment ein bestimmtes Lied zu hören.

Verpackt ist dies in die Geschichte Floyd Timmens, eines genialen jungen Musikers, dessen Aufstieg und Fall im Business der Leser verfolgt, natürlich nicht ohne auf die zu erwartenden Gestalten zu treffen: Groupies, Manager, Koryphäen an Instrumenten, Techniker, Journalisten, Fans, wohlmeinende, vermarktende, kritische Personen, von denen es niemandem nur um die Musik zu gehen scheint, niemandem außer Floyd selbst, der seine Welt mit Klängen auslotet, für den sie zum Leben gehört und den sie über den Tod tragen, den sie unsterblich machen soll.

In den einzelnen Kapiteln, die hier Rhythmen heißen, wechselt Tobias O. Meißner Stile, verändert Perspektiven und so ist auch der Leser gezwungen, seinen Rhythmus dem Gelesenen anzupassen, während er gleichzeitig immer Möglichkeiten erhält, sein eigenes Verhältnis zur Musik, die Bedeutung der Musik für sich selbst zu reflektieren.

Ein fantastisches Buch, bei dem nur einige Rhythmen hinter dem Gesamtkunstwerk zurückstehen.
Man ruft einen Namen am Halbengelsee: / "Yklamyley! Yklamyley!
Sie ist die Mächtigste von uns allen!
Ihr Zauber muss selbst den Sternen gefallen!"
"Weshalb? Hat denn eines Gedichts sie entbunden?"
"Nein, besser: Sie hat ihren Namen erfunden!" (Tobias O. Naheanrilke, 7. 1. 2011)

Offline Loomis

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Von mir auch noch ein kurzes Fazit:
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, wenn auch nicht ganz so gut wie andere überragende Romane von Tobias, wie zum Beispiel die Mammut-Reihe oder die Hiob-Bücher.

Da ich selbst Gitarre in einer Band spiele fand ich viele Beschreibungen in dem Buch sehr treffend und fühlte mich heimisch. An manch anderen Stellen - und das soll mein einziger Kritikpunkt sein - konnte man vielleicht aber doch merken, dass Tobias selbst eben nie in einer Band spielte oder auf Tour war. Das tut dem Roman jedoch keinen Abbruch und je mehr das Buch voranschreitet, desto sicherer wird Tobias auch auf dem Terrain des Musikromans. Tobias wird also sozusagen dann am besten, wenn er nicht wiedergibt wie Musiker reden und tun, sondern wenn er es aus sich selbst heraus schreibt. Mir scheint als hätte Tobias im Laufe des Romans immer mehr Mut bekommen, sich von realen Vorbildern und Interviews zu lösen und einfach nur er selbst zu sein. Und das ist gut so.

Ich fühlte mich köstlich unterhalten und kann das Buch jedem weiterempfehlen der sich für Musik interessiert und gerne auch mal ein ungewöhnliches Buch liest.

 

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