Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler)  (Gelesen 1791 mal)

Aldawen

  • Gast
Hier ist Platz für die Rezensionen und Meinungen (zur Leserunde allgemein), die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt – ein Dankeschön an die Verlage, den Autor und die Organisation. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen – zumindest ein Fazit zur Leserunde (natürlich auch gerne eines von Tom) ist immer interessant.

Bitte vermeidet Spoiler in den Rezensionen und verratet nichts Handlungsrelevantes.

Offline Scorch

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 261
London, 1666
Das große Feuer versetzt London in Angst und Schrecken und hinterlässt nichts als Schutt und Asche.
In „Unter der Asche“ erzählt uns Tom Finnek die Geschichte von Geoff Ingram, der im Auftrag des Eremiten Gerrard die Ereignisse aus dieser Nacht und ihren Vorboten aufschreibt.

Geoffs Familie gehört zur Unterschicht und gemeinsam hausen sie in einem düsteren und ungemütlichen Zuhause im Armenviertel der Stadt.
Seine Mutter verschwand vor vielen Jahren spurlos, bald darauf suchte auch sein großer Bruder das Weite und jetzt macht sich auch Geoffs Schwester, die hübsche Jez, aus dem Staub, sodass der Junge mit seinem alkoholabhängigen Vater alleine zurückbleibt.
Um die Miete zu bezahlen, arbeitet Geoff in der angrenzenden Kneipe, wie es viele London gibt – so auch das „Maiden Inn“, welches im Sumpfland zu einer immer größer werdenden Attraktion wird. Auch Geoff zieht es dorthin und damit nimmt das Unglück seinen Lauf.

Der Schreibstil ist historisch angehaucht und wird durch die schnoddrige Art des Protagonisten aufgelockert. Die verschiedenen Erzählperspektiven geben zudem einen größeren Einblick in das Geschehen und helfen somit die Verknüpfungen zwischen den Ereignissen zu finden, obwohl manche Geheimnisse bis zum Schluss die Spannung aufrecht erhalten!
Man merkt, dass der Autor sich viel Mühe gegeben hat, ein gut recherchiertes Buch zu veröffentlichen, was mir bei historischen Romanen auch immer sehr am Herzen liegt! Es könnte auch durchaus so geschehen sein, deshalb bleibt die Spannung konstant auf einem hohen Niveau und durch das große Intrigen-Potenzial der Charaktere werden wir immer wieder auf falsche Fährten gelockt oder durch Lügen verunsichert.
Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass die Handlung vorhersehbar ist und die Vielfältigkeit der Personen bieten mit Sicherheit für jeden jemanden zum Mitfiebern.

Für London-Fans ist dieser Roman ein Muss und generell kann ich „Unter der Asche“ mit sehr gutem Gewissen weiter empfehlen!   
:buchtipp:


Diese Leserunde hat mir Spaß gemacht und ich bin froh, dass ich so auch schon erfahren konnte, dass es einen "Nachfolger" geben wird. Vielleicht sehen wir uns dann hier wieder? :) Danke an Moorteufel für die nette Begleitung und einige Erklärungen - mit dem Autor ist es immer noch etwas schöner!  :winken:

allegra

  • Gast
Der Roman „Unter der Asche“ ist buchstäblich tief schürfend. Er handelt vom Graben: Einerseits im wörtlichen Sinne vom Graben in der Erde durch christlich orientierte Siedler, die sich der Allgemeinheit gehörendes Land urbar machen und von den Früchten der Erde in einer Gemeinschaft im Sinne der Bibel leben möchten. Andererseits soll im übertragenen Sinne nach der Wahrheit gegraben werden.

Im Prolog erhält der 13 Jahre alte Geoffrey Ingram von seinem Lehrer den Auftrag seine Erlebnisse vor dem großen Brand Londons zu Papier zu bringen. Dabei wird die Familiengeschichte der Familie Ingram aufgerollt. Der Leser wird aus verschiedenen Perspektiven durch ein Geflecht von Beziehungen geführt, größtenteils von Menschen auf der Schattenseite des pulsierenden Londoner Lebens.

Die verschiedenen Blickwinkel aus denen die Entwicklungen, die zum großen Brand geführt haben, beleuchtet werden, haben mich an einzelne Bühnenbilder erinnert, vor denen das große Theater des Lebens teilweise schonungslos aufgeführt wird.

Gleich von Anfang an schafft es der Autor sowohl die Atmosphäre des schmuddeligen Southwark einzufangen als auch die ländliche Gegend in Surrey anschaulich vor dem inneren Auge entstehen zu lassen.

Die Lektüre dieses Romans erfordert vom Leser einiges an Aufmerksamkeit und Geduld. Streckenweise empfand ich den Roman als recht sperrig, weil bei manchen Sachverhalten recht lange unklar ist, in welchem Zusammenhang sie zueinander stehen. Die zahlreichen Figuren und die Zeitsprünge waren für mich manchmal etwas verwirrend, obwohl eine Liste vorne im Buch die Hauptfiguren vorstellt und die zeitliche Entwicklung eigentlich auch klar aus dem Text hervorgeht. 
Obwohl die Geschichte mit großer Sorgfalt konstruiert ist, blieben mir hin und wieder Zweifel, ob ich alles mitgekriegt habe. Wie im realen Leben, weiß man bei vielen Figuren nie wirklich, woran man ist. Die Hauptpersonen sind sehr vielschichtig gezeichnet, so dass man zwischen Bewunderung und Verachtung schwankt und sie nicht unbedingt als Sympathieträger erlebt. Somit blieb der Identifikationsfaktor für mich für einmal aus, was ich aber nicht als nachteilig empfunden habe.

Die Ausstattung dieses Taschenbuchs finde ich sehr schön. Das Cover zeigt deutlich, worum es im Roman geht und die Personenliste und die Anmerkungen hinten haben mir sehr geholfen.

"Unter der Asche" hebt sich für mich sehr angenehm von der Vielzahl historischer Roman ab. Es ist sorgfältig recherchiert, konstruiert und formuliert und ist für mich eine sehr angenehme Abwechslung, weil für einmal die ausschließlich positiv besetzten weiblichen Heldinnen ausbleiben. Deshalb empfehle ich es gerne weiter.

Ich fand es sehr angenehm im Rahmen dieser Leserunde Zugang zu diesem tollen Buch zu finden. Leider hatte ich diesmal nicht immer die nötige Gelegenheit und Muße zum ausführlichen Posten. Dennoch habe ich immer mitgelesen und mir meine Gedanken gemacht.
Ganz lieben Dank an Tom Finnek und alle fleißigen Poster!  :)  :-*

Offline Moorteufel

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 117
    • Tom Finnek
Diese Leserunde hat mir Spaß gemacht und ich bin froh, dass ich so auch schon erfahren konnte, dass es einen "Nachfolger" geben wird. Vielleicht sehen wir uns dann hier wieder?
Danke für die schönen Rezensionen, Scorch und allegra. Sollte Interesse bestehen, bin ich gerne bereit, eine weitere Leserunde zu "Gegen alle Zeit" (erscheint 25. 11.2011) zu begleiten. Bis dahin!
Liebe Grüße
Tom Finnek

Offline Scorch

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 261
Diese Leserunde hat mir Spaß gemacht und ich bin froh, dass ich so auch schon erfahren konnte, dass es einen "Nachfolger" geben wird. Vielleicht sehen wir uns dann hier wieder?
Danke für die schönen Rezensionen, Scorch und allegra. Sollte Interesse bestehen, bin ich gerne bereit, eine weitere Leserunde zu "Gegen alle Zeit" (erscheint 25. 11.2011) zu begleiten. Bis dahin!

 :banane:  :D

Offline starone

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 4889
Hallo alle Zusammen und lieber Moorteufel,

nachdem sich der Austausch in dieser LR etwas gelegt hat werde ich jetzt auch mal meine Rezi dazu verfassen.

Zum Inhalt:

London im Jahre 1666 wird  durch eine Feuersbrunst  fast ganz vernichtet und hier setzt der Autor Tom Finnek auch ein. Denn er lässt den Straßenjungen Geoff, der im Armenviertel Southwark wohnt und arbeitet den Brand und die Folgen uns Leser in z.T. Ichform erzählen erleben. Angeregt wird er durch den Lehrer der Armenklasse, Master Gerrard, der auch recht geheimnisvoll ist. Für ihn wiederum soll Geoff alles aufschreiben. So lernen wir Geoffs-Familie kennen und müssen feststellen das nach und nach einfach die Mutter und Geschwister verschwinden  ohne eine Nachricht zu hinter lassen. Wenn das nicht schon genug  für Goeff wäre kommt als weiteres Problem die Pest dazu, die immer noch Opfer sucht. So lernen wir auch den Stadtteil Southwark kennen der einige merkwürdige/skurrile  Menschen beheimatet. Nachdem ihn auch seine Schwester Jez verlassen hat. Wacht Geoff endlich auf, denn bald wird  er ganz alleine sein, der Vater liegt im Sterben. So versucht er hinter  das Geheimnis von Jez letzter Arbeitsstätte zu kommen. Dabei werden dann  immer mehr an Geheimnissen und möglichen Lügengeschichten aufgedeckt werden, die nicht nur ihn angehen, sondern auch viele seiner Mitmenschen betrifft.




Meine Meinung :

Eine interessante Familien-Saga. Die mit ganz wenig Liebesdrama auskommt, was mir sehr gefällt. Der Schreibstil ist in seiner z.T. schnodderigen Art-und Weise, wie etwas geschildert wird auch mal etwas neues und interessantes, weg vom Üblichen. Das macht Laune beim Lesen und kommt bei mir persönlich auch gut an. Zu Beginn gibt es gleich ein Personenregister, damit man weiß wer wichtig ist. Viel Kapitel haben auch kleine eigene Überschriften nochmal dazu bekommen, die auf das jeweils Kapitel zusätzlich einstimmen und auch einem wiederum  zum Schmunzeln bringen.

Ein historischer Roman, der anderen Art, weg von den mittlerweile doch üblichen Liebesgeschichten. Auch wird auf realistische Umgebung wert gelegt, somit keine geschönigten Beschreibungen der Zeit, was mir auch sehr gut gefällt.

Werde ich gerne weiterempfehlen.


Leserundenfazit:

Danke an Moorteufel für das nette Begleiten der LR als Autor :). Schön das sich so viele wieder rege beteiligt haben :). Wenn eine neue LR zu Stande kommt, bin ich gerne wieder dabei ;).

LG...starone... :winken: :lesen:

Offline Scorch

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 261
Danke an Moorteufel für das nette Begleiten der LR als Autor :). Schön das sich so viele wieder rege beteiligt haben :). Wenn eine neue LR zu Stande kommt, bin ich gerne wieder dabei ;).

Ich habe bei Leserundenwünsche gerade ein neues Thema geöffnet!  ;)

Offline starone

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 4889
Ich habe bei Leserundenwünsche gerade ein neues Thema geöffnet!  ;)

Na,  da werde ich doch gleich rüber schauen ;).

Danke und LG..starone... :winken: :lesen:

Aldawen

  • Gast
Tja, erst wollte ich die Lektüre noch ein bißchen sacken lassen und dann ist es zwischen anderem Chaos ein bißchen aus dem Fokus geraten. Aber hier nun auch noch meine abschließende Meinung.

Zum Buch: Tom Finnek (Mani Beckmann) hat mich mit seiner Moortrilogie um das Dorf Ahlbeck im Münsterländischen schon überzeugt. Und vieles von dem, was mir dort gefallen hat, habe ich auch hier wiedergefunden. Bezeichnend ist, daß um die „große Geschichte“ ein Bogen gemacht wird. Hier tritt kein König auf, die einzigen Adligen sind ein paar verschämte Besucher in Edwards Theater und ansonsten ist die ranghöchste Person der Bürgermeister von London. Sehr viel mehr erfährt man über die Menschen, die gegenüber von London am anderen Themseufer leben, und das ist wahrlich keine besonders aparte Wohngegend, im Gegenteil war ich wieder einmal froh, daß Bücher nicht die Gerüche ihrer Handlungsort transportieren, von dem beschriebenen Dreck und den harten Sitten ganz zu schweigen. Insgesamt paßt die Atmosphäre aber sehr gut zur erzählten Geschichte und wird durch die Abschnitte, die auf dem Land in Surrey angesiedelt sind, auch gut kontrastiert.

Ein weiterer Aspekt ist die Variablität der Sprache. Die einzelnen Teile sind aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei nur Geoff als Ich-Erzähler auftritt. Gerade hier schafft Finnek einen betont lässig-schnoddrigen Stil, der hervorragend zu einem 13jährigen paßt, der für ihn ungewohnter Weise strukturiert und kausal berichten soll. Aber auch die übrigen Abschnitte unterschieden sich durchaus, je nachdem ob bspw. Jezebel oder der Nachbar Ray Webster oder sonst jemand den Fokus bekam. So gut mir die von Geoff erzählten Teile gefallen haben, so geschickt war es, nicht die ganze Geschichte in diesem Stil zu erzählen, der sich darüber abgenutzt hätte. Zudem hätte dies eine Verengung auf Geoffs Perspektive bedeutet, die dem Leser viele Einsichten und Puzzlestücke vorenthalten oder nur mühselig anders hätte präsentiert werden können. Ich mag es auch durchaus, wenn ich eine Szene aus mehreren Perspektiven erleben kann, das eröffnet meist ganz besondere Einblicke – oder auch Verwirrungen, was aber auch seinen Reiz hat.

Einziger Wermutstropfen für mich ist, daß doch die ein oder andere Frage zu viel am Ende offen geblieben ist. Teilweise war das durchaus passend, weil die Beteiligten oder Betroffenen sie nicht mehr auflösen konnten und man sich auch im echten Leben damit würde abfinden müssen. Aber speziell eine Episode aus Mutter Southwoods Vergangenheit hätte noch eine Auflösung erfahren dürfen, das blieb mir ein bißchen zu vage. Aber vielleicht findet Geoff die Antwort noch heraus und wir Leser erfahren sie dann in Gegen alle Zeit  ;)


Zur Leserunde: Wie so oft konnte ich feststellen, daß gemeinsames Lesen mich auf Details und Ideen bringt, die ich sonst gar nicht hätte. Dafür ein Danke an alle Teilnehmer. Und ein besonderes Dankeschön an Tom für die Begleitung und natürlich auch die Bereitstellung des zusätzlichen Bildmaterials, das mir zumindest die Orientierung in London und auf der anderen Themseseite sehr erleichtert hat.

Schönen Gruß
Aldawen

Offline illy

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 160

Tom Finnek erzählt uns in seinem Buch „Unter der Asche“ wie es 1666 zum großen Feuer von London gekommen ist. Das Feuer selbst spielt allerdings nur eine Nebenrolle, denn eigentlich geht es um Geoffrey, der mit seinem dauernd betrunkenen Vater hinter einer Schenke lebt, seine Schwester Jez, seinen Lehrer, seine Nachbarn und außerdem noch um die Digger, eine Gruppe von Menschen, die vor ein paar Jahren eine der damals vielfach entstandenen ländlichen Kommunen gründeten und scheiterten.

Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt und mir hat es sehr gut gefallen, wie der Autor die unterschiedlichen Erzähler auch jeweils mit ihrem eigenen Stil ausgestattet hat. Durch die Perspektivwechsel gelingt es außerdem sehr gut, den Leser mit zusätzlichen Informationen zu versorgen, ohne direkt alle Antworten, nach denen die Figuren mühsam suchen müssen, auf einmal zu verraten. Als weiteren Trick, um seine zahlreichen Nebenhandlungen und Vorgeschichten unter einen Hut zu bekommen, nutzt Finnek ein Theaterstück, welches im Buch aufgeführt werden soll und auf wahren Ereignissen beruht und so eine Katalysatorfunktion hat.

Es war schon erstaunlich festzustellen, wie viele verschiedene Handlungen Finnek tatsächlich in dem Buch unterbringen konnte und dass, ohne dass es überfrachtet wirkte. Einzig auf eine Nebenhandlung, die eines Serienmörders, der durch London streift, hätte ich gut verzichten können, das war mir dann doch zu viel des Guten. Die Geschichte wob sich zwar problemlos ins Gesamtgeschehen ein, erschien mir aber überflüssig und leider etwas effekthascherisch. Ansonsten erschien mir aber alles sehr realistisch und lebensnah, besonders die Darstellung des Alltags gefiel mir gut, man konnte förmlich den Dreck sehen und den Gestank riechen. Die Figuren wirkten ebenfalls sehr realistisch und vielschichtig gestaltet, der Autor hat dankenswerterweise auf Schwarz-Weiß-Malerei verzichtet. Nur bei einer Geschichte aus der Vergangenheit bleibt mir das Urteil zu offen, eine eindeutige Aussage, was damals wirklich passierte, hätte die Sympathien für die entsprechende Person in jedem Fall allerdings von zwiespältig,  zu „hat Mitleid verdient“ bzw. „hartherzig und bösartig“ verschoben - je nach Erklärung. Ich kann die Intention hinter dem Offenlassen also verstehen, auch wenn ich schon lieber zumindest eine kleine Tendenz geliefert bekommen hätte.

Aber, es gibt eine Art Fortsetzung, auch wenn „Gegen alle Zeit“ ein paar Jahrzehnte später spielt, und andere Hauptfiguren hat, liefert es vielleicht doch ein paar interessante zusätzliche Informationen – doch egal, lesen will ich es auf alle Fälle, es geht um Zeitreisen (mein Lieblingsbuchthema) und Tom Finnek hat gezeigt, dass er ein gutes Händchen fürs Geschichtenerzählen hat.


zur Leserunde

Was die Leserunde angeht würde ich mich gerne beim Autor für den tollen Service (vorab Karten hochladen!) bedanken. Auch ansonsten stand er brav Rede und Antwort und auch dank der angenehmen Stimmung und schönen Spekuliererei, wie denn nun was zusammenhängt, empfand ich die Leserunde als gelungen. Das Buch hätte mir sicherlich auch ohne Begleitung gut gefallen, aber in einer Runde macht man sich Gedanken über Details, über die man sonst hinweggelesen hätte und dieser Mehrwert hat dem Buch ein paar kleine zusätzliche Pluspunkte beschert.

Offline Tammy1982

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 4185
Hallo Ihr Lieben,

hier auch noch von dem großen Nachzügler der Runde, mein Fazit!

Das Buch:
Das große Feuer in London 1666 vernichtet große Teile der Stadt. Ein Franzose wird schuldig gesprochen, als Brand-Verursacher und gehängt. Aber war er es wirklich oder wie sieht die Wahrheit aus? Ein Eremit und der junge Geoff kennen die wahren Schuldigen und erarbeiten sich gemeinsam nach und nach die gesamte Wahrheit.

Das Buch beginnt mit einem kurzen Prolog in der Gegenwart: Das Feuer hat gewütet und der Franzose wird gerade gehängt. Als Leser erfährt man nur, dass sich der Eremit irgendwie schuldig fühlt und der junge Geoff wohl mehr weiß, als auf den ersten Blick klar wird. Im Laufe der Kapitel erarbeitet sich der Leser gemeinsam mit Geoff, Geoff's Schwester Jez und einem Bekannten der beiden Ray die gesamte Geschichte und Stück für Stück werden die Puzzle-Teile, die zum Feuer geführt haben, zusammengefügt.

Dabei werden die unterschiedlichen Teile aus der Sicht der drei beschreibenden Personen erzählt. Geoff, ein 13jähriger Junge aus Southwark, dem ärmsten Stadtteil von London, beschreibt aus der Ich-Perspektive seine Eindrücke. Er schreibt dabei wie ihm "der Schnabel gewachsen ist": Ganz frei raus und herrlich schnodderig! Am Anfang war es etwas ungewohnt so ein Buch zu lesen, aber bereits nach kurzer Zeit hatte ich mich daran gewöhnt und war fast überrumpelt, als die Perspektive wechselt und man als Leser Jez verfolgt. Ohne Schnodderigkeit und auch nicht aus der Ich-Perspektive.

Durch diese wechselnden Perspektiven erhält man als Leser ein sehr gutes Gesamtbild und nach und nach ergeben gewisse Passagen dann einen Sinn. Trotz allem bleibt die Auflösung, wer jetzt wirklich Schuld an dem Feuer ist, bis zum Ende im Dunkeln und die Auflösung hat mich dann sehr überrascht.
Die Frage nach dem Feuer-Verursacher steht aber irgendwann auch im Hintergrund und ich als Leser war eher neugierig auf die verzwickte Familiengeschichte von Geoff, der unglücklichen Liebe von Jez und dem Geheinmis des Eremiten, dass irgendwie auch mit Jez und Geoff zu tun hat! Fast alle Fäden werden im Laufe der Geschichte aufgelöst. Einige nicht direkt, jedoch konnte ich mir gut die noch offenen Enden zusammenreimen und für mich die Geschichten schlüssig abschließen!

Die einzelnen Charaktere sind jeder für sich sehr eigen, aber so gut dargestellt und gezeichnet, dass ich mich leicht in sie hinein versetzen und ihre Taten und Handlungen nachvollziehen konnte. Keine Figur blieb dabei schwarz oder weiß, sondern alle hatten ihre guten und schlechten Seiten. Wodurch auch ich keine Figur verdammt habe, sondern mit allen gut mitfiebern konnte.

Alles in allem ein sehr gelungener historischer Roman, der durch diese unterschiedlichen Sichtweisen und Beschreibungen sich sehr angenehm von der Masse vieler anderer Romane abhebt und mir sehr viele schöne Lesestunden beschert hat!

Ein absoluter  :buchtipp: und ich freue mich sehr darüber, dass noch 2 Nachfolgebände geplant sind!

Die Leserunde:
Leider konnte ich mich arbeitstechnisch bedingt nicht so einbringen, wie ich das gerne gewollte hätte, trotzdem hat mir die Leserunde sehr viel Spaß gemacht und ich fand es klasse eure Spekulationen und Diskussionen zu verfolgen! Vielen lieben Dank euch allen und ganz besonders an dich, lieber Tom, für die tolle Begleitung unserer Runde!  :-* Freue mich schon auf das nächste Buch von dir!

Liebe Grüße
Tammy  :winken:

Offline Moorteufel

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 117
    • Tom Finnek
Vielen lieben Dank euch allen und ganz besonders an dich, lieber Tom, für die tolle Begleitung unserer Runde!  :-* Freue mich schon auf das nächste Buch von dir!
Gern geschehen, danke für die Rezension und vielleicht gibt es ja im Winter eine Leserunde zu "Gegen alle Zeit" (ist bei den Leserundenwünschen bereits aufgelistet, und ich bin auf jeden Fall dabei)!
Liebe Grüße
Tom Finnek

 

Weblinks

Literaturschock Facebook Twitter

Internes

Mediadaten & Presse Impressum & Kontakt Datenschutzerklärung