Autor Thema: 04: Seite 148 (Fortsetzung) bis Ende  (Gelesen 1825 mal)

Offline Fatschbumdidelzong

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Hallo Jens,
die Läuterung der Schöpfung in einem geschichtlich fortschreitenden, aber in der Ewigkeit aufgehobenen Akt der Selbsterkenntnis des Weltgeistes - das ist mir zu viel Hegel. Da kann ich nicht mit.
Ich kann auch die mikrokosmische Läuterung des einzelnen Menschen durch sein persönliches Leid nicht mit dem Gedanken eines gnädigen Gottes vereinen: Man kann vielleicht aus freier Wahl Böses tun, aber das Opfer dieser Bosheit hat die Wahlfreiheit nicht.

In der Konsequenz bin ich aber wieder bei Dir: Ich glaube, daß selbst dem Teufel (als Metapher) am Ende vergeben wird und sich selbst für mich chronischen Querkopf noch ein Plätzchen im Himmelreich finden wird.

Den Teufel als Gestalt halte ich für eine unglückliche Verquickung von heidnischen Elementen, falsch verstandener Askese uns ins Christentum eingeflossenen Manichäismus. Der erste "Teufel" war der Ariman aus dem zoroastrischen Glauben: Dieser teilte die Welt eins zu eins in Schwarz und Weiß, Gut und Böse, Tag und Nacht. Da brauchte es einen Gegenspieler für den guten Ahura Mazda. Über den Manichäismus ist dieser Gedanke dann erst ins Judentum und dann ins Christentum gelangt.... und macht da Schwierigkeiten:
Wie kann ein allmächtiger Gott einen gleich mächtigen Gegenspieler haben? Das wird mythologisch durch den Krieg im Himmel erklärt: wie die Titanen versuchten die Olympier zu stürzen, so versuchen es auch die gefallenen Engel. Trotzdem bleibt's ein Widerspruch in sich.
Im Abendland bekommt der Teufel dann noch die Attribute, die ihm die neurotische Sexualmoral andichtet: Die Dauererektion des Priapus, die Hörner und Ziegenfüße der Sartyren, welch letztere sich schließlich zu Pferdefüßen auswachsen.
Nichts davon steht im Neuen Testament - oder wäre auch nur mit dem Glauben an einen allwissenden und allweisen Gott vereinbar. Jens Teufel nimmt sich wohltuend menschlich aus. Aber will ja auch nicht als Freak in die Presse.


Offline Fatschbumdidelzong

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dass die reporterin katie meggle sich im zweiten akt so verhält, hat viel mehr mit psychologie zu tun, als mit frauenfeindlichkeit. ...

es gibt verschiedene möglichkeiten auf sowas zu reagieren, auch im richtigen leben. die meggle tritt aus überforderung die flucht nach vorn an. sie KANN sich ihren erschütternden wahrheiten nicht stellen, also geht sie in diese kranke offensive (und benimmt sich in noch stärkerem maß auf die weise, die der teufel ihr vorgehalten hat).

... also schlägt sie sich mit allem was sie hat auf seine seite.

So etwas hatte ich mir schon gedacht. Mir sind solche Menschen - meist Frauen - schon begegnet. Allerdings überlässt Du diese Persönlichkeitsentwicklung der Phantasie des geneigten Publikums - sie wird nicht im Stück motiviert oder ausagiert.


das bringt mich direkt zu schmelzer. und der ist beileibe nicht deshalb "verrückt geworden", weil der scheck nicht gedeckt war! das wäre doch viel zu platt... er hat nicht verkraftet, was der teufel am ende des ersten aktes über ihn sagt. er flüchtet quasi aus dem opportunismus in die psychose.


Dito. Auch hier wird die psychische Entwicklung des Charakters nicht geschildert, mal ganz davon abgesehen, daß ich ich Schmelzers Psychose nicht verstehe. Er weiß doch schon länger, daß er ein Schleimer ist. Da dreht man doch nicht durch, wenn man's ins Gesicht gesagt kriegt.
Das psychische Umkippen sowohl von Meggle als auch von Schmelzer findet während der Pause statt und wird nicht geschildert, nicht mal in einer Mauerschau, in der andere Personen - vielleicht der Teufel im Gespräch mit Janine - über die eigentliche Aktion berichten.
Vielleicht wäre auch ganz shakespearisch ein Monolog der entsprechenden Figur notwendig gewesen: Schmelzer, den Scheck in der Hand räsoniert: "Mein oder nicht mein, das ist die Frage. Ob's edler im Gemüt... doch gemütlicher ist's, sein Fähnlein nach dem Wind zu hängen, des' Lied zu singen, wes' Brot ich ess'."


Offline foenig

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Hey,
ich habe den letzten Abschnitt auch schon vor einer Ewigkeit beendet, aber konnte mich nicht aufraffen hier noch was zu posten. :-[ Sorry! Mir fällt leider einfach nichts Sinnvolles ein, wozu ich hier noch im Thread meinen Senf dazugeben könnte...

Schade fand ich, dass bis auf Kohlbach alle anderen Figuren nur noch Randfiguren waren und für mich gar keine richtige Persönlichkeit geworden sind. Mit hätte da wohl ein Zwiegespräch zwischen dem Teufel und Kohlbach besser gefallen.
Die Idee mit dem Psychiater und den Sanitätern fand ich ganz lustig. Aber leider war die Luft aus dem Gag schon heraus, weil wir ja schon direkt im ersten Abschnitt überlegt haben, was es mit diesen Personen aufsich haben könnte. Somit fehlte leider der Überraschungseffekt.

Grüße foenig

 

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