Autor Thema: Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler)  (Gelesen 1527 mal)

Offline dubh

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Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen - zumindest ein Fazit zur Leserunde (auch eines der Autorin) ist immer interessant.

Bitte vermeidet Spoiler in den Rezensionen, da diesen Thread vielleicht auch Leute lesen, die das Buch noch nicht gelesen haben, es aber noch tun wollen!
"Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen."
(Theodor W. Adorno)

Offline Dani

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Zum Inhalt:
Paula Klausner ist knapp 16, als sie mit ihrer Familie von Hamburg nach Amerika auswandert. Aufgrund finanzieller Probleme in der Heimat will Paulas Vater in der neuen Welt von vorne anfangen und auch Paula kann die Ankunft in Amerika kaum erwarten. Doch als die Familie auf Ellis Island das Einwanderungs-Prozedere über sich ergehen lassen muss, geschieht etwas Furchtbares. Paula wird aufgrund ihres lahmen Beines, das sie seit einer Erkrankung durch Kinderlähmung hat, abgewiesen und auf dem nächsten Schiff zurück nach Hamburg geschickt – ohne ihre Familie. Das junge Mädchen muss sich in Hamburg also ganz alleine durchschlagen. Wird ihr das gelingen und wird sie ihre Familie eines Tages wiedersehen?

Meine Meinung:
Das Buch hat sich wirklich schön lesen lassen. Paula ist ein sympathischer starker Charakter und man bangt und hofft richtig mit ihr mit. Allerdings ist mir nicht so recht klargeworden, warum Paula und ihre Familie sich nicht wiederfinden, diesen Aspekt fand ich etwas unlogisch. Auch einige Szenen im Lauf des Buches fand ich teilweise unnötig und die Handlungen einiger Charaktere nicht richtig glaubwürdig, aber insgesamt habe ich mich trotzdem gut unterhalten gefühlt.
Besonders spannend fand ich die Beschreibung, wie es bei der Einwanderung in die Vereinigten Staaten zugegangen ist, ein Aspekt über den ich bisher noch nicht wirklich viel gewusst habe.

Zur Leserunde:
Vielen Dank, dass ich dieses Buch hier mitlesen durfte! Da es eigentlich nicht gerade meinem Leseschema entspricht, hätte ich es ohne die Leserunde ziemlich sicher verpasst.
Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass wir bei vielen Charakteren und Szenen alle ähnlich empfunden haben. Einerseits sicher schön für die Autorin, zu sehen, dass ihr Buch „funktioniert“, andererseits bot sich so natürlich nicht ganz so viel Raum für Diskussionen.
Aber Spaß gemacht hat das gemeinsame Lesen mir natürlich trotzdem!

Rezi auch bei
lovelybooks
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« Letzte Änderung: 11. November 2011, 19:49:08 von Spatzi79 »
Liebe Grüße
Dani

Offline urlaubsbille

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Meine Meinung zum Buch:
Der Hauptaspekt ist die Auswanderung von Hamburg nach Amerika und die Einreiseverweigerung der Tochter Paula. Wie die Familie dann wieder zueinander findet, welche Hürden sowohl Paula alsauch die ausgewanderte Restfamilie zu nehmen hat, wird sehr gefühlvoll und gut erzählt. Ich hatte mich bisher mit dieser Thematik wenig auseinandergesetzt und fühle mich jetzt recht gut über die Möglichkeiten aber auch Widrigkeiten der damligen Auswanderer informiert. Das Buch ist gut recherchiert und sehr aufschlußreich.
Es läßt sich leicht und flüssig lesen. Mir hat es Spaß gemacht.

Meine Meinung zur Leserunde:
Dies war meine erste Leserunde in diesem Forum. Ich fand die Aufnahme und Beteilung gut und förderlich. Über einige im Buch angesprochene Aspekte hätte ich mir sonst nicht so viele Gedanken gemacht. Mir hat das Tempo sehr gut gefallen, da ich nicht zu den schnellsten Lesern gehöre, bin ich sonst schnell das Schlußlicht. Hier war ich immer mittendrin.
Ich bin angesteckt von der Leidenschaft, Bücher gemeinsam zu lesen und habe mich schon nach weiteren interessanten Leserunden umgeschaut.
Danke an alle Mitleser/innen und Greta Hansen für die informative Begleitung.


Meine Rezension wurde auf folgenden Seiten veröffentlicht:

Amazon.de
Lovelybooks.de
buecher.de
libri.de
Thalia.de
buch.de
bol.de
« Letzte Änderung: 26. November 2011, 18:16:02 von urlaubsbille »

Offline nerolaan

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Rezension:

Ende des 19.Jahrhunderts bricht eine Welle los: tausende Deutsche besteigen in den Häfen Schiffe und machen sich auf Richtung Amerika. Allen ist eines gemein: Sie hoffen, auf dem fremden Kontinent ein neues Glück zu finden.
Das hofft auch die Familie Klausner und macht sich auf den Weg Richtung New York. Doch auf Ellis Island zerbrechen die Träume der Familie jäh, denn der ältesten Tochter Paula wird die Einreise verwehrt und sie muss, nun von ihrer Familie getrennt, den Weg alleine zurück nach Hamburg antreten.
Dort ist sie gezwungen ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Aber eines vergisst sie dabei nie: Ihre Familie. Und so sucht Paula einen Weg, zu ihrer Familie nach New York zu gelangen.

Greta Hansen beleuchtet in ihrem Roman „Zwischen uns der Ozean“ einen Teil der neueren Geschichtsschreibung der spannend und faszinierend zugleich ist.
Der Einstieg in den Roman fällt dem Leser sehr leicht: Man begegnet Paula und ihrer Familie als sich ihr Schiff in Anfahrt auf New York befindet. Dabei beschreibt die Autorin, wie die Freiheitsstatue plötzlich vor Paula auftaucht und wie sie sich dabei fühlt. Diese Beschreibungen sind so plastisch, dass eine dichte Atmosphäre entsteht. Man meint, neben Paula auf dem Schiff zu stehen und selbst die Statue zum ersten Mal zu sehen, man kann die Hoffnung spüren, die mit dem Wunsch nach einem Neuanfang einhergeht.
Die Autorin schafft es, diese greifbare Atmosphäre während des gesamten Romans aufrecht zu erhalten.

Zu Beginn war Paula mir nicht unbedingt sympathisch; man kann sagen, dass wir beide ein paar Startschwierigkeiten hatten. Doch im Verlauf des Romans ist mir Paula und ihr Schicksal immer mehr zu Herzen gegangen und ich habe mit ihr gehofft und gebangt, ob sie ihre Familie je wieder sehen wird. Greta Hansen schafft es dabei, die Gefühle von Paula gut zu transportieren. Ich habe mehr als nur einmal gedacht, dass ich direkt neben Paula stehe und durchmache, was sie durch macht.
Doch nicht nur Paula ist der Autorin gut gelungen. Auch die Nebenfiguren wie z.B. Fanny oder Julian sind mit viel Liebe ausgestaltet worden.

Die Handlung ist von der ersten Seite spannend und bietet so manche Überraschung. Langweilig ist es mir so nie geworden und ich habe jede Seite genossen, die ich mit Paula unterwegs war.
Doch leider waren diese Seiten viel zu schnell aufgebraucht und ich musste mich verabschieden; daher freue ich mich jetzt schon auf den nächsten Roman der Autorin.

Fazit: „Zwischen uns der Ozean“ ist ein gut zu lesender Roman, über ein Thema, dass noch nicht „tot geredet“ wurde. Wer für ein paar Stunden eine spannende Zeitreise unternehmen möchte, sei dieser Roman empfohlen.

Zur Leserunde:

Dies ist nicht meine erste Leserunde gewesen, und dennoch war sie irgendwie so ganz anders, wie meine bisherigen. Und mit anders meine ich das Tempo: Ich bin es sonst gewohnt, dass es wirklich flott geht. Diesmal konnte ich getrost das Buch auch mal einen Tag liegen lassen und musste nicht gleich Angst haben, dann direkt hinterher zu hinken. Das war ungewohnt, aber durchaus angenehm.

Meinen Mitleserinnen vielen Dank für das Teilen der Eindrücke. Obwohl es mich gefreut hat, dass wir vieles ähnlich empfinden, fand ich dies auch fast ein wenig schade, da es so weniger zum diskutieren gab.

Und dir Greta: Vielen Dank, dass Du dir die Zeit für uns genommen hast!

Offline dubh

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Hallo Ihr Lieben,

nun wollte ich auch noch meine abschließende Meinung zu Zwischen uns der Ozean schreiben.

Familie Klausner beschließt Ende des 19. Jahrhunderts ihre Heimatstadt Hamburg zu verlassen und in Amerika ihr Glück zu suchen. Denn davon hatte vor allem der Vater vierer Kinder in den letzten Jahren so gut wie gar nichts - unverschuldet verliert er sowohl seine Einkünfte als auch seinen guten Ruf als Handwerker. Doch auch bei der Einreise in die Vereinigten Staaten haben die Klausners mehr als nur Pech: ihrer fast 16 Jahre alten Tochter Paula wird die Einreise verweigert und binnen weniger Sekunden wird das Mädchen von ihrer Familie getrennt und von Ellis Island aus wieder auf ein Schiff zurück nach Hamburg verfrachtet!
Vor allem für die junge Paula beginnt nun eine harte Zeit: eine Zeit der Ungewissheit über die Eltern und Schwestern, aber auch die eigene Zukunft. Denn was kann eine Jugendliche alleine in einer Großstadt wie Hamburg und mit so gut wie keinem Geld schon anfangen?

Die Autorin Greta Hansen schildert in ihrem Roman eine Einwanderergeschichte, wie sie vermutlich nicht nur einmal passiert ist: die Regeln wurden in all den Jahren immer wieder geändert und verschärft - die Vereinigten Staaten wollten aber besonders in den Zeiten der großen Einwanderungswellen kontrollieren, wer alles ins Land kam und wer nicht. Hier wurde besonders auf Krankheiten, politisch bedenkliche (im Sinne der Regierung der USA) Gesinnung und eventuelle Vorstrafen geachtet und die Betroffenen gegebenenfalls auch sehr rüde abgewiesen. Auch wenn man solche Gesetze heute nahezu überall in noch viel verschärfterer Weise anwendet, so hat mich der Fall von Paula sehr berührt.

Die Autorin stellt die Atmosphäre auf der Fürst Bismarck, dem Schiff mit dem Familie Klausner auswandert, perfekt her: quasi mit der ersten Seite des Buches war ich abgetaucht und konnte mir die Zustände und die Träume, die auf diesem Schiff - exemplarisch für viele tatsächliche - herrschen musste, vorstellen. Als es im Morgengrauen dann, nach einigen Tagen auf See, endlich die Freiheitsstatue passiert, hatte ich wirklich das Gefühl, direkt neben Paula zu stehen...
Dann geht alles ziemlich schnell: die Szene, als Paula von Bord geht, ist richtig spannend - ebenso wie die ersten Eindrücke von Ellis Island. Und als das Unfassbare passiert, schafft Greta Hansen es, all diese Gefühle, die Paula nun überschwemmen, greifbar zu machen. Es ist schon bemerkenswert, wie man sich dadurch in Paula und ihre bald hinzukommenden Bekannten einfühlen kann!
Auch wenn einige Dinge dann natürlich ein bißchen vorhersehbar sind - was im übrigen nicht an der Autorin liegt, sondern einfach an den Zeichen der damaligen Zeit - so überrascht das Buch dennoch mit einigen schönen Wendungen, die mich stets mit Paula haben mitfühlen lassen. Hier muss ich sagen, dass mir besonders die Figuren rund um die 16jährige ausgesprochen gut gefallen haben. Greta Hansen hat sich wirklich sehr viel Mühe mit ihnen gegeben und sie sind mir allesamt ans Herz gewachsen!
Letztlich hat mir auch das Ende sehr gut gefallen - und da ein paar Dinge offen bleiben, würde ich unbedingt für eine Fortsetzung plädieren! Denn eines ist ein wenig schade an Zwischen uns der Ozean: der Roman liest sich leider viel zu schnell. ;)
Kurzum: ein schöner Roman über eine sehr interessante Zeit; couragierte oder verzweifelte Menschen, die versuchen, ihr Glück in die eigene Hand zu nehmen, und ein Mädchen, das schnell erwachsen werden muss und trotz dramatischer Widrigkeiten mutig ihren Weg sucht.


Zur Leserunde:
Auch wenn ich ein bißchen hinterher hinkte, so hat es mir großen Spaß gemacht, Eure Beiträge mit all den Eindrücken zu lesen. Eine Leserunde ist halt einfach großartig! Ich hoffe, wir lesen uns bald wieder (wenn wir es nicht gerade schon tun ;)) und lieben Dank Euch allen!
Dankeschön auch an Dich, Greta, dass Du Dir die Zeit für uns genommen hast! Ich hoffe, Du hast Dich vielleicht ein kleines bißchen zu einer Fortsetzung anstiften lassen... ;)
« Letzte Änderung: 04. November 2011, 17:17:28 von dubh »
"Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen."
(Theodor W. Adorno)

Offline Tammy1982

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Hallo Ihr Lieben,

so dann möchte ich hier auch mein Fazit schreiben.

Das Buch:
Ende des 19. Jahrhunderts begibt sich die 16jährige Paula zusammen mit ihrer Familie aus Hamburg auf den Weg nach Amerika. Sie wollen dort einen Neuanfang wagen, nachdem ihnen das Schicksal in Hamburg nicht mehr wohlgesinnt war. Doch Paula wird aufgrund eines Hinkens die Einreise verwehrt und man schickt sie ganz alleine wieder zurück nach Hamburg. Doch Paula ist eine Kämpfernatur und nimmt den Kampf auf, um irgendwann vielleicht doch wieder ihre Familie sehen zu können.

Das Buch beginnt schon auf der Einreise nach Amerika. In Rückblenden, über Erinnerungsfetzen von Paula oder ihrem Vater, erfährt der Leser was in Hamburg vorgefallen ist und warum die Familie auswandert. Von Anfang an herrscht eine gedrückte Stimmung und man als Leser ahnt schon, dass die Einreise nicht so ohne weiteres verlaufen wird.

Jedoch wird von Anfang klar, dass Paula ein starker Charakter ist und das Leben so nimmt, wie es ist und die Herausforderungen annimmt. So entwickelt sich aus dem noch etwas eigenwilligen, aber noch nicht so gefestigten Mädchen, eine willensstarke und anmutige Frau, die genau weiß, was sie will und ihren Weg macht.

Es war dabei sehr schön, der Entwicklung des Charakters von Paula zuzusehen und sich als Leser daran zu erfreuen, dass ihr Glas immer eindeutig halbvoll ist. Auch die Freunde, die sie findet und ihre Familie werden detailliert beschrieben und charakterisiert.
Gut gefallen hat mir die Idee über Briefe die Verbindung zu den Eltern bestehen zu lassen. So erfährt zumindest der Leser, wie es der Familie in Amerika ergeht und man fühlt sich ihnen verbunden.

Hamburg und auch New York werden sehr intensiv und bildlich beschrieben und gerade der hohe Geräuschpegel und das teilweise Chaos in New York kamen bei mir sehr intensiv an.

Alles in allem handelt es sich um ein richtiges Wohlfühlbuch, dass einen auch nach dem Lesen mit einem sehr positiven Gefühl zurücklässt und einen wieder an das Gute im Menschen glauben lässt. Vielleicht kann man dem Buch vorwerfen, es wäre zu optimistisch, jedoch liegt das Geheimnis in dem willensstarken und lebensbejahenden Charakter von Paula, der das ganze Buch über herausstrahlt.

Die Leserunde:

Vielen lieben Dank euch allen und an Greta für die schöne Leserunde!  :-* Es war wirklich eine beschauliche und ruhige Runde, was ich denke, auch an dem Wohlfühlbuch liegt. Es war sehr schön eure Kommentare zu verfolgen und auch toll mal in einer Leserunde doch wirklich sehr oft der gleichen Meinung zu sein.  ;)

Liebe Grüße
Tammy  :winken:

 

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