Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler!)  (Gelesen 1515 mal)

Offline Annabas

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Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen - zumindest ein Fazit zur Leserunde (auch eines der Autorin) ist immer interessant.

Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen. Danke!
:lesen:   "Wenn du einen Garten und dazu noch eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen." Marcus Tullius Cicero

Offline Annabas

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Hallo miteinander,
so, nachdem ich die Geschichte nun habe etwas sacken lassen, hier noch meine Rezension/Fazit:

Silvia Kaffke – Das rote Licht des Mondes



Inhaltsangabe:

Duisburg-Ruhrort im Jahre 1854: Zwei junge Mädchen wurden getötet und grausam zugerichtet. Für den Bürgermeister ist der Schuldige schnell gefunden: ein geistig etwas zurück gebliebener Sohn eines Schiffers. Doch Commissar Robert Borghoff ist sich da nicht so sicher, denn es bleibt nicht der einzige Mordfall und etliche Indizien deuten darauf hin, dass der Täter in der besseren Gesellschaft von Ruhrort zu finden ist. Hilfe bei seinen Ermittlungen bekommt er von Lina Kaufmeister, einer noch jungen Frau, die – weil unverheiratet – aber schon als „alte Jungfer“ gehandelt wird und die endlich aus dem Haushalt ihres Bruders in eine eigene Wohnung umziehen will – was nicht so einfach ist, da eine unverheiratete Frau stets unter der Vormundschaft des Vaters oder des Bruders steht. Zusammen mit Lina, die die beiden toten Mädchen gefunden hatte, macht sich Borghoff auf die Suche nach dem wahren Schuldigen und was er dabei findet, mag er selbst nicht glauben ...

Um Lina Kaufmeister und Robert Borghoff gibt es ein weiteres Buch: „Das dunkle Netz der Lügen“

Der erste Satz:

„Der helle Tag war längst zu Ende gegangen, erwärmt von der Spätherbstsonne.“

Meine Meinung zum Buch:

Diese Geschichte fand ich sehr, sehr spannend und ich wollte das Buch zum Schluss hin nicht mehr aus der Hand legen. Wobei ich gar nicht entscheiden möchte, ob mir die Ermittlungen in den Mordfällen oder die Geschichte um Lina Kaufmeister mehr gefallen haben – beides fließt wunderbar ineinander über und ist eigentlich nicht voneinander zu trennen. Die Geschichte ist insgesamt rund.

Lina Kaufmeister ist eine sehr sympathische Figur, ich mochte sie gleich sehr. Ihr Leben und ihr Kampf um Selbstständigkeit als allein lebende Frau sind eindrücklich erzählt, ich konnte mit ihr immer mitfühlen, mich mit ihr freuen und mit ihr leiden. Was man am Rande dabei über die Stellung der Frau zur damaligen Zeit erfährt, war für mich erschütternd. Lina ist eine sehr glaubwürdige Figur und denkt für die damalige Zeit sehr modern – was sie dann auch in die entsprechenden Schwierigkeiten bringt, was wiederum die Glaubwürdigkeit erhöht, denn damit ist Lina keine Superheldin, welche sich über die Gegebenheiten ihrer Zeit so einfach hinwegsetzen kann.

Auch Commissar Robert Borghoff ist ein sympathischer Charakter, der sich wie Lina mit den Erfordernissen der Zeit herumschlagen muss. So muss er – entgegen besserem Wissen – mit ansehen, wie ein Unschuldiger verurteilt wird, nur weil dies seinem Vorgesetzten, der den Fall möglichst schnell erledigt haben möchte, so am besten gefällt.

Die Schilderungen oder Beschreibungen in der Geschichte erschienen mir sehr farbig und bildhaft – ich hatte die jeweilige Szenerie oder die jeweilige Person immer vor Augen.

Faszinierend fand ich insgesamt die Zeit, in der diese Geschichte angesiedelt ist. Die beginnende Industrialisierung mit ihrer Goldgräberstimmung und den „neureichen“ Stadtbewohnern, die rigide Behandlung und geheimdienstliche Beschattung der 1848er-Revolutionäre und nicht zuletzt die Bevormundung der Frauen waren hoch interessant in die Handlung eingeflochten.

Für mich war dieses Buch ein sehr schönes Leseerlebnis – und der zweite Band steht schon auf meiner Merkliste.

Bedanken möchte ich mich besonders bei Silvia Kaffke, die uns hier durch die Leserunde begleitet hat und sehr interessante Details beigesteuert hat – das hat die Geschichte noch einmal interessanter gemacht. Danke!    :)

Und ein Danke auch an die Mitleserinnen – es war wieder schön, mit euch zu diskutieren und zu spekulieren.    ;)

Insgesamt also eindeutig:    :buchtipp:

Viele Grüße von Annabas    :winken:
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Offline SheRaven

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  • Ich bin als Kind in die Buchstabensuppe gefallen!
Hallo zusammen,

das Buch habe ich schon seit ein paar Tagen beendet und möchte nun auch meine Meinung dazu hier hinterlassen.

Im Prinzip kann ich mich Annabas Meinung nur anschließen.
Die Geschichte ist wunderbar spannend, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Figuren machten auf mich alle einen authentischen und glaubhaften Eindruck, was für mich bei historischen Romanen wichtig ist. So agierten sie nicht immer, wie es sich die Leserin von heute aus ihrer Sicht wünschen würde, sondern sie agierten als Menschen ihrer Zeit, vertraten die Meinungen die zu dieser Zeit üblich waren und die für uns manchmal empörend und unverständlich waren. Doch gerade das machte die Figuren so echt und glaubhaft.

Als authentisch habe ich auch die Schauplätze empfunden. Ich bin mir sicher, das es die Wege, die Lina, Borghoff und die anderen Protagonisten gegangen sind, zum größten Teil tatsächlich gegeben hat und teilweise sicher auch noch gibt.  Man merkt dem Text die aufwändige und liebevolle Recherche an, erfährt viele Details aus (Duisburg-)Ruhrort und fühlt sich so richtig mitten ins Geschehen des Jahres 1854 gezogen.

Keine Frage, dass ich "Das rote Licht des Mondes" schon weiterempfohlen habe und das der zweite Band, "Das dunkle Netz der Lügen", bereits auf meiner Wunschliste steht.

Herzlichen Dank an Silvia Kaffke für die Begleitung dieser Leserunde und auch dafür, dass sie die Geschichte um Lina geschrieben hat.  :)

Es war eine ganz besonders schöne Leserunde, danke auch an alle Mitleserinnen!

 :buchtipp:
Liebe Grüße
SheRaven

Offline smyrill

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Im Großen und Ganzen kann ich auch das meiste unterschrieben was hier steht ;)

Ich habe einige sehr angenehme Stunden mit diesem schönen HiRo verbracht.
Das Buch ist einfach "schön geschrieben" so das man einfach immer weiterlesen konnte und wollte :)

Die Story an sich gefiel mir. Faszinierend,  das in vielen Rezis (auf anderen Seiten ;) ) die Glaubwürdigkeit des Themas angezweifelt wird. Ich weiß ja nicht wirklich was "damals" so los war, aber ich Zweifle nicht daran das das Thema an sich so "echt" ist. Aber das wird ja auch heutzutage noch oft angezweifelt und die die davon erzählen als "Spinner" abgetan. Man kommt dem Thema auch recht bald auf die Spur, die Inidizien lassen ja fast nichts anderes zu.

Spannend blieb es aber bis zum Schluß...

Der Krimi trat bei mir über weite Strecken fast in den Hintergrund, weil die Geschichte von Lina so fesselnd war. ;)
Sie ist mir auch wirklich ans Herz gewachsen und ich freue mich schon drauf, im Folgeband zu lesen, wie es ihr weiterhin ergeht.
Aber auch alle anderen Charaktere im Buch konnten mich überzeugen, jetzt mal unabhhängig davon wie sympatisch (Borghoff und Finchen natürlich, aber auch Frau Dahlmann ) oder unsympatisch sie mir sind.

Die Leserunde hat mir gut gefallen, es macht einfach Spaß hier gemeinsam zu lesen !
Ein Dankeschön natürlich auch an die Begleitung durch Silvia.

Offline SilviaKaffke

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Tja, nun ist sie durch, die Leserunde. Und weil ich in den nächsten Tagen viel zu tun habe, möchte ich mich, auch wenn noch Rezis kommen können, schon einmal für euer Interesse bedanken. Es hat mir viel Spaß gemacht, ihr wart sehr aufmerksame Leser! Und es hat mich gefreut, dass ihr, obwohl ihr doch alle die Erwartungshaltung hattet, es mit einem normalen Whodunit zu tun zu haben, den Schwenk weg von der reinen Mörderhatz so bereitwillig mitgemacht habt.
Wenn ihr euer Lina-Erlebnis komplett machen wollt, besucht Ruhrort. Macht eine Hafenrundfahrt und bucht im Café Kaldi (http://www.cafe-kaldi.de/include.php?path=start) die Tour durchs Haniel-Museum mit anschließendem Kaffee und Kuchen in den Räumen, in denen sich Schimanski prügelte. Geht ins Museum der Deutschen Binnenschifffahrt (http://www.duisburg.de/micro/binnenschifffahrt/), in dem auch viel über das alte Ruhrort ausgestellt ist, u.a. ein Modell des Hebeturms.
Und wer rund zwei Stunden Zeit hat, der kann den zweiteiligen Clip auf Youtube ansehen und vergleichen, was ich bei der Theaterfassung alles weglassen musste und wie wir das mit dem Kult gelöst haben. http://www.youtube.com/watch?v=YUBdp76m5PE

Liebe Grüße an alle
Silvia
 

Offline Annabas

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Vielen Dank, Silvia, für dein Fazit für diese Runde.
Ich denke, du hast gemerkt, dass wir alle viel Spaß an dem Buch hatten.  :winken:

Da das Ruhrgebiet schon lange auf meiner "Will-ich-endlich-mal-sehen"-Liste steht, werde ich es auch nicht versäumen, Duisburg und jetzt natürlich auch Ruhrort zu besuchen. Danke für die Tipps! Das Cafe Kaldi sieht schon mal toll aus!

Viele Grüße von Annabas  :winken:
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Offline Gurke

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Lina Kaufmeister lebt als unverheiratete und damit unmündige Frau bei ihrem Bruder Georg. Da sie seit ihrer Kindheit ein Hüftleiden hat, hinkt sie sich durch das Leben, doch dieses körperliche Gebrechen wird durch ihre spitze Zunge und den messerscharfen Verstand wettgemacht. Linas Leidenschaft ist das Schneidern und Ändern von Kleidern, wodurch sie bei Familie und Freunden regelmäßig (unentgeltliche) Aufträge annimmt.
Eines Abend muss sie auf dem Nachhauseweg einen grausigen Fund machen, denn zwei Mädchen liegen dort mit aufgeschnittenen Brustkörben auf der Straße. Kommissar Borghoff ist sofort zur Stelle und nimmt die Ermittlungen auf, doch leider behindert der Bürgermeister diese aus Angst um den Ruf des florierenden Ruhrorts und so hält Lina Augen und Ohren auf, um den widerlichen Kindsmörder zu überführen und gerät dabei beinahe selbst in die Fänge des Teufels.

Man lernt viel über das Leben in Deutschland während der industriellen Revolution, die den ersehnten Aufschwung und damit mehr Verdienstmöglichkeiten und bessere Lebensumstände für die Bürger bietet und dadurch aber auch das Zuziehen von vielen neureichen Geschäftsleuten mit teilweise dunklen Vergangenheiten. Durch den großen Zuwachs wird es für die Polizei allerdings auch immer schwieriger, alle Neuankömmlinge einzutragen und so kann sich ein Mörder unerkannt durch die vielen Gassen und Straßen der Ruhrstadt bewegen.
Gleichzeitig werden aber auch die gesellschaftlichen Aspekte gut beleuchtet, denn häusliche Gewalt an Frauen war keine Seltenheit und wird in all ihrer Brutalität aufgezeigt.
Zu guter Letzt finden auch noch einige Liebesgeschichten Platz in dem Werk von Frau Kaffke, so dass für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Der Schreibstil ist für einen historischen Roman nicht zu altmodisch und besticht vor allem durch viele dunkel angehauchte Attribute und Adjektive, die des Flair des Schauplatzes und die Angst der Protagonisten greifbar macht.

„Das dunkle Licht des Mondes“ ist mit Abstand der beste historische Roman, den ich seit langem gelesen habe, was vermutlich eindeutig auf die vielen Krimielemente zurückzuführen ist! Der Roman baut eine so dichte, mysteriöse Geschichte auf und liefert dabei noch so viele Facetten, dass es jedem Bücherwurm mit dem Hang zu unvorhersehbaren Inhalten eine Freude ist. Der Nachfolger „Das dunkle Netz der Lügen“ mit den uns bekannten Personen ist am 17.September.2010 erschienen und steht damit weit oben auf meiner Wunschliste.

 

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