Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen, etc. (ohne Spoiler!!!)  (Gelesen 1677 mal)

Offline apassionata

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  • die, die als Kind nie lesen konnte...

Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen - zumindest ein Fazit zur Leserunde (auch eines vom Autor) ist immer interessant.  :)

Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen!
 
"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

Offline apassionata

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Hallo liebe Leserunde,   
dann mache ich hier einfach kurz den Anfang, nachdem sich dieses Buch ein paar Tage bei mir setzten konnte. Da noch nicht alle durch sind, möchte ich aber noch erwähnen, dass ich auch weiterhin jeder Meinungsäußerung interessiert lauschen werde.


Zum Buch:

2027. Der junge Amerikaner Brian Malouff, hat libanesische Wurzeln und wird durch Zufall Zeuge eines Attentats auf einen plötzlich auftauchenden, wundersamen Riesen. Dieser Riese, der sich selbst als Prophet betitelt und die Nachricht eines Schöpfers verkünden möchte, wird mitten auf dem Markplatz von Jerusalem vor jeder Menge Zeugen umgebracht. Was folgt ist eine Flut aus Blut, die nicht nur die Flüsse über die Ufer treten lässt, sondern droht, die ganze Welt unter sich zu begraben. Sofort steht die Welt Kopf und versinkt in gegenseitigen Schuldzuweisungen, deren vorrangiges Ziel die Auslöschung der jeweils anderen Religion und ihren Anhängern ist. Dies soll den Schöpfer gnädig stimmen. Inmitten des entstehenden Chaos begegnen sich Brian und die muslimische Khayra, werden aber fast sofort wieder auseinander gerissen. Während Brian sich noch zu orientieren versucht versinkt die Welt um ihn herum in Blut und Schuld.

Eine Thematik, die so uralt ist und trotzdem aktueller nicht sein könnte.

„Der rote Ozean“ zeigt ziemlich unverblümt und brutal, wie einfach es wäre, aus einer nicht bestätigten Kleinigkeit einen globalen Glaubenskrieg, samt Weltuntergangsszenario zu entfachen. Rache und Hass, aber auch Gruppenzwang und die Unfähigkeit zum Einlenken, werden dem Leser hier auf eindrucksvolle Weise nahe gebracht. Hoffnungen und Alternativen scheinen wie von der Blutflut einfach hinweg getragen.

Sprachlich sehr einfach aber durchaus passend gehalten, regte mich das Buch immer wieder zum Nachdenken an. Gerade über die Dummheit der Menschen, welche wie in einem Sog der jeweiligen Propaganda verfallen, konnte ich immer wieder den Kopf schütteln – gerade da ich es mir genau so vorstellen könnte, wie vom Autor beschrieben. Was natürlich sehr traurig und bedrückend war. Aber es sollte wohl auch kein lustiges, unterhaltsames Buch für zwischendurch sein, sondern viel mehr zum Aufhorchen und Nachdenken anregen. Dies ist dem Autor durchaus wunderbar gelungen.

Selbst die fragile Thematik des Glaubenskrieg zwischen Christen und Moslems, verstand Marcel René Klappschus vortrefflich als Hauptthema zu verwenden, ohne ein religiöses Werk mit Wertung zu kreieren. Hier wurden meine anfänglichen Bedenken gleich zerstreut. Dass er dabei nach japanischer Manier spontane Fantasy-Elemente mit einfließen lässt, nimmt der dramatischen Handlung ein wenig die allzu realistische Schärfe. Durch einen Zufall habe ich dieses Buch gelesen und es keinesfalls bereut. Ein Endzeit-Roman, den ich nur empfehlen kann.


Zur Leserunde:

Es war sehr interessant hier die verschiedensten Meinungen und Eindrücke zu lesen. Für diesen regen, sachlichen Austausch, möchte ich mich bei euch allen bedanken. Es macht immer wieder Spaß eine Thematik auch mal aus anderen Blickwinkeln zu betrachten.
Ein besonderes Dankeschön möchte ich dir, lieber Marcel, aussprechen.  :-* Ich finde es toll, dass du dir die Zeit genommen hast und stets auf unsere Fragen eingegangen bist. Ich wünsche dir viel Inspiration und Erfolg für kommende Werke…

Liebe Grüssle
               Marion  :winken: 

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Offline MarcelK

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Auch wenn wir noch nicht ganz am Ende sind...

Ich möchte mich an dieser Stelle ebenfalls schonmal ganz herzlich für diese hochspannende Leserunde bei Euch bedanken. Auch für mich war diese, meine erste Leserunde, eine tolle Erfahrung. Denn es sind nicht die Verkaufzahlen, oder das Autorenhonrar was einen dazu animiert, Geschichten wie diese zu schreiben, sondern einzig die Freude daran, andere Menschen unterhalten zu können, sie in eine andere Welt mitzunehmen, sie dabei mal fröhlich aber auch mal nachdenklich zu stimmen und vor allem am Ende ihren ganz eigene spannenden Interpretationen lauschen zu können.

Eine Leserunde ist tolle Erfahrung für beide Seiten, wie ich finde, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

PS an alle die schon durch sind:

Über eine Rezension von Euch auf amazon.de
würde ich mich natürlich wahnsinnig freuen:
http://www.amazon.de/Rote-Ozean-Marcel-Ren%C3%A9-Klapschus/dp/3940767638/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1315312514&sr=8-1

Autor von Der Rote Ozean http://www.der-rote-ozean.de

Offline apassionata

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Es freut uns natürlich sehr, dass es auch dir gefallen hat, lieber Marcel.
Ich denke gerade bei diesem Buch konnten wieder beide Seiten richtig gut von den verschiedenen Eindrücken und Interpretationen profitieren.
Gerne kannst du auch deine zukünftigen Werke bei uns unter "Buchvorstellungen" neu anpreisen, wenn es so weit ist.
Bis dahin wünsche ich dir viel Erfolg und Inspiration...  :winken:

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Offline Dirk Radtke

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Hallo Ihr!
Da ich mich aus Zeitmangel nur einmal an dieser Leserunde beteiligen konnte, ich das Buch aber im Vorfeld schon habe lesen dürfen, hier wenigstens eine Rezension:

Im Jahre 2027 entbrennt ein verbitterter Krieg zwischen Christen und Moslems, ausgelöst durch eine unglaubliche Erscheinung, deren Vernichtung den drohenden Untergang der Menschheit nach sich zieht, und in einem immer verbisseneren Kampf endet. In diesem Chaos findet sich der junge Halb-Araber Brian wieder, der tiefer in die Ereignisse verwickelt ist, als er eigentlich glaubt. An der Stelle beginnt eine Erzählung, welche sich aus den Genres Fantasy, Drama und Science Fiction zusammensetzt, die der Autor Marcel Klapschus in eigenem Schreibstil verständlich rüberbringt. Dabei verzichtet er auf unnötige Ausweitungen diverser Situationen, sodass sich das Buch weiten teils „auf den Punkt gebracht“ liest. Man durchläuft ein Endzeitszenario, welches in der beschriebenen Form ungern erlebt werden möchte, zumal sich einige Szenen bildlich im Kopf festsetzen. Leider bleiben für den Leser am Ende einige Fragen, die der Text aufwirft, unbeantwortet, was aber vom Autor durchaus gewollt ist, und zu tieferem Nachdenken anregen soll! Für alle Quereinsteiger der erwähnten Genres finde ich dieses Buch als Empfehlenswert, da es so gut wie keines der Genreverwandten Klischees bedient, sondern im eigenen, auserwählten Stil daherkommt.

LG
Dirk

Offline fliederbusch9

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Hallo,

auch für mich geht damit eine interessante Leserunde zu Ende. Überraschend fand ich vor allem zu erfahren, wieviel Mühe es macht, einen äußerlich schlicht daherkommenden Fantasy-Roman zu schreiben, dessen volle Wirkung sich erst entfaltet, wenn man genauer hinschaut, sich auf die nachdenklichen und kritischen Töne verpackt in das Gewandt der Fantasy einlässt. Die Ausführungen von Marcel dazu habe ich sehr gern mitverfolgt und war auch erstaunt über die unterschiedlichen Lesarten und dass jeder etwas anderes für sich aus dem Buch mitnimmt.

Mein Fazit zum Roman:

Rotgefärbtes Wasser in den Ozeanen, welches immer höher steigt und Landstriche und Kontinente unter sich begräbt, ein ausbrechender Krieg. Der Leser ist sofort mittendrin im Geschehen. Mit den Augen des jungen Brian erlebt er die Geschehnisse hautnah mit. Blutrote Farbe, Konflikte zwischen zwischen Christen und Moslems – aber der Leser muss keinem besonderen Glauben angehören, denn die Botschaft des Romanes ist eine allgemeingültige. Sie lautet: Niemals die Hoffnung aufgeben, der Engel Dederkea überbringt sie stellvertretend. Brian macht bittere Erfahrungen, lernt und erhält wichtige Einsichten. Am Ende offenbart sich die Sinnlosigkeit des Krieges. Denn einzig und allein geht es um menschliche Werte wie Liebe, Sehnsucht, Friedfertigkeit. Damit hat Marcel Klapschus ein zeitloses Thema aufgegriffen.
Marcel Klapschus entwirft eine lebendige Roman-Welt mit ungewohnten Versatzstücken aus verschiedenen Genres wie Phantastik, Manga und Endzeitgeschichte. Das Buch enthält viele originelle Ideen. Vor allem die Beschreibung einer geheimnisvollen Insel oder die Vorgänge in einem unterirdischen Höhlensystem verbreiten wahre Endzeit-Stimmung und sind mitreißend erzählt. Denn wenn Brian in einer Höhle den weisen Worten eines Engels lauscht, ist auch der Leser ergriffen von den Worten und der Sehnsucht nach Friede und Freundschaft.
Die Geschichte folgt einem klaren Szenenaufbau. Die Charaktere sind zwar nur schemenhaft beschrieben, auch die Handlungsorte werden nur leicht angedeutet, aber die bildhafte Sprache transportiert die Handlung wunderbar und erzeugt lebendige Bilder. Dies ist die Besonderheit des Romanes: Die Endzeit-Szenarien erscheinen farbenprächtig und düster vor dem inneren Auge.
„Der Rote Ozean“ ist Fantasy gespickt mit Thriller-Elementen und Endzeitmotiven, die emotional packend wirken. Er besitzt eine besondere Tiefe unter seiner scheinbaren Schlichtheit, und der Roman liest sich flüssig. Zudem fordert er zum Mitdenken auf, Zusammenhänge sind vom Autor gewollt für die Deutung offengelassen worden. Der Roman sticht eindeutig heraus aus der Fantasy-Literatur.

Originaldibbler

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Zur Leserunde:
Diese leserunde hat mir ausgesprochen gut gefallen! Es gab einen regen Austausch, so dass wohl alle mehr vom Buch hatten, als wenn sie es alleine gelesen hätten. Auch zu erfahren, was Marcel sich bei der einen oder anderen Szene gedacht hat, war sehr interessant. Vielen Dank an alle, insbesondere an Marcel!

Zum Buch:
Im Jahr 2027 färben sich die Meere rot und verschlingen nach und nach die Landmassen der Erde. Darauf hin entbrennt ein weltumspannender Krieg zwischen Christen und Moslems, die sich gegenseitig die Schuld an diesem "Wunder" geben.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht der christliche Halbaraber Brian, der den Krieg, weitere "Wunder" und natürlich auch allerhand Zwischenmenschliches auf Seiten der Christen miterlebt.
Die Handlung schreitet schnell voran und es gibt einige Überraschungen, die es wohl rechtfertigen dieses Werk nicht nur der Phantastik zuzuordnen, sondern ihm auch stilistische Anleihen aus der japanischen Literatur zu attestieren.
Trotz der schnellen und unterhaltsamen Story, würde ich das Buch nicht als Unterhaltungsliteratur einstufen. Es wirft viele Fragen auf und regt dazu an über die aktuelle politische und religiöse Lage in der Welt nachzudenken. Ein Buch an dem nicht nur Leser phantastischer Literatur, sondern auch das Feuilleton gefallen finden müssten.
Absolut lesenswert!

 :buchtipp: :buchtipp: :buchtipp: :buchtipp: :buchtipp:

PS@Marcel: Hier gibt es den fünffachen Buchtipp und auf Amazon 5 Sterne.


Offline Kati

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Mit etwas Verspätung (sorry!) kommt nun hier auch meine Meinung.  :winken:

Nachdem in Jerusalem ein seltsamer Riese erscheint, versinkt die Welt im Chaos. Die Ozeane färben sich rot und überschwemmen die Küsten. Als wären dises mysteriösen Phänomene noch nicht genug, gehen die Menschen ihren schlimmsten Talenten nach und hassen und vernichten sich gegenseitig. Inmitten eines Glaubenskrieges zwischen Christen und Moslems trifft der Halb-Amerikaner Brian auf Khayra. Auch sie gehören unterschiedlichen Religionen an, doch ihre Wege führen sie immer wieder zusammen.

Ich habe von dem Buch anfangs lediglich eine kleine, stimmige Endzeitgeschichte erwartet. Das wahre Ausmaß lauert aber zwischen den Zeilen. Es geht nicht um eine spannende Story, die am Ende einen Sinn ergeben sollte. Hier geht es eher um den Leser selbst, seine Standpunkte, Gedanken und vorallem seine Entwicklung im Laufe des Romans.

Am Beispiel Religion behandelt Marcel Klapschus viel tiefere Themen der Menschheit. Wann hinterfragen wir und wann hören wir damit auf? Lassen wir uns Hass einreden? Unterwerfen wir uns, weil es alle tun? Der Autor bleibt in seinem Roman geschickt urteilsfrei und nutzt in einem flüssigen Schreibstil die Stimmung der Story aus, um die Schraube zwischen vorgesetzter Wahrheit und eigenem Empfinden enger zu drehen. Am Ende benötigt man keine Lösungen für die Rätsel der Geschichte. Man klappt das Buch zu und ist beschäftigt ... mit Denken!

 :buchtipp:

zur Leserunde:
Das Buch war perfekt für eine Leserunde und hat mit euch zusammen sehr viel Spaß gemacht. Es war sehr interessant die unterschiedlichen Meinungen zu lesen. Mein herzlicher Dank auch an Marcel. Du hast die Runde prima begleitet und mich mit deinen Beiträgen immer wieder zum nachdenken gebracht.  :winken:

Offline MarcelK

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 ;D Ich kann den Dank nur zurückgeben, Kati. Auch mir hat es viel Spaß mit euch gemacht.  :)
Autor von Der Rote Ozean http://www.der-rote-ozean.de

 

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