Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler!)  (Gelesen 1589 mal)

Offline Annabas

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Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen - zumindest ein Fazit zur Leserunde (auch eines vom Autor) ist immer interessant.

Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen!
:lesen:   "Wenn du einen Garten und dazu noch eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen." Marcus Tullius Cicero

Offline irismaria

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In "Interview mit dem Teufel" hat der Autor eine ungewöhnliche Begegnung ausgestaltet: der Teufel (in Menschengestalt) lädt zu einer Pressekonferenz in einer Kleinstadt - und einige Reporter und ein kleines Fernsehteam kommen. Die Geschichte ist als Theaterstück in 2 Akten konzipiert, lässt sich aber auch gut als Buch lesen. Es entwickeln sich teils witzige, teils tragische, teils tiefgründige Gespräche zwischen Menschen und Teufel. Eine Vorbildung bezüglich religiöser Begriffe und Bibelkenntnisse erleichtern hier das Verstehen beim Leser/Zuschauer.
Am Ende bleibt man nachdenklich zurück.

Mir hat die Leserunde gut gefallen, gerade auch, weil wir so unterschiedliche Ansichten hatten. Die Begleitung des Autors fand ich sehr gut - danke!

Originaldibbler

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Zur Leserunde:
Die Leserunde war auf jeden Fall eine der ungewöhnlicheren, da nur wenig über das Buch als solches und viel über theologische Themen allgemein diskutiert wurde. Es war auf jeden Fall sehr interessant. Vielen Dank an alle die fleißig mitgemacht haben, insbesondere an Jens.

Zum Buch:
"Interview mit dem Teufel" von Jens Böttcher ist ein kurzes Drama in zwei Akten. Zur Handlung:Ein Mann, der behauptet der Teufel zu sein, gibt eine Pressekonferenz in einer Kleinstadt.  Während die Anfänge und Enden der beiden Akte eine teils mehr, teils weniger gelungene Mischung aus interessanter Handlung und theologischem Dialog des Teufels mit den Journalisten darstellt, ist es im Mittelteil beider Akte leider so, dass die Handlung völlig in den Hintergrund tritt und der Teufel einen theologischen Monolog hält, bei dem die anwesenden Journalisten nur noch Stichwortgeber sind. Thematisch ist es so, dass der Teufel sich im ersten Akt mit dem Alten Testament und im zweiten Akt mit dem neuen Testament auseinandersetzt. Dabei gelingt es dem Teufel (oder besser gesagt dem Autor) die meisten theologischen Klippen weiträumig zu umschiffen. Lediglich an 1 oder zwei Stellen wird das Buch ein wenig provokant. Am Ende steht eine eindeutige theologische Botschaft, die ich hier nicht wiedergeben möchte, um nicht zu viel vorweg zu nehmen. Nur so viel: es ist eine Botschaft, die die meisten wohl vom Teufel nicht erwarten würden.
Insgesamt hat mich das Buch nicht wirklich überzeugt. Das liegt zum Teil an der Botschaft, die am Ende steht, aber vorallem daran, dass es entweder ein theologisches Werk mit zu viel Rahmenhandlung und zu wenig Neuigkeitswert ist oder eine Geschichte mit zu wenig Handlung.

Offline Annabas

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So, hier jetzt auch noch mein Fazit:

Inhaltsangabe:

Ein Theaterstück in zwei Akten.
In einer Kleinstadt lädt ein Fremder, der von sich selbst behauptet, der Teufel zu sein, zur Pressekonferenz. Das Medienecho hält sich in Grenzen, und so beginnt der „Teufel“ vor einer nur sehr kleinen Zuhörerschaft, Rechenschaft abzulegen. Aber – handelt es sich bei dem Fremden wirklich um den Teufel? Er kennt sehr viele Details über die Anwesenden, aber warum sollte der Teufel ausgerechnet in einem deutschen Provinznest vor unbedeutenden Journalisten auftreten – und nicht in einem gigantisch großen Stadion in London, New York oder Buenos Aires? Kolbach, einer der Journalisten, beginnt tiefer nachzufragen und erlebt eine Überraschung ...

Meine Meinung zum Buch:

Ich habe dieses Theaterstück sehr gerne gelesen. Sehr hilfreich dabei war, dass ich es im Rahmen einer autorenbegleiteten Leserunde gelesen habe, denn ebenso interessant wie die Geschichte selbst waren die Diskussionen rund um das Buch.

Da sich das ganze Stück als Pressekonferenz abspielt, liegt der Schwerpunkt weniger auf dem, was passiert, sondern mehr auf dem, was gesagt wird. Und gesagt wird eine ganze Menge. Ich bin nicht der Meinung, dass man für das Lesen des Stückes besondere theologischen Kenntnisse braucht, denn wichtige Punkte werden im Stück noch kurz umrissen und wenn ich das Buch nicht gerade in einer Leserunde gelesen hätte, hätten mir diese Informationen sicher auch gereicht. Aber so habe ich doch noch einmal die Bibel zur Hand genommen und die Geschichten von Hiob und Jona nachgelesen. Notwendig war es allerdings in meinen Augen nicht unbedingt.

Die Dialoge haben mich oft nachdenklich zurückgelassen. Ich würde das Stück aber nicht als ein ernstes Stück bezeichnen. Es ergeben sich immer wieder schlagfertige Dialoge bzw. Kommentare, die allerdings das Stück nicht ins Lächerliche ziehen.

Die Leserunde hat gezeigt, wie sehr das Thema zur Diskussion anregt. Ich selbst habe mir auch wieder Gedanken um meine eigene Einstellung zum Christentum, um Religion im allgemeinen und um meinen eigenen Standpunkt gemacht. Allein dafür hat sich das Lesen gelohnt.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Jens Böttcher, der die Runde immer gut gelaunt begleitet hat und unsere Fragen offen beantwortet hat. Und ich bedanke mich auch bei meinen Mitlesern und –leserinnen für die sachlichen und interessanten Meinungen. Diese Leserunde werde ich als etwas Besonderes in Erinnerung behalten.

Ich hoffe, dass ich das Stück irgendwann einmal auf der Bühne erleben kann – und ich hoffe, dass anschließend wieder Zeit ist, um mit den anderen Theaterbesuchern zu diskutieren.

Viele Grüße von Annabas :winken:
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Offline JensBöttcher

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Hallo Ihr Lieben...  :winken: Auch ich bedanke mich sehr für euer Interesse und eure Anmerkungen. Hat Spaß gemacht und ich hab mich sehr gefreut, eure Beiträge zu lesen. Solltet ihr Lust haben, mehr von mir zu lesen oder zu hören: Mein erster Roman heißt "Steiner", ist eine Tragikomödie und beschreibt das Leben eines recht schrulligen Sinnsuchers... "Der Tag des Schmetterlings" ist eine Kurzgeschichtensammlung. Beide sind bei Brendow erschienen und im Buchhandel oder bei Amazon erhältlich. Meine aktuelle CD heißt "VIva Dolorosa" - auch die bekommt ihr wenn ihr möchtet unkompliziert bei Amazon. Vielleicht sehen wir uns ja mal bei einem Konzert oder bei einer Lesung oder, wenn ihr mögt, schreibt mir einfach mal ne Mail über meine Homepage www.boettchercom.de oder besucht mich bei facebook (dort bin ich unter dem Namen Paco de Luca zu finden)... ich würd mich freuen! Und wünsch euch von herzen alles gute! Danke und Cheers... Jens

Offline schokotimmi

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Hier nun auch mein Fazit:

Interview mit dem Teufel - Jens Böttcher

Ein Drama in 2 Akten beschreibt hier das Interview des Teufel in einer Provinzkleinstadt vor einer Hand voll Presseleuten und einem lokalen TV Sender. Kein großer Rummel für ein solches "Spektakel", doch mit fortschreitender Geschichte merkt man, dass die Zuhörer nicht zufällig zu sein scheinen.

Ich war überrascht, dass es sich um ein Bühnenstück handelt, aber es passt wunderbar - ich würde es wirklich gern mal erleben. Es gibt keinen großen Handlungsstrang, das Gesagte und Erzählte steht im Vordergrund. Man kann die Akte in die beiden Testamente aufteilen und für mich als Laien habe ich hier einiges gelernt. Die Ausführungen des Teufels sind interessant und ich entdeckte mich manchmal zustimmend nickend. Trotzdem fand ich es manchmal schwierig den Gedanken zu folgen, einfach mangels Hintergrundwissen - und in der LR wurde wirklich auf sehr hohem Niveau diskutiert.
Einzig das Ende lies mich ein wenig enttäuscht zurück, nach einem tollen ersten Akt und auch vielen guten Passagen im 2. Teil, hatte ich vom Ende einfach mehr oder anderes erwartet. Dabei kann ich nicht mal sagen, was gefehlt genau gefehlt hat, vllt. ein Showdown oder die Erkenntnis. Obwohl mich bewußt ist, dass dies an mir selbst liegt.

Fazit: Ein nettes Büchlein, was zum nach- und weiterdenken anregt und in der Leserunde wirklich wunderbar besprochen wurde. Danke an Jens für deine Beiträge und an alle Teilnehmer für die interessanten Diskussionspunkte.

Viele Grüße
schokotimmi
Hakuna Matata!

Offline Fatschbumdidelzong

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Ihr Leben, auch von mir ein paar Worte zum Abschluß.

Zur Leserunde:
Als erstes ein ganz dickes Dankeschön an Jens: Die Begleitung der Leserunde war erste Sahne. Man merkt, wie wichtig Dir die Sache ist.
Als Zweites ein Dankeschön an die Mitschreiber: Ich fand es prima, daß wir in erster Linie über die Inhalte gesprochen haben. Das sind Sachen die mir am Herzen liegen und da hat mir die Leserunde weitergeholfen.  :-*

Zum Buch:
Das Buch bietet ein schwieriges Thema in Gesprächform. Es verwendet dabei die Mittel eines Theaterstücks. Das erlaubt dem Autor
1. seine Intention 'rüberzubringen,
2. schwierige Aspekte zu umschiffen (indem er seine Figuren genau diese eben nicht ansprechen läßt),
3. beim Thema zu bleiben, ohne sich auf Nebenschauplätzen zu verzetteln.
Das gelingt ihm gut, an manchen Stellen virtuos. Das Buch ist kein Schnellschuß, sondern ein sorgfältig durchkomponiertes Werk. Ich kann dem theologischen Ansichten nicht zustimmen, dennoch halte ich es für einen wichtigen Beitrag, eben weil es so gut lesbar ist.
Deswegen:
 :buchtipp:

Irgendwo im Thread kam die Frage auf, ob das Stück irgendwo aufgeführt werden könnte - was bisher noch nicht der Fall ist. Es gibt da ein paar dramaturgische Durchhänger, die die Bühnentauglichkeit in Frage stellen (siehe unsere Diskussion), im großen und ganzen denke ich schon... allerdings wäre der durchschnittliche Theaterabonnent vielleicht inhaltlich überfordert, obwohl das sicherlich ein interessantes Experiment wäre.
Der Teufel und der Journalist müßten exzellent besetzt sein, um über die oben genannten Schwächen hinwegzuhelfen, sonst steigt der eine oder andere wegen Langeweile aus.
Ich könnte mir eine Aufführung in einer Kirche - vielleicht als ein Passionsspiel - sehr gut vorstellen. Dem Konfirmations- oder Firmungsunterricht könnte eine Aufzeichnung etwas Pepp verleihen. Da ich die Position des Autors in der Rechfertigungslehre nicht teilen kann, halte ich eine anschließende Diskussion des Themas für unumgänglich. Ich glaub', ich gebe das Buch meinem Pfarrer weiter.

Offline Tammy1982

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Hallo Ihr Lieben,

dann möchte ich hier auch ein paar Worte zum Abschluss der Leserunde schreiben.

Das Buch:
Ehrlich gesagt, hatte ich keine Ahnung was mich erwartet, als ich das Buch im Rahmen einer autorenbegleitenden Leserunde begonnen habe, zu lesen. Überrascht war ich daher schon mal, dass es sich um Theaterstück in 2 Akten handelt: Der Teufel bietet in einem kleinen Ort zum Interview und nur einige Reporter kommen überhaupt zu dem Termin. Unter ihnen auch Richard Kolbach, der die Einladung erst für einen schlechten Scherz gehalten hat und schließlich der Einzige ist, der sich auf ein Wortgefecht mit dem Teufel einlässt.

Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich das Buch in einer autorenbegleitenden Leserunde gelesen habe. Ich bin zwar christlich erzogen und würde von mir behaupten, dass ich auch über ein gewisses Maß an christlicher Bildung verfüge, jedoch verlangt das Buch einem theologisches Wissen ab, das ich so nicht habe. Daher war ich froh, dass viele Themen in der Leserunde genauer erklärt und diskutiert wurden.

Der Diskussionsstoff selber ist sehr spannend aufbereitet und viele Passagen haben mich auch zum Andenken und Nachdenken angeregt. Einige Ansätze kann man fast als ketzerisch bezeichnen, aber von ihrer Idee her, immer sehr spannend und gut durchdacht.

Der Teufel selber wird sehr gut dargestellt und gerade durch die Form eines Theaterstückes kann er so richtig zur Höchstform auflaufen. Auch der Journalist Kolbach lässt sich sehr gekonnt auf das Wortduell ein und wächst während dem Interview sichtlich. Die beiden Damen, die als einzige noch im Raum bleiben, verblassen leider nach anfänglichen Wortplänkeleien zu reinen Anwesenden, die keinen Beitrag mehr haben. Dabei fand ich das Verhalten gerade einer Dame höchst fragwürdig und trotz Erklärungen, war mir ihre Verhaltensänderung um 180° bis zum Ende nicht so ganz nachvollziehbar.

Die Auflösung am Ende, warum der Teufel dieses Interview gibt und ob er denn wirklich der Teufel ist, war für mich nicht mehr richtig nachvollziehbar und ohne die Leserunde hätten meine Lücken in der Bibel mich das Ende einfach nicht wirklich verstehen lassen. Auch nach der Erklärung muss ich sagen, dass für mich das große Geständnis nicht so wirklich groß ist, aber vielleicht bin ich auch viel zu sehr vom Teufel befallen!  >:D

Alles in allem eine tolle Idee, mit dem Theaterstück gut umgesetzt und bietet sich v. a. für ausgiebige Diskussionen an. Jedoch sind detaillierte theologische Grundkenntnisse unbedingt notwendig, um das Büchlein wirklich komplett verstehen zu können. Als Lektüre im Religionsunterricht, ist dieses Buch, aber denke ich, bestens geeignet!

Die Leserunde:
Ich fand die Leserunde total spannend, auch wenn ich mich oft nicht so intensiv einbringen konnte. Ich habe eine Menge gelernt und möchte mich dabei bei allen Mitlesern und ganz besonders bei dir, lieber Jens, ganz herzlich bedanken.  :-* Vielen lieben Dank für die tolle Begleitung und die ausführliche Beantwortung der Fragen und Diskussionspunkte. So macht eine Leserunde richtig Spaß!

Liebe Grüße
Tammy  :winken:

Offline foenig

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Zum Buch:
Leider konnte ich mich mit dem Theaterstück nicht allzu gut anfreunden. Mir wäre ein allwissender Erzähler, der mehr Hintergrundinfomationen zu den einzelnen Personen und deren Gedanken preisgibt, lieber gewesen. Einerseits habe mich die Unterbrechungen der anwesenden Journalisten genervt, andererseits hätte ich mir mehr Reaktionen von ihnen gewünscht. Entweder haben die Nebenfiguren die Rolle eines Stichpunktebringers für den Teufel gespielt oder sie mussten zur Auflockerung einen Witz vom Teufel über sich ergehen lassen. Eigene Reaktionen und gedankliche Auseinandersetzungen habe ich leider vermisst.
Originaldibbler hat schon sehr schön mein Fazit zu diesem Buch formuliert:
Es ist entweder ein theologisches Werk mit zu viel Rahmenhandlung und zu wenig Neuigkeitswert oder eine Geschichte mit zu wenig Handlung.
Das Buch hat mich aber dazu angereg mich mehr mit der Bibel und deren Deutung und dem Christentum allgemein zu beschäftigen.

Zur Leserunde:
Leider konnte ich mich kaum bis gar nicht an den Diskussionen zum Buch beteiligen, weil sie meistens über das Buch hinaus gingen. Das sehe ich aber als sehr positiv für das Buch an und ich habe als Leser auch diese Diskussionen mit großen Interesse verfolgt.
Besonders schön fand ich dabei, dass Jens sich mit seinen Anworten viel Mühe gegeben hat und immer äußerst ausführlich geantwortet hat. Danke! :winken:

 

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